Versorgungssicherheit mit Tritium für die Zukunftstechnologie Kernfusion herstellen
Text
Versorgungssicherheit mit Tritium für die Zukunftstechnologie Kernfusion herstellen
Antrag
der Abgeordneten Stefan Schröder, Nicole Höchst, Dr. Michael Kaufmann,
Adam Balten, Dr. Christoph Birghan, Dr. Ingo Hahn, Sergej Minich, Robin
Jünger, Martin Reichardt, Dr. Paul Schmidt, René Bochmann, Sven Wendorf,
Maximilian Kneller, Dr. Christina Baum, Joachim Bloch, Dr. Michael Blos,
Boris Gamanov, Rainer Groß, Udo Theodor Hemmelgarn, Stefan Henze,
Dr. Malte Kaufmann, Heinrich Koch, Achim Köhler, Iris Nieland, Manfred
Schiller, Wolfgang Wiehle, Dr. Daniel Zerbin, Jörg Zirwes, Ulrich von Zons
und der Fraktion der AfD
Versorgungssicherheit mit Tritium für die Zukunftstechnologie Kernfusion
herstellen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Kernfusionskraftwerke auf Basis des Deuterium-Tritium-Brennstoffzyklus gelten
international als eine der vielversprechendsten Optionen für eine langfristig CO₂-arme
und grundlastfähige Stromerzeugung (https://euro-fusion.org/eurofusion-news/fusion-
fuel-mix-could-stabilise-burning-plasma/). Für den Betrieb eines Fusionskraftwerks
mit einer elektrischen Leistung von etwa 1 Gigawatt wird nach heutigen technischen
Abschätzungen eine jährliche Tritium-Menge von über 50 Kilogramm benötigt.
Die derzeit weltweit verfügbaren zivilen Tritiumvorräte werden von Fachkreisen
lediglich auf ungefähr 25 Kilogramm geschätzt und stammen nahezu ausschließlich als
Nebenprodukt aus wenigen Schwerwasser-Kernkraftwerken.
Aufgrund der niedrigen Halbwertzeit nimmt diese verfügbare Menge kontinuierlich
ab, während die künftige Nachfrage durch internationale Forschungsprogramme und
mögliche Demonstrationskraftwerke deutlich ansteigen dürfte. Für den Aufbau einer
international wettbewerbsfähigen Fusionsforschung sowie geplanten ersten
Kraftwerksanlage ist daher eine verlässliche, planbare und hinreichend skalierbare
Versorgung mit Tritium eine zwingende Voraussetzung. Eine alleinige Abhängigkeit von
Importen aus wenigen ausländischen Erzeugerstaaten birgt erhebliche Risiken für die
Versorgungssicherheit, die technologische Souveränität Deutschlands und Europas
sowie für die Planbarkeit langfristiger Investitionen in die Fusionsforschung und -
industrie.
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6087
21. Wahlperiode 21.05.2026
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. eine nationale Tritium-Strategie zu erarbeiten mit dem Ziel, die langfristige
Versorgung der deutschen Fusionsforschung sowie zukünftiger Kraftwerksanlagen
sicherzustellen;
2. im Rahmen dieser Strategie den Tritiumbedarf Deutschlands für verschiedene
Ausbaustufen der Fusionsforschung zu analysieren und Szenarien für Kraftwerke
und Forschungsanlagen zu entwickeln;
3. sollte aus der strategischen Analyse ein absehbarer Mangel an Tritium oder ein
Risiko der technologischen Abhängigkeit hervorgehen, Möglichkeiten für die
nationale Produktion von Tritium zu überprüfen und ggf. voranzutreiben, zum
Beispiel durch
a. den Aufbau von Forschungs- und Pilotanlagen mit lithiumbasierten
Brutblankets zur Tritiumerbrütung,
b. die Beteiligung Deutschlands an internationalen Fusionprojekten mit
besonderem Fokus auf die Entwicklung von Tritiumbrutsystemen ausbauen bzw.
stärker unterstützen;
c. die Prüfung, inwieweit bestehende Anlagen für die Herstellung von Tritium
genutzt werden können;
4. ein gezieltes Förderprogramm für Tritiumtechnologien zu erstellen, welches
Technologien zur Handhabung, Lagerung und Rückgewinnung sowie die Aus-
und Weiterbildung von Fachkräften auf dem Gebiet der Fusionsbrennstofftechnik
unterstützt und die Beteiligung von deutschen Hochschulen und
Forschungseinrichtungen stärkt.
Berlin, den 19. Mai 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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