Rede von Parsa Marvi (SPD) – Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks,
Teil von Protokoll der 99. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 8a bis 8g: Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks,.
Das Protokoll 21/99 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 13.10.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.
Text
Rede von Parsa Marvi (SPD) – Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks,
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Als Mitglied im Finanzausschuss danke ich
zunächst einmal den Grünen, dass sie uns heute nach
den ersten Lesungen der Gesetzentwürfe der
Bundesregierung einen ausgedehnten steuerpolitischen
Vormittag ermöglichen, und ich meine das durchaus
wertschätzend.
Sie legen in der Tat ein Paket mit einer großen
Bandbreite an steuerpolitischen Themen vor. Als
Sozialdemokrat erkenne ich an, dass Sie damit reale Themen und
Herausforderungen aufgreifen, die uns teilweise
programmatisch bekannt vorkommen, teilweise bereits
konkreter Gegenstand der Beratung in der Koalition, auf
Ebene der Fraktionen und der Bundesregierung, sind.
Sie wissen, dass wir Ihre Analyse bei der Erbschaftsteuer
teilen; auch uns geht es um Leistungsgerechtigkeit, nicht
um das normale Familienerbe, sondern um die sehr
großen Vermögensübertragungen und weitreichende
Verschonungsmöglichkeiten. Genau darüber wird am
kommenden Montag und Dienstag beim
Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe verhandelt.
Uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist
sehr daran gelegen, die Erbschaftsteuer insgesamt neu
zu ordnen, an ungerechte Privilegien für sehr hohe
Erbschaften dranzugehen. Dazu haben wir auch bewusst mit
unserem Konzept „FairErben“ sehr lange vor der
Urteilsverkündung in Karlsruhe einen Aufschlag gemacht. Wir
fühlen uns auch durchaus ermutigt durch die Initiative
von 92 Unternehmern, die sich an die Bundesregierung
gewandt haben – im Gegensatz zu mancher
Interessenvertretung – und auf einen fairen Ausgleich, eine faire
Besteuerung gerade bei gebundenem Vermögen drängen.
Und auch über das grüne Anliegen der 300-
Wohneinheiten-Regelung kann man in diesem Zusammenhang
sprechen.
Wir werden aber heute Ihren Anträgen und
Gesetzentwürfen nicht zustimmen, nicht weil wir keine Reform der
Erbschaftsteuer brauchen, ganz im Gegenteil. Aber wir
respektieren die seriöse Arbeit in der Koalition, und dazu
gehören nach dem Karlsruher Urteil Gespräche,
Beratungen, Verhandlungen und sicher auch Kompromisse. Das
funktioniert nicht durch Beschlüsse zu einem Detailpunkt
heute im Bundestag. Und Sie würden es in
Regierungsverantwortung, in der Sie mit uns ja noch vor nicht allzu
langer Zeit, vor anderthalb Jahren, waren, wahrscheinlich
nicht anders machen.
Aus Zeitgrünen will ich nur noch zwei Themen aus
Ihrem Paket ansprechen. Wir teilen ausdrücklich das Ziel,
bei Kryptowerten für mehr Steuergerechtigkeit zu sorgen,
und sehen hier ebenfalls Reformbedarf. Umso mehr
begrüßen wir, dass das Bundesfinanzministerium einen
Referentenentwurf vorgelegt hat, der die steuerliche
Behandlung von Kryptowerten aufgreift. Wir sind gewillt,
dieses Projekt mit der Koalition erfolgreich zum
Abschluss im Bundestag zu bringen; denn wir finden es
auch nicht gerecht, dass heute Gewinne aus
Kryptowährungen nach der Haltedauer von einem Jahr steuerfrei
sind. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich überzeugt – und
das zeigt eine ganze Reihe von Studien –, dass unsere
bestehende Abgeltungsteuer effizient und wirksam ist
und es somit richtig ist, Kryptogewinne dieser zu
unterwerfen.
Ich zitiere Ihren geschätzten ehemaligen
Bundestagskollegen und den heutigen Landesfinanzminister von Baden-
Württemberg, Danyal Bayaz, der vor ein paar Jahren hier
gesagt hat: Wenn Bitcoins spekulativ gehandelt würden,
könnte über die Abgeltungsteuer gehandelt werden.
Damit hat er sehr recht.
Über die Einkommensteuerreform haben wir heute
auch schon ausführlich gesprochen. Ich bleibe dabei:
Wir haben als Koalition ein 10-Milliarden-Euro-
Entlastungspaket vorgelegt, und es ist jetzt an uns, für Familien
und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine noch
größere Entlastung im parlamentarischen Verfahren zu
ermöglichen, immer unter der Voraussetzung, dass eine
seriöse und gerechte Gegenfinanzierung gelingt.
Sie machen hier viele Themen auf, die, wie gesagt, an
einigen Punkten unsere Sympathie haben, aber wir
haben – und dazu habe ich ausgeführt – gute Gründe, heute
nicht zuzustimmen.
Vielen Dank.
Relationen
- part_of → Protokoll der 99. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen - 300-Wohneinheiten-Regelung in der Erbschaftsteuer abschaffen
- part_of_vorgang → Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen - Share Deals reformieren, steuerliche Privilegierung von Immobilienkonzernen abschaffen
- part_of_vorgang → Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen - Verschonungsbedarfsprüfung ab 26 Millionen Euro in der Erbschaft- und Schenkungsteuer abscha
- part_of_vorgang → Gesetz zu der Zusatzvereinbarung vom 8. Juni 2023 zur Mehrseitigen Vereinbarung vom 29. Oktober 2014 zwischen den zuständigen Behörden über
- part_of_vorgang → Gesetz zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke bei der Besteuerung von Immobilienveräußerungen
- part_of_vorgang → Gesetz zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke bei der Besteuerung von Kryptowerten
- part_of_vorgang → Gesetz zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke in der Immobilienbesteuerung
- part_of_vorgang → Kleine und mittlere Einkommen tatsächlich entlasten und Rücklagen- und Vermögensaufbau stärken
- part_of_vorgang → Kryptowerte streng regulieren und gerecht besteuern
- part_of_vorgang → Organisierte Steuerhinterziehung wie Cum-Cum, Cum-Ex und Umsatzsteuerkarusselle auf Bundesebene stärker bekämpfen
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