Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
97 Reden und Erklärungen – die Suche findet sie einzeln
- Rede von Siegmund Ehrmann (SPD) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Dorothee Bär (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Christoph Waitz (FDP) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Christoph Waitz (FDP) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Lydia Westrich (SPD) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Lydia Westrich (SPD) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Roland Claus (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Dorothee Bär (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Roland Claus (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Johann-Henrich Krummacher (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Simone Violka (SPD) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Jürgen Koppelin (FDP) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Ulrich Kelber (SPD) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Nicole Maisch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Franz-Josef Holzenkamp (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Franz-Josef Holzenkamp (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Dr. Edmund Peter Geisen (FDP) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Dr. Gerhard Botz (SPD) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Klaus Hofbauer (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Klaus Hofbauer (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/133
- Rede von Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Angelika Brunkhorst (FDP) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Christoph Pries (SPD) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Hans-Kurt Hill (DIE LINKE) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Dr. Maria Flachsbarth (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Dr. Marlies Volkmer (SPD) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Jens Koeppen (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Monika Griefahn (SPD) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Marcus Weinberg (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Cornelia Pieper (FDP) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Cornelia Hirsch (DIE LINKE) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Marion Seib (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Uwe Barth (FDP) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
- Rede von Johannes Singhammer (CDU/CSU) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Miriam Gruß (FDP) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Diana Golze (DIE LINKE) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Kerstin Griese (SPD) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Diana Golze (DIE LINKE) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Katharina Landgraf (CDU/CSU) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Dieter Steinecke (SPD) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Elke Hoff (FDP) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Hedi Wegener (SPD) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Maik Reichel (SPD) – Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas Dörflinger,
- Rede von Günter Baumann (CDU/CSU) – Drucksache 16/5250
- Rede von Ernst Burgbacher (FDP) – Drucksache 16/5250
- Rede von Siegmund Ehrmann (SPD) – Drucksache 16/5250
- Rede von Gernot Erler (Staatsminister im Auswärtigen Amt) – Berichts des Auswärtigen Ausschusses (3.
- Rede von Elke Hoff (FDP) – Berichts des Auswärtigen Ausschusses (3.
- Rede von Hans Raidel (CDU/CSU) – Berichts des Auswärtigen Ausschusses (3.
- Rede von Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Berichts des Auswärtigen Ausschusses (3.
- Rede von Gert Winkelmeier (fraktionslos) – Berichts des Auswärtigen Ausschusses (3.
- Rede von Dr. Rolf Mützenich (SPD) – Berichts des Auswärtigen Ausschusses (3.
- Rede von Katja Kipping (DIE LINKE) – Drucksache 16/7467
- Rede von Karl Schiewerling (CDU/CSU) – Drucksache 16/7467
- Rede von Karl Schiewerling (CDU/CSU) – Drucksache 16/7467
- Rede von Frank Spieth (DIE LINKE) – Drucksache 16/7467
- Rede von Karl Schiewerling (CDU/CSU) – Drucksache 16/7467
- Rede von Heinz-Peter Haustein (FDP) – Drucksache 16/7467
- Rede von Katja Kipping (DIE LINKE) – Drucksache 16/7467
- Rede von Katja Kipping (DIE LINKE) – Drucksache 16/7467
- Rede von Heinz-Peter Haustein (FDP) – Drucksache 16/7467
- Rede von Gabriele Hiller-Ohm (SPD) – Drucksache 16/7467
- Rede von Markus Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/7467
- Rede von Reinhard Grindel (CDU/CSU) – Drucksache 16/7467
- Rede von Gabriele Fograscher (SPD) – Drucksache 16/7467
- Rede von Dr. Hans Georg Faust (CDU/CSU) – Drucksachen 16/3343, 16/6798
- Rede von Jens Ackermann (FDP) – Drucksachen 16/3343, 16/6798
- Rede von Dr. Margrit Spielmann (SPD) – Drucksachen 16/3343, 16/6798
- Rede von Frank Spieth (DIE LINKE) – Drucksachen 16/3343, 16/6798
- Rede von Dr. Harald Terpe (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/3343, 16/6798
- Rede von Renate Blank (CDU/CSU) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
- Rede von Hellmut Königshaus (FDP) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
- Rede von Peter Hettlich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
- Rede von Hellmut Königshaus (FDP) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
- Rede von Peter Hettlich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
- Rede von Petra Weis (SPD) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
- Rede von Ernst Kranz (SPD) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
- Rede von Patrick Döring (FDP) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
- Rede von Dr. Andreas Scheuer (CDU/CSU) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
- Rede von Lutz Heilmann (DIE LINKE) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
- Rede von Lutz Heilmann (DIE LINKE) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
- Rede von Winfried Hermann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
- Rede von Dr. Günter Krings (CDU/CSU) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
- Rede von Dr. Günter Krings (CDU/CSU) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
- Rede von Cornelia Pieper (FDP) – Berichts des Ausschusses für Bildung, Forschung
Text
Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
[Plenarprotokoll 16/133Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
133. Sitzung
Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007
I n h a l t :Glückwünsche zum Geburtstag der
Abgeordneten Dr. Heinz Riesenhuber und Ute
Kumpf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Erweiterung und Abwicklung der
Tagesordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Absetzung des Tagesordnungspunktes 11 . . . .
Nachträgliche Ausschussüberweisungen . . . .
Tagesordnungspunkt 3:
Bericht der Enquete-Kommission „Kultur in
Deutschland“: Schlussbericht der Enquete-
Kommission „Kultur in Deutschland“
(Drucksache 16/7000) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 2:
Zwischenbericht der Enquete-Kommission
„Kultur in Deutschland“: Kultur als
Staatsziel
(Drucksache 15/5560) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Gitta Connemann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Hans-Joachim Otto (Frankfurt)
(FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Siegmund Ehrmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE) . . . . . .
Undine Kurth (Quedlinburg)
(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) . . . . . . . . .
Dorothee Bär (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . .
Christoph Waitz (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Lydia Westrich (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
13863 A
13863 B
13865 C
13865 C
13866 A
13866 A
13866 B
13869 A
13871 A
13873 B
13874 C
13876 D
13878 C
13880 ARoland Claus (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . .
Dorothee Bär (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Johann-Henrich Krummacher
(CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) . . . . . . . . . .
Simone Violka (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wolfgang Börnsen (Bönstrup)
(CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . . . . . . .
Steffen Reiche (Cottbus) (SPD) . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 4:
a) Antrag der Abgeordneten Peter Bleser,
Wolfgang Zöller, Klaus Hofbauer,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
CDU/CSU sowie der Abgeordneten
Dr. Gerhard Botz, Waltraud Wolff
(Wolmirstedt), Ingrid Arndt-Brauer, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD:
Unsere Verantwortung für die
ländlichen Räume
(Drucksache 16/5956) . . . . . . . . . . . . . . .
b) Antrag der Abgeordneten Dr. Kirsten
Tackmann, Kornelia Möller, Werner
Dreibus, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion DIE LINKE:
Arbeitgeberzusammenschlüsse zur Stärkung
ländlicher Räume
(Drucksache 16/4806) . . . . . . . . . . . . . . .
c) Antrag der Abgeordneten Hans-Michael
Goldmann, Dr. Christel Happach-Kasan,
Dr. Edmund Peter Geisen, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP: EU-
Arbeitnehmerfreizügigkeit im Agrarbe-
13882 A
13882 B
13883 A
13884 A
13884 D
13886 B
13886 D
13888 B
13890 A
13890 B
II Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 133. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007reich einführen – praxisuntaugliche
Erntehelferregelung auslaufen lassen
(Drucksache 16/6643) . . . . . . . . . . . . . . . .
d) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Fleischgesetzes
(Drucksachen 16/6964, 16/7503) . . . . . . .
e) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz
– zu der Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Agrarpolitischer
Bericht 2007 der Bundesregierung
– zu dem Entschließungsantrag der
Abgeordneten Cornelia Behm, Ulrike
Höfken, Bärbel Höhn, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN zu der
Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Agrarpolitischer Bericht 2007 der
Bundesregierung
(Drucksachen 16/4289, 16/5599, 16/6864)
Horst Seehofer, Bundesminister
BMELV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) . . . . . . . .
Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE) . . . . . . .
Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Franz-Josef Holzenkamp (CDU/CSU) . . . . . .
Nicole Maisch (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Edmund Peter Geisen (FDP) . . . . . . . . . .
Dr. Gerhard Botz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Klaus Hofbauer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . .
Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Waltraud Wolff (Wolmirstedt) (SPD) . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 39:
a) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zu dem Übereinkommen des
Europarats vom 23. November 2001 über
Computerkriminalität
(Drucksache 16/7218) . . . . . . . . . . . . . . . .
b) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zu dem Abkommen vom
24. April 2007 zwischen der Regierung
der Bundesrepublik Deutschland und
dem Schweizerischen Bundesrat über
13890 B
13890 B
13890 C
13890 D
13892 C
13894 B
13896 B
13898 B
13900 C
13902 A
13902 D
13903 D
13905 A
13905 C
13907 C
13909 Cdie Zusammenarbeit im Bereich der
Sicherheit des Luftraums bei
Bedrohungen durch zivile Luftfahrzeuge
(Drucksache 16/7219) . . . . . . . . . . . . . . .
c) Erste Beratung des vom Bundesrat
eingebrachten Entwurfs eines ... Gesetzes zur
Änderung des Steuerberatungsgesetzes
(Drucksache 16/7250) . . . . . . . . . . . . . . .
d) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Neuregelung des
Grundstoffüberwachungsrechts
(Drucksache 16/7414) . . . . . . . . . . . . . . .
e) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Änderung
seeverkehrsrechtlicher, verkehrsrechtlicher und anderer
Vorschriften mit Bezug zum Seerecht
(Drucksache 16/7415) . . . . . . . . . . . . . . .
f) Antrag der Abgeordneten Dr. Harald
Terpe, Birgitt Bender, Elisabeth
Scharfenberg, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN: Medizinische Verwendung von
Cannabis erleichtern
(Drucksache 16/7285) . . . . . . . . . . . . . . .
g) Antrag der Abgeordneten Rainder
Steenblock, Hans-Josef Fell, Sylvia
Kotting-Uhl, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN: Den Ostseeraum zur
Modellregion für regionale Kooperationen
ausbauen und den Baltic Sea Action Plan
zum Baustein einer Europäischen
Meerespolitik weiterentwickeln
(Drucksache 16/7286) . . . . . . . . . . . . . . .
Zusatztagesordnungspunkt 3:
Antrag der Abgeordneten Hans-Joachim
Fuchtel, Eckart von Klaeden, Norbert Barthle,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
CDU/CSU sowie der Abgeordneten Monika
Griefahn, Lothar Mark, Dirk Becker, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD:
Erneuerbare Energien, wie Solarenergie,
Geothermie, Wind- und Wasserkraft, für die
Energieversorgung deutscher
Einrichtungen im Ausland einsetzen – Für
Klimaschutz und Nachhaltigkeit
(Drucksache 16/7489) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 40:
a) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Ersten Gesetzes zur Änderung des
Strahlenschutzvorsorgegesetzes
(Drucksachen 16/6232, 16/7509) . . . . . . .
13909 D
13909 D
13910 A
13910 A
13910 A
13910 A
13910 B
13910 D
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 133. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007 IIIb) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Änderung der
Organisation des Bundesausgleichsamtes
(Drucksachen 16/7079, 16/7514) . . . . . . .
c) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung zu der Unterrichtung durch
die Bundesregierung: Vorschlag für eine
Verordnung des Europäischen
Parlaments und des Rates über gemeinsame
Regeln für den grenzüberschreitenden
Personenverkehr mit Kraftomnibussen
(Neufassung)
KOM (2007) 264 endg.; Ratsdok. 10102/07
(Drucksachen 16/5806 Nr. 11, 16/7071) . .
d) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung zu der Unterrichtung durch
die Bundesregierung: Vorschlag für eine
Verordnung des Europäischen
Parlaments und des Rates zur Festlegung
gemeinsamer Regeln für die Zulassung
zum Beruf des
Kraftverkehrsunternehmers
KOM (2007) 263 endg.; Ratsdok. 10114/07
(Drucksachen 16/5806 Nr. 12, 16/7072) . .
e) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung
– zu der Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Mitteilung der
Kommission an den Rat, das Europäische
Parlament, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und
den Ausschuss der Regionen
Ein Aktionsplan für Kapazität,
Effizienz und Sicherheit von Flughäfen
in Europa (inkl. 5886/07 ADD 1 und
5886/07 ADD 2)
KOM (2006) 819 endg.; Ratsdok.
5886/07
– zu der Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Vorschlag für eine
Richtlinie des Europäischen
Parlaments und des Rates zu
Flughafenentgelten (inkl. 5887/07 ADD 1 und
5887/07 ADD 2)
KOM (2006) 820 endg.; Ratsdok.
5887/07
– zu der Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Bericht der
Kommission über die Anwendung der
Richtlinie 96/67/EG des Rates vom
15. Oktober 1996
KOM (2006) 821 endg.; Ratsdok.
5894/07
(Drucksachen 16/4501 Nr. 2.43, 16/4501
Nr. 2.44, 16/4501 Nr. 2.46, 16/7169) . . . .
13910 B
13911 B
13911 B
13911 Cf) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Gesundheit zu der
Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Mitteilung der Kommission an das
Europäische Parlament und den Rat
Organspende und -transplantation:
Maßnahmen auf EU-Ebene (inkl. 9834/07
ADD 1 und ADD 2)
KOM (2007) 275 endg.; Ratsdok 9834/07
(Drucksachen 16/6389 Nr. 1.10, 16/7192)
g)–o)
Beschlussempfehlungen des
Petitionsausschusses: Sammelübersichten 317, 318, 319,
320, 321, 322, 323, 324 und 325 zu
Petitionen
(Drucksachen 16/7349, 16/7350, 16/7351,
16/7352, 16/7353, 16/7354, 16/7355, 16/7356,
16/7357) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zusatztagesordnungspunkt 4:
a)–k)
Beschlussempfehlungen des
Petitionsausschusses: Sammelübersichten 326, 327, 328,
329, 330, 331, 332, 333, 334, 335 und 336 zu
Petitionen
(Drucksachen 16/7492, 16/7493, 16/7494,
16/7495, 16/7496, 16/7497, 16/7498, 16/7499,
16/7500, 16/7501, 16/7502) . . . . . . . . . . . . . .
Zusatztagesordnungspunkt 5:
Wahlen zu Gremien
a) Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/
CSU: Wahl von Mitgliedern des Beirats
bei der Bundesbeauftragten für die
Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes
gemäß § 39 Abs. 1 des Stasi-Unterlagen-
Gesetzes
(Drucksache 16/7474) . . . . . . . . . . . . . . .
b) Wahlvorschläge der Fraktionen CDU/
CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN: Wahl von Mitgliedern des
Verwaltungsrates der Kreditanstalt für
Wiederaufbau gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 4
des Gesetzes über die Kreditanstalt für
Wiederaufbau
(Drucksache 16/7475) . . . . . . . . . . . . . . .
c) Wahlvorschlag der Fraktion der SPD:
Wahl von Mitgliedern des
Gemeinsamen Ausschusses gemäß Artikel 53 a
des Grundgesetzes
(Drucksache 16/7476) . . . . . . . . . . . . . . .
d) Wahlvorschlag der Fraktion der SPD:
Wahl vom Deutschen Bundestag zu
entsendender Mitglieder des Ausschusses
nach Artikel 77 Abs. 2 des
Grundgesetzes (Vermittlungsausschuss)
(Drucksache 16/7477) . . . . . . . . . . . . . . .
13912 A
13912 A
13913 A
13914 A
13914 A
13914 B
13914 B
IV Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 133. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007e) Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/
CSU: Wahl eines vom Deutschen
Bundestag zu entsendenden Mitglieds des
Beirats für Fragen des Zugangs zur
Eisenbahninfrastruktur
(Eisenbahninfrastrukturbeirat)
(Drucksache 16/7478) . . . . . . . . . . . . . . . .
f) Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/
CSU: Wahl eines Mitglieds des
Stiftungsrates der „Stiftung CAESAR“
(Centre of Advanced European Studies
and Research)
(Drucksache 16/7479) . . . . . . . . . . . . . . . .
g) Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/
CSU: Wahl eines Mitglieds des
Verwaltungsrates bei der Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht
(Drucksache 16/7480) . . . . . . . . . . . . . . . .
h) Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/
CSU: Wahl einer Schriftführerin gemäß
§ 3 der Geschäftsordnung
(Drucksache 16/7481) . . . . . . . . . . . . . . . .
Zusatztagesordnungspunkt 6:
Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Konsequenzen der Bundesregierung aus der Studie
über erhöhte Krebsrisiken in der
Umgebung von Atomanlagen
Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Angelika Brunkhorst (FDP) . . . . . . . . . . . . . .
Christoph Pries (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hans-Kurt Hill (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Dr. Maria Flachsbarth (CDU/CSU) . . . . . . . .
Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Michael Müller, Parl. Staatssekretär
BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Katherina Reiche (Potsdam)
(CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Marlies Volkmer (SPD) . . . . . . . . . . . . . .
Jens Koeppen (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . .
Heinz Schmitt (Landau) (SPD) . . . . . . . . . . .
Monika Griefahn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 5:
Antrag der Abgeordneten Priska Hinz
(Herborn), Kai Gehring, Krista Sager, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
13914 B
13914 B
13914 C
13914 C
13914 D
13915 D
13917 A
13918 A
13919 B
13920 A
13921 B
13922 C
13924 A
13925 D
13926 D
13927 D
13928 CNIS 90/DIE GRÜNEN: Bildungsstrategie
für mehr Chancengerechtigkeit starten
(Drucksache 16/7465) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Priska Hinz (Herborn) (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Marcus Weinberg (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Cornelia Pieper (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Swen Schulz (Spandau) (SPD) . . . . . . . . . . .
Cornelia Hirsch (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . .
Marion Seib (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) . . . . . . . . .
Uwe Barth (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 6:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend
– zu dem Antrag der Abgeordneten Antje
Blumenthal, Thomas Bareiß, Thomas
Dörflinger, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der CDU/CSU sowie der
Abgeordneten Marlene Rupprecht
(Tuchenbach), Ingrid Arndt-Brauer, Clemens
Bollen, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der SPD: Gesundes Aufwachsen
ermöglichen – Kinder besser schützen –
Risikofamilien helfen
– zu dem Antrag der Abgeordneten Miriam
Gruß, Ina Lenke, Sibylle Laurischk,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
FDP: Schutz und Chancen für die
Kinder in Deutschland
– zu dem Antrag der Abgeordneten Ekin
Deligöz, Birgitt Bender, Dr. Harald Terpe,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Kinder
entschlossen vor Vernachlässigung
schützen
(Drucksachen 16/4604, 16/4415, 16/3024,
16/5695) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Johannes Singhammer (CDU/CSU) . . . . . . .
Miriam Gruß (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Marlene Rupprecht (Tuchenbach)
(SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Diana Golze (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . .
Kerstin Griese (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Katharina Landgraf (CDU/CSU) . . . . . . . . . .
Dieter Steinecke (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
13929 C
13929 D
13931 A
13933 D
13934 D
13937 B
13938 D
13940 B
13942 C
13943 C
13944 A
13945 A
13946 B
13948 B
13949 B
13949 D
13950 D
13952 B
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 133. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007 VTagesordnungspunkt 7:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Verteidigungsausschusses zu der Unterrichtung
durch den Wehrbeauftragten: Jahresbericht
2006 (48. Bericht)
(Drucksachen 16/4700, 16/6700) . . . . . . . . . .
Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter
des Deutschen Bundestages . . . . . . . . . . . .
Christian Schmidt, Parl. Staatssekretär
BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Elke Hoff (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hedi Wegener (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Paul Schäfer (Köln) (DIE LINKE) . . . . . . . . .
Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anita Schäfer (Saalstadt) (CDU/CSU) . . . . . .
Maik Reichel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 8:
Zweite und dritte Beratung des von den
Abgeordneten Dr. Max Stadler, Gisela Piltz,
Dr. Karl Addicks, weiteren Abgeordneten und
der Fraktion der FDP eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes über eine Einmalzahlung für
Versorgungsempfänger im Jahr 2007
(Versorgungsempfänger-Einmalzahlungsgesetz
2007 – VEzG 2007)
(Drucksachen 16/5250, 16/5925) . . . . . . . . . .
