Rede von Caren Marks (SPD) – Drucksache 16/9415
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 10: Drucksache 16/9415 –.
Text
Rede von Caren Marks (SPD) – Drucksache 16/9415
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Lenke, eine
kleine Anmerkung vorweg: Natürlich ist das Bessere
stets der Feind des Guten. Aber dazu kann ich Ihre
Vorschläge überwiegend leider nicht zählen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Ina
Lenke [FDP]: Die Frauen, die Steuerklasse V
haben, werden sich freuen!)
Zu Frau Fischbach möchte ich Folgendes sagen: Sie
haben vorhin vom Wickelvolontariat gesprochen. Ich
möchte, weil ich weiß, dass Sie genauso wie ich von den
Partnermonaten überzeugt sind, darauf hinweisen, dass
wir den Begriff Wickelvolontariat nicht gebrauchen
sollten; denn das war ein Kampfbegriff von Herrn
Ramsauer, der sich damals gegen die Partnermonate
ausgesprochen hat. Es ist mir wichtig, darauf hinzuweisen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Ingrid
Fischbach [CDU/CSU]: Aber ich darf doch
sagen, was ich möchte, oder?)
Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten
haben den Familien im Wahlkampf 2005 ein Elterngeld
versprochen. Wir haben dieses Versprechen zum 1.
Januar 2007 eingelöst. Wir haben das bisherige
Erziehungsgeld durch ein modernes Elterngeld nach
skandinavischem Vorbild abgelöst. Das Elterngeld ist eine neue
Leistung für Familien.
Mit dem heute vorliegenden Gesetzentwurf wollen
wir kurzfristig auf Hinweise reagieren, die uns aus der
Praxis erreicht haben.
Hinweis Nummer eins: Teenager, die Kinder
bekommen, wollen ihre Ausbildung beenden. Die Großeltern,
die sie dabei unterstützen möchten, haben jedoch
gegenüber ihren Arbeitgebern bisher keinen Anspruch auf
Elternzeit.
Hinweis Nummer zwei: Aktuell kann der
Elterngeldantrag nur in Härtefällen wie Krankheit oder Tod
geändert werden. Wenn sich aber die Erwerbssituation
verändert, konnten Mütter und Väter ihre Elterngeldmonate
bisher nicht flexibel anpassen. Das haben wir verändert.
Hinweis Nummer 3: In Einzelfällen gibt es Nachteile
für Wehr- und Zivildienstleistende bei der Berechnung
des Elterngeldes. Auch das wurde verändert.
Hinweis Nummer 4: Vereinzelt musste Elterngeld für
weniger als zwei Monate bewilligt werden. Das war
nicht zielführend. Frau Lenke, diesen vier Hinweisen tragen wir mit
dem vorliegenden Gesetzentwurf Rechnung. Damit
verbessern wir die Wirkung der Elternzeit und des
Elterngeldes. Wir verbessern insgesamt die Vereinbarkeit von
Familie, Ausbildung und Beruf.
Die Initiative zur Einführung der sogenannten
Großelternzeit bei Teenagerschwangerschaften kam aus den
Reihen der Sozialdemokratinnen. Es freut uns, dass es
uns in der Großen Koalition gelungen ist, dies
umzusetzen. Teenagereltern unterstützen wir mit diesen
Neuregelungen, sodass sie ihre Ausbildungen abschließen
können. Schul- und Bildungsabschlüsse sind für ihre
späteren Berufschancen von immenser Bedeutung.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Frau Lenke, das ist für Sie vielleicht spannend: Im
Herbst wird die Bundesregierung eine erste umfassende
Evaluation zum Elterngeld vorlegen. Das wird die
Datenbasis für eine sinnvolle Weiterentwicklung des
Elterngeldes sein.
Zusammenfassend kann man sagen: Das Elterngeld
wirkt. Junge Eltern müssen in Deutschland nicht mehr
befürchten, dass die Geburt eines Kindes für sie mit
erheblichen Einbußen verbunden ist. Beiderseits
erwerbstätige Paare profitieren dadurch, dass das wegfallende
Nettoeinkommen zu 67 Prozent ersetzt wird.
Geringverdienerinnen und -verdiener bekommen einen höheren
prozentualen Einkommensersatz. Paare mit einem
Verdiener erhalten das Elterngeld on top. Auch sie
profitieren von einem insgesamt höheren Familieneinkommen.
Familien, die von Leistungen der Grundsicherung leben,
bekommen das Elterngeld ebenfalls on top; denn das
Elterngeld wird nicht auf die existenzsichernden
Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II angerechnet. Diese
Wirkungen sind sozial gerecht.
Die zweijährige Bezugsdauer des früheren
Erziehungsgeldes wurde in der Fachwelt als Falle für Frauen
bezeichnet, und zwar zu Recht. Zu viele Frauen haben
nach der bezahlten Elternzeit von zwei Jahren den
Wiedereinstieg in den Beruf nicht geschafft. Sie mussten
einen Teil ihrer Lebenswünsche aufgeben und auf eine
eigenständige soziale Absicherung verzichten.
Meine sehr geehrten Damen und Herren von der
Linken, Ihre Forderung nach einer Verlängerung des
Bezugszeitraums zeigt, dass sich das traditionelle
Familienbild von Christa Müller bei Ihnen leider mehr und mehr
durchsetzt.
(Beifall bei der SPD – Jörn Wunderlich [DIE
LINKE]: Absoluter Quatsch!)
Wir hingegen setzen auf eine moderne Frauen- und
Familienpolitik. Das entspricht den Wünschen der jungen
Männer und Frauen in diesem Land. Dafür steht auch
das Elterngeld. Wir wollen mehr Männer, die sich
Familienarbeit mit ihren Partnerinnen teilen. Das haben wir
erreicht. Heute gehen dreimal so viele Väter in Elternzeit
wie im Jahr 2006, und die Tendenz ist steigend. Rund
40 Prozent von ihnen nehmen sie länger als zwei
Monate. Die Orientierung des Elterngeldes am Nettoeinkom-
Caren Marksmen und die Partnermonate sind ein wirksamer Anreiz.
Sie erleichtern gemeinsame Erziehungsverantwortung.
Es hat sich gelohnt, dass wir diese gezielte Starthilfe
für Mütter und Väter durchgesetzt haben. Mit dem
Elterngeld, mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und mit
familienfreundlichen Arbeitsbedingungen schaffen wir
echte Wahlfreiheit für Familien.