Protokoll der 67. Sitzung des 11. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 67. Sitzung des 11. Deutschen Bundestages
[Plenarprotokoll 11/67
Deutscher Bundestag
Stenographischer Bericht
67. Sitzung
Bonn, Donnerstag, den 10. März 1988
Inhalt:
Nachruf auf den ehemaligen Bundeskanzler
Kurt Georg Kiesinger 4545 A
Änderung und Überweisung der Anträge
zum Hotelbauprojekt in Dalyan (Drucksa
-
chen 11/1666, 11/1872) an Ausschüsse . 4546B
Erweiterung der Tagesordnung 4546 B
Begrüßung des Präsidenten des Legislativ
rates der Republik Zaire und den
Mitgliedern seiner Delegation 4546 D
Tagesordnungspunkt 2:
Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr.
Apel, Roth, Dr. Spöri, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der SPD: Beseitigung
steuerlicher Benachteiligungen von kleinen
und mittleren Unternehmen (Drucksache
11/1335)
Poß SPD 4547 A
Uldall CDU/CSU 4548 C
Hüser GRÜNE 4549 C
Dr. Solms FDP 4550 D
Dr. Fell CDU/CSU 4552 A
Kastning SPD 4552 D
Dr. Stoltenberg, Bundesminister BMF . . 4554 D
Tagesordnungspunkt 3:
Beratung des Antrags der Abgeordneten
Frau Flinner, Kreuzeder und der Fraktion
DIE GRÜNEN: Keine Flächen- und
Betriebsstillegungen, sondern
Überschußbeseitigung und ökologische Intensivierung der
Landbewirtschaftung (Drucksache 11/913)
Kreuzeder GRÜNE 4557 D
Michels CDU/CSU 4559 B
Frau Adler SPD 4561 C
Heinrich FDP 4563 A
Frau Flinner GRÜNE 4564 C
Dr. von Geldern, Parl. Staatssekretär BML 4565 A
Tagesordnungspunkt 4:
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes über die Anpassung der Renten der
gesetzlichen Rentenversicherung und der
Geldleistungen der gesetzlichen
Unfallversicherung im Jahre 1988 (Drucksachen
11/1833, 11/1967, 11/1974)
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Arbeit und
Sozialordnung zu der Unterrichtung durch die
Bundesregierung
Bericht der Bundesregierung über die
gesetzlichen Rentenversicherungen,
insbesondere über deren Finanzlage in den
künftigen 15 Kalenderjahren, gemäß §§ 1273 und
579 der Reichsversicherungsordnung, § 50
des Angestelltenversicherungsgesetzes und
§ 71 des Reichsknappschaftsgesetzes
(Rentenanpassungsbericht 1987)
Gutachten des Sozialbeirats zur Anpassung
der Renten der gesetzlichen
Rentenversicherung zum 1. Juli 1988 und zu den
Vorausberechnungen der Bundesregierung über
die Entwicklung der Finanzlage der
Rentenversicherung bis zum Jahre 2001
(Drucksachen 11/1540, 11/1967)
Beratung der Beschlußempfehlung und
Bericht des Ausschusses für Arbeit und
Sozialordnung zu dem Antrag der Abgeordneten
Frau Unruh, Frau Trenz, Hoss, Frau Beck
Oberdorf, Frau Rust und der Fraktion DIE
GRÜNEN: Aufhebung der Stufenregelung
(Drucksachen 11/1402, 11/1967)
Günther CDU/CSU 4567 C
Frau Steinhauer SPD 4571 B
Cronenberg (Arnsberg) FDP 4574 B
Frau Unruh GRÜNE 4577 A
Peter (Kassel) SPD 4578 B
Dr. Blüm, Bundesminister BMA 4579 D
Namentliche Abstimmungen . . 4598C, 4600 A
Ergebnisse 4598C, 4600 A
Zusatztagesordnungspunkt 2:
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Verkehr zu dem
Antrag der Fraktion DIE GRÜNEN:
Vorhaben der Deutschen Bundesbahn, die Preise
ab April 1988 zu erhöhen (Drucksachen
11/1913, 11/1971) 4582A
Tagesordnungspunkt 6:
Zweite Beratung und Schlußabstimmung des
von der Bundesregierung eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zu der Änderung
vom 16. Oktober 1985 des Übereinkommens
vom 3. September 1976 über die
Internationale Seefunksatelliten-Organisation (IN-
MARSAT-Übereinkommen) (Drucksachen
11/1163, 11/1884) 4601 B
Tagesordnungspunkt 7:
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Ausführung
zwischenstaatlicher Anerkennungs- und
Vollstreckungsverträge in Zivil- und Handelssachen
(Anerkennungs- und
Vollstreckungsausführungsgesetz) (Drucksachen 11/351, 11/1885) . . . 4602 C
Tagesordnungspunkt 8:
Zweite Beratung und Schlußabstimmung des
von der Bundesregierung eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zu dem
Übereinkommen vom 10. April 1984 über den
Beitritt der Republik Griechenland zu dem am
19. Juni 1980 in Rom zur Unterzeichnung
aufgelegten Übereinkommen über das auf
vertragliche Schuldverhältnisse
anzuwendende Recht (Drucksachen 11/1611,
11/1951) 4601 D
Tagesordnungspunkt 9:
Erste Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Fünften
Gesetzes zur Änderung des
Weinwirtschaftsgesetzes (Drucksache 11/1823) 4602A
Tagesordnungspunkt 10:
Beratung der Unterrichtung durch die Bun
-
desregierung Internationales Naturkau
tschuk-Übereinkommen von 1987 (Drucksa
che 11/1728) 4602 A
Tagesordnungspunkt 11:
Beratung des Antrags der Fraktion der SPD:
Entwicklungspolitik in Afrika (Drucksache
11/784) 4602 B
Tagesordnungspunkt 12:
Beratung der Sammelübersicht 50 des
Petitionsausschusses über Anträge zu Petitionen
(Drucksache 11/1928) 4602B
Tagesordnungspunkt 13:
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Wirtschaft zu
der Verordnung der Bundesregierung:
Aufhebbare Achtundfünfzigste Verordnung zur
Änderung der Ausfuhrliste — Anlage AL zur
Außenwirtschaftsverordnung —
(Drucksachen 11/1529, 11/1888) 4602 C
Tagesordnungspunkt 14:
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Wirtschaft zu
der Verordnung der Bundesregierung:
Aufhebbare Einhundertunddritte Verordnung
zur Änderung der Einfuhrliste — Anlage
zum Außenwirtschaftsgesetz —
(Drucksachen 11/1490, 11/1889) 4602 C
Tagesordnungspunkt 15:
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Wirtschaft zu
der Verordnung der Bundesregierung:
Aufhebbare Erste Verordnung zur Änderung
der Außenwirtschaftsverordnung
(Drucksachen 11/1561, 11/1890) 4602 C
Tagesordnungspunkt 16:
Beratung der Beschlußempfehlung des
Haushaltsausschusses zu der Unterrichtung
durch die Bundesregierung:
Überplanmäßige Ausgabe bei Kapitel 11 11 Titel 642 03
— Kriegsopferfürsorgeleistungen für
Berechtigte außerhalb des Geltungsbereichs des
Ersten Überleitungsgesetzes — (Drucksachen
11/1562, 11/1904) 4602 D
Tagesordnungspunkt 17:
Beratung der Beschlußempfehlung des
Haushaltsausschusses zu der Unterrichtung
durch die Bundesregierung:
Überplanmäßige Ausgabe bei Kapitel 11 11 Titel 642 01
— Kriegsopferfürsorgeleistungen —
(Drucksachen 11/1563, 11/1905) 4602 D
Tagesordnungspunkt 18:
Beratung der Beschlußempfehlung des
Haushaltsausschusses zu der Unterrichtung
durch die Bundesregierung:
Überplanmäßige Ausgabe bei Kapitel 27 02 Titel 642 21
(Kosten aufgrund des
Gesundheitsabkommens mit der DDR und Förderung des
Besuchsreiseverkehrs) (Drucksachen 11/1579,
11/1906) 4603 A
Tagesordnungspunkt 19:
Beratung der Beschlußempfehlung des
Haushaltsausschusses zu der Unterrichtung
durch die Bundesregierung:
Überplanmäßige Ausgabe bei Kapitel 32 05 Titel 575 03
— Zinsen für Bundesobligationen —
(Drucksachen 11/1590, 11/1907) 4603 A
Tagesordnungspunkt 20:
Beratung der Beschlußempfehlung des
Haushaltsausschusses zu der Unterrichtung
durch die Bundesregierung:
Überplanmäßige Ausgaben bei Kapitel 11 12 Titel 681 41
— Leistungen für die Teilnahme von
Aussiedlern, Asylberechtigten und
Kontingentsflüchtlingen an Deutsch-Lehrgängen mit
ganztägigem Unterricht — (Drucksachen
11/1591, 11/1908) 4603 A
Tagesordnungspunkt 21:
Beratung der Beschlußempfehlung des
Haushaltsausschusses zu der Unterrichtung
durch die Bundesregierung:
Überplanmäßige Ausgaben bei Kapitel 11 12 Titel 681 01
— Arbeitslosenhilfe — (Drucksachen
11/1592, 11/1909) 4603B
Zusatztagesordnungspunkt 3:
Beratung der Sammelübersicht 51 des
Petitionsausschusses über Anträge zu Petitionen
(Drucksache 11/1969) 4602 C
Zusatztagesordnungspunkt 4:
Beratung der Beschlußempfehlung des
Auswärtigen Ausschusses zu dem Antrag der
Abgeordneten Frau Schoppe, Dr.
