Rede von Dr. Volker Wissing (FDP) – Dr. Barbara Höll, Wolfgang Nešković, Ulla
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 7 a bis 7 c: Dr. Barbara Höll, Wolfgang Nešković, Ulla.
Text
Rede von Dr. Volker Wissing (FDP) – Dr. Barbara Höll, Wolfgang Nešković, Ulla
Ich sage es Ihnen noch einmal, Frau Kollegin Höll:
Ich halte Ihren Ansatz für schwach, weil er rein reaktiv
ist. Es wäre vernünftiger, dort anzusetzen, wo die
Probleme entstehen. Sie liegen in einem viel zu
komplizierten Steuerrecht begründet. Sie versuchen immer wieder,
die Dinge im Nachhinein zu flicken. Sie können dann
neue Löcher in den Käse hineinschneiden, aber das
Ganze bleibt ein löchriger Käse.
Das Steuerrecht würde vor allen Dingen mit der
Umsetzung Ihrer Vorschläge Käse bleiben. Sie führen
nämlich neue Bürokratielasten ein und machen es noch
komplizierter. Das halte ich schlicht und einfach für die
falsche Lösung. Ein besserer Lösungsansatz wäre es, das
Steuerrecht zu vereinfachen, es gerechter zu gestalten
und niedrigere Steuersätze einzuführen, damit die
Menschen das akzeptieren und die Fehlanreize zur Schaffung
von Steuerausnahmen in Deutschland beseitigt werden.
Genau das habe ich gesagt. Dazu stehe ich auch. Das ist
die Meinung der FDP.
(Beifall bei der FDP – Joachim Poß [SPD]:
Durchforsten Sie einmal die
Bundestagsdrucksachen der letzten Jahrzehnte!)
Bezeichnenderweise findet sich in den Anträgen der
Oasenaustrockner kein einziges Wort dazu. Statt
inhaltlich mit eigenen Konzepten in die Offensive zu gehen,
wollen Sie nur reagieren. Ehrlich gesagt langweilt mich
an dieser Debatte langsam, dass immer wieder so getan
wird – die Grünen sind darin ja auch immer sehr stark –,
als gäbe es hier im Haus einige, die für
Steuerhinterziehung sind, während andere sie bekämpfen wollen. Ich
finde diesen Popanz ehrlich gesagt ziemlich albern und
will noch einmal sagen: Wenn wir gemeinsam etwas tun
wollen, dann müssen wir dort ansetzen, wo die Probleme
entstehen. Diese entstehen aufgrund der Komplexität
und der mangelnden Transparenz unseres Steuersystems.
Die FDP ist gerne bereit, mit Ihnen über Maßnahmen
zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung zu reden; aber
allein damit werden wir uns nicht zufriedengeben. Wir
wollen mehr. Wir wollen etwas Konkretes, nämlich ein
einfaches und gerechtes Steuersystem mit niedrigen
Steuersätzen für die Mitte unserer Gesellschaft, die seit
Jahren abkassiert wird.
(Christine Scheel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Steuerhinterziehung im Ausland hat
nichts mit der Komplexität des Steuerrechts zu
tun! Vielmehr tut man das, weil man keine
Steuern bezahlen will!)
Dr. Volker Wissing– Frau Scheel, Sie erheben hier laut Ihre Stimme.
(Joachim Poß [SPD]: Billige Ausrede für
Steuerhinterzieher!)
– Herr Kollege Poß, da Sie von „billig“ reden, sollten
Sie einmal Ihren Zwischenruf im Protokoll nachlesen.
Der ist nicht nur billig, sondern den kann ich Ihnen auch
gleich schenken und zurückgeben.
Frau Kollegin Scheel, ich sage Ihnen ganz offen: Sie
kommen mit Ihren Vorschlägen nicht weiter. Wer etwas
gegen Steuerhinterziehung tun will, der muss dort
ansetzen, wo die Probleme entstehen. Das ist bei unserem
Steuerrecht. Deswegen wollen wir eine Politik für die
Mitte machen, die hier abkassiert wird.