Günter Baumann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Ernst Burgbacher (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Siegmund Ehrmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . .
Petra Pau (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Silke Stokar von Neuforn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 9:
a) Beschlussempfehlung und Bericht des
Auswärtigen Ausschusses zu dem Antrag
der Abgeordneten Dr. Karl-Theodor
Freiherr zu Guttenberg, Eckart von
Klaeden, Anke Eymer (Lübeck), weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der CDU/
CSU sowie der Abgeordneten Dr. Rolf
Mützenich, Gert Weisskirchen (Wiesloch),
Niels Annen, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der SPD: Die Krise des
KSE-Vertrages durch neue Impulse für
konventionelle Abrüstung und
Rüstungskontrolle in Europa beenden
(Drucksachen 16/6603, 16/7505) . . . . . . .
b) Beschlussempfehlung und Bericht des
Auswärtigen Ausschusses zu dem Antrag
13953 C
13953 D
13956 B
13957 C
13958 D
13960 A
13961 B
13962 B
13963 C
13964 D
13965 A
13966 B
13967 B
13968 C
13968 D
13969 Bder Abgeordneten Elke Hoff, Dr. Werner
Hoyer, Dr. Karl Addicks, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP:
Deutschland muss
rüstungskontrollpolitische Glaubwürdigkeit beweisen –
angepassten KSE-Vertrag dem Deutschen
Bundestag zur Abstimmung vorlegen
(Drucksachen 16/6431, 16/7505) . . . . . . . 13969 B
c) Beschlussempfehlung und Bericht des
Auswärtigen Ausschusses zu dem Antrag
der Abgeordneten Winfried Nachtwei,
Alexander Bonde, Jürgen Trittin, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN: Angepassten
Vertrag über Konventionelle
Streitkräfte in Europa ratifizieren
(Drucksachen 16/6605, 16/7505) . . . . . . .
Gernot Erler, Staatsminister AA . . . . . . . . . .
Elke Hoff (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hans Raidel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . .
Paul Schäfer (Köln) (DIE LINKE) . . . . . . . .
Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Gert Winkelmeier (fraktionslos) . . . . . . . . . .
Dr. Rolf Mützenich (SPD) . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 10:
a) Antrag der Abgeordneten Katja Kipping,
Klaus Ernst, Dr. Lothar Bisky, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion DIE
LINKE: Anrechnung von
Sachleistungen auf die Regelleistung des SGB II bei
stationärem Aufenthalt ausschließen
(Drucksache 16/7467) . . . . . . . . . . . . . . .
b) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Arbeit und Soziales zu
dem Antrag der Abgeordneten Katja
Kipping, Klaus Ernst, Dr. Lothar Bisky,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
DIE LINKE: Einführung einer
Weihnachtsbeihilfe für
Grundsicherungsbezieherinnen und
Grundsicherungsbezieher
(Drucksachen 16/7041, 16/7511) . . . . . . .
Katja Kipping (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Karl Schiewerling (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Frank Spieth (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . .
Karl Schiewerling (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Heinz-Peter Haustein (FDP) . . . . . . . . . . . . .
Katja Kipping (DIE LINKE) . . . . . . . . . . .
Gabriele Hiller-Ohm (SPD) . . . . . . . . . . . . . .
Markus Kurth (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
13969 C
13969 D
13970 C
13971 C
13973 A
13974 A
13974 D
13975 B
13976 C
13976 D
13977 A
13978 C
13980 D
13981 A
13981 A
13981 C
13982 C
13984 B
VI Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 133. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007Namentliche Abstimmung . . . . . . . . . . . . . . .
Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 13:
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Ergänzung des Rechts zur
Anfechtung der Vaterschaft
(Drucksachen 16/3291, 16/7506) . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 12:
Antrag der Abgeordneten Silke Stokar von
Neuforn, Volker Beck (Köln), Kai Gehring,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Für ein
schärferes Waffengesetz
(Drucksache 16/6961) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Silke Stokar von Neuforn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Reinhard Grindel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (FDP) . . . . . . . .
Silke Stokar von Neuforn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Gabriele Fograscher (SPD) . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 15:
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Regelung des Statusrechts der
Beamtinnen und Beamten in den Ländern
(Beamtenstatusgesetz – BeamtStG)
(Drucksachen 16/4027, 16/4038, 16/7508) . .
Tagesordnungspunkt 14:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Gesundheit zu dem Antrag der
Abgeordneten Jens Ackermann, Hartfrid
Wolff (Rems-Murr), Daniel Bahr (Münster),
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
FDP: Dem Beruf des Rettungsassistenten
eine Zukunftsperspektive geben – Das
Rettungsassistentengesetz novellieren
(Drucksachen 16/3343, 16/6798) . . . . . . . . . .
Dr. Hans Georg Faust (CDU/CSU) . . . . . . . .
Jens Ackermann (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Margrit Spielmann (SPD) . . . . . . . . . . . . .
Frank Spieth (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Harald Terpe (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
13988 D
13989 A
13985 C
13985 D
13986 A
13987 A
13991 A
13991 D
13992 D
13994 A
13994 C
13994 D
13996 B
13997 A
13998 B
13999 ATagesordnungspunkt 17:
a) Antrag der Abgeordneten Dirk Fischer
(Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
Lippold, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der CDU/CSU sowie der
Abgeordneten Petra Weis, Dr. h. c. Wolfgang
Thierse, Klaas Hübner, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD:
Wiedererrichtung des Berliner
Schlosses – Bau des Humboldt-Forums im
Schlossareal Berlin – Rekonstruktion
der historischen Fassaden sicherstellen
(Drucksache 16/7488) . . . . . . . . . . . . . . .
b) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung zu dem Antrag der
Abgeordneten Heidrun Bluhm, Katrin Kunert,
Dr. Gesine Lötzsch, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE:
Humboldt-Forum statt Fassadenschloss –
Schlossplatz mit Zukunftsorientierung
(Drucksachen 16/5922, 16/7366) . . . . . . .
Renate Blank (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . .
Hellmut Königshaus (FDP) . . . . . . . . . . . . . .
Karin Roth, Parl. Staatssekretärin
BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Peter Hettlich (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hellmut Königshaus (FDP) . . . . . . . . . . . .
Petra Weis (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 16:
Erste Beratung des von den Abgeordneten
Dr. Diether Dehm, Monika Knoche, Hüseyin-
Kenan Aydin, weiteren Abgeordneten und der
Fraktion DIE LINKE eingebrachten
Entwurfs eines … Gesetzes zur Änderung des
Grundgesetzes
(Drucksache 16/7375) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 19:
a) – Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung
des Pflanzenschutzgesetzes und des
BVL-Gesetzes
(Drucksachen 16/6736, 16/7507) . . . .
– Zweite und dritte Beratung des von
den Fraktionen der CDU/CSU und der
SPD eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Änderung des
Pflanzenschutzgesetzes und des BVL-
Gesetzes
(Drucksachen 16/6386, 16/7507) . . . .
13999 D
13999 D
14000 A
14001 B
14002 C
14003 D
14004 B
14005 B
14006 B
14006 C
14006 C
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 133. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007 VIIb) Antrag der Abgeordneten Peter Bleser,
Julia Klöckner, Uda Carmen Freia Heller,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der CDU/CSU sowie der Abgeordneten
Gustav Herzog, Volker Blumentritt,
Dr. Gerhard Botz, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der SPD: Schutz vor
Pflanzenschutzmittelrückständen in
Lebensmitteln verstärken
(Drucksache 16/6958) . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 18:
a) Antrag der Abgeordneten Jürgen Trittin,
Josef Philip Winkler, Omid Nouripour,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Hilfe für
irakische Flüchtlinge ausweiten – Im
Irak, in Nachbarländern und in
Deutschland
(Drucksache 16/7468) . . . . . . . . . . . . . . . .
b) Beschlussempfehlung und Bericht des
Innenausschusses
– zu dem Antrag der Abgeordneten Ulla
Jelpke, Petra Pau, Sevim Dağdelen,
weiterer Abgeordneter und der
Fraktion DIE LINKE: Irakische
Flüchtlinge in die EU aufnehmen – In
Deutschland lebende Irakerinnen
und Iraker vor Abschiebung
schützen
– zu dem Antrag der Abgeordneten
Volker Beck (Köln), Marieluise Beck
(Bremen), Alexander Bonde, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Schutz
für irakische Flüchtlinge
gewährleisten
(Drucksachen 16/5248, 16/5414, 16/6763)
Tagesordnungspunkt 21:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung zu der Unterrichtung durch den
Parlamentarischen Beirat für nachhaltige
Entwicklung: Bericht des
Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung
„Demographischer Wandel und
nachhaltige Infrastrukturplanung“
(Drucksachen 16/4900, 16/7367) . . . . . . . . . .
Ernst Kranz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Patrick Döring (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Andreas Scheuer (CDU/CSU) . . . . . . . . .
Lutz Heilmann (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Winfried Hermann (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Günter Krings (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
14006 D
14007 B
14007 C
14008 A
14008 B
14009 C
14010 C
14011 C
14012 C
14013 BTagesordnungspunkt 20:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Innenausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten
Gudrun Kopp, Birgit Homburger, Markus
Löning, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der FDP: Bürokratie abbauen –
Zeitumstellung abschaffen und Sommerzeit
permanent einführen
(Drucksachen 16/4773, 16/6699) . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 23:
a) Antrag der Abgeordneten Anette
Hübinger, Dr. Christian Ruck, Dr. Wolf
Bauer, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der CDU/CSU sowie der
Abgeordneten Dr. Sascha Raabe, Gabriele
Groneberg, Stephan Hilsberg, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD:
Entwicklungsorientierte
Wirtschaftspartnerschaften zwischen der EU und
den AKP-Staaten – Chance für
politische, wirtschaftliche und soziale
Stabilität
(Drucksache 16/7487) . . . . . . . . . . . . . . .
b) Antrag der Abgeordneten Heike Hänsel,
Hüseyin-Kenan Aydin, Monika Knoche,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
DIE LINKE: EU-AKP-Abkommen:
Faire Handelspolitik statt
Freihandelsdiktat
(Drucksache 16/7473) . . . . . . . . . . . . . . .
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 7:
Antrag der Abgeordneten Thilo Hoppe, Ute
Koczy, Marieluise Beck (Bremen), weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN:
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen und
Interimsabkommen zwischen EU und AKP-Staaten
entwicklungsfreundlich gestalten
(Drucksache 16/7469) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 22:
Antrag der Abgeordneten Thilo Hoppe, Ute
Koczy, Ulrike Höfken, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN: Für eine neue effektive und an den
Bedürfnissen der Hungernden
ausgerichtete Nahrungsmittelkonvention
(Drucksache 16/7470) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 25:
Erste Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur
14014 C
14014 A
14014 A
14015 A
14015 B
VIII Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 133. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007Begrenzung der mit Finanzinvestitionen
verbundenen Risiken
(Risikobegrenzungsgesetz)
(Drucksache 16/7438) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 24:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Wirtschaft und Technologie zu
dem Antrag der Abgeordneten Dr. Christel
Happach-Kasan, Christian Ahrendt, Hans-
Michael Goldmann, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der FDP: Zukunftschancen
des Ostseeraums – Wirtschaft, Ökologie,
Kultur und Tourismus
(Drucksachen 16/5251, 16/7048) . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 27:
a) Erste Beratung des von den Fraktionen der
CDU/CSU und der SPD eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung
des Wahl- und Abgeordnetenrechts
(Drucksache 16/7461) . . . . . . . . . . . . . . . .
b) Erste Beratung des von den Fraktionen der
CDU/CSU und der SPD eingebrachten
Entwurfs eines Achtzehnten Gesetzes
zur Änderung des Bundeswahlgesetzes
(Drucksache 16/7462) . . . . . . . . . . . . . . . .
c) Erste Beratung des von den Fraktionen der
CDU/CSU, der SPD und der FDP
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur
Änderung des Wahlprüfungsgesetzes
(Drucksache 16/7463) . . . . . . . . . . . . . . . .
d) Antrag der Abgeordneten Dr. Gesine
Lötzsch, Petra Pau, Ulla Jelpke, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion DIE
LINKE: Wahlmanipulationen wirksam
verhindern
(Drucksache 16/5810) . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 26:
Antrag der Abgeordneten Cornelia Behm,
Ulrike Höfken, Nicole Maisch, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN: Bodenprivatisierung neu
ausrichten
(Drucksache 16/7135) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 29:
a) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung
– zu dem Antrag der Abgeordneten
Marcus Weinberg, Ilse Aigner,
14015 C
14015 D
14016 A
14016 B
14016 B
14016 C
14016 CBernward Müller (Gera), weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der CDU/
CSU sowie der Abgeordneten Ulla
Burchardt, Jörg Tauss, Willi Brase,
weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der SPD: Indisch-Deutschen
Studierenden- und
Wissenschaftleraustausch fördern –
Mobilitätsprogramm zum Jahr der
Geisteswissenschaften in Deutschland
– zu dem Antrag der Abgeordneten
Dr. Petra Sitte, Cornelia Hirsch, Volker
Schneider (Saarbrücken), weiterer
Abgeordneter und der Fraktion DIE
LINKE: Indisch-Deutschen
Studierenden- und
Wissenschaftleraustausch fördern – Mobilitätsprogramm
zum Jahr der Geisteswissenschaften
in Deutschland
– zu dem Antrag der Abgeordneten
Priska Hinz (Herborn), Kai Gehring,
Krista Sager, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Indisch-Deutschen
Studierenden- und
Wissenschaftleraustausch fördern – Mobilitätsprogramm
zum Jahr der Geisteswissenschaften
in Deutschland
(Drucksachen 16/6945, 16/5811, 16/5968,
16/7504) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
b) Antrag der Abgeordneten Cornelia Pieper,
Patrick Meinhardt, Uwe Barth, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP:
Indisch-Deutschen Studierenden- und
Wissenschaftleraustausch fördern –
Mobilitätsprogramm zum Jahr der
Geisteswissenschaften in Deutschland
(Drucksache 16/7262) . . . . . . . . . . . . . . .
Cornelia Pieper (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 28:
Antrag der Abgeordneten Rainder
Steenblock, Jürgen Trittin, Omid Nouripour,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Defizite bei
der Umsetzung der Europa-Vereinbarung
abstellen
(Drucksache 16/7139) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 1
Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . .
14017 A
14017 B
14017 C
14018 C
14019 C
14021 A
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 133. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007 IXAnlage 2
Mündliche Frage 26
Hans-Kurt Hill (DIE LINKE)
Haltung der Bundesregierung zu den
absehbaren Verzögerungen beim Börsengang
des weißen Bereichs der ehemaligen RAG,
jetzt Evonik, aufgrund der krisenhaften
Situation auf den Finanzmärkten und
Folgen für das Vermögen der RAG-Stifung
(132. Sitzung, Tagesordnungspunkt 2)
Antwort
Dagmar Wöhrl, Parl. Staatssekretärin
BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 3
Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten
Jörn Wunderlich (DIE LINKE) zur
Abstimmung über den Antrag: Kinder entschlossen
vor Vernachlässigung schützen
(Tagesordnungspunkt 6) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 4
Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten
Norbert Schindler (CDU/CSU) zur
Abstimmung über den Entwurf eines Gesetzes zur
Änderung des Pflanzenschutzgesetzes und des
BVL-Gesetzes (Tagesordnungspunkt 19 a) . . . .
Anlage 5
Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten
Ralf Göbel (CDU/CSU) zur Abstimmung
über den Entwurf eines Gesetzes zur
Änderung des Pflanzenschutzgesetzes und des
BVL-Gesetzes (Tagesordnungspunkt 19 a) . .
Anlage 6
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Antrags: Entwurf eines Gesetzes zur
Ergänzung des Rechts zur Anfechtung der
Vaterschaft (Tagesordnungspunkt 13)
Ute Granold (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . .
Klaus Uwe Benneter (SPD) . . . . . . . . . . . . . .
Mechthild Dyckmans (FDP) . . . . . . . . . . . . . .
Jörn Wunderlich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . .
Irmingard Schewe-Gerigk (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretär
BMJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
14021 C
14021 D
14022 A
14022 D
14023 B
14025 B
14026 A
14026 D
14027 C
14028 AAnlage 7
Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung des
Antrags: Für ein schärferes Waffengesetz
(Tagesordnungspunkt 12)
Petra Pau (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 8
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Entwurfs eines Gesetzes zur Regelung des
Statusrechts der Beamtinnen und Beamten in
den Ländern (Beamtenstatusgesetz – BeamtStG)
(Tagesordnungspunkt 15)
Ralf Göbel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Siegmund Ehrmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Max Stadler (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Petra Pau (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Silke Stokar von Neuforn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 9
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
der Anträge:
– Wiedererrichtung des Berliner Schlosses –
Bau des Humboldt-Forums im
Schlossareal Berlin – Rekonstruktion der
historischen Fassaden sicherstellen
– Humboldt-Forum statt Fassadenschloss –
Schlossplatz mit Zukunftsorientierung
(Tagesordnungspunkt 17 a und b)
Heidrun Bluhm (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . .
Anlage 10
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Entwurfs eines … Gesetzes zur Änderung
des Grundgesetzes (Tagesordnungspunkt 16)
Ingo Wellenreuther (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Michael Roth (Heringen)
(SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Florian Toncar (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Alexander Ulrich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . .
Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
14028 D
14029 B
14030 D
14031 C
14032 B
14032 D
14033 C
14034 B
14036 D
14037 C
14038 C
14039 B
X Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 133. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007Anlage 11
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung:
– Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des
Pflanzenschutzgesetzes und des BVL-
Gesetzes
– Antrag: Schutz vor
Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln verstärken
(Tagesordnungspunkt 19 a und b)
Dr. Peter Jahr (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . .
Gustav Herzog (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) . . . . . . .
Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE) . . . . . . .
Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 12
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung:
– Antrag: Hilfe für irakische Flüchtlinge
ausweiten – Im Irak, in Nachbarländern
und in Deutschland
– Beschlussempfehlung und Bericht zu dem
Antrag: Irakische Flüchtlinge in die EU
aufnehmen – In Deutschland lebende
Irakerinnen und Iraker vor Abschiebung
schützen
– Beschlussempfehlung und Bericht zu dem
Antrag: Schutz für irakische Flüchtlinge
gewährleisten
(Tagesordnungspunkt 18 a und b)
Reinhard Grindel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Rüdiger Veit (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (FDP) . . . . . . . .
Ulla Jelpke (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . .
Josef Philip Winkler (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 13
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
der Beschlussempfehlung und des Berichts:
Bürokratie abbauen – Zeitumstellung
abschaffen und Sommerzeit permanent
einführen (Tagesordnungspunkt 20)
Hans-Werner Kammer (CDU/CSU) . . . . . . . .
Maik Reichel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Gudrun Kopp (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Petra Pau (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Silke Stokar von Neuforn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
14040 A
14041 B
14043 A
14044 A
14045 A
14045 D
14047 A
14048 B
14049 A
14049 C
14050 C
14051 B
14051 D
14052 C
14053 BAnlage 14
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
der Anträge:
– Entwicklungsorientierte
Wirtschaftspartnerschaften zwischen der EU und den
AKP-Staaten – Chance für politische,
wirtschaftliche und soziale Stabilität
– EU-AKP-Abkommen: Faire
Handelspolitik statt Freihandelsdiktat
– Wirtschaftspartnerschaftsabkommen und
Interimsabkommen zwischen EU und
AKP-Staaten entwicklungsfreundlich
gestalten
(Tagesordnungspunkt 23 a und b und
Zusatztagesordnungspunkt 7)
Anette Hübinger (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Dr. Sascha Raabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . .
Hellmut Königshaus (FDP) . . . . . . . . . . . . . .
Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . .
Thilo Hoppe (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 15
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Antrags: Für eine neue effektive und an
den Bedürfnissen der Hungernden
ausgerichtete Nahrungsmittelkonvention
(Tagesordnungspunkt 22)
Sibylle Pfeiffer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Sascha Raabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Karl Addicks (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hüseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE) . . . . . . .
Thilo Hoppe (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 16
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Entwurfs eines Gesetzes zur Begrenzung
der mit Finanzinvestitionen verbundenen
Risiken (Risikobegrenzungsgesetz)
(Tagesordnungspunkt 25)
Leo Dautzenberg (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Nina Hauer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Hans-Ulrich Krüger (SPD) . . . . . . . . . . .