Mechtersheimer, Schily und der Fraktion DIE GRÜ-
NEN: Abrüstung nuklearer
Mittelstreckenraketen in Europa
zu dem Antrag der Fraktion DIE GRÜNEN:
Sofortiger Verzicht der Bundesrepublik
Deutschland auf die 72 Pershing I a-Raketen
der Bundesluftwaffe
zu dem Antrag der Fraktion der SPD:
Abschaffung der nuklearen
Mittelstreckenraketen (Drucksachen 11/230, 11/699 [neu],
11/732 [neu], 11/1475) 4603 B
Zusatztagesordnungspunkt 5:
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Verkehr zu dem
Antrag der Abgeordneten Frau Brahmst-
Rock, Weiss (München) und der Fraktion DIE
GRÜNEN: Erhalt der DB-Strecke
Wuppertal-Elberfeld—Wuppertal-Cronenberg
(Drucksachen 11/1918, 11/1972) 4603 C
Zusatztagesordnungspunkt 6:
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Verkehr
(14. Ausschuß) zu dem Antrag der Abgeord
-
neten Dr. Schöfberger, Schmidt (München),
Vahlberg, Dr. Glotz, Lutz, Büchler (Hof),
Frau Dr. Martiny, Porzner, Wimmer
(Neuötting), Dr. Haack, Dr. de With, Kolbow,
Leidinger, Sieler (Amberg), Stiegler, Dr.
Wernitz, Müller (Schweinfurt), Frau Dr.
Skarpelis-Sperk, Frau Schmidt (Nürnberg), Amling,
Büchner (Speyer), Frau Odendahl, Reimann,
Schäfer (Offenburg), Bachmaier, Dr.
Emmerlich, Ewen, Lambinus, Sielaff, Frau
Dr. Hamm-Brücher, Irmer, Weiss
(München), Frau Dr. Vollmer, Kreuzeder, Frau
Teubner, Frau Saibold, Kleinert (Marburg),
Sellin, Hüser, Frau Krieger, Schily, Hoss,
Frau Vennegerts, Frau Flinner, Dr. Knabe,
Frau Unruh, Volmer, Dr. Mechtersheimer,
Frau Oesterle-Schwerin, Frau Brahmst-Rock,
Häfner, Frau Hillerich: Rangierbahnhof
München (Drucksachen 11/570, 11/1510) . 4603D
Tagesordnungspunkt 5:
Beratung des Antrags der Fraktion der SPD:
Erschließung von
Beschäftigungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose (Drucksache
11/1549)
Heyenn SPD 4604 C
Scharrenbroich CDU/CSU 4606 B
Hoss GRÜNE 4608 B
Heinrich FDP 4609 D
Vogt, Parl. Staatssekretär BMA 4610 D
Schreiner SPD 4613 B
Feilcke CDU/CSU 4615 B
Tagesordnungspunkt 22:
Beratung des Antrags der Abgeordneten
Müntefering, Conradi, Amling, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Die
Wohnungsgemeinnützigkeit erhalten und
stärken (Drucksache 11/1389)
Jahn (Marburg) SPD (zur GO) . . 4617B, 4620 A
Bohl CDU/CSU (zur GO) 4617 D
Tagesordnungspunkt 1 (Fortsetzung) :
Fragestunde
— Drucksache 11/1937 vom 4. März 1988 —
Umfang der bis zum Jahre 2000 in der
Bundesrepublik Deutschland zu beseitigenden
radioaktiven Abfälle zusätzlich der mit der
Inbetriebnahme der
Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf anfallenden Abfälle
MdlAnfr 46, 47 04.03.88 Drs 11/1937
Dr. Hirsch FDP
Antw PStSekr Grüner BMU . . . 4582C, 4583 D
ZusFr Dr. Hirsch FDP 4582D, 4583 D
ZusFr Frau Schoppe GRÜNE 4583 B
ZusFr Brauer GRÜNE 4583 B
ZusFr Sieler (Amberg) SPD 4584 B
ZusFr Dr. Klejdzinski SPD 4584 B
ZusFr Dr. Lippelt (Hannover) GRÜNE . 4584 D
Transport radioaktiven Abfalls nach
Schweden; Bestechungsgelder der Firma
Transnuklear in diesem Zusammenhang;
Rücktransport von Atommüll in die
Bundesrepublik Deutschland und Lagerung in
Gorleben
MdlAnfr 48, 49 04.03.88 Drs 11/1937
Dr. Lippelt (Hannover) GRÜNE
Antw PStSekr Grüner BMU . . . 4585A, 4586 A
ZusFr Dr. Lippelt (Hannover) GRÜNE 4585B, 4586 B
ZusFr Dr. Hirsch FDP 4585B, 4586 B
ZusFr Dr. Klejdzinski SPD 4585 C
Gesundheitsschädliche Nebenwirkungen
bleifreien Benzins; Vorsorgemaßnahmen
MdlAnfr 52, 53 04.03.88 Drs 11/1937
Dr. Abelein CDU/CSU
Antw PStSekr Grüner BMU . . . 4586A, 4587 C
ZusFr Dr. Abelein CDU/CSU . . 4586D, 4588 A
ZusFr Dr. Klejdzinski SPD 4587 A
ZusFr Frau Ganseforth SPD 4587 B
ZusFr Frau Garbe GRÜNE 4588 B
Probleme bei der Übernahme der
Auszubildenden bei der Bundespost durch eine
Verfügung vom 2. Februar 1988
MdlAnfr 56 04.03.88 Drs 11/1937
Frau Faße SPD
Antw PStSekr Rawe BMP 4588 C
ZusFr Frau Faße SPD 4588 D
Übernahme aller Auszubildenden des
Prüfungsjahrgangs 1988 durch die Bundespost
MdlAnfr 57, 58 04.03.88 Drs 11/1937
Börnsen (Ritterhude) SPD
Antw PStSekr Rawe BMP 4589 A
ZusFr Börnsen (Ritterhude) SPD 4589 B
ZusFr Dr. Klejdzinski SPD 4589 D
Aussage der Bundesregierung im
Jahreswirtschaftsbericht über die Stützung des
Wachstums der Inlandsnachfrage durch den
Wohnungsbau entgegen anderslautenden
Prognosen
MdlAnfr 60 04.03.88 Drs 11/1937
Müntefering SPD
Antw PStSekr Echternach BMBau . . . 4590 A
ZusFr Müntefering SPD 4590 B
ZusFr Dr.-Ing. Kansy CDU/CSU 4590 C
ZusFr Dr. Möller CDU/CSU 4590 D
ZusFr Frau Oesterle-Schwerin GRÜNE . 4591A
Auftragseingang im Bauhauptgewerbe 1987
und 1988 im Vergleich zum Vorjahr
MdlAnfr 61 04.03.88 Drs 11/1937
Müntefering SPD
Antw PStSekr Echternach BMBau . . . 4591 A
ZusFr Müntefering SPD 4591 B
ZusFr Dr. Möller CDU/CSU 4591 D
ZusFr Dr.-Ing. Kansy CDU/CSU 4592 A
ZusFr Reschke SPD 4592 B
ZusFr Menzel SPD 4592 D
Rückgang der Bautätigkeit trotz steigender
Nachfrage nach Mietwohnungen;
Konsequenzen für die Entwicklung der Mieten
MdlAnfr 64 04.03.88 Drs 11/1937
Reschke SPD
Antw PStSekr Echternach BMBau . . . 4593 A
ZusFr Reschke SPD 4593 B
ZusFr Dr. Möller CDU/CSU 4593 C
ZusFr Dr.-Ing. Kansy CDU/CSU 4593 D
ZusFr Conradi SPD 4593 D
ZusFr Menzel SPD 4594 A
Auswirkung der Kürzung der Förderung für
den sozialen Wohnungsbau auf den
Neubau
MdlAnfr 65 04.03.88 Drs 11/1937
Reschke SPD
Antw PStSekr Echternach BMBau . . . 4594 B
ZusFr Reschke SPD 4594 B
ZusFr Müntefering SPD 4594 D
ZusFr Dr.-Ing. Kansy CDU/CSU 4595 A
Stimulierung der Investitionstätigkeit im
Wohnungsbau und Stärkung der
Bauwirtschaft
MdlAnfr 66 04.03.88 Drs 11/1937
Scherrer SPD
Antw PStSekr Echternach BMBau . . . 4595 B
ZusFr Scherrer SPD 4595 C
ZusFr Dr. Möller CDU/CSU 4596 A
ZusFr Müntefering SPD 4596 A
Verlust von Arbeitsplätzen in der
Bauwirtschaft und Entwicklung der Zahl der
Betriebe im Bauhauptgewerbe seit 1982
MdlAnfr 67 04.03.88 Drs 11/1937
Scherrer SPD
Antw PStSekr Echternach BMBau . . . 4596 B
ZusFr Scherrer SPD 4596 C
ZusFr Dr.-Ing. Kansy CDU/CSU 4596 D
ZusFr Dr. Möller CDU/CSU 4597 A
ZusFr Conradi SPD 4597 B
Auswirkungen der Kürzung der
Verpflichtungsrahmen für die Städtebauförderung
1988 auf die Bauwirtschaft
