Beliebigkeit in der Lehrerbildung beenden - Verbindliches Staatsexamen wieder einführen
Text
Beliebigkeit in der Lehrerbildung beenden - Verbindliches Staatsexamen wieder einführen
Antrag
der Abgeordneten Christian Zaum, Martin Reichardt, Sebastian Maack,
Gereon Bollmann, Dr. Götz Frömming, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda,
Angela Rudzka, Dr. Anna Rathert, Nicole Höchst, Beatrix von Storch, Tobias
Ebenberger, Jan Feser, Claudia Weiss, Otto Strauß, Martina Kempf, Johann
Martel, Lukas Rehm, Alexander Arpaschi, Adam Balten, Dr. Christina Baum,
Dr. Christoph Birghan, Joachim Bloch, Erhard Brucker, Thomas Dietz, Boris
Gamanov, Dr. Ingo Hahn, Udo Theodor Hemmelgarn, Steffen Janich,
Dr. Michael Kaufmann, Rocco Kever, Heinrich Koch, Jürgen Koegel, Denis
Pauli, Tobias Matthias Peterka, Arne Raue, Dr. Rainer Rothfuß, Bernd
Schattner, Volker Scheurell, Dr. Paul Schmidt, Martina Uhr, Ulrich von Zons
und der Fraktion der AfD
Beliebigkeit in der Lehrerbildung beenden – Verbindliches Staatsexamen
wieder einführen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Der Lehrerberuf gehört zu den tragenden Säulen eines funktionierenden
Gemeinwesens. Die Bildung und die Erziehung junger Menschen entscheiden wie kaum ein
anderer Faktor über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Angesichts des anhaltenden und
sich stetig verschlimmernden Lehrermangels und wachsender fachlicher wie
pädagogischer Anforderungen bedarf die Ausbildung angehender Lehrkräfte somit
besonderer Sorgfalt.
Im Zuge der Bologna-Reform wurden Bachelor- und Masterstudiengänge mit
anschließender Lehramtsoption eingeführt. Diese haben die Lehrerbildung stärker an
allgemeinen modularen Hochschulstrukturen ausgerichtet, anstatt konsequent auf einen
Lehrerberuf. Modularisierte Studiengänge nach Bachelor- oder Mastersystem sind
nicht per se defizitär. Im Lehramt wird die Modularisierung jedoch dann zum Problem,
wenn sie die Ausbildung in einzelne, formal anrechenbare Bestandteile zerlegt, ohne
diese von Anfang an auf ein klares berufliches Ziel hin zu bündeln.
Lehrerbildungsprozesse, die keine eindeutige Berufsbindung schaffen, schwächen die Verbindlichkeit
des Ausbildungsweges und erhöhen das Risiko, dass das Lehramt nach erfolgtem
Abschluss lediglich als eine Option unter mehreren erscheint. Jeder dritte
Lehramtsstudent gibt bereits jetzt an, nach dem Studium nicht im Lehramt tätig sein zu wollen.1
1 www.spiegel.de/start/lehrer-werden-jeder-dritte-lehramt-studierende-will-nicht-unterrichten-a-f80ebfbd-
5e11-4d38-bb99-bfd3b8b60a78
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6655
21. Wahlperiode 23.06.2026
Die Kultusministerkonferenz (KMK) prognostiziert derweil bis zum Jahr 2035 einen
Einstellungsbedarf von rund 468.000 voll ausgebildeten Lehrern, während nur etwas
über 367.000 den Vorbereitungsdienst absolvieren werden.2 Dieses Defizit von über
100.000 Lehrern muss dringend ausgeglichen werden. Zugleich lag der Anteil von
Lehrern ohne anerkannte Lehramtsprüfung an allgemeinbildenden Schulen im
Schuljahr 2023/2024 bei über 10 %.3 Schon jetzt wird in erheblichem Umfang auf Quer-
und Seiteneinstiege zurückgegriffen. Damit wird weder dem qualitativen Anspruch
schulischer Bildung noch dem quantitativen Bedarf an qualifizierten Lehrern
Rechnung getragen. Insbesondere in einem Bildungssystem, das unter Personalknappheit,
steigender Heterogenität der Schülerschaft und zunehmenden erzieherischen
Herausforderungen steht, darf die Ausbildung künftiger Lehrkräfte nicht weiter
verallgemeinert werden.
