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Rede von Martin Gerster (SPD) – Plenarprotokoll 16/166

dip / rede 05.06.2008 · WP 16 · Original ↗

Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.

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Text

Rede von Martin Gerster (SPD) – Plenarprotokoll 16/166 Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Minister Schäuble! Wenn man die 124 Seiten des 11. Sportberichts der Bundesregierung – ein gutes Pfund Papier – liest und feststellt, was sich hinter den Ergebnissen und Tabellen, die Tag für Tag in Sportzeitungen abgedruckt sind, verbirgt, dann stellt man sehr schnell fest, dass der Sport wesentlich mehr ist als körperliche Ertüchtigung. Der Sport leistet einen Beitrag dazu, dass verschiedene Generationen zusammenkommen und dass zwischen Menschen, die sich ohne den Sport vielleicht nie kennengelernt hätten, ein Zusammenhalt entsteht, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer sozialen Zugehörigkeit und ihrer Hautfarbe. Sport ist sozialer Kitt in unserer Gesellschaft. Ich denke, das ist die eigentliche Botschaft, die vom Sport und auch vom 11. Sportbericht der Bundesregierung, den wir heute diskutieren, ausgeht. Martin GersterUmso schlimmer ist es, dass einige Gruppen den Sport missbrauchen wollen, um Gewalt zu provozieren und Rechtsextremismus in unsere Gesellschaft zu tragen. Es ist wichtig, dass von uns, der Politik, das klare Signal ausgeht: Wir wollen nicht, dass der Sport für Ziele, die nichts mit Sport zu tun haben, missbraucht wird. (Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP und der LINKEN) Deshalb ist es notwendig, dass die Bundespolitik die Fanprojekte im Sport, insbesondere im Fußball, unterstützt. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der LINKEN) Ich finde es gut, dass die Bundesregierung und wir, das Parlament, die Koordinierungsstelle für Fanprojekte in Frankfurt mit Mitteln in Höhe von 165 000 Euro unterstützen. Allerdings ist dieser Betrag das untere Limit dessen, was wir hierfür bereitstellen könnten. Eigentlich müssten wir diese Mittel aufstocken. (Beifall des Abg. Winfried Hermann [BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN]) Außerdem müssen wir endlich eine gemeinsame Initiative auf den Weg bringen, um dafür zu sorgen, dass auch das einzige Bundesland, das sich bisher nicht beteiligt, nämlich Baden-Württemberg, (Dagmar Freitag [SPD]: Aha! Das ist ja interessant!) einen Beitrag dazu leistet, dass beim VfB Stuttgart ein Fanprojekt zur Bekämpfung von Gewalt und Extremismus im Fußball unterstützt wird. (Beifall bei der SPD und der LINKEN sowie des Abg. Winfried Hermann [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]) Ob eine Gesellschaft solidarisch ist oder nicht, lässt sich daran messen, wie sie mit Menschen, die ein Handicap haben, die also benachteiligt oder behindert sind, umgeht. Wir müssen deutlich machen, dass der Bund den Deutschen Behindertensportverband und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Paralympics unterstützt. 65 Prozent der Ausgaben im Bereich des Behindertensports, des Leistungssports, des Breitensports und der Rehabilitation, werden vom Bund getragen. Wir müssen zum Ausdruck bringen, dass wir in diesem Bereich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe erfüllen, die sonst womöglich niemand wahrnehmen würde. Das ist auch ein Kennzeichen dafür, dass wir in Deutschland eine solidarische Gesellschaft aufgebaut haben, dass uns diese Menschen wichtig sind. Ich glaube, die behinderten Sportlerinnen und Sportler sind wahre Vorbilder für unsere Gesellschaft.