polradar

Erklärung von Ariane Fäscher (SPD) – Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung des Antrags der Fraktion der CDU/CSU: Gesamtgesellschaftliches Bewusstsein für die Wechseljahre …

dip / rede 18.10.2024 · WP 20 · Original ↗

Teil von Protokoll der 195. Sitzung des 20. Deutschen Bundestages · TOP 28: Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung des Antrags der Fraktion der CDU/CSU: Gesamtgesellschaftliches Bewusstsein für die Wechseljahre der Frau – Für eine nat. Zu Protokoll gegeben (Anlage), nicht im Plenum gesprochen.

Im Graph öffnen

Text

Erklärung von Ariane Fäscher (SPD) – Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung des Antrags der Fraktion der CDU/CSU: Gesamtgesellschaftliches Bewusstsein für die Wechseljahre … Danke, liebe Union, dass Sie das gesellschaftlich tabuisierte Thema Menopause aufrufen. Alles rund um die Periode und irgendwann ihr Ausbleiben darf nicht mehr „i“ sein, denn es ist etwas Selbstverständliches im Lebensverlauf. Der 18. Oktober ist der Weltmenopausentag. Insofern haben wir den Anlass parteipolitisch sinnvoll genutzt. Dieser Antrag atmet allerdings leider sehr viel Patriarchat aus der Perspektive: Ich bremse auch für Frauen. Er ist pathologisierend und rankt sich darum, wie man die Menopause gesellschaftlich nivelliert. Er erklärt den natürlichen Prozess des Älterwerdens zur Krankheit. Wo ist die ressourcenorientierte Perspektive auf Frauen in ihrem Älterwerden? Sie haben uns darin an Ihrer Seite, dass das Klimakterium negative Begleiterscheinungen hat und das Entstehen bestimmter Krankheiten begünstigt. Es geht darum, für 9 Millionen Frauen die Lebensqualität und Gesundheit zu stabilisieren, aber nicht die Kraft, Stärke, Kompetenz und Schönheit der reifer werdenden Frau abzuerkennen, indem wir das Klimakterium zur Krankheit erklären. Wir müssen etwas daran ändern, dass Frauen jenseits der 40, was sich sowohl auf das Alter als auch auf die Kleidergröße bezieht, in der Gesellschaft unsichtbar gemacht werden. Das ist kein individuelles Problem und keine Krankheit. Das passiert in einer männlich gedachten Welt, in der Zyklen nicht vorkommen, nicht medizinisch und nicht gesellschaftlich. Der Schwerpunkt Ihres Antrages bezieht sich auf Ökonomie: Auswirkungen von Wechseljahresbeschwerden am Arbeitsplatz. Ist Ihr Kernanliegen wirklich, den Arbeitskontext von Frauen anzupassen, der unstrittig dringend verbesserungsbedürftig ist? Sie beschreiben, wie volkswirtschaftlich betrachtet hochbrisant dies nicht zuletzt im Kontext des wachsenden Fachkräftemangels und des demografischen Wandels wirke. Sie verweisen auf „Wechseljahre als genuines Wirtschaftsthema“. Was Sie uns anbieten, ist eine BlackRock-Perspektive auf das Frausein, auf Weiblichkeit. Es ist die Nützlichkeitsperspektive auf Arbeitskraft und Reproduktionsfähigkeit. Das ist die Perspektive von Männern, die öffentlich davon sprechen, dass Frauen in Regierungsverantwortung in ernstzunehmenden Ressorts überfordert seien und davor von mächtigen Männern geschützt werden müssen. Das ist alles andere als frauenfreundlich oder geschlechtersensibel. Wenn Sie es mit Frauengesundheit ernst meinen, unterstützen Sie uns darin, den Weg für legalen Schwangerschaftsabbruch freizumachen und Frauen endlich eine im internationalen Vergleich angemessene Gesundheitsversorgung anzubieten. Diese wird aktuell immer schlechter und teilweise katastrophal. Die Gewährleistung von Selbstbestimmtheit und Selbstermächtigung ist die Unterstützung, die Frauen in allen Lebensabschnitten von der Politik brauchen. Von uns gibt es 55 Millionen Euro für lange überfällige Forschung. Liebe Union, Ihnen fehlt wie so oft der ganzheitliche Ansatz. Sie setzen auf das Schaufenster statt auf strukturelle Lösungen. Frausein und Leistungsfähigkeit hängen nicht von Jugend und Periode ab. Unterschiedliche Lebensphasen brauchen unterschiedliche Rahmenbedingungen, die Frauen erlauben, in jeder Lebensphase Frau zu sein, mit allen Besonderheiten und Stärken. Verschieden zu sein, keine Norm zu erfüllen, weniger berechenbar zu sein, ist für Konservative immer erschreckend. Wir feiern es als Potenzial. Die Menopausenstrategie der Regierung besteht darin, Frauen in allen Lebensphasen eine gute Unterstützung anzubieten – familienpolitisch, rechtlich, steuerlich, gesundheitlich.

Relationen