Protokoll der 97. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 97. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
Plenarprotokoll 21/97
Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
97. Sitzung
Berlin, Freitag, den 25. September 2026
Inhalt:
Erweiterung der Tagesordnung
Begrüßung der Vizepräsidentin der Nationalversammlung Vietnams, Frau Nguyen Thi Thanh
Tagesordnungspunkt 33:
– Dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Modernisierung des Bundespolizeigesetzes
Drucksachen 21/3051, 21/6990
– Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung
Drucksache 21/7001
Namentliche Abstimmung
Ergebnis
Tagesordnungspunkt 34:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Einführung einer Frühstartrente
Drucksache 21/7864
b) Antrag der Abgeordneten Lisa Schubert, Nicole Gohlke, Janine Wissler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Finanzielle Bildung stärken – Unabhängig, mehrperspektivisch und für alle jungen Menschen
Drucksache 21/8125
Lars Klingbeil, Bundesminister BMF
Iris Nieland (AfD)
Dr. Mathias Middelberg (CDU/CSU)
Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Lisa Schubert (Die Linke)
Michael Thews (SPD)
Diana Zimmer (AfD)
Dr. Carsten Brodesser (CDU/CSU)
Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Frauke Heiligenstadt (SPD)
Torben Braga (AfD)
Frauke Heiligenstadt (SPD)
Oliver Pöpsel (CDU/CSU)
Ulrike Schielke-Ziesing (AfD)
Mechthilde Wittmann (CDU/CSU)
Zusatzpunkt 10:
Beschlussempfehlung des Vermittlungsausschusses zu dem Gesetz über den Zugang zu Schuldnerberatungsdiensten für Verbraucher (Schuldnerberatungsdienstegesetz – SchuBerDG)
Drucksachen 21/1847, 21/2458, 21/2774, 21/5883, 21/5930, 21/8160
Dirk Wiese (SPD)
Stephan Brandner (AfD)
Catarina dos Santos-Wintz (CDU/CSU)
Andreas Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Christian Görke (Die Linke)
Tagesordnungspunkt 35:
Antrag der Abgeordneten Janine Wissler, Nicole Gohlke, Doris Achelwilm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Das Solidarprinzip stärken
Drucksache 21/7970
Heidi Reichinnek (Die Linke)
Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU)
Robert Teske (AfD)
Bernd Rützel (SPD)
Dr. Armin Grau (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Stefan Nacke (CDU/CSU)
Peter Bohnhof (AfD)
Dr. Christos Pantazis (SPD)
Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Luigi Pantisano (Die Linke)
Dr. Hülya Düber (CDU/CSU)
Peter Bohnhof (AfD)
Dr. Hülya Düber (CDU/CSU)
Pascal Meiser (Die Linke)
Dr. Hülya Düber (CDU/CSU)
Rasha Nasr (SPD)
Florian Bilic (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 41:
a) – Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinien (EU) 2025/1 und (EU) 2025/2 zur Festlegung eines Rahmens für die Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen sowie zur Änderung des Aufsichtsrahmens für Versicherungsunternehmen (Versicherungs-Sanierungs-Abwicklungs-und-Aufsichtsänderungs-Gesetz – VSAAG)
Drucksachen 21/6561, 21/8157
– Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung
Drucksache 21/8162
Armand Zorn (SPD)
Hauke Finger (AfD)
Dr. Stefan Korbach (CDU/CSU)
Katharina Dröge (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Armand Zorn (SPD)
Dr. Reinhard Brandl (CDU/CSU)
Doris Achelwilm (Die Linke)
Dr. Florian Dorn (CDU/CSU)
Dr. Moritz Heuberger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Lorenz Gösta Beutin (Die Linke)
Torben Braga (AfD)
Dr. Florian Dorn (CDU/CSU)
Rainer Groß (AfD)
Namentliche Abstimmungen
Ergebnisse
Zusatzpunkt 11:
Erste Beratung des von den Abgeordneten Lamya Kaddor, Dr. Konstantin von Notz, Misbah Khan, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Bundeszentrale für politische Bildung (BpBG)
Drucksache 21/8074
Lamya Kaddor (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
David Gregosz (CDU/CSU)
Dr. Götz Frömming (AfD)
Hakan Demir (SPD)
Clara Bünger (Die Linke)
Dr. David Preisendanz (CDU/CSU)
Dr. Götz Frömming (AfD)
Dr. David Preisendanz (CDU/CSU)
Martin Reichardt (AfD)
Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Martin Reichardt (AfD)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Lamya Kaddor (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Hakan Demir (SPD)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Martin Reichardt (AfD)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 37:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Modernisierung und Digitalisierung der Arbeitsförderung
Drucksache 21/7870
b) Antrag der Abgeordneten Jan Feser, René Springer, Peter Bohnhof, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Reform der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung – Finanzielle Resilienz und Versicherungsprinzip stärken, Arbeit entlasten
Drucksache 21/8126
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 8:
Antrag der Abgeordneten Sylvia Rietenberg, Dr. Anja Reinalter, Dr. Armin Grau, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sicherheit im Wandel – Eine Arbeitsversicherung für die ökologische und digitale Transformation
Drucksache 21/8127
Katja Mast, Parl. Staatssekretärin BMAS
Jan Feser (AfD)
Dr. Markus Reichel (CDU/CSU)
Sylvia Rietenberg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Cem Ince (Die Linke)
Jens Peick (SPD)
Peter Aumer (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 19:
Antrag der Abgeordneten Sascha Lensing, Dr. Gottfried Curio, Dr. Christian Wirth, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Deutschlands Grenzen wirksam sichern – KI-Grenzschutz jetzt einführen
Drucksache 21/6822
Sascha Lensing (AfD)
Detlef Seif (CDU/CSU)
Jeanne Dillschneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ingo Vogel (SPD)
Donata Vogtschmidt (Die Linke)
Thomas Silberhorn (CDU/CSU)
Ruben Rupp (AfD)
Tagesordnungspunkt 39:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Siebten Gesetzes zur Änderung der Verwaltungsgerichtsordnung und anderer Gesetze
Drucksache 21/7824
Frank Schwabe, Parl. Staatssekretär BMJV
Rainer Galla (AfD)
Johannes Rothenberger (CDU/CSU)
Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Aaron Valent (Die Linke)
Daniel Rinkert (SPD)
Fabian Jacobi (AfD)
Tijen Ataoğlu (CDU/CSU)
Susanne Hierl (CDU/CSU)
Zusatzpunkt 9:
Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sicherheit und Kontrolle von KI-Systemen gewährleisten – Staatliche Schutzverantwortung ernst nehmen
Dr. Franziska Brantner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Thomas Jarzombek, Parl. Staatssekretär BMDS
Ruben Rupp (AfD)
Johannes Schätzl (SPD)
Sonja Lemke (Die Linke)
Marvin Schulz (CDU/CSU)
Tobias Ebenberger (AfD)
Dr. Karl Lauterbach (SPD)
Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Thomas Pauls (CDU/CSU)
Lars Haise (AfD)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Ralph Brinkhaus (CDU/CSU)
Nächste Sitzung
Anlage 1
Entschuldigte Abgeordnete
Anlage 2
Erklärungen nach § 31 GO zu der namentlichen Abstimmung über den von der Bundesregierung eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Bundespolizeigesetzes
(Tagesordnungspunkt 33)
Sebastian Fiedler (SPD)
Alexander Throm (CDU/CSU)
Anlage 3
Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten Bodo Ramelow (Die Linke) zu der namentlichen Abstimmung über den von der Bundesregierung eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinien (EU) 2025/1 und (EU) 2025/2 zur Festlegung eines Rahmens für die Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen sowie zur Änderung des Aufsichtsrahmens für Versicherungsunternehmen (Versicherungs-Sanierungs-Abwicklungs-und-Aufsichtsänderungs-Gesetz – VSAAG) – hier: Artikel 11 (Änderung des Energiesteuergesetzes), Artikel 12 (Änderung der Energiesteuer-Durchführungsverordnung) und Artikel 13 Absatz 4 (Inkrafttreten der Artikel 11 und 12) in der Ausschussfassung
(Tagesordnungspunkt 41a)
Anlage 4
Amtliche Mitteilungen
Präsidentin Julia Klöckner:
Guten Morgen, alle zusammen, am Freitag dieser Sitzungswoche! Die 97. Sitzung ist hiermit eröffnet.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, interfraktionell ist vereinbart worden, die Beschlussempfehlung des Vermittlungsausschusses zum Schuldnerberatungsdienstegesetz auf Drucksache 21/8160 heute nach Tagesordnungspunkt 34 aufzusetzen. Ich sehe keinen Widerspruch, höre auch keinen. Dann ist das so beschlossen.
Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 33:
– Dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Modernisierung des Bundespolizeigesetzes
Drucksache 21/3051
Beschlussempfehlung und Bericht des Innenausschusses (4. Ausschuss)
Drucksache 21/6990
– Bericht des Haushaltsausschusses (8. Ausschuss) gemäß § 96 der Geschäftsordnung
Drucksache 21/7001
Zur Annahme des Gesetzentwurfs ist die Mehrheit der Mitglieder des Deutschen Bundestages, das sind also mindestens 316 Ja-Stimmen, erforderlich. Meine Damen und Herren, in der 90. Sitzung am 10. Juli 2026 konnte die nach § 48 unserer Geschäftsordnung vorgeschriebene Feststellung, dass die erforderliche Mehrheit vorliegt, nicht erfolgen. Die Schlussabstimmung ist daher zu wiederholen.
Ein Hinweis zu unseren Aufgaben hier in der Sitzungsleitung bei solchen Abstimmungen: Die Sitzungsleitung stellt die Mehrheit fest. Ein wenig Mithilfe aus dem Hause ist dabei durchaus willkommen, zum Beispiel in Form eines Antrags auf namentliche Abstimmung. Ein solcher Antrag liegt heute auch vor. Wir stimmen also über den Gesetzentwurf nunmehr auf Verlangen der Fraktionen der CDU/CSU und der SPD namentlich ab. Ich drücke schon mal unsere Lobbytaste für die Kolleginnen und Kollegen, die, wie ich sehe, schon draußen stehen.
Der Innenausschuss empfiehlt unter Buchstabe a seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 21/6990, den Gesetzentwurf auf Drucksache 21/3051 in der Ausschussfassung anzunehmen. Ich weise schon jetzt darauf hin, dass wir nach Eröffnung der namentlichen Abstimmung mit der Tagesordnung fortfahren werden. Ich bitte dann auch um Rücksicht auf die Redner der Debatte. Ich habe festgelegt, dass Sie nach Eröffnung der Abstimmung zur Abgabe Ihrer Stimme mindestens 30 Minuten Zeit haben. Ich wäre auch dankbar für die Hinweise der PGFs.
Kurzer Hinweis meinerseits: Es gibt ja sehr kreative Maßnahmen der Stadt Berlin, was das Absperren von Straßen angeht – auch während dieser Bundestag arbeiten will und auch arbeiten muss. Sie sind manchmal so kreativ, dass man nicht zum Arbeitsplatz kommen kann. Wir freuen uns über jeden Jogger und über jeden, der da teilnimmt. Aber Koexistenz ist auch wichtig, gerade wenn wir abstimmen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD, der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken)
Die Schriftführerinnen und Schriftführer bitte ich, die vorgesehenen Plätze einzunehmen. Deshalb die Frage, ob dies geschehen ist. – Ich bedanke mich bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, und ich kriege das Zeichen: Die Plätze an den Urnen sind besetzt. Das ist der Fall.
Hiermit eröffne ich nun die namentliche Abstimmung über den Gesetzentwurf der Bundesregierung. Ich gebe noch mal den Hinweis: Das Ende der Abstimmung wird rechtzeitig bekannt gegeben. Angepeilt wird etwa 9:30 Uhr, 9:40 Uhr.1Ergebnis Seite 12050 C
Ich rufe nun auf die Tagesordnungspunkt 34a und 34b:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Einführung einer Frühstartrente
Drucksache 21/7864
Überweisungsvorschlag: Finanzausschuss (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Arbeit und Soziales Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Haushaltsausschuss mitberatend und gemäß § 96 der GO
b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Lisa Schubert, Nicole Gohlke, Janine Wissler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
Finanzielle Bildung stärken – Unabhängig, mehrperspektivisch und für alle jungen Menschen
Drucksache 21/8125
Überweisungsvorschlag: Finanzausschuss (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Arbeit und Soziales Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Haushaltsausschuss
Für die Aussprache wurde eine Dauer von 60 Minuten beschlossen. Und bevor wir zum Abklatschen hier auf der Regierungsbank kommen, würde ich sagen, dass die Debatte jetzt startet. – Ich warte einen Moment und bitte um Rücksicht auf die Redner. – Danke schön.
Die Aussprache eröffnet für die Bundesregierung der Bundesminister der Finanzen, Herr Lars Klingbeil. Bitte.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Lars Klingbeil, Bundesminister der Finanzen:
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren ja in diesen Tagen sehr viel über die Zukunft der Rente. Und ich finde, wir als Koalition haben heute ein wichtiges Gesetz vorgelegt, mit dem wir zeigen: Wir wollen die Rente in unserem Land zukunftsfest machen, und wir haben alle Generationen, hier aber vor allem die junge Generation, im Blick. Ich bin wirklich dankbar dafür, dass wir die Frühstartrente heute hier im Bundestag beraten und dass wir dieses Gesetz auf den Weg bringen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es geht um Chancengleichheit, es geht um Chancengerechtigkeit. Ich will, diese Regierung will, dass alle Kinder in unserem Land gute Chancen haben, dass sie sich ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben aufbauen können. Dafür braucht es starke Familien, dafür braucht es eine starke Heimat. Es braucht eine gute Kinderbetreuung, und es braucht Bildung von klein auf. Deswegen investieren wir als Bundesregierung, als Koalition, mit dem Sondervermögen Milliarden des Bundes in die frühkindliche Bildung. Wir investieren in gute Schulen, und wir investieren in einen erfolgreichen Übergang in die Ausbildung oder das Studium.
Aber es gehört eben auch dazu, dass man sich Sicherheit für das Alter aufbaut. Deswegen schaffen wir eine zusätzliche Möglichkeit, für das Alter vorzusorgen. Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wollen, dass alle Kinder davon profitieren können. Schon heute sehen wir, dass in vielen Familien für das Alter vorgesorgt wird. Aber das gilt eben häufig für die Kinder aus Familien, die es sich leisten können, 20 oder 30 Euro im Monat zur Seite zu legen. Es ist noch heute so, dass viel zu häufig der Geldbeutel der Eltern darüber entscheidet, welche Zukunft Kinder in unserem Land haben. Das brechen wir mit der Frühstartrente ein Stück weit auf. Deswegen ist diese Frühstartrente auch ein Zeichen für eine bessere Gerechtigkeit in unserem Land.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Wir geben Kindern künftig 10 Euro im Monat als Startkapital für die Altersvorsorge. Das lohnt sich. Es sind kleine Beiträge, aber ich sage hier noch mal: Es lohnt sich für alle. Wir schaffen eine Vorsorge für alle im Alter. Das ist eine Ergänzung zur privaten Altersvorsorge, die wir als Koalition bereits neu aufgestellt haben, und es ist ein wesentlicher Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit. 10 Euro im Monat, das mag vielleicht erst mal wenig klingen. Aber durch den frühen Start kommen über Jahrzehnte große Summen zusammen. Allein aus der staatlichen Förderung kann bis zum Renteneintritt ein Beitrag von 53 000 Euro entstehen.
Wenn jetzt sogar noch die Eltern oder die Großeltern jeden Monat 20 Euro dazugeben, dann wird es nach unseren Schätzungen bis zum Renteneintritt eine Summe von 160 000 Euro sein, die dort zusammenkommt.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Und es gibt ja viele Anlässe, bei denen die Eltern und Großeltern etwas drauflegen können: Geburtstage, Konfirmation, Jugendweihe, Weihnachten. Wir schaffen mit dieser Frühstartrente also ein digitales Familiensparbuch. Das ist ein echter Vermögensaufbau, der für Kinder in allen Familien stattfindet. Vor allem – ich habe es gerade gesagt – verbessern wir die Situation für Kinder aus Familien mit kleinen Einkommen. Das stärkt alle Kinder, das macht sie unabhängiger, und das schafft Sicherheit fürs Alter.
Und ja: Wenn ein Kind durchs Raster fällt, weil die Eltern sich nicht kümmern, dann springt der Staat über die Deutsche Bundesbank ein. Hier werden wir das Geld für alle Kinder anlegen, deren Eltern sich nicht kümmern. So garantieren wir, dass jedes Kind in unserem Land die gleichen Chancen – –
(Unruhe im Saal)
Präsidentin Julia Klöckner:
Entschuldigung, Herr Minister. Es tut mir leid, dass Sie unterbrochen wurden. – Entschuldigung da hinten. Also, wir sind hier kein Marktplatz. Ich bin auch gut gelaunt, aber hier ist eine Debatte. – Bitte sehr.
Lars Klingbeil, Bundesminister der Finanzen:
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich will es noch mal sagen: Der Staat springt ein für die Kinder, deren Eltern sich nicht kümmern. So garantieren wir eine wirkliche Chancengerechtigkeit in unserem Land, und wir starten jetzt mit den sechsjährigen Kindern in unserem Land.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, was wir auch auf den Weg bringen, ist eine Strategie, um die finanzielle Bildung in unserem Land zu stärken. Wir haben in Deutschland eine Kultur der Sparbücher. Dagegen habe ich gar nichts, das ist gut. Aber wir müssen sie ergänzen durch eine Kultur der Sparpläne und der Depots. Wir wollen, dass sich junge Menschen in unserem Land sehr früh – in den Familien, in den Schulen – mit Kapitalmärkten auseinandersetzen, dass sie lernen, wie Kapitalmärkte funktionieren und welche Chancen dort entstehen. Deswegen wird die Bundesregierung in der zweiten Jahreshälfte auch eine Finanzbildungsstrategie auf den Weg bringen. Das ergänzt die Frühstartrente, die wir ab jetzt hier im Parlament behandeln.
Ich bin dankbar dafür, dass wir als Koalition das auf den Weg gebracht haben. Ich freue mich auf die Beratungen hier im Parlament. Und ich will noch mal betonen: Das ist eine gute Initiative für eine zukunftsfeste Rente für die künftige Generation und für das Miteinander in unserer Gesellschaft.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der AfD hat nun Frau Abgeordnete Iris Nieland das Wort. Bitte.
(Beifall bei der AfD)
Iris Nieland (AfD):
Frau Präsidentin! Geehrte Kollegen! 10 Euro im Monat – Donnerwetter! 10 Euro im Monat – damit will die Bundesregierung die private Altersvorsorge stärken, die Aktienkultur in Deutschland fördern, Finanzkompetenz vermitteln und Kinder früh an den Kapitalmarkt heranführen. Für 10 Euro scheint mir das doch ein ziemlich großer Rucksack zu sein.
Es ist ja durchaus richtig, frühzeitig einen Kapitalstock für die Altersvorsorge aufzubauen. Das fordert auch meine Fraktion. Aber schauen wir uns doch mal genau an, was Ihre sogenannte Frühstartrente wirklich leisten würde. Vom 6. bis zum 18. Lebensjahr soll jedes Kind 10 Euro vom Bund auf ein Depot erhalten. Insgesamt ergibt das nach zwölf Jahren zunächst die bemerkenswerte Summe von 1 440 Euro. Nun können natürlich Zins und Zinseszins über die Jahrzehnte Erstaunliches leisten. Aber dafür ist der von Ihnen hier vorgesehene Sockelbetrag völlig unzureichend, es sei denn, Sie rechnen mit Rekordzinsen wie in den 90ern oder die Eltern leisten gigantische Zuzahlungen. Die Anhörung im Finanzausschuss wird zeigen müssen, ob Ihr Modell seinem eigenen Anspruch überhaupt gerecht werden kann.
Nun ist dieses Thema kein neues. Unser Antrag für die Einführung eines Junior-Spardepots, Drucksache 21/2163, liegt seit etwa einem Jahr vor. Wir, die AfD-Fraktion, setzen von Anfang an auf einen deutlich größeren Kapitalstock: 100 Euro monatlich. Und ab der Geburt sollen Zins und Zinseszins eine Substanz geben. Über die Jahrzehnte wird dann daraus eine wirklich relevante Altersvorsorge.
(Beifall bei der AfD)
Noch ein Unterschied, den ich jetzt ausdrücklich nennen will: Ihr Gesetzentwurf verlangt weder die deutsche Staatsangehörigkeit noch einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland. Wie wollen Sie eigentlich verhindern, dass das Geld, wie beim Kindergeld ja auch, in Größenordnungen ins Ausland fließt? Unser Junior-Spardepot richtet sich an deutsche Kinder mit tatsächlichem Daueraufenthalt in Deutschland.
(Beifall bei der AfD)
Damit bin ich beim Antrag der Linken. Finanzielle Bildung stärken, das klingt ja erst mal richtig.
(Zuruf von der Linken)
Zwingende Voraussetzung dafür ist allerdings die Beherrschung der Grundrechenarten. Und PISA hat uns ja erneut die erheblichen Defizite aufgezeigt; übrigens fallen mir diese auch regelmäßig bei Anträgen von Ihrer Seite des Parlaments auf. Das sollten wir also unbedingt angehen.
(Beifall bei der AfD)
Kernbereiche der Finanzkompetenz sind langfristiges Sparen und Haushaltsführung. Dieser Antrag der Linken geht allerdings weit über die Kernbereiche der Finanzkompetenz hinaus. Im linken Antrag geht es um – das sieht man, wenn man genau hinschaut – Vermögensumverteilung, Kapitalmarktstrukturen, Rüstungsproduktion, Umweltfragen, alternative Wirtschaftsmodelle. Das ist doch keine Finanzbildung. Das ist politische Umerziehung.
