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Rede von Ines Schwerdtner (DIE LINKE) – Vereinbarte Debatte

dip / rede 07.10.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 3: Vereinbarte Debatte:.

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Rede von Ines Schwerdtner (DIE LINKE) – Vereinbarte Debatte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Am Morgen des 7. Oktober schrieb Hayim Katsman: Terroristen kommen in den Kibbuz, aber es ist ruhig. – Das war das Letzte, was Noy von ihm hörte. Gestern habe ich Noy Katsman getroffen. Hayim war Noys Bruder. Er war ein vielversprechender Wissenschaftler und Aktivist, einer, zu dem Noy aufgeschaut hat. Er hatte sich an diesem Morgen mit seiner Nachbarin im Schutzraum versteckt. Als die Terroristen schossen, hat er sie mit seinem Körper geschützt. Die Kugeln trafen ihn, und sie hat überlebt. Hayim ist Hebräisch und heißt Leben, und an diesem Morgen hat er eines gerettet. Nach seinem Tod haben einige über Hayim geschrieben, er habe es verdient, weil er sich für die Rechte von Palästinenserinnen und Palästinensern eingesetzt hat. Niemand hat es verdient: nicht Hayim, nicht die jungen Menschen auf dem Festival, nicht die Geiseln in den Tunneln, nicht die Kinder unter den Trümmern in Gaza. Genau das meinen wir, wenn wir von unteilbaren Menschenrechten sprechen. Sie gelten im Kibbuz Holit genauso wie in Rafah. Das Massaker der Hamas vom 7. Oktober ist ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und nichts rechtfertigt sie. Das kollektive Trauma wirkt bis heute nach. Gleichzeitig rechtfertigt nichts Netanjahus Kriegsverbrechen, und was in Gaza passiert, ist ein Völkermord. Beides ist wahr, und es gehört zusammen. Und ja, wir ringen um jedes Wort, mit dem man diese Wirklichkeit beschreibt. Manche hier machen es sich leichter. Sie instrumentalisieren Antisemitismus als Waffe im politischen Alltagsgeschäft. Aber ein Vorwurf, mit dem man jede Kritik erschlägt, schützt keine einzige Jüdin, schützt keinen einzigen Juden in diesem Land. Jüdinnen und Juden haben hier Angst, und ich fühle es, wenn Mütter, wenn Freundinnen von mir sagen, sie haben Angst um ihre Kinder an den Schulen. Und es ist unsere Aufgabe, uns gegen jeden Antisemitismus zu stellen, ohne jede Ausnahme. Und vielleicht können wir uns hier im politischen Berlin ein Vorbild an Noy Katsman nehmen und den vielen anderen, die Angehörige verloren haben und dennoch den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen wollen, an denjenigen, die sich für einen gerechten Frieden einsetzen. Denn ein sicheres, freies Israel wird es nur geben, wenn es auch ein sicheres, freies Palästina gibt. Dafür braucht es politischen Mut und Menschlichkeit. Noy hat bei Hayims Beerdigung gesagt: Der Mord an meinem Bruder soll nicht benutzt werden, um unschuldige Menschen zu töten. Heilen können wir erst, wenn die Gewalt endet.

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