Frank Schäffler (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Axel Troost (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Dr. Gerhard Schick (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
14054 A
14055 D
14057 D
14059 B
14060 A
14061 A
14062 C
14063 D
14064 D
14065 C
14066 D
14068 B
14069 B
14070 C
14071 B
14071 D
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 133. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007 XIAnlage 17
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Antrags: Zukunftschancen des
Ostseeraums – Wirtschaft, Ökologie, Kultur und
Tourismus (Tagesordnungspunkt 24)
Eckhardt Rehberg (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Andrea Wicklein (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) . . . . . . .
Lutz Heilmann (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Bettina Herlitzius (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 18
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung:
– Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des
Wahl- und Abgeordnetenrechts
– Entwurf eines Achtzehnten Gesetzes zur
Änderung des Bundeswahlgesetzes
– Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des
Wahlprüfungsgesetzes
– Antrag: Wahlmanipulationen wirksam
verhindern
(Tagesordnungspunkt 27 a bis d)
Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU) . . . . .
Klaus Uwe Benneter (SPD) . . . . . . . . . . . . . .
Gisela Piltz (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Jan Korte (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Silke Stokar von Neuforn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Gert Winkelmeier (fraktionslos) . . . . . . . . . . .
Anlage 19
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Antrags: Bodenprivatisierung neu
ausrichten (Tagesordnungspunkt 26)
14073 B
14074 D
14075 B
14076 A
14077 A
14077 D
14079 D
14082 A
14083 A
14085 A
14085 DDr. Peter Jahr (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Gerhard Botz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Edmund Peter Geisen (FDP) . . . . . . . . . .
Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE) . . . . . . .
Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 20
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung:
– Beschlussempfehlung und Bericht zu den
Anträgen: Indisch-Deutschen
Studierenden- und Wissenschaftleraustausch
fördern – Mobilitätsprogramm zum Jahr der
Geisteswissenschaften in Deutschland
– Antrag: Indisch-Deutschen Studierenden-
und Wissenschaftleraustausch fördern –
Mobilitätsprogramm zum Jahr der
Geisteswissenschaften in Deutschland
(Tagesordnungspunkt 29 a und b)
Marcus Weinberg (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Ulla Burchardt (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Petra Sitte (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Priska Hinz (Herborn) (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 21
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Antrags: Defizite bei der Umsetzung der
Europa-Vereinbarung abstellen
(Tagesordnungspunkt 28)
Michael Stübgen (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Michael Roth (Heringen) (SPD) . . . . . . . . . .
Michael Link (Heilbronn) (FDP) . . . . . . . . . .
Alexander Ulrich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . .
Rainder Steenblock (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
14086 C
14087 C
14088 A
14089 A
14090 A
14090 D
14092 B
14093 C
14094 D
14095 B
14096 D
14097 C
14098 D
14099 B
133. Sitzung
Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2007
Beginn: 9.01 UhrPräsident Dr. Norbert Lammert:
Die Sitzung ist eröffnet.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich begrüße Sie alle
herzlich und wünsche uns einen guten Morgen und eine
– wie meistens – ebenso ernsthafte wie fröhliche
Beratung.
Bevor wir in die Tagesordnung eintreten, darf ich
zwei Geburtstagsglückwünsche aussprechen.
Der Kollege Heinz Riesenhuber hat am 1. Dezember
seinen 72. Geburtstag gefeiert.
(Beifall)
Man hält es kaum für möglich, aber die Recherchen
bestätigen die Ernsthaftigkeit des vorgetragenen Befundes.
Die Kollegin Ute Kumpf hat am 4. Dezember ihren
60. Geburtstag gefeiert. Auch ihr möchte ich herzlich im
Namen des ganzen Hauses gratulieren und alles Gute
wünschen.
(Beifall)
Interfraktionell ist vereinbart worden, die verbundene
Tagesordnung um die in der Zusatzpunktliste
aufgeführten Punkte zu erweitern:
ZP 1 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion DIE
LINKE:
Haltung der Bundesregierung zur
Angemessenheit von Managereinkommen in
Deutschland
(siehe 132. Sitzung)
ZP 2 Beratung des Zwischenberichts der Enquete-
Kommission „Kultur in Deutschland“
Kultur als Staatsziel
– Drucksache 15/5560 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Kultur und Medien
ZP 3 Weitere Überweisungen im vereinfachten
Verfahren
(Ergänzung zu TOP 39)Beratung des Antrags der Abgeordneten Hans-
Joachim Fuchtel, Eckart von Klaeden, Norbert
Barthle, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Monika
Griefahn, Lothar Mark, Dirk Becker, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD
Erneuerbare Energien, wie Solarenergie,
Geothermie, Wind- und Wasserkraft, für die
Energieversorgung deutscher Einrichtungen
im Ausland einsetzen – Für Klimaschutz und
Nachhaltigkeit
– Drucksache 16/7489 –
Überweisungsvorschlag:
Auswärtiger Ausschuss (f)
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
ZP 4 Weitere abschließende Beratungen ohne
Aussprache
(Ergänzung zu TOP 40)
a) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 326 zu Petitionen
– Drucksache 16/7492 –
b) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 327 zu Petitionen
– Drucksache 16/7493 –
c) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 328 zu Petitionen
– Drucksache 16/7494 –
d) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 329 zu Petitionen
– Drucksache 16/7495 –Redetext
Präsident Dr. Norbert Lammerte) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 330 zu Petitionen
– Drucksache 16/7496 –
f) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 331 zu Petitionen
– Drucksache 16/7497 –
g) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 332 zu Petitionen
– Drucksache 16/7498 –
h) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 333 zu Petitionen
– Drucksache 16/7499 –
i) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 334 zu Petitionen
– Drucksache 16/7500 –
j) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 335 zu Petitionen
– Drucksache 16/7501 –
k) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 336 zu Petitionen
– Drucksache 16/7502 –
ZP 5 Wahlen zu Gremien
a) Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/CSU
Wahl von Mitgliedern des Beirats bei der
Bundesbeauftragten für die Unterlagen des
Staatssicherheitsdienstes gemäß § 39 Abs. 1 des Stasi-
Unterlagen-Gesetzes
– Drucksache 16/7474 –
b) Wahlvorschläge der Fraktionen CDU/CSU, SPD
und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wahl von Mitgliedern des Verwaltungsrates
der Kreditanstalt für Wiederaufbau gemäß § 7
Abs. 1 Nr. 4 des Gesetzes über die
Kreditanstalt für Wiederaufbau
– Drucksache 16/7475 –
c) Wahlvorschlag der Fraktion der SPD
Wahl von Mitgliedern des Gemeinsamen
Ausschusses gemäß Artikel 53 a des
Grundgesetzes
– Drucksache 16/7476 –d) Wahlvorschlag der Fraktion der SPD
Wahl vom Deutschen Bundestag zu
entsendender Mitglieder des Ausschusses nach Artikel 77
Abs. 2 des Grundgesetzes
(Vermittlungsausschuss)
– Drucksache 16/7477 –
e) Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/CSU
Wahl eines vom Deutschen Bundestag zu
entsendenden Mitglieds des Beirats für Fragen
des Zugangs zur Eisenbahninfrastruktur
(Eisenbahninfrastrukturbeirat)
– Drucksache 16/7478 –
f) Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/CSU
Wahl eines Mitglieds des Stiftungsrates der
„Stiftung CAESAR“ (Centre of Advanced
European Studies and Research)
– Drucksache 16/7479 –
g) Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/CSU
Wahl eines Mitglieds des Verwaltungsrates bei
der Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht
– Drucksache 16/7480 –
h) Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/CSU
Wahl einer Schriftführerin gemäß § 3 der
Geschäftsordnung
– Drucksache 16/7481 –
ZP 6 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Konsequenzen der Bundesregierung aus der
Studie über erhöhte Krebsrisiken in der
Umgebung von Atomanlagen
ZP 7 Beratung des Antrags der Abgeordneten Thilo
Hoppe, Ute Koczy, Marieluise Beck (Bremen),
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen und
Interimsabkommen zwischen EU und AKP-Staaten
entwicklungsfreundlich gestalten
– Drucksache 16/7469 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (f)
Auswärtiger Ausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union
ZP 8 Beratung der Beschlussempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Wirtschaft und
Technologie (9. Ausschuss)
Präsident Dr. Norbert Lammert– zu dem Antrag der Abgeordneten Gudrun
Kopp, Rainer Brüderle, Martin Zeil, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP
Eine Chance für den Wettbewerb – Kein
Monopolschutz für die Deutsche Post AG
– zu dem Antrag der Abgeordneten Kerstin
Andreae, Brigitte Pothmer, Christine Scheel,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Post braucht Wettbewerb – Wettbewerb
braucht faire Bedingungen
– Drucksachen 16/6432, 16/6631, 16/7510 –
Berichterstattung:
Abgeordneter Klaus Barthel
ZP 9 Erste Beratung des von den Abgeordneten Volker
Schneider (Saarbrücken), Klaus Ernst, Dr. Martina
Bunge, weiteren Abgeordneten und der Fraktion
DIE LINKE eingebrachten Entwurfs eines
Vierten Gesetzes zur Änderung des Zweiten
Buches Sozialgesetzbuch
(Rentenabschlagsverhinderungsgesetz)
– Drucksache 16/7459 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Arbeit und Soziales (f)
Innenausschuss
Rechtsausschuss
Finanzausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ausschuss für Gesundheit
Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung
Haushaltsausschuss gemäß § 96 GO
ZP 10 Beratung des Antrags der Abgeordneten
Dr. Heinrich L. Kolb, Jens Ackermann, Dr. Karl
Addicks, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der FDP
Arbeit statt Frühverrentung fördern
– Drucksache 16/7003 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Arbeit und Soziales (f)
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
ZP 11 Beratung des Antrags der Abgeordneten Heinz
Lanfermann, Daniel Bahr (Münster), Dr. Konrad
Schily, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der FDP
Für eine zukunftsfest und generationengerecht
finanzierte, die Selbstbestimmung stärkende,
transparente und unbürokratische Pflege
– Drucksache 16/7491 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Gesundheit (f)
Rechtsausschuss
Ausschuss für Arbeit und Soziales
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Haushaltsausschuss ZP 12 Beratung des Antrags der Abgeordneten
Dr. Martina Bunge, Klaus Ernst, Diana Golze,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE
LINKE
Gesundheitsförderung und Prävention als
gesamtgesellschaftliche Aufgaben stärken –
Gesellschaftliche Teilhabe für alle ermöglichen
– Drucksache 16/7471 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Gesundheit (f)
Sportausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Arbeit und Soziales
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung
Von der Frist für den Beginn der Beratungen soll,
soweit erforderlich, abgewichen werden.
Der Tagesordnungspunkt 11 wird abgesetzt. In der
Folge rücken die ungeraden Tagesordnungspunkte 13 bis
29 jeweils vor.
Schließlich mache ich auf zwei nachträgliche
Ausschussüberweisungen im Anhang zur Zusatzpunktliste
aufmerksam.
Der in der 126. Sitzung des Deutschen Bundestages
überwiesene nachfolgende Gesetzentwurf soll zusätzlich
dem Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
(9. Ausschuss) zur Mitberatung überwiesen werden.
Achter Gesetzentwurf der Bundesregierung
zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes
– Drucksache 16/7077 –
überwiesen:
Finanzausschuss (f)
Rechtsausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Der in der 106. Sitzung des Deutschen Bundestages
überwiesene nachfolgende Antrag soll zusätzlich dem
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (19. Ausschuss) zur Mitberatung überwiesen
werden.
Antrag der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl,
Cornelia Behm, Hans-Josef Fell, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN
Mit Bioraffinerien in Deutschland die
Biomasse effizienter nutzen und zusätzliche
Ressourcen erschließen
– Drucksache 16/5529 –
überwiesen:
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (f)
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
Präsident Dr. Norbert LammertSind Sie damit einverstanden? – Das scheint der Fall
zu sein. Dann ist das so beschlossen.
Ich rufe den Tagesordnungspunkt 3 sowie den
Zusatzpunkt 2 auf:
3 Beratung des Berichts der Enquete-Kommission
„Kultur in Deutschland“
Schlussbericht der Enquete-Kommission
„Kultur in Deutschland“
– Drucksache 16/7000 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Kultur und Medien
ZP 2 Beratung des Zwischenberichts der Enquete-
Kommission „Kultur in Deutschland“
Kultur als Staatsziel
– Drucksache 15/5560 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Kultur und Medien
Liebe Kolleginnen und Kollegen, heute steht an
prominenter Stelle im Zentrum der parlamentarischen
Beratung des Bundestages ein Thema, das es nur selten auf
diese prominenten Tagesordnungsplätze schafft, was
sicher auch damit zusammenhängt, dass die Bedeutung
dieses Themas nach wie vor in der Öffentlichkeit eher
unterschätzt wird.
(Beifall)
Tatsächlich sind für die Lebensverhältnisse einer
Gesellschaft die kulturellen Bedingungen, die in einer solchen
Gesellschaft gelten, nicht weniger wichtig als die
wirtschaftlichen und sozialen Strukturen.
(Beifall)
Dies deutlich zu machen, ist sicher eine der ganz
wesentlichen Aufgaben der Enquete-Kommission gewesen,
deren Arbeit aus der letzten und dieser Legislaturperiode
heute im Mittelpunkt unserer Beratungen steht.
Deswegen nutze ich die Gelegenheit auch gerne, neben den an
der Arbeit dieser Kommission in besonderer Weise
beteiligten Kolleginnen und Kollegen die
Sachverständigen zu begrüßen, die auf der Besuchertribüne Platz
genommen haben.
(Beifall)
Ich danke Ihnen im Namen des ganzen Hauses herzlich
für Ihre verdienstvolle Mitarbeit in dieser Kommission.
(Beifall)
Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort
zunächst der Vorsitzenden dieser Kommission, der
Kollegin Gitta Connemann.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)
Gitta Connemann (CDU/CSU):
Verehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Geschätzte Sachverständigenmitglieder! Es ist
vollbracht! Im Namen aller Mitglieder der Enquete-
Kommission „Kultur in Deutschland“ melde ich: DasWerk ist getan. Vor vier Jahren erhielten wir von Ihnen
den Auftrag, erstens die Situation von Kunst und Kultur
in Deutschland zu beschreiben und zweitens Vorschläge
für gesetzgeberisches Handeln zu unterbreiten. Dieser
Bericht ist das Ergebnis unserer Arbeit. Wir legen Ihnen
damit die wohl umfassendste Untersuchung der
Kulturlandschaft Deutschlands seit mehr als 30 Jahren vor.
Im Bericht finden sich 465 Handlungsempfehlungen
an Bund, Länder, Kommunen und andere
Kulturadressaten, von den Hochschulen bis zum Rundfunk. Sie
erhalten einen Kulturkompass, der richtungsweisend sein
kann. Er widerlegt anfängliche Zweifel; denn auch wir
fragten uns, ob es wirklich gelingen kann, die
einzigartige Kulturlandschaft in Deutschland zu beschreiben.
Unser Land bietet eine beispiellose kulturelle
Vielfalt, um die wir in der Welt beneidet werden. Die Zahlen
sprechen für sich: mehr als 150 Opernhäuser und
Theater, mehr als 6 000 Museen, unzählige Bibliotheken,
Musikschulen, ein Netz von Kunsthochschulen, viele
Millionen Bürgerinnen und Bürger, die sich in Chören,
Kulturvereinen und Musikkapellen vor Ort und in den
Ländern engagieren.
Ich sage bewusst: in den Ländern. Nicht nur deshalb
wurde mehr als einmal die kritische Frage gestellt,
warum sich eine Kommission des Deutschen Bundestages
mit diesem Thema befasst. Denn immerhin wurde im
Zuge der Föderalismusreform die ausschließliche
Zuständigkeit der Länder auf diesem Gebiet bestätigt. Wir
erkennen diese überwiegende Verantwortung für die
staatliche Kulturförderung an. Aber wir erkennen auch
eine Gesamtverantwortung. Nicht nur, weil der Bund als
Gesetzgeber für viele Rechtsgebiete zuständig ist, die
unmittelbar Kunst- und Kulturschaffende betreffen, vom
Urheberrecht über das Vereinsrecht bis zum
Sozialversicherungsrecht.
Wir, die Mitglieder der Enquete-Kommission „Kultur
in Deutschland“, skizzieren in diesem Bericht die
Grundzüge einer nationalen Kulturpolitik, im Wissen
und in der Verantwortung um die Bedeutung von Kultur
für unsere Gesellschaft; denn Kultur ist mehr als
lebenswert. Kultur gibt mehr als Identität. Kultur ist das, was
von einer Gesellschaft bleibt.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Die Steuerdebatten dieser Tage werden in 50 Jahren
vergessen sein, nicht aber die künstlerischen Leistungen
dieser Zeit. Kultur ist deshalb nicht nur Ornament,
sondern das Fundament, auf dem unsere Gesellschaft steht
und auf dem sie aufbaut.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD, der FDP und des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN)
Die Pfeiler dieses Fundaments bedürfen jedoch der
Stärkung, denn sie werden nicht nur durch kleinere
Beben erschüttert wie die regelmäßig aufflackernde
Debatte über die Erhöhung des Umsatzsteuersatzes für
Kulturgüter, die wir ablehnen. Sondern sie werden auch
durch Unterspülungen bedroht, die durch die Not der
öffentlichen Haushalte in den letzten Jahren ausgelöst wur-
Gitta Connemannden. Die Ausgaben für Kultur gingen deutlich zurück:
2001 beliefen sie sich noch auf 8,4 Milliarden Euro,
2005 nur noch auf 7,8 Milliarden Euro.
Eine Ausnahme bildet übrigens nur der Bund. Auch
dank des Einsatzes unseres Staatsministers Bernd
Neumann ist es seit 2005 gelungen, in diesem Bereich
die Haushaltsansätze zu erhöhen. Dafür gebührt ihm
Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg.
Hans-Joachim Otto [Frankfurt] [FDP])
Zwar verfügt Deutschland immer noch über eine
beispielhafte Kulturförderung – dank des Bürgers. Denn
dieser ist der größte Kulturfinanzierer in Deutschland,
zunächst als Marktteilnehmer, dann als Spender und in
dritter Linie als Steuerzahler. Diese Steuermittel fließen
zwar jetzt wieder stärker, aber in den vergangenen
Jahren sind viele Theater, Orchester, Bibliotheken und
Musikschulen den Sparzwängen geopfert worden. Wir
sagen: zu viele. Denn leider zählen die Ausgaben für
Kultur zu den sogenannten freiwilligen Leistungen. Nur
der Freistaat Sachsen bildet hier die rühmliche
Ausnahme. In allen anderen Ländern sind diese Ausgaben
auch zum Leidwesen vieler Kommunalpolitiker keine
Pflichtaufgaben. Kann eine Kommune ihren Haushalt
nicht ausgleichen, muss sie die Gemeindestraße weiter
teeren, aber die Gemeindebibliothek schließen. Das ist
aus unserer Sicht die vollkommen falsche Priorität.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
bei Abgeordneten der LINKEN)
Zu einer funktionsfähigen Infrastruktur gehören nämlich
nicht nur Verkehrswege, sondern zwingend Kultur- und
Bildungseinrichtungen. Die Ausgaben für Kultur sind
keine Subventionen, sondern Investitionen.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN
und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Erst die Investition in kulturelle Infrastruktur eröffnet
die Chance auf gleiche Teilhabe.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Es wäre allerdings ein Fehler, Kulturpolitik immer
nur auf finanzielle Aspekte zu reduzieren; denn damit
würden die Möglichkeiten verkannt, die der Gesetzgeber
zum Schutz und zur Förderung von Kunst und Kultur
hat, von der Änderung des Gemeinnützigkeitsrechts bis
zur Fortschreibung im Stiftungsrecht. Wir raten Bund
und Ländern, insoweit die Weichenstellungen auf
europäischer und internationaler Ebene nicht nur wachsam
zu beobachten, sondern auf Rechtsakte wie etwa das
GATS-Abkommen oder das europäische Vergaberecht
sehr frühzeitig Einfluss zu nehmen.
(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Genau richtig!)
Denn nur dort können und müssen Angriffe auf eine
autonome nationale Kulturpolitik abgewendet werden.
