Rede von Peter Hettlich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 17 a und 17 b: Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W..
Text
Rede von Peter Hettlich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
Herr Königshaus, ich stimme Ihnen durchaus zu, dass
es eine ganze Menge Gebäude gibt, bei denen man sich
trefflich darüber streiten könnte. Ich als Kölner, der 1990
nach Sachsen gezogen ist, habe beispielsweise die
Diskussion um den Wiederaufbau der Frauenkirche sehr
aufmerksam verfolgt. Ich weiß auch, dass wir
Intellektuelle zunächst eine ganz andere Herangehensweise
hatten, dann aber erleben mussten, wie sich die Diskussion
in der Stadt emotionalisierte. In meiner Geburtsstadt
Köln sind ja die romanischen Kirchen, die das Stadtbild
geprägt haben, nach dem Krieg auch wiederaufgebaut
worden.
Deshalb plädiere ich immer für eine differenzierte
Sichtweise und spreche mich gegen Schwarz-Weiß-Denken
aus.
Zum Berliner Stadtschloss habe ich meine
persönliche Meinung, auch wenn die Planungen für den
Wiederaufbau schon sehr weit fortgeschritten sind. Mit einem
Wiederaufbau, der sich an der Stereometrie orientiert,
also einem entsprechenden Kubus an der Stelle, hätte ich
mich sehr gut anfreunden können. Ich sage aber
zugleich: Diese Debatte ist für uns gegessen, und wir
sollten sie heute Abend nicht wieder aufleben lassen.
Entscheidend ist, dass wir jetzt nach vorne schauen.
(Beifall des Abg. Dr. Anton Hofreiter [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN])
Wir werden in den nächsten Jahren noch einige
Diskussionen über das Berliner Schloss im Deutschen
Bundestag haben. Das kann ich Ihnen garantieren. Denn der
Teufel steckt noch im Detail. Wir von den anderen
Fraktionen werden wie die Kolleginnen Renate Blank und
Petra Weis das Verfahren hinsichtlich des Wettbewerbs
sehr aufmerksam verfolgen. Wahrscheinlich können wir
als Gäste die entsprechenden Ausführungen im
Preisgericht verfolgen. Wir werden die Entwicklung genau im
Auge behalten.
Ich habe schon dem Staatssekretär Lütke Daldrup und
der Kollegin Karin Roth gesagt, dass ich, weil ich von
Hause aus Projektleiter bin, auch auf die Kosten schauen
werde. An diesem Punkt will ich den Finger in die
Peter HettlichWunde legen. Wenn es heißt, der Kostenrahmen von
552 Millionen Euro wird überschritten – ich sage Ihnen
ganz ehrlich, bei Projekten dieser Größenordnung kann
das schnell passieren – und Sie daraufhin sagen, Sie
wollen einsparen, dann müssen Sie mir erklären, an welcher
Stelle Sie das tun wollen. Möglicherweise werden Sie
genau an den Stellen einsparen wollen, die für Sie jetzt
besonders wichtig sind, die Sie wie ein Mantra vor sich
hertragen, wie zum Beispiel die Kuppel und die
Schlüterhöfe. Das ist genau der Knackpunkt.
Wenn wir alle der Meinung sind, dass es so gemacht
werden soll, dann halte ich eine Vorfestlegung auf eine
bestimmte Summe für sehr riskant. Wenn der Deutsche
Bundestag sagt, aufgrund eines Kostenvoranschlags
wird der Wiederaufbau garantiert nicht mehr als
600 Millionen Euro kosten, dann halte ich das für falsch.
Ich bin zwar keiner, der will, dass das Geld zum Fenster
herausgeschmissen wird. Aber ich bin der Meinung, dass
man sich erst einmal das Ergebnis dieses Wettbewerbs
anschauen, es bewerten und die Kosten berechnen sollte,
bevor man eine Entscheidung trifft. Im Zweifelsfall
muss man dann mit den Haushältern in die Bütt gehen.
Dieses Verfahren halte ich für sinnvoll. Insofern plädiere
ich für eine größere Offenheit.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und
wünsche uns noch einen schönen Abend.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der
CDU/CSU und der LINKEN)