Rede von Hans-Kurt Hill (DIE LINKE) – Von der
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 20 a und 20 b: Zweite und dritte Beratung des von der.
Text
Rede von Hans-Kurt Hill (DIE LINKE) – Von der
Die CDU setzt auf die gefährliche Atomkraft. Was das
kostet, darüber will sie aber nicht reden. Durchwinken
heißt die Devise, wenn es um die Folgen und volkswirt-schaftlichen Auswirkungen der Atomkraft geht. Das
wurde am vergangenen Mittwoch in der Sitzung des
Umweltausschusses deutlich.
Mit der Vorlage der Bundesregierung sollen zwar
unter anderem die Haftungssummen für Atomtransporte neu
festgelegt und EU-weit vereinheitlicht werden. Doch bei
genauerem Hinsehen entpuppt sich der Entwurf als
Luftnummer. Die Mindesthaftung bei Atomtransporten soll
80 Millionen Euro betragen. Bei einem Unfall mit
abgebranntem Nuklearmaterial wird diese Summe nicht
einmal im Ansatz reichen. Die Folgen eines Schadenfalls
würden das Hundertfache kosten.
Gleichzeitig klammert die Änderung des Atomgesetzes
eine längst überfällige Haftungsregelung für deutsche
Atomkraftwerke aus. Die Bundesregierung hält es nicht
für nötig, das Kassemachen der Atomkonzerne auf
Kosten der Bürgerinnen und Bürger zu beenden. So heißt es
im Gesetzentwurf, die Änderung „erfordert keine
inhaltlichen Anpassungen des nationalen Rechts“.
Damit wir uns richtig verstehen: Die Energiebosse
haben für ihre Atomkraftwerke jeweils eine
Haftungsbegrenzung von 2,5 Milliarden Euro. Die Folgekosten eines
Kernschmelzeunfalls werden aber mit 500 Milliarden bis
5 Billionen Euro angegeben. Ungeheure Summen würden
im Ernstfall auf die Allgemeinheit abgewälzt. Das würde
auch die deutsche Volkswirtschaft für längere Zeit
lähmen.
So etwas ist nicht hinnehmbar und verdeckt die
tatsächlichen Kosten der Atomenergienutzung. Diese
rechnet sich für die Anlagenbetreiber doch nur, weil die
enormen Zusatzkosten und Risiken auf die öffentliche Hand
abgewälzt werden. Bezieht man die sozialen,
ökologischen und gesundheitlichen Risiken in die Stromrechnung
mit ein, würde Atomstrom je Kilowatt nicht 2 Cent,
sondern 2 Euro kosten.
Damit ist klar: Atomenergie ist unwirtschaftlich,
gefährlich und nicht beherrschbar – ganz abgesehen davon,
dass die Frage der Endlagerung hochradioaktiver Stoffe
wohl nie abschließend geklärt werden kann. Die
Linksfraktion fordert die Bundesregierung deshalb auf, die
Haftungsfrage auch in Deutschland mit der vorliegenden
Gesetzesvorlage neu zu regeln. Man muss schließlich
auch zur Kenntnis nehmen, dass die Energiekonzerne mit
jedem der maroden Atomblöcke pro Jahr mindestens
300 Millionen Euro Profit machen. Die wahren Kosten
der Atomenergie müssen endlich offengelegt werden.
Letztendlich muss die Konsequenz aber lauten: Raus aus
der gefährlichen Atomenergie, so schnell wie möglich.
Einige Verbesserungen bringt der Entwurf aber: Das
Bundesamt für Strahlenschutz kann zukünftig Kosten für
Verwaltungsaufgaben in Rechnung stellen. Das ist zu
begrüßen; denn es ist nicht gerechtfertigt, dass die
Bürgerinnen und Bürger die Kosten der gefährlichen
Atomenergie durch die Hintertür bezahlen.
Die Linke wird sich deshalb zu den Gesetzentwürfen
enthalten.Zu Protokoll gegebene Reden