Rede von Renate Blank (CDU/CSU) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 17 a und 17 b: Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W..
Text
Rede von Renate Blank (CDU/CSU) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Im
Gegensatz zu vor etwa drei Wochen, als die FDP hier die
Debatte zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses
angestoßen hat, ist heute die Zeit für die Diskussion im
Parlament reif. Allerdings muss ich hinzufügen: Für dieses
nationale Projekt wäre – das ist eine Bitte an die
Geschäftsführer – eine bessere Beratungszeit angemessen.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der FDP)
Das gilt vor allem, nachdem in diesem Bereich die
Journalisten jeden Tag etwas über das Pro und Kontra des
Berliner Schlosses, der Kuppel und des Kellers
schreiben.
Kolleginnen und Kollegen, der Beschluss zum
Wiederaufbau des Berliner Schlosses ist nach langjähriger
Diskussion endlich zustande gekommen. Ich erinnere an
unsere Anträge aus den Jahren 2000, 2003 und 2004;
nun liegt ein weiterer Antrag vor. Die Entscheidung zur
Rekonstruktion haben wir uns alle nicht leichtgemacht,
vor allen Dingen im Hinblick auf die Nachbarschaft zur
Museumsinsel, einem Weltkulturerbe. Vor dem
Hintergrund ist es sehr wichtig, dass mit dem Wiederaufbau
sehr sensibel umgegangen wird.
Meine Damen und Herren, es wurde immer kritisiert,
dass wir unseren Architekten nicht zutrauen, etwas
Neues auf diesem Platz in der Mitte Berlins zu bauen.
Hierzu kann ich nur sagen: Es ist kein Thema, dass wir
den Architekten nichts Neues zutrauen. Aber es gibt in
jeder Stadt Negativbeispiele, wo jedes Gebäude an sich
sehr gut ist, wo aber das Ensemble insgesamt nicht mehr
wirkt. Im Hinblick darauf ist nach jahrelanger
Diskussion der Beschluss gefallen, das Berliner Schloss wieder
aufzubauen. Es gab natürlich eine Diskussion über den
Abriss des Palastes der Republik. Wenn ich dort
vorbeifahre, freue ich mich jedes Mal, dass der Abriss
voranschreitet. Ich hoffe, dass dieses Thema bald erledigt sein
wird. Auf dem Gelände des zukünftigen Berliner
Schlosses ist „White Cube“ als kulturelle Zwischennutzung
vorgesehen. Ich gehe davon aus, dass diese
Zwischennutzung zu Beginn des Wiederaufbaus des BerlinerSchlosses beendet ist. Diese Zwischennutzung darf
keine Eigendynamik entwickeln.
In den letzten Jahren ist immer vom Stadtschloss
oder, wie von der Linken präferiert, vom Humboldt-
Forum die Rede. Richtigerweise muss es heißen:
Wiedererrichtung des Berliner Schlosses – Bau des Humboldt-
Forums im Schlossareal Berlin.
Das ist ein kleiner Hinweis an die Bundesregierung.
Während der Haushaltsberatungen haben wir das Ganze
in die richtige Reihenfolge gebracht: zuerst die
Wiedererrichtung des Berliner Schlosses, dann der Bau des
Humboldt-Forums.
Wir wollen mit unserem vorliegenden Antrag die
Bundesregierung unterstützen und weisen dabei deutlich
darauf hin, dass wir am Wiederaufbau keine Abstriche
machen und dass sich das Parlament das Heft des
Handelns nicht aus der Hand nehmen lässt. Die zuständigen
Ausschüsse sind damit zu befassen. Es gibt Personen,
die meinen, dass dieser Antrag unnötig sei. Wir
brauchen diesen Antrag aber deshalb, weil morgen der
Auslobungstext international bekannt gegeben wird. Es gibt
eine Änderung: Wir kommen von einem international
offenen Wettbewerb hin zu einer Auslobung als begrenzt
offener, anonymer Realisierungswettbewerb in zwei
Bearbeitungsphasen. Das heißt, dass im Rahmen eines
offenen Bewerberauswahlverfahrens 150 Bewerber von
einem von der Jury des Wettbewerbs unabhängigen
Auswahlgremium anhand vorab festgelegter und
öffentlich bekannt gemachter Mindestanforderungen und
Auswahlkriterien ausgewählt werden. In der ersten Phase
sind von den Teilnehmern grundsätzliche
Lösungsansätze für die Wettbewerbsaufgabe zu entwickeln. Aus
den eingereichten Beiträgen wählt das Preisgericht circa
30 bis 40 Teilnehmer für eine konkrete Bearbeitung der
zweiten Phase aus.
