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Rede von Petra Heß (SPD) – Plenarprotokoll 16/166

dip / rede 05.06.2008 · WP 16 · Original ↗

Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.

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Rede von Petra Heß (SPD) – Plenarprotokoll 16/166 Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Herr Kollege Mayer, wir haben jetzt fast Glück gehabt, dass Sie die olympische Hymne nicht noch gesungen haben. (Stephan Mayer [Altötting] [CDU/CSU]: Das war wirklich Glück! Ich kann nicht singen!) Im Übrigen ist auch Thüringen ein hervorragendes Wintersportland.Deutschland ist eine sportbegeisterte Nation. Die steigende Zahl der Übergewichtigen in unserem Land zeigt aber auch, dass diese Begeisterung oftmals passiv gelebt wird. Man schaut halt gern zu, wenn sich andere schinden. Dabei stellt der deutsche Schriftsteller Martin Kessel fest: Der Sport ist eine Tätigkeitsform des Glücks. Ich freue mich, dass ich dem 11. Sportbericht der Bundesregierung viel Positives entnehmen konnte, so bei Spitzensport und Bundeswehr. Beides ist untrennbar miteinander verbunden. Es ist mir daher ein besonders Anliegen, auf den Bereich Sportförderung innerhalb der Bundeswehr und der Bundespolizei einzugehen. Der 11. Sportbericht stellt fest, dass Sport und Sportausbildung einen hohen Stellenwert bei Bundeswehr und Bundespolizei genießen. Das stimmt. Für die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte und der Bundespolizei ist die körperliche Leistungsfähigkeit der Soldaten und Bundespolizisten unerlässlich. Eigens ausgebildete Sportausbilder bzw. Sportleiter stehen den Soldaten und Bundespolizisten hierbei zur Seite. Bundeswehr und Bundespolizei verfügen über gute materielle Voraussetzungen, wobei ich aber an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen möchte, dass gerade bei der Bundeswehr in den alten Bundesländern Nachholbedarf besteht. Im Rahmen des Sonderprogramms „Sanierung Kasernen West“ werden in den nächsten Jahren 645 Millionen Euro aufgewendet, die natürlich auch zu einer Verbesserung der Sportinfrastruktur beitragen werden. Dies allein wird aber nicht genügen und ist sicher auch nicht der alleinige Grund dafür, dass es um die Fitness unserer Soldaten nicht ganz so gut bestellt ist. Ursächlich sind nach Meinung des Wehrbeauftragten zu wenig Zeit für den Sport im Dienst sowie zu wenige Sportlehrer und Übungsleiter. Hier muss die Bundeswehr als Dienstherr gegensteuern und dafür sorgen, dass die eigens geschaffene Zentrale Dienstvorschrift „Sport in der Bundeswehr“ an allen Standorten gelebt wird. Hier sind insbesondere die Vorgesetzten gefordert. So getrübt das Bild bei der allgemeinen Fitness unserer Soldaten ist, umso besser stellt sich die Bundeswehr bei der Spitzensportförderung dar. Als Partner des Deutschen Olympischen Sportbundes nimmt die Bundeswehr eine herausragende Stellung ein. Über 700 Sportsoldaten leisten in derzeit 18 Sportfördergruppen ihren Dienst, die grundsätzlich in der Nähe von Olympiastützpunkten bzw. deren Außenstellen und Bundesleistungszentren eingerichtet sind. Durch diese räumliche Nähe findet ein ständiger Austausch zwischen den verschiedenen Leistungsträgern statt. Die Sportsoldaten tragen mit beachtlichen Ergebnissen bei Olympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften zu einem hohen Ansehen Deutschlands bei. Bei der Winterolympiade 2006 in Turin stellte die Bundeswehr 45 Prozent der Sportler, die wiederum 66 Prozent der Medaillen erkämpften. Ein ähnlich gutes Bild gab es bei der Sommerolympiade 2004 in Athen. In Petra Heßwenigen Wochen werden in Peking die Olympischen Sommerspiele 2008 beginnen. Die Bundeswehr wird auch diesmal wieder stark vertreten sein und circa ein Drittel der Athleten stellen. Doch zurück zum aktuellen Sportbericht: Hier wird noch von einer Reduzierung der Plätze für Spitzensportler bei der Bundeswehr von 744 im Jahr 2006 auf 664 im Jahr 2010 ausgegangen. Diese Absenkung der Stellen wird nicht erfolgen, und das ist gut so. