Berichte über rechtsextreme Bezüge des Fördervereins Berliner Schloss e.V. und die Haltung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss
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Berichte über rechtsextreme Bezüge des Fördervereins Berliner Schloss e.V. und die Haltung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4239
21. Wahlperiode 24.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten David Schliesing, Katalin Gennburg, Clara Bünger, Anne-Mieke
Bremer, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Ferat Koçak, Jan Köstering, Sonja
Lemke, Tamara Mazzi, Bodo Ramelow, David Schliesing, Aaron Valent, Donata
Vogtschmidt, Sascha Wagner, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Berichte über rechtsextreme Bezüge des Fördervereins Berliner Schloss e. V.
und die Haltung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss
Im Oktober 2021 wurde durch einen Bericht im „Tagesspiegel“ öffentlich
bekannt, dass auch Spender mit rechtsradikalen und antisemitischen Haltungen
für den Nachbau der Berliner Schlossfassaden gespendet haben (www.tagesspi
egel.de/kultur/preussentum-und-antisemitismus-ehrt-das-humboldt-forum-eine
n-mazen-mit-rechtsradikaler-gesinnung-285568.html). Kurz darauf baten
Angehörigen des verstorbenen Großspenders Ehrhardt Bödecker die Stiftung
Humboldt Forum, die Ehrung von ihm wegen seiner z. T. rechtsextremen
Äußerungen zu entfernen, was auch umgehend geschah. Später hat die Stiftung
Humboldt Forum auch die Ehrung für die Rudolf-August Oetker-Stiftung
stillschweigend verändert und depersonalisiert (vgl. Der Fall Bödecker und das
Berliner Schloss – Distanzierung vom Patriarchen; www.deutschlandfunkkultu
r.de/der-fall-boedecker-und-das-berliner-schloss-distanzierung-100.html,
Berliner Stadtschloss: Rechte Spender – Kultur – SZ.de; www.sueddeutsch
e.de/kultur/humboldt-forum-berliner-stadtschloss-afd-neue-rechte-rechte-spend
er-wer-hat-das-humboldt-forum-bezahlt-1.5483342). Ein im Auftrag der
Stiftung Humboldt Forum erstelltes und über viele Monate lang geheim gehaltenes
Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin (IfZ) von
September 2022 hat die Vorwürfe bezüglich Ehrhardt Bödecker vollumfänglich
bestätigt (vgl. Antisemitismus und rechtsradikale Äußerungen aus der
gesellschaftlichen Mitte. Das Gutachten zum Großspender Ehrhardt Bödecker – Merkur;
www.merkur-zeitschrift.de/2023/05/12/antisemitismus-und-rechtsradikale-aeus
serungen-aus-der-gesellschaftlichen-mitte-das-gutachten-zum-grossspender-ehr
hardt-boedecker/).
In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke erklärte die
Bundesregierung am 19. Dezember 2023: „Das Humboldt Forum soll ein Ort
der Demokratie und Toleranz sein, ein Ort der internationalen und weltoffenen
Debatte. Es darf im Humboldt Forum keinen Platz geben für Nationalismus,
Rassismus und Antisemitismus. Die Bundesregierung hat die Spendenpraxis
des Fördervereins rund um die Bauspenden des 2016 verstorbenen Ehrhardt
Bödecker nicht zuletzt deswegen klar und deutlich kritisiert. Künftig erwartet
die Bundesregierung, dass die neue Spendenrichtlinie konsequent angewendet
wird“ (Bundestagsdrucksache 20/9940).
Der Förderverein Berliner Schloss, der die umstrittenen Spenden eingeworben
hatte, bekannte sich trotzdem zu all seinen Spendern und hat mit einer
unwahren, inzwischen gerichtlich untersagten, Behauptung dem Autor des
„Tagesspiegels“ Prof. Dr. Philipp Oswalt unterstellt, mit gefälschten Zitaten den
Antisemitismus von Ehrhardt Bödecker erst erfunden zu haben. Der Förderverein
hat sich bis heute nicht von seinen Unterstützern mit rechtsradikalen und
antisemitischen Haltungen wie Ehrhardt Bödecker, Herrn D. L. aus Stuttgart und
anderen distanziert. Trotzdem haben die Stiftung Humboldt Forum und die
Bundesregierung durch die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und
Medien ihre langjährige Kooperation mit dem Förderverein fortgesetzt (vgl.
Großspender für das Berliner Schloss: »Das sind ganz klar rechtsradikale
Äußerungen« – DER SPIEGEL; www.spiegel.de/geschichte/grossspender-fuer-da
s-berliner-schloss-das-sind-ganz-klar-rechtsradikale-aeusserungen-a-25f5e5e5-
87cf-48d9-8e04-d8930c03d8dc; der rechte rand – Dubiose Spender für den
Wiederaufbau – Stiftung Humboldt Forum – der rechte rand; www.der-rechte-r
and.de/archive/12527/dubiose-spender-fuer-den-wiederaufbau-stiftung-humbol
dt-forum/, Berliner_Extrablatt_Ausgabe-97.pdf; https://berliner-schloss.de/wp-
content/uploads/Berliner_Extrablatt_Ausgabe-97.pdf).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung der bzw. die
Stiftungsratsvorsitzende, der Stiftungsrat oder das Kuratorium der Stiftung Humboldt
Forum im Berliner Schloss damit befasst, dass Wilhelm von Boddien, der
Geschäftsführer des langjährigen Kooperationspartners und Geldgebers
der Stiftung, dem Förderverein Berliner Schloss e. V., sich ohne
Ausnahme zu all seinen Spendern und damit auch zu Spendern mit
bekanntermaßen rechtsextremen und antisemitischen Positionen bekannt hat (vgl.