MdlAnfr 68 04.03.88 Drs 11/1937
Weiermann SPD
Antw PStSekr Echternach BMBau . . . 4597 C
ZusFr Weiermann SPD 4597 D
ZusFr Dr.-Ing. Kansy CDU/CSU 4598A
ZusFr Dr. Möller CDU/CSU 4598 B
Nächste Sitzung 4620 A
Anlage 1
Liste der entschuldigten Abgeordneten . . 4621* A
Anlage 2
Einstellung ausschließlich männlicher
Lehrkräfte an der deutschen Schule in Istanbul;
Berücksichtigung von Lehrerinnen
MdlAnfr 4, 5 04.03.88 Drs 11/1937
Frau Ganseforth SPD
SchrAntw StMin Schäfer AA 4621* C
Anlage 3
Begleitung des amtierenden deutschen
Botschafters in Santiago de Chile durch seinen
pensionierten Vorgänger auf dem Flug zur
Berichterstattung nach Bonn; Auftrag und
Kosten
MdlAnfr 6, 7 04.03.88 Drs 11/1937
Waltemathe SPD
SchrAntw StMin Schäfer AA 4621* D
Anlage 4
Einsatz von Disco-Bussen zur Senkung der
Zahl der Todesfälle von Jugendlichen nach
Discothekenbesuchen
MdlAnfr 41, 42 04.03.88 Drs 11/1937
Antretter SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Schulte BMV . . . 4622* A
Anlage 5
Kooperationsvereinbarung zwischen
Bundesbahn und Bundesverband Deutscher
Verkehrsunternehmer für den öffentlichen
Personennahverkehr; erwartete
Verbesserungen für den ländlichen Raum
MdlAnfr 43 04.03.88 Drs 11/1937
Stiegler SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Schulte BMV . . . 4622* B
Anlage 6
Durchführung von Modellversuchen mit
verbilligten Tarifen im Personennahverkehr
angesichts des Erfolgs der schweizerischen
Bundesbahn mit den „Umwelttarifen"
MdlAnfr 44, 45 04.03.88 Drs 11/1937
Dr. Schroeder (Freiburg) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. Schulte BMV . . . 4622* C
Anlage 7
Ausrüstung p rivater Wachmannschaften
MdlAnfr 50, 51 04.03.88 Drs 11/1937
Frau Terborg SPD
SchrAntw PStSekr Grüner BMU 4623* A
Anlage 8
Verhinderung der Einführung neuer PET-
Einwegflaschen
MdlAnfr 54, 55 04.03.88 Drs 11/1937
Frau Hensel GRÜNE
SchrAntw PStSekr Dr. Schulte BMU . . . 4623* B
Anlage 9
Kostenlose Postbeförderung von Video-
Kassetten für Hörgeschädigte
MdlAnfr 59 04.03.88 Drs 11/1937
Linsmeier CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Rawe BMP 4623* D
Anlage 10
Auswirkungen des Wegfalls der
Grundsteuerbefreiung und die mögliche Besteuerung
des Grundstücksverkehrs auf die
Baukonjunktur
MdlAnfr 69 04.03.88 Drs 11/1937
Weiermann SPD
SchrAntw PStSekr Echternach BMBau . . 4624* A
Anlage 11
Stärkung der Bauwirtschaft
MdlAnfr 70 04.03.88 Drs 11/1937
Dr. Sperling SPD
SchrAntw PStSekr Echternach BMBau . . 4624* B
Anlage 12
Erhöhung der Instandhaltungs- und der
Verwaltungskostenpauschale und Aufhebung
der genehmigungspflichtigen Kostenmiete
für öffentlich geförderte Wohnungen
MdlAnfr 71, 72 04.03.88 Drs 11/1937
Menzel SPD
SchrAntw PStSekr Echternach BMBau . . 4624* C
Anlage 13
Geschlechtsspezifische Ausstellung der
neuen Reisepässe
MdlAnfr 73, 74 04.03.88 Drs 11/1937
Frau Schmidt-Bott GRÜNE
SchrAntw PStSekr Spranger BMI . . . . 4624* D
Anlage 14
Ausstattung der Gerichtssäle mit der
Bundesflagge
MdlAnfr 77 04.03.88 Drs 11/1937
Eylmann CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Spranger BMI . . . . 4625* A
Anlage 15
Ausgaben für die Zusatz-Altersversorgung
der Arbeiter und Angestellten des
öffentlichen Dienstes
MdlAnfr 78 04.03.88 Drs 11/1937
Lemmrich CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Spranger BMI . . . . 4625* B
Anlage 16
Überprüfung der Inhalte bestehender
Gesetze und Verordnungen auf ihre
Geschlechtsneutralität; geschlechtsspezifische
Ausstellung der neuen Reisepässe
MdlAnfr 79, 80 04.03.88 Drs 11/1937
Frau Schoppe GRÜNE
SchrAntw PStSekr Dr. Jahn BMJ . . . . 4625* C
Anlage 17
Mißbräuchliche Inanspruchnahme des
Vorsteuerabzugs im Gutschriftverfahren beim
Landhandel
MdlAnfr 83 04.03.88 Drs 11/1937
Uldall CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. Häfele BMF . . . 4625* D
Anlage 18
Abbau von Arbeitsplätzen für deutsche
Arbeitnehmer bei den französischen, britischen
und US-Streitkräften
MdlAnfr 84, 85 04.03.88 Drs 11/1937
Gerster (Worms) SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Häfele BMF . . . 4626 * B
Anlage 19
Beteiligung der Salzgitter AG an der
Auffanggesellschaft für die Maxhütte
MdlAnfr 86 04.03.88 Drs 11/1937
Sieler (Amberg) SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Häfele BMF . . . 4626* D
67. Sitzung
Bonn, den 10. März 1988
Beginn: 9.00 Uhr
Präsident Dr. Jenninger: Die Sitzung ist eröffnet.
(Die Abgeordneten erheben sich)
Meine Damen und Herren, gestern nachmittag
erreichte uns die Nachricht, daß der ehemalige
Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger im Alter von 83 Jahren
in der Tübinger Universitätsklinik verstorben ist. Am
6. April 1904 im oberschwäbischen Ebingen geboren,
wäre er in wenigen Wochen 84 Jahre alt geworden.
Mit Kurt Georg Kiesinger ist wieder einer aus dem
Kreis der großen politischen Persönlichkeiten von uns
gegangen, die in der Gründungs- und Aufbauzeit der
Bundesrepublik Deutschland an grundlegenden
Entscheidungen mitgewirkt und über Jahrzehnte hinweg
auf die politische Entwicklung unseres Staates
maßgeblichen Einfluß genommen haben.
Kurt Georg Kiesinger hat bereits dem ersten
Deutschen Bundestag angehört. Später hat er diese Jahre
des Aufbaues einmal „eine glückliche Zeit" genannt.
„Der politische Neubeginn 1949", so sagte er, „war
geprägt von der Hochstimmung der
wiedergewonnenen Freiheit, in allen Parteien ... Die demokratischen
Politiker hatten ein Grundgefühl gegenseitigen
Vertrauens. Sie haben Demokratie gelebt, nicht nach
Dogmen gehandelt."
Demokratie zu leben, nicht nach Dogmen zu
handeln, eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens zu
schaffen, die gegenseitige Toleranz und die Debatte
zwar leidenschaftlich, aber mit Sachargumenten und
nicht persönlich verletzend zu führen, bestimmte von
Anfang an sein parlamentarisches Wirken. Bereits im
ersten Bundestag gelang es ihm als Berichterstatter im
Ausschuß für Rechtswesen und Verfassungsrecht, den
entscheidenden Kompromiß für die Verabschiedung
des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht zu
erzielen.
