Rede von Dr. Norman Paech (DIE LINKE) – Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 4 a bis 4 c: Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer.
Text
Rede von Dr. Norman Paech (DIE LINKE) – Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer
Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und
Kollegen! Die Linke wird der Mandatsverlängerung nicht
zustimmen,
und zwar aus ganz einfachen Gründen: Die UN-
Sicherheitsratsresolution 1244 von 1999 taugt nicht mehr als
Rechtsgrundlage für eine Verlängerung des
Bundeswehreinsatzes. Die Umstände haben sich mit der einseitigen
Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Februar 2008
grundlegend und entscheidend verändert. Diese
Unabhängigkeitserklärung war völkerrechtswidrig, ebenso die
anschließende Anerkennung durch die Bundesregierung.
Das haben Sie – das ist das Interessante – in der Debatte
vor einem Jahr genauso gesehen, und das möchte ich
Ihnen in Erinnerung rufen.Die Bundesregierung, Herr Steinmeier, hat damals in
ihrem Antrag auf Verlängerung des Mandats die
Hoffnung ausgedrückt, „dass der VN-Sicherheitsrat seiner
Aufgabe gerecht wird und möglichst bald eine neue
Resolution verabschiedet, die … die bisherige
Resolution 1244 (1999) des VN-Sicherheitsrates ablöst und die
Grundlage für die neue internationale Präsenz schafft“.
Sie betonte damals, dass eine „derartige Folgeresolution
... eine Neumandatierung des Bundeswehreinsatzes im
Rahmen einer konstitutiven Befassung des Deutschen
Bundestages notwendig machen wird“.
Kollege Polenz, erinnern Sie sich noch an das, was
Sie in der Debatte am 21. Juni 2007 gesagt haben?
Folgendes:
Die jetzige Rechtsgrundlage … ist die
Sicherheitsratsresolution 1244. Es ist klar, dass bei einer
Veränderung eine rechtzeitige neue Befassung des
Bundestages erfolgen muss. Es ist genauso klar,
dass der Bundeswehreinsatz in jedem Fall und zu
jedem Zeitpunkt eine eindeutige rechtliche
Grundlage haben muss.
Sie können doch jetzt nicht behaupten, dass diese
rechtliche Grundlage nun gegeben ist.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos])
Frau Kollegin Zapf, erinnern Sie sich noch an Ihre
Worte am 21. Juni 2007? Sie sagten:
Ich finde allerdings, dass eine einseitige,
unkonditionierte Anerkennung des Kosovo … über den
Horizont des Denkens hinausgeht. Eine solche
Anerkennung kann nicht infrage kommen.
Meine Frage an Sie: Hat sich Ihr Horizont jetzt
erweitert?
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos])
Zur FDP. Sie stellte in ihrem Entschließungsantrag
damals ganz unmissverständlich Folgendes fest:
Innerhalb des Kosovo mehren sich die Stimmen,
die eine einseitige Unabhängigkeitserklärung
fordern. Völkerrechtlich wäre eine solche Erklärung
ein Bruch der Resolution 1244.
… Mit dem Bruch der Resolution 1244 würden
beide Institutionen
– KFOR wie UNMIK –
ihre Legitimitätsbasis verlieren.
Sie, Kollege Stinner, wiederholten das in Ihrer Rede fast
wörtlich.
Schließlich zu den Grünen. In ihrem
Entschließungsantrag, aus dem ich zitiere, sagten sie:
Grundlage dafür
– für die weitere Stationierung der Bundeswehr –
Dr. Norman Paechist das Beharren auf einer neuen UN-Resolution,
die Resolution 1244 ersetzt. Eine
Unabhängigkeitserklärung der kosovarischen Regierung kann
ebenfalls nur auf dieser Grundlage erfolgen. Sollte eine
dieser Bedingungen oder beide nicht mehr erfüllt
sein, wäre die völkerrechtliche Grundlage für das
KFOR-Mandat und die UNMIK-Mission entfallen.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos])
So haben Sie sich im Juni 2007 geäußert.
All diesen Reden zum Trotz ist nach der
Unabhängigkeitserklärung im Februar 2008 genau das Gegenteil
geschehen: Die Bundesregierung hat weder ihre KFOR-
Truppen zurückgerufen noch eine neue Resolution als
Grundlage für die weitere Präsenz der Bundeswehr im
Kosovo gefordert. Stattdessen hat sie den Bundestag
schlichtweg übergangen, das Völkerrecht missachtet und
das Kosovo anerkannt.
Waren diese Ihre Worte eigentlich nur das Geschwätz
vom vergangenen Jahr, das Sie heute nicht mehr
kümmert?
Herr Kollege Polenz, Sie warnten vor einem Jahr,
dass sich einseitige Schritte in Priština „wie der Funke
an einem Pulverfass auswirken“ könnten. Was ist
eigentlich mit den vielen anderen Pulverfässern dieser Welt,
in Abchasien, Südossetien, bei den Basken, den
Kurdinnen und Kurden, in Tibet? Wollen Sie bei der Lösung all
dieser Konflikte nach Gutsherrenart, nach dem Prinzip
der politischen Willkür verfahren? Ich sage Ihnen eines:
Die Missachtung von Völkerrecht löst keine Probleme,
sondern wird immer weitere Probleme schaffen.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos])
Deswegen rate ich Ihnen: Kehren Sie zum Völkerrecht
zurück, und holen Sie die deutschen Truppen aus dem
Kosovo zurück!
Danke schön.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos])