Rede von Luigi Pantisano (DIE LINKE) – Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 38a bis 38c: Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris.
Text
Rede von Luigi Pantisano (DIE LINKE) – Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und
Kollegen! Kanzler Merz hat nach den verlorenen Wahlen
vom „Ungerechtigkeitsempfinden in der Bevölkerung“
gesprochen. Gut, dass er das verstanden hat. Dann hören
wir uns doch mal an, was die Bevölkerung zu Ihren
Rentenplänen zu sagen hat. Wir haben diejenigen
eingeladen, die Tag für Tag den Wohlstand in diesem Land
erwirtschaften: Arbeiterinnen und Arbeiter von
Mercedes. Sie sitzen heute auf der Tribüne. Herzlich
willkommen, liebe Kolleginnen und Kollegen!
(Beifall bei der Linken sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Sie haben einen Brief für den Kanzler mitgebracht. Ich
lese daraus zur Rentendiskussion vor – davon können
nämlich alle Anwesenden hier einiges lernen –, Zitat:
„Schon heute ist es für viele Kolleginnen und
Kollegen in der Industrie alles andere als
selbstverständlich, überhaupt die Regelaltersgrenze zu erreichen.
[…] Wer mit 16 oder 17 Jahren eine Ausbildung
beginnt, hat oft schon zehn Jahre harte Arbeit in
den Knochen, bevor andere nach einem Studium
überhaupt ins Berufsleben starten.“
Das gilt vermutlich für die allermeisten, die hier sitzen.
„Diese Unterschiede müssen sich in der
Rentenpolitik widerspiegeln. Wer jahrzehntelang Beiträge
gezahlt und körperlich oder psychisch belastende
Arbeit geleistet hat, muss auch die Möglichkeit haben,
früher abschlagsfrei in den Ruhestand zu gehen.“
Staatsministerin Natalie Pawlik bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales
Dem können wir uns als Linke nur anschließen. Die
Rente für langjährige Versicherte muss bleiben!
Insbesondere Frauen machten zuletzt fast 45 Prozent
der Eintritte in diese Rentenform aus, und fast die Hälfte
dieser Frauen hatte einen Rentenzahlbetrag unter der
Armutsgefährdungsschwelle von circa 1 450 Euro. Aber die
Kollegen von Mercedes haben noch einen zweiten Punkt,
warum Ihre Pläne auch industriepolitischer Irrsinn sind.
Noch mal bitte gut zuhören! Zitat:
„Ein weiterer zentraler Punkt ist die Altersteilzeit.
Seit vielen Jahren ist sie ein bewährtes Instrument,
um den industriellen Wandel sozialverträglicher zu
gestalten. Sie hilft, Beschäftigung zu sichern,
betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, den
Generationenwechsel zu organisieren und
Planungssicherheit für Beschäftigte wie Unternehmen zu
schaffen.“
Also: Wer die Altersteilzeit einschränken will, nimmt der
Industrie ein wichtiges Instrument für sozial gerechten
Strukturwandel. Deshalb: Das Blockmodell muss
bleiben.
Liebe CDU-Kollegen, vor den Ostwahlen haben sich
selbst Ihre Ostministerpräsidenten lautstark gegen die
Rentenkürzungspläne der Koalition positioniert. Jetzt
müssen Taten folgen.
Und, liebe SPD, Manuela Schwesig hat ihren Wahlkampf
zentral mit der Ablehnung der Rentenreform sehr
erfolgreich geführt. Jetzt müssen Sie sich auch hier im
Bundestag wehren, sonst treiben Sie die Menschen nur noch zur
AfD. Liebe SPD, zeigen Sie endlich Rückgrat, sagen Sie
Nein zu den Rentenkürzungen! Schluss mit diesem
Klassenkampf von oben!
Die Mercedes-Kollegen hören ganz genau zu, auf
welcher Seite Sie heute hier stehen.
Vielen Dank.
Relationen
- part_of → Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte erhalten
- part_of_vorgang → Altersteilzeit weiterhin ab 55 Jahren und im Blockmodell ermöglichen
- part_of_vorgang → Keine weitere Erhöhung der Regelaltersgrenze
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