Von 1950 bis 1958 war Kurt Georg Kiesinger
Vorsitzender des Vermittlungsausschusses — ein seinen
Fähigkeiten zum Ausgleich, zur sachorientierten
Überbrückung von Gegensätzen besonders
entsprechendes Amt —, von 1954 bis 1958 auch Vorsitzender des
Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. In
dieser Zeit erwarb er sich mit seinen Beiträgen im
leidenschaftlichen Streit um die Grundlagen der künftigen
deutschen Außenpolitik, um die Westintegration und
um die europäische Einigung einen Ruf als
glänzender politischer Redner, als Meister der
parlamentarischen Debatte.
Im September 1955 gehörte er zur Begleitung
Adenauers bei dessen schwieriger Mission in Moskau, wo
die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen und
die Rückkehr der noch in der Sowjetunion
festgehaltenen Kriegsgefangenen vereinbart werden
konnten.
Wo immer möglich, trat Kiesinger für Aussöhnung
und Verständigung mit unseren Nachbarn ein. Von
1950 bis 1958 gehörte er der Versammlung der
Westeuropäischen Union und der Beratenden
Versammlung des Europarates an, in der er ab 1955 auch das
Amt des Vizepräsidenten bekleidete.
Gebhard Müller, in den Nachkriegsjahren
Ministerpräsident des damaligen Landes Südwürttemberg-
Hohenzollern und später Ministerpräsident von
Baden-Württemberg, hatte 1947 den gelernten
Rechtsanwalt für die CDU gewonnen und ihm das Amt des
Landesgeschäftsführers übertragen. Im Jahre 1958,
als Gebhard Müller Präsident des
Bundesverfassungsgerichts geworden war, wählte ihn der Stuttgarter
Landtag zu dessen Nachfolger im Amt des
Ministerpräsidenten.
In den acht Jahren als Regierungschef Baden-
Württembergs hat sich Kurt Georg Kiesinger als
Landesvater bei den Bürgern und weit über die Landesgrenzen
hinaus hohes Ansehen erworben. Er hat dort wichtige
kultur- und wirtschaftspolitische Entscheidungen
getroffen. Auf ihn geht die Gründung der Universitäten
in Ulm, Mannheim und vor allem Konstanz zurück.
Und er selbst hat einmal — nicht ohne Stolz — davon
gesprochen, daß die Umweltpolitik unter seiner
Verantwortung in Baden-Württemberg ihren Anfang
genommen habe, indem er beispielsweise zum Nutzen
des Bodensees die Schiffbarmachung des Hochrheins
verhindern konnte. Der Umwelt und der Kulturpflege
in den Dörfern und kleinen Städten galt seine ganz
besondere Hinwendung.
Als 1966 die Koalition der Unionsparteien mit der
FDP unter Bundeskanzler Ludwig Erhard zerbrochen
war, wurde Kiesinger sein Nachfolger als
Bundeskanzler und später auch als Parteivorsitzender der
CDU. Unter seiner Kanzlerschaft an der Spitze einer
Regierung der Großen Koalition aus CDU/CSU und
SPD gelang es, nicht nur die wirtschaftliche Rezession
zu überwinden und die schwierige Lage der
Staatsfinanzen zu bereinigen, sondern auch große
Gesetzgebungswerke wie die Notstandsgesetze und wichtige
Reformvorhaben wie die der Finanzverfassung, die
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie das
Arbeitsförderungsgesetz, das Berufsausbildungsgesetz und
das Bundesausbildungsgesetz durchzusetzen. — Auf
dem Gebiet der Außen- und Deutschlandpolitik
leitete seine Regierung eine vorsichtige Öffnung nach
Osten ein. Es war das Vorspiel zur Ostpolitik der
SPD/FDP-Bundesregierungen, die mit dem Namen
seines Außenministers und Nachfolgers im Amt des
Bundeskanzlers, Willy Brandt, verbunden ist.
In unserer Erinnerung wird Kurt Georg Kiesinger
als eine Persönlichkeit fortleben, die fest in den
Werten des Christentums und der Humanität verwurzelt
war und es verstanden hat, der Politik in unserer
parlamentarischen Demokratie Vertrauen und
Glaubwürdigkeit zu verleihen, Fairneß walten zu lassen,
Wege zu Kompromiß und Ausgleich zu weisen. Mit
dieser Haltung, aber auch auf Grund seiner
umfassenden humanistischen Bildung hat sich Kurt Georg
Kiesinger Achtung und Anerkennung über Partei-,
Landes-, ja Staatsgrenzen hinweg erworben.
Wir gedenken seiner in Dankbarkeit für alles, was
er für unseren Staat, seinen Aufbau, seine Stärkung
und Festigung getan hat.
Der Deutsche Bundestag trauert um Kurt Georg
Kiesinger. Wir werden die Verdienste, die sich der
dritte Bundeskanzler der Bundesrepublik
Deutschland um unser Land erworben hat, nicht vergessen.
Kurt Georg Kiesinger hat sich um das Vaterland
verdient gemacht.
Sie haben sich, meine Damen und Herren, zu Ehren
des Verstorbenen von Ihren Plätzen erhoben. Ich
danke Ihnen.
Meine Damen und Herren, vor Eintritt in die
Tagesordnung darf ich bekanntgeben: In der 61. Sitzung
des Deutschen Bundestages wurden die beiden
Anträge zum Hotelbauprojekt in Dalyan —
Drucksachen 11/1666 und 11/1872 — dem Ausschuß für
Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zur
federführenden Beratung und dem Auswärtigen Ausschuß
und dem Ausschuß für wirtschaftliche
Zusammenarbeit jeweils zur Mitberatung überwiesen.
Interfraktionell wird nun vorgeschlagen, die beiden
Anträge dem Ausschuß für wirtschaftliche
Zusammenarbeit zur federführenden Beratung und dem
Auswärtigen Ausschuß, dem Ausschuß für Wirtschaft,
dem Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit sowie dem Haushaltsausschuß zur
Mitberatung zu überweisen.
Sind Sie mit diesen Überweisungsvorschlägen
einverstanden? — Ich höre keinen Widerspruch. Dann ist
so beschlossen.
Weiterhin ist interfraktionell vereinbart worden, die
verbundene Tagesordnung zu erweitern. Die Punkte
sind in der Ihnen vorliegenden Zusatzpunkteliste
aufgeführt:
1. Aktuelle Stunde: Haltung der Bundesregierung zu den
jüngsten Äußerungen der britischen Premierministerin zum
Thema Nachrüstung (in der 66. Sitzung erledigt)
2. Beratung der Beschlußempfehlung und des Berichts des
Ausschusses für Verkehr (14. Ausschuß) zu dem Antrag der
Fraktion DIE GRÜNEN: Vorhaben der Deutschen Bundesbahn,
die Preise ab April 1988 zu erhöhen — Drucksachen 11/1913,
11/1971 —
3. Beratung der Sammelübersicht 51 des Petitionsausschusses
(2. Ausschuß) über Anträge zu Petitionen — Drucksache
11/1969 —
4. Beratung der Beschlußempfehlung des Auswärtigen
Ausschusses (3. Ausschuß):
zu dem Antrag der Abgeordneten Frau Schoppe, Dr.
Nlechtersheimer, Schily und der Fraktion DIE GRÜNEN: Abrü
-
stung nuklearer Mittelstreckenraketen in Europa
zu dem Antrag der Fraktion DIE GRÜNEN: Sofortiger
Verzicht der Bundesrepublik Deutschland auf die 72 Pershing-
Ia-Raketen der Bundesluftwaffe
zu dem Antrag der Fraktion der SPD: Abschaffung der
nuklearen Mittelstreckenraketen — Drucksachen 11/230,
11/699 (neu), 11/732 (neu), 11/1475 —
5. Beratung der Beschlußempfehlung und des Berichts des
Ausschusses für Verkehr (14. Ausschuß) zu dem Antrag der
Abgeordneten Frau Brahmst-Rock, Weiss (München) und der
Fraktion DIE GRÜNEN: Erhalt der DB-Strecke Wuppertal-
Elberfeld—Wuppertal-Cronenberg — Drucksachen 11/1918,
11/1972 —
6. Beratung der Beschlußempfehlung und des Berichts des
Ausschusses für Verkehr (14. Ausschuß) zu dem Antrag der
Abgeordneten Dr. Schöfberger, Schmidt (München), Vahlberg,
Dr. Glotz, Lutz, Büchler (Hof), Frau Dr. Nlartiny, Porzner,
Wimmer (Neuötting), Dr. Haack, Dr. de With, Kolbow,
Leidinger, Sieler (Amberg), Stiegler, Dr. Wernitz, Müller
(Schweinfurt), Frau Dr. Skarpelis-Sperk, Frau Schmidt
(Nürnberg), Amling, Büchner (Speyer), Frau Odendahl,
Reimann, Schäfer (Offenburg), Bachmaier, Dr. Emmerlich,
Ewen, Lambinus, Sielaff, Frau Dr. Hamm-Brücher, Irmer,
Weiss (München), Frau Dr. Vollmer, Kreuzeder, Frau
Teubner, Frau Saibold, Kleinert (Marburg), Sellin, Hüser, Frau
Krieger, Schily, Hoss, Frau Vennegerts, Frau Flinner,
Dr. Knabe, Frau Unruh, Volmer, Dr. ?Mechtersheimer, Frau
Oesterle-Schwerin, Frau Brahmst-Rock, Häfner, Frau
Hillerich: Rangierbahnhof München - Drucksachen 11/570,
11/1510 —
Zugleich soll mit der Aufsetzung der Zusatzpunkte
— soweit erforderlich — von der Frist für den Beginn
der Beratung abgewichen werden. Sind Sie auch
damit einverstanden? — Ich höre keinen Widerspruch.
