Rede von Jörg van Essen (FDP) – Festlegung der Zahl der Stellvertreter des
Teil von Protokoll der 1. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 5: Festlegung der Zahl der Stellvertreter des.
Text
Rede von Jörg van Essen (FDP) – Festlegung der Zahl der Stellvertreter des
Herzlichen Dank. – Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die FDP-Bundestagsfraktion ist erstaunt, wie mit den
hohen Ämtern in einem der wichtigsten
Verfassungsorgane, dem Bundestag, umgegangen wird. Da hören
wir zunächst, dass auf Wunsch der SPD-Fraktion in der
konstituierenden Sitzung möglicherweise kein
Präsidium gewählt werden soll, weil das Amt des
Bundestagspräsidenten in die Koalitionsverhandlungen
einbezogen werden soll.
Für uns war die Linie von Anfang an klar und
eindeutig: Wir halten uns an die bewährten Regeln des
Deutschen Bundestages.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Diese Regeln besagen, dass selbstverständlich die
stärkste Fraktion den Präsidenten stellt.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und der Abg. Katrin Göring-
Eckardt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Zu den bewährten Regeln gehört auch folgende: Wir
haben uns nach langer Diskussion darauf verständigt
– ich finde, dass das für die Demokratie in unserem
Lande spricht –, dass sich jede Fraktion, auch die
kleinste – in diesem Fall die Grünen –, im Präsidium
wiederfindet. Wenn eine Fraktion hinzukommt wie die
der Linkspartei, dann gibt es für uns gar keine
Diskussion darüber, dass dann ein Amt für die Linkspartei zur
Verfügung stehen muss. Das gehört zur Demokratie
dazu.
Wir können aber keinerlei Grund erkennen – Herr
Kollege Röttgen, Sie haben das auch in Ihrer Rede nicht
deutlich gemacht –, warum es notwendig ist, einen
weiteren Vizepräsidenten im Deutschen Bundestag zu
installieren. Der Arbeitsanfall gebietet es jedenfalls nicht.
Auch ein kleineres Präsidium hat uns vorzüglich
geleitet. Noch viel wichtiger ist ein anderer Aspekt – Sie
haben bereits den Kostenfaktor angesprochen –: Nach den
Koalitionsverhandlungen gestern Abend war zu hören,
wie schwierig die Finanzlage in unserem Land ist. Das
heißt, wir, der Bundestag, werden unseren Bürgern viel
zumuten müssen. Das erste Signal des neu gewählten
Bundestages darf daher nicht sein, dass wir, ohne dass
ein nachweisbarer Anlass dazu besteht, die Zahl der
Vizepräsidenten um eine weitere Position erhöhen.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der LINKEN)
Ich darf zum Schluss aus der schon erwähnten
Debatte von 1994 zitieren. Ein Kollege hat damals gesagt:
Wir muten den Bürgern Sparmaßnahmen zu. Wenn dem
so ist, darf es nicht sein, dass der Bundestag als Erstes
Jörg van Esseneine Erweiterung des Präsidiums beschließt. –
Derjenige, der das damals gesagt hat, ist der heutige
Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kollege
Rüttgers. Recht hat er. Die FDP-Bundestagsfraktion
wird deshalb einer Erweiterung des
Bundestagspräsidiums ihre Zustimmung nicht geben.
Vielen Dank.