Rede von Jens Ackermann (FDP) – Drucksache 16/9346
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 29: Drucksache 16/9346 –.
Text
Rede von Jens Ackermann (FDP) – Drucksache 16/9346
Der Antrag der Grünen „Mehr Engagement für eine
nachhaltige Tourismusentwicklung – Ausweisung der
CO2-Bilanz bei Pauschalreisen“ geht grundsätzlich in
eine richtige Richtung. Leider ist aber die Umsetzung im
Detail nicht so gut gelungen.
So wird in den ersten drei der acht Forderungen an die
Bundesregierung gefordert, die Reiseveranstalter zur
Ausweisung der CO2-Emissionen zu verpflichten, und
zwar für jede Reise, in sämtlichen Medien und Katalogen.
Das ist ein riesiger Mehraufwand für die Veranstalter,
und die dadurch entstehenden Kosten würden mit
Sicherheit auf den Endverbraucher umgelegt werden. Dabei
sollte es doch unser gemeinsames Anliegen sein, den
Tourismus in Deutschland zu stärken. Die
Wachstumsbranche Tourismus hat eine zu große ökonomische Bedeutung,
um sie willentlich mit übertriebener Bürokratie zu
bremsen. Wir als FDP sind für den Bürokratieabbau und nicht
für den Bürokratieaufbau. Gerade für ländliche und
touristisch kleiner organisierte Veranstalter ist eine weitere
bürokratische Hürde wie die Verpflichtung zur
Ausweisung der CO2-Emission enorm blockierend. Daher sind
wir für eine Selbstverpflichtung der Reiseveranstalter.
Das gleiche gilt für Standards wie TREMOD. Warum
sollte man diese zur Verpflichtung machen? TREMOD ist
die allgemein akzeptierte Datengrundlage für Energie-
und Emissionsdaten aus dem Bereich Verkehr und damit
jetzt schon Grundlage für alle Reiseveranstalter. Warum
sollte man an einer funktionierenden Sache etwas
ändern?
Mit der Forderung, die Verbraucher zu informieren,
muss man vorsichtig sein, werden dann doch die
Verbraucher, die aufgrund ihrer finanziellen Lage nicht zwischen
ökologisch sinnvollen und preiswerten Reisen
unterscheiden können, diskriminiert. Wir dürfen nicht vergessen,
dass mehr als die Hälfte aller Reisenden sich bei der Wahl
ihres Urlaubes stark am Preis orientiert. Umweltschutz
spielt für diese Gruppe nur eine untergeordnete Rolle.
Man darf diesen Teil der Urlauber aber nicht vergessenund sollte sie behutsam und nicht mit dem Knüppel an
einen nachhaltigen Tourismus heranführen.
Daher unterstützen wir auch den Punkt fünf der
Forderungen der Grünen, nämlich den eingeschlagenen Weg
zur Stärkung des Deutschlandtourismus konsequent
fortzusetzen. Das geht eben nicht von heute auf morgen.
Schwierig wird es bei der sechsten Forderung.
Grundsätzlich sind wir als FDP auch für die Abschaffung der
Steuerbefreiung für Kerosin, aber nur, wenn wir
weltbzw. mindestens europaweit eine einheitliche Lösung
finden. Wir können es uns nicht erlauben, den deutschen
Tourismussektor im Vergleich zu anderen Ländern so
schlechterzustellen. Dies wäre ein klarer Rückschlag für
die gesamte deutsche Tourismusbranche. Derartige
nationale oder europäische Alleingänge bringen nichts für
den Klimaschutz, da dies vor allem zu Verlagerungen
führt. Profitieren würde zum Beispiel ein Standort wie
Dubai, der heute schon in den Startlöchern steht und nur
auf solche ideologischen Eigentore aus Europa lauert.
Den Schaden hätte der Luftverkehrsstandort
Deutschland bzw. Europa. Das können auch Sie als Grüne nicht
wollen. Denn kaum eine Branche sichert so viele
Arbeitsplätze und schafft sogar neue wie der Luftverkehr.
Ich frage mich, ob die Grünen ein besonderes Interesse
an dem Unternehmen atmosfair gGmbH haben. Sie
nennen das Unternehmen als einziges Beispiel für
einheitliche Regularien zur Leistung eines Beitrages zur
Treibhausgasminderung. Dabei gibt es noch mehrere
Angebote von unterschiedlichen Unternehmen, die auf
ähnliche Weise dem ökologisch interessierten Reisenden
Möglichkeiten zur Abgeltung seiner „Ökoschuld“ bieten.
Wir weigern uns, wenn es darum geht, sich auf ein
Unternehmen festzulegen, da das dem Wettbewerb sicher nicht
hilft.
Die achte Forderung, dass sich die Bundesregierung
für die ausschließliche Verwendung von Ökostrom
einsetzen soll, lehnen wir ab. Die Deutsche Bahn AG wurde,
wie der Name schon sagt, bewusst zur AG, damit sich der
Bund nicht in organisatorische Abläufe einmischt. Auch
hier wäre eine Selbstverpflichtung sinnvoller als jede
erzwungene Verpflichtung.
Voraussetzung für eine langfristig ökonomisch
erfolgreiche Entwicklung des Tourismus sind neue Ansätze,
aber das weiß die Branche ja selber. Daher gibt es
innerhalb der Tourismusindustrie verstärkt Ideen und konkrete
Handlungen, zum Beispiel den Tourismus per Bus und
Bahn. Auch die verstärkte Nachfrage nach Reisen
innerhalb Deutschlands zeigt doch, wie stark sich auch das
Reiseland Deutschland etabliert hat. Dass die Reisenden
damit nebenbei die Umwelt schonen, weil sie auf lange
Flüge verzichten, ist doch sehr gut. Daher kann man
grundsätzlich den Antrag der Grünen als Idee gutheißen,
leider mangelt es an der realistischen Umsetzung, da es
zu viel Bürokratie bedeutet und zu teuer ist.