Rede von Martin Gerster (SPD) – Plenarprotokoll 16/166
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Martin Gerster (SPD) – Plenarprotokoll 16/166
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! Sehr geehrter Herr Minister Schäuble! Wenn man
die 124 Seiten des 11. Sportberichts der
Bundesregierung – ein gutes Pfund Papier – liest und feststellt, was
sich hinter den Ergebnissen und Tabellen, die Tag für
Tag in Sportzeitungen abgedruckt sind, verbirgt, dann
stellt man sehr schnell fest, dass der Sport wesentlich
mehr ist als körperliche Ertüchtigung. Der Sport leistet
einen Beitrag dazu, dass verschiedene Generationen
zusammenkommen und dass zwischen Menschen, die sich
ohne den Sport vielleicht nie kennengelernt hätten, ein
Zusammenhalt entsteht, unabhängig von ihrer Herkunft,
ihrer sozialen Zugehörigkeit und ihrer Hautfarbe. Sport
ist sozialer Kitt in unserer Gesellschaft. Ich denke, das
ist die eigentliche Botschaft, die vom Sport und auch
vom 11. Sportbericht der Bundesregierung, den wir
heute diskutieren, ausgeht.
Martin GersterUmso schlimmer ist es, dass einige Gruppen den
Sport missbrauchen wollen, um Gewalt zu provozieren
und Rechtsextremismus in unsere Gesellschaft zu
tragen. Es ist wichtig, dass von uns, der Politik, das klare
Signal ausgeht: Wir wollen nicht, dass der Sport für
Ziele, die nichts mit Sport zu tun haben, missbraucht
wird.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der FDP
und der LINKEN)
Deshalb ist es notwendig, dass die Bundespolitik die
Fanprojekte im Sport, insbesondere im Fußball,
unterstützt.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der FDP und der LINKEN)
Ich finde es gut, dass die Bundesregierung und wir, das
Parlament, die Koordinierungsstelle für Fanprojekte in
Frankfurt mit Mitteln in Höhe von 165 000 Euro
unterstützen. Allerdings ist dieser Betrag das untere Limit
dessen, was wir hierfür bereitstellen könnten. Eigentlich
müssten wir diese Mittel aufstocken.
(Beifall des Abg. Winfried Hermann [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN])
Außerdem müssen wir endlich eine gemeinsame
Initiative auf den Weg bringen, um dafür zu sorgen, dass auch
das einzige Bundesland, das sich bisher nicht beteiligt,
nämlich Baden-Württemberg,
(Dagmar Freitag [SPD]: Aha! Das ist ja
interessant!)
einen Beitrag dazu leistet, dass beim VfB Stuttgart ein
Fanprojekt zur Bekämpfung von Gewalt und
Extremismus im Fußball unterstützt wird.
(Beifall bei der SPD und der LINKEN sowie
des Abg. Winfried Hermann [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN])
Ob eine Gesellschaft solidarisch ist oder nicht, lässt
sich daran messen, wie sie mit Menschen, die ein
Handicap haben, die also benachteiligt oder behindert sind,
umgeht.
Wir müssen deutlich machen, dass der Bund den
Deutschen Behindertensportverband und die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Paralympics unterstützt.
