Keine Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland
Text
Keine Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland
Antrag
der Abgeordneten Ulrich Thoden, Desiree Becker, Doris Achelwilm, Gökay
Akbulut, Janina Böttger, Maik Brückner, Katrin Fey, Vinzenz Glaser, Jan
Köstering, Charlotte Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir, Lea Reisner, Zada
Salihović, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Keine Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Im Juli 2024 haben sich die USA und Deutschland darauf geeinigt, bodengestützte
atomwaffenfähige Mittelstreckenwaffen in Deutschland zu stationieren. Nur sieben
Jahre nach der Aufkündigung des INF-Vertrages durch die USA und Russland im Jahr
2019, der die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen komplett verboten hat,
würde diese Maßnahme den (strategischen) Rüstungswettlauf in Europa wieder
anheizen. Sie hätte unabsehbare Folgen für die Sicherheit in Europa.
Weder der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine noch die
Ambivalenz hinsichtlich einer möglichen russischen Stationierung von ähnlichen
Waffensystemen in der Exklave Kaliningrad oder in Belarus taugen dabei als
Rechtfertigung. Diese Argumentationslinien dienen vor allem dazu, davon abzulenken, dass das
US-Heer im Rahmen der seit 2016 erfolgenden Neuausrichtung auch in Deutschland
eine „Multi-Domain Task Force“ (MDTF) mit Hauptquartier in Wiesbaden aufstellen
will, die das gesamte Spektrum der Kriegführung aus Europa heraus abdecken kann.
Unabhängig davon, ob die US-Mittelstreckenraketen perspektivisch durch technische
Modifikationen mit Atomsprengköpfen ausgestattet werden können, sind sie auch als
konventionelle Waffensysteme im Rahmen der neuen Einsatzdoktrin des US-Heeres
ein wesentlicher Bestandteil der offensiven militärischen US-Abschreckungsstrategie
auf deutschem Boden, die wesentlich auf Deepstrikefähigkeiten basiert. Damit hätte
die Stationierung direkte Konsequenzen für das strategisch-militärische Gleichgewicht
zwischen den USA und Russland in Europa. Keine der beiden Seiten gewänne bei
einer wechselseitigen Aufrüstung an Sicherheit.
Zur langfristigen Verbesserung der Sicherheit in Europa muss die russisch-US-
amerikanische Eskalationsspirale in Europa durchbrochen werden. Europa braucht nicht
mehr, sondern weniger strategische Waffensysteme.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die bilaterale Erklärung mit den USA über die Stationierung von Raketen
mittlerer Reichweite in Deutschland zu annullieren und auf die Stationierung von US-
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5823
21. Wahlperiode 07.05.2026
Mittelstreckenraketen in Deutschland zu verzichten sowie die US-Regierung
aufzufordern, das 56th Artillery Command aus Deutschland abzuziehen;
2. darüberhinausgehend innerhalb der NATO darauf hinzuwirken, dass sich alle
NATO-Staaten darauf verständigen, auf die Stationierung von
atomwaffenfähigen US-Mittelstreckenraketen in den europäischen NATO-Staaten zu verzichten;
3. gegenüber Russland darauf hinzuwirken, dass Russland auf die Stationierung von
atomwaffenfähigen Mittelstreckenraketen in der Region Kaliningrad verzichtet
und bereits vorhandene atomwaffenfähige Systeme kürzerer Reichweite abzieht;
4. im Rahmen der UNO bzw. der OSZE ein Forum für alle Staaten mit
Mittelstreckenraketen zu schaffen, die Gespräche und politische Verhandlungen für ein
Nachfolgeabkommen zum INF-Vertrag ermöglichen sollen, einschließlich
vertrauensbildender Maßnahmen in Fragen militärischer Sicherheit;
5. sich für einen umfassenden vertraglichen Stationierungsverzicht von ballistischen
Raketen und Marschflugkörpern mittlerer Reichweite in Europa einzusetzen,
dessen Einhaltung mittels Maßnahmen gegenseitiger Verifikation überwacht wird.
Berlin, den 5. Mai 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333
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