Ich möchte meine ganz persönliche Meinung zu der
Änderung sagen. Ich hätte mir durchaus vorstellen
können, dass wir bei einem international offenen
Wettbewerb bleiben. Aber man beugt sich im Grunde
Erkenntnissen. Ich gehe davon aus, dass sich auch junge
Architekturbüros bewerben. Aufgrund der zwei
Bearbeitungsphasen kommt dem unabhängigen
Auswahlgremium eine große Bedeutung zu. Wir haben dafür
gesorgt, dass bekannte und anerkannte Experten in diesem
Auswahlgremium vertreten sind.
Die Zusammenarbeit mit Berlin hat sich zu einer
konstruktiven Mitarbeit entwickelt. Deswegen verwundert
mich Ihr Antrag, meine Damen und Herren von der
Linkspartei. Ich würde an Ihrer Stelle Abstand nehmen,
da sich Berlin eindeutig für den Wiederaufbau des
Berliner Schlosses entschieden hat und nicht für Ihren
Lösungsansatz, der das Humboldt-Forum und einen
Neubau vorsieht.
Der Auslobungstext ist nun fertig. Es gab
umfangreiche Diskussionen. Die Anforderungen für die Teilnahme
– Büroumsatz, Zahl der Mitarbeiter, der Nachweis eines
Projektes mit vergleichbarer Komplexität und
Multifunktionalität – sind etwas zurückgeschraubt worden.
Renate BlankIch betone ganz deutlich: Auch junge Architekten
können sich beteiligen, zum Beispiel wenn sie sich zu
Bürogemeinschaften zusammenschließen.
Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses ist von
nationaler Bedeutung.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie
bei Abgeordneten der SPD)
Das kulturelle Nutzungskonzept passt sich an die
erfolgreiche Entwicklung des Areals der Museumsinsel an und
berücksichtigt auch die geforderte kommunikativ-
gesellschaftliche Nutzung. Mit der Wiedererrichtung des
Berliner Schlosses und damit dem Bau des Humboldt-
Forums werden die Weltkulturen in das Zentrum der
deutschen Hauptstadt geholt. Auch den Dialog mit den
europäischen Kulturen auf der Museumsinsel bringen
wir voran.
Ich komme auf die öffentliche Aufmerksamkeit, auch
für Kuppel und Keller, zu sprechen. Die Kuppel ist im
Auslobungstext zwingend vorgesehen. Was den Keller
angeht, ist zunächst geplant, dass Ausgrabungen als
archäologisches Fenster in das Gebäude einbezogen
werden können.
Ich möchte dem Förderverein, insbesondere Herrn
von Boddien, dessen Traum jetzt, nach 15 Jahren,
verwirklicht werden wird, für das große Engagement ganz
herzlich danken. Wir werden das Einwerben von
Spenden unterstützen – das steht auch in unserem Antrag –:
mit einer Sondermünze, eventuell mit einer
Schlosslotterie, mit Briefmarken usw. Dazu, wie die
Zusammenarbeit zwischen Preußen und den Bayern, sprich:
München, funktioniert, kann ich nur sagen, dass sich in
München ebenfalls ein Förderverein zur Unterstützung
des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses gegründet hat.
Ich hoffe, dass uns dieser Wiederaufbau, der eine
einmalige Chance ist, in hervorragender Weise gelingen wird.