polradar

Rede von Petra Weis (SPD) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.

dip / rede 13.12.2007 · WP 16 · Original ↗

Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 17 a und 17 b: Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W..

Im Graph öffnen

Text

Rede von Petra Weis (SPD) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W. Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jetzt muss ich aus einem zeitlichen Minus ein inhaltliches Plus machen. Ich hoffe, dass mir das in den nächsten 3 Minuten und 55 Sekunden gelingt. Noch zu Beginn dieses Jahres konnte man viele skeptische Stimmen vernehmen, die den Wiederaufbau des Berliner Schlosses und damit zugleich den Bau des Humboldt-Forums in weite Ferne gerückt sahen. Siehe da, da legte Bundesminister Wolfgang Tiefensee im März dieses Jahres den sogenannten konzentrierten Entwurf mit dem Fokus auf die kulturelle Nutzung samt Finanzierungsvorschlag vor. Dieser Entwurf kam geradezu einer Initialzündung für das Projekt gleich. Denn dann ging auf einmal alles ganz schnell. Innerhalb kürzester Zeit hat das Kabinett den Entwurf verabschiedet. Mit dem Land Berlin wurde bereits eine Vereinbarung geschlossen. Bereits in dieser Woche – darauf ist schon hingewiesen worden – haben die Preisrichterinnen und Preisrichter für den in Kürze startenden Architektenwettbewerb ihre Arbeit aufgenom-men. 2010 soll der erste Spatenstich erfolgen. Womöglich können wir bereits 2013 Eröffnung feiern. Wer von uns hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass ein solch atemberaubendes Tempo bei einem doch so ambitionierten Projekt möglich ist? Das Humboldt-Forum – Frau Kollegin Blank hat das schon ausgeführt – ist das mit Abstand bedeutendste kulturelle Bauvorhaben in Deutschland. Es wird nicht nur zur städtebaulichen Neugestaltung der Mitte Berlins beitragen. Mit seinem kulturellen Angebot wird es vor allem den Dialog von Kunst und Wissenschaft an einem zentralen Ort befördern. Ich möchte, sicherlich auch im Namen meiner Fraktion und hoffentlich im Namen vieler in diesem Hause, Minister Wolfgang Tiefensee ganz herzlich danken und ihm dafür Anerkennung zollen, dass er in der Frage der Realisierung dieses Projektes die alles entscheidende Initiative ergriffen hat. Er hat damit der Vision, die manche von Ihnen vielleicht für eine Utopie gehalten haben, eine realistische Perspektive gegeben. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP) Der Antrag der beiden Koalitionsfraktionen signalisiert unmissverständlich eine Unterstützung des Weges, den die Bundesregierung jetzt eingeschlagen hat. Aber er bedeutet auch eine Aufforderung an sie, das Parlament regelmäßig über den jeweils aktuellen Zwischenstand zu informieren. Das gilt insbesondere für den Abschluss des Realisierungswettbewerbs und die dort erzielten Ergebnisse. Kollege Hettlich hat schon darauf hingewiesen: So oder so wird uns das Projekt in den nächsten Jahren noch weiter beschäftigen. Natürlich ist auch mir nicht verborgen geblieben, dass es nach wie vor Zweifel gibt, ob die Aufgabe im Zuge der jetzt vereinbarten Rahmenbedingungen überhaupt zu erfüllen ist. Es gibt Stimmen unserer Kolleginnen und Kollegen von den Linken – aber auch Kollege Hettlich hat es vorhin eingeworfen –, die die Bundestagsbeschlüsse vor allem in ihrer Festlegung auf die Wiedererrichtung der historischen Fassaden am liebsten ungeschehen machen möchten. Gestatten Sie mir eine persönliche Anmerkung. Nicht nur als Anwohnerin des Schlossareals, die das jetzige und das zukünftige Bauwerk jeden Tag in Augenschein nehmen kann, habe ich mich natürlich gefragt, ob mich nicht auch mögliche zeitgenössische Lösungen überzeugt hätten. Allein, ich kenne eine solche Alternative nicht. Dass Andreas Schlüter gegebenenfalls alternativlos ist, halte ich nicht für eine Katastrophe, im Gegenteil. Das muss niemanden frustrieren. Wenn wir das Schloss als Ort der Weltkultur wieder errichten lassen, dann können alle Bedenken in den Hintergrund treten, die von der Erwartung gespeist wurden, dass es sich bei unseren Beschlüssen um pure Absichtserklärungen oder reine Symbolik handelt. Petra WeisEs ist die inhaltliche Lösung, die mich zutiefst überzeugt. Sie ist so überzeugend, dass ich glaube, dass es fahrlässig wäre, wenn wir die Chance, die wir jetzt haben, ungenutzt verstreichen lassen würden. Ich glaube, wir sollten diese Chance beherzt nutzen und auf die Vorschläge der Architektinnen und Architekten gespannt sein. Wir sollten darauf achten, dass der später auszuwählende Entwurf eine überzeugende Lösung für die wahrhaft große Aufgabe anbietet, die wir den Architektinnen und Architekten, aber auch uns selbst gestellt haben. Das Humboldt-Forum und die Museumsinsel sind der sinnfällige Ausdruck einer Gesellschaft wie der unsrigen, die nicht nur Bildung und Kultur, sondern auch der Kultur des Bauens einen hohen Stellenwert einräumt. Ich würde mir wünschen, dass wir dieses Projekt im Zuge der noch folgenden Beschäftigungen mit ihm als das ansehen, was es tatsächlich ist: ein nationales und damit, wenn möglich, auch ein parteiübergreifendes Projekt. Meine Redezeit ist abgelaufen. Ich danke herzlich für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP)

Relationen