Rede von Bernd Rützel (SPD) – Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 38a bis 38c: Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris.
Text
Rede von Bernd Rützel (SPD) – Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Liebe Linke, ich will es gleich zu Beginn
sagen: Das letzte Mal habe ich Ihnen vorgeworfen, Sie
überdrehen, Sie haben keinen Drehmomentschlüssel
verwendet. Diese Anträge teile ich in der Stoßrichtung voll
und ganz.
(Beifall bei der Linken – Ulrike Schielke-
Ziesing [AfD]: Eijeijei!)
Die Argumente gegen eine weitere Anhebung der
Regelaltersgrenze und der Erhalt von flexiblen Übergängen
sind absolut richtig und notwendig. Ich will das kurz an
vier Punkten festhalten.
Erster Punkt. Ich bin der Alterssicherungskommission
dankbar, die sich in einer sehr intensiven Arbeit sechs
Monate lang wichtige Gedanken gemacht, Impulse
gegeben und Ideen aufgezeigt hat. Aber wir sind das
Parlament, und wir beraten, wir schauen uns die Vorschläge
an. Und wir werden auch entscheiden.
Zweiter Punkt. Wir müssen uns die finanziellen
Auswirkungen von jedem einzelnen Punkt angucken. Es
wurde zu Recht gesagt: Der Kernpunkt, der Motor ist
der kapitalgedeckte Teil in der ersten Säule. Das ist der
Motor. Aber es sind auch viele falsche Zahlen im Umlauf;
wir haben das heute in dieser Debatte wieder gehört. Die
abschlagsfreie Rente für Leute, die 45 Jahre und länger an
der Werkbank standen und dann 65 Jahre alt sind – die
63-Jährigen gibt es da gar nicht mehr; das wird immer nur
erzählt –, kostet nicht 10 Milliarden Euro im Jahr.
(Zuruf von der Linken: Hört! Hört! – Pascal
Reddig [CDU/CSU]: Doch! Doch!)
Die kostet 3,5 Milliarden Euro im Jahr. Die 10 Milliarden
Euro kommen zusammen, wenn man die Kohorte von
250 000 Menschen nimmt und wartet, bis der letzte
gestorben ist. Das ist in 30 Jahren der Fall. Zählt man das
alles zusammen, dann sind es 10 Milliarden Euro. Das ist
so, als hätte ich ein WG-Zimmer, das 500 Euro Miete
kostet, und dann sagen würde: Die Miete kostet mich
60 000 Euro in zehn Jahren. – Ich kann auch die Miete
für 30 Jahre zusammenzählen,
dann kostet dieses WG-Zimmer 180 000 Euro. Also, man
muss schon beim Richtigen bleiben. Deswegen werden
vom Ministerium 3,5 Milliarden Euro für diese Rente
veranschlagt.
Dritter Punkt. Die Kopplung der Regelaltersgrenze an
einen weiteren Anstieg der Lebenserwartung müssen wir
uns auch angucken. Denn als beschlossen wurde, die
Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre anzuheben, hat
man gesagt: Die Menschen werden älter. – Die
Regelaltersgrenze ist um zwei Jahre gestiegen, aber die
Lebenserwartung ist noch nicht um diesen Zeitraum gestiegen.
Das heißt, wir liegen eigentlich hintendran und müssen
jetzt warten: Wann werden wir denn älter? Schlaue
Menschen haben ausgerechnet: 2069 ist das so weit. Also,
müssen wir heute unbedingt ganz schnell was tun und
können gar nicht bis zum Frühjahr warten, wenn 2069
irgendwas passieren soll? Ich glaube, da haben wir etwas
Luft.
Viertens. Bei der Altersteilzeit drohen Fehler. Das sagt
uns die Wirtschaft, das sagen uns die Gewerkschaften.
Ein Blockmodell als Übergang war notwendig und
wichtig. Darauf haben sich viele eingestellt, und das ist eine
wichtige Möglichkeit des Übergangs in die Rente.
Jetzt blinkt schon die Lampe des Präsidenten.
Deswegen sage ich: Wir stehen vor großen Herausforderungen,
aber wir werden das ordentlich machen. Wir werden
diese Anträge im Ausschuss für Arbeit und Soziales gut
beraten.
Vielen Dank.
Relationen
- part_of → Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte erhalten
- part_of_vorgang → Altersteilzeit weiterhin ab 55 Jahren und im Blockmodell ermöglichen
- part_of_vorgang → Keine weitere Erhöhung der Regelaltersgrenze
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