Deutschland darf sich hier nicht mit einer Zuschauerrolle
begnügen.(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Die Aufgabe der Kulturpolitik ist die Schaffung von
Rahmenbedingungen zum Schutz von Kunst und Kultur.
Ihre Aufgabe ist es nicht, selbst Kultur zu schaffen,
sondern für die erforderlichen Rahmenbedingungen zu
sorgen. Die Gestaltung von Kunst und Kultur überlässt sie
besser den Künstlern.
Unseren Handlungsempfehlungen gingen intensive
Recherchen und sorgfältige Prüfungen voraus. Von den
Kommissionsmitgliedern war ein beträchtliches
Arbeitspensum zu leisten. Pro deo, pro bono. Deshalb gilt
mein besonderer Dank den Sachverständigenmitgliedern
der Kommission. Mit ihrem Einsatz, ihrem Wissen, ihrer
praktischen Erfahrung haben sie erst deutlich gemacht,
welche Themen wir behandeln müssen. Häufig haben sie
die Themen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.
Deshalb danke ich namentlich Susanne Binas-
Preisendörfer, Helga Boldt, Gerd Harms, Dieter Kramer, Heinz-
Rudolf Kunze, Bernhard Freiherr von Loeffelholz,
Oliver Scheytt, Wolfgang Schneider, Thomas Sternberg,
Dieter Swatek, Nike Wagner, Hans Zehetmair, Olaf
Zimmermann.
(Beifall im ganzen Hause)
Meine Damen und Herren Sachverständigen, Sie
haben sich in bester Weise bürgerschaftlich für die Kultur
engagiert. Gemeinsam haben wir außerhalb der
Tagespolitik mehr als 50 Themenfelder behandelt. Es ging um
Infrastruktur, Kompetenzen, rechtliche
Rahmenbedingungen in Staat und Zivilgesellschaft, öffentliche und
private Förderung, die wirtschaftliche und soziale Lage
der Künstlerinnen und Künstler, Kulturwirtschaft, den
Kulturstandort Deutschland, kulturelle Bildung, Kultur
in der Informations- und Mediengesellschaft, Kultur in
Europa, Kultur im Kontext der Globalisierung,
Kulturstatistik in Deutschland und der Europäischen Union.
Jedes dieser Themen verdient eine öffentliche Debatte.
Mit der Empfehlung, Kultur als Staatsziel im
Grundgesetz zu verankern, erregten wir sicherlich die meiste
Aufmerksamkeit. Die Kommission ist der Ansicht, dass
es eines solchen Bekenntnisses zur Verantwortung des
Staates für Schutz und Förderung von Kunst und Kultur
in Deutschland bedarf. Dieses Staatsziel ist sozusagen
der Überbau für alle staatlichen Ebenen. Die
Verantwortung der Politik geht aber weiter. Deshalb dürfen die
anderen Handlungsempfehlungen nicht übersehen werden.
Sie betreffen die Rahmenbedingungen von Theatern,
Kulturorchestern, Opern, Museen und
Ausstellungshäusern sowie von Bibliotheken und soziokulturellen
Zentren. Es werden Vorschläge für eine Stärkung der Kultur
in ländlichen Regionen, betreffend die kulturelle
Tätigkeit der Kirchen und die Förderung des
bürgerschaftlichen Engagements in der Kultur gemacht.
Auf die wirtschaftliche und soziale Lage der
Künstlerinnen und Künstler haben wir zu Recht ein besonderes
Augenmerk gelegt; denn ohne sie gäbe es keine Kultur
in Deutschland.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg.
Jörg Tauss [SPD])
Gitta ConnemannDeshalb unterbreiten wir allein 50 Vorschläge für eine
verbesserte Aus- und Fortbildung, Änderungen im Tarif-
und Arbeitsrecht bis hin zu Fragen der Besteuerung und
der Altersvorsorge. Hinzu kommen Aussagen zur
Kreativ- und Kulturwirtschaft, ein Bereich, der sich
inzwischen von einem Aschenbrödel zu einer durchaus
ansehnlichen Braut entwickelt hat.
Angesichts des Wertes jeder Handlungsempfehlung – es
sind 465 – kann und will ich als Vorsitzende der Enquete-
Kommission keine einzelne hervorheben. Nur eine
Ausnahme gestatte ich mir. Andere Einzelbewertungen
überlasse ich in diesem Rahmen den nachfolgenden
Kommissionsmitgliedern. Ich gestatte mir das Augenmerk
auf die kulturelle Bildung zu richten; denn diese ist eine
der besten Investitionen in die Zukunft des Landes. Der
Wert der kulturellen Bildung scheint inzwischen
glücklicherweise in der Öffentlichkeit erkannt zu sein. Unser
Land darf sich nicht der Kreativität als unseres einzigen
Rohstoffs für die Zukunftsfähigkeit begeben. Bildung
darf nicht auf ein trostloses Lernen reduziert werden.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Bei der kulturellen Bildung geht es um den ganzen
Menschen, um die Bildung seiner Persönlichkeit, um
Emotionen und Kreativität. Ohne kulturelle Bildung – das ist
meine feste Überzeugung – fehlt ein Schlüssel zu wahrer
Teilhabe. Deshalb ist auf keinem Feld die Verantwortung
des Staates auf all seinen Ebenen größer als in diesem
Bereich. Dies hat auch etwas mit Teilhabe zu tun; denn
Kunst und Kultur dürfen kein Luxusgut einiger weniger
Privilegierter sein. Die Teilhabe aller an Kultur muss
gewährleistet sein; denn sie bedeutet auch Teilhabe an
unserer Gesellschaft.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Diese Teilhabe wird von einer Vielfalt von Trägern
gewährleistet. Kulturpolitik und öffentliche
Kulturförderung finden in Deutschland im Wechselspiel von Staat,
Wirtschaft und Zivilgesellschaft statt. Sie gemeinsam
stellen die kulturelle Infrastruktur zur Verfügung, von
Vereinen über Kulturunternehmen, Kirchen,
Glaubensgemeinschaften bis hin zu Rundfunkanstalten, Stiftungen,
Sponsoren und den Künstlern selbst. Dieser Dreiklang
aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ermöglicht
ein kulturelles Leben, das keiner allein gewährleisten
könnte, zuletzt der Staat. Es darf deshalb kein
Unterschied zwischen staatlich geförderter, guter Kultur auf
der einen Seite und der Kultur, die auf bürgerschaftliches
Engagement gegründet wird, sowie privat veranstalteter
Kultur auf der anderen Seite gemacht werden.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)
Eine solche Trennung sollte nach unserem Bericht der
Vergangenheit angehören.
Was bleibt? Es bleibt unser Bericht, ein
leidenschaftliches Plädoyer für die Förderung von Kunst und Kultur
in Deutschland als eine ebenso notwendige wie
lohnenswerte Investition in die Zukunft. Die zurückliegende
Arbeit war von einem Miteinander aller Beteiligten geprägt,und zwar immer über Partei- und Fraktionsgrenzen
hinweg. Das ist die Stärke der Kultur.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Es einte uns das Ziel, die einzigartige Kulturlandschaft
und eine beispiellose kulturelle Vielfalt zu schützen und
zu fördern, und das mit großem Gewinn für die Sache.
Als Vorsitzende der Enquete-Kommission „Kultur in
Deutschland“ danke ich deshalb allen Mitgliedern dieser
Kommission für ihre Kompetenz, für ihren
Arbeitswillen, für ihre Begeisterungsfähigkeit und für ihre
Kreativität. Insbesondere danke ich den Kolleginnen und
Kollegen aus allen Fraktionen, die neben ihrem normalen
Abgeordnetenpensum die Kärrnerarbeit einer Enquete-
Kommission auf sich genommen haben. Stellvertretend
möchte ich diesen Dank an die Obleute der Fraktionen
richten: an Wolfgang Börnsen, an Siegmund Ehrmann,
der gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender dieser
Kommission war, an Hans-Joachim Otto, an Undine
Kurth und an Lukrezia Jochimsen. Vielen Dank!
(Beifall im ganzen Hause)
Nicht zuletzt gilt mein Dank den Mitstreitern und
Mitstreiterinnen des Sekretariats, den
Fraktionsreferenten, den Mitarbeitern der Kommissionsmitglieder. Ohne
ihr Engagement hätte die Kommission ihr
Arbeitspensum nicht leisten können. Die Bestandsaufnahme ist
erfolgt. Die Handlungsempfehlungen liegen vor.
Und nun? Jedem Ende wohnt auch ein Anfang inne.
Mit der Vorlage unseres Berichtes beginnt eine neue
Etappe. Dieser Bericht kann ein Kulturkompass sein, der
richtungsweisend ist – wenn denn die Empfehlungen
auch umgesetzt werden. Jetzt sind die Kulturpolitiker in
allen Fraktionen, die Kulturschaffenden auf allen
Ebenen gefragt, unsere Vorlage zum Wohle der Kultur zu
nutzen. Ich sage noch einmal: Es ist vollbracht, das Werk
ist getan, und nun beginnt die Arbeit.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN
und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Liebe Frau Connemann, ich will Ihnen noch einmal in
aller Form ganz herzlich für Ihre Arbeit als Vorsitzende
der Kommission danken. Dies war sicher nicht immer
eine nur einfache Aufgabe; aber es war, denke ich, eine
gleichzeitig nicht nur besonders wichtige, sondern auch
durchaus dankbare Aufgabe. Jedenfalls schlägt sich das
Ergebnis dieser Arbeit in einer auffälligeren Weise
nieder, als das für manch andere Aktivitäten im Deutschen
Bundestag gelegentlich zu beobachten ist.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Ich habe vorhin in der friedlichen, adventlichen
Stimmung zu Beginn der Sitzung darauf verzichtet, Ihr
förmliches Einvernehmen darüber herbeizuführen, dass diese
Debatte insgesamt zwei Stunden dauern soll. Das
möchte ich gerne nachholen. –
(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Och nein! Jetzt
nicht mehr! – Heiterkeit)
Präsident Dr. Norbert LammertIch stelle hiermit fest, dass außer einem – nicht weiter
konkretisierten – Zögern beim Vorsitzenden der FDP-
Fraktion auch zu diesem Verfahrensvorschlag
Einvernehmen besteht.
Ich mache der guten Ordnung halber darauf
aufmerksam, dass die gerade gehaltene Rede selbstverständlich
in die Berechnung der Gesamtredezeit einzubeziehen ist.
Ich sage das, um voreilige Spekulationen einzudämmen.
Ich erteile nun das Wort dem Kollegen Hans-Joachim
Otto für die FDP-Fraktion.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der SPD)
Hans-Joachim Otto (Frankfurt) (FDP):
Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Insbesondere heute: Liebe Gäste auf der Tribüne! Nach vier
Jahren Arbeit sehe ich mich in der Lage, es zu beurteilen:
Das Amt der Vorsitzenden einer Enquete-Kommission
ist wohl eines der komplexesten und der anstrengendsten
Ämter, die ein Bundestag überhaupt vergeben kann.
Deswegen liegt mir sehr daran – ich spreche sicherlich
im Namen aller Kolleginnen und Kollegen –, dir, Gitta
Connemann, für diese Arbeit ausdrücklich allerhöchsten
Respekt und Dank auszusprechen.
(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU und der
SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN und der LINKEN)
Deine Konsequenz, gelegentlich deine Härte, deine
bösen Blicke, die sind schon sprichwörtlich. Auch dein
Charme und deine Zielstrebigkeit waren notwendig, um
innerhalb der gesetzten Zeit dieses Werk vorzulegen. Du
hast dir wirklich ganz hervorragende Verdienste darum
erworben. Das soll auch an dieser Stelle gleich eingangs
gesagt sein.
Nach vier Jahren Arbeit ist dieser Tag ein Tag des
Dankes. Ich möchte allen Kolleginnen und Kollegen
und vor allen Dingen den Sachverständigen meinen
Dank, meinen Respekt, meine Hochachtung für dieses
gemeinschaftliche Werk aussprechen.
Sie nehmen es mir sicherlich nicht übel, wenn ich
jemanden besonders hervorhebe, mit dem ich vier Jahre
lang jeden Sitzungstag der Enquete-Kommission – ich
hätte fast gesagt: mich herumgeschlagen habe; aber das
ist nicht das richtige Wort – hart zusammengearbeitet
habe. Olaf Zimmermann, dem Geschäftsführer des
Deutschen Kulturrats, möchte ich ganz herzlich Dank sagen,
auch für die Zuarbeit, die wir vom Deutschen Kulturrat
bekommen haben. Das war wirklich eine sehr große
Hilfe.
(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU, der SPD
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ein solches Werk ist schön, ein solches Werk macht
stolz, aber jetzt geht es weiter. Von der Enquete-
Kommission wird sozusagen das Staffelholz zur weiteren
federführenden Behandlung an den Ausschuss für Kultur
und Medien übergeben. Wir im Kulturausschuss
wissen, welche Verantwortung wir haben. Wir wissen, dasses jetzt um die Umsetzung geht; sie muss noch in dieser
Legislaturperiode in entscheidenden Teilen
vorangebracht werden. Genau das ist für uns der Schwerpunkt
der Arbeit in dieser Legislaturperiode. Wir müssen so
viel wie möglich von den sinnvollen Forderungen und
Handlungsempfehlungen der Enquete-Kommission durch
Gesetzentwürfe in das parlamentarische Leben und in die
politische Praxis umsetzen.
Es sind aber nicht nur die Handlungsempfehlungen zu
nennen, die sich im Übrigen nicht nur an den Bundestag,
sondern in sehr großer Zahl auch an die Länder und die
Kommunen richten; allein die Tatsache, dass der
Bundestag zweimal, in der vergangenen Legislaturperiode
und in dieser Legislaturperiode, eine solche Enquete-
Kommission eingesetzt hat, ist ein nicht zu
unterschätzendes, ein wichtiges Signal des deutschen Parlaments
zugunsten von Kultur, zugunsten von Künsten.
(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der CDU/
CSU und der SPD)
Die Notwendigkeit ist wirklich gegeben. Wir müssen
in aller Deutlichkeit sagen: So löblich es ist, dass die
Bundesregierung, namentlich der Staatsminister, bei den
Haushaltsberatungen auf der Bundesebene einen großen
Schritt nach vorn hat machen können, so klar müssen
wir sehen, dass auf der kommunalen Ebene und auf der
Länderebene noch einiges zu tun ist. Dort gibt es seit
Jahren finanzielle Kürzungen, zum Teil sogar wirklich
schmerzliche Verluste; Institutionen können nicht mehr
fortbestehen usw.
Meine Damen und Herren, insbesondere vor diesem
Hintergrund auf der Landes- und auf der kommunalen
Ebene brauchen wir in der Tat ein Staatsziel Kultur.
(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Das Staatsziel Kultur ist nicht alles – wir haben 460
Forderungen formuliert –, aber ohne ein Staatsziel Kultur ist
alles entschieden schwieriger.
Warum brauchen wir dieses Staatsziel? Wir brauchen
ein verfassungsrechtlich eindeutiges Signal, das sagt,
dass nicht nur, wie bisher, die natürlichen
Lebensgrundlagen als Staatsziel geschützt sind, sondern auch die
andere Seite der Medaille, die geistigen Lebensgrundlagen.
Wenn wir sie nicht gleichermaßen schützen, dann gibt es
eine Unwucht, und diese Unwucht wirkt sich in
konkreten Entscheidungen aus: in Gerichtsentscheidungen,
aber natürlich auch in vielen Haushaltsentscheidungen.
Kultur ist eine freiwillige Aufgabe. Wenn wir diese
freiwillige Aufgabe, die so wichtig ist, nicht im
Grundgesetz verankern, dann gibt es ständig Entscheidungen
gegen die Kultur, und das müssen wir verhindern.
(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Deswegen müssen wir die Entscheidung über das Signal
eines Staatsziels Kultur noch in dieser Legislaturperiode
treffen.
(Beifall des Abg. Steffen Reiche [Cottbus]
[SPD])
Hans-Joachim Otto (Frankfurt)Ich appelliere an alle Kolleginnen und Kollegen, hier
mitzuwirken.
Ich muss allerdings auch ein kritisches Wort sagen.
Die Tatsache, dass jetzt nicht nur das Staatsziel Kultur in
der Diskussion ist, auf das wir uns seit Jahren vorbereitet
haben – wir haben dazu Anhörungen durchgeführt; wir
haben dazu Verfassungsexperten gehört –, sondern dass
es eine Vielzahl weiterer Wünsche für Staatsziele gibt,
ist nicht gerade hilfreich, wenn es darum geht, das
Staatsziel Kultur durchzusetzen.
(Beifall der Abg. Gitta Connemann [CDU/
CSU])
Mit Blick auch auf die Kollegen von der
sozialdemokratischen Fraktion sage ich: Sicherlich, wir alle wollen
Kinder schützen; aber ob wir Kinder dadurch schützen
können, dass wir höchst wohlfeile Erklärungen ins
Grundgesetz hineinschreiben,
(Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: Das
Gleiche gilt für die Kultur!)
werden wir noch an anderer Stelle klären müssen. Wir
Kulturpolitiker jedenfalls sagen: Im Hinblick auf den
Ausgleich „natürliche Lebensgrundlagen – geistige
Lebensgrundlagen“ muss zuerst das Staatsziel Kultur
verankert werden; dann reden wir über alle weiteren
Staatsziele. Es darf da keine Inflation geben; da bin ich mir mit
allen anderen einig.
(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der
CDU/CSU – Widerspruch bei Abgeordneten
der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)
Lassen Sie mich in der Kürze der Zeit noch ein
Thema aufgreifen, das uns sehr wichtig ist: die Rolle der
Zivilgesellschaft. Manche haben mich gefragt, warum
ausgerechnet die Liberalen vorne sind, wenn es darum
geht, das Staatsziel Kultur voranzubringen. Die Antwort
ist einfach: Wir können die Zivilgesellschaft – Mäzene
und Spender – nur dann aktivieren, wenn sich der Staat
nicht gleichzeitig zurückzieht. Es kann nicht angehen,
dass beispielsweise beim Deutschen Historischen
Museum, aber auch bei vielen anderen Institutionen, jede
Spende, die eingeworben wird, gleich vom Haushalt
abgezogen wird und sozusagen zu einer Kürzung führt.
Menschen, die sich für Kultur engagieren, die Geld und
Zeit in Kultur investieren, möchten das Geld nicht bei
Herrn Steinbrück abgeben; sie möchten, dass das Geld
ungeschmälert der Kultur zugutekommt.
(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Markus
Meckel [SPD])
Deswegen müssen wir das Verhältnis von Staat,
Zivilgesellschaft und Wirtschaft stabilisieren. Dafür ist es
notwendig, von staatlicher Seite durch ein Staatsziel
Kultur, aber auch durch eine solide Grundfinanzierung
ein Signal an die Zivilgesellschaft auszusenden, welches
sie ermutigt, sich hier zu engagieren. Sie tut schon jetzt
sehr viel; aber wir müssen das verstetigen und dafür
sorgen, dass sich dort auch in Zukunft Menschen
verantwortlich fühlen. Frau Connemann hat es schon gesagt: Der größte
Kulturfinanzierer in Deutschland ist immer noch der
Bürger. Er tut das meiste, als Marktteilnehmer, als
Besucher von Kulturinstitutionen, als Spender nicht nur von
Geld, sondern auch von Zeit, und – in dritter Linie – als
Steuerzahler. Deswegen ist es so wichtig, dass wir hier
ein solides Fundament schaffen.
Ich möchte einen wichtigen Punkt hervorheben, bei
dem wir uns ein bisschen von den anderen Fraktionen
unterscheiden: Unser Verständnis von Kulturförderung
entspricht nicht dem Leitbild eines – so heißt es im
Schlussbericht –„aktivierenden Kulturstaates“. Vielmehr
treten wir für einen ermöglichenden Staat ein. Plakativ
ausgedrückt: Wir stehen nicht so sehr für den Slogan
„Kultur für alle“, sondern wir wollen „Kultur von allen“.
Wir wollen Menschen ermutigen, also
Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sich mehr Menschen aktiv
beteiligen und aktiv kulturell betätigen. Wir wollen – es
ist angesprochen worden – mehr kulturelle Bildung in
den Schulen. Es ist sehr wichtig, dass sich hier
Entscheidendes tut. Deswegen treten wir für den
ermöglichenden Kulturstaat ein; der Begriff des aktivierenden
Kulturstaates könnte eine Schlagseite haben und
suggerieren, es gehe um passives Aufnehmen von Kultur,
nicht um aktives Handeln.