(Beifall bei der AfD)
Zurück zum Gesetzentwurf. Heute ist die erste Beratung. Nächste Sitzungswoche ist die Anhörung. Und dann machen wir genau das, was vor jeder wichtigen Entscheidung zu tun ist: Wir prüfen die Zahlen, wir prüfen die Konstruktion, und, liebe Bundesregierung, wir hören den Sachverständigen wirklich zu. Mit unserem Junior-Spardepot haben wir einen konkreten und zukunftsweisenden Vorschlag zur privaten Altersvorsorge vorgelegt. Ich bin davon überzeugt, er erfährt die Zustimmung der Sachverständigen.
Vielen Dank, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der CDU/CSU hat nun Herr Abgeordneter Dr. Mathias Middelberg das Wort. Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Dr. Mathias Middelberg (CDU/CSU):
Verehrte Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Die Frühstartrente, die wir heute hier beraten, ist ein Meilenstein, und zwar in dreifacher Hinsicht. Sie ist ein Meilenstein bei der Stärkung der privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge und damit bei der Alterssicherung insgesamt. Sie ist aber auch ein Meilenstein bei der Stärkung der finanziellen Bildung. Und sie ist drittens ein Meilenstein bei der Frage: Wie stärken wir die Kapitalanlage in Deutschland?
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Kinder vom 6. bis zum 18. Lebensjahr – der Bundesfinanzminister hat das eben erläutert – erhalten demnächst einen Zuschlag von 10 Euro in ein individuelles, kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot. Das ist dann ihr persönliches, ihr individuelles Depot. Dieses kann von allen anderen Familienmitgliedern oder sonst wem zu Ostern, zu Weihnachten oder wann auch immer zusätzlich bespart werden. Also jeder, der nicht weiß, was er den Kindern schenken soll, kann zusätzlich 10, 20 oder noch mehr Euro in dieses Depot einzahlen. Am Ende wird sich das durch Zins und Zinseszins gewaltig auswirken.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Das Wesentliche dabei ist – auch das hat Lars Klingbeil eben zu Recht betont; das ist wirklich wichtig –: Für alle, deren Eltern dieses Depot nicht einrichten, richten wir es ein. Das wird dann von der Bundesbank gemanagt. Das ist ein ganz konkreter Beitrag zur Chancengleichheit,
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
zum chancengleichen Start für Kinder vom Grundschulalter an ins Leben und für ihre persönliche Alterssicherung. Das ist ein Riesenfortschritt bei der Altersvorsorge. Und sogar die Kinder und Jugendlichen, die solche Zuschüsse nicht erhalten, können die Vorteile eines solchen Depots für sich nutzen, indem die Erträge in diesem Depot steuerfrei gestellt sind bis zum Renteneintritt. Was früher das Sparbuch war, wird jetzt ein langfristiger Sparvertrag für Kinder schon vom Grundschulalter an. Das ist, wie gesagt, ein Riesenfortschritt für die Alterssicherung in Deutschland.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Selbst wenn nichts zugezahlt wird, kommt man bei einer durchschnittlichen Rendite von 5 Prozent per annum auf einen Betrag von 20 000 Euro bis zum Renteneintritt.
(Ulrike Schielke-Ziesing [AfD]: Das ist lächerlich! Lächerlich!)
Sollten Eltern oder andere auch nur 20 Euro im Monat dazuzahlen oder die Beteiligten dies selber später dazuzahlen, dann kommt man schon auf knapp 100 000 Euro zum Renteneintritt. Das erfährt durch Zins und Zinseszins riesige Effekte.
(Zuruf von der AfD)
Wir stärken mit diesem Gesetz – ich hatte es schon gesagt – auch die finanzielle Bildung. Nur 14 Millionen Deutsche investieren im Moment zum Beispiel in Aktien. Der schwedische Altersvorsorgefonds, der im Wesentlichen überwiegend ein Aktienfonds ist, hat bisher eine jährliche Rendite von 11 Prozent für seine Teilnehmer erwirtschaftet. Davon profitieren alle jungen Schweden und auch die, die demnächst älter werden. Das ist die Zielsetzung für diese Depots, die wir für die Sechsjährigen einrichten wollen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir stärken damit auch – ich finde, das ist ein ganz wichtiger Gesichtspunkt – unseren eigenen Kapitalmarkt. Wir produzieren mehr privates Kapital für unseren Kapitalmarkt, schaffen damit am Ende mehr Investitionen in unsere Unternehmen, in unsere Wirtschaft. Wir sprechen ja so häufig von den deutschen Konzernen. Schauen wir uns mal genau an, wem eigentlich die deutschen Konzerne gehören. Nehmen wir mal als Beispiel Siemens; das hört sich so richtig schön deutsch an. 29 Prozent der Aktionäre haben ihren Sitz in Deutschland. 26 Prozent der Aktionäre sitzen in den USA, 11 Prozent in Großbritannien, 8 Prozent in der Schweiz. Deswegen haben wir allen Anlass, daran zu arbeiten, Kapitalanlagen in unserem Land, also in unsere eigene Wirtschaft, in unsere eigenen Unternehmen, zu stärken. Genau das tun wir grundlegend mit diesem Gesetz, und auch deswegen ist dieses Gesetz so wichtig.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Man kann dieser Bundesregierung manches vorhalten.
(Ulrike Schielke-Ziesing [AfD]: Vieles!)
Und in manchem – das sage ich auch ganz ehrlich – ist die Performance tatsächlich noch steigerungsfähig; das gebe ich offen zu. Aber bei einem Thema, nämlich bei der Stärkung der Alterssicherung, gehen wir wirklich ganz entschieden voran. Wir haben die private Altersvorsorge jetzt schon gesetzlich massiv gestärkt. Den schlappen Riester gibt es nicht mehr, sondern es gibt jetzt wirklich eine dynamische private Altersvorsorge. Da können Sie sparen, Geld anlegen und haben nachher wirklich eine brauchbare Rendite.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wir werden jetzt die gesetzliche Rente stärken. Wir stärken sie durch stärkere Kapitalabdeckung, aber auch durch die Erweiterung des Einzahlerkreises.
(Ulrike Schielke-Ziesing [AfD]: Wann machen Sie das denn?)
Die Selbstständigen nehmen wir mit rein und auch uns selbst als Abgeordnete; auch das ist wichtig. Ich könnte in diesem Kontext noch andere Punkte nennen. Aber wir stärken die gesetzliche Rente, und wir werden mit diesem Rentenpaket dann im gleichen Kontext auch die betriebliche Altersvorsorge stärken. Auch diese wird stärker werden.
Der wesentliche Schritt, den wir jetzt gehen – das ist Schritt Nummer vier –, ist die Frühstartrente. Wie gesagt: Man kann uns einiges vorwerfen. Aber beim Thema „Stärkung der Altersvorsorge“ geht diese Regierung ganz klar richtig positiv voran und stärkt und sichert das Leben der Menschen in Deutschland.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für Bündnis 90/Die Grünen hat nun Herr Abgeordneter Stefan Schmidt das Wort. Bitte.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Es gibt Ideen, die sind so einfach und doch so wirkungsvoll. Die Frühstartrente könnte so eine Idee sein. Der Staat zahlt für jedes Kind jeden Monat 10 Euro in ein Vorsorgedepot ein. Die Kinder erhalten ein Startkapital für die private Altersvorsorge und lernen dabei von klein auf, wie der Kapitalmarkt funktioniert. Das ist wirklich eine gute Idee!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
So gut die Idee allerdings auch ist, so schlecht wird sie leider umgesetzt.
(Zurufe von der CDU/CSU und der SPD: Oh!)
Denn mit diesem Gesetzentwurf erreicht die Bundesregierung ihre Ziele kaum. Wenn Sie die Frühstartrente für jedes Kind planen, was wir wichtig und richtig finden: Warum wollen Sie dann Kinder davon ausschließen, die älter als sechs Jahre alt sind? Warum soll der 2020 geborene Matteo die Frühstartrente erhalten, seine 2019 geborene Mitschülerin Emma aber nicht?
(Olav Gutting [CDU/CSU]: Weil ihr das Geld verfrühstückt habt!)
Ältere Jahrgänge komplett von der Frühstartrente auszuschließen, entgegen Ihren Versprechungen, ist schlicht ungerecht.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dafür gibt es auch keinen Grund. Denn mal ganz ehrlich: Wer sich einfach mal locker-flockig 2,5 Milliarden Euro für den Tankrabatt aus dem Ärmel schüttelt, der wird wohl auch noch ein paar Hundert Millionen Euro für die Altersvorsorge unserer Kinder finden!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wenn Sie die Frühstartrente für jedes Kind planen, was wir richtig und wichtig finden: Warum soll das Geld für diejenigen Kinder in einer Kollektivanlage landen, deren Eltern kein eigenes Depot für ihr Kind eröffnen? Wahrscheinlich landet dort doch eher das Geld der Kinder aus finanziell schwächeren Elternhäusern. Mit der Kollektivanlage benachteiligen Sie also genau die Kinder, die von einem eigenen Depot, einer eigenen Vorsorge und der eigenen Erfahrung am Kapitalmarkt am meisten profitieren würden.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Zielführender wäre doch, wenn jedem Kind in der kollektiven Anlage ein individuelles Depot zugeordnet wird. So könnte wirklich jedes Kind selbst nachvollziehen: Wie viel wurde einbezahlt, und wie hat sich mein Vermögen entwickelt? – Mit Volljährigkeit fließt das Kapital aus der kollektiven Anlage dann automatisch in das öffentlich verwaltete Standardprodukt. Nur so ist sichergestellt, dass wirklich jedes Kind nach dem 18. Geburtstag ein Depot für die private Altersvorsorge hat und das Vermögen nicht verfällt. Der Zugang zur Frühstartrente darf nicht von der Initiative der Eltern abhängen!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wenn Sie die Frühstartrente für jedes Kind planen, was wir richtig und wichtig finden: Warum sollen die Eltern das Depot nur bei einem privaten Anbieter eröffnen, nicht aber das öffentlich verwaltete Standarddepot dafür nutzen dürfen? Es gibt wirklich keinen Grund, die Wahlfreiheit der Eltern einzuschränken und private Anbieter zu bevorzugen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir Grüne haben da eine klare Erwartung: Halten Sie Ihr Wort, schaffen Sie endlich das öffentlich verwaltete Standarddepot, und öffnen Sie es für die Frühstartrente!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dann, Herr Middelberg, sind wir auch beim Vorbild Schweden.
Wenn Sie die Frühstartrente für jedes Kind planen, was wir richtig und wichtig finden: Wie kann es dann sein, dass zusätzlich zu den 120 Euro an staatlichen Einzahlungen pro Jahr weitere 6 840 Euro an privaten Einzahlungen erlaubt sind? Das ist das 57-Fache. Dieses Missverhältnis ist nicht nachvollziehbar und damit völlig unnötig!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wenn Sie die Frühstartrente für jedes Kind planen, was wir richtig und wichtig finden: Wie wollen Sie dann sicherstellen, dass jedes Kind etwas Sinnvolles über langfristige Geldanlage, Zinseszinseffekt und Effektivkosten lernt? Sie versprechen finanzielle Bildung, aber legen die Verantwortung dafür ausgerechnet in die Hände der privaten Depotanbieter. Das ist doch keine Finanzbildung. Ganz im Gegenteil: Da gibt es nicht mehr als schicke Hochglanzwerbung frei Haus!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Frühstartrente ist eine gute Idee und hat viel Potenzial. Aber wir als Gesetzgeber müssen jetzt noch ordentlich daran schrauben. Wir müssen die Ungerechtigkeiten ausmerzen, um die Ziele auch wirklich zu erreichen. Bundeskanzler Merz hat Anfang der Woche mehr soziale Gerechtigkeit versprochen. Das ist auch dringend notwendig. Zeigen wir dem Kanzler, wie soziale Gerechtigkeit geht! Fangen wir gleich mal bei der Frühstartrente damit an!
Vielen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Die Linke hat nun Lisa Schubert das Wort. Bitte.
(Beifall bei der Linken)
Lisa Schubert (Die Linke):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Zuhörende! Als jüngstes Mitglied in diesem Bundestag bin ich auch hier, um eine Stimme für junge Menschen in diesem Land zu sein, für eine Generation, die Sie längst abgeschrieben haben. Wir sollen wieder zur Musterung. Wir warten monatelang auf einen Therapieplatz. Im Sozialen wird gekürzt, im Gesundheitswesen gestrichen. Ich bin Teil einer Generation, die in kaputten Hörsälen sitzt, in überteuerten WG-Zimmern wohnt und zwischen Seminarende und Schichtbeginn ausrechnet, ob das Geld bis zum Ende des Monats reicht. Für Aufrüstung sitzt die Kohle aber ganz locker.
Kurz gesagt: Für uns hatte diese Bundesregierung bisher zwei Angebote: Wehrdienst und Sparkurs. Und jetzt kommt Angebot Nummer drei: die Frühstartrente zur privaten Altersvorsorge. Kurz erklärt: Der Staat zahlt für jedes Kind ab dem sechsten Lebensjahr bis zum 18. Geburtstag 10 Euro im Monat in ein privates Anlagedepot ein. Das Geld wird am Kapitalmarkt angelegt und frühestens zur Rente ausgezahlt. Das klingt erst mal nach staatlicher Fürsorge. Das ist es aber nicht. 1,2 Milliarden Euro Steuergeld fließen bis 2030 direkt in private Verträge. Das sind eine halbe Million Neuabschlüsse pro Jahr. Diese Frühstartrente ist kein Vorsorgeprogramm. Das ist private Kundenakquise auf Staatskosten.
(Beifall bei der Linken)
Die Regierung macht auf Vertriebsabteilung für BlackRock und Co, nach dem Motto: Wir klären euch die Kunden. – Wohin das Geld tatsächlich fließt und welche Aktionäre davon profitieren, das weiß am Ende nur BWL-Justus.
Weil – Plot Twist –: Die Beratung hat man sich gespart. Im Gesetz steht wörtlich: Eine Beratung wird nicht geschuldet. – Wir sollen also unsere Altersvorsorge aufbauen und auf unser Risiko anlegen. Aber Beratung gibt es nicht. Das Risiko des Finanzmarkts trägt jede Person selbst. Wo bleibt da der Verbraucher/-innenschutz?
(Beifall bei der Linken)
Was noch fehlt: Nachhaltigkeit. Es gibt keine Richtlinien für die Anlagen. Das heißt: Es kann gut sein, dass das Geld Konzerne finanziert, die am Ende unsere Zukunft zerstören. Wenn die Rentner/-innen von morgen ihr Geld ausgezahlt bekommen, steckt die Welt wahrscheinlich schon mitten im Klimakollaps. Aber immerhin sind dann alle stinkreich, und die soziale Ungleichheit ist passé. Denn das Gesetz soll langfristig dazu beitragen, soziale Ungleichheiten zu reduzieren. Die Eltern können freiwillig mehr einzahlen und ihr Vermögen so erst mal schön steuerfrei vermehren. Aber wer kann sich das leisten? Spoiler: nicht die Alleinerziehenden, nicht die Teilzeitkräfte, nicht Menschen, die Angehörige pflegen. Mehr als 13 Millionen Menschen in diesem Land sind armutsgefährdet. Da fragt man zum Ende des Monats nicht: Wie optimiere ich mein Depot? – Da fragt man: Reicht die Kohle diesmal aus?
(Beifall bei der Linken)
Die einen können Vermögen anhäufen, die anderen nicht. Wo ist da die Chancengleichheit? Das ist die große Frage im heißen Herbst der kalten Reformen. Wir halten fest: keine Sicherheit, keine Nachhaltigkeit, keine Beratung, keine Chancengleichheit.
Aber zum besten Teil kommen wir jetzt: Die Frühstartrente gehört ja zur sogenannten Finanzbildungsstrategie, die gerade in der Mache ist. Mit dem Gesetz möchte man also Finanzbildung fördern. Es ist von positiven Erfahrungen am Finanzmarkt die Rede, vom Vertrauen in den Kapitalmarkt, von der Aktienkultur. Aber mal ehrlich: Sie erwarten doch nicht ernsthaft, dass wir unabhängige Finanzbildung von denen bekommen, die uns ihre Finanzprodukte verkaufen wollen?
(Beifall bei der Linken)
Ein Depotauszug ersetzt kein Schulbuch. Das ist Werbung mit Staatssiegel.
Finanzbildung muss unabhängig sein; sie darf nicht aus den Händen von Banken und Finanzkonzernen kommen.
(Beifall bei der Linken)
Denn junge Menschen haben ganz andere praktische und grundsätzliche Fragen: Wie mache ich überhaupt eine Steuererklärung? Was muss ich bei einem Studienkredit beachten, weil das BAföG nicht ausreicht? Und natürlich: Wie kann eine solidarische und zukunftssichere Altersvorsorge aussehen? Darauf brauchen wir Antworten und keine Anleitung zum Depotabschluss.
(Beifall bei der Linken)
Wir haben ein Recht darauf, zu verstehen, was eine Zentralbank macht, wie Banken unser Wirtschafts- und Finanzsystem beeinflussen, wie Finanzkrisen entstehen und was das alles direkt mit unserem Leben zu tun hat. Und: Finanzbildung muss für alle da sein, nicht nur für diejenigen, deren Eltern ihnen schon mit zwölf Jahren erklären, was ein ETF ist, sondern auch für diejenigen, die von ungleicher Vermögensverteilung betroffen sind. Da muss doch Finanzbildung ansetzen.
(Beifall bei der Linken)
Und diese Bildung muss dort stattfinden, wo sie alle erreicht, und zwar in der Schule: in Mathe, politischer Bildung, Sozialkunde oder Wirtschaft – Goethe, Schiller, Schufa –,
(Torben Braga [AfD]: Was in diesem Land los ist, wenn in der Schule von ETFs und Sparen die Rede ist, das wollen Sie doch auch nicht!)
unabhängig von Schulform, Bildungsweg, Geschlecht und Elternhaus. Auch das gehört zur Bildung.
Ein letzter Punkt noch: Finanzbildung darf nicht bei „Wie mache ich Rendite?“ aufhören. Die nächste Frage muss sein: Rendite womit? Denn Geld arbeitet nicht im luftleeren Raum. Wir müssen wissen, welche Investitionen unseren Planeten zerstören. Finanzbildung ist Zukunftssicherung, kein Ausverkauf an die Börse.
(Beifall bei der Linken)
Liebe Zuhörende, eine unabhängige, ergebnisoffene und lebensnahe finanzielle Bildung – das wäre endlich mal ein Angebot an junge Menschen, von dem wirklich alle profitieren könnten, ein Angebot von einem Staat, der verdammt noch mal Verantwortung übernimmt. Und hören Sie auf, uns Depotauszüge zu geben, wenn wir nach einer sicheren Zukunft fragen!
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Zeit.
Lisa Schubert (Die Linke):
Vielen Dank.
(Beifall bei der Linken)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die SPD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Michael Thews das Wort. Bitte.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Michael Thews (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Bundesminister! Lieber Lars, erst mal vielen Dank für diesen Entwurf, einen, wie ich finde, guten Entwurf.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Diese Regierung liefert, meine Damen und Herren. Wir haben die Reihenfolge zwar etwas geändert, aber mit dem Gesetzentwurf über die Einführung der Frühstartrente gehen wir nach der Reform der privaten Altersvorsorge – Stichwort „Riester“ – den nächsten Schritt hin zur Modernisierung der Altersvorsorge in Deutschland. Und ich finde, es ist genau richtig, dass wir diese Reihenfolge gewählt haben.
Mit dem Altersvorsorgedepot haben wir zu Beginn des Jahres genau die Grundlagen geschaffen, auf denen die Frühstartrente jetzt aufbauen kann. Wir wollen allen jungen Menschen in Deutschland ermöglichen, für das Alter vorzusorgen. Mit diesem Gesetz sorgen wir dafür, dass in Zukunft alle jungen Menschen mit Erreichen der Volljährigkeit bereits über eine zusätzliche Altersvorsorge verfügen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Hierbei können Eltern für ihre Kinder individuelle Altersvorsorgeverträge abschließen, die der Staat bis zum 18. Geburtstag des Kindes mit 10 Euro monatlich fördert. Über den Anlagezeitraum und mithilfe des Zinseszinseffekts kommt da schon einiges zusammen; das wurde schon einige Male gesagt.
Falls die Eltern nicht handeln – das war uns Sozialdemokraten besonders wichtig –, tritt eine öffentlich verwaltete Auffanglösung in Kraft. Also auch dann, wenn die Eltern nicht selbst tätig werden und kein Depot für ihr Kind eröffnen, geht – und das ist wichtig – die Förderung nicht verloren.
(Beifall der Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Für diese Kinder wird das Geld durch die Bundesbank am Kapitalmarkt angelegt. Wir wollen, dass eben alle Kinder diese Chance bekommen.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU – Torben Braga [AfD]: Nee, eben nicht alle!)