Dann ist so beschlossen.
Meine Damen und Herren, bevor ich den
Tagesordnungspunkt 2 aufrufe, darf ich einige Gäste begrüßen.
Auf der Ehrentribüne hat der Präsident des Legislativ
rates der Republik Zaire, Herr Chalume Wane
Kawambe, mit einer Delegation des Legislativrates Platz
genommen.
(Beifall)
Im Namen des Deutschen Bundestages begrüße ich
Sie sehr herzlich in der Bundesrepublik Deutschland,
Herr Präsident. Der Besuch unterstreicht die guten
und engen Beziehungen zwischen unseren
Parlamenten. Ich wünsche Ihnen nützliche und interessante
Gespräche bei uns.
Wir freuen uns, daß Sie auch Berlin in Ihren Besuch
einbeziehen. Die geteilte Stadt wird Ihnen ein
anschauliches Bild von der politischen Lage unseres
Landes und Europas vermitteln.
Ich rufe Punkt 2 der Tagesordnung auf:
Beratung des Antrags der Abgeordneten
Dr. Apel, Roth, Dr. Spöri, Daubertshäuser,
Dr. Jens, Pfuhl, Vahlberg, Börnsen
(Ritterhude), Dr. Hauchler, Huonker, Kastning, Frau
Matthäus-Maier, Dr. Mertens (Bottrop),
Oesinghaus, Poß, Reschke, Westphal,
Dr. Wieczorek, Bernrath, Fischer (Homburg),
Ibrügger, Dr. Soell, Dr. Vogel und der Fraktion
der SPD
Beseitigung steuerlicher Benachteiligungen
von kleinen und mittleren Unternehmen
— Drucksache 11/1335 —
Überweisungsvorschlag des Altestenrates:
Finanzausschuß (federführend)
Ausschuß für Wirtschaft
Haushaltsausschuß
Nach einer Vereinbarung im Altestenrat ist für die
Beratung eine Stunde vorgesehen. Ich sehe keinen
Widerspruch. — Dann ist so beschlossen.
Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat der
Abgeordnete Poß.
Poß (SPD): Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Unser Antrag „Beseitigung steuerlicher
Benachteiligungen von kleinen und mittleren Unternehmen"
betrifft zwei Problembereiche, die kennzeichnend für
die Steuerpolitik dieser Bundesregierung sind. Zum
einen geht es um die mittelstandsfeindliche
Steuerpolitik der Bundesregierung. Sie führt nämlich dazu,
daß die für unsere Volkswirtschaft dringend
benötigten Investitionen nicht in ausreichendem Umfang
vorgenommen werden. Deshalb ist es erforderlich, daß
endlich auch die Steuerpolitik ihren Beitrag zum
Abbau der Massenarbeitslosigkeit leistet.
Zum anderen zielt unser Antrag darauf ab, daß die
für Großunternehmen und Konzerne bestehende
Steuerschlupflöcher endlich geschlossen werden. Es
ist wirtschaftspolitisch absurd, daß durch geschickte
Manipulationen Gewinne in Millionen- oder sogar in
Milliardenhöhe am Fiskus vorbeigeschleust werden
können und so dem Bund, den Ländern und den
Gemeinden die notwendigen Mittel für
Zukunftsinvestitionen fehlen.
(Beifall bei der SPD und der Abg. Frau Flin
-
ner [GRÜNE])
Die steuerpolitische Zauberformel der
Bundesregierung — höhere Gewinne, mehr Investitionen, mehr
Wirtschaftswachstum und damit mehr Arbeitsplätze
— ist für jedermann erkennbar nicht aufgegangen.
Die Gewinne, vor allem die Gewinne der
Großunternehmen, sind in den letzten Jahren zwar kräftig
gestiegen. Die Investitionen stagnieren jedoch. Das
Wachstum ist rückläufig und hat im letzten Jahr nur
noch mickrige 1,7 % betragen. Und die Zahl der
Arbeitslosen ist seit der Wende um rund ein Drittel auf
2,5 Millionen angestiegen.
Kennzeichnend für die Unternehmensbesteuerung
dieser Bundesregierung ist auch eine Umverteilung,
nämlich die Umverteilung innerhalb des
Unternehmensbereiches zu Lasten der kleinen und mittleren
Unternehmen. 1983 begann die Bundesregierung ihre
Steuerpolitik mit der Senkung der
Unternehmensteuern in einem Umfang von 10 Milliarden DM. Um das
zu finanzieren, wurde die Mehrwertsteuer um einen
Punkt erhöht. Das war auch kein Vorteil für nicht
exportorientierte kleine und mittlere Firmen.
Von der Senkung der Vermögensteuer 1983 haben
in erster Linie die kapitalstarken Großbetriebe
profitiert. So entfielen in Nordrhein-Westfalen z. B. 60
der Vermögensteuersenkung für
Kapitalgesellschaften auf nur 0,7 % der Betriebe, d. h. mehr als 99 % der
Betriebe mußten sich die verbliebenen 40 % teilen.
Auch die Einschränkung der Hinzurechnung von
Dauerschulden und Dauerschuldzinsen bei der
Gewerbesteuer nutzt vor allem Großunternehmen.
Diesen Weg der einseitigen steuerlichen
Begünstigung von kapital- und gewinnstarken
Großunternehmen will die Bundesregierung auch in Zukunft
entgegen ihren verbalen Bekundungen gehen. Die
geplante Senkung des Spitzensteuersatzes bei der
Einkommensteuer bringt für die kleinen und mittleren
Betriebe überhaupt nichts. Davon profitieren von den
1,7 Millionen Unternehmen, die Einkommensteuer
zahlen
(Zuruf des Abg. Dr. Faltlhauser [CDU/CSU]
— Glos [CDU/CSU]: Das ist doch unter Ihrem
Niveau!)
— Herr Faltlhauser, ich kenne ja die Qualität Ihrer
Zwischenrufe — , nur die 30 000 ertragsstärksten, also
nicht einmal 2 %.
Von den geplanten Steuererhöhungen zur
Finanzierung der Senkung des Spitzensteuersatzes werden
dagegen auch die kleinen und mittleren
Unternehmen betroffen. So ist die Streichung der
Investitionszulage für Investitionen in förderungsbedürftigen
Gebieten sowie für Investitionen, die der Forschung und
Entwicklung dienen, extrem mittelstandsfeindlich.
Die geplante Quellensteuer auf
Lebensversicherungserträge belastet die Altersversorgung vieler
Selbständiger. Insgesamt wird durch das Steuerpaket 1990 der
Bundesregierung die steuerliche Benachteiligung der
kleinen und mittleren Unternehmen gegenüber den
Großunternehmen noch weiter verschärft.
(Zuruf von der SPD: Leider wahr!)
Die einseitige steuerliche Begünstigung von
Großunternehmen und Konzernen hat auch
wirtschaftspolitisch nichts gebracht. Viele Großunternehmen
verfügen über hohe Gewinne und liquide Mittel. Statt
in dem volkswirtschaftlich wünschenswerten Umfang
in Produktivkapital zu investieren, stecken sie ihre
Gelder jedoch lieber in festverzinsliche Wertpapiere
oder andere Finanzanlagen. Die Hoffnung der
Bundesregierung, daß sich dieses Verhalten bei einer
Senkung des Spitzensteuersatzes ändern wird, ist
durch nichts begründet. Es muß im Gegenteil, meine
Damen und Herren, davon ausgegangen werden, daß
die hierdurch bei den Großunternehmen anfallenden
Mittel zu einem großen Teil weiter in ausländische
Finanzanlagen gehen und so unserer Volkswirtschaft
entzogen werden.
In der gegenwärtigen wirtschaftspolitischen
Situation, in der es entscheidend auf mehr Investitionen zur
Stärkung des Wachstums ankommt, muß es daher
vorrangiges Ziel der Steuerpolitik im Bereich der Un-
P00
ternehmen sein, die ohnehin bestehenden
Benachteiligungen der kleinen und mittleren Unternehmen
abzubauen.
