Rede von Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/9415
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 10: Drucksache 16/9415 –.
Text
Rede von Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/9415
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man ein
Instrument wie das Elterngeld einführt, dann hat das
zwangsläufig zur Folge, dass nach einem Jahr Korrektur-
und Verbesserungsbedarf besteht, weil man im Laufe der
Zeit vieles lernt. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf
soll die Feinkorrektur dieses neuen Instruments
vorgenommen werden.
Ich muss allerdings darauf hinweisen, dass dem
Parlament bis zum 1. Oktober dieses Jahres ein erster Bericht
vorgelegt werden soll, in dem die Folgen und der
Wirkungsbereich der Einführung des Elterngeldes
dargestellt werden. Eigentlich wäre es sinnvoll gewesen, mit
den Korrekturen zu warten, bis dieser Bericht vorliegt.
Dann hätte man daraus Konsequenzen ziehen und die
Instrumente dementsprechend anpassen können.
Sie wollten aber nicht bis zum Herbst dieses Jahres
warten, und wir wissen auch, warum.
(Caren Marks [SPD]: Weil man den Familien
schon eher helfen sollte! – Kerstin Griese
[SPD]: Gute Sachen muss man so schnell wie
möglich machen!)
Wir wissen, dass in der Koalition schnelle,
einvernehmliche familienpolitische Verfahren Seltenheitswert
haben.
(Ingrid Fischbach [CDU/CSU]: Wie bitte?
Waren Sie zweieinhalb Jahre nicht im
Parlament?)
Spätestens mit der Vorlage des Wirkungsberichts zum
Elterngeld hätten Sie sich darauf einigen müssen, wie es
mit den Vätermonaten weitergeht. Die Ministerin hat die
Debatte darüber ja schon eröffnet.
(Ingrid Fischbach [CDU/CSU]: Die Debatte
ist doch vorbei, Frau Deligöz!)
Aber Sie möchten das lieber zu einem Wahlkampfthema
machen, als hier etwas Konkretes vorzulegen.
Die Familienministerin hat, was die Ausweitung der
Partnermonatsregelung angeht, eine konkrete
Positionierung mehrfach vermieden. Sie hat selber gesagt, das
überlasse sie der Diskussion, die sich sicher entwickeln
wird. So redet jemand, der sich entweder nicht festlegen
will oder nicht festlegen kann.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Ina
Lenke [FDP])
Womöglich gibt es nicht nur innerhalb der Koalition,
sondern sogar innerhalb der CDU/CSU-Fraktion
Differenzen. (D)
Ekin Deligöz(Ingrid Fischbach [CDU/CSU]: Das hätten Sie
gern, Frau Deligöz!)
Dass Sie darauf beharren, Bericht und Korrekturen zu
trennen, lässt darauf schließen, dass Sie den Bericht als
Wahlkampfschlager verwenden möchten. Ich sage
Ihnen: Das wird Ihnen nur bedingt gelingen.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN – Ingrid Fischbach
[CDU/CSU]: Tosender Beifall!)
Das, was jetzt gemacht werden soll, ist Klein-Klein,
ja klitzeklein, und ab Herbst wird der Wahlkampf toben.
Bis dahin gibt es mit dem Gesetzentwurf ein paar
Vorschläge, die grundsätzlich nicht schlecht sind: Die
Einführung einer Mindestbezugsdauer für die
Partnermonate kann man begrüßen, genauso, dass Wehr- und
Zivildienst bei der Einkommensermittlung
ausgeklammert werden sollen. Zur Revidierung der
Leistungsaufteilung muss ich sagen: Eigentlich gibt es keinen Grund,
warum, wenn man eine Leistungsaufteilung im Härtefall
zugesteht, dies nur einmalig möglich sein soll.
Härtefälle können schließlich öfters vorkommen.
Auch der Vorschlag einer sogenannten Großelternzeit
ist nachvollziehbar. Gerade im Falle von
Teenagerschwangerschaften ist jede Hilfe willkommen und
sinnvoll.
(Ingrid Fischbach [CDU/CSU]: Also stimmen
Sie zu? Fein!)
Ich glaube, dass die Großelternzeit in Anspruch
genommen werden wird, Herr Wunderlich. Die Großeltern
könnten zum Beispiel auf Teilzeitarbeit übergehen; auch
in diesem Sinne ist Elternzeit möglich. Das Problem ist
aber: Was passiert, wenn sich die Großeltern mit den
Eltern nicht einigen können? Die ersten Experten sagen
schon, dass diese Regelung Konflikte nicht aus dem Weg
räumt, sondern womöglich vertieft bzw. neue Konflikte
schafft. Darüber werden wir in der Anhörung, die die
Oppositionsfraktionen verlangen, noch zu sprechen
haben.
Abgesehen davon erschließt es sich mir nicht, warum
Sie sich, wenn Sie schon eine solche Öffnung vorsehen,
auf die Großeltern konzentrieren. Man könnte doch
sagen: In einer modernen Welt, in der es verschiedene
Familienformen gibt, gibt es auch andere Konstellationen
des Zusammenlebens, des Miteinander-Verantwortung-
Übernehmens.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
des Abg. Jörn Wunderlich [DIE LINKE])
Auch diesen Konstellationen sollte man eine solche
Möglichkeit eröffnen. Das Ziel ist doch, dass die
Teenager auch mit Kind ihre Schule oder Ausbildung
fortführen und beenden können.
(Ingrid Fischbach [CDU/CSU]: Es hat doch
keiner etwas anderes gesagt!)Wir machen jetzt Klein-Klein. Die großen Reformen,
die Änderungen, die auf jeden Fall anstehen, werden uns
dann im Herbst beschäftigen.
Relationen
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