Rede von Petra Heß (SPD) – Plenarprotokoll 16/166
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Petra Heß (SPD) – Plenarprotokoll 16/166
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Meine Damen und Herren! Herr Kollege
Mayer, wir haben jetzt fast Glück gehabt, dass Sie die
olympische Hymne nicht noch gesungen haben.
(Stephan Mayer [Altötting] [CDU/CSU]: Das war
wirklich Glück! Ich kann nicht singen!)
Im Übrigen ist auch Thüringen ein hervorragendes
Wintersportland.Deutschland ist eine sportbegeisterte Nation. Die
steigende Zahl der Übergewichtigen in unserem Land zeigt
aber auch, dass diese Begeisterung oftmals passiv gelebt
wird. Man schaut halt gern zu, wenn sich andere
schinden. Dabei stellt der deutsche Schriftsteller Martin
Kessel fest:
Der Sport ist eine Tätigkeitsform des Glücks.
Ich freue mich, dass ich dem 11. Sportbericht der
Bundesregierung viel Positives entnehmen konnte, so
bei Spitzensport und Bundeswehr. Beides ist untrennbar
miteinander verbunden. Es ist mir daher ein besonders
Anliegen, auf den Bereich Sportförderung innerhalb der
Bundeswehr und der Bundespolizei einzugehen.
Der 11. Sportbericht stellt fest, dass Sport und
Sportausbildung einen hohen Stellenwert bei Bundeswehr
und Bundespolizei genießen. Das stimmt. Für die
Einsatzfähigkeit der Streitkräfte und der Bundespolizei ist
die körperliche Leistungsfähigkeit der Soldaten und
Bundespolizisten unerlässlich. Eigens ausgebildete
Sportausbilder bzw. Sportleiter stehen den Soldaten und
Bundespolizisten hierbei zur Seite. Bundeswehr und
Bundespolizei verfügen über gute materielle
Voraussetzungen, wobei ich aber an dieser Stelle nicht unerwähnt
lassen möchte, dass gerade bei der Bundeswehr in den
alten Bundesländern Nachholbedarf besteht. Im Rahmen
des Sonderprogramms „Sanierung Kasernen West“
werden in den nächsten Jahren 645 Millionen Euro
aufgewendet, die natürlich auch zu einer Verbesserung der
Sportinfrastruktur beitragen werden.
Dies allein wird aber nicht genügen und ist sicher
auch nicht der alleinige Grund dafür, dass es um die
Fitness unserer Soldaten nicht ganz so gut bestellt ist.
Ursächlich sind nach Meinung des Wehrbeauftragten zu
wenig Zeit für den Sport im Dienst sowie zu wenige
Sportlehrer und Übungsleiter. Hier muss die
Bundeswehr als Dienstherr gegensteuern und dafür sorgen, dass
die eigens geschaffene Zentrale Dienstvorschrift „Sport
in der Bundeswehr“ an allen Standorten gelebt wird.
Hier sind insbesondere die Vorgesetzten gefordert.
So getrübt das Bild bei der allgemeinen Fitness
unserer Soldaten ist, umso besser stellt sich die Bundeswehr
bei der Spitzensportförderung dar. Als Partner des
Deutschen Olympischen Sportbundes nimmt die
Bundeswehr eine herausragende Stellung ein. Über 700
Sportsoldaten leisten in derzeit 18 Sportfördergruppen ihren
Dienst, die grundsätzlich in der Nähe von
Olympiastützpunkten bzw. deren Außenstellen und
Bundesleistungszentren eingerichtet sind. Durch diese räumliche Nähe
findet ein ständiger Austausch zwischen den
verschiedenen Leistungsträgern statt.
Die Sportsoldaten tragen mit beachtlichen
Ergebnissen bei Olympischen Spielen sowie Welt- und
Europameisterschaften zu einem hohen Ansehen Deutschlands
bei. Bei der Winterolympiade 2006 in Turin stellte die
Bundeswehr 45 Prozent der Sportler, die wiederum
66 Prozent der Medaillen erkämpften. Ein ähnlich gutes
Bild gab es bei der Sommerolympiade 2004 in Athen. In
Petra Heßwenigen Wochen werden in Peking die Olympischen
Sommerspiele 2008 beginnen. Die Bundeswehr wird
auch diesmal wieder stark vertreten sein und circa ein
Drittel der Athleten stellen.