(Beifall bei der SPD)
Ihnen muß beim Eigenkapital geholfen werden. Nach
einer Veröffentlichung des
Bundeswirtschaftsministers vom Oktober 1987 betrug das Eigenkapital der
Unternehmen mit Umsätzen von weniger als 5
Millionen DM im Jahr nur 9,3 % der Bilanzsumme, während
die Eigenkapitalquote der Unternehmen mit
Umsätzen von über 100 Millionen DM jährlich 24 T. und
damit mehr als das Zweieinhalbfache betrug. Um den
kleinen und mittleren Unternehmen die Finanzierung
ihrer Investitionen zu erleichtern, muß endlich eine
steuerstundende Investitionsrücklage eingeführt
werden. Herr Glos und Herr Faltlhauser, Ihre alten
Forderungen!
(Beifall bei der SPD — Roth [SPD]: Die betrei
-
ben die kalte Enteignung der Kleinen!)
Die steuerstundende Investitionsrücklage ist das
wirksamste steuertechnische Instrument zur Förde
rung von Investitionen, da bereits das Ansparen für
eine Investition erleichtert wird. Diese Rücklage wird
ja auch seit Jahren von den Betrieben des Handwerks
und des Handels gefordert.
Meine Damen und Herren von den
Koalitionsfraktionen, nach dem, was in den letzten Wochen — habe
ich gesagt Koalitionsfraktionen oder
Subventionsfraktionen oder Subventionsabbaufraktionen?, ich weiß
das gar nicht — in der Presse zu lesen war, muß
darüber hinaus befürchtet werden, daß Sie sich auch
weiterhin für den Erhalt von Steuerschlupflöchern für
Großunternehmen und Konzerne einsetzen werden.
Sie planen die Herausnahme bzw. Abschwächung der
Punkte, die auf eine Vermeidung von
Steuerumgehung hinauslaufen. Dieses Hin und Her bei den
steuerpolitischen Entscheidungen der Bundesregierung
ist ja inzwischen zum unrühmlichen Markenzeichen
des Herrn Dr. Stoltenberg geworden.
(Zuruf von der CDU/CSU: Ein Markenzei
chen hätten Sie auch gern!)
Das gilt auch für die von Ihnen angestrebte
Änderung bei der Behandlung von betrieblichen
Veräußerungsgewinnen. Die derzeit bestehende
Rechtslage, wonach Veräußerungsgewinne nur mit dem
halben Steuersatz besteuert werden, entspricht in keiner
Weise mehr der ursprünglichen
mittelstandspolitischen Zielsetzung des Gesetzes. Es wurde aus
mittelstandspolitischen Gründen diese Regelung
eingeführt, um Einzelhändlern und Handwerkern am Ende
ihres Berufslebens das Ausscheiden aus ihrem Betrieb
nicht durch eine übermäßige Besteuerung zu
erschweren und ihnen eine Alterssicherung zu
erleichtern. Spektakuläre Einzelfälle der letzten Zeit haben
aber gezeigt, daß in einem durch nichts zu
rechtfertigenden Umfang auch die Veräußerung ganzer
Konzerne begünstigt wird. Ich erinnere an den Fall Massa
und an den Fall Flick. Durch eine geschickte
Anhäufung von Gewinnen und stillen Reserven kann die
Einmalbesteuerung umgangen und die
Steuerbelastung halbiert werden. Das muß nach den
Vorstellungen der Sozialdemokraten verändert werden.
(Beifall bei der SPD)
Wir wollen zurück auf die ursprüngliche
mittelstandspolitische Komponente. Wir haben hierzu
vorgeschlagen, eine geeignete Freibetragsregelung und die
Einführung einer Freigrenze vorzusehen. Zudem könnte
erwogen werden, die Besteuerung des
Veräußerungsgewinns mit dem durchschnittlichen Steuersatz der
letzten drei bis fünf Jahre vorzunehmen.
Dem Vernehmen nach wollen Sie, meine Damen
und Herren von den Koalitionsfraktionen, jedoch
entgegen den Vorschlägen der fachkundigen Beamten
auch in Zukunft Veräußerungsgewinne in Höhe von
mehreren Millionen DM wie bisher steuerlich
privilegieren. Diese Größenordnung zeigt, daß der
Mittelstand von Ihnen nur vorgeschoben und als Alibi
mißbraucht wird, um die Privilegien der Spitzenverdiener
zu sichern.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Uldall.
Uldall (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine Damen
und Herren! Die Rede von Herrn Poß und der Antrag
der SPD gehen natürlich völlig am Thema vorbei,
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP —
Lachen bei der SPD)
denn die mittelstandsfreundliche Steuerpolitik ist
immer von unserer Seite und nicht von Ihnen
gekommen.
(Roth [SPD]: Guten Morgen, Herr Oberleh
rer!)
Deswegen will ich auch noch einmal ganz deutlich
sagen: Diese Steuerreform, unsere Steuerreform ist in
erster Linie eine Steuerreform zugunsten des
Mittelstands.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP —
Lachen bei der SPD — Zuruf von der SPD:
Das Pfeifen im Wald!)
Da muß man sich schon sehr wundern, meine Damen
und Herren, daß plötzlich die SPD ihr Herz für den
Mittelstand entdeckt.
Einige Punkte dazu. Führen denn nicht die vom
Kollegen Apel gerade im „Vorwärts", den ich hier als
Fotokopie dabei habe, vorgeschlagenen Äußerungen
zur Steuerpolitik dazu, daß die bestehende scharfe
Progression noch weiter für den Mittelstand verstärkt
wird, Herr Kollege Apel? Hier zeigt sich wieder
erneut.
(Zuruf von der SPD: Lesen Sie mal vor, was
da im „Vorwärts" steht!)
Die SPD ist die Partei der Steuererhöhung und ganz
besonders die Partei der Steuererhöhung für die
Mittelständler.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsident Dr. Jenninger: Herr Abgeordneter,
gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten
Dr. Apel?
Uldall (CDU/CSU): Ja, gerne.
Dr. Apel (SPD): Herr Kollege, wenn Sie schon den
„Vorwärts" zitieren, dann bitte richtig.
(Zuruf von der CDU/CSU: Rückwärts!)
Ich habe dort darauf hingewiesen, daß es natürlich
darum — — Haben Sie zur Kenntnis genommen — so
muß ich ja formulieren; Herr Präsident, Sie haben ja
recht, daß Sie ganz strafend gucken — , daß ich in
diesem „Vorwärts"-Artikel ausdrücklich die Absenkung
der Progression für dringend geboten halte, und
können Sie bestätigen, daß ich gesagt habe, daß das aber
derzeit deswegen unter einen
Finanzierungsvorbehalt gestellt werden muß, weil der Herr Kollege
Stoltenberg in einer unverantwortlichen Weise die
öffentlichen Kassen für eine Steuerpolitik zugunsten der
Begünstigten leerräumt?
(Zuruf von der CDU/CSU: Und das sagt der
Schuldenminister!)
Uldall (CDU/CSU) : Herr Kollege Apel, ich pflege
alle Artikel, die Sie veröffentlichen, immer genau
Zeile für Zeile zu lesen.
(Kuhlwein [SPD]: Da können Sie was lernen,
Herr Uldall!)
Dies eröffnet manche Erkenntnis. Deswegen kann ich
auch hier nur noch einmal aus diesem Artikel
wiederholen: Sie wollen im unteren Bereich natürlich eine
weitere Absenkung, aber das bedeutet doch in der
Realität, daß dann in der zweiten Hälfte ab etwa
50 000 DM die Progression noch viel schärfer wird.
Das ist gerade die zusätzliche mittelstandsfeindliche
Besteuerung, die Sie einführen wollen, Herr Apel.
(Sehr richtig! bei der CDU/CSU)
Aber ich möchte noch einige andere Punkte
anführen. Belasten nicht gerade die zahlreichen von der
SPD immer wieder geforderten Abgaben die
mittelständischen Betriebe besonders? Ich nenne nur: die
Ausbildungsplatzabgabe, die wir gerde mühsam im
Ausschuß niedergekämpft haben, die
Arbeitsmarktabgabe, die Ergänzungsabgabe, die Lärmabgabe, die
Abfallabgabe, die Verbreiterung der Gewerbesteuer
-
basis, z. B. durch Einbeziehung der Freiberufler, und,
Herr Apel, wird nicht in unserer gemeinsamen
Vaterstadt Hamburg dem Mittelstand eine Konkurrenz
insbesondere dadurch gemacht, daß man
Beschäftigungsgesellschaften eingerichtet hat, die den
mittelständischen Handwerksbetrieben subventionierte
Konkurrenz machen?
Meine Damen und Herren, das paßt alles nicht mit
dem zusammen, was jetzt die Sozialdemokraten zur
Steuerpolitik sagen. Dieser Antrag der SPD geht
deswegen am Thema vorbei.
Meine Damen und Herren, bei der Besteuerung des
Veräußerungserlöses sind wir der Auffassung, daß
man zu einer guten Lösung kommen muß. Ich könnte
mir vorstellen, daß es bei uns in der Fraktion eine
Mehrheit für eine Lösung geben wird, die so aussieht:
zunächst ein Freibetrag, dann eine abgestufte Lösung
für die mittleren Veräußerungserlöse und dann erst ab
einem sehr viel höheren Betrag eine volle
Besteuerung dieser Beträge.
