Barrierefreiheit der Bahn in Bayern (Antwort zu Drs. 21/7339)
Text
Barrierefreiheit der Bahn in Bayern (Antwort zu Drs. 21/7339)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7649
21. Wahlperiode 17.08.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Nicole Gohlke, Luigi Pantisano, Jorrit
Bosch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/7339 –
Barrierefreiheit der Bahn in Bayern
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Deutsche Bahn AG gibt an: „Mobilität ist Teil der Daseinsvorsorge, eine
Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe […] unsere Kernaufgabe
als Bahn: Wir sind für das Land da“ (www.deutschebahn.com/de/Deutsche-Ba
hn-Stabilitaetsanker-in-unsicheren-Zeiten--13870498). In Bayern erfüllten in
der jüngeren Vergangenheit allerdings nur 234 von 919 Bahnstationen alle
Kriterien weitreichender Barrierefreiheit (Antwort der Bundesregierung auf
die Schriftliche Frage 84 auf Bundestagsdrucksache 20/6070).
1. Wie viele von der DB InfraGO AG in Bayern betriebenen
Verkehrsstationen erfüllten
Maßgeblich für den Bund sind die Vorgaben der Europäischen Technischen
Spezifikation für die Interoperabilität im Bereich Personen mit eingeschränkter
Mobilität (TSI PRM) und dem daraus resultierenden nationalen
Umsetzungsplan.
Im Rahmen der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung III stellt der Bund
Mittel für die Ersatzinvestitionen und Modernisierung der Bahnhöfe zur
Verfügung. Des Weiteren stellt der Bund im Rahmen des Sonderprogramms
„Förderinitiative zur Attraktivitätssteigerung und Barrierefreiheit an Bahnhöfen“
zusätzliche Mittel für eine beschleunigte Umsetzung der Barrierefreiheit ein.
Mit dem zwischen dem Bundesministerium für Verkehr und der DB InfraGO
AG abgestimmten Zielbild Bahnhöfe und dem entsprechenden Handbuch sind
auch die Merkmale der sog. weitreichenden Barrierefreiheit stärker in den
Fokus gerückt. Ziel ist es, für alle Reisenden die Zugänglichkeit zum System
Bahn zu verbessern.
Maßnahmen in Infrastruktur und Fahrzeugen werden von der Deutschen Bahn
AG (DB AG) in Konsultation mit den Behindertenverbänden im mittlerweile
fünften Programm zur Barrierefreiheit der DB AG berichtet (abrufbar unter:
www.bahn.de/service/individuelle-reise/barrierefrei/programme-db).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr
vom 17. August 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Die DB InfraGO AG hat die weitreichende Barrierefreiheit zur Beurteilung von
Bestandsbahnsteigen und deren Zuwegungen näher bestimmt. Dafür wurden
die elementar notwendigen Maßnahmen für Menschen mit eingeschränkter
Mobilität nach Nutzergruppen identifiziert. Zur weitreichenden Barrierefreiheit
gehören elf Merkmale (davon sind neun aktuell auswertbar) für sieben
verschiedene Nutzergruppen (weitere Informationen dazu: www.dbinfrago.com/web/ba
hnhoefe/bahnhofs-und-stadtentwicklung/Barrierefreie-Bahnsteige-und-Zuwegu
ngen-in-Personenbahnhoefen-11120282).
Nach Angaben der DB InfraGO AG würde eine bahnhofsbezogene
Betrachtung, wie sie in der Frage angefordert wird, den tatsächlichen Ausbaugrad der
Barrierefreiheit nicht widerspiegeln: Würde beispielsweise ein taktiles
Handlaufschild an einer Treppe zu einem unregelmäßig genutzten Bahnsteig fehlen,
würde die gesamte Station nicht barrierefrei ausgewiesen, obwohl andere
Bahnsteige alle Ausstattungsmerkmale aufweisen. Der Ausbaugrad und die
Entwicklung der Barrierefreiheit werden daher auch weiterhin bahnsteigbezogen je
Ausstattungsmerkmal dargestellt und im Infrastrukturkataster auf den
Webseiten des Eisenbahn-Bundesamtes veröffentlicht.
Auf Grundlage der von der DB InfraGO AG vorgelegten Informationen ergibt
sich folgendes Bild:
a) alle elf Kriterien weitreichender Barrierefreiheit (vgl. www.dbinfrag
o.com/web/bahnhoefe/bahnhofs-und-stadtentwicklung/11120430-1112
0430),
750 von 1 572 Bahnsteige weisen alle (neun von elf) auswertbaren Merkmale
auf.
b) weniger als sechs Kriterien weitreichender Barrierefreiheit (ebd.)
(bitte Anzahl und prozentualen Anteil sowie Gesamtzahl der
zugrundeliegenden betriebenen Verkehrsstationen, jeweils aktuelle Werte, jährlich
aggregierte Werte der vergangenen fünf Jahre, nach Regierungsbezirken
unterteilte Werte angeben)?
77 von 1 572 Bahnsteige weisen weniger als sechs Merkmale auf.
2. Wie viele der 20 bayerischen Verkehrsstationen mit dem höchsten
täglichen Fahrgastaufkommen erfüllen aktuell
Auf Grundlage der von der DB InfraGO AG vorgelegten Informationen ergibt
sich folgendes Bild:
a) alle elf Kriterien weitreichender Barrierefreiheit (vgl. www.dbinfrag
o.com/web/bahnhoefe/bahnhofs-und-stadtentwicklung/11120430-1112
0430; bitte ebenfalls namentlich auflisten),
56 von 86 Bahnsteige weisen alle (neun von elf) auswertbaren Merkmale auf.
b) weniger als sechs Kriterien weitreichender Barrierefreiheit (ebd.; bitte
ebenfalls namentlich auflisten)?
