Berichte über rechtsextreme Bezüge des Fördervereins Berliner Schloss e.V. und die Haltung der Stiftung Humboldt-Forum im Berliner Schloss (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/4707)
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Berichte über rechtsextreme Bezüge des Fördervereins Berliner Schloss e.V. und die Haltung der Stiftung Humboldt-Forum im Berliner Schloss (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/4707)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5640
21. Wahlperiode 28.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten David Schliesing, Katalin Gennburg, Clara Bünger, Anne-Mieke
Bremer, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Ferat Koçak, Jan Köstering,
Sonja Lemke, Tamara Mazzi, Bodo Ramelow, Aaron Valent, Donata Vogtschmidt,
Sascha Wagner, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Berichte über rechtsextreme Bezüge des Fördervereins Berliner Schloss e. V.
und die Haltung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss
(Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 21/4707)
Antisemitische Einstellungen sind in Deutschland nach wie vor weitverbreitet
und haben in den vergangenen Jahren zugenommen, das zeigten jüngst erneut
mehrere Studien und Umfragen (vgl. hierzu u. a. die repräsentative Mitte-
Studie (2024/2025) (www.fes.de/mitte-studie#c445981), die „Autoritarismus-
Studie“ (www.boell.de/sites/default/files/2024-11/leipziger-autoritarismus-stud
ie-2024-vereint-im-ressentiment-autoritaere-dynamiken-und-rechtsextreme-ein
stellungen.pdf#page=39) der Universität Leipzig 2024, die repräsentative
Memo-Studie 2025 (www.stiftung-evz.de/assets/1_Was_wir_f%C3%B6rdern/
Bilden/Bilden_fuer_lebendiges_Erinnern/MEMO_Studie/Gedenkansto%C3%9
F/Gedenkansto%C3%9F_MEMO-Studie_2025_2._Auflage.pdf) oder den
Religionsmonitor 2023 (www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publ
ikationen/GrauePublikationen/0RZ_BS-0302_Religionsmonitor_kompakt_we
b.pdf#page=3)). Dem Staat kommt deshalb eine besondere Verantwortung zu,
der Ausbreitung antisemitischen Gedankenguts konsequent entgegenzuwirken
und einer gesellschaftlichen Akzeptanz eines solchen entgegenzutreten. Vor
diesem Hintergrund überrascht und irritiert die Antwort der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage Bundestagsdrucksache 21/4707, die nach Ansicht der
Fragestellenden ausweichend und zum Teil auch faktisch falsch ist, die
Fragestellenden. Die Bundesregierung behauptet in ihrer Antwort, dass sie Aussagen
von Dritten grundsätzlich nicht kommentiert. Dies ist aber keineswegs
zutreffend. So hat sich die Bundesregierung sehr wohl und aus gutem Grund z. B. zu
den Aussagen Dritter bei der documenta 15 geäußert (vgl. hierzu u. a. www.bu
ndestag.de/dokumente/textarchiv/2022/kw27-pa-kultur-medien-festival-899926
und www.tagesschau.de/kultur/documenta-antisemitismus-roth-101.html). Am
27. September 2025 hat zudem der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur
und Medien, Wolfram Weimer, den geplanten Auftritt des Rappers Chefket bei
einer Veranstaltung des TV-Moderators Jan Böhmermann im Berliner Haus der
Kulturen der Welt (HKW) scharf kritisiert und dem Rapper antisemitische
Inhalte vorgeworfen. In einem Brief an die Leitung des HKW schrieb der
Staatsminister: „Chefket hat auf seinem Instagram-Kanal ein Foto von sich in einem
T‑Shirt mit einem Motiv veröffentlicht, das das Existenzrecht Israels in Frage
stellt, da der gewünschte Staat Palästina dort auf israelischem Staatsgebiet
entsteht und kein Platz für Israel vorgesehen ist.“ Dieses Motiv sei nach der
Ansicht der Bundesregierung antisemitisch (www.deutschlandfunk.de/kulturstaats
minister-weimer-kritisiert-auftritt-von-rapper-chefket-bei-boehmermann-verans
taltung-100.html).
Doch selbst wenn die Bundesregierung tatsächlich Aussagen von Dritten
grundsätzlich nicht kommentieren würde, ist der Förderverein Berliner Schloss
kein eigenständiger Dritter, sondern über viele Jahre ein Schlüsselpartner des
Bundes beim Bau des Humboldt Forums gewesen, von dem der Bund etwa
100 Mio. Euro an Spenden entgegengenommen hat. Dass mit diesen Spenden
antisemitische bzw. rechtsradikale Haltungen von Großspendern und
Vereinsmitgliedern verbunden sind, beschädigt aus Sicht der Fragestellenden die
Reputation des Projekts und auch die Reputation aller anderen Spender, die im
Vertrauen auf die Seriosität des Vorhabens aus integren Motiven gespendet haben.