Was die Investitionsrücklage betrifft, werden wir
nachher durch meinen Kollegen noch eine
entsprechende Darstellung vortragen.
Wir sind abschließend zu der Auffassung
gekommen, daß die Sozialdemokraten nicht im entferntesten
den Anspruch erheben können, hier als eine
mittelstandsfreundliche Partei auftreten zu können. Wir
haben durch die Senkung der Gewerbesteuer Tausende
von Mittelständlern aus der Gewerbesteuerpflicht
herausgenommen, wir haben durch die Senkung bei
der betrieblichen Vermögensteuer Hunderttausende
Betriebe aus der Steuerpflicht herausgenommen, und
nun kommt die Steuerreform, die den
Mittelstandsbauch abschneidet und somit einen entscheidenden
Schritt nach vorne bedeutet.
Deswegen zusammenfassend mein Fazit: Unsere
mittelständische Politik werden wir auch in Zukunft
auf der steuerlichen Ebene erfolgreich fortsetzen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Hüser.
Hüser (GRÜNE): Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! In Ihrem Antrag spricht die SPD zwei
Instrumente an, die bei entsprechender Ausgestaltung dazu
geeignet sein sollen, steuerliche Benachteiligungen
von kleinen und mittleren Betrieben zu beseitigen.
Für uns stellt sich hier natürlich die Frage, gegenüber
wem diese Nachteile bestehen. Sind hier vielleicht die
Nachteile gegenüber einkommensteuerpflichtigen
Alleinerziehenden gemeint oder die steuerlichen
Nachteile gegenüber Rentnern,
Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen oder gegenüber
finanzkräftigen Aktiengesellschaften? Ich zähle dies in diesem
Maße auf, um deutlich zu machen, daß in der Regel
bei einer Beseitigung von steuerlichen Nachteilen auf
Einnahmen verzichtet wird. Diese Einnahmen fehlen
dann natürlich bei der Bewältigung von dringenden
Aufgaben, z. B. zur Verbesserung der Lage der Sozial
hilfeempfänger.
Grundsätzlich sehen deshalb die GRÜNEN keine
Vordringlichkeit in der jetzigen Situation, allgemeine
steuerliche Besserstellung für kleine und mittlere
Unternehmen anzugehen, gerade auch vor dem
Hintergrund, wenn man sich eine neuere Studie des Ifo-
Instituts in München anschaut, wo dargelegt wird, daß
die kleinen Unternehmen die relativ höchsten
Erträge einschließlich der Eigenkapitalverzinsung
haben. Unseres Erachtens muß es darum gehen, gerade
die steuerlich ungerechtfertigten Vorteile für
Großunternehmen abzubauen.
Nun bezieht sich der Antrag nicht auf die
allgemeine steuerliche Situation der kleinen und mittleren
Unternehmen, sondern greift ganz speziell zwei
unterschiedliche Punkte heraus. Im ersten Teil geht es
um die Ausgestaltung und Zielsetzung des
Einkommensteuergesetzes, und zwar im § 34. Nach den
Regelungen in diesem Gesetz vermag ich nicht zu
glauben — das ist in der Begründung auch dargelegt —,
daß die ursprüngliche Zielsetzung gewesen sein soll,
der Altersvorsorge im mittelständischen Bereich
Rechnung zu tragen. Es läßt sich nirgends
herauslesen, daß durch die Besteuerung mit dem halben
durchschnittlichen Steuersatz auf die
außerordentlichen Einkünfte besonders Klein- und Mittelbetriebe
bevorzugt werden sollten. Wenn dies doch die Absicht
war, so muß ich feststellen, daß nicht nur heute an
Steuergesetzen schlampig gearbeitet wird, sondern
daß dies anscheinend auch schon früher geschah.
So ist allein im § 16 des Einkommensteuergesetzes
bei den Veräußerungen von Gewerbebetrieben ein
Freibetrag von 120 000 DM festgesetzt für diejenigen,
die zum Zeitpunkt der Veräußerung mindestens 55
Jahre alt sind. Daß aber grundsätzlich jeder seine
außerordentlichen Einkünfte nur mit dem halben
Steuersatz zu versteuern brauchte, unabhängig von seiner
sonst so gepriesenen Leistungsfähigkeit, ist ein
Skandal, steuersystematisch nicht nachzuvollziehen und
absolut sozial unverträglich, obwohl es anscheinend
in Ihr Konzept hineinpaßt.
Diese Steuervorschrift führte — das wurde auch
vorhin schon dargelegt — zu Kapriolen, daß der gerade
noch einmal am Sozialamt vorbeigekommene Herr F.
über eine Milliarde DM Steuern sparen konnte,
obwohl nicht abzusehen ist, daß Herr F. schon in den
Ruhestand geht. Nach allem, was man so liest, kann
man auch davon ausgehen, daß er anderweitig für
sein Alter vorgesorgt hat.
Daß dieser Tatbestand ein untragbarer Zustand ist,
hat die SPD wohl richtig erkannt. Deswegen begrüßen
wir den Antrag in diesem Punkt. Anscheinend haben
auch schon einige Damen und Herren im
Finanzministerium gemerkt, daß hier Handlungsbedarf besteht,
und haben eine neue Regelung in den
Referentenentwurf zur Steuerreform eingearbeitet. Dies stößt aber
auf erhebliche Kritik seitens der Regierungskoalition,
die die Schlupflöcher für die Konzernherren, für
Besserverdienende und andere Klientel behalten will,
aber schnell bei der Hand ist, wenn es um die
Streichung der Steuerfreiheit für Nachtarbeitszuschläge
und andere angeblich nicht gerechtfertigte
Subventionen für die Arbeitnehmer geht.
(Uldall [CDU/CSU]: Nennen Sie doch mal
ein paar!)
—Diese Punkte werden wir dann bei der Beratung im
Ausschuß gerne ansprechen.
(Uldall [CDU/CSU]: Nein, jetzt! Wenn es so
viele gibt, dann müßten Sie doch eines nen
-
nen können!)
— Es geht hier um den § 34. Wie groß diese
Steuerschlupflöcher sind, habe ich ja gerade in einem
Beispiel dargelegt, daß z. B. Herr Flick eine Milliarde DM
Steuern sparen konnte, obwohl es überhaupt keinen
Grund gibt, daß dies steuerpolitisch irgendwie
gerechtfertigt ist.
Wahrlich ist der Entwurf nach unserer Ansicht nicht
das Gelbe vom Ei. Er grenzt zwar die
Steuersparmöglichkeiten nach oben ein, bringt aber erhebliche
Einbußen für diejenigen, die bei dem § 34 wirklich an ihre
Altersvorsorge gedacht haben sollten.
Wir wissen nicht, was uns das Kabinett am 22. März
empfiehlt, wir aber empfehlen grundsätzlich
Freibeträge gekoppelt mit der Altersgrenze, analog z. B.
zum § 16 des Einkommensteuergesetzes, ansonsten
volle Besteuerung nach dem durchschnittlichen
Steuersatz der letzten fünf Jahre und mit Obergrenzen, ab
denen die Progressionsbesteuerung einsetzen soll.
Zum Schluß möchte ich noch kurz auf den zweiten
Punkt in dem Antrag der SPD eingehen, wo eine
steuerstundende Investitionsrücklage gefordert wird.
Diesen Punkt haben wir ja schon in der Diskussion um
das Steuersenkungs-Erweiterungsgesetz gehabt.
Eine solche Rücklage würde schätzungsweise
Steuerausfälle von 1,2 Milliarden DM im Jahr zur Folge
haben.
Da ich annehme, daß die SPD davon ausgeht, daß
die Unternehmen fortlaufend investieren und somit
auch fortlaufend diese Investitionsrücklage gebildet
wird, ist dieser Steuerausfall also auf Dauer und wird
nicht durch geringere Abschreibungen in den
Folgejahren getilgt. Durch eine solche Rücklage würde
jegliche Investition gefördert, unabhängig von ihrem
Zweck und ihrer Wirkung.
Die Höhe des direkt eintretenden Effekts der
verringerten Steuerzahlung ist auch für ein Unternehmen
von seiner Ertragslage unabhängig, also von seinem
Steuersatz. Dies halten wir für falsch.
Die GRÜNEN treten statt dessen für eine
Konzentrierung aller Förderungsmaßnahmen auf das Ziel,
einen ökologischen Umbau der Wirtschaft zu
unterstützen, und für gleich hohe Förderung aller Personen und
Unternehmen, die sich dem Ziel des ökologischen
Umbaus entsprechend verhalten, ein. Wir wollen also
keine Steuervergünstigung, sondern direkte
Finanzhilf en.