Und worauf kommt es bei den individuellen Verträgen an? Es müssen einfache Produkte mit niedrigen Kosten sein. Deshalb ist es richtig, bei der Frühstartrente auf das Standarddepot aus der privaten Altersvorsorge zu setzen. Und es ist ebenso richtig, Abschluss- und Vertriebskosten bis zum Erreichen der Volljährigkeit auszuschließen. Die Altersvorsorge unserer Kinder – allerdings auch bei uns Erwachsenen – darf eben nicht mit unnötigen Kosten belastet werden, meine Damen und Herren. Ich möchte dabei auch, dass das öffentlich organisierte Standarddepot, das wir mit der Reform der privaten Altersvorsorge auf den Weg gebracht haben, künftig zu einer echten Wahlmöglichkeit bei der Frühstartrente wird.
Und mit 18 Jahren ist nicht Schluss; denn wir denken die Altersvorsorge ganzheitlich. Der abgeschlossene Vertrag kann später als Altersvorsorgeprodukt weiterlaufen. Und auch das in der staatlichen Auffanglösung aufgebaute Startkapital kann später in einen eigenen Altersvorsorgevertrag überführt werden. Wir schaffen somit keinen reinen Sparvertrag für zwölf Jahre, sondern eben den Einstieg in eine langfristige Altersvorsorge.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Und die Frühstartrente ist mehr als ein Altersvorsorgeprodukt. Sie soll auch ein wichtiger Anker für unsere nationale Finanzbildungsstrategie werden. Junge Menschen erfahren, wie langfristiges Sparen funktioniert, wie Rendite entsteht und warum Kurse auch mal schwanken können.
Meine Damen und Herren, wir bringen heute einen guten Entwurf in das parlamentarische Verfahren ein. Jetzt haben wir noch die Möglichkeit, den Entwurf zu verbessern. Wir werden genau hinschauen, wie das mit den Zuzahlungen funktionieren soll. Und auch bei einer vorzeitigen Entnahme von Geld muss der Altersvorsorgecharakter gewahrt bleiben.
Unser Ziel ist ganz klar: Altersvorsorge soll früher beginnen, noch einfacher werden und allen offenstehen. Wir machen das für die jungen Menschen in unserem Land, damit sie später eine gute Altersvorsorge haben.
In diesem Sinne vielen Dank und Glück auf!
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD-Fraktion hat Frau Abgeordnete Diana Zimmer das Wort. Bitte.
(Beifall bei der AfD)
Diana Zimmer (AfD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Frühstartrente hat einen richtigen Grundgedanken: Kinder sollen früh lernen, langfristig zu sparen, zu investieren und die Chancen des Kapitalmarktes zu nutzen. Auch die Steuerfreiheit der Erträge bis zur Auszahlungsphase und die Möglichkeit zusätzlicher privater Einzahlungen begrüßen wir grundsätzlich.
Aber wir sollten auch über die Größenordnung sprechen. Der Staat zahlt 10 Euro im Monat. Vom 6. bis zum 18. Lebensjahr kommen so gerade einmal rund 1 440 Euro an staatlichen Einzahlungen zusammen. Selbst wenn wir mit einer durchschnittlichen Rendite von 5 Prozent rechnen und dieses Geld anschließend bis zum 65. Lebensjahr unangetastet weiterarbeiten lassen, landen wir lediglich bei ungefähr 20 000 Euro. Was diese Summe in mehreren Jahrzehnten tatsächlich wert ist, hängt natürlich entscheidend von der Inflation ab. Deshalb sollten wir uns nichts vormachen: Die 10 Euro allein werden keine tragende Säule der Altersvorsorge. Wer daraus wirklich Vermögen für das Alter aufbauen will, wird zusätzlich eigenes Kapital einzahlen müssen. Das dazu.
(Beifall bei der AfD)
Zum Antrag der Linken. Sie wollen finanzielle Bildung stärker in den Schulen verankern. Das finden auch wir richtig. Junge Menschen sollten wissen, was Aktien und ETFs sind. Sie sollten Chancen und Risiken verschiedener Anlageformen kennen. Aber warum soll das in dieses Gesetz? Schulische Finanzbildung ist Bildungspolitik, und Bildungspolitik ist in erster Linie Sache der Länder.
Bei Ihrem konkreten Vorschlag wird es noch widersprüchlicher. Sie berufen sich auf den Beutelsbacher Konsens. Sie fordern, dass kontroverse Positionen auch kontrovers dargestellt werden. Gleichzeitig versehen Sie die finanzielle Bildung mit Begriffen wie „geschlechtergerecht“ oder „gemeinwohlorientiert“. Sie fordern also Kontroversität, geben aber selbst schon eine politische Zielrichtung vor. Das passt nicht zusammen.
(Beifall bei der AfD)
Und noch etwas fehlt mir in dieser Debatte zur Frühstattrente: Bevor Vermögen angelegt werden kann, muss das Kapital erst einmal erwirtschaftet werden. Und von diesem erwirtschafteten Geld muss den Familien auch genug übrig bleiben. Gerade das ist für viele aktuell aufgrund hoher Kosten durch Inflation, Energie- und Benzinpreise einfach schwierig. Genau deshalb gehört für uns zur Debatte über Vermögensbildung auch die steuerliche Entlastung von Familien. Wir haben bereits in der letzten Wahlperiode vorgeschlagen, das Ehegattensplitting zu einem Familiensplitting weiterzuentwickeln. Das heißt, Kinder sollen in das Splitting einbezogen und beim Grundfreibetrag berücksichtigt werden.
Der entscheidende Gedanke ist ganz einfach: Familien sollen deutlich mehr von ihrem selbst erwirtschafteten Einkommen behalten. Dann können sie frei entscheiden, wie sie dieses Geld investieren, Vermögen aufbauen und für ihr Alter vorsorgen wollen, zum Beispiel durch diese zusätzlichen Einzahlungen in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge oder eben auch durch den Erwerb einer eigenen Immobilie. Die Frühstartrente setzt beim Kind an und fördert langfristigen Vermögensaufbau. Das Familiensplitting setzt bei den Eltern an und schafft mehr finanziellen Spielraum für die eigene Vorsorge. Für uns gehört das einfach zusammen.
(Beifall bei der AfD)
Über die konkrete Ausgestaltung der Frühstartrente werden wir jetzt im Finanzausschuss beraten. Dort wird sich auch zeigen, was von diesem grundsätzlich richtigen Ansatz im Detail zu halten ist.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Ich bitte den nächsten Redner, noch etwas zu warten; denn wir kommen jetzt zurück zu Tagesordnungspunkt 33.
Zunächst noch ein Hinweis: Zu der Abstimmung liegen zwei schriftliche Erklärungen nach § 31 unserer Geschäftsordnung vor.1Anlage 2
Ich frage jetzt: Ist ein Mitglied dieses Hauses anwesend, das seine Stimme bei der namentlichen Abstimmung noch nicht abgegeben hat? – Gut, das ist in der Tat der Fall. Aber so bekommt man einen Auftritt.
(Heiterkeit)
Dann warten wir der Fairness halber einen Moment, bevor ich die Abstimmung schließe. – Ich bekomme schon ein kurzes Zeichen. Bestzeit! Danke schön.
Dann schließe ich die Abstimmung und bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung zu beginnen. Wir werden das Ergebnis der Abstimmung nachher bekannt geben.2Ergebnis Seite 12050 C
Ich komme wieder zurück zu unserem Tagesordnungspunkt 34; es geht um die Frühstartrente. Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Dr. Carsten Brodesser das Wort. Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Dr. Carsten Brodesser (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Noch immer verfügen mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen in unserem Lande über keine zusätzliche Altersversorgung neben der gesetzlichen Rentenversicherung. Die gesetzliche Rentenversicherung ist und bleibt zwar die wichtigste Säule der Alterssicherung, aber um den Lebensstandard auch im Rentenalter zu sichern, bedarf es zusätzlicher Elemente.
Die Koalition hat sich dieses zentralen Zieles angenommen und ein ganzes Bündel an Maßnahmen beschlossen. Die Stabilisierung und Entlastung der gesetzlichen Rentenversicherung auf Grundlage der Ergebnisse der Alterssicherungskommission dürfte wohl der zentrale Reformbaustein sein. Er belegt, dass die Koalition handelt und zu wichtigen Reformen bereit und fähig ist.
Ferner hat diese Regierung und die Koalition im Bereich der betrieblichen und privaten Altersvorsorge bereits wegweisende Entscheidungen getroffen. So wurden mit dem Zweiten Betriebsrentenstärkungsgesetz die Rahmenbedingungen der betrieblichen Altersversorgung durch höhere Freigrenzen, erweiterte Förderungen für Geringverdiener und flexiblere Anlagevorschriften verbessert. Darauffolgend war die Reform der ehemaligen Riester-Rente im Juni dieses Jahres ein Meilenstein für die staatlich geförderte private Altersvorsorge; darauf hat der Kollege Middelberg bereits hingewiesen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Ab Januar nächsten Jahres können nun alle Erwerbstätigen über ein individuelles Altersvorsorgedepot einen attraktiven und renditestarken Rentenbaustein erhalten. Gerade Bezieher kleiner Einkommen und Familien mit Kindern werden dadurch in die Lage versetzt, eine renditeträchtige private Altersvorsorge anzusparen.
Die Einführung einer Frühstartrente reiht sich nun konsequent als nächster Baustein in diese Maßnahmen ein. Sie adressiert vor allem die junge Generation, die dadurch ein Startkapital für ihre Altersvorsorge erhalten wird. Ab dem kommenden Jahr erhalten zunächst die Kinder der Geburtsjahrgänge 2020 und 2021 monatlich einen Beitrag von 10 Euro zum Einstieg in eine zusätzliche Altersvorsorge. Dieser Betrag wird bis zum 18. Lebensjahr gezahlt. Allein dadurch kann über den Zeitraum bis zur Volljährigkeit eine attraktive Basis für weitere Vorsorgeentscheidungen gebildet werden. Parallel können zusätzliche Beiträge durch Eltern und Angehörige eingezahlt werden. Die Frühstartrente bildet somit ein flexibles und staatlich gefördertes Instrument zur langfristigen Ersparnisbildung.
Mit Erreichen der Volljährigkeit wechselt der Sparer dann in die attraktive Förderkulisse des Altersvorsorgedepots. Im Ergebnis werden wir ein lebensbegleitendes, staatlich gefördertes und renditestarkes Vorsorgeangebot schaffen, das dazu beitragen wird, dass zukünftig alle Erwerbstätigen in Deutschland eine zusätzliche Alterssicherung haben werden. Idealerweise sollten dann perspektivisch auch Arbeitgeber in das Altersvorsorgedepot einzahlen können – ein einziges Depot, das alle Zahlungen, gleichwohl welcher Herkunft, aufnehmen könnte und hoch portabel wäre.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Frühstartrente ist aber mehr als ein staatlicher Sparbeitrag. Die Frühstartrente wird zusätzlich einen Impuls für die finanzielle Bildung unserer Kinder geben. Insofern ist es richtig, dass die Frühstartrente eine erste und wichtige Maßnahme in der neuen Finanzbildungsstrategie des Bundes ist. Sie ist ein Instrument, um Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern und Lehrkräfte an langfristige Finanzanlagen, Kapitalmarktmechanismen und die Chancen und Risiken des Investierens heranzuführen. Ziel muss es sein, alle heranwachsenden Bürgerinnen und Bürger systematisch zu befähigen, für ihre jeweilige Lebenssituation angemessene und verantwortungsvolle Finanzentscheidungen zu treffen. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass zukünftige Verbraucher mündige und kluge Entscheidungen treffen können.
Ich wünsche mir, dass alle relevanten Akteure auf Bundes- und Landesebene, alle Lehrkräfte, Schulträger, Gewerkschaften, Finanzdienstleister, der Verbraucherschutz und die Medien diese Strategie unterstützen. Die Frühstartrente verdient ein Bildungsangebot, das weit über die Notwendigkeit einer zusätzlichen Altersvorsorge hinausgeht – ein Angebot, das adressatengerecht notwendiges Wissen zu Finanz- und Wirtschaftsthemen vermittelt, Wissen, das in der Zukunft relevanter denn je sein wird.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Frühstartrente ist ein kleiner, aber enorm wichtiger Impuls für eine gute Zukunft in unserem Lande. Diese Koalition handelt und schafft die Grundlagen für eine gute Zukunft. Ich bitte um Ihre Unterstützung und freue mich auf die weiteren Beratungen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Abgeordnete Katharina Beck das Wort.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Liebe Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Aus Liebe zum Projekt Frühstartrente möchte ich den Parlamentarierinnen und Parlamentariern für die Verhandlungen ein paar Punkte mitgeben. Lieber Herr Bundeskanzler, lieber Herr Finanzminister, tatsächlich war das eines meiner Lieblingsprojekte. Vieles fand ich nicht so gut, aber die Frühstartrente im Koalitionsvertrag fand ich wirklich gut. Ich nutze meine drei Minuten aber, um als Serviceopposition ein paar Inspirationen zu geben.
(Beifall der Abg. Catarina dos Santos-Wintz [CDU/CSU])
Lieber Herr Bundeskanzler, Sie hatten ja auf die Zweiklassenthematik im Gesundheitssystem hingewiesen. Es droht die Gefahr, dass es auch hier dazu kommen kann. Für diejenigen, die sich nicht privat darum kümmern, ein Depot zu eröffnen, bieten Sie zwar eine Auffanglösung an; das ist richtig. Es gibt dann aber keine individuellen Konten, auf die zusätzlich eingezahlt werden kann. Das heißt, dass nur diejenigen, die sich ohnehin selbst darum kümmern, von den umfangreichen Zuzahlungsmöglichkeiten Gebrauch machen können. Diejenigen, die sich nicht darum kümmern, können das nicht und haben dann ausschließlich die 10 Euro vom Staat. Es muss doch möglich sein, bei der Frühstartrente eine Chancengleichheit zu ermöglichen, wenn wir das im Prinzip wollen. Es muss möglich sein, auch bei der staatlichen Auffanglösung individuelle Konten zu haben, auf die die Eltern einzahlen können.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Das ist das eine Problem, das Sie bitte lösen müssten.
Zum Zweiten. Ja, ich kenne die Haushaltslage. Aber bei 0,08 Millionen Euro für die Frühstartrente im Vergleich zu 5 Milliarden Euro für die Mütterrente stellt sich doch die Frage nach der Prioritätensetzung. Warum starten Sie nur mit einer Kohorte? Da haben Sie schon so ein schönes Projekt, mit dem Sie die jungen Menschen beteiligen, und jetzt sollen das Geld nur die Jahrgänge 2020 und 2021 bekommen. Meine Tochter ist Jahrgang 2021, vielen Dank. Aber ich bin eine von 83 Millionen Menschen und Politikerin für alle. Es gibt sehr viele Eltern, die sich nach Ihrem Koalitionsvertrag gefreut hatten, dass alle Kinder von 6 bis 18 Jahren in den Genuss dieser Leistung kommen sollen. Und jetzt sind es nur zwei Kohorten. Überdenken Sie Ihre Prioritätensetzung!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Drittens. Ja, die private Altersvorsorge könnte eine Chance sein, um am Kapitalmarkt zum Beispiel mehr in Venture Capital zu investieren. Dafür müssten Sie aber endlich eine Fondslösung nutzen, wie das Schweden macht. Das haben Sie bei der privaten Altersvorsorge leider verpasst. Die Reform ging in die richtige Richtung, aber eine Fondslösung für Venture-Capital-Investitionen haben Sie nicht gemacht. Auch an dieser Stelle kommt das nicht; da wird die Chance vertan. Wir müssen wohl noch auf die Kapitalrente in der ersten Säule warten. Schade!
Ein letzter Punkt ist mir sehr, sehr wichtig: Wann kommt das staatliche Depot bzw. die staatliche Lösung, das staatliche Produkt? Bitte setzen Sie sich dafür ein! Das Parlament hat bei der Reform der privaten Altersvorsorge sehr gut gearbeitet. Das muss jetzt bitte auch kommen. Dann kann man daraus ein einheitliches Projekt machen, das gut ineinandergreift. Jetzt ist es noch nicht final durchdacht. Machen Sie da weiter, liebe Parlamentarier/-innen!
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Zeit.
Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Wir setzen Hoffnungen in Sie, weil Sie schon mal Initiative gezeigt haben. Wir werden da aktiv mitberaten.
