Rede von Tamara Mazzi (DIE LINKE) – Einspruch gegen eine Ordnungsmaßnahme
Teil von Protokoll der 26. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 1: Einspruch gegen eine Ordnungsmaßnahme.
Text
Rede von Tamara Mazzi (DIE LINKE) – Einspruch gegen eine Ordnungsmaßnahme
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Als ich noch in der Schule unterrichtet habe, hatte ich eine Kollegin. Sie kam fast immer auf den letzten Drücker zum Unterricht und verschwand nach dem Klingeln oft sofort wieder. Oft war sie müde, oft war sie erschöpft, nicht weil sie faul war oder ihr Beruf ihr keinen Spaß gemacht hätte, sondern weil sie zu Hause noch eine zweite, größere Aufgabe hatte: die Pflege ihrer Mutter. Sie kochte für sie, sie wusch sie, sie verabreichte ihr die Medikamente, sie kümmerte sich um alles – Tag für Tag, Wochenende für Wochenende. Freizeit gab es für sie nicht. Mit dieser Aufgabe war sie allein. Und mit dieser Aufgabe wurde sie alleingelassen.
Wenn ich mir den Einzelplan für das Gesundheitswesen anschaue, muss ich oft an diese Kollegin denken; denn hier offenbart sich erneut die Schieflage unseres Systems. Es fehlen grundlegende Investitionen dort, wo Menschen täglich um Würde und Lebensqualität kämpfen: in der Pflege. Es hilft nichts, die Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren zu lesen, da die Situation auch damals schon katastrophal war. Was wir hier erleben, ist ein systematisches Versagen. Mehr als 5 Millionen Menschen sind pflegebedürftig, Tendenz steigend. Gleichzeitig verlassen täglich Hunderte von Fachkräften frustriert und ausgebrannt ihren Beruf.
Diese Entwicklung ist kein Schicksal, sie ist das direkte Resultat Ihrer politischen Entscheidungen, die Profite über Menschen stellt.
Ihr Haushalt setzt diese verfehlte Logik fort. Anstatt endlich den Mut für grundlegende Reformen aufzubringen, werden wieder einmal Symptome kuriert.
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