Risse von Oberleitungen der Deutschen Bahn AG im Jahr 2026, Gefährdungen von Fahrgästen und Krisenmanagement
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Risse von Oberleitungen der Deutschen Bahn AG im Jahr 2026, Gefährdungen von Fahrgästen und Krisenmanagement
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6626
21. Wahlperiode 24.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten René Bochmann, Wolfgang Wiehle, Alexis L. Giersch, Lars
Haise, Maximilian Kneller, Ulrich von Zons, Stefan Henze, Leif-Erik Holm,
Dr. Rainer Kraft, Hans-Jürgen Goßner, Volker Scheurell, Otto Strauß, Andreas
Mayer, Carsten Becker und der Fraktion der AfD
Risse von Oberleitungen der Deutschen Bahn AG im Jahr 2026, Gefährdungen
von Fahrgästen und Krisenmanagement
Für das Jahr 2024 wurden 78 Fälle von Rissen an Tragseilen und Fahrdrähten
von Oberleitungen im Schienennetz der Deutschen Bahn registriert. Im Jahr
2025 kam es zu 127 Vorfällen. Im ersten Quartal des Jahres 2026 lagen 26 Fälle
vor (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 109 auf
Bundestagsdrucksache 21/5661).
Neben kleineren Auswirkungen hatten einige Vorfälle extreme Auswirkungen
auf die Reisenden:
– –Am 6. Januar 2026 wurde durch einen Güterzug die Oberleitung bei Riesa
beschädigt (Strecke 6363). Eine der wichtigsten Bahnstrecken Sachsens
war unterbrochen; Züge verkehrten nicht zwischen Leipzig und Dresden,
auch der Fernverkehr zwischen Chemnitz und Berlin war unterbrochen
(www.t-online.de/nachrichten/panorama/gesellschaft/id_101069564/deutsc
he-bahn-chaos-wichtige-strecke-unterbrochen.html).
– Am 1. März 2026 sorgte eine defekte Oberleitung im Hamburger
Hauptbahnhof für Probleme. Für Fahrgäste hatte dies längere Wartezeit wegen
verspäteter oder ausgefallener Züge zur Folge (www.spiegel.de/panorama/h
amburg-hauptbahnhof-gesperrt-oberleitung-auf-ice-gefallen-a-2afeb0f7-da8
e-48f9-99bb-d70c81648fa3).
– Am 31. März 2026 führte ein Oberleitungsausfall auf der Strecke
Hamburg–Hannover zur vollständigen Sperrung der Strecke 1720. Da diese
Strecke zeitgleich Umleitungsstrecke für die gesperrte Hamburg-Berlin-
Verbindung ist, waren auch Zugverbindungen in europäische Nachbarländer
betroffen (www.railfreight.com/railfreight/2026/04/01/no-trains-to-or-
fromgermany-as-key-overhead-line-fails/?gdpr=accept).
– Am 11. April 2026 kam es auf der Bahnverbindung zwischen Berlin und
Halle/Leipzig bei Zahna (Sachsen-Anhalt) zu einer Havarie auf der
Strecke 6132. Eine Oberleitung beschädigte einen mit rund 600 Fahrgästen
besetzten ICE (www.bild.de/news/oberleitung-in-sachsen-anhalt-gerissen-60
0-menschen-sitzen-in-ice-fest-69da4b7a0695c741e3c29cab). Ein
Ersatzoder Evakuierungszug konnte nicht kurzfristig eingesetzt werden. Die
betroffenen Reisenden mussten über Stunden unter schwierigen Bedingungen
im Zug ausharren (www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/zwei-mensc
hen-bei-vorfall-verletzt-oberleitung-sturzt-in-sachsen-anhalt-auf-ice--repara
tur-dauert-an-15461263.html).
– Am 12. April 2026 fuhr eine S-Bahn im Bahnhof Haan-Gruiten in ein
herabhängendes Kabel. Die Fahrgäste mussten auf freier Strecke evakuiert
und zu einem Ersatzbus geführt werden (www.express.de/nrw/oberleitung-a
bgerissen-65-fahrgaeste-aus-s-bahn-in-gruiten-evakuiert-1262282).
– Am 1. Mai 2026 prallte ein ICE auf dem Weg von Hamburg nach München
bei Bardowick (Strecke 1720) gegen eine gerissene Oberleitung. Rund
460 Passagiere saßen im Zug fest. Erst in den Abendstunden konnte die
Evakuierung abgeschlossen werden, eine Person wurde verletzt in ein
Krankenhaus gebracht (www.spiegel.de/panorama/deutsche-bahn-gerissene-ober
leitung-bei-lueneburg-hunderte-im-ice-gestrandet-a-7240dc81-a213-41e2-9
175-7a317ebc7acd).
Diese Vorfälle werfen bei den Fragestellern erhebliche Fragen zu
Infrastrukturqualität, Wartung, Krisenreaktion und Sicherheit bei der DB AG auf.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Abrisse von Oberleitungen im Schienennetz der DB
InfraGO AG hat es von Januar 2026 bis einschließlich Mai 2026 nach
Kenntnis der Bundesregierung gegeben?
2. Gibt es Erkenntnisse der Bundespolizei, dass auch Straftaten ursächlich
für die in Frage 1 erfragten Vorfälle waren?
3. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob in den in der
Vorbemerkung der Fragesteller genannten Fällen Ersatzzüge bereitgestellt werden
konnten (wenn ja, bitte den Zeitraum zwischen Havarie und Bereitstellung
des Ersatzzugs auflisten)?
4. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob alle Notfallmaßnahmen
entsprechend der DB-Publikation „Hilfeleistungseinsätze im Gleisbereich
der DB AG Ausgabe 2026 – Version 1.0“ eingehalten wurden (wenn ja,
bitte alle konkreten Maßnahmen aufschlüsseln, vgl. Frage 3)?
5. Wo werden auf den betroffenen Strecken 1720, 6132 und 6363
Diesellokomotiven und Personal für Notfallmaßnahmen bereitgehalten (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
6. Ist es zutreffend, dass für die wichtige Strecke 6132 im Bahnbetriebswerk
der Lutherstadt Wittenberg keine Diesellokomotive für Notfälle
vorgehalten wird, und wenn ja, weshalb wird darauf verzichtet (die Information
wurde den Fragestellern zugetragen)?
7. Wie wird grundsätzlich sichergestellt, dass Fahrgäste bei einem Riss der
Oberleitung vor elektrischen Stromschlägen oder anderen Gefährdungen
geschützt sind?
8. In welchen Bereichen der Strecken 1720, 6132 und 6363 wurden von
2020 bis 2025 Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt, und in welchem
Umfang?
9. Welche Maßnahmen werden durch die
Eisenbahninfrastrukturunternehmen und die Eisenbahnverkehrsunternehmen der DB sowie dem
Eisenbahnbundesamt (EBA) nach Kenntnis der Bundesregierung ggf. ergriffen,
um die Zuverlässigkeit des Bahnbetriebs in Deutschland zu verbessern,
ähnliche Schäden an elektrischen Oberleitungen zu verhindern und eine
schnellstmögliche Evakuierung der Reisenden zu gewährleisten?
10. Was waren in den in der Vorbemerkung der Fragesteller genannten Fällen
die Ursachen der Oberleitungsrisse?
Berlin, den 22. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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