Es ist schwierig, vier Jahre Arbeit in zehn Minuten
darzustellen. Deswegen möchte ich an dieser Stelle nur
noch eines hervorheben: Wir haben – ich schaue jetzt
wirklich das gesamte Spektrum dieses Parlaments an –
460 Handlungsempfehlungen verabschiedet. Weit über
95 Prozent aller Handlungsempfehlungen – ich habe es
nicht ausgerechnet; vielleicht waren es 99 Prozent – sind
im Einvernehmen aller Fraktionen dieses Hauses
beschlossen worden. Davon geht ein ermutigendes Signal
für die Kultur in Deutschland aus. Wenn dieses Haus es
schafft, dass alle Fraktionen – von der Linksfraktion bis
zur CDU/CSU, von der FDP bis zur SPD – hinter den
Forderungen stehen – hinter zirka 99 Prozent von
460 Forderungen –, dann geht davon ein Signal aus, das
überhaupt nicht unterschätzt werden kann. Dieses klare
Signal des Deutschen Bundestages, das von der Arbeit
der Enquete-Kommission ausgeht und zum Ausdruck
bringt, dass wir Anwälte für Kunst und Kultur sind, dass
wir uns für einen höheren Stellenwert von Kunst und
Kultur in der Gesellschaft und im Staat einsetzen, gilt es
jetzt in aller Konsequenz nach außen zu tragen. Wir
müssen so allen Kulturschaffenden in Deutschland, allen
Kulturinstitutionen und Kulturorganisierenden,
klarmachen: Der Deutsche Bundestag ist ein Parlament, das
sich für Kunst und Kultur ausspricht, heute und in
Zukunft.
Herzlichen Dank.
(Beifall im ganzen Hause)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Der Kollege Siegmund Ehrmann ist der nächste
Redner für die SPD-Fraktion.
(Beifall bei der SPD)
Siegmund Ehrmann (SPD):
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste!
Mit dem heute vorgestellten Bericht der Enquete-
Kommission legen wir das Ergebnis einer vierjährigen
intensiven Arbeit – das wurde ja hier schon mehrfach
angesprochen – vor.
Was war der Hintergrund des Auftrages dieser
Enquete-Kommission? Ich erlaube mir, in Erinnerung zu
rufen, dass die Bundeskulturpolitik nach 1998 in der
damaligen rot-grünen Koalition besonders akzentuiert
wurde und es insbesondere dem Engagement von Antje
Vollmer und Eckhardt Barthel zu verdanken ist, dass die
Kernfragen, die uns damals bewegt haben, so zugespitzt
wurden, dass letztendlich in der Koalitionsvereinbarung
von 2002 die Verabredung getroffen wurde, diese
Enquete-Kommission einzurichten. Deshalb noch
einmal herzlichen Dank an die Kolleginnen und Kollegen,
die das seinerzeit auf den Weg gebracht haben.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
FDP)
Ich bin aber ebenso dankbar dafür, dass sich dann im
Herbst 2003 alle Fraktionen dieses Hauses dem
Einsetzungsbeschluss angeschlossen haben. Das war sicherlich
auch prägend für den Geist, in dem diese Enquete-
Kommission ihre Arbeit geleistet hat.
Welche Fragen bewegten die Kulturpolitik damals,
aber auch noch heute? Zum Beispiel die Fragen: Wie
steht es um die öffentliche und private
Kulturfinanzierung? Kann der Staat in dem Geflecht der Verantwortung
der Künstlerinnen und Künstler, der Zivilgesellschaft,
des Ehrenamtes und des Potenzials, das in den Märkten
liegt, seiner eigentlichen Verantwortung, Kultur als
öffentliches Gut zu fördern, tatsächlich gerecht werden?
Wie lassen sich die Bedingungen für das Engagement
der Zivilgesellschaft verbessern? Sind die rechtlichen
und organisatorischen Rahmenbedingungen, in denen
die Arbeit der Kulturinstitutionen erfolgt, zeitgemäß?
Welche Wirkungen haben Impulse, die aus der
internationalen Politik, der GATS- oder WTO-Regime, aber
auch der Prozesse im europäischen Sektor, auf unser
Handeln einströmen? Wie – auch das ist eine wichtige
Frage – ist es um die wirtschaftliche und soziale
Situation der Künstlerinnen und Künstler bestellt, nachdem
wir – das wurde schon erwähnt – 1975 mit der Kreierung
des Künstlersozialrechtes einen wichtigen Impuls
gesetzt haben? Das geschah ja damals aufgrund einer
Analyse der wirtschaftlichen Situation der Künstlerinnen
und Künstler. Wie ist der Status 30 Jahre danach?
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Natürlich richten sich die Handlungsempfehlungen,
die wir hier erarbeiten, vorrangig an den
Bundesgesetzgeber. Ich persönlich bin allerdings sehr froh darüber,
dass wir uns in der Enquete-Kommission einig waren,
über Bande zu spielen, das heißt, Sachzusammenhänge
zu denken, alle staatlichen Handlungsebenen in unsere
Analysen einzubeziehen, aber und vor allem auch Im-pulse für die Debatte der Zivilgesellschaft zu geben.
Deshalb geht von diesem Tag ein Angebot zu einer
breiten Diskussion an alle Akteure aus, sich in der
Öffentlichkeit mit unseren Handlungsempfehlungen
auseinanderzusetzen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)
Bevor ich auf einige Details eingehe, möchte auch ich
Dank erstatten, nämlich Dank den Kolleginnen und
Kollegen, die als Abgeordnete und als Sachverständige
mitgewirkt haben, Dank allen Obleuten, aber auch Ihnen,
Frau Connemann, meinen persönlichen Dank für die
souveräne, hartnäckige und nachhaltige
Verhandlungsführung. Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der
FDP)
Ich möchte aber auch die Arbeit derjenigen würdigen,
die in der letzten Wahlperiode mitgewirkt haben und
dann, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr an
den Beratungen der Enquete-Kommission teilgenommen
haben, weil vielleicht die Weisheit der Wähler oder eine
persönliche Lebensentscheidung dazu geführt hat, dass
sie kein Mandat mehr für diese verantwortliche Aufgabe
hatten. Herzlichen Dank also auch an alle, die früher
diese Arbeit geleistet haben.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie
bei Abgeordneten der FDP und des BÜND-
NISSES 90/DIE GRÜNEN)
Lassen Sie mich jetzt auf einige Inhalte zu sprechen
kommen. Zunächst möchte ich einige grundsätzliche
Anmerkungen zu den Rahmenbedingungen der
Kulturpolitik machen. Dann möchte ich das Thema
„Rechtliche und strukturelle Rahmenbedingungen der
Kulturarbeit“ am Beispiel der öffentlichen Bibliotheken
erläutern und einen Hinweis darauf geben, welche
Weisheit in unseren Empfehlungen – da gibt es wahre Perlen –
enthalten ist. Schließlich geht es um Fragen im
Zusammenhang mit dem Urhebervertragsrecht. Auch dazu
erlaube ich mir ein paar Anmerkungen.
Zur Struktur der Kulturpolitik und zu den
Entscheidungsprozessen in der Kulturpolitik. Folgende Fragen
sind vorrangig an uns selbst gerichtet, weil dies unser
Kompetenzfeld ist: Wie soll und kann eine zeitgemäße
Kulturpolitik definiert werden? Was kann sie leisten?
Wie effektiv sind ihre Strukturen? Wie werden
kulturpolitische Ziele erarbeitet und wirksam umgesetzt? Im
weitesten Sinne geht es um das Themenfeld der
Kulturverwaltungsreform oder -modernisierung. Dazu haben
wir wichtige Hinweise auf unseren Delegationsreisen
insbesondere in die Niederlande oder nach
Großbritannien bekommen.
Auch in der Kulturpolitik, so empfehlen wir, sollten
wir uns moderneren, wirksameren
Entscheidungsprozessen zuwenden. Ich will jetzt nicht zu technisch werden,
aber wir plädieren dafür – das ist eine
Handlungsempfehlung der Enquete-Kommission –, auch in der
Kulturpolitik in gewissen Zeitabständen Schwerpunkte zu
Siegmund Ehrmannüberprüfen und gegebenenfalls neue Ziele zu
formulieren. Schließlich entwickelt sich in Kunst und Kultur
permanent Neues.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie der
Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU])
Wenn es gelänge, in eine solche konzeptionelle Arbeit
der Zielfindung einzutreten, könnten auf Basis solcher
grundlegenden Entscheidungen auch Etatisierungen über
mehrere Jahre planungsstabil gestaltet werden.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie der
Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU])
Ich möchte dies am Beispiel der Musikförderung
erläutern. Im Haushalt des BKM werden in jedem Jahr
etwa 18,9 Millionen Euro für den Bereich der
Musikförderung zur Verfügung gestellt. Die Segmente der
klassischen Musik binden etwa 15,2 Millionen Euro;
Segmente der moderneren, improvisierten und populären
Musik etwa 1,5 Millionen Euro. Das ist also deutlich
weniger als für die klassische Musik. Ich möchte das
eine nicht gegen das andere stellen. Aber manchmal
habe ich den Verdacht: einmal etatisiert, immer etatisiert.
So gewinnen wir keine Spielräume bei gegebener
Etatlage, neue Akzente zu setzen. Deshalb ist die Reflexion
über Förderentscheidungen und vor allen Dingen über
Inhalte und Wirkungen, die wir damit anstreben, sehr
wichtig. Es ist nicht nur ein technischer Begriff. Denn
darin liegt die Chance gestaltender – Herr Otto,
aktivierender – Kulturpolitik, die wir machen könnten.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
CDU/CSU – Hans-Joachim Otto [Frankfurt]
[FDP]: Danke! Sehr richtig!)
Deshalb empfehlen wir dem Deutschen Bundestag – das
ist ein Appell an uns –, dieses Vorgehen in bestimmten
Handlungsfeldern der Kulturpolitik zu praktizieren. Wir
Parlamentarier sind da vorrangig gefordert. Ich bin
überzeugt, dass noch eine Menge Diskussionsstoff vor uns
liegt. Aber wir müssen diesen Weg gehen.
Lassen Sie mich noch ein weiteres Beispiel skizzieren.
Da sehe ich die Handlungsfähigkeit des kooperativen
Föderalismus gefordert. Die öffentlichen Bibliotheken sind
eine ganz wichtige Institution an der Schnittstelle von
Kultur- und Bildungsarbeit.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und des Abg. Hans-Joachim
Otto [Frankfurt] [FDP])
Gleichwohl ist ihre Etatsituation sehr fragil. Der
Rechtscharakter dieser Institutionen und die Verpflichtung des
Staates gegenüber ihnen sind schon angesprochen
worden. Es sind freiwillige Aufgaben; deshalb ist die Lage
sehr schwierig. Deshalb fallen gerade Bibliotheken in
Finanzkrisen häufig dem Rotstift zum Opfer.
Institutionen werden geschlossen, oder Etats für eine zeitgemäße
Ausstattung mit Medien werden nicht entsprechend
aufgestellt. Auch da empfehlen wir den Ländern,
Bibliotheksgesetze zu erlassen, Standards zu definieren und
über eine etwas staatsfernere
Bibliotheksentwicklungsagentur Prozesse zu moderieren. Hier sollte man nicht
nur auf andere zeigen. Denn wir selbst sind gefordert,gemeinsam mit den Ländern Diskussionsprozesse in
Gang zu setzen und hoffentlich zu Ergebnissen zu
kommen, damit wir in der Fläche besser werden. Andere
Länder zeigen uns, was wir mithilfe aktiver
Bibliotheksarbeit gestalten können.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie
bei Abgeordneten der FDP und des BÜND-
NISSES 90/DIE GRÜNEN)
Ein drittes Beispiel betrifft den Komplex der
wirtschaftlichen und sozialen Situation der Künstlerinnen
und Künstler. Wir haben uns mit der Novelle zum
Urheberrechtsgesetz 2002 auseinandergesetzt und mussten
feststellen, dass unser Anspruch, den Urhebern eine
angemessene Vergütung zukommen zu lassen, in weiten
Feldern nicht Wirklichkeit ist. Das anzugehen,
empfehlen wir dringend. Wir haben an die Bundesregierung,
aber auch an uns die Forderung gerichtet, diese Situation
noch einmal sorgfältig zu analysieren und Abhilfe zu
schaffen. Wenn fünf Jahre nach Inkraftsetzen einer
Rechtsnovelle keine Wirkungen in der Fläche zu
erzielen sind, ist das kein gutes Zeichen. Dort sind wir
gefordert.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
CDU/CSU)
Abschließend noch eine Bemerkung zum Thema
Staatsziel Kultur. In der Enquete-Kommission haben
wir eine sehr wichtige, grundlegende Analyse
vorgenommen; die diesbezüglich einstimmig verabschiedete
Empfehlung ist angesprochen worden. Wir haben dazu
bereits im Rahmen der Vorlage des Zwischenberichtes
eine intensive Plenardebatte geführt. Jetzt ist der
Zeitpunkt gekommen, nicht nur die Lippen zu spitzen,
sondern auch zu pfeifen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU, der FDP und der LINKEN)
Wir, die SPD-Fraktion, haben dazu einen
Entscheidungsprozess hinter uns gebracht. Ich möchte jetzt nicht
in die Debatte der Staatszielhierarchien einsteigen.
(Beifall bei der SPD)
Unsere Entscheidung ist aber eindeutig: Wir fordern die
Fixierung eines Staatsziels Kultur aus vielerlei Gründen;
sie wurden hier schon genannt. Ich vermute, dass es
nicht hilfreich ist, die Diskussion zuzuspitzen. Ich
glaube, dass es jetzt wichtig ist, sich in dem Geist, in
dem die Arbeit der Enquete-Kommission geleistet
wurde, aufeinander zuzubewegen und zu sehen, was
tatsächlich umsetzbar ist. Ich vermute, dass es Chancen
gibt. An uns selbst, aber auch an den Koalitionspartner
richte ich den Appell, gemeinsam zu Ergebnissen zu
kommen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und des Abg. Hans-Joachim
Otto [Frankfurt] [FDP])
Mit diesem Thema will ich die anderen Aspekte nicht
relativieren; sie sind ungeheuer wichtig. Andere
Kolleginnen und Kollegen werden gleich weitere
Inhaltsschwerpunkte darstellen.
Siegmund EhrmannLassen Sie mich zum Schluss einen ganz besonderen
Dank aussprechen. Er mag etwas ungewöhnlich
erscheinen; aber dies ist mir ein großes Bedürfnis. Ich möchte
mich neben dem Sekretariat der Enquete-Kommission
bei allen Fraktionsreferentinnen und Fraktionsreferenten
bedanken,
(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Sehr gut!)
insbesondere bei Dr. Ingrun Drechsler und Astrid
Boewen-Nitz.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU, der FDP und des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN)
Dies tue ich an dieser Stelle auch deshalb, weil ich mir
persönlich ernsthaft gar nicht vorstellen kann, dass
Ingrun Drechsler Ende Januar in den wohlverdienten
Ruhestand geht.
(Jörg Tauss [SPD]: Sie ist 67!)
Bei dem Elan, den sie hier an den Tag gelegt hat, und
dem großen vermittelnden Geschick kann ich nur sagen:
Chapeau! Jetzt liegt der Ball in unserem Spielfeld. Wir
sind in den Ausschüssen gefordert, uns mit den
Handlungsempfehlungen auseinanderzusetzen.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie
bei Abgeordneten der FDP und des BÜND-
NISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Was das Ausscheiden von Frau Drechsler betrifft,
schließt sich der Präsident Ihrem begrenzten
Vorstellungsvermögen ausdrücklich an.
(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der
SPD)
Nun hat das Wort Frau Dr. Jochimsen für die Fraktion
Die Linke.
(Beifall bei der LINKEN)
Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE):
Herr Präsident! Liebe Gäste! Liebe Kollegen
Sachverständige!
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Liebe
Fernsehzuschauer!)
Insbesondere lieber Professor Kramer als Mitstreiter! Ich
kann mich dem Dank, den Herr Ehrmann gerade allen an
der Arbeit der Enquete-Kommission beteiligten
Bereichen ausgesprochen hat, nur anschließen, und möchte
ihn auf unsere Fraktionsreferentin Frau Dr. Annette
Mühlberg ausdehnen. Auch ich hätte nicht gewusst, wie
ich als Späteinsteiger in diese Kommission die Arbeit
überhaupt hätte bewältigen können, wenn es nicht die
Möglichkeit eines fundierten Wissens und einer Zuarbeit
gegeben hätte.
(Beifall bei der LINKEN)Liebe Kolleginnen und Kollegen, was wir Ihnen heute
vorlegen, sind keine Botschaften aus dem
Elfenbeinturm, sondern ist die Zustandsbeschreibung unseres
reichen und vielfältigen Fundamentes Kultur, auf dem
unsere Gesellschaft und gerade auch die Qualität unserer
Demokratie beruhen. Ich finde, das dürfen wir nie aus
den Augen verlieren. Diese Zustandsbeschreibung
handelt von Glanz, aber gleichermaßen auch von Elend.
Glanzvoll ist die Liste der Theater, Denkmäler,
Bibliotheken, Museen, Orchester, Chöre, Tanzgruppen und der
Tausenden Einrichtungen und Gruppierungen freien
bürgerlichen Engagements in Sachen Kultur. Glanzvoll ist
auch das Aufkommen des Wirtschaftszweiges Kultur,
eines Beschäftigungssektors mit hohen Wachstumsraten
und großer Zukunft. Lieber Herr Kollege Ehrmann, dass
wir hier in Zukunft genauer hinschauen müssen, ist
unbestritten.
Elend sind hingegen die Einkommen der meisten
Künstler und Kulturschaffenden in Deutschland. Im
Durchschnitt verdienen sie gerade einmal 11 000 Euro
pro Jahr, die Mehrheit verfügt über kein regelmäßiges
Einkommen, und es ist ihnen kaum möglich, eine
Alterssicherung aus ihren Einnahmen zu finanzieren. Das gilt
nach wie vor, obwohl die Umsätze und Gewinne der
Branche gestiegen sind und weiter steigen. Die
Kreativen haben aber keinen Anteil daran. Von
Leistungsgerechtigkeit keine Spur!
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Wolfgang
Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU])
Aus unserer Sicht muss der Staat an dieser Stelle
gegensteuern, und zwar mit einer Stärkung des
Urheberrechts – das wurde bereits angesprochen –, damit die
Einnahmen tatsächlich den Urhebern zugute kommen
und die Zeit für künstlerische Arbeit in der
Rentenversicherung flexibel angerechnet werden kann.
(Jörg Tauss [SPD]: Urhebervertragsrecht!)
Zur elenden, ja jämmerlichen Seite der
Zustandsbeschreibung der Kultur in Deutschland gehört zweitens,
dass ihr Reichtum und ihre Vielfalt an etlichen Stellen
bereits Spuren von Abbau und Rückbau aufzeigen. Ein
trauriges Beispiel dafür sind die Theater in Thüringen.
Das gilt aber nicht nur für sie. Deshalb ist es wichtig,
dass die Förderung von Kunst und Kultur im Bericht als
Pflichtaufgabe des Staates herausgestellt wird. Kultur
muss als Staatsziel im Grundgesetz verankert werden.
(Beifall bei der LINKEN und dem BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Ich stehe auf der Seite all derer, die gesagt haben, dass es
Zeit ist, nicht länger nur die Lippen zu spitzen, sondern
auch zu pfeifen. Das rot-rote Berlin und das vormals
rotrote Mecklenburg-Vorpommern sind übrigens die
einzigen Bundesländer, die das bereits beschlossen haben.
(Volker Kauder [CDU/CSU]: Was daraus
geworden ist, sieht man an Berlin!)
Aus unserer Sicht muss die Kompetenz des Bundes
für die Kultur weiter gestärkt werden, zum Beispiel um
Dr. Lukrezia Jochimsenunsere Bibliotheken zu retten. Der Kollege Ehrmann hat
das gerade vorgetragen. Der Bundespräsident hat dieses
Elend in einer bewegenden Rede zur Wiedereröffnung
der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar genau benannt:
Noch kann man sagen: Bibliotheken bilden in
Deutschland ein flächendeckendes Netz.