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP) Im Gegenteil: Die Plätze für Spitzensportler werden auf 784 angehoben. Hierfür gebührt dem Verteidigungsminister mein ausdrücklicher Dank. Lieber Kollege Kossendey, geben Sie es bitte weiter. Durch die Förderung von Spitzensportlern der Bundeswehr ist es auch möglich, mit leistungsstarken Mannschaften an Sportwettkämpfen mit Streitkräften anderer Nationen teilzunehmen. Auch hier werden beachtliche Erfolge erzielt. Aber nicht nur die Bundeswehr, sondern auch die Bundespolizei betreibt eine erfolgreiche Spitzensportförderung. So werden bei der Bundespolizeisportschule in Bad Endorf 81 Beamtinnen und Beamte in elf olympischen Wintersportarten und im Bundespolizeileistungssportprojekt Cottbus beim Olympiastützpunkt Cottbus/ Frankfurt an der Oder 53 Beamtinnen und Beamte in drei Sommersportarten trainiert. Auch diese Ergebnisse können sich sehen lassen. Es konnten zum Beispiel im Zeitraum 2002 bis 2005 bei Olympischen Spielen 17 und bei Weltmeisterschaften 41 Medaillen erkämpft werden. Da ist ebenfalls eine eindrucksvolle Bilanz. (Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister: Relativ!) Gestatten Sie mir noch einige Worte zur beruflichen Ausbildung unserer Sportlerinnen und Sportler. Hier gibt es derzeit noch sehr unterschiedliche Modelle. Während die Polizei im Regelfall auf Wunsch nach dem aktiven sportlichen Dienst die Übernahme in den Polizeidienst anbietet und parallel zur sportlichen auch die bundespolizeiliche Ausbildung gewährleistet, findet dies in dieser Form in der Bundeswehr nicht statt. Nun hinkt zwar der Vergleich, Herr Minister Schäuble, da bei der Bundeswehr der Anteil der Sportler ungleich höher ist; trotzdem muss die Bundeswehr nach praktikableren oder flexibleren Verfahrensweisen suchen, die einen besseren, einen gleitenderen Einstieg in das künftige Berufsleben möglich machen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Dagmar Freitag [SPD]: Und auch ein Studium ermöglichen! – Eberhard Gienger [CDU/CSU]: Der Verteidigungsminister hat es zugesagt!)Hierbei sollten die verschiedenen staatlichen Institutionen ähnliche Verfahrensweisen anbieten. Dazu wird es noch Gespräche geben müssen. Auch die Dienstzeitverlängerung für die Sportsoldaten der Bundeswehr um jeweils immer nur ein Jahr sollte noch einmal auf den Prüfstand. Gestatten Sie mir, dass ich zum Abschluss noch eine Forderung an die Verbände loswerde. Sie wissen, die Bundesrepublik ist der größte Sponsor des Spitzensports. Allein die Bundeswehr gibt Jahr für Jahr circa 25 Millionen Euro für den Spitzensport aus. Was die Verhandlungen zwischen Verbänden und Sponsoren angeht, bitte ich Sie, geeignete Möglichkeiten zu finden, um die Sportlerinnen und Sportler in die Lage zu versetzen, zum Ausdruck zu bringen, wer ihr Dienstherr ist, der ihnen diese sportlichen Voraussetzungen erst ermöglicht. Die geförderten Sportler sind nun einmal unsere Multiplikatoren, die Sympathieträger der Polizei, des Zolls und der Bundeswehr. So sollte es auch möglich sein, dass sie das mit einem gewissen Stolz in die Welt tragen. Ein kleines Logo bei Wettkämpfen – Herr Kollege Gienger, das könnten Sie auch an den DOSB weiterleiten – tut nicht weh. Diese Leistungssportler demonstrieren nämlich, wie schön Sport und vor allen Dingen sauberer Sport sein kann. Ich wünsche unseren Teilnehmern bei den Olympischen Spielen in Peking faire Wettkämpfe und vor allen Dingen tolle Ergebnisse für unser schönes Land. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP)

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