Doch zurück zum aktuellen Sportbericht: Hier wird
noch von einer Reduzierung der Plätze für
Spitzensportler bei der Bundeswehr von 744 im Jahr 2006 auf 664 im
Jahr 2010 ausgegangen. Diese Absenkung der Stellen
wird nicht erfolgen, und das ist gut so.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und der FDP)
Im Gegenteil: Die Plätze für Spitzensportler werden auf
784 angehoben. Hierfür gebührt dem
Verteidigungsminister mein ausdrücklicher Dank. Lieber Kollege Kossendey,
geben Sie es bitte weiter.
Durch die Förderung von Spitzensportlern der
Bundeswehr ist es auch möglich, mit leistungsstarken
Mannschaften an Sportwettkämpfen mit Streitkräften anderer
Nationen teilzunehmen. Auch hier werden beachtliche
Erfolge erzielt.
Aber nicht nur die Bundeswehr, sondern auch die
Bundespolizei betreibt eine erfolgreiche
Spitzensportförderung. So werden bei der Bundespolizeisportschule in
Bad Endorf 81 Beamtinnen und Beamte in elf
olympischen Wintersportarten und im
Bundespolizeileistungssportprojekt Cottbus beim Olympiastützpunkt Cottbus/
Frankfurt an der Oder 53 Beamtinnen und Beamte in
drei Sommersportarten trainiert.
Auch diese Ergebnisse können sich sehen lassen. Es
konnten zum Beispiel im Zeitraum 2002 bis 2005 bei
Olympischen Spielen 17 und bei Weltmeisterschaften 41
Medaillen erkämpft werden. Da ist ebenfalls eine
eindrucksvolle Bilanz.
(Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister:
Relativ!)
Gestatten Sie mir noch einige Worte zur beruflichen
Ausbildung unserer Sportlerinnen und Sportler. Hier
gibt es derzeit noch sehr unterschiedliche Modelle.
Während die Polizei im Regelfall auf Wunsch nach dem
aktiven sportlichen Dienst die Übernahme in den
Polizeidienst anbietet und parallel zur sportlichen auch die
bundespolizeiliche Ausbildung gewährleistet, findet dies
in dieser Form in der Bundeswehr nicht statt. Nun hinkt
zwar der Vergleich, Herr Minister Schäuble, da bei der
Bundeswehr der Anteil der Sportler ungleich höher ist;
trotzdem muss die Bundeswehr nach praktikableren oder
flexibleren Verfahrensweisen suchen, die einen besseren,
einen gleitenderen Einstieg in das künftige Berufsleben
möglich machen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und der FDP – Dagmar Freitag
[SPD]: Und auch ein Studium ermöglichen! –
Eberhard Gienger [CDU/CSU]: Der
Verteidigungsminister hat es zugesagt!)Hierbei sollten die verschiedenen staatlichen
Institutionen ähnliche Verfahrensweisen anbieten. Dazu wird es
noch Gespräche geben müssen. Auch die
Dienstzeitverlängerung für die Sportsoldaten der Bundeswehr um
jeweils immer nur ein Jahr sollte noch einmal auf den
Prüfstand.
Gestatten Sie mir, dass ich zum Abschluss noch eine
Forderung an die Verbände loswerde. Sie wissen, die
Bundesrepublik ist der größte Sponsor des
Spitzensports. Allein die Bundeswehr gibt Jahr für Jahr circa
25 Millionen Euro für den Spitzensport aus.
Was die Verhandlungen zwischen Verbänden und
Sponsoren angeht, bitte ich Sie, geeignete Möglichkeiten zu
finden, um die Sportlerinnen und Sportler in die Lage zu
versetzen, zum Ausdruck zu bringen, wer ihr Dienstherr
ist, der ihnen diese sportlichen Voraussetzungen erst
ermöglicht. Die geförderten Sportler sind nun einmal
unsere Multiplikatoren, die Sympathieträger der Polizei,
des Zolls und der Bundeswehr. So sollte es auch möglich
sein, dass sie das mit einem gewissen Stolz in die Welt
tragen.
Ein kleines Logo bei Wettkämpfen – Herr Kollege
Gienger, das könnten Sie auch an den DOSB weiterleiten –
tut nicht weh. Diese Leistungssportler demonstrieren
nämlich, wie schön Sport und vor allen Dingen sauberer
Sport sein kann.
Ich wünsche unseren Teilnehmern bei den
Olympischen Spielen in Peking faire Wettkämpfe und vor allen
Dingen tolle Ergebnisse für unser schönes Land.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der
FDP)