Olympische und Paralympische Sommerspiele - Volle Unterstützung einer deutschen Bewerbung
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Olympische und Paralympische Sommerspiele - Volle Unterstützung einer deutschen Bewerbung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3029
21. Wahlperiode 02.12.2025
Antrag
der Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Olympische und Paralympische Sommerspiele – Volle Unterstützung einer
deutschen Bewerbung
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Es wird wieder Zeit: 53 Jahre sind seit dem Ende der letzten Olympischen
Sommerspiele in Deutschland vergangen. Während alle anderen G7-Staaten zwischen 2010
und 2034 – teilweise mehrfach – Olympische und Paralympische Spiele ausgerichtet
haben oder haben werden, ist Deutschland das einzige Land dieser Staatengruppe, das
seit über einem halben Jahrhundert auf die erneute Austragung des größten
Sportereignisses der Welt wartet.
Deutschland „kann“ Sportgroßveranstaltungen; das haben die Austragungen
zahlreicher sportlicher Großereignisse in der jüngsten Vergangenheit, wie die
Fußballeuropameisterschaft der Herren 2024, die Special Olympics World Games 2023, die
European Championships 2022 in München und zuletzt die FISU World University Games
in der Rhein-Ruhr-Region und in Berlin in diesem Jahr gezeigt. Wir sind daher
überzeugt: Deutschland „kann“ auch Olympische und Paralympische Spiele.
Deutschland muss Olympische und Paralympische Spiele aber auch wollen: Das
bedeutet mehr als die volle Unterstützung durch Sportpolitiker und Funktionäre in den
Sportverbänden; die Bevölkerung im ganzen Land, vor allem aber in den
Bewerberstädten will und muss durch schlüssige Argumente überzeugt und mitgenommen
werden. Dass dies kein einfacher Weg ist, zeigen die Resultate der gescheiterten deutschen
Bewerbungen: Seit 1986 gab es sieben erfolglose Bewerbungsversuche, davon
schlugen zwei Bewerbungen wegen der mangelnden Unterstützung durch die Bevölkerung
fehl (Bürgerbefragungen zu den Winterspielen 2022 in München und den
Sommerspielen 2024 in Hamburg), weitere waren im internationalen Wettbewerb chancenlos.
Angesichts dessen ist das überaus deutliche Votum des Bürgerentscheids in München
zu begrüßen, mit dem sich die Bevölkerung dort klar für die Ausrichtung Olympischer
und Paralympischer Spiele ausgesprochen hat. Dieses klare Signal verleiht auch den
Bemühungen der anderen interessierten Regionen bzw. Städte Rückenwind und
stimmt uns zuversichtlich, dass auch von dort weitere positive Impulse folgen werden.
Der Deutsche Bundestag unterstützt daher ausdrücklich die Bemühungen des
Deutschen Olympischen Sportbundes e. V. (DOSB), eine deutsche Bewerbung
voranzutreiben und mit einem überzeugenden Konzept im internationalen Wettbewerb
anzutreten. Ende Mai 2025 wurden die Bewerbungskonzepte beim DOSB eingereicht und
im September 2025 im Ausschuss für Sport und Ehrenamt des Deutschen Bundestages
vorgestellt. Der DOSB hat nach einer Prüfung mittlerweile bestätigt, dass alle
Konzepte die operativen Mindestanforderungen erfüllen. Im Herbst 2026 will der DOSB
die Entscheidung fällen, mit welchem Konzept Deutschland ins Rennen geht. Die vier
tragfähigen Konzepte aus Nord-, Süd-, Ost- und Westdeutschland für die nationale
Bewerbung zeigen deutlich, dass es in Deutschland die Bereitschaft und notwendigen
Voraussetzungen gibt, Olympische und Paralympische Spiele auszurichten.
Die Bewerbung wird parteiübergreifend unterstützt. Im Juli 2024 unterzeichnete die
damals amtierende Bundesregierung ein Memorandum of Understanding zur
Unterstützung einer deutschen Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Am
19. November 2025 hat die Bundesregierung der Unterzeichnung der politischen
Vereinbarung zur Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele durch den
Bundeskanzler zugestimmt. Sowohl der aktuelle Koalitionsvertrag als auch der
Koalitionsvertrag der vorherigen Regierungskoalition verankerten die nachdrückliche
Unterstützung einer deutschen Bewerbung. Die Sportministerkonferenz der Länder hat zuletzt
im Oktober 2025 in einem Beschluss die Bedeutung dieser Initiative unterstrichen.
