Rede von Bettina Herlitzius (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/9346
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 29: Drucksache 16/9346 –.
Text
Rede von Bettina Herlitzius (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/9346
Die Tourismuswirtschaft zählt zu den weltweit am
stärksten wachsenden Branchen. Aber wir alle wissen
auch, dass es durch den Tourismus zu problematischen
Entwicklungen für Natur, Umwelt und bei der Einhaltung
sozialer Standards kommen kann. Das haben wir in
diesem Haus bereits mehrfach thematisiert. Der
Klimawandel wird Auswirkungen auf den Tourismus haben, auch
das wird der Branche zunehmend bewusster. Leider
handelt die Tourismusindustrie aber noch nicht danach,
ausgenommen wenige nachhaltige touristische
Nischenprodukte.
Mit unserem vorliegenden Antrag „Ausweisung der
CO2-Bilanz bei Pauschalreisen“ wollen wir uns die
Kräfte des Marktes für die von uns Grünen gewünschte
nachhaltige Tourismusentwicklung zunutzemachen.
Dabei wollen wir mit unseren politischen Aktivitäten gerade
nicht die touristischen Nischenprodukte ansprechen. In
Zeiten des Klimawandels sollte auch die
Massentourismusindustrie Zeichen setzen und verpflichtet werden, bei
ihren Pauschalreiseangeboten die Höhe der
transferbedingten CO2-Emissionen auszuweisen. Warum also
ausgerechnet die Ausweisung bei Pauschalreiseangeboten?
Pauschal- und Bausteinreisen sind bei den
Auslandsreisen mit knapp 60 Prozent die am häufigsten gewählte Art
der Organisation einer Urlaubsreise. Bei der Wahl des
Verkehrsmittels für diese Art der Urlaubsreise liegt das
Flugzeug bei den Auslandsreisen deutlich an erster Stelle.
Sie alle wissen, dass beim Flugverkehr über elfmal mehrZu Protokoll gegebene Reden
Bettina HerlitziusCO2-Emissionen im Vergleich zum Reisebus oder gar zum
Fernverkehr der Bahn in die Atmosphäre emittiert
werden. Flugreisen, Flugverkehr überhaupt sind ein großes
Umweltproblem. Wir Grünen wollen uns dafür stark
machen, dass die Verbraucher für die Problematik „Reisen
– Treibhauseffekt – Klimawandel“ sensibilisiert werden.
Tourismus und Mobilität sind eng miteinander
verwoben. Tourismus ist abhängig von Mobilität und trägt
damit unweigerlich zum Klimawandel bei. Zur
Verdeutlichung: Im Tourismus sind 75 Prozent des CO2-Ausstoßes
der Mobilität zuzurechnen. Gerade deshalb steht die
Wahl des Transportmittels bei einer Reise im Mittelpunkt,
wenn man den CO2-Verbrauch einer Reise reduzieren
will. Man kann es nicht oft genug sagen, es gibt große
Unterschiede zwischen der Art des für eine Reise gewählten
Verkehrsmittels und den jeweiligen spezifischen CO2-
Belastungen. Die Angaben zum CO2-Verbrauch für den
Transport bei einer Pauschalreise sind deshalb ein erster
Schritt zu mehr Transparenz. Mit der von uns Grünen
angestrebten Ausweisung hat jede/jeder Reisende selbst die
Möglichkeit, seine Reiseentscheidung auch nach der
Klimabelastung der Reise zu treffen. Das trifft den Puls der
Zeit. Und auch der Deutschlandtourismus könnte von
einer Ausweisung der CO2-Bilanz bei Pauschalreisen
durchaus profitieren und gestärkt werden.
Die Verbraucher legen immer mehr Wert auf
gesellschaftliche und ökologische Verantwortung. Wir wollen
nicht den Sommerurlaub des „kleinen Mannes“ auf
Mallorca oder gar die Fernreise verbieten. Es ist auch
nicht unser Ziel, den moralischen Zeigefinger zu heben.
Wir Grüne setzen auf mehr Augenmerk der Verbraucher
für verantwortungsvolles Reisen. Das lässt sich nur mit
transparenter Informationspolitik erreichen. Dazu bitten
wir um die Unterstützung dieses Hauses.