Die mieten- und wohnungspolitische Entwicklung in Niedersachsen
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Die mieten- und wohnungspolitische Entwicklung in Niedersachsen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7082
21. Wahlperiode 10.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Jorrit Bosch, Caren Lay, Luigi Pantisano, Marcel Bauer, Lorenz
Gösta Beutin, Violetta Bock, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Dr. Fabian Fahl,
Katalin Gennburg, Mareike Hermeier, Cem Ince, Maren Kaminski, Ina Latendorf,
Sahra Mirow, Heidi Reichinnek, David Schliesing, Sascha Wagner und der
Fraktion Die Linke
Die mieten- und wohnungspolitische Entwicklung in Niedersachsen
Die Bundesregierung möchte laut Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und
SPD „Wohnen für alle Menschen bezahlbar, verfügbar und umweltverträglich
gestalten“ (vgl. Koalitionsvertrag „Verantwortung für Deutschland“, S. 22).
Doch die Realität sieht – nicht nur in Niedersachsen – anders aus: Die Mieten
sind flächendeckend teurer geworden: Von 2021 bis 2024 ist der
durchschnittliche Preis pro Quadratmeter in Niedersachsen um 16 Prozent gestiegen. Dabei
wird in ländlichen Regionen ein besonders starker Anstieg der Mieten
verzeichnet: Der Preisanstieg von 2021 bis 2024 liegt im Landkreis Nienburg (Weser)
bei 30,7 Prozent, im Landkreis Lüchow-Dannenberg bei 26,6 Prozent und in
den Landkreisen Northeim und Heidekreis bei 24,4 Prozent (siehe Antworten
der Bundesregierung zu den Schriftlichen Fragen 78 und 79 des Abgeordneten
Jorrit Bosch auf Bundestagsdrucksache 21/297). Im Zeitraum von 2015 bis
2025 sind die Mieten basierend auf VALUE-Marktdaten in einzelnen Städten
und Gemeinden sogar um bis zu drei Viertel gestiegen: in Elsfleth (Stadt) um
78 Prozent, in Ovelgönne um 77 Prozent und in Zetel um 76 Prozent (www.nd
r.de/nachrichten/info/mieten-in-norddeutschland-wer-kann-sich-noch-leisten,mi
etpreise-102.html). Im Jahr 2022 mussten Haushalte in Niedersachsen
durchschnittlich 28 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für die Miete
aufwenden – das war etwas mehr als der bundesweite Durchschnitt (www.statistik.nie
dersachsen.de/presse/in-niedersachsen-lag-die-durchschnittliche-mietbelastung
squote-2022-mit-28-0-prozent-knapp-ueber-dem-bundesdurchscnitt-22476
2.html). Die Mietbelastung dürfte sich angesichts steigender Mieten seither
noch weiter erhöht haben. Gleichzeitig ist der Bestand an Sozialwohnungen
von 90 000 im Jahr 2015 auf rund 50 000 im Jahr 2024 gesunken (www.ndr.de/
nachrichten/niedersachsen/niedersachsen-droht-starkes-ungleichgewicht-auf-de
m-wohnungsmarkt,wohnungsmarkt-118.html), während Baulandpreise und
energetische Sanierungskosten weiter steigen. Damit droht Wohnraum für viele
Menschen in Niedersachsen zum Luxus zu werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Angebotsmieten
in den kreisfreien Städten in Niedersachsen (Braunschweig, Delmenhorst,
Emden, Oldenburg, Osnabrück, Salzgitter, Wilhelmshaven, Wolfsburg)
und den Landkreisen Ammerland, Aurich, Celle, Cloppenburg, Cuxhaven,
Diepholz, Emsland, Friesland, Gifhorn, Göttingen, Goslar, Grafschaft
Bentheim, Hameln-Pyrmont, Harburg, Heidekreis, Helmstedt,
Hildesheim, Holzminden, Leer, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Nienburg
(Weser), Northeim, Oldenburg, Osnabrück, Osterholz, Peine, Region
Hannover, Rotenburg (Wümme), Schaumburg, Stade, Uelzen, Vechta, Verden,
Wesermarsch, Wittmund und Wolfenbüttel in den letzten 20 Jahren
entwickelt (bitte in Zehn-Jahresschritten für 2005, 2015 und 2025 angeben)?
2. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die landesweite
Angebotsmiete in Niedersachsen in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte
nach Jahren aufschlüsseln)?