Null von 86 Bahnsteige weisen weniger als sechs Merkmale auf.
Die 20 Stationen mit dem höchsten täglichen Fahrgastaufkommen in Bayern
sind: München Hbf, München Marienplatz, Nürnberg Hbf, München Ost,
München-Pasing, München Karlsplatz, München Rosenheimer Platz, München
Donnersbergerbrücke, München-Laim Pbf, Augsburg Hbf, München Isartor,
München-Hackerbrücke, Flughafen München, Würzburg Hbf, München-
Hirschgarten, Rosenheim, Erlangen, Dachau Bahnhof, Regensburg Hbf,
München-Giesing.
3. Wie erklärt die Bundesregierung den nach Ansicht der Fragestellenden
bestehenden Widerspruch, dass die DB AG in ihrer Pressemitteilung vom
September 2024 angibt, 515 bayerische Bahnhöfe seien bereits
„barrierefrei ausgebaut“ (www.deutschebahn.com/de/presse/presse-regional/pr-mu
enchen-de/aktuell/presseinformationen/Freistaat-Bund-und-DB-investiere
n-200-Millionen-Euro-fuer-mehr-Barrierefreiheit-an-bayerischen-Bahnstat
ionen-13082902), während in der Antwort der Bundesregierung auf die
Schriftliche Frage 84 auf Bundestagsdrucksache 20/6070 davon
gesprochen wird, dass nur 234 Verkehrsstationen alle Kriterien weitreichender
Barrierefreiheit erfüllen?
Die DB InfraGO AG teilt mit, dass in der zwischen Freistaat Bayern und
Bayerischer Eisenbahngesellschaft abgestimmten Auswertung zur Barrierefreiheit
der stufenfreie Zugang zum Bahnsteig sowie die richtige (bestellte)
Bahnsteighöhe als Hauptkriterium der Barrierefreiheit herangezogen werden. Die
Diskrepanz zur Auswertung in der Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche
Frage 84 der Abgeordneten Nicole Gohlke auf Bundestagsdrucksache 20/6070
ergibt sich daraus, dass teils an älter barrierefrei ausgebauten Verkehrsstationen
die Kriterien zur weitreichenden Barrierefreiheit noch nicht gegriffen haben
und beispielsweise noch Handlaufschilder fehlen. Diese fehlenden Kriterien
werden sukzessive nachgerüstet. Bei aktuellen Umbaumaßnahmen werden alle
Kriterien der weitreichenden Barrierefreiheit beachtet und entsprechend
verwirklicht.
4. An wie vielen von der DB InfraGO AG in Bayern betriebenen
Verkehrsstationen war in diesem Jahr und den vergangenen fünf Jahren
Von den insgesamt 922 von der DB InfraGO AG in Bayern betriebenen
Verkehrsstationen verfügen mit Stand aus dem Jahr 2026 insgesamt 192
Verkehrsstationen über mindestens einen Fahrstuhl. An 17 Verkehrsstationen ist
mindestens eine Rolltreppe vorhanden.
a) mindestens ein Fahrstuhl für mehr als einen Tag außer Betrieb,
93 Verkehrsstationen.
b) mindestens ein Fahrstuhl für mehr als sieben Tage außer Betrieb,
29 Verkehrsstationen.
c) mindestens eine Rolltreppe für mehr als einen Tag außer Betrieb,
14 Verkehrsstationen.
d) mindestens eine Rolltreppe für mehr als sieben Tage außer Betrieb
(bitte ebenfalls Gesamtzahl, Anzahl der Verkehrsstationen, die mindestens
einen Fahrstuhl haben, Anzahl der Verkehrsstationen, die mindestens eine
Rolltreppe haben, angeben)?
Sieben Verkehrsstationen.
5. Wie viele der im Zuständigkeitsbereich der DB InfraGO AG in Bayern
befindlichen Fahrstühle und Rolltreppen waren in diesem Jahr und jeweils
in den vergangenen fünf Jahren
Nach Angaben der DB InfraGO AG können aus datentechnischen Gründen nur
die Daten von 2021 bis 2026 dargestellt werden. Es wird jeweils der
Durchschnittswert betrachtet.
Derzeit betreibt die DB InfraGO AG in Bayern 521
Höhenfördertechnikanlagen.
a) an einem Tag außer Betrieb?
206 Anlagen.
b) an mehr als sieben Tagen außer Betrieb
(bitte ebenfalls Gesamtzahl angeben)?
57 Anlagen.
6. An wie vielen Tagen war an den 20 bayerischen Verkehrsstationen mit
dem höchsten täglichen Fahrgastaufkommen in diesem Jahr und in den
vergangenen zehn Jahren mindestens ein Fahrstuhl oder eine Rolltreppe
außer Betrieb?
Nach Angaben der DB InfraGO AG können aus datentechnischen Gründen nur
die Daten von 2021 bis 2026 dargestellt werden. Es wird jeweils der
Durchschnittswert betrachtet.
An den 20 verkehrsstärksten bayerischen Stationen war im betrachteten
Zeitraum durchschnittlich an 48 Kalendertagen pro Station und Jahr mindestens ein
Aufzug oder eine Rolltreppe außer Betrieb.
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ISSN 0722-8333
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