Er sagte aber auch:
Auf dem Land ist das Netz öffentlicher
Bibliotheken zum Teil ziemlich dünn – und in manchen
Gegenden kann man von einem regelrechten
Bibliothekssterben sprechen. Nur etwa 15 Prozent der
Schulen
– ich bitte Sie: 15 Prozent der Schulen in Deutschland –
verfügen über eine eigene Bibliothek …
Sein Fazit lautet: In Deutschland fehlt „– im
Gegensatz zu den erfolgreichen PISA-Ländern – die
strategische Verankerung der Bibliotheken als Teil unserer
Bildungsinfrastruktur.“ Er sagt, dass diese „heute weder auf
Länderebene noch in der Politik des Bundes in
ausreichendem Maße anzutreffen“ sind. „Bibliotheken
gehören deshalb in Deutschland auf die politische
Tagesordnung.“
(Beifall bei der LINKEN und dem BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Gitta
Connemann [CDU/CSU])
Die Enquete-Kommission sieht das genauso.
Allerdings unternimmt sie nicht den aus unserer Sicht
entscheidenden Schritt. Sie fordert kein
Bundesbibliotheksgesetz, um den Bestand unserer Bibliotheken, die es
noch gibt, zu retten. Zu einer Reform der
Kompetenzverteilung gehört nach unserer Vorstellung auch – es wird
Sie vielleicht wundern, dass die Linke das fordert – die
Ernennung eines Bundeskulturministers mit
eigenständigem Ministerium, damit Kultur im Kabinett und auf
europäischer Ebene gleichberechtigt vertreten ist.
(Beifall bei der LINKEN)
Die Kommission hat umfangreich, ausführlich,
präzise und konkret gearbeitet und sich dabei auf vielerlei
Sachverstand gestützt. Mir erscheint es aber als ein
Elend, dass die Kommission nicht bereit war, sich
angemessen mit den kulturellen Folgen der deutschen
Teilung zu befassen. Die Auseinandersetzung mit der
Tatsache, dass Kultur in Deutschland 40 Jahre lang in zwei
Gesellschaften geschaffen, gefördert, gefeiert, kritisiert,
ja, auch unterdrückt wurde, dass es zwei Kulturen gab,
und zwar nicht parallel nebeneinander, sondern ganz
bewusst gegeneinander positioniert, und diese Tatsache
Folgen hat, bis auf den heutigen Tag, und zwar ebenso
im Bewusstsein der Menschen wie für unsere kulturelle
Infrastruktur, wäre des Schweißes der Edlen wirklich
wert gewesen.
(Beifall bei der LINKEN)
Wir meinen, dass die bis heute festzustellenden
mentalen Unterschiede zwischen Ost und West eine
Herausforderung für die Kulturpolitik sind. Dabei geht es nichtdarum, sie zu überwinden, sondern darum, sie als
Chance zu nutzen.
(Beifall bei der LINKEN)
Die Chance, die beiden Schulsysteme von DDR und
Bundesrepublik in ihrer Unterschiedlichkeit zu nutzen,
haben wir sträflich versäumt. Mit dem Erbe der beiden
Kulturen sollten wir anders umgehen, auch und gerade
nach der Veröffentlichung dieses Berichts.
Insgesamt halten wir den Bericht für eine notwendige
Grundlage unserer weiteren Arbeit für die Kultur. Er
entstand nicht im Elfenbeinturm, und er handelt nicht von
Luxus, Dekoration oder Überfluss, sondern von den
Überlebensnotwendigkeiten unserer Gesellschaft.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg.
Steffen Reiche [Cottbus] [SPD])
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Das Wort erhält nun die Kollegin Undine Kurth,
Bündnis 90/Die Grünen.
Undine Kurth (Quedlinburg) (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Liebe, verehrte Gäste! Es ist schon eine Weile
her, da haben die Grünen die Schaffung eines
Kultusministeriums gefordert; dass daraus nichts geworden
ist, wissen wir alle. Dann haben wir die Einsetzung einer
Enquete-Kommission gefordert, die sich mit der
Situation bzw. dem Zustand der Kultur in Deutschland
befassen sollte; dass das erfolgreich vonstatten gegangen ist,
sehen wir heute. Bei dieser Einsetzung herrschte in
diesem Haus große Übereinstimmung, und sie wurde von
allen Fraktionen getragen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die Einsetzung
der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ ein
echter Glücksfall für Kunst und Kultur in unserem Land
war,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Hans-Joachim Otto [Frankfurt] [FDP]: Ja! Nur
für uns nicht!)
auch deshalb, weil sie von dem gemeinsamen Willen
getragen war, zu Ergebnissen zu kommen und Ressort- und
Fraktionsgrenzen zu überwinden. Diese ernsthafte und
sehr engagierte Arbeit hat letztendlich dazu geführt, dass
uns eine beeindruckende Bestandsaufnahme und eine
ebenso beeindruckende Zahl von
Handlungsempfehlungen vorliegen; davon ist hier schon mehrfach
gesprochen worden.
Deshalb glaube ich, dass dies die richtige Gelegenheit
ist, all denen zu danken, die so engagiert an der
Erstellung des Berichts der Enquete-Kommission mitgewirkt
haben. Ich möchte für meine Fraktion vor allem
diejenigen nennen, die in der letzten Legislaturperiode daran
mitgearbeitet haben: Ursula Sowa und Antje Vollmer.
Ihnen gilt unser herzlicher Dank. Denn ohne ihre
Vorarbeit hätten wir nicht so gut weiterarbeiten können.
Undine Kurth (Quedlinburg)(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie des Abg. Hans-Joachim Otto [Frankfurt]
[FDP])
An vielen Stellen dieses Berichts wird immer wieder
übereinstimmend betont – diese Übereinstimmung ist
übrigens nicht das Ergebnis nichtkontroverser Debatten,
sondern eher das Ergebnis einer sehr gründlichen
Auseinandersetzung –, dass Kultur einen hohen Eigenwert
hat, dass sie Orientierung gibt, dass sie identitätsbildend
ist und dass sie das System von Werten und Normen, das
unsere Gesellschaft trägt, bestimmt. Kultur lebt davon,
dass sie von Generation zu Generation in
Ausdrucksformen weitergegeben, aber auch immer wieder infrage
gestellt und neu definiert wird. Kultur vermittelt Heimat,
Identität und vor allem Respekt vor der eigenen
kulturellen Leistung und damit die Souveränität, mit anderen
Kulturen umgehen zu können.
Es wird immer wieder betont und übereinstimmend
festgestellt: Ohne Kultur ist unsere Gesellschaft nicht
denkbar. Ebenso klar ist aber auch, dass die Politik nicht
Kultur machen kann. Der Staat allein kann weder
kulturelle Vielfalt noch kulturelles Leben organisieren.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Gitta
Connemann [CDU/CSU])
Er kann aber Rahmenbedingungen setzen, damit
Kultur gemacht werden kann, Rahmenbedingungen, die
ermöglichen, dass es eine kulturelle Teilhabe für alle gibt.
Es ist eine Frage der Gerechtigkeit,
Rahmenbedingungen zu schaffen, die das wirtschaftliche Potenzial von
Kunst und Kultur fördern und die soziale Lage derer, die
diese Vielfalt in unserem Land erarbeiten, besser im
Auge hat.
(Beifall der Abg. Grietje Bettin [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN])
Denn wer weiß, wie viel Schauspieler, Sänger, Maler
und Grafiker verdienen, und wer bedenkt, dass die Gage
oder das Honorar der Gegenwert bzw. die Anerkennung
der Leistung ist, der muss sich schon fragen, welches
Bild vom Wert der Arbeit von Schauspielern, Sängern,
Malern und Grafikern wir in diesem Lande eigentlich
haben.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN, der CDU/CSU, der
SPD und der LINKEN)
Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit
dem Rechtsextremismus ist auch wichtig, immer wieder
daran zu erinnern, dass uns Kultur befähigt, Demokratie
zu leben,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Urteile zu fällen und abzuwägen. Deshalb sind Kultur
und kulturelle Bildung – beides gehört zusammen; wir
müssen Kultur und Bildung zusammen denken – eben
nicht Arabeske bzw. schönes, schmückendes Beiwerk
nach dem Motto: Es ist ganz nett, wenn man es hat, es ist
aber auch nicht sehr dramatisch, wenn man es nicht hat.
Kultur ist vielmehr das Trainingszentrum für unsereSozialisation. Wenn wir Trainingszentren leer stehen
lassen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn andere sie
besetzen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Deshalb glaube ich, dass wir sehr ernsthaft darangehen
müssen, die Handlungsempfehlungen, die jetzt auf
dem Tisch liegen, umzusetzen. Jede dieser
Handlungsempfehlungen hat ihre Berechtigung und ist Ergebnis
langer Debatten, fundierter Überlegungen und übrigens
auch des Streits, der der Verständigung auf einen
Kompromiss vorausgegangen ist. Es ist sicher auch richtig,
eine Priorisierung vorzunehmen und festzulegen, welche
dieser Handlungsempfehlungen wir zuerst umgesetzt
sehen wollen und welche uns die wichtigsten sind.
Ich möchte mich auf zwei konzentrieren, weil ich
glaube, dass sie schlicht die Voraussetzung sind, alle
anderen umsetzen zu können. Das ist zum einen die
Aufforderung, dass die Förderung von Kunst und Kultur
eine verpflichtende Aufgabe des Staates sein muss. Nur
so können Vielfalt und Dichte des kulturellen Angebotes
erhalten bleiben. Die zweite Aufforderung hebt darauf
ab, dass Kunst- und Kulturpolitik anderen Politikfeldern
gleichgestellt werden muss. Wir müssen anerkennen,
dass es eine einzigartige Vielfalt von kulturellen
Einrichtungen in unserem Land gibt. Die Theater, die
Bibliotheken, die Konzerthäuser, die Museen, die Sammlungen
und die soziokulturellen Zentren sind erwähnt worden.
All das trägt zum kulturellen Leben, das so wichtig für
uns ist, bei. Wie aber werden diese Einrichtungen
erhalten? Wir müssen akzeptieren, dass die Gesellschaft, dass
die Politik die verpflichtende Aufgabe hat, sich um sie
zu kümmern.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie der Abg. Gitta Connemann [CDU/
CSU])
Nur so kommen wir aus der Selbstrechtfertigung und
den Debatten darüber, ob denn Kunst und Kultur
überhaupt Geld kosten dürfen, heraus.
Deshalb glaube ich auch, dass das Staatsziel Kultur
ein so wichtiges Ziel ist. Wir wissen sehr wohl, dass das
allein das Problem nicht lösen wird; aber es wird bei der
Lösung des Problems sehr hilfreich sein. So sehr wir
darin übereinstimmen, Herr Otto, dass wir ein solches
Staatsziel brauchen, so wenig ist uns geholfen, wenn wir
Staatsziele gegeneinander ausspielen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei der SPD)
Wenn das Staatsziel den Kindern nicht nützt, dann wird
das Staatsziel auch der Kultur nicht nützen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei der SPD sowie des Abg. Wolfgang
Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU])
Deshalb, so glaube ich, sollten wir nicht sagen, dass das
eine besser als das andere ist.
Es liegen eine Menge Handlungsempfehlungen vor.
Jetzt kann wieder das Argument kommen, dass das eine
Beschreibung all der Dinge ist, die wir längst kennen.(C)
Undine Kurth (Quedlinburg)Erstens bin ich der festen Überzeugung, dass da viel
beschrieben ist, was bisher nicht bekannt war. Die
Bestandsaufnahmen haben durchaus vieles zutage
gefördert, was bisher nicht in der öffentlichen Debatte war.
Zweitens glaube ich, dass es sehr wichtig ist, darauf
hinzuweisen, dass Politik nicht automatisch immer nur dort
stattfindet, wo man Geld vergeben kann und wo man die
haushaltstechnische Zuständigkeit hat. Politik hat auch
die Aufgabe, wichtige gesellschaftliche Probleme in den
öffentlichen Diskurs zu bringen, sich mit dem Rang und
der Wertigkeit von Problemstellungen
auseinanderzusetzen. Wenn man sich dann darauf einigt, dass Kultur
existenziell für uns ist und unsere Demokratie sichert, dann
ist man sich sicher auch darüber einig, dass man dafür
ebenso wie für andere politische Bereiche Geld
ausgeben darf.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir erleben keine Debatte darüber, ob Infrastruktur
finanziert werden muss, und wir erleben keine Debatte
darüber, ob Wirtschaftsförderung wichtig ist. Warum soll
Kulturförderung nicht ebenso wichtig sein? Deshalb
glaube ich, dass es natürlich auch um das Argument
Geld geht. Hier, Herr Staatsminister, unseren Respekt
und unsere Anerkennung für die 400 Millionen Euro, die
zusätzlich in den Haushalt für Kultur gekommen sind.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD – Wolfgang Börnsen [Bönstrup]
[CDU/CSU]: Dreimal besser!)
Wir werden erst dann ganz glücklich sein, wenn wir
wissen, wofür dieses Geld ausgegeben wird. Trotz allem: Es
ist ein ausgesprochen gutes Zeichen.
(Monika Griefahn [SPD]: Das haben wir als
Parlament gemacht!)
– Mit dem Parlament zusammen, jawohl. –
(Monika Griefahn [SPD]: Nur das Parlament!)
Wenn man sich die Angaben des Statistischen
Bundesamtes genau ansieht – übrigens ist auch Rechnen eine
Kulturtechnik –, dann kann man sehen, dass in den
Ländern genau das Gegenteil passiert. Prozentual steigen
zwar die Ausgaben – zumindest in den meisten Ländern;
nur Mecklenburg-Vorpommern hat das nicht geschafft –,
aber sie bewegen sich im marginalen Bereich. Die Hürde
von 2 Prozent des Gesamtvolumens zu überschreiten,
schaffen gerade einmal vier Länder in dieser Republik.
Nominell aber sinken die Ausgaben für Kultur drastisch.
Zwischen den Jahren 2001 und 2007 sind in der
Bundesrepublik Deutschland 600 Millionen Euro weniger für
Kultur ausgegeben worden, weniger für die Vielfalt,
weniger für die Leistung von Kultur, die wir alle brauchen –
und das vor dem Hintergrund steigender Preise. Man
kann das wesentlich besser volkswirtschaftlich
ausdrücken: Im Jahr 2001 haben wir noch 0,4 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts für Kultur ausgegeben, jetzt geben wir
0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dafür aus.
Deshalb lautet meine dringende Bitte an Sie, Herr
Staatsminister: Sagen Sie Ihren Landeskollegen bei
nächster Gelegenheit bitte, dass man auch mehr Geld für
Kultur ausgeben kann! (Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie der Abg.
Dr. Lukrezia Jochimsen [DIE LINKE])
Man darf sich nicht allein dafür feiern lassen, dass man
die Etats nicht senkt. Genau das erleben wir aber gerade
in den Ländern. Dort ist man schon darüber glücklich,
dass die Etats der Theater, Orchester, Museen und
soziokulturellen Zentren auf niedrigstem Level nicht noch
weiter gekürzt werden. Eigentlich wäre das Gegenteil
notwendig. Wenn wir uns hier einig sind, dass Kultur
wichtig ist und unsere Gesellschaft trägt, dann sollten
wir auch übereinstimmend der Meinung sein, dass wir
dafür Geld in die Hand nehmen müssen. Sonst
funktioniert das nämlich nicht.
Wir sind – das ist schon mehrfach gesagt worden –
am Ende der Arbeit der Enquete angelangt. Das heißt
aber auch, dass wir am Beginn der politischen
Umsetzung stehen. Denn die beste Analyse, der beste Bericht
einer Enquete-Kommission als eine Art Politikberatung
wird in der Gesellschaft nicht viel verändern – gerade
dafür wurde die Enquete-Kommission „Kultur in
Deutschland“ aber eingesetzt –, wenn wir nicht die
richtigen Schlüsse daraus ziehen. Es sollte uns daran gelegen
sein, die Handlungsempfehlungen der Kommission in
reale politische Veränderungen umzusetzen.
Wenn wir es mit der Verantwortung von Bund,
Ländern und Gemeinden für die Kultur ernst meinen, dann
müssen wir beginnen, an all diesen Punkten
Veränderungen in Gang zu setzen. Zum einen können wir das hier
im eigenen Hause tun. Zum anderen sind aber natürlich
auch die Länder gefragt. Diesbezüglich geht mein
Appell vor allem an die Kollegen der Großen Koalition;
denn Sie haben ja im Moment noch – ich denke, das
wird sich ändern – die beste Ausgangsposition, um
politische Veränderungen in den Ländern zu erreichen.
Deshalb mein dringender Appell an Sie: Fangen Sie damit
an; unsere Unterstützung haben Sie!
Danke schön.
(Beifall im ganzen Hause)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Ich erteile das Wort der Kollegin Dorothee Bär für die
CDU/CSU-Fraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dorothee Bär (CDU/CSU):
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe
Sachverständige! Zunächst geht mein ganz herzlicher Dank
an Sie, Herr Präsident, zum einen für Ihre
Vorbemerkungen heute Morgen zu Beginn der Debatte, zum anderen
für die Ermöglichung dieser Debatte in der Kernzeit.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der
SPD, der FDP und der LINKEN)
Es ist sehr schön, eine Kulturdebatte erleben zu können,
während es draußen noch hell ist. Das würden wir uns
wesentlich öfter wünschen. Dafür noch einmal ganz
herzlichen Dank!
Dorothee BärIch möchte mich auch ganz herzlich bei allen
Sachverständigen bedanken. Sie gestehen es mir sicherlich
zu, wenn ich unserem CSU-Sachverständigen, Hans
Zehetmair, besonders herzlich danke, der sich durch
seine Kompetenz und seinen Sachverstand in den letzten
vier Jahren über alle Fraktionsgrenzen hinweg in unser
aller Herzen „hineinsachverständigt“ hat.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)
Ich möchte an dieser Stelle aber auch noch einmal der
Kommissionsvorsitzenden ganz herzlich danken. Liebe
Gitta Connemann, Sie haben in den letzten Jahren eine
Mammutaufgabe erfüllt. Es ist keine
Selbstverständlichkeit, dass eine Enquete-Kommission über zwei
Legislaturperioden besteht. Es war auch keine
Selbstverständlichkeit, dass diese Enquete-Kommission in dieser
Legislaturperiode so ohne Weiteres fortgeführt werden
konnte. Sie haben nicht nur mit sehr vielen
verschiedenen Persönlichkeiten aus den Fraktionen sowie mit den
Sachverständigen zu kämpfen gehabt, sondern – das
möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen – hatten
auch ganz neue Herausforderungen dadurch zu
bewältigen, dass die Regierung gewechselt hat und es in dieser
Legislaturperiode eine Fraktion mehr im Bundestag gibt
als in der letzten. Diese Herausforderungen haben Sie
ganz herausragend gemeistert. Dafür noch einmal ganz
herzlichen Dank, und zwar nicht nur von unserer
Gesamtfraktion, sondern insbesondere von der CSU.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Das positive Signal, das davon für uns alle ausgeht, ist,
dass man Kultur nicht an Wahlterminen und
Farbkonstellationen ausrichten kann. Vielmehr wurde in den
letzten vier Jahren eine sehr kontinuierliche Arbeit
geleistet. Ich denke, darauf können wir alle stolz sein.
Ich möchte mich auch bei den Mitarbeitern des
Sekretariats bedanken, ganz besonders bei allen, die an der
Endredaktion beteiligt waren. Ich glaube, dass die
Endredaktion mit die schwierigste Arbeit war, weil es galt,
alles unter einen Hut zu bekommen. Die
Bestandsaufnahme war wirklich ein Mammutprojekt. Der Bericht
der Enquete-Kommission umfasst mehr als 500 Seiten.
Ich denke, es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass man
ihn mit Stolz unter den Weihnachtsbaum legen kann.
Oder man kann ihn sich im Anschluss an diese Debatte
von der Vorsitzenden signieren lassen und ihn
verschenken.
(Heiterkeit der Abg. Gitta Connemann [CDU/
CSU] – Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/
CSU]: Guter Vorschlag!)