3. Welche zehn Landkreise bzw. kreisfreien Städte haben in Niedersachsen
innerhalb der letzten 20 Jahre den höchsten Mietenanstieg zu verzeichnen
(bitte Kommunen, absoluten und prozentualen Anstieg der Miete
innerhalb der Zeiträume 2005 bis 2015, 2015 bis 2025 und 2005 bis 2025
angeben)?
4. Welche zehn Kommunen weisen nach Kenntnis der Bundesregierung in
Niedersachsen aktuell die höchsten Angebotsmieten auf?
5. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Bestandsmieten in
Niedersachsen in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
6. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Leerstandsquote von
Wohnungen in Niedersachsen seit 2011 entwickelt (bitte nach
landesweiter Quote, Quote in Landkreisen sowie kreisfreien Städten und Gründen
für den Leerstand aufschlüsseln)?
7. Wie viele neue Sozialwohnungen wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung innerhalb der letzten zehn Jahre in Niedersachsen bewilligt (bitte
einzeln nach Jahren und Art der Förderung [Belegungsbindungen,
Modernisierungen, Eigentumsförderung, Neubau] aufschlüsseln)?
8. Wie hat sich der Bestand an Sozialwohnungen nach Kenntnis der
Bundesregierung innerhalb der letzten 20 Jahre in Niedersachsen entwickelt (bitte
nach Jahren aufschlüsseln)?
9. Wie hoch war der jährliche Anteil der Kofinanzierung in Niedersachsen
an Mitteln des Bundes für sozialen Wohnungsbau seit 2020 (bitte nach
Jahren, absolut und prozentual aufführen)?
10. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Mietbelastungsquote
in Niedersachsen (bitte angeben: durchschnittlich; Anteil und Anzahl, der
bzw. die mehr als 30 Prozent ausgibt; Anteil und Anzahl, der bzw. die
mehr als 40 Prozent ausgibt)?
11. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Entwicklung der
Haushaltseinkommen in Niedersachsen im Verhältnis zur Entwicklung der
Angebotsmieten in den Jahren 2005, 2015 und 2025 gestaltet (bitte
jeweils prozentual aufschlüsseln)?
12. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der
Menschen, die aufgrund ihrer Einkommensverhältnisse Anrecht auf einen
Wohnberechtigungsschein in Niedersachsen haben?
13. Welche Kommunen in Niedersachsen verfügen nach Kenntnis der
Bundesregierung über ein gerichtsfestes „schlüssiges Konzept“ zur Ermittlung
der Angemessenheitsgrenzen für die Übernahme der Kosten der
Unterkunft beim Bezug von Bürgergeld, und in welchen Kommunen liegt ein
solches Konzept nicht vor?
14. Wie viele Wohnungen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit
2020 in Niedersachsen fertiggestellt (bitte Gesamtzahl angeben und
einzeln nach Jahren und Landkreisen aufschlüsseln)?
15. Wie viele Wohnungen sind nach Kenntnis der Bundesregierung in
Niedersachsen seit 2020 durch Abriss weggefallen?
16. Wie hoch waren die an Niedersachsen ausgezahlten Bundesfördermittel
für den Wohnungs- und den Städtebau seit 2020 insgesamt (bitte einzeln
nach Jahren aufschlüsseln und alle Programme, inklusive KfW-
Programme [KfW = Kreditanstalt für Wiederaufbau] und energetische
Sanierungsprogramme, einbeziehen)?
17. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
Wohngeldbeziehenden in Niedersachsen seit 2020, wie die Zahl der
Wohngeldanträge und wie die durchschnittliche Dauer der Bearbeitung von
Wohngeldanträgen entwickelt?
18. Welche Auswirkungen auf den Personalbedarf in den Wohngeldstellen der
Kommunen in Niedersachsen sind nach Kenntnis der Bundesregierung
infolge der Ausweitung des berechtigten Personenkreises für das Wohngeld
entstanden, und inwieweit werden zusätzliche Personal- und
Verwaltungskosten durch den Bund ausgeglichen?
19. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die jährliche Zahl von
Zwangsräumungen in Niedersachsen entwickelt (bitte Gesamtzahl
angeben und nach Kreisen und kreisfreien Städten und den Jahren 2005, 2015
und 2025 aufschlüsseln)?
20. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
wohnungsbzw. obdachlosen Menschen in Niedersachsen entwickelt (bitte
Gesamtzahl angeben und nach Kreisen und kreisfreien Städten jährlich seit 2010
aufschlüsseln)?
Berlin, den 3. Juli 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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