Schriftliche Frage 76 von Thomas Dietz (AfD): Auf welcher Grundlage wurde nach Kenntnis der Bundesregierung im März 2020 bewertet, ob die außergewöhnlich hohe Übersterblichkeit in Bergam…
Teil von Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 7. April 2025 eingegangenen Antworten der Bundesregierung · Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.
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Schriftliche Frage 76 von Thomas Dietz (AfD): Auf welcher Grundlage wurde nach Kenntnis der Bundesregierung im März 2020 bewertet, ob die außergewöhnlich hohe Übersterblichkeit in Bergam…
Frage 76 (Thomas Dietz, AfD):
Auf welcher Grundlage wurde nach Kenntnis der Bundesregierung im März 2020 bewertet, ob die außergewöhnlich hohe Übersterblichkeit in Bergamo ausschließlich auf das Coronavirus zurückzuführen war oder ob auch andere Faktoren wie Überlastungssituationen in Behörden und Krankenhäusern, eine Überlastung des Gesundheitssystems oder medizinische Fehleinschätzungen eine Rolle gespielt haben könnten, und wie wurde dann bei der Hochstufung der Risikobewertung durch Prof. Dr. Lothar Wieler und Prof. Dr. Lars Schaade geprüft, ob eine vergleichbare Entwicklung in Deutschland auf Basis tatsächlicher epidemiologischer Daten zu erwarten war oder ob strukturelle Fehler im Krisenmanagement in Italien eine entscheidende Rolle gespielt haben könnten?
Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Sabine Dittmar vom 7. April 2025:
Informationen zum Infektionsgeschehen in Bergamo wurden beispielsweise durch die Weltgesundheitsorganisation oder das Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) veröffentlicht(z. B. www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/outbreaknovel-coronavirus-disease-2019-covid-19-situation-italy). Bedingt durch die hohen COVID-19-Fallzahlen im März 2020 verbunden mit hierdurch einhergehenden Herausforderungen wie erkranktem Personal und ausgelasteten Betten, einschließlich auf Intensivstationen, waren die Krankenhäuser und medizinischen Einrichtungen in Bergamo aus- bzw. überlastet. Dies ist in zahlreichen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publizierten Berichten beschrieben (z. B. www.enfermeriacomunitari a.org/web/attachments/article/2370/At%20the%20Epicenter%20of%20t he%20Covid-19%20Pandemic%20and%20Humanitarian%20Crises%20 in%20Italy-%20Changing%20Perspectives%20on%20Preparation%20a nd%20Mitigation.pdf, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7184 497/, https://online-library.wiley.com/doi/10.1111/ijlh.13207). Das Zusammenspiel der durch die Vielzahl an COVID-19 Erkrankten bedingten Umstände kann die hohe Übersterblichkeit mit beeinflusst haben. Hintergrund für die geänderte Risikobewertung des Robert Koch- Instituts (RKI) waren insbesondere die weiter zunehmende Infektionsdynamik mit steigenden Fallzahlen, eine Zunahme der Zahl von schweren COVID-19-Fällen auf Intensivstationen sowie die Tatsache, dass es immer mehr Fälle gab, die sich nicht mehr auf bekannte Fälle zurückführen ließen, d. h. dass Infektionsketten sich zunehmend nicht mehr nachvollziehen ließen (vergleiche z. B. die täglichen Situationsberichte des RKI, www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten- A-Z/C/COVID-19-Pandemie/Situationsberichte/Archiv_tab.html). Ergänzend lagen zu diesem Zeitpunkt bereits die Ergebnisse einer Modellierung des RKI vor, die eine Abschätzung von Szenarien der erwartbaren Dynamik des weiteren Pandemieverlaufs ermöglichten. Mitte März 2020 gab es darüber hinaus einen deutlichen Anstieg der Positivenrate unter den SARS-CoV-2-Testungen. Die gestiegene Positivenrate zeigt, dass es sich bei der damals zunehmenden Fallzahl nicht um ein Artefakt durch vermehrte Testung handelte. Und schließlich zeigte eine Analyse des RKI zur Erkrankungsschwere von COVID-19 im Vergleich zur saisonalen Influenza einen hohen Anteil von Patienten, die einer Beatmung bedurften, sowie eine längere Beatmungsdauer bei Patienten mit COVID-19 im Vergleich zu Patienten mit saisonaler Influenza („Influenza-associated pneumonia as reference to assess seriousness of coronavirus disease (COVID-19)“, Eurosurveillance, 2020, 25, 11). Die Situation in Italien war für die Hochstufung der Risikoeinschätzung – wie oben dargelegt – nicht der entscheidende Faktor.
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