Der Schlussbericht beschränkt sich nicht auf
Feststellungen, sondern gibt auch Empfehlungen. Da wir in
einem föderalen Staat leben, richten sich diese
Empfehlungen an viele Adressaten, auch an uns. Natürlich
müssen auch wir Bundestagsabgeordnete uns an die
Empfehlungen, die wir geben, halten. Aber ebenso sind
die Länder und die Kommunen angesprochen. Alle
gesellschaftlichen Bereiche in diesem Land leisten
unglaubliche Arbeit, um die Kultur in Deutschland
lebendig zu halten, um sie für alle erlebbar und erfahrbar, abernatürlich auch erschwinglich zu machen. Ich möchte
fünf Punkte aus dem Bericht der Enquete-Kommission
herausgreifen: das Ehrenamt, die ländlichen Regionen,
die Kinder – sie wurden heute leider Gottes schon in
einem nicht so schönen Zusammenhang angesprochen,
Herr Kollege Otto –,
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU
sowie der Abg. Monika Griefahn [SPD])
die Bibliotheken und den Spracherwerb.
Zunächst zum Ehrenamt. Ich glaube, das Ehrenamt
ist für die Kultur in Deutschland die zentrale Stütze.
Wenn wir uns umschauen – die meisten von uns arbeiten
ja auch in ländlich geprägten Regionen –, müssen wir
doch feststellen: Wenn wir das Ehrenamt, den
unentgeltlichen, uneigennützigen Einsatz nicht hätten, wäre es
nicht möglich, die kulturellen Angebote, die unsere
Kulturlandschaft ausmachen, so am Leben zu erhalten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie
bei Abgeordneten der SPD)
Die ländlichen Regionen werden oft übergangen,
wenn es um Kultur geht. Oft wird etwas spöttisch auf
diese Regionen geschaut, wird gedacht, die Hochkultur
gebe es nur in Großstädten. Doch das ist mitnichten der
Fall. Die meisten Menschen leben in ländlichen
Regionen. Ich komme selber aus einem sehr ländlich
geprägten Bereich. Auch in meinem Heimatwahlkreis leben
Künstler, die man dort nicht vermuten würde;
(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Sehr richtig!)
man denkt ja oft, die Künstler leben nur in Großstädten.
In meinem Landkreis wohnt ein weltweit bekannter
Künstler: Herman de Vries. Er schätzt besonders die
ländliche Ruhe, die Idylle. Wenn Ausstellungen von ihm
in Paris stattfinden, denkt man nicht, dass er aus einem
Ort kommt, der nur ein paar Hundert Einwohner hat. An
diesem Beispiel kann man sehen, was für Schätze bei
uns in den Regionen versteckt sind.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)
Ein weiteres Ziel, das uns sehr wichtig ist, besteht
darin, die Kinder für die Kultur zu gewinnen.
(Beifall der Abg. Miriam Gruß [FDP])
Wir haben dazu sehr viele Veranstaltungen durchgeführt.
Wir haben nämlich festgestellt, dass Kinder gerade im
kulturellen Bereich begeisterungsfähig und wissbegierig
sind. Ich möchte noch ein Projekt aus meiner Heimat
herausgreifen. Dort werden Kinder-Kultur-Abos verkauft
zu einem Preis, der unter dem von vier Kinobesuchen
liegt. Unsere Bundesministerin Ursula von der Leyen hat
dieses inzwischen bayernweite Projekt bereits
ausgezeichnet. Dass der Bericht der Enquete-Kommission der
Bedeutung der Kinder Rechnung trägt, ist auch daran zu
sehen, dass die Kinder 388-mal erwähnt werden. Auch
dafür noch einmal ganz herzlichen Dank!
(Beifall des Abg. Wolfgang Börnsen
[Bönstrup] [CDU/CSU])
Dorothee BärWir haben ein besonderes Kapitel zum Thema
Bibliotheken eingerichtet. Denn das Lesen gehört ja sehr stark
zu unserer Kultur. Bücher vermitteln unsere Sprache,
unsere Kultur. Bibliotheken sind der zentrale Ort, um
möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen. Sie
bieten Lesungen und Veranstaltungen an, die
insbesondere die Kinder ansprechen sollen.
Jetzt komme ich zu einem weiteren Schwerpunkt, der
eines meiner Herzensanliegen in dieser Enquete-
Kommission war: Auch für Migrantenkinder sind
Bibliotheken eine gute Anlaufstelle, um unsere Sprache zu
erlernen. Wie wichtig der Spracherwerb ist, wurde
insbesondere in meiner Berichterstattung zu Interkultur und
Migrantenkultur deutlich. Sie können sich sicherlich
vorstellen, dass es nicht selbstverständlich war, dass wir
bei dem Thema „Interkultur und Migrantenkultur“ zu
einem einstimmigen Votum kamen. Dafür, dass es
dennoch gelungen ist, möchte ich mich an dieser Stelle bei
allen Mitgliedern meiner Berichterstattergruppe
bedanken. Denn der Spracherwerb ist nun einmal zentral für
eine gelungene Integration.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie
der Abg. Markus Meckel [SPD] und
Dr. Lukrezia Jochimsen [DIE LINKE])
Daraus ergibt sich auch unsere
Handlungsempfehlung, aus der ich kurz zitieren möchte:
Die Enquete-Kommission empfiehlt … die
Rahmenbedingungen für das Erlernen der deutschen Sprache,
die zentral für eine Integration von Migranten ist, zu
verbessern. Sprachförderung ab dem frühen
Kindesalter muss deshalb auch in Zukunft verstärkt
unterstützt werden. Dabei muss sichergestellt werden,
dass die ganze Familie die deutsche Sprache
erlernen kann. Sie empfiehlt die Förderung
situationsangemessener Formen des Sprachenerwerbs. Neben
der Sprachförderung sollten auch die deutsche
Verfassung mit ihren Grundrechten und die
Grundregeln der Rechtsordnung vermittelt werden.
Ich denke, wir konnten hier einen wirklichen
Meilenstein erreichen. Deswegen bin ich sehr dankbar und froh,
dass wir diese Handlungsempfehlungen und diesen
Bericht zum Thema Sprachenerwerb interfraktionell, mit
allen Fraktionen gemeinsam, so vorlegen konnten.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Zum Schluss bleibt zu sagen: Vielen herzlichen Dank
für die vergangenen vier Jahre. Ich habe dem
Vorsitzenden der Blasmusik versprochen, das Wort „Blasmusik“
hier zu erwähnen, damit es heute auch einmal genannt
wurde.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP –
Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Auch das ist Kultur!)
Da freut sich auch der direkt gewählte Abgeordnete des
Berchtesgadener Landes.
Ich denke, in diesem Sinne haben wir noch sehr viel zu
tun. Ich freue mich, dass wir unsere Kultur im Anschlussan diese Debatte noch gemeinsam feiern können. Nehmen
Sie das Angebot an: Nehmen Sie den Schlussbericht mit,
und lassen Sie ihn von der Vorsitzenden signieren! Dann
haben Sie ein wunderbares Weihnachtsgeschenk für zu
Hause.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie
der Abg. Lydia Westrich [SPD])
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Bei aller Begeisterung für die Blasmusik weise ich
vorsichtshalber darauf hin, dass es auf Kosten der Redezeit
geht, wenn jetzt Kompensationsbedarf besteht und
sämtliche Orchestergruppen einzeln erwähnt werden müssen.
(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Der nächste Redner ist der Kollege Christoph Waitz
für die FDP-Fraktion.
(Beifall bei der FDP)
Christoph Waitz (FDP):
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Ich gehöre zu denjenigen, die erst seit dieser
Legislaturperiode und somit die zweite Hälfte der
Kommissionsarbeit begleiten durften. Für mich war es ein
spannender und sehr bereichernder Schnellkurs in
Sachen Kulturpolitik.
Aus dieser Erfahrung heraus kann ich jedem, der
einen Einstieg in die Kulturpolitik und in die aktuellen
Handlungsfelder finden möchte, diesen Schlussbericht
zur Lektüre empfehlen; denn – dies gerät in unserer
Debatte ein wenig in den Hintergrund – dieser Bericht
enthält zu einem großen Teil die Bestandsaufnahme der
Kultur in Deutschland sowie eine Problembeschreibung,
auf deren Basis wir die Handlungsempfehlungen, die
schon jetzt im Mittelpunkt unseres Interesses stehen,
entwickelt haben.
Für mich als sächsischen Bundestagsabgeordneten
war es bei meinen Schwerpunktsetzungen für die Arbeit
innerhalb der Enquete-Kommission ganz wichtig,
herauszubekommen, welche kulturpolitischen Themen für
den Freistaat Sachsen von besonderer Bedeutung sind.
Sie wissen, dass Sachsen mit dem Sächsischen
Kulturraumgesetz eine Art Kulturverfassung hat, die in
vielerlei Hinsicht vorbildhaft für den Rest Deutschlands sein
könnte.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Für Sachsen gilt aber, was letztlich auch für die
gesamte Bundesrepublik gilt: Die Kultur- und die
Kreativwirtschaft sowie der Kulturtourismus haben noch viel zu
viel ungenutztes Potenzial. Nicht nur in Leipzig, das weit
über die Grenzen Deutschlands hinaus als Bach-Stadt und
Stadt der alten und neuen Leipziger Malerschule bekannt
ist, ist die Kultur ein wichtiger Identitätsfaktor und ein
zentrales Element der Stadt- und
Wirtschaftsentwicklung.
Christoph WaitzWelche tatsächlichen wirtschaftlichen Effekte die
Kultur hat, wurde in diesem Jahr am Beispiel der
Kulturförderung für die Wirtschaft der Stadt Dresden untersucht. Das
Ergebnis dieser Studie hinsichtlich der wirtschaftlichen
Effekte ist beeindruckend: Die Ausgaben der Besucher
in Dresden für Hotels, Restaurants, Verkehr usw., was
auch zu zusätzlichen Steuereinnahmen führt, betragen
circa 144 Millionen Euro. Bei einer staatlichen
Förderung von circa 40 Millionen Euro ist das eine Rendite,
die ansonsten nur mit gewagten Finanzspekulationen
erreichbar wäre, mit dem kleinen Unterschied, dass sich
die Bedeutung der Semperoper zum Beispiel für die
Identifikation der Stadt und des Landes als zusätzlicher
wirtschaftlicher Effekt auswirkt.
(Jörg Tauss [SPD]: Deshalb kann man auf das
Weltkulturerbe ja verzichten!)
Dieses Beispiel, Herr Tauss, lässt sich nicht auf jedes
kleine Theater übertragen. Dadurch wird aber mit dem
verbreiteten Vorurteil aufgeräumt, dass Kultur vor allem
Geld kostet. Einmal abgesehen davon, dass wir es uns
gar nicht leisten könnten, auf die Kultur zu verzichten,
wäre eine Vernachlässigung auch unter dem
wirtschaftlichen Gesichtspunkt kontraproduktiv.
(Beifall bei der FDP)
Dies unter Beweis zu stellen und für jeden politischen
Entscheidungsträger nachlesbar aufzuschreiben, war
sicher auch ein Anspruch der Kultur-Enquete. Neben diesen
grundsätzlichen Maßnahmen zur Förderung der
Kulturwirtschaft, die sich in einem fraktionsübergreifenden
Antrag, den wir hier neulich verabschiedet haben,
wiederfinden, halte ich es für zentral, dass insbesondere Länder
und Kommunen Kultur in einem verstärkten Maße als
Alleinstellungsmerkmal für ihr Tourismusmarketing
einsetzen. Wir brauchen in diesem Punkt eine viel stärkere
Vernetzung zwischen der Tourismus- und der Kulturbranche
und den politischen Entscheidungsträgern.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und der SPD)
Eine Maßnahme, die die Kultur-Enquete vorschlägt, um
den Wettbewerb zwischen den Kulturstädten Deutschlands
zu befördern, ist die Ausschreibung eines Wettbewerbs
unter dem Titel „Kulturstadt Deutschland“. Nach den
überaus positiven Erfahrungen, die wir mit dem
Wettbewerb um die europäische Kulturhauptstadt – und zwar
ausdrücklich nicht nur für die Gewinner, sondern für alle
Beteiligten – gemacht haben, kann ein solcher nationaler
Wettbewerb nur förderlich und für andere Kommunen im
besten Sinne des Wortes beispielgebend sein.
Einen weiteren Themenkomplex möchte ich noch
ganz kurz anreißen, weil er einen wichtigen Bereich
behandelt und weil es in ihm einige Empfehlungen der
Enquete-Kommission gibt, die sicherlich gut gemeint, aber
nicht wirklich förderlich sind. Es geht um das Kapitel
„Kultur in Europa – Kultur im Kontext der
Globalisierung“. Die europäische Perspektive unseres nationalen
Handelns steht hier außer Frage und ist ohne Alternative.
Das Zusammenwachsen Europas wird in zunehmendem
Maße zu einer europäischen Identität führen, die die
nationale Identität jedoch nicht ersetzt, sondern ergänzt
und erweitert. Allerdings sind die Empfehlungen des Europakapitels
nicht ausnahmslos geeignet, einen hilfreichen Beitrag
dazu zu leisten. Ein Beispiel dafür ist die Methode der
offenen Koordinierung, über die in der Enquete-
Kommission mehrfach diskutiert wurde. Ich glaube nicht,
dass das Instrument der offenen Koordinierung in der
Kulturpolitik tatsächlich praktikabel ist. Die Methode
der offenen Koordinierung ermöglicht keine ausreichend
demokratisch legitimierte Diskussion über die von der
Europäischen Kommission vorgeschlagenen
Maßnahmen. Dies ist gerade im Hinblick auf das
Subsidiaritätsprinzip, welches mit der Methode der offenen
Koordinierung unterlaufen wird, von großer Bedeutung.
Ein weiteres Problem sehen wir bei dem UNESCO-
Abkommen zum Schutz des immateriellen Kulturerbes.
Wir teilen im Grundsatz die Ziele des Abkommens und
erkennen die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes
und dessen Bewahrung ausdrücklich an. Die
vorgeschlagenen Institutionen und Maßnahmen stellen aber eine
unnötige Bürokratisierung und Konservierung des
kulturellen Lebens dar, der wir eine lebendige
Weiterentwicklung des immateriellen Kulturerbes vorziehen.
Wir als FDP-Fraktion werden mit großem
Engagement die Umsetzung der Handlungsempfehlungen
forcieren. Aber die Mehrheitsverhältnisse in diesem Hause
sind – noch – relativ klar verteilt.
(Jörg Tauss [SPD]: Keine falschen Hoffnungen!)
– Na, wir werden schauen. Die nächsten Wahlen
kommen bestimmt. – Wir konnten gestern im
Kulturausschuss deutlich erleben, dass die Koalition einem Antrag
auch dann nicht zustimmen kann, wenn er der
Regierungsposition eins zu eins entspricht. Das bedeutet für
Sie, liebe Kollegen und Kolleginnen von der Union und
der SPD, dass es unter diesen Bedingungen Ihre
Aufgabe ist, die Themenfelder vorzubereiten und auch die
Mehrheiten für die Umsetzung der Ergebnisse der
Enquete-Kommission durchzusetzen.
(Jörg Tauss [SPD]: Das ist wahr!)
Ein Thema der Enquete-Kommission steht schon jetzt
auf der Tagesordnung des Bundestages: das Staatsziel
Kultur. Die FDP-Bundestagsfraktion hat dazu Anfang
2006 einen Gesetzentwurf eingebracht. Nach wie vor
harren wir der Entscheidung. Die SPD hat dem
Staatsziel Kultur kürzlich zugestimmt. Jetzt fehlen noch Ihre
Stimmen von der CDU/CSU.
(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Wir werden dazu noch etwas sagen!)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Herr Kollege.
Christoph Waitz (FDP):
Liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU/CSU-
Fraktion, zeigen Sie, dass Sie es ernst meinen mit der
Kulturförderung,
(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Immer!)
und stimmen Sie dem Staatsziel Kultur zu!
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der SPD und der Abg. Gitta Connemann
[CDU/CSU])
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Ich erteile das Wort der Kollegin Lydia Westrich für
die SPD-Fraktion.
(Beifall bei der SPD)
Lydia Westrich (SPD):
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Als Finanzpolitikerin in eine Enquete-Kommission
zu kommen, ist erst einmal ein Kulturschock, besonders
wenn diese Kommission „Kultur in Deutschland“ heißt.
Ich bin gewöhnt, an Paragrafen und Details zu feilen.
Bei den Finanzpolitikern entscheidet im Endeffekt
meistens nur ein kleines Wort in einem Halbsatz eines
Absatzes irgendeines Paragrafen in einem einzigen Gesetz
über das Wohlergehen der Bürger unseres Staates. Dann
kam die Enquete-Kommission
(Heiterkeit – Wolfgang Börnsen [Bönstrup]
[CDU/CSU]: So schlimm war es auch wieder
nicht!)
mit Sachverständigen, die reden und reden, die nicht nur
ein Mitspracherecht, sondern auch ein Stimmrecht
haben. Sie haben Ideen, die in der Paragrafenwelt nicht
fassbar sind. Wo aber bleiben bei den vielen Reden die
Fakten?
Kunst heißt, wie mir ein Künstlerfreund gesagt hat,
loszulassen und sich hinzugeben, sich auf Unbekanntes
einzulassen. Da ich keine Künstlerin bin, habe ich
zumindest versucht, mich auf das Thema „Kultur in
Deutschland“ einzulassen, das mich als Bundes- und
Kommunalpolitikerin brennend interessiert. Kaum war
die innere Bereitschaft da, zeigten sich die Fakten.
Aus den Reden ergaben sich Streitgespräche,
Anhörungen der Betroffenen und Gutachten über viele
Teilbereiche der immensen Schatzkiste, die wir in Deutschland
haben. Was fangen wir bei immer knapper werdenden
Kassen mit diesem Schatz an? Das herauszufinden, war
unsere Aufgabe. Der großen Herausforderung, den
Schatz zu mehren und ihn für künftige Generationen
weiterzuentwickeln, statt ihn auszugeben, haben wir uns
– jeder in seinem Bereich – gestellt. Das hat Spaß
gemacht.
Mein Bereich war die wirtschaftliche und soziale Lage
von Künstlerinnen und Künstlern. Für Eingeweihte wird
es weniger erstaunlich sein als für mich, dass ich jenseits
des roten Teppichs, des Glitzerns und des Glamours der
Feste schnell in sehr ernüchternde Lebensbiografien
vorgestoßen bin. So ist die Hauptdarstellerin einer Soap, die
täglich durch die Wohnzimmer flimmert, als
alleinerziehende Mutter arbeitslos geworden, und sie muss immer
wieder um ihr Arbeitslosengeld II kämpfen, weil ein
Sachbearbeiter die Wiederholung eines ihrer Auftritte im
Fernsehen gesehen hat, für die sie jedoch kein Geld be-kommt. Bis das Arbeitslosengeld II dann wieder fließt,
vergeht einige Zeit, in der sie kein Einkommen hat.
Vor allem darstellende Künstler – die im Filmbereich
tätigen Kulturschaffenden, Kameraleute usw. – haben
zunehmend mit der Existenzsicherung zu kämpfen. Aus
Kostengründen beschränken die Unternehmen der
Filmwirtschaft, aber auch die Theater die Produktionszeiten
auf das unumgängliche Maß. Die Beschäftigungszeiten
werden auf wenige Drehtage mit immensen Überstunden
begrenzt. Die Arbeitgeber sparen dadurch Beiträge zur
Sozialversicherung.
Zunächst hat auch der Künstler kurzfristig Vorteile
wegen seines Spitzenverdienstes in diesen wenigen
Tagen, und er bemerkt zu spät, dass ihm
Sozialversicherungstage fehlen. Durch die Verkürzung der Rahmenfrist
in der Arbeitslosenversicherung von drei auf zwei Jahre,
innerhalb derer zwölf Monate versicherungspflichtige
Zeiten als Voraussetzung für einen Anspruch auf
Arbeitslosengeld erbracht werden müssen, können immer
weniger Schauspieler, Kameraleute, Toningenieure und
Produzenten diesem Anspruch gerecht werden.
Deshalb verlangt die Enquete-Kommission, eine
Lösung für die Betroffenen zu finden.
(Beifall bei der SPD sowie der Abg.
Dr. Lukrezia Jochimsen [DIE LINKE] –
Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Mit Recht!)
Wir sind sehr zuversichtlich, bald zu einer Lösung zu
kommen, seit auch unser Finanzminister Peer Steinbrück
und unser SPD-Bundesvorsitzender Kurt Beck dieses
Problem aufgegriffen haben.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD –
Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Die Union aber auch!)
