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Rede von Martin Rabanus (SPD) – Den Deutschen Verlagspreis ersatzlos streichen – Keine staatliche Prämierung von Verlagen, deren Programme auch linksextreme Inhalte …

dip / rede 15.10.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 102. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 21: Den Deutschen Verlagspreis ersatzlos streichen – Keine staatliche Prämierung von Verlagen, deren Programme auch linksextreme Inhalte umfassen.

Das Protokoll 21/102 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 20.10.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.

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Text

Rede von Martin Rabanus (SPD) – Den Deutschen Verlagspreis ersatzlos streichen – Keine staatliche Prämierung von Verlagen, deren Programme auch linksextreme Inhalte … Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, schon wieder bringt die AfD einen Antrag ein, der den Deutschen Verlagspreis zum Thema hat. Im letzten Jahr wollten sie ihn noch reformieren, jetzt soll er ersatzlos gestrichen werden. Okay. Wir könnten jetzt lange über diesen Antrag streiten. Wir könnten auch mal gucken, wer wirklich ausgezeichnet worden ist, und wir könnten darüber diskutieren, ob ein Verlag wie Kunstanstifter – Kollege Reddig hat ihn bereits erwähnt –, der für Kinder beispielsweise wunderbare Bücher mit Illustrationen zu Texten von Cornelia Funke veröffentlicht, tatsächlich linksextremistisch ist. Aber das wäre tatsächlich Zeitverschwendung. Deswegen möchte ich lieber über das sprechen, was wirklich wichtig ist, nämlich das, was unsere Demokratie starkmacht. Denn eine Demokratie lebt nicht davon, dass alle dasselbe denken. Sie lebt davon, dass Menschen lesen, dass sie zweifeln, dass sie widersprechen, dass sie auf Gedanken stoßen, die ihnen bisher fremd waren, und dass sie dabei merken: Unsere Gesellschaft hat mehr Stimmen, als diejenigen glauben, die am Ende nur sich selber reden hören möchten, so wie das bei Ihnen der Fall ist, Herr Helferich. Ein Roman ändert unseren Blick, ein Konzert verbindet Fremde, ein Theaterabend schickt uns mit Fragen nach Hause. Das ist die Schönheit von Kunst. Sie öffnet Türen zu anderen Welten, sie macht Zukunft denkbar. Und genau deswegen brauchen wir diese Kulturpreise. Der Deutsche Verlagspreis gibt unabhängigen Verlagen Sichtbarkeit und wirtschaftlichen Spielraum. Diese Häuser verlegen Bücher, die ohne ihren Mut vielleicht nie erschienen wären. Das muss nicht allen gefallen, und das ist auch kein Fehler. Das ist die Freiheit von Kunst. Schauen wir auf die Preise. Ich kann nur einige Beispiele nennen. Der Buchhandlungspreis ist auch in anderem Kontext diskutiert worden, aber er ist so wichtig; denn aus Buchhandlungen werden Orte der Begegnung gemacht. Der Georg-Büchner-Preis würdigt die Kraft unserer Sprache. Der Deutsche Kurzfilmpreis, der Deutsche Filmpreis, der Deutsche Drehbuchpreis und der Kinoprogrammpreis geben Geschichten und Orten Bühnen, auf denen sie stattfinden können. Der Deutsche Jazzpreis oder APPLAUS stärken Musik und Livekultur. Das Grundprinzip ist immer dasselbe: Die Politik setzt den Rahmen, unabhängige Jurys bewerten die künstlerische Qualität und nicht parteipolitische Vorlieben und schon gar nicht parteipolitische Vorlieben der AfD. Und selbstverständlich gelten klare Regeln – auch das ist deutlich gesagt worden –, gegen Gewaltverherrlichung, gegen strafbare Inhalte. Aber Kultur darf auch nicht erst dann Unterstützung finden, wenn sie niemandem mehr wehtut. Meine sehr verehrten Damen und Herren, unsere Zeit braucht mehr als die nächste Empörung. Wir brauchen Hoffnung. Hoffnung heißt nicht, dass schon alles gut ist. Aber Hoffnung bedeutet, dass es gemeinsam besser werden kann. Die AfD will streichen, sie will klein machen. Wir stehen an der Seite der Kultur. Wir stehen für eine Gesellschaft, die Vielfalt aushält, die Widerspruch zulässt und die damit auch Neues möglich macht. Denn die Zukunft unserer Demokratie ist auf gar keinen Fall schon geschrieben; das ist auch gut so. Es gibt noch viele, viele Geschichten zu erzählen. Herzlichen Dank.

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