65 Prozent der Ausgaben im Bereich des
Behindertensports, des Leistungssports, des Breitensports und der
Rehabilitation, werden vom Bund getragen. Wir müssen
zum Ausdruck bringen, dass wir in diesem Bereich eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe erfüllen, die sonst
womöglich niemand wahrnehmen würde. Das ist auch ein
Kennzeichen dafür, dass wir in Deutschland eine
solidarische Gesellschaft aufgebaut haben, dass uns diese
Menschen wichtig sind. Ich glaube, die behinderten
Sportlerinnen und Sportler sind wahre Vorbilder für
unsere Gesellschaft.(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/
CSU, der FDP, der LINKEN und des BÜND-
NISSES 90/DIE GRÜNEN)
An dieser Stelle möchte ich den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums meinen
Dank aussprechen, die unkompliziert gehandelt haben,
als Verena Bentele, eines unserer Aushängeschilder,
einen Begleitläufer suchte – sie ist von Geburt an blind –
und zu klären war, wo dieser Begleitläufer arbeiten
kann, wenn er gleichzeitig mit Verena Bentele trainieren
soll. Es ist gelungen, den Begleitläufer in einer
Fördergruppe der Bundeswehr unterzubringen. Herzlichen
Dank noch einmal, auch im Namen von Verena Bentele,
an das Verteidigungsministerium! Dass das geklappt hat,
ist ein Zeichen dafür, dass wir den Behindertensport
unterstützen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/
CSU und der FDP)
Ich war dabei, als Minister Schäuble letzte Woche im
Hilton zahlreichen Sportlerinnen und Sportlern das
Silberne Lorbeerblatt verliehen hat. Es wurde deutlich,
welche Vielfalt es im deutschen Sport gibt: Er besteht
nicht nur aus Fußball, Handball, Basketball, nein, 4
Millionen Menschen, organisiert in 27 Spitzenverbänden,
engagieren sich in den sogenannten nichtolympischen
Sportarten. Auch von diesen Menschen wurden letzte
Woche viele für ihre Leistung ausgezeichnet.
Wir müssen darüber nachdenken, ob es richtig ist,
dass bei Treffen des DOSB die nichtolympischen
Verbände – sie erhalten gerade einmal 2,5 bis 4 Prozent
Förderung – als „die Skontoverbände“ abgetan werden;
diese Förderung geht nicht zulasten der olympischen
Verbände. Wir müssen darüber diskutieren, wie eine
entsprechende Würdigung dieser Sportarten erfolgen kann,
auch im Hinblick darauf, dass Deutschland, Düsseldorf
2013 Gastgeber der World Games sein wird. Herr
Minister Schäuble, ich hoffe, dass es in Zusammenarbeit mit
Ihrem Hause gelingt, die Finanzierungsgrundlagen
hierfür zu schaffen. Es heißt, dass die olympischen
Sportarten vorrangig zu bedienen sind. Daran gibt es keinen
Zweifel. Das heißt aber nicht, dass die anderen
nachrangig sind und nur noch das bekommen, was als Rest übrig
bleibt.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Ich will den Bogen zum Ehrenamt schlagen. Es wird
ja oft kritisiert, der Spitzensport werde gefördert, der
Breitensport aber vernachlässigt. Eine Säule aller
Aktivitäten im Sport ist das Ehrenamt. Vom Spitzensport
gehen hier wichtige Signale aus. In meiner Heimatstadt
Biberach fand letztes Jahr zum ersten Mal ein großes
Leichtathletikmeeting statt, und in wenigen Wochen
wird das zweite stattfinden. Der Sportkreis Biberach und
die zahlreichen Sportvereine mit ihren Ehrenamtlichen
machen jetzt einen Fackellauf durch die ganze Region,
an dem sich Tausende von Freizeitsportlern beteiligen.
Das ist das, was wir wollen: dass der Spitzensport
Anreize gibt, Motivation gibt, sich sportlich zu betätigen,
um weitere Aktivitäten und Aktionen entfalten zu kön-
Martin Gersternen. Deswegen ist es gut, dass wir auf Initiative der
Bundesregierung das Gesetz zur weiteren Stärkung des
bürgerschaftlichen Engagements auf den Weg gebracht
haben. Wir würdigen durch die Erhöhung des
Steuerfreibetrags die Leistung der vielen Ehrenamtlichen und
wertschätzen die Vereine.
Lieber Detlef Parr, du hast vorhin auf die Thematik
der Sportwetten hingewiesen. Ich war am Samstag bei
einer Veranstaltung des Württembergischen
Landessportbundes. Auf dieser Veranstaltung hat auch FDP-
Minister Goll ausdrücklich gelobt, dass wir uns auf den
Staatsvertrag geeinigt haben.
(Detlef Parr [FDP]: Die haben noch nicht die
aktuellen Zahlen auf dem Tisch!)
Bei all dem, was ich höre, kann ich nur die Frage stellen:
Warum macht die FDP in den Ländern das Gegenteil
von dem, was die FDP-Bundestagsfraktion fordert?
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Relationen
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