Berichte über rechtsextreme Bezüge des Fördervereins Berliner Schloss e. V. und die Haltung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss (Antwort zu Drs. 21/4239)
Text
Berichte über rechtsextreme Bezüge des Fördervereins Berliner Schloss e. V. und die Haltung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss (Antwort zu Drs. 21/4239)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4707
21. Wahlperiode 11.03.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten David Schliesing, Katalin Gennburg,
Clara Bünger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/4239 –
Berichte über rechtsextreme Bezüge des Fördervereins Berliner Schloss e. V.
und die Haltung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Im Oktober 2021 wurde durch einen Bericht im „Tagesspiegel“ öffentlich
bekannt, dass auch Spender mit rechtsradikalen und antisemitischen Haltungen
für den Nachbau der Berliner Schlossfassaden gespendet haben (www.tagessp
iegel.de/kultur/preussentum-und-antisemitismus-ehrt-das-humboldt-forum-ein
en-mazen-mit-rechtsradikaler-gesinnung-285568.html). Kurz darauf baten
Angehörigen des verstorbenen Großspenders Ehrhardt Bödecker die Stiftung
Humboldt Forum, die Ehrung von ihm wegen seiner z. T. rechtsextremen
Äußerungen zu entfernen, was auch umgehend geschah. Später hat die Stiftung
Humboldt Forum auch die Ehrung für die Rudolf-August Oetker-Stiftung
stillschweigend verändert und depersonalisiert (vgl. Der Fall Bödecker und das
Berliner Schloss – Distanzierung vom Patriarchen; www.deutschlandfunkkult
ur.de/der-fall-boedecker-und-das-berliner-schloss-distanzierung-100.html,
Berliner Stadtschloss: Rechte Spender – Kultur – SZ.de; www.sueddeutsch
e.de/kultur/humboldt-forum-berliner-stadtschloss-afd-neue-rechte-rechte-spen
der-wer-hat-das-humboldt-forum-bezahlt-1.5483342). Ein im Auftrag der
Stiftung Humboldt Forum erstelltes und über viele Monate lang geheim
gehaltenes Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin (IfZ) von
September 2022 hat die Vorwürfe bezüglich Ehrhardt Bödecker
vollumfänglich bestätigt (vgl. Antisemitismus und rechtsradikale Äußerungen aus der
gesellschaftlichen Mitte. Das Gutachten zum Großspender Ehrhardt Bödecker –
Merkur; www.merkur-zeitschrift.de/2023/05/12/antisemitismus-und-rechtsrad
ikale-aeusserungen-aus-der-gesellschaftlichen-mitte-das-gutachten-zum-gross
spender-ehrhardt-boedecker/).
In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke erklärte die
Bundesregierung am 19. Dezember 2023: „Das Humboldt Forum soll ein Ort
der Demokratie und Toleranz sein, ein Ort der internationalen und weltoffenen
Debatte. Es darf im Humboldt Forum keinen Platz geben für Nationalismus,
Rassismus und Antisemitismus. Die Bundesregierung hat die Spendenpraxis
des Fördervereins rund um die Bauspenden des 2016 verstorbenen Ehrhardt
Bödecker nicht zuletzt deswegen klar und deutlich kritisiert. Künftig erwartet
die Bundesregierung, dass die neue Spendenrichtlinie konsequent angewendet
wird“ (Bundestagsdrucksache 20/9940).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Beauftragten der Bundesregierung für
Kultur und Medien vom 10. März 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Der Förderverein Berliner Schloss, der die umstrittenen Spenden eingeworben
hatte, bekannte sich trotzdem zu all seinen Spendern und hat mit einer
unwahren, inzwischen gerichtlich untersagten, Behauptung dem Autor des
„Tagesspiegels“ Prof. Dr. Philipp Oswalt unterstellt, mit gefälschten Zitaten den
Antisemitismus von Ehrhardt Bödecker erst erfunden zu haben. Der
Förderverein hat sich bis heute nicht von seinen Unterstützern mit rechtsradikalen
und antisemitischen Haltungen wie Ehrhardt Bödecker, Herrn D. L. aus
Stuttgart und anderen distanziert. Trotzdem haben die Stiftung Humboldt Forum
und die Bundesregierung durch die Beauftragten der Bundesregierung für
Kultur und Medien ihre langjährige Kooperation mit dem Förderverein
fortgesetzt (vgl. Großspender für das Berliner Schloss: »Das sind ganz klar
rechtsradikale Äußerungen« – DER SPIEGEL; www.spiegel.de/geschichte/grossspen
der-fuer-das-berliner-schloss-das-sind-ganz-klar-rechtsradikale-
aeusserungena-25f5e5e5-87cf-48d9-8e04-d8930c03d8dc; der rechte rand – Dubiose
Spender für den Wiederaufbau – Stiftung Humboldt Forum – der rechte rand;
www.der-rechte-rand.de/archive/12527/dubiose-spender-fuer-den-wiederaufb
au-stiftung-humboldt-forum/, Berliner_Extrablatt_Ausgabe-97.pdf; https://ber
liner-schloss.de/wp-content/uploads/Berliner_Extrablatt_Ausgabe-97.pdf).
1. Haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung der bzw. die
Stiftungsratsvorsitzende, der Stiftungsrat oder das Kuratorium der Stiftung
Humboldt Forum im Berliner Schloss damit befasst, dass Wilhelm von
Boddien, der Geschäftsführer des langjährigen Kooperationspartners und
Geldgebers der Stiftung, dem Förderverein Berliner Schloss e. V., sich ohne
Ausnahme zu all seinen Spendern und damit auch zu Spendern mit
bekanntermaßen rechtsextremen und antisemitischen Positionen bekannt
hat (vgl. Berliner Extrablatt Nr. 97, Mai 2022, S. 2: „Wir bekennen uns
ohne jede Einschränkung zu unseren Spendern.“), wenn ja, wann, und
mit welchem Ergebnis?
3. Haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung der bzw. die
Stiftungsratsvorsitzende, der Stiftungsrat und das Kuratorium der Stiftung
Humboldt Forum im Berliner Schloss damit befasst, dass Richard Schröder,
Vorsitzender des Fördervereins Berliner Schloss e. V. und damit
langjähriger Kooperationspartner und Geldgeber der Stiftung, mit
Falschbehauptungen die antisemitischen Äußerungen seines Großspenders
Ehrhardt Bödecker bestritt, deren Wiederholung ihm nunmehr auf Basis von
fünf Gerichtsurteilen rechtskräftig untersagt wurden (vgl. Landgericht
Berlin 27 O 214/22, 27 O 507/22; Kammergericht Berlin 10 U 63/24 und
10 U 132/22; Bundesgerichtshof 10 U63/24), wenn ja, wann, und mit
welchem Ergebnis?
5. Haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung der bzw. die
Stiftungsratsvorsitzende, der Stiftungsrat und das Kuratorium der Stiftung
Humboldt Forum im Berliner Schloss damit befasst, dass Richard Schröder,
der Vorsitzende des Fördervereins Berliner Schloss e. V., behauptet hat,
dass das Verbot der Holocaustleugnung die Meinungsfreiheit einschränke
oder daher in Frage zu stellen sei (vgl. hierzu: Berliner Extrablatt Nr. 97,
Mai 2022, S. 6: „Die USA widersetzen sich dem [Verbot der
Holocaustleugnung], weil sie in diesem Verbot (zutreffend) eine Einschränkung der
Meinungsfreiheit sehen, die sie als unantastbares Grundrecht
betrachten.“)?
Aufgrund des Sachzusammenhangs werden die Fragen 1, 3 und 5 zusammen
beantwortet.
Aussagen von Dritten kommentiert die Bundesregierung grundsätzlich nicht.
Auch in den Gremien der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss (SHF)
waren diese nicht Gegenstand einer Erörterung. Im Übrigen wird auf die
Antwort der Bundesregierung zu den Fragen 1 bis 4 der Kleinen Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 20/9940 verwiesen.
2. Haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung der bzw. die
Stiftungsratsvorsitzende, der Stiftungsrat und das Kuratorium der Stiftung
Humboldt Forum im Berliner Schloss damit befasst, dass zum
Gründungsvorstand des langjährigen Kooperationspartners und Geldgebers der
Stiftung, dem Förderverein Berliner Schloss e. V., der ehemalige NPD-
Anhänger und „Republikaner“ Haus Bonn (CDU-Dokumentation 17/1989:
Die REP. Analyse und politische Bewertung einer rechtsradikalen Partei)
gehörte, der nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand Mitglied und
Spender des Vereins blieb, wenn ja, wann, und mit welchem Ergebnis?
Aufgrund der Unvollständigkeit der Frage kann diese nicht beantwortet
werden.