Berliner Extrablatt Nr. 97, Mai 2022, S. 2: „Wir bekennen uns ohne jede
Einschränkung zu unseren Spendern.“), wenn ja, wann, und mit welchem
Ergebnis?
2. Haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung der bzw. die
Stiftungsratsvorsitzende, der Stiftungsrat und das Kuratorium der Stiftung Humboldt
Forum im Berliner Schloss damit befasst, dass zum Gründungsvorstand
des langjährigen Kooperationspartners und Geldgebers der Stiftung, dem
Förderverein Berliner Schloss e. V., der ehemalige NPD-Anhänger und
„Republikaner“ Haus Bonn (CDU-Dokumentation 17/1989: Die REP.
Analyse und politische Bewertung einer rechtsradikalen Partei) gehörte,
der nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand Mitglied und Spender des
Vereins blieb, wenn ja, wann, und mit welchem Ergebnis?
3. Haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung der bzw. die
Stiftungsratsvorsitzende, der Stiftungsrat und das Kuratorium der Stiftung Humboldt
Forum im Berliner Schloss damit befasst, dass Richard Schröder,
Vorsitzender des Fördervereins Berliner Schloss e. V. und damit langjähriger
Kooperationspartner und Geldgeber der Stiftung, mit Falschbehauptungen
die antisemitischen Äußerungen seines Großspenders Ehrhardt Bödecker
bestritt, deren Wiederholung ihm nunmehr auf Basis von fünf
Gerichtsurteilen rechtskräftig untersagt wurden (vgl. Landgericht Berlin
27 O 214/22, 27 O 507/22; Kammergericht Berlin 10 U 63/24 und
10 U 132/22; Bundesgerichtshof 10 U63/24), wenn ja, wann, und mit
welchem Ergebnis?
4. Wie schätzt der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in
Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix Klein diesen
Umstand ein?
5. Haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung der bzw. die
Stiftungsratsvorsitzende, der Stiftungsrat und das Kuratorium der Stiftung Humboldt
Forum im Berliner Schloss damit befasst, dass Richard Schröder, der
Vorsitzende des Fördervereins Berliner Schloss e. V., behauptet hat, dass das
Verbot der Holocaustleugnung die Meinungsfreiheit einschränke oder
daher in Frage zu stellen sei (vgl. hierzu: Berliner Extrablatt Nr. 97,
Mai 2022, S. 6: „Die USA widersetzen sich dem [Verbot der
Holocaustleugnung], weil sie in diesem Verbot (zutreffend) eine Einschränkung der
Meinungsfreiheit sehen, die sie als unantastbares Grundrecht
betrachten.“)?
6. Wie schätzt der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in
Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix Klein den in
Frage 5 geschilderten Umstand ein?
7. Welche Initiativen hat der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches
Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix
Klein unternommen, um gegen die vom Vorsitzenden des Fördervereins
Berliner Schloss geäußerte Leugnung von nachgewiesenem
Antisemitismus des Großspenders Ehrhardt Bödecker vorzugehen?
8. Welche Initiativen haben seit 2022 die Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien unternommen, um gegen die Darstellung der
Holocaustleugnung als Frage der Meinungsfreiheit vorzugehen, und welche
Ergebnisse hatten diese jeweils?
9. Wie, und wann hat die Bundesregierung die Einhaltung der neuen
Spendenrichtlinie überprüft, und welche Ergebnisse hatten diese
Überprüfungen jeweils (bitte entsprechend aufführen)?
10. Wieso hat die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss nach
Kenntnis der Bundesregierung Spenden in Höhe von 25 Mio. Euro vom
Förderverein Berliner Schloss e. V. angenommen, deren Herkunft nicht nur der
Stiftung, sondern sogar dem Förderverein selbst unbekannt war, obwohl
die im Jahr 2012 erlassenen Stiftungsrichtlinien der Stiftung Humboldt
Forum im Berliner Schloss bereits festlegten, dass „Zuwendungen
unklarer Herkunft“ nicht angenommen werden (vgl. Spendenrichtlinie der
Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss vom 6. Dezember 2012, § 8
Absatz 4 und Spendenrichtlinie-SHF.pdf; www.humboldtforum.org/wp-co
ntent/uploads/2024/02/Spendenrichtlinie-SHF.pdf)?
11. Wieso hat die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss nach
Kenntnis der Bundesregierung hingenommen, dass der Förderverein Berliner
Schloss e. V. den neuen Spendenrichtlinien vom November 2022
widersprochen und diese nicht unverzüglich übernommen hat, obgleich die
Satzung des Vereins festlegt, dass die jeweils aktuellen Spendenrichtlinien
der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss als Grundlage für die
Werbung und Annahme von Spenden gelten (vgl. Protokoll der
Mitgliederversammlung des Fördervereins Berliner Schloss vom 8. September
2023, Tagesordnungspunkt [TOP] 2, S. 2 f.)?
12. Wird die Bundesregierung Konsequenzen aus der anhaltenden
Missachtung der Spendenrichtlinien ziehen, wenn ja, welche Folgen wird dies
auf die Zusammenarbeit mit dem Förderverein Berliner Schloss e. V.
haben, und wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 12. Februar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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