Deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2038 auf den Weg bringen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/2041)
Text
Deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2038 auf den Weg bringen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/2041)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3026
21. Wahlperiode 02.12.2025
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Sport und Ehrenamt (5. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Lars Schieske, Jörn König, Thomas Korell,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/2041 –
Deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2038
auf den Weg bringen
A. Problem
Die den Antrag einbringende Fraktion der AfD macht deutlich, dass aus ihrer
Sicht München die einzige Stadt in Deutschland sei, die für eine Bewerbung um
Olympische und Paralympische Winterspiele in Frage komme. Vor dem
Hintergrund, dass in Deutschland seit den Olympischen Sommerspielen in München
1972 keine Olympischen und Paralympischen Spiele mehr ausgerichtet worden
seien, biete der Großraum München den Vorteil, dass fast alle notwendigen
Olympiaanlagen vorhanden seien. Deutschland habe sich seit den Spielen von 1972
sechsmal um die Ausrichtung Olympischer Winter- und Sommerspiele beworben,
alle Bewerbungen seien erfolglos verlaufen. Eine Bewerbung um Winterspiele sei
wesentlich aussichtsreicher und müsse nicht zu einer Einstellung der
Bemühungen für eine mögliche Bewerbung um Sommerspiele führen. Der Deutsche
Olympische Sportbund (DOSB) und das bislang für den Sport zuständige
Bundesministerium des Innern und für Heimat bzw. die nun dafür verantwortlich
zeichnende Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt seien
allerdings zu zögerlich, eine deutsche Bewerbung auf den Weg zu bringen.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Annahme des Antrags.
D. Kosten
Kosten wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/2041 abzulehnen.
Berlin, den 15. Oktober 2025
Der Ausschuss für Sport und Ehrenamt
Aydan Özoğuz
Vorsitzende
Artur Auernhammer
Berichterstatter
Lars Schieske
Berichterstatter
Bettina Lugk
Berichterstatterin
Tina Winklmann
Berichterstatterin
Christian Görke
Berichterstatter
Bericht der Abgeordneten Artur Auernhammer, Lars Schieske, Bettina Lugk, Tina
Winklmann und Christian Görke
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat den Antrag auf Drucksache 21/2041 in seiner 31. Sitzung am 9. Oktober 2025 in
erster Lesung beraten und zur federführenden Beratung an den Ausschuss für Sport und Ehrenamt und zur
Mitberatung an den Haushaltsausschuss überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die antragstellende Fraktion der AfD sieht Deutschland am Zug und in der Lage, in näherer Zukunft Ausrichter
Olympischer und Paralympischer Spiele zu werden und favorisiert aus Gründen der Erfolgschancen zunächst eine
Bewerbung um Winterspiele, ohne jedoch das Interesse an Sommerspielen aus den Augen zu verlieren. München
sei die einzige deutsche Stadt, die als Kandidat für eine deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische
Winterspiele geeignet ins Rennen gehen könne. Die Bundesregierung, insbesondere die für den Sport zuständige
Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt, soll daher aufgefordert werden, gemeinsam mit
dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der Stadt München eine Bewerbung vorzubereiten und die
Vorteile Münchens gegenüber dem IOC zu kommunizieren. Die Bewerbung solle insbesondere den nachhaltigen
Nutzen für München und die Region darstellen.
III. Stellungnahme des mitberatenden Ausschusses
Der Haushaltsausschuss hat den Antrag auf Drucksache 21/2041 in seiner 19. Sitzung am 15. Oktober 2025
beraten und empfiehlt die Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Sport und Ehrenamt hat den Antrag auf Drucksache 21/2041 in seiner 10. Sitzung am
15. Oktober 2025 beraten. Als Ergebnis empfiehlt er mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD, den Antrag abzulehnen.
Die Fraktion der CDU/CSU lehnte den Antrag ab, da er das aktuell laufende deutsche Bewerbungsverfahren
beschädige. Plötzlich und quasi aus dem Nichts eine Bewerbung um Winterspiele anzustoßen, gefährde
international die Seriosität einer deutschen Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele. Daher diene der
Antrag nicht den Chancen für Olympia in Deutschland, sondern habe das Potenzial, diesen nachhaltig zu schaden.