Vielen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Bevor es weitergeht, möchte ich noch kurz das von den Schriftführerinnen und Schriftführern ermittelte Ergebnis der namentlichen Abstimmung über den Gesetzentwurf der Bundesregierung „Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Bundespolizeigesetzes“ – das sind die Drucksachen 21/3051 und 21/6990 Buchstabe a – bekannt geben:
Abgegebene Stimmen 574. Mit Ja haben gestimmt 322, mit Nein haben gestimmt 134, Enthaltungen 118. Für die Annahme dieses Gesetzes ist die Mehrheit der Mitglieder des Deutschen Bundestages erforderlich; das sind 316 Ja-Stimmen. Der Gesetzentwurf hat die erforderliche Mehrheit erreicht.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dirk Wiese [SPD])
Endgültiges Ergebnis
Abgegebene Stimmen: 574;
davon
ja: 322
nein: 134
enthalten: 118
Ja
CDU/CSU
Knut Abraham
Anna Aeikens
Stephan Albani
Norbert Maria Altenkamp
Philipp Amthor
Dr. Reza Asghari
Tijen Ataoğlu
Artur Auernhammer
Peter Aumer
Dr. Cornell-Anette Babendererde
Dorothee Bär
Thomas Bareiß
Günter Baumgartner
Sascha van Beek
Melanie Bernstein
Peter Beyer
Marc Biadacz
Steffen Bilger
Florian Bilic
Leif Erik Bodin
Simone Borchardt
Caroline Bosbach
Frederik Bouffier
Michael Brand (Fulda)
Dr. Reinhard Brandl
Silvia Breher
Michael Breilmann
Ralph Brinkhaus
Lutz Brinkmann
Dr. Carsten Brodesser
Dr. Marlon Bröhr
Benedikt Büdenbender
Dr. Yannick Bury
Sandra Carstensen
Gitta Connemann
Wolfgang Dahler
Ellen Demuth
Alexander Dobrindt
Michael Donth
Dr. Florian Dorn
Dr. Hülya Düber
Hansjörg Durz
Joachim Ebmeyer
Ralph Edelhäußer
Lars Ehm
Alexander Engelhard
Martina Englhardt-Kopf
Thomas Erndl
Bastian Ernst
Hermann Färber
Uwe Feiler
Christoph Frauenpreiß
Thorsten Frei
Michael Frieser
Wilhelm Gebhard
Dr. Thomas Gebhart
Dr. Jonas Geissler
Stefan Glaser
Fabian Gramling
Adrian Grasse
Dr. Inge Gräßle
David Gregosz
Serap Güler
Georg Günther
Fritz Güntzler
Olav Gutting
Christian Haase
Florian Hahn
Heiko Hain
Jürgen Hardt
Matthias Hauer
Mechthild Heil
Mark Helfrich
Marc Henrichmann
Diana Herbstreuth
Susanne Hierl
Dr. Matthias Hiller
Christian Hirte
Alexander Hoffmann
Philip M. A. Hoffmann
Dr. Hendrik Hoppenstedt
Franziska Hoppermann
Michael Hose
Anne Janssen
Thomas Jarzombek
Alexander Jordan
Nicklas Kappe
Anja Karliczek
Roderich Kiesewetter
Michael Kießling
Dr. Georg Kippels
Dr. Ottilie Klein
Julia Klöckner
Axel Knoerig
Daniel Kölbl
Hans Koller
Anne König
Markus Koob
Dr. Stefan Korbach
Carsten Körber
Dr. Konrad Körner
Gunther Krichbaum
Lukas Krieger
Dr. Günter Krings
Tilman Kuban
Ulrich Lange
Armin Laschet
Dr. Silke Launert
Jens Lehmann
Dr. Andreas Lenz
Andrea Lindholz
Dr. Carsten Linnemann
Patricia Lips
Dr. Jan-Marco Luczak
Daniela Ludwig
Dr. Saskia Ludwig
Klaus Mack
Andreas Mattfeldt
Stephan Mayer (Altötting)
Volker Mayer-Lay
Dr. Michael Meister
Friedrich Merz
Jan Metzler
Dr. Mathias Middelberg
Christian Moser
Axel Müller
Florian Müller
Sepp Müller
Carsten Müller (Braunschweig)
Dr. Stefan Nacke
Christoph Naser
Wilfried Oellers
Florian Oest
Harald Orthey
Florian Oßner
Josef Oster
Dr. Thomas Pauls
Dr. Stephan Pilsinger
Dr. Christoph Ploß
Dr. Martin Plum
Jan-Wilhelm Pohlmann
Oliver Pöpsel
Dr. David Preisendanz
Thomas Rachel
Kerstin Radomski
Alexander Radwan
Alois Rainer
Pascal Reddig
Henning Rehbaum
Dr. Markus Reichel
Lars Rohwer
Johannes Rothenberger
Dr. Norbert Röttgen
Stefan Rouenhoff
Thomas Röwekamp
Albert Rupprecht
Catarina dos Santos-Wintz
Carl-Philipp Sassenrath
Dr. Christiane Schenderlein
Henri Schmidt
Sebastian Schmidt
Patrick Schnieder
Felix Schreiner
Marvin Schulz
Detlef Seif
Nora Seitz
Thomas Silberhorn
Björn Simon
Tino Sorge
Jens Spahn
Katrin Staffler
Dr. Wolfgang Stefinger
Albert Stegemann
Sebastian Steineke
Johannes Steiniger
Christian Freiherr von Stetten
Dieter Stier
Stephan Stracke
Dr. Katja Strauss-Köster
Dr. Hendrik Streeck
Christina Stumpp
Vivian Tauschwitz
Roland Theis
Dr. Hans Theiss
Alexander Throm
Astrid Timmermann-Fechter
Kerstin Vieregge
Dr. Oliver Vogt
Johannes Volkmann
Christoph de Vries
Siegfried Walch
Nina Warken
Dr. Anja Weisgerber
Dr. Maria-Lena Weiss
Kai Whittaker
Johannes Wiegelmann
Dr. Klaus Wiener
Klaus-Peter Willsch
Johannes Winkel
Elisabeth Winkelmeier-Becker
Tobias Winkler
Mechthilde Wittmann
Mareike Wulf
Emmi Zeulner
Paul Ziemiak
Nicolas Zippelius
Vanessa Zobel
SPD
Sanae Abdi
Reem Alabali Radovan
Daniel Baldy
Sören Bartol
Jens Behrens
Daniel Bettermann
Jakob Blankenburg
Hendrik Bollmann
Isabel Cademartori
Dr. Lars Castellucci
Jürgen Coße
Hakan Demir
Esther Dilcher
Sabine Dittmar
Felix Döring
Falko Droßmann
Sonja Eichwede
Dr. Wiebke Esdar
Saskia Esken
Nancy Faeser
Dr. Johannes Fechner
Sebastian Fiedler
Martin Gerster
Angelika Glöckner
Kerstin Griese
Bettina Hagedorn
Metin Hakverdi
Sebastian Hartmann
Hubertus Heil (Peine)
Frauke Heiligenstadt
Gabriela Heinrich
Nadine Heselhaus
Heike Heubach
Jasmina Hostert
Verena Hubertz
Oliver Kaczmarek
Elisabeth Kaiser
Macit Karaahmetoğlu
Dr. Franziska Kersten
Helmut Kleebank
Lars Klingbeil
Annika Klose
Tim Klüssendorf
Dr. Bärbel Kofler
Anette Kramme
Dunja Kreiser
Martin Kröber
Dr. Karl Lauterbach
Esra Limbacher
Helge Lindh
Bettina Lugk
Dr. Tanja Machalet
Isabel Mackensen-Geis
David Mandrella
Holger Mann
Parsa Marvi
Katja Mast
Kathrin Michel
Dr. Matthias Miersch
Matthias David Mieves
Claudia Moll
Siemtje Möller
Rasha Nasr
Josephine Ortleb
Mahmut Özdemir (Duisburg)
Aydan Özoğuz
Dr. Christos Pantazis
Natalie Pawlik
Jens Peick
Boris Pistorius
Sabine Poschmann
Martin Rabanus
Truels Reichardt
Daniel Rinkert
Dennis Rohde
Sebastian Roloff
Dr. Philipp Rottwilm
Dr. Thorsten Rudolph
Daniela Rump
Bernd Rützel
Johann Saathoff
Johannes Schätzl
Dr. Nina Scheer
Christoph Schmid
Dr. Nils Schmid
Uwe Schmidt
Dagmar Schmidt (Wetzlar)
Carsten Schneider (Erfurt)
Olaf Scholz
Johannes Schraps
Michael Schrodi
Frank Schwabe
Stefan Schwartze
Andreas Schwarz
Rita Schwarzelühr-Sutter
Dr. Lina Seitzl
Svenja Stadler
Dr. Ralf Stegner
Ruppert Stüwe
Michael Thews
Markus Töns
Anja Troff-Schaffarzyk
Derya Türk-Nachbaur
Ingo Vogel
Marja-Liisa Völlers
Dirk Vöpel
Dr. Carolin Wagner
Maja Wallstein
Daniel Walter
Carmen Wegge
Dirk Wiese
Serdar Yüksel
Stefan Zierke
Armand Zorn
Katrin Zschau
Nein
AfD
Torben Braga
Georg Schroeter
René Springer
BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN
Dr. Alaa Alhamwi
Tarek Al-Wazir
Ayse Asar
Andreas Audretsch
Lisa Badum
Felix Banaszak
Karl Bär
Katharina Beck
Lukas Benner
Dr. Franziska Brantner
Victoria Broßart
Agnieszka Brugger
Dr. Janosch Dahmen
Jeanne Dillschneider
Katharina Dröge
Deborah Düring
Timon Dzienus
Harald Ebner
Leon Eckert
Marcel Emmerich
Simone Fischer
Matthias Gastel
Dr. Jan-Niclas Gesenhues
Katrin Göring-Eckardt
Dr. Armin Grau
Dr. Lena Gumnior
Britta Haßelmann
Linda Heitmann
Dr. Moritz Heuberger
Dr. Anton Hofreiter
Julian Joswig
Lamya Kaddor
Dr. Kirsten Kappert-Gonther
Michael Kellner
Misbah Khan
Chantal Kopf
Ricarda Lang
Sven Lehmann
Steffi Lemke
Rebecca Lenhard
Helge Limburg
Dr. Andrea Lübcke
Max Lucks
Dr. Anna Lührmann
Dr. Zoe Mayer
Swantje Henrike Michaelsen
Dr. Irene Mihalic
Boris Mijatović
Sascha Müller
Dr. Ophelia Nick
Dr. Konstantin von Notz
Omid Nouripour
Karoline Otte
Lisa Paus
Dr. Paula Piechotta
Filiz Polat
Dr. Anja Reinalter
Sylvia Rietenberg
Corinna Rüffer
Jamila Schäfer
Dr. Sebastian Schäfer
Ulle Schauws
Stefan Schmidt
Julia Schneider
Nyke Slawik
Dr. Till Steffen
Sandra Stein
Hanna Steinmüller
Kassem Taher Saleh
Awet Tesfaiesus
Dr. Julia Verlinden
Mayra Vriesema
Niklas Wagener
Robin Wagener
Johannes Wagner
Tina Winklmann
Die Linke
Doris Achelwilm
Gökay Akbulut
Jan van Aken
Dr. Michael Arndt
Dr. Dietmar Bartsch
Desiree Becker
Lorenz Gösta Beutin
Violetta Bock
Jorrit Bosch
Janina Böttger
Anne-Mieke Bremer
Maik Brückner
Clara Bünger
Jörg Cezanne
Agnes Conrad
Mirze Edis
Mandy Eißing
Dr. Fabian Fahl
Katrin Fey
Katalin Gennburg
Vinzenz Glaser
Nicole Gohlke
Christian Görke
Ates Gürpinar
Dr. Gregor Gysi
Luke Hoß
Cem Ince
Maren Kaminski
Cansin Köktürk
Ina Latendorf
Caren Lay
Sonja Lemke
Tamara Mazzi
Pascal Meiser
Stella Merendino
Sahra Mirow
Charlotte Antonia Neuhäuser
Cansu Özdemir
Luigi Pantisano
Bodo Ramelow
Heidi Reichinnek
Lea Reisner
Zada Salihović
David Schliesing
Evelyn Schötz
Lisa Schubert
Ines Schwerdtner
Julia-Christina Stange
Ulrich Thoden
Aaron Valent
Isabelle Vandre
Donata Vogtschmidt
Sarah Vollath
Sascha Wagner
Janine Wissler
Enthalten
AfD
Alexander Arpaschi
Carolin Bachmann
Adam Balten
Dr. Christina Baum
Dr. Bernd Baumann
Carsten Becker
Marc Bernhard
Birgit Bessin
Dr. Christoph Birghan
Andreas Bleck
Joachim Bloch
Dr. Michael Blos
René Bochmann
Peter Boehringer
Peter Bohnhof
Gereon Bollmann
Stephan Brandner
Erhard Brucker
Marcus Bühl
Tobias Ebenberger
Dr. Michael Espendiller
Peter Felser
Thomas Fetsch
Hauke Finger
Markus Frohnmaier
Dr. Götz Frömming
Rainer Galla
Boris Gamanov
Alexis L. Giersch
Hannes Gnauck
Christoph Grimm
Rainer Groß
Dr. Ingo Hahn
Lars Haise
Jochen Haug
Udo Theodor Hemmelgarn
Stefan Henze
Martin Hess
Nicole Hess
Karsten Hilse
Nicole Höchst
Leif-Erik Holm
Gerrit Huy
Fabian Jacobi
Steffen Janich
Robin Jünger
Dr. Malte Kaufmann
Dr. Michael Kaufmann
Martina Kempf
Stefan Keuter
Rocco Kever
Kurt Kleinschmidt
Maximilian Kneller
Heinrich Koch
Jürgen Koegel
Achim Köhler
Enrico Komning
Thomas Korell
Steffen Kotré
Dr. Rainer Kraft
Dr. Maximilian Krah
Manuel Krauthausen
Thomas Ladzinski
Pierre Lamely
Sascha Lensing
Rüdiger Lucassen
Sebastian Maack
Johann Martel
Markus Matzerath
Danny Meiners
Sergej Minich
Reinhard Mixl
Stefan Möller
Matthias Moosdorf
Sebastian Münzenmaier
Iris Nieland
Jan Ralf Nolte
Andreas Paul
Denis Pauli
Tobias Matthias Peterka
Stephan Protschka
Kerstin Przygodda
Arne Raue
Christian Reck
Lukas Rehm
Martin Reichardt
Martin Erwin Renner
Matthias Rentzsch
Dr. Rainer Rothfuß
Ruben Rupp
Bernd Schattner
Volker Scheurell
Ulrike Schielke-Ziesing
Lars Schieske
Carina Schießl
Manfred Schiller
Julian Schmidt
Dr. Paul Schmidt
Uwe Schulz
Dario Seifert
Thomas Stephan
Beatrix von Storch
Otto Strauß
Tobias Teich
Robert Teske
Bastian Treuheit
Martina Uhr
Dr. Alice Weidel
Mathias Weiser
Claudia Weiss
Sven Wendorf
Wolfgang Wiehle
Dr. Christian Wirth
Dr. Alexander Wolf
Kay-Uwe Ziegler
Diana Zimmer
Jörg Zirwes
Fraktionslos
Jan Wenzel Schmidt
Abgeordnete, die sich wegen gesetzlichen Mutterschutzes/Geburt eines Kindes für ihre Abwesenheit entschuldigt haben oder an einer Parlamentarischen Versammlung teilnehmen, sind in der Liste der entschuldigten Abgeordneten (Anlage 1) aufgeführt.
Danke für die Aufmerksamkeit. – Wir können jetzt mit der Debatte zu Tagesordnungspunkt 34 fortfahren.
Für die SPD-Fraktion hat Frau Frauke Heiligenstadt das Wort. Bitte.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Frauke Heiligenstadt (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Heute hat der Minister ein Gesetz eingebracht, das mit kleinen Mitteln sehr viel bewirken kann, ein Gesetz, das künftig allen Kindern die Chance eröffnet, frühzeitig fürs Alter vorzusorgen. Mal ganz ehrlich: Wenn Sie einen 13-Jährigen heute fragen, was er mit 10 Euro im Monat machen würde, würde er vermutlich nicht an den Einstieg in die private Altersvorsorge denken. Mit 13 denkt man vielleicht daran, das Kino zu besuchen, Pizza zu essen,
(Torben Braga [AfD]: Reicht nicht!)
oder vielleicht auch daran, das Geld zurückzulegen für etwas, für das man gerade spart.
(Torben Braga [AfD]: Genau! 3 Monate anlegen für eine Schachtel Kippen!)
Das ist völlig normal. Wir können auch nicht erwarten, dass ein Kind von sich aus den Weg in die Altersvorsorge findet. Aber wir können ihm diesen Weg eröffnen.
Nicht jedes Kind wächst in einer Familie auf, in der über Aktien, über Fonds oder Altersvorsorge gesprochen wird. Und ja, nicht in jeder Familie ist am Ende des Monats Geld übrig, das Eltern für ihre Kinder zurücklegen können. Und auch nicht an jedem Küchentisch wird über Aktienmärkte, Fonds oder Altersvorsorge gesprochen. Soll die Chance einer frühzeitigen Altersvorsorge und damit mehr Sicherheit im Alter also davon abhängen, in welchem Elternhaus ein Kind geboren wird? Ich sage: Nein.
Hier setzt die Frühstartrente an. Der Staat schafft für jedes Kind einen Vorsorgebaustein und damit einen Zugang, den es sonst vielleicht nicht gäbe: einen Zugang für die Altersvorsorge. Im Gegensatz zur Verhetzung des Finanzmarktes durch die Linken eröffnen wir allen Kindern ohne Ansehen des Einkommens und der Herkunft die Möglichkeit, auch an den Entwicklungen in diesem wichtigen Finanzbereich teilzuhaben.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Plötzlich wird aus den abstrakten Themen „Finanzmarkt“ und „Altersvorsorge“ etwas ganz Konkretes: ein eigenes Konto. Da ist Geld, was langfristig angelegt wird. Vielleicht entsteht dadurch irgendwann mal die Frage: Was passiert eigentlich mit diesem Geld? – Genau aufgrund solcher Fragen, solcher Neugier und solchem Interesse kann die Beschäftigung mit dem Thema des Aktienmarktes, der finanziellen Bildung entstehen. Das ist tatsächlich der Baustein, der Türöffner für finanzielle Bildung.
Wir wollen also nicht nur, dass Geld für später zurückgelegt wird. Wir wollen jungen Menschen auch die Möglichkeit geben, früh zu erfahren, wie Vermögensaufbau funktionieren kann, und zwar unabhängig davon, wie viel ihre Eltern verdienen oder wie viel sie selbst bereits über Geldanlage wissen. Das ist ein wichtiger Schritt, meine sehr verehrten Damen und Herren, für mehr Chancengleichheit und gleichzeitig gegen Altersarmut.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Wir werden im parlamentarischen Verfahren den Fokus darauf legen, die Frühstartrente, die private Altersvorsorge und die gesetzliche Kapitalrente gut miteinander zu verzahnen; denn die Menschen müssen für eine gute Rente im Alter vorsorgen können.
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Zeit.
Frauke Heiligenstadt (SPD):
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Torben Braga das Wort.
(Beifall bei der AfD)
Torben Braga (AfD):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es wurde, glaube ich, schon von fast allen Fraktionen hier im Haus festgestellt: Die Richtung dieses Gesetzes stimmt. Kapitalgedeckter Vermögensaufbau, der früh beginnt und lange läuft, ist für die Kinder von heute der wohl einzige Weg zu einer Altersvorsorge, die diesen Namen tatsächlich verdient. Wir haben einen solchen Weg mit unserem Junior-Spardepot im Oktober 2025 vorgelegt und freuen uns, dass die Koalition diesen Gedanken aufgreift. Ich könnte jetzt noch sagen, dass sie ihn halbherzig aufgreift, und das kritisieren, aber – das ist ja der Kritikpunkt – das wäre maßlos übertrieben; denn sie greift unseren Gedanken ja nicht einmal zu 10 Prozent auf. Auf die Aspekte haben meine Kolleginnen Nieland und Zimmer ja hingewiesen: 10 Euro im Monat, beginnend mit dem 6. und bis zum 18. Lebensjahr – das ergibt eine Summe, die weit hinter dem zurückbleibt, was unser Vorschlag gebracht hätte; das wurde ausgeführt.
Ich will auf ein paar Aspekte eingehen, die in dieser Debatte vielleicht ein bisschen unterbeleuchtet sind. Sehr schwer wiegt aus meiner Sicht und aus Sicht meiner Fraktion die Eigentumsfrage. Für Kinder ohne individuellen Vertrag – machen wir uns nichts vor: Vieles spricht für die Annahme, dass das die große Mehrheit sein dürfte – legt der Bund kollektiv an. § 22 Absatz 2 Ihres Vorschlags stellt ausdrücklich fest, dass diese Mittel „Vermögen des Bundes“ bleiben. § 23 Absatz 4 besagt sogar, dass nicht verwendete Mittel an den Bundeshaushalt zurückfallen. Das Kind hat also kein zugeordnetes Vermögen, sondern eine Aussicht darauf. Der Bund verwaltet also ein weiteres Sondervermögen, dessen Zweckbindung jede künftige Haushaltslage und Haushaltsnotlage aushalten muss.
(Michael Thews [SPD]: Das stimmt doch gar nicht! Das Geld wird angelegt! Natürlich haben die das!)
Das ist Fahrlässigkeit.
(Beifall bei der AfD)
Unser Vorschlag hingegen hätte jedem Kind von Anfang an ein personenbezogenes Depot mit eigenen Anwartschaften zugeordnet.
Bei den Kosten haben Sie ein bisschen aus Riester gelernt; dieses Thema hatten wir ja schon bei der Reform der Altersvorsorge im Frühjahr. Das ist Ihnen durchaus zugutezuhalten. Allerdings haben Sie auch nur zur Hälfte gelernt. Das Verbot der Erhebung von Abschluss- und Vertriebskosten bis zum Erreichen der Volljährigkeit in § 3 ist zwar richtig, aber der Kostendeckel des Altersvorsorge-Reformgesetzes gilt ja auch hier und verursacht Effektivkosten, bei denen sich jeder auch nur ein bisschen finanzpolitisch interessierter Mensch, der heute schon anlegt, die Haare raufen würde. Die ganzen Fintechs und Start-ups, die Depots kostenlos oder zu extrem niedrigen Gebühren anbieten, schauen sich die 1 Prozent an, die Sie als Höchstmaß für die Kosten festschreiben, und denken sich: Das kann ja eigentlich nur ein Witz sein.
(Dr. Carsten Brodesser [CDU/CSU]: Das ist eine Höchstgrenze!)
– Ja, es ist die Höchstgrenze. Aber die wird von Volksbanken und Sparkassen ausgenutzt; das wissen Sie ganz genau.
(Beifall bei der AfD – Michael Thews [SPD]: Scheint aber momentan nicht der Fall zu sein!)
Und dann noch die völlig willkürliche Stichtagsregelung – das wurde ja schon von Kollegin Beck von den Grünen angesprochen –: Ein 2019 geborenes Kind – meinetwegen am 31.12. 2019 – muss mit leeren Händen zuschauen, wie sein 2020 geborenes Geschwisterkind oder ein Schulkollege oder Schulfreund zwölf Jahre lang Förderung erhält. Natürlich schafft jede Stichtagsregelung Ungerechtigkeiten, aber hier sind sie so schreiend, dass dafür jede Rechtfertigung fehlt. Wir sind wirklich gespannt, wann die ersten Klagen in dieser Sache kommen, weil der Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes hier ziemlich offenkundig verletzt sein dürfte.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Herr Abgeordneter.
Torben Braga (AfD):
Ich komme zum Schluss, Frau Präsidentin.
Präsidentin Julia Klöckner:
Darf ich Sie kurz unterbrechen? Ich halte auch die Zeit an.
Torben Braga (AfD):
Ja.
Präsidentin Julia Klöckner:
Lassen Sie eine Zwischenfrage von einer Kollegin aus der SPD-Fraktion, Frau Heiligenstadt, zu?
Torben Braga (AfD):
Gerne. Bitte.
Frauke Heiligenstadt (SPD):
Sehr geehrter Herr Kollege, danke für das Zulassen der Zwischenfrage. – Sie haben gerade gesagt, dass die 1 Prozent Kostendeckel ausgenutzt werden würden. Haben Sie vielleicht zur Kenntnis genommen, dass die noch nicht mal in Kraft getretene neue private Altersvorsorge mit ebenfalls einem Kostendeckel von 1 Prozent gerade dafür sorgt, dass in diesem Bereich schon Angebote, ohne dass ein Vertrag abgeschlossen werden kann, mit 0 Prozent Kosten oder sogar Prämien vorhanden sind, also allein die Tatsache, dass es eine entsprechende Alternative gibt, dafür sorgt, dass dieser Kostendeckel wirklich die Obergrenze ist?
Wenn ich noch eine Frage ergänzen darf: Sie reden ja immer von dem sogenannten Junior-Spardepot, das Sie vorschlagen. Sinnigerweise haben Sie es in dieser Debatte gar nicht mehr vorgeschlagen. Ist der Grund dafür, dass Sie das nicht vorgeschlagen haben, vielleicht der, dass, wenn Sie jedem Kind 100 Euro im Monat,
(Zuruf von der CDU/CSU: Nur für die deutschen! – Ulrike Schielke-Ziesing [AfD]: Das war schon in der ersten Lesung! Menschenskinder!)
und das über die ganze Zeit und ab dem nullten Lebensjahr versprechen, Sie dann, wenn Sie das nur mit dem Alter berechnen, das wir mit der Frühstartrente vorgesehen haben, auf über 65 Milliarden Euro an Gesamtkosten für die ersten zwölf Jahren kämen und dafür keine einzige Gegenfinanzierung haben?
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Iris Nieland [AfD]: Das stimmt nicht! – Zuruf der Abg. Ulrike Schielke-Ziesing [AfD])
Torben Braga (AfD):
Frau Kollegin, herzlichen Dank für Ihre Zwischenfrage. Sie gibt mir Gelegenheit, in zwei Punkten ein bisschen Klarheit zu schaffen.
(Zuruf der Abg. Ulrike Schielke-Ziesing [AfD])
Zum ersten Aspekt Ihrer Frage, den Kosten: Ja, es ist richtig, dass es Angebote im Bereich von 0 Prozent und sogar mit Prämien gibt; da haben Sie vollkommen recht. Von wem kommen diese Angebote? Sie kommen von jüngeren Unternehmen, von Fintechs, von Start-ups, aber eben nicht von den klassischen Anbietern, bei denen sich die meisten Interessenten, die meisten Eltern melden werden:
(Frauke Heiligenstadt [SPD]: Von der Deka, von der Sparkasse! Das sind klassische Anbieter!)
den Sparkassen, Volksbanken usw. Ob das so bleibt, das wird noch zu beweisen sein. Und Sie wissen ganz genau, dass die klassischen Hausbanken, die klassischen Anbieter, diese Grenze ausnutzen werden.
