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Beliebigkeit in der Lehrerbildung beenden - Verbindliches Staatsexamen wieder einführen

dip / drucksache 23.06.2026 · WP 21 · 21/6655 · Antrag · Original ↗

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Beliebigkeit in der Lehrerbildung beenden - Verbindliches Staatsexamen wieder einführen Antrag der Abgeordneten Christian Zaum, Martin Reichardt, Sebastian Maack, Gereon Bollmann, Dr. Götz Frömming, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Angela Rudzka, Dr. Anna Rathert, Nicole Höchst, Beatrix von Storch, Tobias Ebenberger, Jan Feser, Claudia Weiss, Otto Strauß, Martina Kempf, Johann Martel, Lukas Rehm, Alexander Arpaschi, Adam Balten, Dr. Christina Baum, Dr. Christoph Birghan, Joachim Bloch, Erhard Brucker, Thomas Dietz, Boris Gamanov, Dr. Ingo Hahn, Udo Theodor Hemmelgarn, Steffen Janich, Dr. Michael Kaufmann, Rocco Kever, Heinrich Koch, Jürgen Koegel, Denis Pauli, Tobias Matthias Peterka, Arne Raue, Dr. Rainer Rothfuß, Bernd Schattner, Volker Scheurell, Dr. Paul Schmidt, Martina Uhr, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD Beliebigkeit in der Lehrerbildung beenden – Verbindliches Staatsexamen wieder einführen Der Bundestag wolle beschließen: I. Der Deutsche Bundestag stellt fest: Der Lehrerberuf gehört zu den tragenden Säulen eines funktionierenden Gemeinwesens. Die Bildung und die Erziehung junger Menschen entscheiden wie kaum ein anderer Faktor über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Angesichts des anhaltenden und sich stetig verschlimmernden Lehrermangels und wachsender fachlicher wie pädagogischer Anforderungen bedarf die Ausbildung angehender Lehrkräfte somit besonderer Sorgfalt. Im Zuge der Bologna-Reform wurden Bachelor- und Masterstudiengänge mit anschließender Lehramtsoption eingeführt. Diese haben die Lehrerbildung stärker an allgemeinen modularen Hochschulstrukturen ausgerichtet, anstatt konsequent auf einen Lehrerberuf. Modularisierte Studiengänge nach Bachelor- oder Mastersystem sind nicht per se defizitär. Im Lehramt wird die Modularisierung jedoch dann zum Problem, wenn sie die Ausbildung in einzelne, formal anrechenbare Bestandteile zerlegt, ohne diese von Anfang an auf ein klares berufliches Ziel hin zu bündeln. Lehrerbildungsprozesse, die keine eindeutige Berufsbindung schaffen, schwächen die Verbindlichkeit des Ausbildungsweges und erhöhen das Risiko, dass das Lehramt nach erfolgtem Abschluss lediglich als eine Option unter mehreren erscheint. Jeder dritte Lehramtsstudent gibt bereits jetzt an, nach dem Studium nicht im Lehramt tätig sein zu wollen.1 1 www.spiegel.de/start/lehrer-werden-jeder-dritte-lehramt-studierende-will-nicht-unterrichten-a-f80ebfbd- 5e11-4d38-bb99-bfd3b8b60a78 Deutscher Bundestag Drucksache 21/6655 21. Wahlperiode 23.06.2026 Die Kultusministerkonferenz (KMK) prognostiziert derweil bis zum Jahr 2035 einen Einstellungsbedarf von rund 468.000 voll ausgebildeten Lehrern, während nur etwas über 367.000 den Vorbereitungsdienst absolvieren werden.2 Dieses Defizit von über 100.000 Lehrern muss dringend ausgeglichen werden. Zugleich lag der Anteil von Lehrern ohne anerkannte Lehramtsprüfung an allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2023/2024 bei über 10 %.3 Schon jetzt wird in erheblichem Umfang auf Quer- und Seiteneinstiege zurückgegriffen. Damit wird weder dem qualitativen Anspruch schulischer Bildung noch dem quantitativen Bedarf an qualifizierten Lehrern Rechnung getragen. Insbesondere in einem