4. Wie schätzt der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in
Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix Klein
diesen Umstand ein?
6. Wie schätzt der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in
Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix Klein den
in Frage 5 geschilderten Umstand ein?
7. Welche Initiativen hat der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches
Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix
Klein unternommen, um gegen die vom Vorsitzenden des Fördervereins
Berliner Schloss geäußerte Leugnung von nachgewiesenem
Antisemitismus des Großspenders Ehrhardt Bödecker vorzugehen?
Aufgrund des Sachzusammenhangs werden die Fragen 4, 6 und 7 zusammen
beantwortet.
Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1, 3 und 5 verwiesen.
Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und
den Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix Klein hatte mit den damaligen
Vertreterinnen und Vertretern der BKM-Leitungsebene zu dem benannten
Themenkomplex Kontakt aufgenommen. Es hat sich kein Anlass zum Handeln bzw. zu
einer öffentlichen Äußerung ergeben.
8. Welche Initiativen haben seit 2022 die Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien unternommen, um gegen die Darstellung der
Holocaustleugnung als Frage der Meinungsfreiheit vorzugehen, und welche
Ergebnisse hatten diese jeweils?
Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1, 3 und 5 verwiesen.
9. Wie, und wann hat die Bundesregierung die Einhaltung der neuen
Spendenrichtlinie überprüft, und welche Ergebnisse hatten diese
Überprüfungen jeweils (bitte entsprechend aufführen)?
11. Wieso hat die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss nach
Kenntnis der Bundesregierung hingenommen, dass der Förderverein
Berliner Schloss e. V. den neuen Spendenrichtlinien vom November 2022
widersprochen und diese nicht unverzüglich übernommen hat, obgleich
die Satzung des Vereins festlegt, dass die jeweils aktuellen
Spendenrichtlinien der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss als Grundlage
für die Werbung und Annahme von Spenden gelten (vgl. Protokoll der
Mitgliederversammlung des Fördervereins Berliner Schloss vom 8.
September 2023, Tagesordnungspunkt [TOP] 2, S. 2 f.)?
12. Wird die Bundesregierung Konsequenzen aus der anhaltenden
Missachtung der Spendenrichtlinien ziehen, wenn ja, welche Folgen wird dies
auf die Zusammenarbeit mit dem Förderverein Berliner Schloss e. V.
haben, und wenn nein, warum nicht?
Aufgrund des Sachzusammenhangs werden die Fragen 9, 11 und 12 zusammen
beantwortet.
Nach Neufassung der Spendenrichtlinie erhielt die SHF nach Kenntnis der
Bundesregierung letztmalig 2024 Spenden vom Förderverein Berliner Schloss
e. V. (Förderverein). Die Herkunft der Spenden wurde von der SHF geprüft und
entsprach der neuen Richtlinie. Die Stiftung hat dazu in der Stiftungsratssitzung
vom 16. November 2024 berichtet. Kenntnisse, dass die neue Spendenrichtlinie
im Verhältnis zwischen der SHF und dem Förderverein nicht eingehalten
worden sind, liegen der Bundesregierung nicht vor.
10. Wieso hat die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss nach
Kenntnis der Bundesregierung Spenden in Höhe von 25 Mio. Euro vom
Förderverein Berliner Schloss e. V. angenommen, deren Herkunft nicht
nur der Stiftung, sondern sogar dem Förderverein selbst unbekannt war,
obwohl die im Jahr 2012 erlassenen Stiftungsrichtlinien der Stiftung
Humboldt Forum im Berliner Schloss bereits festlegten, dass
„Zuwendungen unklarer Herkunft“ nicht angenommen werden (vgl.
Spendenrichtlinie der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss vom 6.
Dezember 2012, § 8 Absatz 4 und Spendenrichtlinie-SHF.pdf; www.humbo
ldtforum.org/wp-content/uploads/2024/02/Spendenrichtlinie-SHF.pdf)?
Nach Kenntnis der Bundesregierung hat die SHF keine Spenden aus unklarer
Herkunft angenommen. Die Spenden stammten vom Förderverein, die dort für
den Zweck der Rekonstruktion der Fassaden gesammelt wurden. Die Namen
sämtlicher Spenderinnen und Spender liegen dort und beim Stifterverband für
die Deutsche Wissenschaft vor. Im Übrigen wird auf die Antwort der
Bundesregierung zu Frage 5 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf
Bundestagsdrucksache 20/9940 verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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