(Frauke Heiligenstadt [SPD]: Das stimmt ja nicht!)
Wenn Sie sagen, dass es ja die Angebote gibt – und die sind ja so toll; 0 Prozent und sogar mit Prämien –:
(Michael Thews [SPD]: Haben Sie doch selber gemerkt!)
Warum legen Sie dann die Grenze so hoch? Warum? Es gibt heutzutage keinerlei Rechtfertigung dafür. Es gibt genug Anbieter am Markt, die diese hohe Grenze nicht ausnutzen. – Das war Punkt eins Ihrer Frage.
(Beifall bei der AfD)
Zu Punkt zwei Ihrer Frage: keine Gegenfinanzierung. Sie sprechen von Kosten von 65 Milliarden Euro. Wir sagen es wirklich immer wieder, Frau Kollegin – immer wieder! –: Das Geld ist da. Sie entscheiden sich dafür, es anders auszugeben, um goldene Kloschüsseln in der Ukraine zu finanzieren,
(Beifall bei der AfD)
die berühmten Radwege in Peru, eine völlig sinnentleerte Energiewende, meinethalben Tankrabatte, Mütterrente usw.
Präsidentin Julia Klöckner:
Sie sind mit der Beantwortung fertig.
Torben Braga (AfD):
Also wirklich: immer wieder dieses Gerede, das Geld sei nicht da. Das kann draußen keiner nachvollziehen, wenn man sich anschaut, wo das Geld in diesem Staat überall hinfließt. Und das erklärt auch die Wahlergebnisse Ihrer Partei und die Ihres Koalitionspartners.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Zeit.
Torben Braga (AfD):
Ich komme jetzt zum Schluss meiner Rede, Frau Präsidentin. – Wir werden dieses Gesetz trotzdem konstruktiv begleiten. Was es braucht – und dafür werden wir im Ausschuss werben –, sind eine höhere Förderung ähnlich unserem Junior-Spardepot, –
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Zeit.
Torben Braga (AfD):
– beginnend ab Geburt, niedrigere Kostendeckel – darauf bin ich eingegangen –
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Redezeit ist vorbei.
Torben Braga (AfD):
– und vor allem eine individuelle Zuordnung der gesparten Beträge.
Herzlichen Dank für Ihre Geduld, Frau Präsidentin, und für die leichte Überziehung der Redezeit entschuldige ich mich.
Danke schön.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Danke schön. – Für die CDU/CSU-Fraktion hat Herr Abgeordneter Oliver Pöpsel das Wort. Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Oliver Pöpsel (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Endlich bringen wir sie an den Start: die Frühstartrente. Alle hier durch die Bank haben heute positiv darauf reagiert. Natürlich ist das Bedürfnis der Opposition, hier im Nebel zu stochern und das eine oder andere zu kritisieren, für uns nachvollziehbar.
(Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir haben nicht im Nebel gestochert! – Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was denn, was denn, was denn? Das war kein Nebel!)
– Natürlich. Komm, das könnt ihr vertragen. – Aber ich sage: Für mich ist das eines der größten Sozialprojekte, die wir hier in den Stiel stoßen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Michael Thews [SPD])
Wir sorgen dafür, dass Jugendliche mit einem Startkonto vom Staat und mit einem durch die Schule vermittelten Startwissen eine private Altersversorgung aufbauen können. Wir ermöglichen das Kindern aus Familien, die nie eine Chance hatten, ein Vorsorgevermögen aufzubauen. Und wir machen das in einer wirklich breit aufgestellten Kohorte.
Wir fangen rückwirkend mit dem Jahrgang 2020 an und bauen jetzt langsam auf. Wir ermöglichen es den Eltern, Großeltern und Paten all derjenigen, die jetzt älter sind und deshalb die 10 Euro vom Staat nicht bekommen, für sie ein solches Konto einzurichten. Denn wir wissen: Aufgrund der demografischen Entwicklung wird eine zusätzliche Altersvorsorge wichtiger denn je. Wohlstand im Alter für künftige Generationen sollte eine unserer Hauptaufgaben sein.
Es ist dafür zu sorgen, dass jeder Bürger und jede Bürgerin eine zusätzliche Altersvorsorge neben der gesetzlichen Rentenversicherung aufbaut. Und es ist dafür zu sorgen, den Bürgerinnen und Bürgern die Angst zu nehmen. Ich glaube, es bringt nichts – auch wenn man für die jüngere Generation spricht –, wenn man hier bei jedem Thema, das hier auf der Tagesordnung steht, nur Untergangsszenarien beschwört.
(Lisa Schubert [Die Linke]: Das ist doch Ihre Politik!)
Man sollte sich darauf konzentrieren, zu sehen, was die Chancen für die Jugend sind. Ich verstehe, was Sie gesagt haben. Ich weiß auch, dass es in diesem Land viele Leute gibt, die aus finanziellen Gründen keine Möglichkeit haben, eine eigene Vorsorge aufzubauen.
(Lisa Schubert [Die Linke]: Warum machen Sie denn nichts?)
Aber deswegen gehen wir doch mit der Frühstartrente an den Start. Mit der Frühstartrente starten wir, und das können wir weiter ausbauen.
(Lisa Schubert [Die Linke]: Das hat aber auch nichts mit sozialer Chancengleichheit zu tun!)
Es ist das erste Mal, dass eine Bundesregierung eine solche Möglichkeit schafft. Das ist doch Zukunft. Es ist doch gut, dass wir das machen. Das kann man doch mal sagen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Der zweite wichtige Aspekt – das wurde auch schon angesprochen – ist die Vermögensbildung. Es gibt heute viele Jugendliche, die mit Vermögensbildung nichts anfangen können. Sie wissen nicht, wie man sich ein Vermögen aufbaut. Sie wissen nicht, wie man mit seinem Geld wirtschaften kann, ohne frühzeitig in die Verschuldung zu geraten. Deswegen hat das Finanzministerium ja auch die Strategie „Finanzielle Bildung“ auf den Plan gerufen, mit einer Taskforce, in der alle Player aus den Bereichen „Bildung“, „Wirtschaft“, „Bankenwesen“ zusammenarbeiten.
Das ist der zweite große Aspekt und eine wirklich gute Strategie, die Sie da, Herr Finanzminister, ins Leben gerufen haben. Denn darum geht es doch: Wir müssen unsere Jugendlichen befähigen, in Zukunft mit ihrem Geld auszukommen. Sie müssen in Zukunft in der Lage sein, in diesem wirklich wichtigen Markt, in der Wirtschaft klarzukommen.
Wir haben hier heute viel gehört. Wir haben gehört: 10 Euro sind zu wenig. – Wir haben das in unseren Haushaltsverhandlungen beraten und starten jetzt mit diesem 10-Euro-Paket. In der Zukunft gibt es sicherlich noch andere Möglichkeiten. Aber ich denke, wir schaffen mit dieser Frühstartrente ein Instrument, das es bisher in der Bundesrepublik noch nicht gegeben hat. Sie ist der Motor für finanzielle Bildung in Deutschland.
(Zuruf des Abg. Dr. Fabian Fahl [Die Linke])
Alle 18-Jährigen werden in Zukunft mit Finanzkompetenz und einem eigenen Altersvorsorgedepot ausgerüstet sein. Damit sind sie als mündige Teilnehmer im Wirtschafts- und Finanzleben gut aufgestellt, und deswegen bringen wir damit dieses Land voran. Vielen Dank für diesen guten Entwurf. Wir sehen zu, dass das jetzt auf die Straße kommt.
Danke.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD-Fraktion hat Frau Abgeordnete Ulrike Schielke-Ziesing das Wort. Bitte.
(Beifall bei der AfD)
Ulrike Schielke-Ziesing (AfD):
Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Verehrte Bürger! Jahrzehntelang haben es die wechselnden Regierungen aus SPD und Union geschafft, das System der gesetzlichen Rente von einer soliden Alterssicherung zum Sanierungsfall herunterzuwirtschaften. Inzwischen sind die Renten vieler Menschen trotz lebenslanger Arbeit so niedrig, dass sie der Sozialstaat am Ende wieder auffangen muss – ein Perpetuum mobile des Elends sozusagen. Die Aussichten für die kommenden Generationen sind eher noch schlechter, auch dank der Haltelinie. Auch das hat die Regierung zu verantworten.
Das System braucht Reformen. Dazu gehört auch ein Einstieg in die Kapitaldeckung als Ergänzung – und ich betone hier ausdrücklich: als Ergänzung – für die gesetzliche Rentenversicherung. Wir sehen das in anderen Ländern: Da, wo vor 20 oder 30 Jahren damit begonnen wurde, sind die Systeme stabiler, die Renten höher, die Beiträge niedriger. Deutschland hinkt wieder einmal hinterher.
Und jetzt möchte ich Sie bitten, sich nur einmal vorzustellen, wir würden pro Monat 100 Euro einzahlen auf das Konto von jedem neugeborenen und hier in Deutschland dauerhaft lebenden Kind mit deutscher Staatsangehörigkeit – von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr. Dann hätten wir noch ohne irgendwelche Verzinsung ein Kapital von 21 600 Euro. Wenn wir das Ganze mit 4 Prozent Rendite berechnen und bis zum regulären Renteneintritt, also derzeit 67 Jahre, halten, dann wären das 214 000 Euro – ohne weitere eigene Einzahlungen. Mit 6 Prozent Rendite, wovon Sie ja ausgehen, wären es sogar 663 000 Euro. 663 000 Euro: Das, liebe Kollegen, ist ein Betrag, mit dem man im Alter etwas anfangen kann.
(Beifall bei der AfD)
Und wir müssen mit dieser Größenordnung auch beginnen, damit das Ganze sinnvoll ist. Das alles finden Sie unserem Antrag zum Junior-Spardepot aus dem letzten Jahr, der jetzt schon mehrmals angesprochen wurde.
(Zuruf der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD])
– Frau Heiligenstadt, er ist heute nicht in der Beratung, weil er schon in der ersten Beratung war. Das könnten Sie auch wissen, wenn Sie sich ein bisschen mehr informieren würden.
(Beifall bei der AfD – Frauke Heiligenstadt [SPD]: Und weil Sie ihn nicht finanzieren können!)
Das Gute daran: Das Ganze ist auch zu finanzieren. Wir haben das vorgerechnet. Wenn Sie nicht wissen, wo Sie das Geld dafür herbekommen, schauen Sie gern in unseren Haushaltsentwurf. Wir stellen immer einen alternativen Haushaltsentwurf dar. Da finden Sie reichlich Inspiration für solide Haushaltsführung.
(Beifall bei der AfD)
Jetzt, liebe Kollegen, wenden wir uns wieder zurück zur tristen Realität, zu Ihrem Antrag. 10 Euro, nicht ab Geburt, sondern nur von 6 bis 18 Jahren: Das ergibt sogar bei einer Verzinsung mit 6 Prozent nur magere 2 100 Euro. Und danach heißt es: Helft euch selbst! – Da werden sich die vielen Menschen sicher bedanken, denen Sie mit Beiträgen und Steuern den letzten Cent abpressen.
Und der Kanzler sagt das auch noch! Die Frühstartrente sei nicht dazu da – Zitat –, „um denen ein Vermögen mitzugeben, sondern um den Kindern zu zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, am Kapitalmarkt einen vernünftigen Vermögensaufbau zu ermöglichen“ – zweimal ermöglichen. Mit anderen Worten: Das ist keine Rente, das ist gar nichts. – Und das wissen Sie.
(Beifall bei der AfD)
Deswegen ist in Ihrem Antrag ja auch nur die Rede von Finanzbildung, aber nirgendwo von einer ordentlichen Rente. Mit anderen Worten: Ihre Frühstartrente ist ein Bildungsplanspiel mit viel Bürokratie, ohne jeden Effekt.
Liebe Kollegen, das hätten Sie einfacher haben können. Aber das beschreibt natürlich Ihre Politik hervorragend: viel Getöse und kein Ergebnis.
(Beifall bei der AfD)
Herr Merz hat das vielleicht noch nicht verstanden, aber alle anderen wissen: Die Rentenreform ist abgesagt; alle Reformen sind abgesagt. Die Koalition hat fertig. – Das versuchen die Wähler Ihnen immer und immer wieder an der Wahlurne zu sagen, immer lauter, bis Sie es begreifen. Das Vertrauen ist weg. Machen Sie den Weg frei! Sie können es nicht.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Abschließend in dieser Debatte hat für die CDU/CSU-Fraktion Frau Mechthilde Wittmann das Wort. Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Mechthilde Wittmann (CDU/CSU):
Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Man schreibt sich eine Rede, weil man weiß: Jetzt wird was richtig Tolles auf den Weg gebracht. – Und dann hört man hier eine Masse an Unsinn, sodass die Redezeit wohl dafür draufgehen wird, ihn wieder ausräumen zu müssen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD] – Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Rechnen hilft bei der Altersvorsorge, und Lesekompetenz hilft, da man dann die Dokumente dazu lesen kann.
Erstens. Diese Gelder werden ausgezahlt an die Kinder, die in Deutschland beschult werden. Und das ist auch richtig so. Mit dieser Idee geht eine politische und finanzpolitische Bildung einher, damit die Kinder, wenn sie mit 18 Jahren sehen, dass sie da ein kleines, hübsches Depot haben, dass das Geld für sie arbeitet, ohne dass sie es ausgeben müssen, schon darauf eingestellt sind, dass es Spaß macht, dass es etwas Großartiges ist, für später anzusparen.
(Zuruf von der Linken)
Deswegen ist das eine hervorragende Einrichtung. – Erster korrigierter Fehler.
Zweitens. Angeblich würden irgendwelche windigen Typen ihre Produkte verkaufen – um mal auf den Punkt zu bringen, was Sie da so alles behaupten.
(Zurufe von der Linken)
Nein. Diejenigen, die Produkte zur Vermögensverwaltung und zum Vermögensaufbau verkaufen dürfen, müssen zertifiziert sein – das ist strengstens reguliert –, um diese Beratung überhaupt vornehmen zu dürfen. Das haben wir im Wertpapierinstitutsgesetz und im § 34f Gewerbeordnung geregelt. Ich empfehle die Lektüre.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Michael Thews [SPD])
Früher haben wir von einem Sparbuch gesprochen. Dieses wird jetzt quasi durch unsere Frühstartrente ersetzt, die in ein Depot gehen soll. Beim Sparbuch haben wir einfach die Zinsen angesammelt. Die Frühstartrente aber sammelt nicht einfach nur Gelder, Zins und Zinseszinsen an, sie nimmt auch die Wertentwicklung am Markt mit.
Selbst wenn es Schwankungen gibt, können wir bei konservativer Rechnung davon ausgehen, dass wir, wenn nur 50 Euro im Monat von Opa oder Oma oder ab 18 Jahren selbst zusätzlich aufgebracht bzw. zugezahlt werden – das können sogar Lehrlinge, Auszubildende schon, und wir gehen davon aus, dass sich die Menschen gerne ausbilden lassen und nicht nur von der Stütze leben wollen, wie es vielleicht öfter mal der Fall war –, im 65. Lebensjahr, wenn es mit dem Altersvorsorgedepot verlinkt wird, bei einem Vermögen von – Achtung, bei konservativer Rechnung! – 320 000 Euro sind. Meine lieben Damen und Herren, das ist ein großartiger Erfolg für die von den Umlageleistungen unabhängige Altersvorsorge der Menschen in diesem Land, und zwar von jedem.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Und deswegen ist diese Frühstartrente ein echter Gamechanger.
Ja, wir verbinden das Ganze mit Bildung. Wir wollen, dass wir die jungen Menschen mitnehmen und sie quasi mühelos lernen: Wie gehe ich mit Geld um? Warum ist Geld etwas Wertvolles?
Ein Weiteres möchte ich an dieser Stelle sagen. Es geht eben nicht nur um das eingezahlte Geld. Es geht auch um die Zeit, in der das Kapital arbeitet, was den Menschen hinterher zugutekommt. Je älter die Menschen werden, desto wichtiger wird dies sein.
Damit schaffen wir eine dritte Säule in der Altersvorsorge, die einen völligen Systemwechsel einläutet, dass nämlich jeder sicher ist, für sich selber vorgesorgt hat und nicht davon abhängig ist, wie sich die Strukturen in diesem Land verändern.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Lassen Sie mich ein Letztes dazu sagen. Wir durften uns heute im „Morgenmagazin“ – wer schon aufgestanden war, hat es gehört – wieder einmal anhören, dass diese Bundesregierung angeblich keine Reformen, sondern nur Kürzungen machen würde.
(Luigi Pantisano [Die Linke]: Ja!)
Es war die Idee unseres Bundeskanzlers, diese Frühstartrente einzuführen, also ein Mehr vom Staat zu geben, damit die Menschen ein Viel-mehr haben.
(Zuruf von der AfD)
Ich freue mich, das jetzt mit Ihnen zu debattieren. Bisher war die Kritik immer nur: Es geht noch nicht weit genug. – Wir haben also alles richtig gemacht.
(Zuruf von der Linken)
Ich freue mich, wenn wir es dann auf diese Art und Weise auch – wie hat es Herr Kollege Pöpsel gesagt? – auf die Straße – sprich: in die Depots – bringen.
Vielen herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Ich schließe hiermit die Aussprache.
Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf den Drucksachen 21/7864 und 21/8125 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es weitere Überweisungsvorschläge? – Das ist nicht der Fall. Dann verfahren wir wie vorgeschlagen.
Ich rufe nun auf den Zusatzpunkt 10:
Beratung der Beschlussempfehlung des Vermittlungsausschusses zu dem Gesetz über den Zugang zu Schuldnerberatungsdiensten für Verbraucher (Schuldnerberatungsdienstegesetz – SchuBerDG)
Drucksachen 21/1847, 21/2458, 21/2774, 21/5883, 21/5930, 21/8160
Berichterstatter im Bundestag ist Herr Abgeordneter Dirk Wiese, und Berichterstatter im Bundesrat ist Ministerpräsident Hendrik Wüst.
Mir wurde mitgeteilt, dass das Wort für Erklärungen nach § 10 Absatz 2 der Geschäftsordnung des Vermittlungsausschusses gewünscht wird.
Das Wort hat nun für die SPD-Fraktion Herr Abgeordneter Dirk Wiese. Bitte.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Dirk Wiese (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat hat in seiner Sitzung am Mittwochabend eine Einigung zum Schuldnerberatungsdienstegesetz erzielt. Das ist gut, notwendig, und es wurde auch Zeit.
Ich will allen ganz herzlich Danke schön sagen, die an dieser wichtigen Einigung mitgewirkt haben. Und ich möchte mich ausdrücklich auch für die gute Zusammenarbeit mit den 16 Bundesländern bedanken. Ich schicke einen fernen Gruß in den Bundesrat heute Morgen: Herzlichen Dank für die gute Zusammenarbeit, dass wir zum Ergebnis gekommen sind!
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)
Ich bedanke mich auch ausdrücklich dafür – und das will ich schon mal vorwegnehmen –, dass auch die grünen Bundesländer diesem Vermittlungsausschussergebnis heute im Bundesrat zustimmen werden. Es gibt durchaus Diskrepanzen zum Bundestag; aber im Bundesrat ist doch die Einsicht gekommen, dass es ein gutes Ergebnis ist, auch beim Bundespolizeigesetz, was wir heute verabschieden werden.
(Beifall des Abg. Martin Gerster [SPD])
„Schuldnerberatung“ klingt etwas abstrakt; aber das ist letztendlich eine gute Regelung; denn wenn Menschen in schwierigen Lebenssituationen sind, wenn sie Verträge abschließen und dann finanziell nicht mehr klarkommen, ist es wichtig, ein gutes Netz von Schuldnerberatungen bei uns im Land zu haben. Wir müssen allerdings auch sagen: Wir haben dieses gute Netz von Schuldnerberatungen eigentlich auch schon ohne diese Richtlinie,
(Zuruf der Abg. Iris Nieland [AfD])
was sich aus den Ansprüchen in den Sozialgesetzbüchern bei uns im Land ergibt. Aber diese Richtlinie führt auch zu einigen Verbesserungen.
Für Gesamteuropa ist es richtig, dass diese Richtlinie umgesetzt werden muss, weil es einige Länder gibt, in denen es keine Schuldnerberatung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen bzw. in Situationen der finanziellen Überforderung gibt. Von daher zeigt dies noch einmal: Europa wirkt. Europa steht an der Seite der Bürgerinnen und Bürger. – Darum ist es richtig, diese Richtlinie jetzt umzusetzen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)
Ich will ausdrücklich betonen: Dass der Einigungsvorschlag den Zugang zu unabhängigen Schuldnerberatungsdiensten noch einmal ausdrücklich regelt, ist richtig. Es ist auch anerkannt worden, dass die Länder schon bestehende Schuldnerberatungsstellen vorhalten, natürlich immer auch in Rücksprache mit der kommunalen Ebene. Von daher kann ich nur sagen: Es war eine gute Einigung im Vermittlungsausschuss, die wir gemeinsam auf den Weg gebracht haben.
Ich danke noch mal allen, die daran mitgewirkt haben, und hoffe sehr, dass bei diesem Gesetz heute alles über die Bühne gehen wird.
Vielen Dank.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Stephan Brandner das Wort. Bitte.