Bildungssystem, das unter Personalknappheit, steigender Heterogenität der Schülerschaft und zunehmenden erzieherischen Herausforderungen steht, darf die Ausbildung künftiger Lehrkräfte nicht weiter verallgemeinert werden. Schulen brauchen keine Absolventen mit losem Lehramtsbezug, sondern Lehrer. Das Staatsexamen mit anschließendem Vorbereitungsdienst hat sich hierfür von jeher als besonders geeignete Ausbildungsstruktur bewährt. Ein auf das Staatsexamen ausgerichtetes Lehramtsstudium schafft von Beginn an eine eindeutige Berufsorientierung. Wo der spätere Lehrerberuf nicht bloß eine Option unter mehreren, sondern das klare Ziel des Studiengangs ist, werden Studieninhalte, Schwerpunktsetzungen und Praxisanteile mit größerer Konsequenz auf die Anforderungen des Schulalltags bezogen. Dies betrifft sowohl die verpflichtenden Studienbestandteile als auch Wahlmöglichkeiten, Praktika und individuelle Vertiefungen. Wer mit dem klaren Ziel studiert, Lehrer zu werden, erschließt sich Fachinhalte nebst fachwissenschaftlicher auch aus didaktischer, vermittelnder und erzieherischer Perspektive. Die spätere Berufsausübung im Klassenzimmer wirkt damit bereits a priori in das Studium hinein. Das Ergebnis ist ein ausgeprägtes Bewusstsein für Stoffauswahl, Vermittlungsformen, Leistungsanforderungen und Bildungsauftrag. Das Staatsexamen trägt damit dem besonderen Charakter des Lehrerberufs als eigenständigem Bildungs- und Erziehungsberuf besser Rechnung als Studienmodelle, in denen das Lehramt lediglich als spätere Option angelegt ist. Auch der Deutsche Philologenverband hat sich zur Bekämpfung des Lehrermangels klar für eine Rückkehr zum Staatsexamen ausgesprochen.4 Vor diesem Hintergrund ist es geboten, die Lehrkräftebildung für weiterführende Schulen wieder stärker auf das Staatsexamen als Regelabschluss auszurichten und einer weiteren Beliebigkeit der Ausbildungswege im Bildungsbereich entgegenzuwirken. II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, 1. gegenüber der KMK darauf hinzuwirken, dass das Staatsexamen für das Lehramt für weiterführende Schulen wieder als Regelabschluss der grundständigen Lehrerbildung gestärkt und in den Ländern, die hiervon abgewichen sind, wieder eingeführt wird; 2. sich gegenüber der KMK gegen eine Ausweitung polyvalenter Bachelor- und Masterstudiengänge einzusetzen, soweit diese die Ausbildung nicht zielgerichtet auf den Lehrerberuf ausrichten; 3. gemeinsam mit den Ländern auf bundeseinheitlich vergleichbare Mindeststandards in der Lehrkräftebildung hinzuwirken, insbesondere hinsichtlich des fachwissenschaftlichen Niveaus, der Bildungswissenschaften, der Fachdidaktik und der verbindlichen schulpraktischen Studienanteile; 2 www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Dok_2_Bericht_LEB_LEA_2024.pdf 3 www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/08/PD24_N041_21.html 4 www.deutschlandfunk.de/philologenverband-fuer-rueckkehr-zum-staatsexamen-102.html 4. einen Bericht vorzulegen, der die Auswirkungen der Bachelor-/Master- Strukturen im Lehramt seit der Bologna-Reform auf Studienabbrüche, Fachlichkeit, Praxisbezug, Übergangsquoten in den Vorbereitungsdienst, Verbleib im Schuldienst sowie die Mobilität zwischen den Ländern untersucht; 5. dem Deutschen Bundestag spätestens zwölf Monate nach Annahme des Antrags über die Gespräche mit den Ländern und den Stand der Abstimmung Bericht zu erstatten. Berlin, den 23. Juni 2026 Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333

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