Rede von Pascal Reddig (CDU/CSU) – Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 38a bis 38c: Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris.
Text
Rede von Pascal Reddig (CDU/CSU) – Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Die Linke legt heute drei Anträge vor und
beweist darin vor allem drei Dinge:
Erstens. Sie versucht wieder einmal, den Menschen
Angst zu machen. Herr Pantisano hat das gerade wieder
gemacht. Sie haben behauptet, die Renten würden
gekürzt. Leider unterscheiden Sie sich da, ehrlich gesagt,
nicht so sehr von der AfD.
(Ulrike Schielke-Ziesing [AfD]: Das sagen wir
nicht! Das ist Blödsinn! – Zurufe der Abg.
Luigi Pantisano [Die Linke] und Heidi
Reichinnek [Die Linke])
Die AfD und Sie schüren in diesem Haus immer wieder
Ängste,
(Ulrike Schielke-Ziesing [AfD]: Aber nicht bei
der Rente! Das stimmt nicht!)
die AfD massiv beim Thema Migration, Sie, wenn es um
soziale Fragen geht.
In Deutschland werden keine Renten gekürzt; das ist
gesetzlich ausgeschlossen, und das wissen Sie auch.
(Heidi Reichinnek [Die Linke]: Das ist eine
Rentenkürzung!)
Zweitens. Die Linke stellt zwar richtigerweise fest,
dass viele Renten in Deutschland nicht besonders hoch
sind. Sie machen aber überhaupt nichts dagegen und
schlagen auch nichts vor, wie sich das wieder ändern soll.
Sie sperren sich gegen jegliche Reformen. Das wird im
Ergebnis dazu führen, dass die Beiträge für die Menschen
immer weiter steigen und das Rentenniveau sinkt. Das,
was Sie machen, ist alles andere als sozialpolitisch
gerecht.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg.
Chantal Kopf [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] –
Reichinnek [Die Linke]: Aber Ihre
Aktienrente!)
– Frau Reichinnek, wenn Sie sagen, die Aktienrente
würde das alles verschlimmern:
(Heidi Reichinnek [Die Linke]: Dadurch
steigen die Beiträge!)
Wir haben vorgeschlagen, dass es eine Kapitalrente nach
schwedischem Vorbild geben soll. Schweden ist kein
kapitalistischer Heuschreckenstaat, sondern ein sozialer
Wohlfahrtsstaat.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zurufe der Abg.
Luigi Pantisano [Die Linke] und Heidi
Reichinnek [Die Linke])
Dort ist es durch die Kapitalrente gelungen, dass die
Renten der Menschen gestiegen sind, da die jährliche
Rendite der Kapitalrente im Durchschnitt bei 11 Prozent
liegt. Das hat dazu geführt, dass die Renten in Schweden
deutlich höher sind.
Da können Sie mit den Augen rollen, Frau Reichinnek.
(Heidi Reichinnek [Die Linke]: Weil Sie
immer die Hälfte ignorieren!)
Das zeigt, dass es Ihnen völlig egal ist, ob die Menschen
im Alter gut abgesichert sind. Es zeigt, dass Sie einfach
nur Sozialpopulismus betreiben wollen. Im Ergebnis
wird die Kapitalrente dazu führen, dass die Renten für
die heutigen Rentnerinnen und Rentner stabil bleiben und
gleichzeitig für die nächsten Generationen – auf den
heutigen Euro gerechnet – deutlich höher sein werden als
zum jetzigen Stand.
(Zurufe der Abg. Luigi Pantisano [Die Linke]
und Heidi Reichinnek [Die Linke])
Drittens zeigen Sie mit Ihren Anträgen, dass Sie jede
Menge Unwahrheiten verbreiten.
Sie haben kein Konzept. Sie haben unter anderem in
einem Ihrer Anträge sogar geschrieben, dass die
Rentenkommission vorgeschlagen hätte, vorzeitige Altersrenten
mit Abschlägen abzuschaffen. Das stimmt einfach nicht.
Es hätte sich gelohnt, einfach die Vorschläge zu lesen.