(Beifall bei der AfD)
Stephan Brandner (AfD):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Sie haben es gerade gehört: Am Mittwoch tagte der Vermittlungsausschuss zum Schuldnerberatungsdienstegesetz. Jetzt dachten wir zunächst, der Adressat dieses Gesetzes wäre vielleicht die Bundesregierung – Herr Klingbeil, schön, dass Sie dabei sind; ich meine, Ihr Markenzeichen sind ja die Schulden –; aber es ging um private Schuldner und nicht um die Bundesregierung.
(Dr. Konrad Körner [CDU/CSU]: Haben Sie sich bisher im Ausschuss damit beschäftigt, oder was?)
Ich glaube, da wäre auch jedes Gesetz vergebens. Die Bundesregierung ist nicht mehr zu retten. – Also, darum ging es.
(Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Haben Sie den ganzen Prozess nicht mitbekommen, oder wie?)
Es war dann wie immer: Der Vermittlungsausschuss fängt um 18 Uhr an, und vorher liegt das Vermittlungsergebnis schon vor. So gehen Sie mit Quasiverfassungsorganen um; der Vermittlungsausschuss findet sich ja in Artikel 77 Grundgesetz. Sie mauscheln vorher schon in Hinterzimmern; Sie setzen sich in irgendwelchen Arbeitsgruppen zusammen.
(Dr. Konrad Körner [CDU/CSU]: Das nennt man „Regierungshandeln“! Das kennen Sie nicht!)
Wir sind natürlich nicht daran beteiligt; wer das alles gemacht hat, wissen wir auch nicht. Jedenfalls geht man in den Vermittlungsausschuss hinein. Da gibt es dann schon einen Vorschlag, der ausgemauschelt wurde,
(Mahmut Özdemir [Duisburg] [SPD]: Damit kennen Sie sich aus!)
und der wurde dann im Wesentlichen auch so angenommen.
Der einzige Streitpunkt war dann noch: Wie können wir noch mehr Kosten vom Bund und von den Ländern auf die Kommunen übertragen? Da waren sich die Länder und der Bund einig, dass sie irgendwas initiieren wollen; aber am Ende sollen wieder die Kommunen zahlen.
(Zuruf des Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU])
Auch das zeigt, wie Sie mit unserem Staatsaufbau zurechtkommen bzw. nicht zurechtkommen. Es ist einfach erbärmlich, was da gelaufen ist.
(Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Dirk Wiese [SPD])
Die EU-Richtlinie – da waren wir uns alle einig – ist völlig überflüssig. In Deutschland ist die Rechtslage schon jetzt viel besser als dort beschrieben.
(Zuruf des Abg. Mahmut Özdemir [Duisburg] [SPD])
Jetzt kann man sagen: Gut, Richtlinien muss man umsetzen. – Aber Sie haben ja in der Europäischen Union das Sagen. Warum verhindern Sie denn nicht so einen Unsinn, solche Richtlinien umzusetzen, die Deutschland nur dazu zwingen, irgendwas zu machen, was gar nicht gemacht werden muss, und die interessanterweise am Ende dazu führen, dass wir jetzt auch noch eine Strafe in Höhe von zig Millionen Euro zahlen müssen? Das muss man sich vorstellen: Ein Vertragsverletzungsverfahren droht. Warum? Weil wir zu spät eine Richtlinie umsetzen, die in Deutschland gar nicht umzusetzen ist, weil in Deutschland schon alles viel besser ist. Da packt man sich doch an den Kopf und fragt sich: Wie kann man sich auf so etwas überhaupt einlassen?
(Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Weil’s einfach nicht stimmt, was Sie sagen!)
Das ist Ihre Politik.
(Beifall bei der AfD)
Und dann muss man sich noch anschauen: Diese Millionenstrafen, die uns drohen,
(Dirk Wiese [SPD]: Die kommen ja nicht!)
berechnen sich nach einem komplizierten Schlüssel. Tatsächlich berechnen sie sich unter anderem nach den Beiträgen, die ein Land an die Europäische Union zahlt.
(Heiterkeit der Abg. Iris Nieland [AfD])
Wir zahlen schon die höchsten Beiträge, und weil wir das tun, zahlen wir am Ende auch noch höhere Strafen an die Europäische Union, weil wir eine Richtlinie zu spät umsetzen, die es überhaupt nicht braucht.
(Dr. Konrad Körner [CDU/CSU]: Das liegt an der Wirtschaftskraft!)
Das ist Ihre Politik zulasten der deutschen Bürger. Ich hoffe, es gucken viele zu. Ich hoffe, dass die Bürger auf den Tribünen verstanden haben, was für eine deutschlandfeindliche Politik von diesem Kartell aus Altparteien – darf man das noch so formulieren? ich hoffe – hier in Deutschland fabriziert wird.
(Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist Unsinn, was Sie erzählen!)
Es ist erbärmlich, was Sie da abgeliefert haben. Anders kann man das nicht formulieren.
Anders kann man auch nicht darstellen, wie übergriffig und auch überflüssig diese Europäische Union ist, die sich in internes Recht von Staaten einmischt, obwohl die Staaten schon viel besser aufgestellt sind.
(Dr. Konrad Körner [CDU/CSU]: Sagen Sie auch noch zur Sache was?)
Es gab überhaupt kein Regelungsbedürfnis. Das Ganze führt jetzt zu Chaos, zu Mehrkosten bei den Kommunen, zu Millionenstrafen für die Bundesrepublik Deutschland.
Ich glaube, das sind wieder Gründe, um den Menschen draußen klarzumachen: Sie haben fertig. Wir als Alternative für Deutschland müssen an den Start, –
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Redezeit ist abgelaufen.
Stephan Brandner (AfD):
– in Deutschland regieren und Deutschland besser machen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der CDU/CSU hat Frau Abgeordnete Catarina dos Santos-Wintz das Wort.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Catarina dos Santos-Wintz (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kommen wir einmal nicht nur mit dem Rednerpult, sondern auch generell auf den Boden der Tatsachen zurück!
(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Der Vermittlungsausschuss hat in seiner zweiten Sitzung am Mittwoch eine Einigung über das Schuldnerberatungsdienstegesetz erzielt. Unsere Fraktion wird dieser Einigung zustimmen, und auch ich möchte allen Beteiligten ganz herzlich danken, dass das möglich war.
Im Rahmen der Verhandlungen konnten wir uns mit den Ländern auf eine Eins-zu-eins-Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie einigen.
(Christian Görke [Die Linke]: Stimmt überhaupt nicht!)
Die Schuldnerberatung soll Verbraucherinnen und Verbrauchern im Falle einer Überschuldung unterstützen, zum Beispiel im Umgang mit unseriösen Geschäftspraktiken. Nach der Einigung können bei der Beratung auch Entgelte erhoben werden, die aber in jedem Einzelfall keine unangemessene Belastung für Verbraucher darstellen und auch nicht der Gewinnerzielung dienen dürfen.
Thema im Vermittlungsausschuss war auch die Sorge der Länder, dass mit den neuen Regelungen Mehrkosten verbunden sind. Aber auch hier konnten wir am Mittwochabend noch in der Sitzung eine Verständigung im Vermittlungsausschuss herbeiführen. Aus unserer Sicht ist ausschlaggebend, dass mit der Umsetzung der Richtlinie der bereits gute Status quo, den wir in unserem Land haben, erhalten bleiben soll, also auch keine neue Infrastruktur, keine neuen Strukturen geschaffen werden müssen, weil wir die Schuldnerberatung bereits hervorragend umsetzen. Sollte es wider Erwarten dazu kommen, dass wir substanzielle Veränderungen in der Schuldnerberatungslandschaft durch das Gesetz haben, dann werden auch da Bund und Länder gemeinsam an einer kostenreduzierenden Lösung arbeiten. Und zudem wird der Bund auch ein bundesweit übertragbares Angebot zur Onlineschuldnerberatung mit entwickeln und zur Verfügung stellen, um die Kosten zu senken. – Das zum Inhalt der Einigung.
Mir ist aber auch wichtig, an dieser Stelle zu betonen: Die Umsetzung von EU-Vorgaben ist nicht allein Sache des Bundes, sondern eben auch der Länder. Deswegen müssen wir uns in diesen Fragen aufeinander zubewegen. Das haben wir am Mittwochabend erfolgreich getan. Und in diesem Geiste des bundesstaatlichen Miteinanders hat sich der Vermittlungsausschuss wieder als ein konstruktives und manchmal auch unterschätztes Gremium bewiesen, mit dem der Interessenausgleich zwischen Bund und Ländern gelingt.
Das zeigt – anders als von meinem Vorredner dargestellt –, dass mitnichten alles in Hinterzimmern ausgekungelt wird. Wir haben sogar in der Sitzung noch in verschiedenen Punkten um Kompromisse gerungen, im Interesse von Bund und Ländern. Politische Lösungsfindung braucht auch geschützte Räume, um Eingangskorridore auszuloten und zur optimalen Lösung zu kommen. Und das hat, wie Sie sicher wissen, auch das Bundesverfassungsgericht anerkannt und klargestellt.
Der Vermittlungsausschuss ist in unserer föderalen Demokratie ein besonderes Gremium. Denn das oberste Ziel ist es, einen Kompromiss zwischen den sachlich und politisch oft verschiedenen Interessenlagen von Bundesregierung, Bundestag und den 16 Ländern zu finden.
Ein Punkt ist mir aber noch besonders wichtig: Alle Fraktionen haben die Gelegenheit, eigene Vorschläge einzubringen. Von dieser Möglichkeit, Herr Brandner, haben Sie am Mittwoch, jedenfalls soweit ich mich erinnere, keinen Gebrauch gemacht.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Und auch heute habe ich Ihrer Rede keinen einzigen inhaltlichen Vorschlag entnehmen können.
Wir sind nicht an der pauschalen Lösung interessiert, sondern wir legen einen zustimmungsfähigen, verfassungs- und geschäftsordnungsgemäßen Kompromiss vor.
Herzlichen Dank an alle und einen schönen Tag.
(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Andreas Audretsch das Wort.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Andreas Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Neun Monate lang haben Sie gestritten, neun Monate lang haben Sie versucht, Lösungen zu finden. Und dann saßen wir am Mittwochabend im Vermittlungsausschuss, und es wurde tatsächlich auch dort gestritten. Insofern hat die Kollegin dos Santos recht, dass dort auch die Lösungen gefunden wurden. Das Problem ist: Sie haben sich überhaupt nicht mehr darum bemüht, was für die Menschen im Land wichtig ist, sondern es ging nur noch um eines: Wer zahlt am Ende? Und da haben Sie die zynischste, die schlechteste Lösung gefunden, die man finden kann, nämlich: Die Menschen sollen zahlen. Das ist dieser Lage wirklich nicht angemessen. Das ist der völlig falsche Weg. So darf man das nicht lösen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken – Dirk Wiese [SPD]: Die Vertreter der Grünen haben aber zugestimmt! – Gegenruf des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Wir haben einen Dieselpreis von 2,50 bis 3 Euro, wir haben Heizkosten, die durch die Decke gehen, wir haben die Ölpreiskrise, die Gaspreiskrise, wir haben steigende Zinsen. Wir werden mehr Menschen sehen, die in Verschuldung geraten. Wir werden mehr Menschen sehen, die Unterstützung brauchen. Und wir bräuchten mehr Angebote in der Schuldnerberatung – niedrigschwellig, einfach zugänglich, kostenfrei für die Menschen. Die Realität, die wir da draußen sehen, ist eine andere: Die Schuldnerberatungsstellen werden weniger, sie sind überlastet. Die Angebote sind nicht so, wie man sie haben könnte, und die Zugänge verschlechtern Sie jetzt mit diesem Gesetz, mit dieser Einigung. Alles, was man an dieser Stelle besser hätte machen können, tun Sie nicht; da ist Fehlanzeige. Der Grundsatz der kostenfreien Beratung wird im Gesetz gestrichen.
Liebe Leute von der Koalition, Sie wissen das ganz genau. Das, was jetzt herausgekommen ist, liegt weit hinter dem, was im Kabinett beschlossen wurde. Sie haben in den Verhandlungen hier im Bundestag einen Schritt hin zu mehr Kostenfreiheit, zu einer besseren Situation im Vergleich zum Kabinettsentwurf gemacht, und Sie haben jetzt im Vermittlungsausschuss alles wieder zurückgedreht, alles rückabgewickelt. Das ist wirklich eine zynische Lösung.
An die Leute, denen das Wasser bis zum Hals steht, die finanziell in großen Schwierigkeiten sind, richten Sie jetzt den Willen, dass sie am Ende für die Beratung zahlen müssen. Das ist etwas, was mehr Probleme bringen wird. Das ist etwas, was mehr überschuldete Menschen hervorbringen wird. Und das wird vor allem am Ende massiv Kosten bei den Kommunen abladen. Es ist schlicht und ergreifend die falsche Lösung, die Sie da gefunden haben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich will noch einen grundsätzlicheren Punkt machen: Sie haben monatelang gestritten. Sie haben jetzt im Vermittlungsausschuss gestritten. Und Sie sind nur mit einem kleinen Millionenbetrag zu einer solchen Lösung gekommen, die am Ende nur zulasten der Menschen funktionieren kann, die in Schwierigkeiten sind. Gleichzeitig sehen wir größere Beträge, viel größere Beträge, Milliardenbeträge, wenn es um den Tankrabatt geht, dann, wenn es darum geht, dass große Millionenbeträge im Rachen der Ölkonzerne landen. Das ist das, was Sie gerade beschließen. Dafür ist Geld da; da finden Sie eine Lösung. Und das kann keine Zukunft sein.
Wenn wir Geld ausgeben, dann muss das dazu führen, dass es im Geldbeutel der Menschen ankommt und dass es das Leben von Menschen besser macht. Dann darf das nicht im Rachen der Ölkonzerne landen. Es muss so ausgegeben werden, –
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Redezeit.
Andreas Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
– dass auch die soziale Infrastruktur in Deutschland besser –
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Redezeit ist abgelaufen.
Andreas Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
– und nicht schlechter wird, –
Präsidentin Julia Klöckner:
Die Redezeit ist abgelaufen! Danke.
Andreas Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
– und das ist mit diesem Gesetz nicht gegeben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Die Linke hat abschließend Herr Abgeordneter Christian Görke das Wort. Bitte.
(Beifall bei der Linken)
Christian Görke (Die Linke):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieser Einigungsvorschlag des Vermittlungsausschusses betrifft über 6 Millionen überschuldete Menschen in Deutschland, Tendenz steigend. Sie kennen die Ursachen: steigende Hypothekenzinsen, Pay-Later-Bezahlsysteme und, und, und. Mit dem Beschluss im Bundestag zur Umsetzung der EU-Verbraucherschutzrichtlinie hätte man diesen Menschen helfen müssen. Die Frist zur Umsetzung, Herr Wiese, war Ende 2025. Wir haben jetzt September 2026. Wir als Fraktion nennen das „unterlassene Hilfeleistung“.
(Beifall bei der Linken – Dirk Wiese [SPD]: Die Linke stimmt aber auch im Bundesrat zu!)
– Weil Sie gerade den Zwischenruf getätigt haben: Hätten Sie damals hier im Deutschen Bundestag auf uns gehört,
(Dirk Wiese [SPD]: Aber Sie stimmen doch heute im Bundesrat zu!)
dann hätten Sie den Ländern und Kommunen einen Finanzierungsausgleich gewährt und dann wäre uns dieses politische Gewürge, das wir hier am letzten Mittwoch gesehen haben und das nun mit erheblichen Verschlechterungen einhergeht, erspart geblieben.
(Zuruf des Abg. Dirk Wiese [SPD])
Herr Kollege Wiese, am Mittwochabend gab es noch eine Fassung, in der ein Finanzausgleich durchaus erwähnt worden ist. Der ist aber dann gestrichen worden. Jetzt heißt es: Schuldner/-innenberatung nach Kassenlage. Meine Damen und Herren, das ist ein Unding.
Es wird noch besser. Jetzt sollen die Anerkennung, Organisation und die Anforderung der Schuldenberatung in Landesrecht überführt werden. Das bedeutet, dass neben dem Bildungsföderalismus, den wir alle kennen, nun der nächste föderale Flickenteppich entsteht. Es geht noch weiter: Mit diesem Vorschlag wird auch der individuelle Rechtsanspruch eines überschuldeten Menschen auf Beratung geschliffen.
(Dirk Wiese [SPD]: Aber Sie stimmen ja zu!)
Meine Damen und Herren, die Spitze der Unverfrorenheit ist der Umstand, dass die Betroffenen jetzt mitunter sogar bezahlen müssen, um Hilfe zu bekommen. Banken und sonstige Darlehensgeber, die mittlerweile einen erheblichen Anteil an der Überschuldung haben, bleiben außen vor. Na klasse! Und das, Herr Wiese, mit einer Justiz- und Verbraucherschutzministerin, die der Sozialdemokratie angehört!
(Dirk Wiese [SPD]: Herr Görke, Sie haben am Mittwoch keinen Änderungsvorschlag eingebracht! Sie haben dagesessen und waren bequem!)
– Ich verstehe natürlich Ihre Unruhe. So wird das nichts – ich habe Ihnen das schon mehrfach gesagt – mit der Wiederauferstehung der Sozialdemokratie, wenn Sie so weitermachen.
Diesem Verbraucherschutzverschlechterungsgesetz können wir heute im Bundestag nicht zustimmen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der Linken sowie des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Präsidentin Julia Klöckner:
Damit schließe ich die Debatte zu Zusatzpunkt 10.
Wir kommen nun zur Abstimmung über die Beschlussempfehlung des Vermittlungsausschusses auf Drucksache 21/8160 zu dem Gesetz über den Zugang zu Schuldnerberatungsdiensten für Verbraucher. Gemäß § 10 Absatz 3 Satz 1 seiner Geschäftsordnung hat der Vermittlungsausschuss beschlossen, dass im Deutschen Bundestag über die Änderungen gemeinsam abzustimmen ist. Wer stimmt für die Beschlussempfehlung des Vermittlungsausschusses? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Die Beschlussempfehlung ist angenommen worden mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen die Stimmen der Oppositionsfraktionen.
Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 35:
Beratung des Antrags der Abgeordneten Janine Wissler, Nicole Gohlke, Doris Achelwilm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
Das Solidarprinzip stärken
Drucksache 21/7970
Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Arbeit und Soziales (f) Finanzausschuss Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für Gesundheit
Für die Aussprache wurde eine Dauer von 60 Minuten beschlossen.
Es eröffnet die Debatte für die Fraktion Die Linke Frau Abgeordnete Heidi Reichinnek. Bitte.
(Beifall bei der Linken)
Heidi Reichinnek (Die Linke):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Noch nie war eine Bundesregierung so unbeliebt wie die Regierung Merz. Die Wahlen letzten Sonntag waren eine historische Klatsche für die Union. Der Fall in Berlin war tief. In Mecklenburg-Vorpommern führte er direkt aus dem Landtag – zum ersten Mal überhaupt. Das sollte zu denken geben, oder? Aber was war die Reaktion von Bundeskanzler und Parteivorsitzendem Merz? Er versammelte die gesamte Hauptstadtpresse, um kraftvoll zu verkünden: Weiter so! – Was für eine Realitätsverweigerung!
(Beifall bei der Linken)
Die Menschen haben Ihnen mehr als deutlich gezeigt, was sie von diesen sogenannten Reformen halten, die nichts anderes sind als brutaler sozialer Kahlschlag. Die Menschen lehnen diese Kürzungspolitik auf ihrem Rücken ab, und das zu Recht. Wir brauchen keine bessere Erklärung; wir brauchen endlich bessere Politik.
(Beifall bei der Linken)
Denn was ist denn die Bilanz dieser Regierung? Für Sie sind die Menschen entweder Nichtsnutze oder Nutznießer. Welche Arroganz! Statt sicherer Rente Arbeiten bis zum Umfallen und Zwangsspekulation, im Gesundheitssystem schlechtere Versorgung bei steigenden Kosten. Den Achtstundentag, den Arbeiter/-innen hart erkämpft haben, wollen Sie zerschlagen. Mit der sogenannten neuen Grundsicherung treiben Sie die Menschen in Hunger und Obdachlosigkeit. Kürzungen beim Kindersofortzuschlag, beim Wohngeld, bei Alleinerziehenden treffen Familien auf brutale Art und Weise. Und bei den explodierenden Lebenshaltungskosten zucken Sie mit den Schultern. Sie versagen bei allem, was Sie anfassen.
(Beifall bei der Linken)
Dass die Menschen darauf wirklich keinen Bock mehr haben, haben Sie eindrucksvoll in Berlin gesehen, wo Die Linke klare Wahlsiegerin ist.
(Zuruf der Abg. Dr. Ottilie Klein [CDU/CSU])
Und warum ist das so? Weil sie bereit ist, sich mit den Großkonzernen anzulegen, weil sie nicht zusieht, wie die Mietmafia die Menschen immer weiter abzockt, weil sie den Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer Konzerne endlich umsetzen will!
(Beifall bei der Linken)
Genau deswegen will der Kanzler jetzt noch schnell ein höchst fragwürdiges Gesetz auf den Weg bringen, um diese Vergesellschaftung zu verhindern, während die Union sonst fröhlich Privatbesitz enteignet, wenn es um Autobahnen und Kohleabbau geht. Was für eine Heuchelei!
(Beifall bei der Linken)
Und das Schlimmste: Dieses Land wird zerrieben zwischen Ihrem Sozialkahlschlag und dem Hass und der Hetze der Rechtsextremen. Denn denen bereiten Sie damit den Nährboden. Wie kann man uns nur so blind in den Abgrund regieren? Aber es gibt zum Glück auch noch eine Partei, die zeigt, dass es auch endlich mal wieder besser werden kann, und das ist Die Linke.
