Rede von Hellmut Königshaus (FDP) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 17 a und 17 b: Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W..
Text
Rede von Hellmut Königshaus (FDP) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir
unterhalten uns hier einerseits über ein wirklich wichtiges
Thema, über ein Thema von nationaler Bedeutung – die
Kollegin Blank hat das hier eben angesprochen –, und
wir unterhalten uns andererseits über einen Antrag der
Linken, mit dem versucht wird, den eingeleiteten
Prozess aufzuhalten. Dazu muss man feststellen – es ist
wirklich bedauerlich –: Die Linke kneift; sie gibt ihren
Redebeitrag zu Protokoll und verteidigt ihren eigenen
Antrag nicht.
(Frank Spieth [DIE LINKE]: Da haben Sie
recht!)
Erst seit ganz kurzer Zeit – mittlerweile sind hier zwei
Fraktionsmitglieder anwesend – ist sie unter den Abge-ordneten genauso stark wie im Präsidium vertreten. Das
finde ich, offen gesagt, der Sache nicht angemessen.
Überhaupt finde ich den Antrag, den Sie gestellt
haben, nicht angemessen.
Sie versuchen hier schon wieder, etwas zu blockieren,
was längst entschieden ist. Es geht uns heute nicht nur
um die Sache, sondern auch um uns, um das Parlament,
um unser Selbstverständnis. Wir müssen doch
glaubwürdig bleiben. Wir dürfen unsere einmal gefassten
Beschlüsse doch nicht immer wieder durchkauen. Wie oft
sollen wir denn noch beschließen, dass wir das Berliner
Schloss aufbauen wollen, und zwar am Platz des
Stadtschlosses, in der Kubatur des Stadtschlosses und mit den
drei barocken Fassaden?
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie
bei Abgeordneten der SPD)
Auch als Opposition muss man der Bundesregierung
in diesem Zusammenhang einmal dafür danken, dass sie
die Beschlüsse des Bundestages nun endlich realisiert.
Mein Dank geht natürlich auch an den Finanzminister,
ohne dessen – bekanntermaßen großzügige –
Unterstützung das nicht ginge.
Alles hat trotzdem viel zu lang gedauert. Wir wurden
hier immer wieder mit irgendwelchen Scheinargumenten
aufgehalten, und es wurden Hürden aufgestellt. Wie
immer, wenn es um die historische und die bauliche
Identität der Hauptstadt ging, waren der Senat und der
Regierende Bürgermeister leider keine Hilfe. Ganz im
Gegenteil: Sie waren Teil des Problems; sie haben
Probleme bereitet und haben aufgehalten.
(Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Dann geh
doch ins Abgeordnetenhaus!)
Wir haben immer Probleme mit dem Bauminister;
aber an diesem Punkt wollen wir ihm hier wirklich
einmal dazu gratulieren, dass er tatsächlich vollendete
Tatsachen geschaffen und entschlossen gehandelt hat.
Umso schlimmer ist allerdings, dass es in seinem
Haus offenbar einen Staatssekretär gibt, der über das
Ausschreibungsverfahren versucht, unsere Beschlüsse
hier zu unterlaufen. Deshalb ist hier noch einmal
festzuhalten: Das, was hier beschlossen worden ist, ist ernst
gemeint. Noch einmal: Es ist ernst gemeint – was immer
der Herr Staatssekretär davon zu halten gedenkt und was
immer sonst jemand zu dieser Frage sagen sollte.
Moderne Architektursprache hat natürlich ihre
Berechtigung, fast überall, aber nicht an diesem Platz, dem
Ursprung unserer Hauptstadt und letzten Endes auch
einem Kristallisationspunkt unserer Nation.
(Frank Spieth [DIE LINKE]: Der ist ganz
woanders!)
Dort brauchen wir ein Gebäude, das diesem Anspruch
auch gerecht wird. Dort können wir nicht experimentie-
Hellmut Königshausren. Wir wissen, dass so etwas oftmals, gerade bei
moderner Architektur, nach mehreren Jahren im Rückblick
wie ein Experimentieren wirkt. Wir wissen es nicht
sicher, aber wir können es nicht ausschließen. Wir haben
es aber vor allem anders beschlossen. Deshalb muss das
Stadtschloss so, wie es geplant ist, auch gebaut werden.
Die Linke will mit ihrem Antrag einen letzten
verzweifelten Versuch unternehmen, den fahrenden Zug
noch aufzuhalten. Sie wird damit scheitern. Gott sei
Dank wird sie damit scheitern.
Meine Damen und Herren, es ist doch wirklich
kleinkrämerisch, wenn gerade Sie, die Linken, dem
Förderverein, der sich aus bürgerschaftlichem Engagement
heraus bereitgefunden hat, dafür zu sorgen, dass das Geld
für die Fassade aufgebracht wird – auch das wäre
eigentlich eine nationale Aufgabe, die wir zu finanzieren
hätten –, vorwerfen, er habe erst 10 Prozent aufgebracht.
Mein Gott im Himmel, was glauben Sie denn? Das ist
doch anzuerkennen. 10 Prozent nach einem solchen
Hickhack,
(Frank Spieth [DIE LINKE]: Warten Sie ab,
ob es überhaupt so viel wird!)
bei dem bis zuletzt immer wieder infrage stand, ob
überhaupt etwas daraus wird – machen Sie das erst einmal
nach, bevor Sie hier solche Reden halten!
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Immer wieder finden sich engagierte Bürger in
diesem Land, die versuchen, bauliche Sünden der
Vergangenheit zu bereinigen, insbesondere auch solche, bei
denen Gebäude, die durch Kriegseinwirkung beschädigt,
aber wiederaufbaufähig waren, abgerissen wurden. Sie
setzen sich dafür ein, dass solche Gebäude
wiederaufgebaut werden, damit eine städtebauliche Identifikation
wieder möglich ist. In Dresden, in Potsdam und auch in
Berlin gibt es solche Leute. Nie war die Linke auf der
Seite derer, die mit bürgerschaftlichen Engagement
etwas bewirken wollen. Sie war immer dagegen.
Ich will Ihnen nicht vorwerfen, dass die
Kommunisten in Potsdam und Berlin die Stadtschlösser, die zum
Teil noch standen, zum Teil auch noch benutzt wurden,
ohne Not abgerissen haben. Sie haben dort
Aufmarschplätze gebaut, um Jubelparaden abzuhalten.
(Frank Spieth [DIE LINKE]: War der Palast
der Republik ein Appellplatz? Das ist doch
Unsinn!)
Sie waren noch nicht dabei. Deshalb werfe ich Ihnen das
nicht vor. Ich werfe Ihnen aber schon vor, dass Sie
diesen Geist heute noch weitertragen, dass Sie aus diesem
Geist heraus hier so agieren und ausgerechnet die Kosten
als Argument heranziehen. Wäre diese Barbarei damals
nicht gewesen, müssten wir uns heute nicht über solche
Kosten unterhalten. Es wäre viel billiger, und im
Übrigen wäre das Bauwerk schon längst fertig.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)Willy Brandt hat einst gesagt: Berlin wird leben, und
die Mauer wird fallen. Heute in dieser Diskussion würde
er sagen: Und die Stadt wird mit dem Stadtschloss ihre
historische Mitte wiederbekommen.
Danke schön.