Das technische und kulturelle Erbe des wiedervereinigten Deutschlands schützen - Zulassung von Export-Simson-Kleinkrafträdern erleichtern
Text
Das technische und kulturelle Erbe des wiedervereinigten Deutschlands schützen - Zulassung von Export-Simson-Kleinkrafträdern erleichtern
Antrag
der Abgeordneten Stefan Henze, Wolfgang Wiehle, René Bochmann, Alexis L.
Giersch, Lars Haise, Maximilian Kneller, Ulrich von Zons, Carsten Becker,
Hans-Jürgen Goßner, Leif-Erik Holm, Dr. Rainer Kraft, Andreas Mayer, Volker
Scheurell, Otto Strauß und der Fraktion der AfD
Das technische und kulturelle Erbe des wiedervereinigten Deutschlands
schützen – Zulassung von Export-Simson-Kleinkrafträdern erleichtern
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
1. Kleinkrafträder der Marke Simson erfreuen sich bei Jung und Alt ungetrübter
Beliebtheit.1 Insbesondere die Baureihen S50, S51 und KR51 „Schwalbe“ werden
gern genutzt2, weil diese durch eine Ausnahmeregelung im Einigungsvertrag mit
einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h gefahren werden
dürfen (ebd.), sofern die Kleinkrafträder vor dem 28. Februar 1992 nach den
bisherigen Vorschriften der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Verkehr
gekommen sind (Anlage I Kapitel XI B III, Maßgabe 2, Absatz 21 des
Einigungsvertrages).
2. Die Ausnahmeregelung gilt somit nicht für die große Anzahl an Simson-
Kleinkrafträdern, die von der DDR in großen Stückzahlen exportiert wurden. Diese für
den Export vorgesehen Kleinkrafträder hatten laut Kraftfahrt-Bundesamt zum
Teil bauliche Veränderungen und waren an der jeweils gültigen
Höchstgeschwindigkeit des Empfängerlandes angepasst. Man kann mit diesen Fahrzeugen bei der
zuständigen Zulassungsbehörde eine Einzelbetriebserlaubnis (EBE) gemäß § 21
der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung beantragen.3
3. Viele dieser für den Export vorgesehenen Kleinkrafträder sind nach Auffassung
der Antragsteller bei den fahrsicherheitsrelevanten Komponenten wie zum
Beispiel Fahrwerk und Motor baugleich mit den Kleinkrafträdern, für die die
Ausnahmeregelung im Einigungsvertrag gilt.
4. Die Kleinkrafträder, die sich durch ihre robuste Bauweise, hohe
Wartungsfreundlichkeit und Alltagstauglichkeit auszeichnen, haben bis heute eine treue
Anhängerschaft in ganz Deutschland. Insbesondere aber in Ost- und Mitteldeutschland,
wo sie für viele auch jüngere Menschen Symbol eines freiheitlichen
Lebensgefühls sind.
1 www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama/simson-geschwindigkeit-plakette-116.html
2 www.saechsische.de/simsons-sind-wieder-sehr-beliebt-3479913.html
3 www.kba-online.de/kta_prod/webapp/#/faq
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6351
21. Wahlperiode 09.06.2026
5. Die Simson-Kleinkrafträder sind nicht nur technikhistorisch bedeutsam, sondern
entfalten durch ihre Nutzung, Restaurierung und Pflege auch eine
identitätsstiftende Funktion für viele Menschen in Ost- und Mitteldeutschland und sind dort
Teil einer Jugendkultur.
6. In zahlreichen Vereinen, privaten Schraubergruppen oder Initiativen wird die
Simson-Tradition engagiert gepflegt, wodurch wertvolles technisches Wissen,
handwerkliche Fertigkeiten und regionale Erinnerungskultur weitergegeben
werden.
7. Simson-Kleinkrafträder sind damit nicht nur technisches Kulturgut, sondern auch
ein Symbol für den erfolgreichen Erhalt ostdeutscher Mobilitätstraditionen im
vereinten Deutschland.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, dass für in der DDR gebaute
Kleinkrafträder, die in Bezug auf fahrsicherheitsrelevante Komponenten, wie
zum Beispiel Fahrwerk und Motor, baugleich sind, wie jene, für die im
Einigungsvertrag eine Ausnahmeregelung für eine Höchstgeschwindigkeit von
60 km/h besteht, die Ausnahmeregelung analog gilt;
2. sich bei den Bundesländern dafür einzusetzen, dass bei offensichtlicher
Baugleichheit, wie in Nummer 1 ausgeführt, eine Einzelabnahme nicht zwingend
erforderlich ist und die Kleinkrafträder mit einfachem TÜV unkompliziert
zugelassen werden;
3. Initiativen aus den Bundesländern zur Bewahrung und Pflege der Simson-
Kleinkrafträder sowie deren Anerkennung als Kulturgut zu unterstützen.
Berlin, den 9. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Das technische Kulturgut Simson muss erhalten werden. Es ist ein Stück Ostdeutsche Identität. Tausende
Menschen sind mit diesen Kleinkrafträdern aufgewachsen, haben sie selbst gefahren oder verbinden mit ihnen
Kindheitserinnerungen, handwerkliche Erlebnisse und Freiheitsgefühle. Die Kleinkrafträder der Suhler
Traditionsmarke – Simson – vor allem der Baureihen SCHWALBE, S50, S51 und KR51 etc. – stehen für eine
technikgeschichtliche Entwicklung, die in Suhl begann und über Jahrzehnte hinweg das Mobilitätsverhalten in der DDR
mitprägte. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt und zählen 30 Jahre nach der politischen Wende
zum gesamt deutschen Straßenbild. Die Simson-Mopeds symbolisieren heute jedoch nicht nur individuelle
Mobilität, sondern auch einen Teil des technischen und kulturellen Erbes des wiedervereinten Deutschlands, weil
diese Fahrzeuge als industrielles Kulturgut eine bedeutende Ostdeutsche Ingenieurleistung unter den
Einschränkungen der sozialistischen DDR-Planwirtschaft repräsentieren.
Die Pflege der Simson-Tradition durch private Initiativen und Vereine, Schraubergruppen oder Museen ist dabei
nicht nur Ausdruck eines Bewusstseins der deutschen Technik- und Verkehrsgeschichte oder Zeugnis von
Heimatverbundenheit, Gemeinschaftssinn oder Freiheitsliebe, sondern auch eine Brücke zwischen den
Generationen. Insbesondere in Ost- und Mitteldeutschland, wo „Simson“ Ausdruck eines Freiheitsgefühls und einer
freiheitsliebenden Jugendkultur geworden ist.
Maßnahmen, um das Simson-Moped als Teil unseres nationalen technischen Kulturerbes zu bewahren sind daher
unterstützungswert. Wir stehen in der Verantwortung, dieses Stück Ostdeutscher Geschichte zu schützen und für
zukünftige Generationen zu bewahren. Dies umfasst neben der Etablierung von technischen Museen und
historischen Sammlungen auch den Erhalt dieser Fahrzeuge im täglichen Straßenverkehr und die damit einhergehende
problemlose Zulassung aller in der DDR produzierten Modelle.
Die im Einigungsvertrag kodifizierte Ausnahmeregelung der Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h für die bis
1992 in der DDR in Verkehr gekommen Kleinkrafträder ist zu unterstützen. Diese Regelung soll auch
unbürokratisch gleichberechtigt für alle technisch identischen in der DDR produzierten Simson-Exportmodelle gelten.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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