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Rede von Dr. Andrea Lübcke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Vereinbarte Debatte

dip / rede 08.10.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 99. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 9: Vereinbarte Debatte:.

Das Protokoll 21/99 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 13.10.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.

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Text

Rede von Dr. Andrea Lübcke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Vereinbarte Debatte Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Amthor, vielen Dank für diese Steilvorlage. Ich nehme zur Kenntnis, dass für die Bundesregierung die Nachhaltigkeit von großer Bedeutung ist. Ich würde mir wünschen, dass Ihr Handeln das auch widerspiegelt. Ich möchte meine vier Minuten heute hier nutzen, um auf ein Beispiel einzugehen, über das viel zu wenig gesprochen wird, das aber zeigt, wie absurd Ihre Entscheidungen momentan sind. Weil ich weiß, dass den Kolleginnen und Kollegen von der CDU/CSU vor allem auch die wirtschaftliche Perspektive der Nachhaltigkeit wichtig ist, möchte ich ein solches Beispiel nehmen. Ich will vielleicht eines voranstellen: Sie haben schöne Begriffe, schöne Synonyme für Nachhaltigkeit verwendet. Ich würde ein weiteres hinzufügen, weil es sehr schön messbar macht, ob etwas nachhaltig ist, nämlich „Enkeltauglichkeit“. Dahinter steckt die Frage: Ist es für unsere Kinder und für unsere Enkel am Ende eine gute Entscheidung? Darauf kommen wir am Ende noch mal zurück, wenn es darum geht, Ihr Handeln zu bewerten. Ich möchte heute über die Energieforschung und die dort geplanten Kürzungen reden. Energieforschung ist in Deutschland seit vielen Jahren, seit mehr als 40 Jahren, ein wirklich wichtiger Faktor. Hier werden neue Technologien entwickelt, beispielsweise hocheffiziente Photovoltaik. Gestartet in den 80er-Jahren mit einem Wirkungsgrad und einer Effizienz von wenigen Prozent, hat man dort inzwischen einen Wert von knapp 48 Prozent erreicht. Weltrekord! Solche Solarzellen fliegen inzwischen mit Satelliten ins All. Es wurde ein Ökosystem von kleinen und mittelständischen Unternehmen und Forschungsinstitutionen, auch großen Unternehmen, aufgebaut. Es werden kontinuierlich Verbesserungen an Technologien gemacht und Lösungen für die ganze Welt gebaut. Das ist natürlich nicht nur im Bereich PV, sondern in allen Bereichen der Energieforschung so – ob jetzt bei Wasserstoff, Wind oder Wärmepumpen. Ich will Ihnen, weil ich das so spannend finde, ein konkretes Beispiel aus dem Windbereich nennen. Da gibt es Unternehmen, die Lösungen entwickeln, um mit optischen Sensoren und KI zum Beispiel Vögel frühzeitig zu entdecken, damit die Geschwindigkeit der Anlagen gegebenenfalls heruntergefahren werden kann und es nicht zum Vogelschlag kommt. Das sind Innovationen made in Germany. Das schafft nachhaltige Wertschöpfung und auch Steuereinnahmen. Und das drohen Sie gerade richtig kaputtzumachen. Sie planen Kürzungen um 30 Prozent bei neuen Energieforschungsprojekten. Da geht es vor allem um Investitionen in kluge Köpfe. Da geht es um Nachwuchswissenschaftler/-innen, die Innovationen erarbeiten, die neue Forschung betreiben, die den Nährboden für Wertschöpfung in Deutschland in diesem Bereich schaffen. Sie machen dieses Ökosystem kaputt. Das hat dramatische Auswirkungen. Es führt zu einem Personalabbau, zu einem fehlenden Wissenstransfer, zu einem fehlenden Wissensaufbau. Uns werden Fachkräfte fehlen. Das wird ein Standortrisiko für unsere Unternehmen sein. Sie werden ihre Forschung und Entwicklung ins Ausland verlagern. Energieforschung ist ein Enabler für Resilienz, für Souveränität, und all das gefährden Sie mit diesen Kürzungen. Das ist nicht nachhaltig, das ist nicht enkeltauglich. Ich möchte gerne zum Schluss den Bundeskanzler zitieren, der sagt: Das Ziel muss jetzt sein, Wohlstand für die Jugend aufzubauen. – Ich frage mich: Wie wollen Sie das mit solchen Entscheidungen machen? „Nachhaltig“ geht anders. Vielen Dank.

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