Dieser breite politische Konsens zeigt: Eine Olympia- und Paralympics-Bewerbung ist
ein gesamtgesellschaftliches Projekt.
In einer Zeit, in der sich zunehmend autokratische Staaten als Gastgeber globaler
Sportveranstaltungen ins Spiel bringen, sehen wir demokratische Staaten in der Pflicht,
sich aktiv um die Ausrichtung dieser Spiele zu bewerben und so die olympische
Bewegung zu stärken. Die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 in Paris haben
eindrucksvoll gezeigt, welche Begeisterung ein solches Ereignis mitten in Europa in
einem demokratischen Gemeinwesen auslösen kann. Paris hat die Spiele mitten ins
Herz der Stadt gebracht – mit Wettkämpfen am Eiffelturm und in der Seine. Über
12 Millionen Eintrittskarten wurden verkauft, mehr als 7,5 Millionen Menschen
besuchten die Fanzonen. Die Eröffnungsfeier auf der Seine setzte neue Maßstäbe. Neue
Maßstäbe wurden auch bezüglich eines effektiven Sicherheitskonzeptes zum Schutz
der Millionen Besucherinnen und Besucher und zur Gewährleistung friedlicher und
sicherer Spiele gesetzt.
Die Spiele können wichtige Impulse liefern: Paris 2024 hat gezeigt, dass gut geplante
und nachhaltig konzipierte Sportgroßveranstaltungen sowohl unmittelbare als auch
langfristige Vorteile für die lokale Entwicklung bringen können, wie auch eine aktuelle
Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) zum Vermächtnis der Pariser Spiele (www.oecd.org/en/publications/the-
legacy-of-the-paris-2024-olympic-and-paralympic-games_d7938b7f-en.html)
festgestellt hat. Nachhaltig geplante Olympische und Paralympische Spiele können
dauerhafte Infrastrukturverbesserungen bewirken, wirtschaftliche Impulse setzen und
Arbeitsplätze schaffen.
Auch stärken Olympische und Paralympische Spiele die internationale Sichtbarkeit
der Gastgeberregionen, fördern die touristische Infrastruktur und können somit
langfristig Wirtschaftskreisläufe stärken. Deutschland sollte die Bewerbung nutzen, um
sich als vielfältiges, gastfreundliches und kulturell attraktives sowie barrierefreies
Reiseland zu positionieren.
Darüber hinaus haben die Spiele die Kraft, eine ganze Generation für den Sport zu
begeistern. Sie motivieren Kinder und Jugendliche zur sportlichen Betätigung und
stärken Breiten- und Leistungssport gleichermaßen. Das Beispiel Paris zeigt, wie
Olympische Spiele konkrete Programme zur Bewegungsförderung anstoßen können: Laut
der OECD-Studie haben 42 Prozent der französischen Grundschulen das Programm
„30 Minuten tägliche körperliche Aktivität“ eingeführt. Deutschland sollte eine
Bewerbung nutzen, um ähnliche Initiativen zu entwickeln – von täglichen
Bewegungsangeboten in Schulen bis hin zu niedrigschwelligen Sportprogrammen in Vereinen und
Gemeinden, um Bewegungsmangel und seine gesundheitlichen Folgen zu bekämpfen.
Die Paralympischen Spiele sind ein unverzichtbarer Bestandteil der olympischen
Bewegung und ein starkes Symbol für Inklusion und Gleichberechtigung. Sie rücken die
Leistungen von Sportlerinnen und Sportlern mit Behinderung ins öffentliche
Bewusstsein, tragen dazu bei, Barrieren abzubauen und Vorurteile zu überwinden. Die Spiele
bieten eine einzigartige Gelegenheit, Barrierefreiheit in allen Bereichen
voranzubringen – von der Infrastruktur über die Mobilität bis hin zur gesellschaftlichen Teilhabe.
Deutschland kann durch die Ausrichtung von Paralympischen Spielen zeigen, dass
Inklusion nicht nur ein politisches Ziel, sondern gelebte Realität ist.