(Beifall bei der Linken – Lachen bei Abgeordneten der AfD)
Unsere Vorschläge liegen auf dem Tisch. Wir brauchen eine Rentenversicherung, in die alle Erwerbstätigen einzahlen, mit höheren Beitragsbemessungsgrenzen. Dann kann das Rentenniveau endlich wieder steigen. So bekämpft man Altersarmut in diesem Land!
(Beifall bei der Linken)
Wir brauchen eine Bürger/-innenversicherung statt noch mehr Verschlechterung in Ihrem Zweiklassengesundheitssystem. Bei Gesundheit und Pflege müssen Menschen im Mittelpunkt stehen und nicht Profite. Wir müssen die unsägliche Schuldenbremse abschaffen, damit wir Bildung, Infrastruktur, unsere gesamte Wirtschaft fit für die Zukunft machen können.
Wir brauchen ein Konjunkturpaket, um die Lage am Arbeitsmarkt zu verbessern. Denn der sicherste Weg, die Kosten für die Sozialsysteme zu senken, ist, die Wirtschaft endlich wieder ans Laufen zu bekommen. Sie wissen, dass die aktuelle Konjunkturbelebung sowieso komplett auf Sand gebaut ist, und das ist ein Problem.
Wir müssen die Vermögensteuer wieder einführen und die Schlupflöcher für besonders große Erbschaften schließen, um Spielraum für Investitionen zu haben, aber vor allem, um endlich was gegen die massive Ungerechtigkeit im Land zu tun.
(Beifall bei der Linken – Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU)
– Auch wenn Sie darüber nur lachen können: Wir kämpfen dafür: in den Parlamenten und auf den Straßen. Wir sehen uns morgen bei den DGB-Demos!
(Beifall bei der Linken)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der CDU/CSU hat Frau Abgeordnete Dr. Ottilie Klein das Wort.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Mensch steht im Mittelpunkt: mit all seinen Stärken, mit all seinen Schwächen, wenn es ihm gut geht, wenn es ihm schlecht geht, wenn er anderen helfen kann, wenn er selbst Hilfe benötigt. Er steht im Mittelpunkt unserer Wirtschaftspolitik. Er steht im Mittelpunkt unserer Sozialpolitik. Er steht im Mittelpunkt unserer gesamten sozialen Marktwirtschaft. Diesen Prinzipien fühlen wir uns als CDU und CSU und als gesamte Bundesregierung uneingeschränkt verpflichtet.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Deshalb setzen wir uns natürlich für einen starken Sozialstaat ein, der den Menschen gerade dann hilft, wenn sie in ihren unterschiedlichen Lebenslagen Hilfe und Unterstützung benötigen. Das bedeutet aber auch, dass wir dabei der Gerechtigkeit verpflichtet sind. Wenn die Menschen an unserem Sozialstaat teilhaben sollen, dann müssen wir sicherstellen, dass sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten einbringt, dass von niemandem nur darum genommen wird, damit dem anderen mehr gegeben werden kann.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, bei der Lektüre des Antrags der Linken musste ich oft an die ewigen Worte Konrad Adenauers denken, der treffend sagte: „Das Einzige, was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist, dass sie es von anderen haben wollen.“
(Beifall bei der CDU/CSU – Widerspruch der Abg. Katrin Fey [Die Linke])
Denn wenn die Linkspartei von Solidarität spricht, dann meint sie eigentlich Umverteilung.
(Luigi Pantisano [Die Linke]: Oho! – Zuruf der Abg. Heidi Reichinnek [Die Linke])
Sie behauptet, dass sich der Sozialstaat in einer Krise befindet – wir haben gerade etwas vom „sozialen Kahlschlag“ gehört –,
(Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das war der Kanzler!)
obwohl die Sozialausgaben mit 1,43 Billionen Euro noch nie so hoch waren wie heute.
(Enrico Komning [AfD]: Deswegen arbeitet ihr ja auch mit denen zusammen!)
Die Linke ignoriert mit diesem Antrag aber nicht nur die Realität in den Sozialsystemen, sondern auch die Herausforderungen, vor denen wir stehen. Es ist vom demografischen Wandel in Ihrem Antrag nichts zu lesen. Dabei ist das einer der Hauptgründe, warum unsere Sozialversicherungssysteme in Schieflage geraten sind. Klar ist: Wenn wir heute nichts tun, werden die Sozialbeiträge immer und immer weiter steigen, und das belastet übrigens insbesondere kleine und mittlere Einkommen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Und die Schuldenbremse auszusetzen, um auf Kosten der jungen Generation die Sozialausgaben von heute zu bestreiten,
(Zuruf der Abg. Heidi Reichinnek [Die Linke])
das, liebe Kolleginnen und Kollegen, hat mit Gerechtigkeit nun wirklich nichts zu tun.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wenn Sie sich mal um die finanzielle Zukunft unserer Kinder genauso gut kümmern würden, wie Sie sich um die Belange der kriminellen Clans kümmern, dann wären wir hier schon deutlich weiter.
(Beifall bei der CDU/CSU – Sarah Vollath [Die Linke]: Oha! – Enrico Komning [AfD]: Und das von der Union!)
Auch wirtschaftspolitisch verbietet es sich, dass wir in Sozialistenmanier zu Umverteilungen oder gar Enteignungen übergehen. Unsere Wirtschaft muss sich ohnehin schon gegen viele Herausforderungen behaupten: die fortschreitende Entwicklung künstlicher Intelligenz mit all ihren Folgen, Zölle und Handelskriege, die wirtschaftlichen Folgen der Kriege in der Ukraine und im Iran, schwierige Marktbedingungen und hohe Energiepreise. Zu kaum einem Zeitpunkt in den vergangenen Jahrzehnten waren die Aufgaben so groß.
Ein starker Sozialstaat funktioniert langfristig nur mit einer starken Wirtschaft. Alles andere ist „Wünsch dir was“.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Genau deshalb sind unsere Reformen so wichtig. Es geht jetzt darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass es wirtschaftlich wieder bergauf geht. Nur so sichern wir unseren Sozialstaat am besten.
Schließlich ist die sicherheitspolitische Lage auch eine andere als noch vor wenigen Jahren. Deutschland muss in der Lage sein, sich zu verteidigen. Wenn die russischen Freunde der Linkspartei
(Luigi Pantisano [Die Linke]: Oah!)
nicht ihren neoimperialen Fantasien verfallen wären, wenn sie keine Kriege gegen friedliche Nachbarn gestartet hätten und wenn sie nicht immer wieder unverhohlen in Wort und Tat mit Krieg drohen würden, dann wäre auch diese Herausforderung sicher weniger groß.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Kurt Schumacher sagte einmal, dass Politik mit der Betrachtung der Wirklichkeit beginnt. Man kann den Linken nur empfehlen, diese Worte einmal zu beherzigen.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf von der Linken)
Mit sozialistischen Fantastereien, die unser Land und unsere Gesellschaft finanziell, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch in große Schwierigkeiten bringen würden, kommen wir da jedenfalls nicht weiter.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Heidi Reichinnek [Die Linke])
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Robert Teske das Wort. Bitte.
(Beifall bei der AfD)
Robert Teske (AfD):
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Im Antrag der Linken heißt es einleitend: „Die Krise unseres Sozialstaats ist keine Krise der Solidarität.“ Doch – das kann ich Ihnen sagen –, das ist sie auch. Genossinnen und Genossen aller Parteien, von der CDU bis zur Linken: Sie haben dieser Krise Vorschub geleistet, Sie sind verantwortlich.
Wir haben eine aktuelle Krise, die sich auch in Zahlen bemessen lässt, etwa beim Bürgergeld. Wir erinnern uns: Rund 50 Prozent der Empfänger dieser Grundsicherung sind Ausländer. Doch dahinter steckt noch eine viel tiefere Krise, und das ist die Krise der Solidarität selbst.
Deswegen müssen wir uns heute einmal mehr die Schlüsselfrage stellen: Was hält eigentlich unseren Sozialstaat zusammen? Das geht jetzt an die Adresse der Linken, besonders nach der Rede von Heidi Reichinnek: Geld alleine hält unseren Sozialstaat nicht zusammen, und auch Transferleistungen alleine tun das nicht. Was diesen Sozialstaat aber zusammenhalten kann, das ist eine gemeinsame Vorstellung davon, wer überhaupt füreinander einsteht und warum.
Der Historiker Rolf Peter Sieferle nutzte für den modernen Sozialstaat das eingängige Bild des Klubs. Ein Klub funktioniert nicht dadurch, dass Leistungen für alle gelten. Er funktioniert dadurch, dass es klar definierte Mitgliedschaften gibt. Mitglieder zahlen Beiträge, Mitglieder akzeptieren Regeln, Mitglieder haben Rechte, aber eben auch Pflichten. Und vor allen Dingen wissen diese Mitglieder: Meine Leistung kommt meiner Gemeinschaft zugute. Es ist ebendiese Gemeinschaft, in der landsmännische Parteilichkeit dafür sorgt, dass ich den Meinen helfen will, wenn sie in Not geraten, und in der die Meinen mir helfen, wenn ich in Not gerate.
(Beifall bei der AfD)
So weit Sieferle. So weit der Gedanke eines wehrhaften Sozialstaats mit geregelter Mitgliedschaft. Das ist eben etwas völlig anderes als die grenzenlose Umverteilung linker Prägung. Aber diese Unterscheidung wird heute leider verdrängt. Man spricht von Solidarität, wenn man über Transferleistungen sinniert, wenn man Ansprüche formuliert oder wenn Behörden ihre Zuständigkeiten ausdehnen. Doch echte Solidarität ist ein Verhältnis, und das setzt ein Mindestmaß an kultureller Nähe, positiver Identität und Vertrauen voraus.
(Zuruf der Abg. Katrin Fey [Die Linke])
Es setzt vor allen Dingen die Vorstellung davon voraus, wer zu dieser Gemeinschaft gehört. In meinen Augen gehören Clanmitglieder nicht zu unserer Gemeinschaft.
(Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Luigi Pantisano [Die Linke])
Das ist genau das, was die Linken aller Couleur nicht begreifen, das ist aber für immer mehr Deutsche da draußen selbstverständlich.
(Zuruf der Abg. Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Unser Gemeinwesen kann nur solidarisch sein, wenn es weiß, für wen es Verantwortung übernommen hat und welche Pflichten sich daraus ergeben. Und wer diese Frage nicht stellt, der zerstört eben alles, was er zu schützen gedenkt.
(Zuruf des Abg. Dr. Christos Pantazis [SPD])
Meine sehr verehrten Damen und Herren der Linken, ein Beispiel aus Ihrem vorliegenden Antrag zeigt das ganz besonders: Sie schreiben dort von einem „Gestaltungsauftrag des Staates“. Er bedeute, dass für eine gute Gesundheitsversorgung für alle zu sorgen ist, um – ich zitiere – „die für das deutsche Gesundheitssystem charakteristische Ressourcenverschwendung […] zu bekämpfen“.
Der Elefant im Raum Ihres Antrages, ja Ihres kompletten pseudosolidarischen Ansatzes, das sind auch die Kosten der Überfremdung hierzulande. Was anderes als „charakteristische Ressourcenverschwendung“ ist es, wenn knapp 1 Milliarde Euro im Jahr 2024 für Gesundheitsleistungen für Asylbewerber ausgegeben wurden? Was anderes als „charakteristische Ressourcenverschwendung“ ist es, wenn rund 2,5 Millionen ausländische Bürgergeldbezieher jedes Jahr rund 6 Milliarden Euro Gesundheitskosten verursachen? Das versteht kein Mensch mehr da draußen, der monatelang auf einen Facharzttermin warten muss. Das versteht kein Facharbeiter, der Monat für Monat eine vierstellige Summe für Sozialabgaben auf seinem Lohnzettel davonschwimmen sieht.
(Beifall bei der AfD)
Und das versteht auch niemand, der nach über 45 Beitragsjahren immer noch vor der Altersarmut steht. Es ist grotesk!
(Zuruf der Abg. Heidi Reichinnek [Die Linke])
Unsere Bürger finanzieren die Kosten für Ihr Multikulti im Sozialstaat, ohne dass sie etwas davon haben. Das Prinzip von Leistung und Gegenleistung ist von Ihnen pervertiert worden.
(Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Luigi Pantisano [Die Linke])
Dann muss man sich am Ende des Tages eben nicht wundern, wenn das Verständnis für den Sozialstaat und für Solidarität schwindet.
(Luigi Pantisano [Die Linke]: Deutschland den Deutschen!)
Deswegen müssen wir den Sozialstaat nicht nur sozial denken. Wir müssen ihn patriotisch denken.
(Beifall bei der AfD – Luigi Pantisano: Sag, was du denkst: Deutschland den Deutschen!)
Denn wer für die gesamte Welt verantwortlich sein will, der ist am Ende des Tages für niemanden verantwortlich. Das ist Ihre linke Solidarität, die sich hier einmal mehr selber widerlegt.
(Luigi Pantisano [Die Linke]: Sei doch ehrlich: Deutschland den Deutschen!)
Dieser abstrakten Solidarität stellen wir unsere konkrete Solidarität entgegen.
Jetzt kommen wir zu einem Begriff, dessen Bedeutung wir als „solidarischen Patriotismus“ begreifen. Denn hier einmal mehr: Die soziale Frage lässt sich eben nicht ohne die Frage nach Gemeinschaft beantworten. Wer trägt die Last auf seinen Schultern? Wer arbeitet und schafft Wohlstand? Wer gründet Familien und ernährt sie? Wer hat geleistet? Und wem gegenüber tragen wir eine besondere Verantwortung? Das alles wird von Ihnen ignoriert, es ist aber essenziell. Wir brauchen daher wieder endlich einen Sozialstaat, der weiß, was seine unverzichtbare Aufgabe ist.
(Beifall bei der AfD)
Dieser Sozialstaat darf niemals die Voraussetzung seines eigenen Daseins zerstören, indem er die Klubmitgliedschaft in die ganze Welt verschleudert.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, werte Genossen, das ist für mich der Unterschied zwischen konkreter und abstrakter Solidarität, zwischen Solidarprinzip zum Wohle unseres Volkes und Ihrem Sozialprinzip auf Kosten der Einheimischen. Nicht weniger Solidarität ist unser Ziel, sondern echte Solidarität.
(Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Heidi Reichinnek [Die Linke])
Nur so kann die Krise unseres Sozialstaats bewältigt werden.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Liebe Kollegen, in der Auseinandersetzung haben Sie reingerufen: „Deutschland den Deutschen!“ Sie wissen, dass das ganz bewusst von der NSDAP genutzt worden ist.
(Luigi Pantisano [Die Linke]: Ich habe den Redner übersetzt!)
– Nein, das ist Ihre Zuschreibung. Machen Sie sich klar: Sie selbst regen sich auf, wenn Sie in einen Zusammenhang mit anderen gesetzt werden, die Sie ablehnen. Ich bitte, dass Sie das umgekehrt auch respektieren. Man kann nicht Regeln für sich beanspruchen und sie selbst ständig brechen. Respektvoll sollten wir hier miteinander umgehen, bitte!
(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf von der Linken)
– Also, wenn der Vorwurf jetzt wiederkommt, nehme ich ihn gerne auf. Frau Köktürk, Sie haben ja neulich gepostet, dass dieses Präsidium komplett rassistisch und auch ausländerfeindlich sei. Wenn das immer der Vorwurf ist, wenn wir hier als Präsidium Kritik an der Linksfraktion üben und Sie mit dem Hammer kommen, das sei alles Rassismus, dann müssen wir noch mal über die Definition von Rassismus reden. Wenn alles Rassismus ist, ist nichts mehr Rassismus. Insofern bitte ich auch, eine Sitzungsleitung hier zu respektieren und nicht moralisch diskreditieren zu wollen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der SPD)
Jetzt hat für die SPD-Fraktion der Abgeordnete Herr Bernd Rützel das Wort. Bitte.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Bernd Rützel (SPD):
Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Solidarität ist das Fundament unseres Sozialstaates. So wie dieser Reichstag ein kräftiges Fundament braucht, das man nicht sieht, das aber im Verborgenen da sein muss, so ist Solidarität der Kitt in der Gesellschaft.
Solidarität ist nicht abhängig von der Herkunft,
(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Catarina dos Santos-Wintz [CDU/CSU] und Dr. Armin Grau [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Enrico Komning [AfD]: Doch! Selbstverständlich!)
und Solidarität ist nicht abhängig vom Patriotismus. Solidarität heißt: Der eine hilft dem anderen. Und wenn jemand ins Straucheln kommt, dann hilft man ihm. Das heißt aber nicht, dass das alles leistungslos ist. Das heißt, dass man sich anstrengt, dass man sich kümmert, dass man in einem Sozialstaat auch in der Lage ist, sein Leben zu verbessern. Aufstieg durch Bildung zu erreichen; ein besseres Leben zu führen; der Wunsch der Verkäuferin, dass ihr Sohn, ihre Tochter studieren und aufsteigen kann: Das ist unser Prinzip des Sozialstaates, und dafür stehen wir füreinander ein.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)
Das Schicksal, liebe Kolleginnen und Kollegen, das klopft nicht an die Tür. Das Schicksal tritt einfach ein: durch einen Unfall; durch einen Schlaganfall; durch Arbeitslosigkeit, für die man nichts kann; durch Kurzarbeitergeld, das vielleicht viele gebraucht haben; durch Wohngeld, das man braucht, weil die Miete zu hoch ist; durch Grundsicherung. All das brauchen wir, um uns zu schützen und uns vor den Risiken des Lebens zu versichern.
Der Sozialstaat ist nicht irgendwer. Wem gehört denn der Sozialstaat? Der Sozialstaat gehört doch uns: dem Busfahrer, dem Lokführer, der Verkäuferin, der Pflegekraft, der Mitarbeiterin im Büro, und allen, die in der Fabrik arbeiten. Es ist doch der Sozialstaat der Menschen, unser eigener Sozialstaat. Dafür bezahlen wir Geld, dafür bezahlen wir Beiträge. Und wenn wir ihn brauchen, dann haben wir ihn, unseren Sozialstaat. Und den sollten wir uns niemals und von niemandem nehmen oder schlechtreden lassen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Ich bin den Linken trotzdem sehr dankbar, dass sie diese Debatte aufgerufen haben; sie ist notwendig und gut. Es sind auch viele Dinge dabei, auf die meine Kollegin Rasha Nasr noch eingeht; Christos Pantazis spricht zum Pflegebereich.
Aber wissen Sie: Ich habe Maschinenschlosser gelernt. Da lernt man dann, wenn man Schrauben anzieht, eine alte Regel: Nach fest kommt ab.
(Heiterkeit des Abg. Dr. Christos Pantazis [SPD])
Diejenigen, die was mit Schrauben gelernt haben, wissen das. Deswegen benutzt man oft einen Drehmomentschlüssel, um genau so ein Überziehen zu vermeiden. Diejenigen, die in den nächsten Wochen ihre Winterreifen montieren, werden das hoffentlich auch so tun. Und ich hätte mir gewünscht, dass Sie für Ihren Antrag einen Drehmomentschlüssel verwendet hätten. Dann wäre der nämlich nicht über das Ziel hinausgeschossen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU – Christian Görke [Die Linke]: Wir haben jetzt mal den Wagenheber genommen! – Zuruf des Abg. Dr. Fabian Fahl [Die Linke])
Ich möchte zusammenfassen. Für die SPD, für uns, ist das Solidarprinzip immer verbunden mit dem Versprechen des sozialen Aufstiegs: Wer sich anstrengt, wer jeden Morgen früh aufsteht, wer arbeitet, wer eine Ausbildung macht, wer sich um seine Familie kümmert, der muss sich auch darauf verlassen können, dass diese Anstrengung sich lohnt.
Dieses Versprechen ist der Motor für unseren Sozialstaat; denn der Sozialstaat sichert dich ab, wenn du ihn brauchst. Er gibt dir die Werkzeuge an die Hand, um selber voranzukommen. Und ohne einen starken Sozialstaat gibt es auch keine starke Demokratie.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für Bündnis 90/Die Grünen hat nun Herr Abgeordneter Dr. Armin Grau das Wort. Bitte.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Armin Grau (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Bundesregierung baut den Sozialstaat an vielen Stellen ab. Sie kürzt und streicht und verschlechtert so das Leben für viele Menschen in unserem Land. Unser Land ist in den letzten Jahren immer ungerechter geworden; die Ungleichheit hat zugenommen. Diese unsoziale Politik muss endlich aufhören.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Grundsicherung wird mit Blick auf die Inflation de facto abgesenkt; Sanktionen werden verschärft. Die Menschen sollen länger und vor allem flexibler arbeiten. Bei Kindern und Familien wird massiv gespart, was insbesondere ärmere Familien hart trifft. Die Solidarität in unserer Gesellschaft hat klar abgenommen; die Hetzreden von rechts haben das gerade auch noch mal gezeigt. Die Entsolidarisierung wird durch die Politik der Bundesregierung leider verstärkt. Der Ansatz der Linken in ihrem Antrag ist richtig: Die Solidarität in unserem Land muss wieder wachsen.
Jetzt aber zu den einzelnen Vorschlägen. Wir Grüne unterstützen die Idee der Bürgerversicherung seit jeher. Alle sollen einer solidarischen Krankenversicherung und Pflegeversicherung angehören, und alle Einkommensarten sollen einbezogen werden.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Katrin Fey [Die Linke])
Das fand jetzt auch der Kanzler gut, aber wohl nur kurz in einem luziden Moment.