Zu verweisen sei in diesem Zusammenhang auch auf ein Zitat des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter,
der „keine Chance für Winterspiele in München [sieht]. Genau da funktioniert das mit der Nachhaltigkeit nur
schwer. Wenn, dann Sommerspiele.“ (www.merkur.de/sport/mehr-sport/olympische-spiele-muenchen-oberbuer-
germeister-dieter-reiter-klare-meinung-92389850.html). Der Antrag richte sich damit klar gegen die Auffassung
der politisch Verantwortlichen in München.
Die Fraktion der AfD erklärte, sie fordere die Bundesregierung auf, eine Bewerbung Deutschlands um die
Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2038 mit München als zentrale Ausrichterstadt
voranzutreiben. München sei die einzige geeignete deutsche Stadt für Winterspiele, mit vorhandenen Anlagen,
kurzen Wegen und geringem Neubaubedarf. Vorarbeiten aus 2018/2022 und positive Erfahrungen von den European
Championships 2022 zeigten die Machbarkeit. Deutschland habe seit 1972 keine Olympischen Spiele mehr
ausgerichtet. Im Vergleich zu anderen G7-Staaten sei keine der großen Sport- und Wirtschaftsnationen so lange nicht
mehr Ausrichter gewesen. Auf internationaler Ebene zeichne sich für die Olympischen und Paralympischen
Sommerspiele 2036 und 2040 eine deutliche Tendenz ab, diese Spiele nach Asien und Afrika zu vergeben. Daher sei
die Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele wesentlich aussichtsreicher und
erfolgversprechender als die bislang ohnehin zögerliche und schwerfällige Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer
und Paralympischer Sommerspiele. Schon bei der Vergabe der Winterspiele 2030 habe Deutschland die Chance
auf die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele verpasst. Das IOC habe die Vergabe der
Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2030 und 2034 bis zum letztmöglichen Termin im Sommer 2024
offengehalten. Von vielen Beobachtern sei das Zögern so gedeutet worden, dass das IOC förmlich auf eine deutsche
Bewerbung gewartet habe. Am Ende seien die Winterspiele 2030 an den einzig verbliebenen Bewerber Frankreich
vergeben worden. Nichtsdestotrotz könnten und sollten die Bemühungen um eine Bewerbung für die Ausrichtung
Olympischer und Paralympischer Sommerspiele parallel dazu fortgeführt werden.
Die Fraktion der SPD erklärte, dass der Antrag der AfD grundlegende Zuständigkeiten verkenne. Die Fraktion
der AfD fordere die Bundesregierung auf, eine Bewerbung für das Jahr 2038 einzureichen, obwohl Bewerbungen
für Olympische und Paralympische Spiele ausschließlich durch den Deutschen Olympischen Sportbund erfolgten.
Dies ergebe sich aus der gewachsenen Autonomie des Sports und der klaren Trennung von staatlicher
Verantwortung und sportlicher Selbstverwaltung. Der Antrag zeige daher einen Mangel an Sachkenntnis. Vor diesem
Hintergrund lehne die SPD-Fraktion den Antrag ab.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN merkte an, dass eine Bewerbung des Deutschen Olympischen
Sportbundes (DOSB) bereits von der Vorgängerregierung und somit mit grüner Regierungsbeteiligung unterstützt
worden sei. Die antragstellende Fraktion missachte, dass es sich bei der aktuellen Bewerbungsabsicht des DOSB um
Olympische Sommerspiele und Paralympics und nicht um Winterspiele handele. Daher könne man konstatieren,
dass der vorliegende Antrag nicht den Diskussionsstand in den Sportverbänden widerspiegele. Im vorliegenden
Antrag vermisse man darüber hinaus Vorschläge, wie mit den gravierenden Auswirkungen des Klimawandels auf
den Wintersport, im Breiten- und Spitzensport, umzugehen sei. Die Ablehnung des Antrags sei daher folgerichtig.
Die Fraktion Die Linke erläuterte, dass eine isolierte Festlegung auf München als einzigen Austragungsort dem
Anspruch eines transparenten und offenen Auswahlverfahrens widerspreche. Zudem seien Fragen der
Nachhaltigkeit, Akzeptanz in der Bevölkerung und Kostenverteilung ungeklärt. Eine nationale Bewerbung könne nur auf
breiter Grundlage und in Abstimmung mit allen relevanten Akteuren erfolgen. Daher werde der Antrag abgelehnt.
Berlin, den 15. Oktober 2025
Artur Auernhammer
Berichterstatter
Lars Schieske
Berichterstatter
Bettina Lugk
Berichterstatterin
Tina Winklmann
Berichterstatterin
Christian Görke
Berichterstatter
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ISSN 0722-8333]
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