Der Deutsche Bundestag betont die Notwendigkeit, die Bürgerinnen und Bürger von
Anfang an auf Basis der oben dargestellten Argumente in den Bewerbungsprozess
einzubeziehen und transparent über Chancen, Kosten und Risiken zu informieren. Dabei
müssen die Potenziale deutlich gemacht, aber auch ein ehrlicher Dialog mit kritischen
Stimmen geführt werden. Mögliche Bedenken sind ernst zu nehmen und negative
Erfahrungen mit früheren Spielen in anderen Ländern offen zu diskutieren. Diese
Erkenntnisse müssen in die Ausgestaltung eines spezifisch deutschen Konzepts
einfließen, um problematische Entwicklungen von vornherein auszuschließen und ein
verantwortungsvolles, nachhaltiges und sozial verträgliches Konzept zu entwickeln.
Der Deutsche Bundestag hält Deutschland für sehr gut vorbereitet, Olympische und
Paralympische Spiele zu veranstalten. Es ist wichtig, dass gemäß dem vom DOSB
vorgegebenen Zeitplan bis zum Herbst 2026 entschieden wird, mit welchem Konzept
und welcher Stadt beziehungsweise Region Deutschland in den internationalen
Wettbewerb eintreten soll. Deutschland benötigt ein finales Bewerbungskonzept, mit dem
es sich auf internationaler Ebene positionieren kann. Der internationale Wettbewerb
um Olympische und Paralympische Spiele ist intensiv und potenzielle Konkurrenten
arbeiten bereits an ihren Bewerbungen. Auf dem Weg dorthin sollte Deutschland sich
im Sinne der „Nationalen Strategie Sportgroßveranstaltungen“ weiterhin um die
Ausrichtung anderer internationaler Sportgroßveranstaltungen bewerben.
Olympische und Paralympische Spiele sollen ein Fest für ganz Deutschland werden,
unabhängig davon, welche Stadt oder Region letztendlich als Austragungsort
ausgewählt wird. Daher appelliert der Deutsche Bundestag an den DOSB, durch eine
angemessene Ausgestaltung des nationalen Bewerbungsprozesses alles dafür zu tun, dass
die unterlegenen Bewerber mit Respekt und nicht wie Verlierer behandelt werden.
Der Deutsche Bundestag ist überzeugt davon, dass Deutschland bereit ist für
Olympische und Paralympische Spiele. Deutschland hat das Potenzial, idealer Gastgeber für
ein Fest des Sports und der Völkerverständigung zu sein. Er sichert einer deutschen
Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Sommerspiele
daher seine volle Unterstützung zu.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung im Rahmen der zur
Verfügung stehenden Haushaltsmittel auf,
unter Wahrung der Autonomie des organisierten Sports, eine deutsche Bewerbung um
die Austragung Olympischer und Paralympischer Sommerspiele durch folgende
Maßnahmen zu unterstützen:
1. Finanzielle Unterstützung: Sicherstellung einer angemessenen finanziellen
Ausstattung der Bewerbung durch die Ausbringung entsprechender Mittel im
Bundeshaushalt unter besonderer Berücksichtigung von Transparenz und einer
ökologisch wie sozial nachhaltigen Mittelverwendung;
2. Internationale Sichtbarkeit der deutschen Sportpolitik: Aktive Unterstützung für
die deutsche Bewerbung auf internationaler Ebene und Nutzung der
diplomatischen Möglichkeiten unter Einbeziehung des neuen Amtes der Staatsministerin
für Sport und Ehrenamt, um die Chancen Deutschlands im Wettbewerb um die
Ausrichtung der Spiele zu stärken und um die Werte der deutschen Bewerbung
für faire, friedliche und vielfältige Spiele hervorzuheben;
3. Einbeziehung der Bevölkerung: Unterstützung von Maßnahmen, die die
Einbeziehung der Bevölkerung und deren Information erleichtern, um die Akzeptanz
zu sichern und demokratische Teilhabe zu gewährleisten;
4. Sicherstellung infrastruktureller Voraussetzungen: Ertüchtigung vor allem der
Infrastruktur von umwelt- und klimafreundlichen Verkehrsträgern und Schaffung
einer barrierefreien Infrastruktur, ohne die die Durchführung internationaler
Sportgroßveranstaltungen wie Olympischer Spiele oder der Paralympics nicht
realisierbar ist. Konsequente Nutzung und nachhaltige Sanierung bestehender
Sportstätten statt Neubauten, wo immer dies möglich ist, um Flächenversiegelung
und Ressourcenverbrauch zu minimieren. Sollten doch Neubauten notwendig