Es ist deshalb aus Sicht der Fragestellenden nicht zu verstehen, dass die
Bundesregierung und ihr Beauftragter für jüdisches Leben in Deutschland und den
Kampf gegen Antisemitismus hierin laut Antwort keinen Anlass zum Handeln
bzw. zu einer öffentlichen Äußerung sah. Daher ergeben sich für die
Fragestellenden einige Nachfragen zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine
Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/4707. Da darüber hinaus die Frage 2
aufgrund einer fehlerhaften Übermittlung der Fragestellung nicht beantwortet
werden konnte, wird diese hier nun vollständig erneut eingereicht.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der bzw. die
Stiftungsratsvorsitzende, der Stiftungsrat und das Kuratorium der Stiftung Humboldt
Forum im Berliner Schloss damit befasst, dass zum Gründungsvorstand
des langjährigen Kooperationspartners und Geldgebers der Stiftung, dem
Förderverein Berliner Schloss e. V., der ehemalige NPD-Anhänger und
„Republikaner“-Politiker D. L. gehörte (vgl. Axel König, Konrad-
Adenauer-Haus Bonn: CDU-Dokumentation 17/1989: Die REP. Analyse
und politische Bewertung einer rechtsradikalen Partei), der nach seinem
Ausscheiden aus dem Vorstand Mitglied und Spender des Vereins blieb,
wenn ja, wann, und mit welchem Ergebnis, und wenn nein, warum nicht?
2. Stellt die Darstellung der Holocaustleugnung, als eine Frage der
Meinungsfreiheit, nach Ansicht der Bundesregierung eine
Holocaustverharmlosung und damit eine antisemitische Meinungsäußerung dar (bitte
begründen)?
3. Warum hat nach Kenntnis der Bundesregierung die damalige Beauftragte
für Kultur und Medien als Stiftungsratsvorsitzende nicht veranlasst, die
Kooperation der Stiftung Humboldt Forum mit dem Förderverein Berliner
Schloss e. V. abzubrechen, nachdem letzterer sich
a) ohne Ausnahme zu all seinen Spendern und damit auch zu Spendern
mit bekanntermaßen rechtsextremen und antisemitischen Positionen
bekannt hat,
b) mit Falschbehauptungen die antisemitischen Äußerungen seines
Großspenders Ehrhardt Bödecker bestritt, und
c) Holocaustleugnung als eine Frage der Meinungsfreiheit darstellte und
damit verharmloste, und macht sie sich diese Haltung und
Beweggründe zu eigen (bitte begründen)?
4. Was hätte aus Sicht der Bundesregierung geschehen müssen, nachdem die
in Frage 3 genannten Umstände bekannt wurden, und wenn dazu nicht die
Beendigung der Zusammenarbeit des Bundes mit dem Förderverein
Berliner Schloss e. V. gehört, wann wäre diese infrage gestellt (bitte
begründen)?
5. Warum hat der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in
Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus im Falle des
Fördervereins Berliner Schloss e. V. keinen Anlass zum Handeln bzw. zu einer
öffentlichen Äußerung gesehen, obwohl der Verein Holocaustleugnung als
Meinungsäußerung verharmlost hat und sich zu seinem antisemitischen
Großspender Ehrhardt Bödecker bekannte und weiter bekennt?
6. Wieso wird Antisemitismus bei der documenta 15 seitens der
Bundesregierung öffentlich kritisiert und damit anders behandelt als
Antisemitismus bei den Spendern und Förderern des Berliner Schlosses bzw. des
Humboldt Forums?
7. Leistet nach Ansicht der Bundesregierung das Abstreiten des
antisemitischen Charakters von Äußerungen durch unwahre
Tatsachenbehauptungen der Ausbreitung antisemitischer Positionen Vorschub (bitte
begründen)?
8. Wie schätzt der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in
Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus die in den Fragen 6
und 7 geschilderten Umstände ein?
9. Wieso hat nach Kenntnis der Bundesregierung die Stiftung Humboldt
Forum die Spende eines anonymen Großspenders angenommen, der über ein
Nummernkonto aus der Schweiz (Quelle: Pressemitteilung Stiftung
Humboldt Forum vom 21. November 2022, S. 1) an den Förderverein Berliner
Schloss gespendet hat, obwohl die Provenienz der Spende weder dem
Förderverein noch der Stiftung Humboldt Forum bekannt war und somit den
damals bereits gültigen Spendenrichtlinien widersprach?
10. Wie hat die Bundesregierung auf den in Frage 9 geschilderten Vorgang im
Detail reagiert?
11. Hat die Bundesregierung geprüft, ob und wie sie – wie in einer Petition an
den Deutschen Bundestag vom letzten Jahr gefordert (https://schlossaneig
nung.de/petition-unterzeichnen/) – die Spenden von Ehrhardt Bödecker
und weiteren Spendern mit rechtsradikalen und antisemitischen Haltungen
an eine antirassistische Initiative übertragen kann, wenn ja, mit welchem
Ergebnis, und wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 14. April 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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