(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ CSU, der FDP, der LINKEN und des BÜND- NISSES 90/DIE GRÜNEN) An dieser Stelle möchte ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums meinen Dank aussprechen, die unkompliziert gehandelt haben, als Verena Bentele, eines unserer Aushängeschilder, einen Begleitläufer suchte – sie ist von Geburt an blind – und zu klären war, wo dieser Begleitläufer arbeiten kann, wenn er gleichzeitig mit Verena Bentele trainieren soll. Es ist gelungen, den Begleitläufer in einer Fördergruppe der Bundeswehr unterzubringen. Herzlichen Dank noch einmal, auch im Namen von Verena Bentele, an das Verteidigungsministerium! Dass das geklappt hat, ist ein Zeichen dafür, dass wir den Behindertensport unterstützen. (Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ CSU und der FDP) Ich war dabei, als Minister Schäuble letzte Woche im Hilton zahlreichen Sportlerinnen und Sportlern das Silberne Lorbeerblatt verliehen hat. Es wurde deutlich, welche Vielfalt es im deutschen Sport gibt: Er besteht nicht nur aus Fußball, Handball, Basketball, nein, 4 Millionen Menschen, organisiert in 27 Spitzenverbänden, engagieren sich in den sogenannten nichtolympischen Sportarten. Auch von diesen Menschen wurden letzte Woche viele für ihre Leistung ausgezeichnet. Wir müssen darüber nachdenken, ob es richtig ist, dass bei Treffen des DOSB die nichtolympischen Verbände – sie erhalten gerade einmal 2,5 bis 4 Prozent Förderung – als „die Skontoverbände“ abgetan werden; diese Förderung geht nicht zulasten der olympischen Verbände. Wir müssen darüber diskutieren, wie eine entsprechende Würdigung dieser Sportarten erfolgen kann, auch im Hinblick darauf, dass Deutschland, Düsseldorf 2013 Gastgeber der World Games sein wird. Herr Minister Schäuble, ich hoffe, dass es in Zusammenarbeit mit Ihrem Hause gelingt, die Finanzierungsgrundlagen hierfür zu schaffen. Es heißt, dass die olympischen Sportarten vorrangig zu bedienen sind. Daran gibt es keinen Zweifel. Das heißt aber nicht, dass die anderen nachrangig sind und nur noch das bekommen, was als Rest übrig bleibt. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Ich will den Bogen zum Ehrenamt schlagen. Es wird ja oft kritisiert, der Spitzensport werde gefördert, der Breitensport aber vernachlässigt. Eine Säule aller Aktivitäten im Sport ist das Ehrenamt. Vom Spitzensport gehen hier wichtige Signale aus. In meiner Heimatstadt Biberach fand letztes Jahr zum ersten Mal ein großes Leichtathletikmeeting statt, und in wenigen Wochen wird das zweite stattfinden. Der Sportkreis Biberach und die zahlreichen Sportvereine mit ihren Ehrenamtlichen machen jetzt einen Fackellauf durch die ganze Region, an dem sich Tausende von Freizeitsportlern beteiligen. Das ist das, was wir wollen: dass der Spitzensport Anreize gibt, Motivation gibt, sich sportlich zu betätigen, um weitere Aktivitäten und Aktionen entfalten zu kön- Martin Gersternen. Deswegen ist es gut, dass wir auf Initiative der Bundesregierung das Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements auf den Weg gebracht haben. Wir würdigen durch die Erhöhung des Steuerfreibetrags die Leistung der vielen Ehrenamtlichen und wertschätzen die Vereine. Lieber Detlef Parr, du hast vorhin auf die Thematik der Sportwetten hingewiesen. Ich war am Samstag bei einer Veranstaltung des Württembergischen Landessportbundes. Auf dieser Veranstaltung hat auch FDP- Minister Goll ausdrücklich gelobt, dass wir uns auf den Staatsvertrag geeinigt haben. (Detlef Parr [FDP]: Die haben noch nicht die aktuellen Zahlen auf dem Tisch!) Bei all dem, was ich höre, kann ich nur die Frage stellen: Warum macht die FDP in den Ländern das Gegenteil von dem, was die FDP-Bundestagsfraktion fordert? Herzlichen Dank. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

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