Rede von Sven Lehmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Den Deutschen Verlagspreis ersatzlos streichen – Keine staatliche Prämierung von Verlagen, deren Programme auch linksextreme Inhalte …
Teil von Protokoll der 102. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 21: Den Deutschen Verlagspreis ersatzlos streichen – Keine staatliche Prämierung von Verlagen, deren Programme auch linksextreme Inhalte umfassen.
Das Protokoll 21/102 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 20.10.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.
Text
Rede von Sven Lehmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Den Deutschen Verlagspreis ersatzlos streichen – Keine staatliche Prämierung von Verlagen, deren Programme auch linksextreme Inhalte …
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als vergangene Woche die Nachricht kam, dass wir uns heute hier im Plenum mit dem Deutschen Verlagspreis befassen, dachte ich schon wunders, was da kommt. Aber es ist einfach mal wieder derselbe Kram, den die AfD jedes Jahr aus der Schublade holt. Und dieser Antrag der AfD könnte auch so überschrieben sein: „Wir sind eingeschnappt, dass unser rechtsextremer Vordenker Götz Kubitschek den Preis noch nicht bekommen hat, und deswegen wollen wir ihn direkt gleich abschaffen.“ Das könnte aber ja auch einfach an der Qualität seines Verlages und seiner Erzeugnisse liegen, dass er diesen Preis noch nicht bekommen hat.
Und wir werden den Antrag natürlich ablehnen.
Der diesjährige Verlagspreis hat mal wieder gezeigt, wie reich und vielfältig unsere Verlagsbranche ist. Denn die ausgezeichneten Verlage bereichern uns mit ihren Büchern um außergewöhnliche Perspektiven, um ungehörte Biografien und um Genres und Geschichten abseits des Mainstreams. Sie zeigen Tag für Tag, wie wichtig unabhängige Verlage für die Vielfalt unserer Kultur und Gesellschaft sind. Deswegen gratuliere ich allen ausgezeichneten Verlagen sehr herzlich.
Damit ist eigentlich auch schon genug zum Antrag der AfD gesagt, und ich würde gerne drei Punkte nennen, über die wir stattdessen mal ausführlicher debattieren sollten.
Erstens: die Lesekrise, die wir in Deutschland haben. Nur wer lesen kann, kann die Welt verstehen, sich eine Meinung bilden – übrigens auch gegen Fake News und Populismus – und an der Demokratie teilhaben. Deswegen brauchen wir unbedingt eine nationale Kraftanstrengung zur Leseförderung.
Zweitens. Künstliche Intelligenz – wichtiges Thema auch auf der Buchmesse – eröffnet neue Möglichkeiten, setzt aber gleichzeitig Autorinnen, Übersetzer und Verlage massiv unter Druck. Deswegen brauchen wir wirksamere Regeln zum Schutz der Urheber und Kreativen. Es muss gelten: Dein Wort! Deine Arbeit! Dein Recht! – und übrigens auch: Deine Entlohnung!
Und drittens: Verlage brauchen Planungssicherheit. Der Verlagspreis ist gut, hat sich zu einer wichtigen Unterstützung der kleinen, unabhängigen Verlage etabliert. Was wir aber eigentlich brauchen, ist eine strukturelle, objektive, verlässliche Verlagsförderung, die langfristig Planungssicherheit für kleine, unabhängige Verlage schafft. Wir haben als grüne Fraktion dazu einen umfassenden Antrag erarbeitet, den wir in der kommenden Sitzungswoche hier einbringen werden; denn die Buchbranche braucht ganz sicher keine destruktiven AfD-Anträge. Sie braucht konstruktive und ambitionierte Ideen.
Vielen Dank.
Relationen
- part_of → Protokoll der 102. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Den Deutschen Verlagspreis ersatzlos streichen - Keine staatliche Prämierung von Verlagen, deren Programme auch linksextreme Inhalte umfasse
- spoke_in ← Matthias Helferich (Rede)
- spoke_in ← Sven Lehmann (Rede)