werden, den Fokus auf deren langfristige Nutzung mit einem Mehrwert für die
Bevölkerung legen. Zudem nachhaltige Mobilität durch den Ausbau und die
Stärkung umwelt- und klimafreundlicher Verkehrsträger, insbesondere des
öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs, einschließlich der Schiene und barrierefrei
Erreichbarkeit und barrierefreier Zugang zum öffentlichen Verkehr sowie
barrierefreier Fuß- und Radwege, aber auch der Straßeninfrastruktur, namentlich für
den Busverkehr. Einbeziehung bestehender Daten und Erkenntnisse aus dem
Programm „Reisen für Alle“, insbesondere für die Ausgestaltung barrierefreien
Personenverkehrs. Konkrete Anknüpfung an das damalige Stadtkonzept Berlins für
die Abwicklung der Special Olympics 2023. Vernetzung aller Angebote auch auf
digitaler Ebene zur Gewährleistung bestmöglicher Konnektivität und
Barrierefreiheit auch durch Optimierung der Mobilfunkabdeckung sowie des
Glasfaserausbaus;
5. Stärkung der Sicherheit bei Sportgroßveranstaltungen: Sicherstellung eines
effektiven und umfassenden Sicherheitskonzepts zur Planung, Genehmigung,
Durchführung und Nachbereitung der Veranstaltungen. Gewährleistung der Sicherheit
aller Teilnehmenden und der kritischen Infrastrukturen vor dem Hintergrund der
gegebenen Sicherheitslage;
6. Schaffung barrierefreier Sportstätten und barrierefreier Infrastruktur:
Unterstützung der Länder und Kommunen bei der Schaffung von mehr barrierefreien, für
Menschen mit körperlichen, Sinnes- und geistigen Beeinträchtigungen
gleichermaßen nutzbaren Sportstätten, verbunden mit dem Anspruch, dass die Nutzung
der barrierefreien Sportstätten nach den Spielen gesichert bleibt;
7. Herausstellung der Werte einer Bewerbung: Betonung, dass die Bewerbung auf
eine nachhaltige und inklusive Ausrichtung der Spiele zielt, die sich der Wahrung
der Menschenrechte und dem Gedanken der Teilhabe und der
Diskriminierungsfreiheit verpflichtet fühlt. Dies umfasst insbesondere die Stärkung von Vielfalt
und Akzeptanz als Kernbotschaften sowie die bewusste Übernahme der
historischen Verantwortung Deutschlands, die Spiele für Offenheit, Demokratie und
internationale Solidarität auszurichten;
8. Gleichbehandlung Olympischer und Paralympischer Spiele: Verdeutlichung auf
nationaler und internationaler Ebene, dass beide Veranstaltungen für die
Bundesregierung denselben Stellenwert besitzen und dass Paralympische Spiele als
Chance gesehen werden, um Inklusion in allen Bereichen voranzutreiben und
Menschen mit Behinderung umfassende Teilhabe zu ermöglichen;
9. Betonung des Stellenwerts für Deutschland: Herausstellung des Gedankens, dass
die Spiele auch einem hoch entwickelten Industrieland wie Deutschland helfen
können, sich sportlich, wirtschaftlich, infrastrukturell, gesellschaftlich, kulturell
und touristisch weiterzuentwickeln, da sie ein großes Potenzial für das Reiseland
Deutschland bilden sowie dazu beitragen, ein positives, weltoffenes und
gastfreundliches Deutschlandbild weltweit zu vermitteln. Koordination mit der
Deutschen Zentrale für Tourismus e. V. (DZT), die Deutschlands erklärtes
sporttouristisches Potenzial sowohl für Athletinnen und Athleten als auch für
Zuschauerinnen und Zuschauer auch international hervorhebt;
10. Mehr Sichtbarmachung: Erhöhung des Bekanntheitsgrads von Sportlerinnen und
Sportlern gerade auch mit Behinderung durch entsprechende
Öffentlichkeitsbzw. Medienarbeit. Dies umfasst insbesondere die Stärkung von Vielfalt und
Akzeptanz als Kernbotschaften;
11. Bewerbung für weitere Sportgroßveranstaltungen: Unterstützung der
Ausrichtung weiterer internationaler Sportgroßveranstaltungen in Deutschland, unter
anderem der Bewerbung um die UEFA Women's EURO 2029 und der
Leichtathletik-WM, und Nutzung diese Veranstaltungen als wichtige Vorbereitung und als
Beleg für die Kompetenz Deutschlands als Gastgeber.
Berlin, den 2. Dezember 2025
Jens Spahn, Alexander Hoffmann und Fraktion
Dr. Matthias Miersch und Fraktion
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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