Rede von Peter Hettlich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 17 a und 17 b: Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W..
Text
Rede von Peter Hettlich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wie auch
heute fängt jede Diskussion über das Berliner Schloss
mit der Frage an: Wie hältst du es damit? – Ich will an
der Stelle ganz klar sagen: Ich hielt und halte die Idee,
das Schloss mit den barocken Fassaden
wiederaufzubauen, für eine rückwärtsgewandte, altertümliche Idee.
In diesem Zusammenhang möchte ich gerne den
berühmten Architekt Daniel Libeskind zitieren, der gesagt
hat:
Ich glaube nicht, dass man Architektur und
Geschichte einfach zurückspulen und so tun kann, als
sei nichts geschehen
(Frank Spieth [DIE LINKE]: Neofeudaler
Barock!)
Nicht nur ich, sondern auch viele meiner Kollegen
hätten sich, selbst 2002, lieber eine zeitgenössische
architektonische Lösung gewünscht.
Als ich mir die Beschlüsse noch einmal anschaute,
fiel mir auf, dass im Beschluss über die
Wiedererrichtung eines Gebäudes auf dem Schlossareal vor allen
Dingen der Begriff der Stereometrie im Vordergrund stand
und dass dieser Beschluss mit großer Mehrheit in diesem
1) Anlage 9
Peter HettlichHause gefasst wurde. Der Beschluss über die
Wiedererrichtung der historischen Fassaden und des
Schlüterhofes wurde dagegen hier im Jahre 2002 – da war ich noch
nicht im Bundestag – nur sehr knapp gefasst. Insofern
plädiere ich ausdrücklich dafür, dass wir diese
Diskussion etwas differenzierter führen.
(Hellmut Königshaus [FDP]: Aber es war eine
Entscheidung!)
– Es war eine knappe Entscheidung, lieber Kollege
Königshaus. Ich finde, wenn wir jetzt den
Architektenwettbewerb durchführen, sollten wir ein bisschen mehr
Offenheit für mögliche Ergebnisse aus dem
Architektenwettbewerb zeigen. So viel Souveränität sollte das
Parlament doch haben.
Nun zum Antrag der Linkspartei. Wir Grünen
verfahren nicht nach dem Prinzip: rin in die Kartoffeln, raus
aus den Kartoffeln. Der Beschluss des Bundestages steht
für uns. Wir halten uns auch daran, trotz meiner
kritischen Haltung, die ich eben vorweg dargelegt habe.
Damit ist auch klar, dass wir den Antrag der Linkspartei
ablehnen.
– Aber jetzt kommt es, Kollege Königshaus: Vielem von
dem, was Sie eben gesagt haben, kann ich nicht
zustimmen.
Die Abwatscherei der Linken war an dieser Stelle
völlig ungerechtfertigt. Man muss sich nur einmal
anschauen, was in meiner Heimatstadt Köln nach dem
Krieg geschehen ist. Das Verbrechen, was dem zugrunde
lag, war übrigens der Zweite Weltkrieg. Dieser wurde
von den Nationalsozialisten begonnen. Die infolge
dieses Krieges passierten Zerstörungen waren die Barbarei.
Die Frage, ob beispielsweise die Kölner Oper hätte
gerettet werden können oder auch viele andere Gebäude,
kann man an anderer Stelle diskutieren. Der
historisierende Wiederaufbau der Stadt Hildesheim jedoch, bei
dem vor Stahlbetonkonstruktionen irgendwelche
historisierenden Fachwerkfassaden gehängt wurden,
entspricht nicht meinem Verständnis von Denkmalschutz.
(Beifall der Abg. Dorothée Menzner [DIE
LINKE])