Rede von Luigi Pantisano (DIE LINKE) – Das Solidarprinzip stärken
Teil von Protokoll der 97. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 35: Das Solidarprinzip stärken.
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Rede von Luigi Pantisano (DIE LINKE) – Das Solidarprinzip stärken
Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Am Montag hat mir ein junger Arbeiter vor dem Werkstor bei Mercedes-Benz in Stuttgart Folgendes gesagt:
Friedrich Merz würde keine acht Stunden bei uns in der Gießerei durchstehen. – Und wissen Sie was? Es ist auch nicht die Aufgabe vom Kanzler, acht Stunden in der Gießerei durchzustehen. Dafür sind die Kollegen bei Mercedes da, am Ofen, in der Hitze, im Lärm, Schicht für Schicht,
und übrigens: die meisten davon mit Migrationsgeschichte.
Die Aufgabe von Friedrich Merz ist es, dafür zu sorgen, dass diejenigen, die für uns alle in der Gießerei stehen, gesund nach Hause kommen, bis zum Rentenalter durchhalten
und gesund ihre wohlverdiente Rente genießen können. So war das mal gedacht: Die einen stehen am Ofen, die Pflegerin ist nachts für die Oma da, die Busfahrerin fährt die erste Tour um halb fünf, und dafür verspricht dieses Land allen: Wenn du nicht mehr kannst, lassen wir dich nicht hängen, dann zahlen wir dir eine Rente. Das ist das Solidarprinzip: einer für alle, alle für einen.
Doch Kanzler Merz hat den Spieß umgedreht: alles für ihn und seine reichen Freunde, nichts für euch.
Der junge Kollege war am Montag nicht alleine wütend auf den Kanzler. 175 000 Beschäftigte waren bundesweit beim Aktionstag der IG Metall auf der Straße, und die sind stinksauer; denn die Altersteilzeit ist für sie der Notausgang, der Weg raus, bevor der Rücken ganz kaputt ist. Und diesen Notausgang wollen Sie ihnen zumauern.
Wer vom warmen Schreibtisch aus sagt, die Leute sollten gefälligst länger arbeiten, der hat keine Ahnung, wie hart die einfachen Leute in diesem Land arbeiten.
Oder er weiß es ganz genau; denn jedes Jahr, in dem die Kollegen länger schuften, ist ein Jahr weniger, in dem Rente gezahlt werden muss. Das ist kein Versehen; das ist Absicht.
Der Kollege aus der Gießerei zahlt übrigens vom ersten Tag an und von jedem Euro, den er verdient, in die Rentenkasse ein. Der Mercedes-Benz-Vorstand zahlt gleichzeitig vom Großteil seines Einkommens keinen einzigen Cent in die Rentenkasse.
Deswegen sagen wir: Die Beitragsbemessungsgrenze muss endlich erhöht werden.
Das Rentenniveau muss auf 53 Prozent angehoben werden, damit niemand in Altersarmut enden muss. Und: Die Altersteilzeit muss bleiben.
Sie, Herr Merz, sparen aber bei den Arbeitern, damit Sie Ihre superreichen Freunde verschonen können. Für Ihre Politik gibt es in diesem Land keine Mehrheit mehr. In Berlin haben die Leute gerade Die Linke zur stärksten Kraft gewählt. Sie, Herr Merz, wurden abgewählt.
Am Samstag, 26. September – morgen –, werden die Menschen gegen Ihre Kürzungspolitik auf die Straße gehen; denn sie lassen sich nicht mehr gegeneinander ausspielen. Allen, die am Samstag auf die Straße gehen, sagen wir von hier aus: Wir stehen nicht nur heute mit unseren Anträgen an eurer Seite; wir stehen auch am Samstag mit euch gemeinsam auf der Straße. Einer für alle, alle für einen!
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