Schulen brauchen keine Absolventen mit losem Lehramtsbezug, sondern Lehrer. Das
Staatsexamen mit anschließendem Vorbereitungsdienst hat sich hierfür von jeher als
besonders geeignete Ausbildungsstruktur bewährt. Ein auf das Staatsexamen
ausgerichtetes Lehramtsstudium schafft von Beginn an eine eindeutige Berufsorientierung.
Wo der spätere Lehrerberuf nicht bloß eine Option unter mehreren, sondern das klare
Ziel des Studiengangs ist, werden Studieninhalte, Schwerpunktsetzungen und
Praxisanteile mit größerer Konsequenz auf die Anforderungen des Schulalltags bezogen.
Dies betrifft sowohl die verpflichtenden Studienbestandteile als auch
Wahlmöglichkeiten, Praktika und individuelle Vertiefungen. Wer mit dem klaren Ziel studiert,
Lehrer zu werden, erschließt sich Fachinhalte nebst fachwissenschaftlicher auch aus
didaktischer, vermittelnder und erzieherischer Perspektive. Die spätere Berufsausübung
im Klassenzimmer wirkt damit bereits a priori in das Studium hinein. Das Ergebnis ist
ein ausgeprägtes Bewusstsein für Stoffauswahl, Vermittlungsformen,
Leistungsanforderungen und Bildungsauftrag.
Das Staatsexamen trägt damit dem besonderen Charakter des Lehrerberufs als
eigenständigem Bildungs- und Erziehungsberuf besser Rechnung als Studienmodelle, in
denen das Lehramt lediglich als spätere Option angelegt ist. Auch der Deutsche
Philologenverband hat sich zur Bekämpfung des Lehrermangels klar für eine Rückkehr zum
Staatsexamen ausgesprochen.4
Vor diesem Hintergrund ist es geboten, die Lehrkräftebildung für weiterführende
Schulen wieder stärker auf das Staatsexamen als Regelabschluss auszurichten und
einer weiteren Beliebigkeit der Ausbildungswege im Bildungsbereich
entgegenzuwirken.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. gegenüber der KMK darauf hinzuwirken, dass das Staatsexamen für das Lehramt
für weiterführende Schulen wieder als Regelabschluss der grundständigen
Lehrerbildung gestärkt und in den Ländern, die hiervon abgewichen sind, wieder
eingeführt wird;
2. sich gegenüber der KMK gegen eine Ausweitung polyvalenter Bachelor- und
Masterstudiengänge einzusetzen, soweit diese die Ausbildung nicht zielgerichtet
auf den Lehrerberuf ausrichten;
3. gemeinsam mit den Ländern auf bundeseinheitlich vergleichbare
Mindeststandards in der Lehrkräftebildung hinzuwirken, insbesondere hinsichtlich des
fachwissenschaftlichen Niveaus, der Bildungswissenschaften, der Fachdidaktik und
der verbindlichen schulpraktischen Studienanteile;
2 www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Dok_2_Bericht_LEB_LEA_2024.pdf
3 www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/08/PD24_N041_21.html
4 www.deutschlandfunk.de/philologenverband-fuer-rueckkehr-zum-staatsexamen-102.html
4. einen Bericht vorzulegen, der die Auswirkungen der Bachelor-/Master-
Strukturen im Lehramt seit der Bologna-Reform auf Studienabbrüche, Fachlichkeit,
Praxisbezug, Übergangsquoten in den Vorbereitungsdienst, Verbleib im Schuldienst
sowie die Mobilität zwischen den Ländern untersucht;
5. dem Deutschen Bundestag spätestens zwölf Monate nach Annahme des Antrags
über die Gespräche mit den Ländern und den Stand der Abstimmung Bericht zu
erstatten.
Berlin, den 23. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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