Der Druck der Enquete-Kommission hat schon
mehrfach gegriffen, zum Beispiel beim Erhalt der ZBF, der
zentralen Vermittlungsstelle für Bühnen- und
Filmschaffende, die der Bundesagentur für Arbeit angegliedert ist.
Der Bundesrechnungshof, der diese Stelle kritisiert hat,
hat genauso wenig wie viele andere begriffen, dass sich
die Situation von Künstlerinnen und Künstlern durch
ihren Tätigkeitswechsel von selbstständiger zu
nichtselbstständiger Tätigkeit und von unständiger zu kurzfristiger
Beschäftigung von anderen in hohem Maße unterscheidet.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und der Abg. Dr. Lukrezia
Jochimsen [DIE LINKE])
Versuchen Sie zum Beispiel einmal, einen Tänzer zu
vermitteln: Er hat keinen anerkannten Ausbildungsberuf
und ist mit 30 Jahren gesundheitlich ruiniert. Seine
Ausbildung war lang und teuer. Nun bleibt an der Jobbörse
nur das Repertoire der Hilfsarbeiten für ihn übrig. Die
Mitglieder der Enquete-Kommission werden auch
darauf drängen, den Tanz als Ausbildungsberuf
einzustufen und die Gründung einer Tanzstiftung zu forcieren.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
CDU/CSU)
Lydia WestrichDie zentrale Vermittlungsstelle für die Künstlerinnen
und Künstler bleibt aber trotz der Rüge des
Rechnungshofs erhalten, da ihr Spezialwissen und ihre
Verbindungen natürlich nicht in jeder Agentur für Arbeit
vorgehalten werden können.
Arbeitslosengeld II, Arbeitsgelegenheiten, keine
Ausbildung – das sind Worte, auf die wir im Zusammenhang
mit Künstlerinnen und Künstlern normalerweise nicht
kommen. Aber ich habe gelernt, dass gerade im
Kulturbereich die Einkommensentwicklung
besorgniserregend ist. Da die wirtschaftliche und soziale Lage der
Künstler und Kulturschaffenden häufig von der
wirtschaftlichen Situation des öffentlichen Kulturbetriebs
abhängt, unterliegen sie in schwierigen Zeiten immer als
erste dem öffentlichen Sparzwang. Das gilt für Theater,
Opern, Orchester, Museen, Bibliotheken, Musikschulen,
sozio-kulturelle Zentren, den Film- und Medienbereich
und viele andere. Die oft projektbefristete Anstellung ist
leider die Regel. Schlecht bezahlte Volontäre ersetzen
Museumspädagogen oder Bibliotheksmitarbeiter.
Musiklehrer in die Selbständigkeit zu entlassen, ist bei vielen
Kommunen leider gang und gäbe. Die
Künstlersozialversicherung errechnet für ihre selbständigen Mitglieder
Durchschnittsjahreseinkommen von 11 000 Euro. Da
könnten wir glatt in eine Mindestlohndebatte einsteigen.
(Beifall bei der SPD und der LINKEN)
Das Problem ist, dass Kunst und Finanzen häufig
nicht zusammenhängend betrachtet werden, weder von
den Schöpfern der Kunstwerke noch von uns. Umso
wichtiger ist die Empfehlung der Enquete-Kommission,
schon bei der Ausbildung die Vermittlung von
betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten einzubinden.
Existenzgründung und erfolgreiche Betriebsführung müssen
selbstverständlicher Teil des Studiums sein wie alle anderen
Fertigkeiten. Das ist der richtige Weg bei der
Ausbildung.
(Beifall der Abg. Gitta Connemann [CDU/
CSU])
Aber auch die Wirtschaftsförderung muss sich auf
die Bedürfnisse der Kulturschaffenden besser einstellen.
Mit den Mikrokrediten haben wir einen Anfang
gemacht. Dennoch sind die Bedürfnisse der Künstler für
die meisten Wirtschaftsförderungsgesellschaften
Fremdland, obwohl die künstlerische Arbeit, wie es Frau Bär
beschrieben hat, als weicher Standortfaktor gerne mit
Prestigegewinnen vermarktet wird. Es ist von uns, von
der Enquete-Kommission, nicht zu viel verlangt, dass
sich diese Wirtschaftsförderungsgesellschaften für diese
Klientel passgenau einsetzen.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der
FDP)
Als Steuerpolitikerin war ich natürlich auch für die
steuerrechtliche Behandlung der Künstler- und
Kulturberufe zuständig. Hierüber könnte ich eine Menge
erzählen. Unser allgemeines Steuerrecht enthält bereits
Regelungen, die die besondere Situation von Künstlern
berücksichtigt und die der Förderung von Kunst und
Kultur dienen. Doch gibt es immer wieder Fortentwick-lungen, die noch längst nicht Eingang in die
Gesetzgebungsmaschinerie gefunden haben.
Unser verstorbener Bundespräsident Johannes Rau
hat die Kunst als Lebensmittel bezeichnet.
Dementsprechend werden Kunstwerke wie Lebensmittel bei der
Umsatzsteuer nur mit dem ermäßigten Steuersatz
versehen. Das muss nach dem Willen der Enquete-
Kommission trotz immer wieder aufkommender Debatten auch
weiter so bleiben.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Zusätzlich wollen wir den Zweig der längst
etablierten Kunstfotografie in den Katalog der ermäßigten
Steuersätze mit aufnehmen. Frau Bundeskanzlerin Merkel
und Herrn Finanzminister Steinbrück sei gesagt: Was
den Bergbahnen billig ist, das ist der Kunstfotografie
schon lange recht. Darauf werden wir drängen.
(Beifall bei der SPD)
Zur Künstlersozialversicherung muss ich noch ein
paar Worte sagen, Herr Präsident. Dieses von
Sozialdemokraten initiierte Sozialversicherungssystem, das im
künstlerischen Bereich die Lebensrisiken wie Krankheit,
Alter und Pflege auffangen soll, ist weiterhin Gott sei
Dank in voller Blüte. Der Drang in diese Versicherung
ist ungebrochen. Wir Mitglieder der Enquete-
Kommission werden uns dafür einsetzen, dass der
Bundeszuschuss zur Künstlersozialversicherung weiterhin stabil
gehalten wird –
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Frau Kollegin!
Lydia Westrich (SPD):
– und dass wir mehr Vertragsgesellschaften zu
Einzahlungen heranziehen.
Dieses Thema, Herr Präsident, ist unerschöpflich,
meine Redezeit leider nicht. Eines ist klar: Ohne
Künstlerinnen und Künstler, ohne Kulturschaffende bräuchten
wir das Thema Kultur gar nicht anzugehen. Deshalb darf
der Spar- und Optimierungszwang, den ich auf allen
Ebenen gar nicht abstreite, nicht alleine auf dem Rücken
der Kulturschaffenden ausgetragen werden.
(Beifall bei der SPD)
Alleine für diese Erkenntnis hat sich für mich die
Einsetzung der Enquete-Kommission gelohnt.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie
bei Abgeordneten der FDP)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Das Wort erhält nun der Kollege Roland Claus,
Fraktion Die Linke.
(Beifall bei der LINKEN)(A)
Roland Claus (DIE LINKE):
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Auch ich schätze die Weisheit des Berichtes als
einen Kulturkompass, wie Sie es genannt haben, Frau
Vorsitzende. Ich finde, das ist ein schönes Wort. Leider
versagt das große Werk aber völlig, wo es um die
Bewertung von 40 Jahren deutscher Teilung geht.
(Beifall bei der LINKEN)
Der Ansatz, Kulturgeschichte in die Kategorien Diktatur
einerseits und Widerstand andererseits einzuteilen, geht
fehl. Sprache ist verräterisch. Sie nennen diesen
Abschnitt Nachwirkungen der deutschen Teilung.
Nachwirkungen! Warum tun Sie das, obwohl Sie wissen, dass
Sie damit vor allem im Osten der Republik an
Zustimmung verlieren? Auch Sie haben erkannt, dass die
Ostdeutschen nach über zehn Jahren ihr Selbstbewusstsein
wiedergewonnen haben und deutlich artikulieren. Sie
erzählen ganz entspannt über ihre Biografien, über ihr
Leben in der DDR. Ihre Antwort, die Antwort der hier
dominierenden Politik, ist eine politisch-kulturelle
Diskriminierung und Delegitimierung der DDR. Das muss
hier so deutlich festgestellt werden.
(Beifall bei der LINKEN – Widerspruch bei
der CDU/CSU)
Die deutsche Kulturgeschichte von 1949 bis 1989 ist
aber ein Abschnitt gemeinsamer deutscher Geschichte,
trotz oder gerade wegen der Gegensätze. Beide deutsche
Staaten haben sich bekanntlich politisch-kulturell in
erheblichem Maße über ihre jeweilige Gegensätzlichkeit
definiert. Beide waren mit Blick auf den anderen der
Geist, der stets verneint. Damit waren die
Wechselwirkungen aufeinander immer riesengroß, und das selbst in
den eisigsten Zeiten des Kalten Krieges.
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Herr Kollege Claus, gestatten Sie eine Zwischenfrage
der Kollegin Bär?
Roland Claus (DIE LINKE):
Ja, gerne.
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Bitte, Frau Bär.
Dorothee Bär (CDU/CSU):
Herr Kollege, finden Sie es gerechtfertigt, hier zu
sprechen, obwohl Sie kein einziges Mal in der Enquete-
Kommission anwesend waren, geschweige denn sich
jemals mit diesem Thema befasst haben? Finden Sie es
gerechtfertigt, Ihre heutige Redezeit als kommunistische
Plattform zu missbrauchen?
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU –
Lachen bei der LINKEN)
Roland Claus (DIE LINKE):
Ich beantworte Ihre beiden Fragen jeweils mit Ja.
Selbstverständlich finde ich es gerechtfertigt, dass ichmich mit Ihrem Bericht befasse. Sie sollten sich das auch
wünschen.
(Beifall bei der LINKEN)
Wenn sich Ihre Logik darin erschöpfte, dass nur
diejenigen über den Schlussbericht der Enquete-Kommission
reden dürften, die ihr auch angehörten, stellten Sie sich
kulturell ein Armutszeugnis aus.
(Beifall bei der LINKEN – Volker Kauder
[CDU/CSU]: Das heißt, Sie waren nicht da
und haben Ihre Aufgabe nicht gemacht! –
Dorothee Bär [CDU/CSU]: Sie missbrauchen
das Parlament!)
Was ich in der Sache darlegen und ausführen will, hat
mit der Würdigung dessen zu tun, was an kulturellen
Gemeinsamkeiten und Unterschieden in 40 Jahren
deutscher Teilung zu besprechen ist. Ich will Ihnen ein
Beispiel nennen. Die kleine, so subversive DDR hat es
sogar geschafft, mehr Heinrich-Böll- und Siegfried-
Lenz-Bücher zu verkaufen als die Bundesrepublik
Bücher von Stefan Heym und Christa Wolf. Ich glaube, das
hatte auch etwas mit den Preisen zu tun.
Sie müssen keine Sorge haben. Ich habe zu viele
persönliche Freunde aus Kultur und Kunst an den Westen
verloren, um mir die DDR schönzureden. Aber ich
behaupte: Der kulturelle Lebensalltag in der DDR war dem
kulturellen Lebensalltag Österreichs ähnlicher als dem
kulturellen Lebensalltag Rumäniens. Die DDR hat 1990
kulturell vieles in die Einheit eingebracht – die Zahlen in
Ihrem Bericht belegen das –, vor allem das
Selbstverständnis, Kultur und Bildung sozial nicht zu teilen; sie
sollen allen zugänglich sein. Ich finde, dass diese
Osterfahrungen, insbesondere Erfahrungen aus der DDR,
aber auch Erfahrungen mit gesellschaftlicher
Transformation gegenwärtig brachliegen und nicht von dieser
Gesellschaft genutzt werden.
(Beifall bei der LINKEN – Jörg van Essen
[FDP]: Die DDR zeichnete sich nicht durch
besondere Zugänglichkeit aus!)
Deutschsprachige Rockmusik war eher und mehr
ost- als westdeutsch. Ich sage das trotz oder wegen
großer Zuneigung zu Heinz Rudolf Kunze, Nena, Klaus
Lage und anderen. Dass viele Ostrocker in den Westen
gingen, lag nicht daran, dass sie den Westen so toll
fanden, sondern daran, dass sie nicht aushalten konnten, wie
wir in der DDR den Sozialismus vergeigt haben.
Anna Seghers, Erwin Strittmatter, Willi Sitte, Konrad
Wolf, Hermann Kant haben Millionen fasziniert. Ihre
Verbundenheit mit der DDR genügt heute aber, sie
kulturhistorisch zu verbannen.
In Deutschland ist der Zugang zu Bildung und Kultur
heute in zunehmendem Maße von sozialen
Unterschieden beeinflusst. Das nenne ich kulturfeindlich.
(Beifall bei der LINKEN – Hans-Joachim Otto
[Frankfurt] [FDP]: Oh, mein Lieber!)
Wo gesellschaftlicher Reichtum und – noch schneller –
die Kinderarmut größer werden, ist kultureller Notstand
nicht weit.
Roland ClausNoch immer sind Zeit und Chance zur Umkehr. Mit
historischem Abstand wächst zuweilen die Souveränität,
mit Geschichte umzugehen. Deshalb fordere ich noch
einmal dazu auf, kulturelle, mentale Unterschiede
zwischen Ost und West als Herausforderung für die
Kulturpolitik zu begreifen und sie nicht schlechthin zu
überwinden. Diese Unterschiede sollten wir als Chance
begreifen.
(Beifall bei der LINKEN)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Jo Krummacher ist der nächste Redner für die CDU/
CSU-Fraktion.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Johann-Henrich Krummacher (CDU/CSU):
Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen!
Sehr geehrte Gäste! Zweifelsfrei ist Kultur eine jener
elementaren Kohäsionskräfte, die gesellschaftliches
Leben und ein Dasein im Miteinander überhaupt erst
ermöglichen. Insofern ist Kultur wie das täglich Brot oder
die Luft, die wir atmen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Denn was wäre dieses Land ohne die Sprache der
Lutherbibel, ohne Beethovens Neunte, ohne Schillers
Räuber, ohne die Bilderwelt von Lucas Cranach oder
Georg Baselitz? Was wäre es ohne die Berliner
Museumsinsel oder ohne einen Film wie Das Leben der
Anderen? Was ohne die Gedichte eines Friedrich Hölderlin
oder eines Heinrich Heine? Was ohne die vielen
Musikvereine und Theatergruppen? Was ohne das Engagement
der Kirchen, vom Mittelalter über die Neuzeit bis hin zur
Gegenwart?
Nebenbei bemerkt: Die Enquete-Kommission konnte
feststellen, dass die beiden großen christlichen Kirchen
in unserem Land mehr für die Kulturförderung ausgeben
als die öffentliche Hand.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der FDP)
Was also wäre dieses Land ohne seine kulturelle
Vielfalt? Folgerichtig hat die Arbeit der Enquete-
Kommission dazu beigetragen, den Reichtum unserer
Kulturlandschaft zu erfassen. Aus der Mitte des Bundestages,
unter Mitwirkung namhafter Sachverständiger und
natürlich auch unter Einbeziehung der Länder ist eine
umfassende Bestandsaufnahme gelungen, die die
Kultur noch stärker in das Zentrum des politischen
Bewusstseins rückt.
Neben dieser umfassenden und deutlichen
Bestandsaufnahme ist der Bericht der Enquete-Kommission aber
auch mit konkreten Empfehlungen verbunden: mit
klaren Aufforderungen an alle staatlichen und
gesellschaftlichen Akteure, Kultur quasi immer mitzudenken und in
das Alltagshandeln zu integrieren.Dabei fangen wir nicht bei null an. Mit Staatsminister
Bernd Neumann haben wir auf Bundesebene einen
engagierten Fürsprecher und Motor für kulturelle Belange.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Im Bundesministerium für Bildung und Forschung ist
die Kultur ebenfalls präsent, von der Förderung der
Geisteswissenschaften bis hin zur Grundlagenforschung.
Auch sonst hat die Bundesregierung stets bewiesen, dass
die Kultur bei ihr in guten Händen ist. Nein, wir fangen
wirklich nicht bei null an. Aber gerade deswegen
kommen wir gemeinsam und auf der Grundlage des Berichts
der Enquete-Kommission noch viel weiter.
Aus Sicht der Union war von Anfang an wichtig, der
Breite des kulturellen Spektrums gerecht zu werden und
gleichzeitig auf die entsprechende Schärfentiefe zu
achten.
Kulturelle Bildung muss insbesondere für öffentlich
geförderte Kultureinrichtungen eine Kernaufgabe sein.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der FDP)
Kultur macht nicht an Grenzpfählen halt, und darum
betreffen die empfohlenen Weichenstellungen auch die
europäische und die internationale Ebene. Genauso richtet
sich der Blick auf die gesellschaftlichen und lokalen
Wurzeln der Kultur. Alle kulturschaffenden, alle
kulturfördernden und alle kulturtragenden Kräfte sollen sich
möglichst frei entfalten können.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der FDP)
Bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement
sind tragende Pfeiler der Kultur in Deutschland, und
viele Empfehlungen setzen zu Recht genau hier an. Neue
Formen der Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen
Hand und den Privaten – aber ebenso zwischen Bund,
Ländern und Kommunen – sind geeignet, auch in
Zukunft eine kulturelle Infrastruktur auf höchstem Niveau
zu gewährleisten.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Kurz: Die Faktoren gegenwärtiger Kulturpolitik
wurden präzise erfasst und die Perspektiven der zukünftigen
Kulturpolitik ebenso plausibel wie vielversprechend
skizziert. Jetzt haben wir eine klare Vorstellung, und gut
vorbereitet gehen wir an die Umsetzung.
Die Zahlen sind genannt worden, aber die
Wiederholung des Bedeutsamen hilft der Wahrnehmung: vier
Jahre Arbeit, über 400 Handlungsempfehlungen,
eingebettet in 1 200 Seiten Bestandsaufnahme. Das ist der
Bericht der Enquete-Kommission, mit dem sich auch der
Bund als Akteur der Kulturpolitik zu Wort meldet, nicht
als föderaler Besserwisser im bestehenden Gefüge,
sondern als echter Partner. Insofern gleicht der Bericht der
Enquete-Kommission einer Partitur, durch die das
kulturelle Geschehen überschaubar wird. Das zu spielende
Werk richtet sich nicht an einen Solisten, sondern zielt
auf ein harmonisches Ineinandergreifen der
verschiedenen Akteure.
Johann-Henrich KrummacherWir haben die Chance auf ein neues, prosperierendes
kulturelles Miteinander. Wenn wir alle die Bewahrung,
Weitergabe und Förderung der Kultur weiterhin als
etwas Essenzielles begreifen, dann wird sich auch der
zukünftige Einsatz wirklich lohnen.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Der Kollege Keskin ist der nächste Redner für die
Fraktion Die Linke.
(Beifall bei der LINKEN – Hans-Joachim Otto
[Frankfurt] [FDP]: Aber jetzt ein bisschen
besser als Herr Claus! – Dorothee Bär [CDU/
CSU]: Er kann das nur besser machen!)
Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE):
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Mit sehr viel Sachverstand und Engagement konnte
die Enquete-Kommission zur Migrantenkultur/
Interkultur eine sehr gelungene Arbeit leisten. Der Bericht
wurde von allen Fraktionen gemeinsam beschlossen.
Auch ich möchte mich ganz herzlich bei allen
Beteiligten bedanken.
Die kulturelle Vielfalt Deutschlands wird von der
Kommission als eine Realität, als Fakt anerkannt, und
zwar von allen Fraktionen, auch von der Union. Das ist
ein Novum. Ich begrüße diesen Fortschritt. Bekanntlich
haben wir über die Tatsache, dass Deutschland längst
eine multikulturelle Gesellschaft geworden ist,
jahrzehntelang kontrovers diskutiert. Nunmehr musste diese
Erkenntnis als gemeinsame Position auch von der
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" (G-SIG: 16010072)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Ergänzung des Rechts zur Anfechtung der Vaterschaft (G-SIG: 16019285)
- part_of_vorgang → Jahresbericht 2006 (48. Bericht) (G-SIG: 16001144) (Beratung)
- part_of_vorgang → Zwischenbericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" zum Thema: Kultur als Staatsziel