Rede von Petra Weis (SPD) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 17 a und 17 b: Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W..
Text
Rede von Petra Weis (SPD) – Fischer (Hamburg), Renate Blank, Dr. Klaus W.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Jetzt muss ich aus einem zeitlichen Minus ein
inhaltliches Plus machen.
Ich hoffe, dass mir das in den nächsten 3 Minuten und
55 Sekunden gelingt.
Noch zu Beginn dieses Jahres konnte man viele
skeptische Stimmen vernehmen, die den Wiederaufbau des
Berliner Schlosses und damit zugleich den Bau des
Humboldt-Forums in weite Ferne gerückt sahen. Siehe
da, da legte Bundesminister Wolfgang Tiefensee im
März dieses Jahres den sogenannten konzentrierten
Entwurf mit dem Fokus auf die kulturelle Nutzung samt
Finanzierungsvorschlag vor. Dieser Entwurf kam geradezu
einer Initialzündung für das Projekt gleich. Denn dann
ging auf einmal alles ganz schnell.
Innerhalb kürzester Zeit hat das Kabinett den Entwurf
verabschiedet. Mit dem Land Berlin wurde bereits eine
Vereinbarung geschlossen. Bereits in dieser Woche
– darauf ist schon hingewiesen worden – haben die
Preisrichterinnen und Preisrichter für den in Kürze
startenden Architektenwettbewerb ihre Arbeit aufgenom-men. 2010 soll der erste Spatenstich erfolgen.
Womöglich können wir bereits 2013 Eröffnung feiern. Wer von
uns hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass ein solch
atemberaubendes Tempo bei einem doch so
ambitionierten Projekt möglich ist?
Das Humboldt-Forum – Frau Kollegin Blank hat das
schon ausgeführt – ist das mit Abstand bedeutendste
kulturelle Bauvorhaben in Deutschland. Es wird nicht nur
zur städtebaulichen Neugestaltung der Mitte Berlins
beitragen. Mit seinem kulturellen Angebot wird es vor
allem den Dialog von Kunst und Wissenschaft an einem
zentralen Ort befördern.
Ich möchte, sicherlich auch im Namen meiner
Fraktion und hoffentlich im Namen vieler in diesem Hause,
Minister Wolfgang Tiefensee ganz herzlich danken und
ihm dafür Anerkennung zollen, dass er in der Frage der
Realisierung dieses Projektes die alles entscheidende
Initiative ergriffen hat. Er hat damit der Vision, die
manche von Ihnen vielleicht für eine Utopie gehalten haben,
eine realistische Perspektive gegeben.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und der FDP)
Der Antrag der beiden Koalitionsfraktionen
signalisiert unmissverständlich eine Unterstützung des Weges,
den die Bundesregierung jetzt eingeschlagen hat. Aber
er bedeutet auch eine Aufforderung an sie, das
Parlament regelmäßig über den jeweils aktuellen
Zwischenstand zu informieren. Das gilt insbesondere für den
Abschluss des Realisierungswettbewerbs und die dort
erzielten Ergebnisse. Kollege Hettlich hat schon darauf
hingewiesen: So oder so wird uns das Projekt in den
nächsten Jahren noch weiter beschäftigen.
Natürlich ist auch mir nicht verborgen geblieben, dass
es nach wie vor Zweifel gibt, ob die Aufgabe im Zuge
der jetzt vereinbarten Rahmenbedingungen überhaupt zu
erfüllen ist. Es gibt Stimmen unserer Kolleginnen und
Kollegen von den Linken – aber auch Kollege Hettlich
hat es vorhin eingeworfen –, die die
Bundestagsbeschlüsse vor allem in ihrer Festlegung auf die
Wiedererrichtung der historischen Fassaden am liebsten
ungeschehen machen möchten.
Gestatten Sie mir eine persönliche Anmerkung. Nicht
nur als Anwohnerin des Schlossareals, die das jetzige
und das zukünftige Bauwerk jeden Tag in Augenschein
nehmen kann, habe ich mich natürlich gefragt, ob mich
nicht auch mögliche zeitgenössische Lösungen
überzeugt hätten.
Allein, ich kenne eine solche Alternative nicht. Dass
Andreas Schlüter gegebenenfalls alternativlos ist, halte
ich nicht für eine Katastrophe, im Gegenteil. Das muss
niemanden frustrieren.
Wenn wir das Schloss als Ort der Weltkultur wieder
errichten lassen, dann können alle Bedenken in den
Hintergrund treten, die von der Erwartung gespeist wurden,
dass es sich bei unseren Beschlüssen um pure
Absichtserklärungen oder reine Symbolik handelt.
Petra WeisEs ist die inhaltliche Lösung, die mich zutiefst
überzeugt. Sie ist so überzeugend, dass ich glaube, dass es
fahrlässig wäre, wenn wir die Chance, die wir jetzt haben,
ungenutzt verstreichen lassen würden. Ich glaube, wir
sollten diese Chance beherzt nutzen und auf die
Vorschläge der Architektinnen und Architekten gespannt
sein. Wir sollten darauf achten, dass der später
auszuwählende Entwurf eine überzeugende Lösung für die
wahrhaft große Aufgabe anbietet, die wir den Architektinnen
und Architekten, aber auch uns selbst gestellt haben.
Das Humboldt-Forum und die Museumsinsel sind der
sinnfällige Ausdruck einer Gesellschaft wie der
unsrigen, die nicht nur Bildung und Kultur, sondern auch der
Kultur des Bauens einen hohen Stellenwert einräumt.
Ich würde mir wünschen, dass wir dieses Projekt im
Zuge der noch folgenden Beschäftigungen mit ihm als
das ansehen, was es tatsächlich ist: ein nationales und
damit, wenn möglich, auch ein parteiübergreifendes
Projekt.
Meine Redezeit ist abgelaufen. Ich danke herzlich für
die Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der
FDP)