Rede von Jürgen Coße (SPD) – Vollumfängliche Anerkennung der deutschen Völkermorde an den OvaHerero und Nama für wiedergutmachende Gerechtigkeit
Teil von Protokoll der 101. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 7a und 7b: Vollumfängliche Anerkennung der deutschen Völkermorde an den OvaHerero und Nama für wiedergutmachende Gerechtigkeit.
Text
Rede von Jürgen Coße (SPD) – Vollumfängliche Anerkennung der deutschen Völkermorde an den OvaHerero und Nama für wiedergutmachende Gerechtigkeit
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe mein Redemanuskript am Tisch gelassen, weil ich finde, dass schon viel Richtiges von meinen Kolleginnen und Kollegen gesagt worden ist: von der Linkspartei, von meiner eigenen Partei, von den Grünen und von der CDU.
Und was ich von der rechten Seite gehört habe, hat nichts mit Wahrheit zu tun, und ist, wenn Opfernachfahren auf der Tribüne sitzen, so glaube ich, in höchster Form unanständig.
Und ich weise das im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen deutlich zurück.
Das mache ich auch deswegen, weil ich schon gestern gesagt habe, dass Sprache etwas über den Geist von Menschen aussagt.
Das gilt übrigens auch für das, was man nicht sagt. Der Begriff „KZ“ zum Beispiel taucht in der Geschichte, auch in der deutschen, zum ersten Mal im Zusammenhang mit diesen Taten in Namibia auf.
Was daraus später geworden ist, wissen wir alle.
Das Wort „Schuldkult“, das wir heute schon mal gehört haben, wurde auch in einer Zeit verwendet, in der Deutsche – also Menschen, die unsere Sprache sprechen – die größten barbarischen Taten begangen haben, die je von Deutschland ausgegangen sind. Und wenn jemand das in dem Zusammenhang einfach in den Raum stellt, dann sage ich deutlich:
Sprache sagt über den Geist von Menschen viel aus; sie sagt über den Geist von diesen Menschen hier rechts viel aus.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste auf der Tribüne, liebe Menschen, die uns zugucken: Wir sollten verhindern, dass solche Leute schon wieder in Deutschland irgendwann politische Verantwortung tragen.
Wir wissen, wo das endet: in Namibia. Wir wissen, wo das später endet. Und das müssen wir mit aller Entschlossenheit bekämpfen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Ich will etwas ansprechen, das hat der erste Redner der CDU schon getan. Ich will Ruprecht Polenz noch mal erwähnen
und mich ausdrücklich für seine Arbeit bedanken.
Ruprecht Polenz war CDU-Bundestagsabgeordneter; ich bin Sozialdemokrat.
Claudia Roth von den Grünen hat gerade schon dazwischengerufen: Ja, auf jeden Fall.
Wir sollten unserem ehemaligen Kollegen danken. Er hat hervorragende Arbeit geleistet.
Und sie ist noch nicht zu Ende, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Dann will ich noch was zum Thema Kulturgüter sagen. Darüber haben wir bisher wenig gesprochen. Die Bundesrepublik Deutschland – übrigens, egal wer Außenminister oder Außenministerin war – geht voran. Wir, unsere Bundesrepublik Deutschland, diese Bundesregierung, diese Bundestagsabgeordneten, sind beispielhaft für die Aufarbeitung der Geschichte und die Rückgabe von Kulturgütern.
Kein anderes Land der Welt macht das so intensiv – manchmal vielleicht zu langsam, könnte man kritisieren –, kein Land der Welt geht so mit gutem Beispiel voran, wie wir das tun.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sollten es vielleicht noch ein bisschen beschleunigen, aber auf jeden Fall diesen Weg entschlossen weitergehen.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.
Relationen
- part_of → Protokoll der 101. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Deutsch-namibische Versöhnung vorantreiben - Kolonialgeschichte aufarbeiten, gemeinsame Zukunft partnerschaftlich gestalten
- part_of_vorgang → Vollumfängliche Anerkennung der deutschen Völkermorde an den OvaHerero und Nama für wiedergutmachende Gerechtigkeit
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