Was dagegen vollständig fehlt, ist ein einziger
belastbarer Vorschlag, wie wir unser Rentensystem angesichts
der demografischen Alterung dauerhaft finanzieren
wollen. Sie haben in den letzten Monaten hier im Deutschen
Bundestag ziemlich viele Debatten zum Thema Rente
beantragt. Es war kein einziges substanzielles Konzept
dabei, wie wir in einer Gesellschaft, die immer älter wird,
in einer Gesellschaft, die eine demografische Alterung
durchmacht, das Dilemma, dass die Beiträge immer
weiter steigen und das Niveau irgendwann wieder sinkt,
auflösen können.
(Luigi Pantisano [Die Linke]: Weil immer
weniger einzahlen! Zahlt doch auch ein!)
– Das würde kein Ergebnis zur Folge haben, das dazu
führt, dass die Renten steigen. Herr Pantisano, es tut
mir leid. Sie haben eben wieder gesagt: Wenn alle
einzahlen, dann steigen die Renten. – Das ist einfach falsch.
Das haben alle Ökonomen in diesem Land widerlegt. Sie
können das weiter behaupten, aber es ist kein seriöses
Rentenkonzept.
(Beifall bei der CDU/CSU – Christian Görke
[Die Linke]: Wie in Österreich, oder wie? –
Luigi Pantisano [Die Linke]: Österreich!)
Deswegen haben wir uns als
Alterssicherungskommission entschieden, ein ausgewogenes Gesamtkonzept
vorzulegen, eines, das beides schafft: dass die Rentnerin, die
ihr Leben lang gearbeitet und eingezahlt hat, wieder
sicher sein kann, dass sie eine verlässliche Rente
bekommt – mit dem, was wir vorgeschlagen haben, wird
das Rentenniveau höher sein, als wenn wir jetzt nichts
tun –, und dass gleichzeitig die junge Familie weiß,
dass sie mit ihren Beiträgen selbst etwas für ihre Zukunft
aufbaut, also nicht nur in ein System einzahlt, das
aufgrund des demografischen Wandels unter Druck ist,
sondern mit der Kapitalrente auch etwas für sich selbst spart.
Wir haben als Rentenkommission mit diesem Konzept
alle in den Blick genommen und insbesondere auch
diejenigen, die Unterstützung brauchen.
Sie haben das Thema „Rente mit 63“ angesprochen.
Ich weiß, dass es in der Bevölkerung mit extrem großen
Ängsten behaftet ist. Wir haben aber die Situation, dass
wir aufgrund des demografischen Wandels auch immer
schauen müssen: Was ist in der Sozialpolitik eigentlich
zielgerichtet?
(Christian Görke [Die Linke]: Die Rente ist
jetzt schon bei 65! Mal rechnen!)
Bei der Rente mit 63
(Christian Görke [Die Linke]: Rente mit 65
mittlerweile!)
ist es so, dass eine massive Umverteilung von unten nach
oben stattfindet. Die Linke ist doch eigentlich die Partei,
die sich immer besonders damit rühmt, sie bekämpfen zu
wollen. An dieser Stelle machen Sie das genaue
Gegenteil.
In Anspruch nehmen können die Rente 63 nämlich
nicht diejenigen, die es besonders bräuchten, sondern es
sind beispielsweise Bürobeschäftigte fünfeinhalbmal so
häufig wie diejenigen, die in Bauberufen arbeiten, und
mehr als fünfmal so häufig Beschäftigte in der höchsten
Einkommensgruppe wie in der niedrigsten
Einkommensgruppe. Es findet eine Umverteilung von unteren
Einkommen in mittlere und hohe Einkommen statt, im
Übrigen auch überdurchschnittlich oft von Frauen an
Männer. Die Rente mit 63 ist vor allem eine Rente für
Männer in gut bezahlten Berufen. Deswegen wäre es
sozialpolitisch gerecht, sie wieder zielgerichteter zu
machen.
(Luigi Pantisano [Die Linke]: Das stimmt
einfach nicht! Zuhören!)
– Doch, das stimmt.
Sie haben genau die gleichen Zahlen eben genannt. Sie
müssen selbst zuhören, Herr Pantisano.
Relationen
- part_of → Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte erhalten
- part_of_vorgang → Altersteilzeit weiterhin ab 55 Jahren und im Blockmodell ermöglichen
- part_of_vorgang → Keine weitere Erhöhung der Regelaltersgrenze
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