Wir brauchen aber keine exorbitanten Erhöhungen der Beitragsbemessungsgrenze, wie Sie das vorschlagen. Im deutschen Gesundheitswesen ist genügend Geld. Wir brauchen endlich Reformen, die das Gesundheitswesen patientengerechter und effektiver machen: eine Notfallreform, ein Primärversorgungssystem, um die Versorgung besser zu koordinieren, eine Krankenhausreform ohne die Verwässerungen dieser Bundesregierung. Das ist gut für die Menschen, spart am Ende Geld und senkt die Beitragssätze.
Und wenn Sie die Beitragsbemessungsgrenze ganz abschaffen wollen, haben wir quasi ein steuerfinanziertes System. Dann droht aber eine Versorgung nach Haushaltslage. Tarifsteigerungen im Gesundheitswesen müssen vollständig refinanziert und die Kürzungen zulasten der Beschäftigten und am Ende auch Patientinnen und Patienten rückgängig gemacht werden.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Auch in der Rentenversicherung brauchen wir die Bürger/-innenversicherung mit Einbeziehung von Selbstständigen, Beamtinnen und Beamten und Abgeordneten. Und die nicht beitragsgedeckten Leistungen müssen endlich vollständig aus dem Haushalt finanziert werden. Das fordert auch Ihre Alterssicherungskommission von der Regierung. Nur die Regierung selber macht das Gegenteil und kürzt die Bundeszuschüsse immer weiter.
Es war ein großer Fehler, dass wir in den letzten 50 Jahren das Rentenniveau von fast 60 Prozent auf 48 Prozent abgesenkt haben und damit die Renten von den Löhnen abgekoppelt haben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Der größte Fehler der jetzigen Rentenpläne ist es, das Rentenniveau noch weiter sinken zu lassen und die Kapitalrente, die die Absenkung kompensieren soll, aus Beiträgen zu finanzieren. Das wird viele Arbeitsplätze kosten.
Aber auch der Vorschlag der Linken, die paritätische Beitragszahlung aufzuheben und das Rentenniveau durch zusätzliche Arbeitgeberbeiträge anzuheben, ist nicht klug. Das verteuert Arbeit und kostet Arbeitsplätze. Große Vermögen zur Finanzierung heranzuziehen, müsste aus Sicht der Linken doch eigentlich der bessere Weg sein.
(Heidi Reichinnek [Die Linke]: Das steht da ja auch!)
Der Arbeitsmarkt ist auch für die Rente ganz entscheidend. Auch deswegen müssen wir viel mehr in Arbeitsvermittlung investieren, als es die Regierung tut.
Die hohe Kinderarmut in unserem Land ist ein Skandal. Ich begrüße es sehr, dass Sie von der Linken hier unsere Idee von der Kindergrundsicherung unterstützen.
(Heidi Reichinnek [Die Linke]: Das war ganz sicher nicht Ihre Idee!)
Überhaupt muss die Grundsicherung bedarfsgerecht sein. Die Regelsätze müssen endlich wieder steigen und die völlig unangemessenen Sanktionen zurückgenommen werden.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Um unseren Sozialstaat und die anderen großen Aufgaben unserer Zeit finanzieren zu können, müssen wir die Ausnahmen bei der Erbschaftsteuer abschaffen, Kryptowerte angemessen besteuern, klimaschädliche Subventionen abbauen und endlich hohe Vermögen wieder besteuern.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Unsere Gesellschaft leidet unter zunehmenden Rissen. Der Abstand zwischen Reich und Arm wird immer größer. Stärkere Schultern müssen endlich wieder mehr Verantwortung tragen.
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Zeit.
Dr. Armin Grau (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Nur so schaffen wir mehr Solidarität, die unser Land dringend braucht.
Präsidentin Julia Klöckner:
Danke schön.
Dr. Armin Grau (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die CDU/CSU hat Herr Abgeordneter Dr. Stefan Nacke das Wort. Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Dr. Stefan Nacke (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer schwer erkrankt, seinen Arbeitsplatz verliert oder pflegebedürftig wird, muss sich auf Unterstützung verlassen können, nicht auf Wohlwollen, nicht auf eine Sammlung im Bekanntenkreis, sondern auf einen Sozialstaat, der verlässlich schützt. Für uns Christlich-Soziale folgt das aus unserem Menschenbild. Die Würde des Menschen hängt weder von seinem Einkommen noch von seiner Leistungsfähigkeit ab. Niemand muss sich seine Würde erst erarbeiten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Solidarität verbindet uns miteinander. Die Beschäftigte, die heute Beiträge zahlt, kann morgen auf Krankengeld angewiesen sein. Beitragszahlende und Leistungsberechtigte sind keine getrennten Lager. Deswegen sollten wir auch in der Reformdebatte die Begriffe auseinanderhalten.
Sozialversicherung ist keine Armenfürsorge. Wer durch Beiträge Ansprüche erworben hat, nimmt beim Leistungsbezug keine Almosen entgegen. Wer Beiträge zahlt, darf im Versicherungsfall mehr erwarten als gute Wünsche zur Eigenverantwortung. Dabei sichert die Solidargemeinschaft auch Menschen ab, die selbst noch keine Beiträge leisten können, etwa Kinder. Gesamtgesellschaftliche Aufgaben wiederum müssen angemessen aus Steuern finanziert werden. Das schützt auch Beschäftigte und Arbeitgeber vor einer Überlastung durch Beiträge.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Ebenso wichtig ist uns die Subsidiarität. Menschen sollen ihr Leben wirklich selbst bestimmen können. Dafür brauchen sie wirksame Unterstützung. Nehmen wir Arbeitnehmer, die nach schwerer Krankheit in ihren Beruf zurückkehren möchten. Sie brauchen eine abgestimmte Rehabilitation, keine Rundreise zwischen Krankenkasse, Rentenversicherung und Arbeitsagentur. Ein smarter Sozialstaat organisiert die Zusammenarbeit, klare Zuständigkeiten, eine verlässliche Ansprechperson und sorgt dafür, dass Unterlagen nicht mehrfach eingereicht werden müssen.
Schließlich wird ein berechtigter Anspruch nicht dadurch überflüssig, dass man seine Durchsetzung erschwert. Dafür brauchen wir Sozialpartner, eine handlungsfähige Selbstverwaltung und freie Wohlfahrtsverbände. Der Staat muss verlässlich Hilfe gewährleisten, aber nicht alles selbst leisten.
Auch die aktuelle Pflegedebatte zeigt: Nicht jede gestrichene Ausgabe ist schon eine Einsparung. Fehlt pflegenden Angehörigen die Entlastung, müssen sie womöglich ihre Erwerbsarbeit reduzieren. Dann sinken Einkommen und Beitragseinnahmen. Gute Sozialpolitik rechnet diese Folgen mit.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Reformen ersetzen keine ehrlichen Finanzierungsdebatten. Aber wer nur auf Beitragssätze und Leistungsbeträge schaut, übersieht, wie viel von funktionierenden Strukturen abhängt.
Eine leistungsfähige Wirtschaft braucht einen starken Sozialstaat. Das hat beispielsweise die Coronapandemie gezeigt. Soziale Sicherheit hilft Menschen, Veränderung mitzutragen. Erfolgreiche Unternehmen und gute Beschäftigung schaffen die wirtschaftliche Grundlage für unsere soziale Absicherung. Deshalb gehören Investitionen, Qualifizierung und produktive, tariflich abgesicherte Arbeit zu einer Politik, die Solidarität stärkt.
An diesem Verständnis messen wir den Antrag der Linken. Die angesprochenen Sorgen sind ernst, aber Ihre Antworten überzeugen uns nicht.
Das Kapital mögen Sie offenbar lieber im Bücherregal als in der Altersvorsorge.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir wollen, dass auch Beschäftigte von Kapitalerträgen profitieren können, unter klaren Regeln, als Ergänzung der gesetzlichen Rente.
Im Gesundheitswesen ist Wettbewerb weder Allheilmittel noch Erbsünde. Entscheidend ist, ob er dem Patienten nützt. Wird durch Wettbewerb die Versorgung verbessert? Prima. Leidet die Versorgung? Dann müssen wir eingreifen.
Wir Christdemokraten wissen um die Bedeutung des Glaubens. Bei der Finanzierung des Sozialstaats hätten wir trotzdem gerne eine belastbare Rechnung. Zusätzliche Einnahmen vorzuschlagen, genügt nicht. Sie müssen auch zeigen, wie Ihr Gesamtpaket dauerhaft tragfähig ist.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für die AfD-Fraktion darf ich Peter Bohnhof das Wort erteilen.
(Beifall bei der AfD)
Peter Bohnhof (AfD):
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Bürger! Die Linke behauptet in ihrem Antrag, das Solidaritätsprinzip zu stärken. Das ist aber Unsinn. Die Linken wollen den deutschen Sozialstaat endgültig abschaffen. Lassen Sie mich erklären, warum.
Das Wort „Solidarität“ kommt vom lateinischen „solidus“ und bedeutet fest, massiv und tragfähig, meine Damen und Herren. Ein solidarisches Gemeinwesen ist etwas, was begrenzt und verbindlich ist. Rechte und Pflichten müssen sich auf dieselbe Gemeinschaft beziehen. Wer Unterstützung bekommt, muss auch etwas beitragen. Das ist der Grundgedanke, mit dem Bismarck vor über 140 Jahren die deutsche Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung geschaffen hat. Davon sind wir heute leider weit entfernt.
Unsere einstmals leistungsfähigen Sicherungssysteme sind zur Beute von Sozialtouristen aus aller Welt geworden. Die jahrelange Masseneinwanderung in unsere Sozialsysteme hat die Einheit von Einzahler und Empfänger gesprengt. Das ist das Werk nicht nur der Linken, sondern der Altparteien.
(Beifall bei der AfD)
Die Massenmigration und eine übermäßige Auslegung von EU-Recht haben unsere Sozialkassen geplündert. Das ist und bleibt ein Skandal, meine Damen und Herren.
Jetzt, wo das Geld immer knapper wird, suchen die Linken, aber auch die Regierung um Bundeskanzler Merz und Minister Klingbeil hektisch nach neuen Einnahmequellen. Im Antrag der Linken heißt es verharmlosend: „Die Versichertenbasis der Sozialversicherungen muss erweitert werden“.
(Beifall des Abg. Pascal Meiser [Die Linke])
Um es klar zu sagen: Das ist keine Solidarität. Was die Linken in Gang setzen, ist eine gigantische Umverteilungsmaschine, um die Löcher zu stopfen, die der Sozialtourismus in unsere Kassen gefressen hat, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der AfD)
Die Forderungen in diesem Antrag sind der blanke Horror für jeden Beitragszahler – gerade ist es schon angesprochen worden –, zum Beispiel die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze, Abschaffung der privaten Krankenversicherung und – natürlich der Klassiker – die Wiedereinführung der Vermögensteuer.
Meine Damen und Herren, so sorgen Sie dafür, dass niemand mehr bereit ist, überhaupt noch etwas zu tun. Aber andere Gruppen wie arbeitsunwillige Leute, die vielleicht auch Sozialleistungsmissbrauch begehen, werden von den Linken belohnt. Beim Arbeitslosengeld werden die Sperrzeiten abgeschafft, im Bürgergeld – ach nein, das heißt ja jetzt Grundsicherungsgeld; Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nichts;
(Rasha Nasr [SPD]: Wie lange haben Sie daran gesessen?)
die Hälfte der Bezieher sind übrigens Ausländer – werden Sanktionen ersatzlos gestrichen. Wohnkosten und Vermögen spielen einfach keine Rolle. Vollversorgung ist für jeden bezahlbar, weil die Linken mit ihrem Antrag einfach die Schuldenbremse abschaffen wollen. Na, viel Spaß!
Ein Staat, der keinen Unterschied macht zwischen Einzahlern und solchen, die den Staat ausnutzen, ist kein Sozialstaat, sondern eine asoziale Versorgungsanstalt, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der AfD)
Eine bedingungslose Vollversorgung, unabhängig von Gegenleistung und Aufenthaltsstatus, ist das exakte Gegenteil von Solidarität.
Hier in Berlin wollen die Linken nicht nur den Sozialstaat, sondern auch die Polizei, das Privateigentum und die Justizvollzugsanstalten abschaffen. Unfassbar, aber so stand es im Programm der Linken.
(Heidi Reichinnek [Die Linke]: Nein!)
Aber bei den Kontakten der Berliner Linken zu den Clans verwundert das nicht. Wenn hier also demnächst Linksextreme und Clans das Sagen haben, wird Berlin endgültig in Anarchie versinken. Mal schauen, was mit dem Bundestag wird. DDR 2.0 sehe ich schon kommen, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der AfD)
Solidarität ist keine Einbahnstraße. Solidarität heißt nicht Umverteilung von fleißig zu faul. Solidarität heißt für uns, für die AfD: Wer hilfebedürftig ist und sich nicht selbst helfen kann, wird unterstützt, bis er wieder auf eigenen Füßen stehen kann, meine Damen und Herren, und nichts anderes.
(Beifall bei der AfD)
Organisierter Sozialleistungsmissbrauch und die gezielte Einwanderung in die sozialen Sicherungssysteme untergraben seit Jahren massiv die Akzeptanz des Sozialstaats bei denen, die ihn durch eigene Arbeit, Steuern und Beiträge tragen. Weil wir die Einzigen sind, die das klar aussprechen, sind wir mittlerweile die einzige Volkspartei hier in Deutschland, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der AfD – Rasha Nasr [SPD]: Eine völkische Partei!])
Die Menschen erwarten endlich einen Politikwechsel, und sie wissen, dass nur wir dazu bereit und willens sind.
Die AfD wird den deutschen Sozialstaat retten. Wir werden die bedingungslose Vollversorgung abschaffen. Das ist der einzige Weg, unser solidarisches Gemeinwesen wiederherzustellen. Wir werden eine Bürgerarbeit einführen; denn wer arbeiten kann, soll auch arbeiten. Wir werden Pendelmigration unterbinden; denn ohne Anwesenheit keine Leistung.
(Heidi Reichinnek [Die Linke]: Zwangsarbeit!)
– Blöde Unterstellung: Zwangsarbeit! – Und wir werden dafür sorgen, dass Ausländer erst bei uns einzahlen müssen, bevor sie übergangsweise Unterstützung erwarten können. So geht Gerechtigkeit, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der AfD)
Klar muss auch sein: Unsere Solidarität gibt es halt nur zu unseren Bedingungen. Deshalb werden wir jedem Missbrauch unseres Sozialstaates mit der gebotenen Konsequenz begegnen. Wem das nicht passt, der kann auch Deutschland gerne verlassen oder noch besser in der Heimat bleiben.
Weil wir für vernünftige und seriöse Politik stehen, lehnen wir diesen Antrag der Linken vollständig ab.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für die SPD-Fraktion darf ich Dr. Christos Pantazis das Wort erteilen.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Dr. Christos Pantazis (SPD):
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir debattieren heute über das Solidarprinzip und damit über eine entscheidende Frage: Wie erhalten wir das Vertrauen der Menschen in die Leistungsfähigkeit und Gerechtigkeit unseres Sozialstaats? Unsere sozialen Sicherungssysteme stehen schließlich vor großen Herausforderungen. Wir müssen sie finanziell stabilisieren, strukturell modernisieren und leistungsfähig halte
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Relationen
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- part_of_vorgang → Deutschlands Grenzen wirksam sichern - KI-Grenzschutz jetzt einführen (Beratung)
- part_of_vorgang → Empfehlung der Kommission vom 29.1.2026 zur Anwerbung von Talenten für Innovationen K(2026) 462 endg.; Ratsdok. 6854/26 (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- part_of_vorgang → Empfehlung der Kommission vom 30.4.2026 zum Risikomanagement des Versorgers K(2026)2851 endg.; Ratsdok. 8823/26 (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- part_of_vorgang → Empfehlung der Kommission vom 30.4.2026 zum Schutz schutzbedürftiger Kunden und von Energiearmut betroffener Kunden vor einer Abschaltung de (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- part_of_vorgang → Empfehlung der Kommission vom 30.4.2026 zur Unterstützung der Entwicklung von Energiegemeinschaften und zur Maximierung des Potenzials der E (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- part_of_vorgang → Empfehlung der Kommission vom 30.4.2026 zur Zusammenfassung der wichtigsten Vertragsbedingungen von Energieversorgungsverträgen K(2026)2853 (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- part_of_vorgang → Entschließungsantrag zum Gesetz zur Umsetzung der Richtlinien (EU) 2025/1 und (EU) 2025/2 zur Festlegung eines Rahmens für die Sanierung und (2. Beratung)
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- part_of_vorgang → Vorschlag für einen Beschluss des Rates über den Abschluss des Abkommens zwischen der Europäischen Union und der Bundesrepublik Nigeria über (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- part_of_vorgang → Vorschlag für einen Beschluss des Rates über die Unterzeichnung des Abkommens zwischen der Europäischen Union und der Bundesrepublik Nigeria (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- part_of_vorgang → Vorschlag für einen Durchführungsbeschluss des Rates über die Aussetzung der Anwendung einiger Bestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 810/2009 (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- part_of_vorgang → Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinie 2004/37/EG hinsichtlich der Aufnahme von (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- part_of_vorgang → Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Bekämpfung des unerlaubten Handels mit Feuerwaffen und anderer S (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- part_of_vorgang → Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Zuständigkeit, das anwendbare Recht, die Anerkennung und Vo (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- part_of_vorgang → Vorschlag für eine Verordnung des Rates zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 904/2010 in Bezug auf den Zugang der Europäischen Staatsanwalts (Mitteilung des federführenden Ausschusses)
- spoke_in ← Aaron Valent (Rede)
- spoke_in ← Alexander Throm (Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT)
- spoke_in ← Andreas Audretsch (Erklärung zum Vermittlungsverfahren (§ 90 GO-BT, § 10 GO-VermA))
- spoke_in ← Armand Zorn (Rede)
- spoke_in ← Armin Grau (Rede)
- spoke_in ← Bernd Rützel (Rede)
- spoke_in ← Bodo Ramelow (Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT)
- spoke_in ← Carsten Brodesser (Rede)
- spoke_in ← Catarina dos Santos-Wintz (Erklärung zum Vermittlungsverfahren (§ 90 GO-BT, § 10 GO-VermA))
- spoke_in ← Cem Ince (Rede)
- spoke_in ← Christian Görke (Erklärung zum Vermittlungsverfahren (§ 90 GO-BT, § 10 GO-VermA))
- spoke_in ← Christos Pantazis (Rede)
- spoke_in ← Clara Bünger (Rede)
- spoke_in ← Daniel Rinkert (Rede)
- spoke_in ← David Gregosz (Rede)
- spoke_in ← David Preisendanz (Rede)
- spoke_in ← Detlef Seif (Rede)
- spoke_in ← Diana Zimmer (Rede)
- spoke_in ← Dirk Wiese (Erklärung zum Vermittlungsverfahren (§ 90 GO-BT, § 10 GO-VermA))
- spoke_in ← Donata Vogtschmidt (Rede)
- spoke_in ← Doris Achelwilm (Rede)
- spoke_in ← Fabian Jacobi (Rede)
- spoke_in ← Florian Bilic (Rede)
- spoke_in ← Florian Dorn (Rede)
- spoke_in ← Frank Schwabe (Rede)
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- spoke_in ← Frauke Heiligenstadt (Rede)
- spoke_in ← Götz Frömming (Rede)
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- spoke_in ← Hauke Finger (Rede)
- spoke_in ← Heidi Reichinnek (Rede)
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- spoke_in ← Iris Nieland (Rede)
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- spoke_in ← Johannes Schätzl (Rede)
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- spoke_in ← Konrad Körner (Rede)
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- spoke_in ← Lars Haise (Rede)
- spoke_in ← Lars Klingbeil (Rede)
- spoke_in ← Lisa Paus (Rede)
- spoke_in ← Lisa Schubert (Rede)
- spoke_in ← Lorenz Gösta Beutin (Zwischenfrage)
- spoke_in ← Luigi Pantisano (Rede)
- spoke_in ← Marcel Emmerich (Kurzintervention)
- spoke_in ← Markus Reichel (Rede)
- spoke_in ← Martin Reichardt (Rede)
- spoke_in ← Marvin Schulz (Rede)
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- spoke_in ← Mechthilde Wittmann (Rede)
- spoke_in ← Michael Thews (Rede)
- spoke_in ← Moritz Heuberger (Zwischenfrage)
- spoke_in ← Oliver Pöpsel (Rede)
- spoke_in ← Omid Nouripour (Zur Geschäftsordnung BT)
- spoke_in ← Ottilie Klein (Rede)
- spoke_in ← Pascal Meiser (Kurzintervention)
- spoke_in ← Peter Aumer (Rede)
- spoke_in ← Peter Bohnhof (Rede)
- spoke_in ← Rainer Galla (Rede)
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- spoke_in ← Stefan Nacke (Rede)
- spoke_in ← Stefan Schmidt (Rede)
- spoke_in ← Stephan Brandner (Erklärung zum Vermittlungsverfahren (§ 90 GO-BT, § 10 GO-VermA))
- spoke_in ← Susanne Hierl (Rede)
- spoke_in ← Sylvia Rietenberg (Rede)
- spoke_in ← Thomas Jarzombek (Rede)
- spoke_in ← Thomas Pauls (Rede)
- spoke_in ← Thomas Silberhorn (Rede)
- spoke_in ← Tijen Ataoğlu (Rede)
- spoke_in ← Tobias Ebenberger (Rede)
- spoke_in ← Torben Braga (Rede)
- spoke_in ← Ulrike Schielke-Ziesing (Rede)