Rede von Roland Claus (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/133
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Roland Claus (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/133
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Auch ich schätze die Weisheit des Berichtes als
einen Kulturkompass, wie Sie es genannt haben, Frau
Vorsitzende. Ich finde, das ist ein schönes Wort. Leider
versagt das große Werk aber völlig, wo es um die
Bewertung von 40 Jahren deutscher Teilung geht.
Der Ansatz, Kulturgeschichte in die Kategorien Diktatur
einerseits und Widerstand andererseits einzuteilen, geht
fehl. Sprache ist verräterisch. Sie nennen diesen
Abschnitt Nachwirkungen der deutschen Teilung.
Nachwirkungen! Warum tun Sie das, obwohl Sie wissen, dass
Sie damit vor allem im Osten der Republik an
Zustimmung verlieren? Auch Sie haben erkannt, dass die
Ostdeutschen nach über zehn Jahren ihr Selbstbewusstsein
wiedergewonnen haben und deutlich artikulieren. Sie
erzählen ganz entspannt über ihre Biografien, über ihr
Leben in der DDR. Ihre Antwort, die Antwort der hier
dominierenden Politik, ist eine politisch-kulturelle
Diskriminierung und Delegitimierung der DDR. Das muss
hier so deutlich festgestellt werden.
(Beifall bei der LINKEN – Widerspruch bei
der CDU/CSU)
Die deutsche Kulturgeschichte von 1949 bis 1989 ist
aber ein Abschnitt gemeinsamer deutscher Geschichte,
trotz oder gerade wegen der Gegensätze. Beide deutsche
Staaten haben sich bekanntlich politisch-kulturell in
erheblichem Maße über ihre jeweilige Gegensätzlichkeit
definiert. Beide waren mit Blick auf den anderen der
Geist, der stets verneint. Damit waren die
Wechselwirkungen aufeinander immer riesengroß, und das selbst in
den eisigsten Zeiten des Kalten Krieges.