Darüber hinaus beinhaltet unser Umbauprogramm
in zweifacher Hinsicht günstige Aussichten für kleine
und mittlere Betriebe, erstens auf der
Subventionsseite, indem wir umweltverträgliche
Produktionsumstellungsinvestitionen durch Finanzhilfen aus dem
Aufkommen z. B. von Umweltabgaben fördern
wollen, und zweitens auf der Nachfrageseite, indem die
vorgeschlagenen Umbaumaßnahmen einen
beträchtlichen Auftragsschub für Handwerk und
Gewerbebetriebe auslösen würden, und zwar sowohl durch
öffentliche Aufträge als auch durch private Aufträge,
die durch Fördermaßnahmen und neue Vorschriften
veranlaßt werden, z. B. im Energiesparbereich, im
Verkehrsbereich, in der Kanalisation und in anderen
öffentlich notwendigen umweltpolitischen
Aufgaben.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der
Abgeordnete Dr. Solms.
Dr. Solms (FDP): Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Mit diesem Antrag setzt
die SPD-Fraktion ihre Kette unseriöser Argumente in
der Steuerpolitik fort. Dies ist ganz eindeutig
nachzuweisen.
Etwa vor einem Jahr stellte die Bundesregierung
den zweiten und dritten Teil ihres Gesamtkonzeptes
der Steuerreform mit enormen Steuerentlastungen
für die Wirtschaft, für die Arbeitnehmer und für die
breite Masse der Steuerpflichtigen vor. Bis heute, ein
Jahr später, hat die SPD kein Gegenkonzept und kein
Alternativmodell der Öffentlichkeit vorgestellt.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Ganz im Gegenteil: Sie nutzt das Konzept der
Bundesregierung und der Koalition, um Einzelpunkte
herauszugreifen und Gegenvorschläge zu machen bzw.
diese zu kritisieren, ohne daß ein Konzept im
Gesamtzusammenhang deutlich wird. So geht das nicht,
meine Damen und Herren, das ist unseriös. Sie
müssen schon mit einem Gegenvorschlag kommen.
Mit diesem Antrag nun — und das überrascht auch
schon nicht mehr — macht sich die SPD zum
Verteidiger der mittelständischen Wirtschaft.
(Poß [SPD]: Zu Recht!)
Dem Antrag könnte man, zumindest in einzelnen
Teilen, durchaus Sympathie abgewinnen, wenn man
nicht wüßte, daß mit anderen Anträgen der SPD
genau das Gegenteil bewirkt werden soll. Da müssen wir
uns also schon mit den Einzelheiten beschäftigen.
Die steuerfreie Investitionsrücklage ist ja nun ein
alter Hut und in diesem Hause vielfach diskutiert
worden. Die klein- und mittelständische Wirtschaft
braucht aber dauerhafte, endgültige, frei verfügbare
Steuersenkungen; sie braucht keine Steuerstundung.
Dieser Vorschlag der Investitionsrücklage hat ja nur
steuerstundenden Charakter. Denn erst durch
Steuersenkungen können die kleinen Unternehmen ihren
Kapitalstock aufbauen und in Forschung und
Entwicklung und in neue Arbeitsplätze investieren.
Deswegen müssen die Steuern gesenkt werden und
dürfen nicht nur verliehen werden.
Schließlich zu der Argumentation zu § 34: Ich kann
dem, was in dem Antrag steht, durchaus zustimmen.
Wenn ich aber sehe, wie das in der Öffentlichkeit
argumentativ verwertet wird, beispielsweise Herr
Poß, durch Ihre Presseerklärung vom Januar,
(Poß [SPD]: Die war gut, nicht?)
dann stelle ich fest, daß Sie genau das Gegenteil
wollen. Sie werfen der Koalitionsregierung vor, sie wolle
gerade die Milliardäre und Besitzer von
Großvermögen schützen. Aus dem Konzept der Regierung geht
jedoch genau das Gegenteil hervor.
(Poß [SPD]: Es gibt doch noch kein Konzept
der Regierung! Das Kabinett hat noch nicht
beschlossen!)
Man will diejenigen, die in einem langen
Arbeitsleben im Betrieb gespart und stille Reserven aufgebaut
haben, nicht in einem einzigen Augenblick einer
vollen Besteuerung mit dem Spitzensteuersatz
unterwerfen.
(Poß [SPD]: Richtig!)
Das ist auch richtig.
Welche Auswirkungen das haben könnte, will ich
an einem Beispiel klarmachen: Bei einem
Handelsbetrieb in der Innenstadtlage mit einem
Betriebsgrundstück muß der Betriebsinhaber aus Altersgründen
aufhören. Er hat keinen Nachfolger. Wenn er diesen
Betrieb verpachtet, muß er die Aufdeckung der stillen
Reserven versteuern, und zwar nach Ihren
Vorschlägen zum vollen Steuersatz. Wenn Sie davon
ausgehen, daß der Einheitswert des Betriebsgebäudes bei
nur 100 000 DM liegt, der Verkehrswert aber bei
2,1 Millionen DM, muß er also einen Gewinn von
2 Millionen DM versteuern, ohne daß ihm ein Pfennig
zufließt. Das heißt, er muß rund gerechnet 1 Million
DM Steuern zahlen, er hat aber überhaupt keinen
Ertrag. Er muß das Geld aufnehmen, um die Steuern
zahlen zu können. Wenn er seinen Betrieb verpachtet,
bekommt er im Monat vielleicht 5 000 DM Pacht.
Davon kann er nicht einmal die Zinsen zahlen, um die
Steuern finanzieren zu können.
Solch unsinnige Auswirkungen kann dies haben.
Deswegen war die Einführung des § 34 durchaus
sinnvoll, nämlich in solchen Fällen die Steuerlast auf
die Hälfte des Durchschnittssteuersatzes zu
begrenzen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir schlagen deshalb vor, daß man die Großfälle in
den Griff kriegen muß. Der Fall Flick-Alma und der
Fall Massa waren vom Gesetzgeber natürlich niemals
bedacht worden, als man diese Regelung eingeführt
hat. Übrigens hat diese Regelung — sie ist seit 1965 im
Gesetz — bei allen möglichen
Koalitionskonstellationen, die wir zwischenzeitlich hatten, immer Bestand
gehabt. Das ist also im Grundansatz sinnvoll;
(Zuruf von der SPD: Das haben wir ja nicht
bestritten!)
wir sollten dieses so fortsetzen.
Die FDP schlägt vor — etwa wie Herr Uldall gesagt
hat — , daß man eine großzügige Freibetragsregelung
im Entwurf einsetzt. Der gegenwärtige Ansatz im
Referentenentwurf ist nach Meinung der FDP
ungenügend.
(Glos [CDU/CSU]: Auch nach unserer Mei
-
nung!)
Er geht nämlich davon aus, daß die grundsätzliche
Achtelung der außerordentlichen Einkünfte und die
anschließende Verachtfachung der hierauf
entfallenden Einkommensteuer vorgenommen wird. Dies
scheint uns zu eng. Die Lösung würde zu einer
unangemessenen und überhöhten Besteuerung bei den
Handelsvertretern, bei den Freiberuflern, bei den
kleinen Gewerbetreibenden und natürlich auch bei
den Arbeitnehmern, die eine Entschädigungszahlung
beim Ausscheiden aus dem Betrieb erhalten,
führen.
Dies würde insbesondere auch den Strukturwandel
erschweren, weil viele Unternehmen wegen der
drohenden hohen Besteuerung die Veräußerung oder die
Aufgabe des Betriebs hinauszögern würden. Ein
Unternehmer, der im Bereich der Vermittlung von
Unternehmensanteilen und Unternehmen tätig ist, hat mir
gesagt: Die Alternative besteht bei solchen
Unternehmen mittelfristig zwischen Veräußerung oder
Konkurs. Wir wollen die Veräußerungen, wir wollen den
Strukturwandel erleichtern.
Deswegen, so sagt die FDP, sollten die
Personengruppen, die hier geschildert worden sind, durch eine
sehr großzügige Freibetragsregelung mit einem
stufenweisen Übergang bis hin zur vollen Besteuerung
entlastet werden. Veräußerungsgewinne in Höhe von
etwa 2 Millionen DM sollten wie bisher mit dem
hälftigen Durchschnittssteuersatz behandelt werden.
Veräußerungsgewinne, die, sagen wir einmal: 10
Millionen DM oder mehr betragen, sollten dann voll mit
dem Spitzensteuersatz belastet werden. Dann hätten
wir das strukturpolitische Problem im G riff, würden
aber die großen Ausreißer, die geschildert worden
sind, einfangen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der
Abgeordnete Dr. Fell.
Dr. Fell (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine Damen
und Herren! Lassen Sie mich zunächst bei der
Bernerkung von Herrn Kollegen Solms zu den Wirkungen
des § 34 und den Überlegungen anknüpfen: Wir
stimmen doch völlig überein. Es gibt keine großen,
wesentlichen Unterschiede zwischen der FDP und der
CDU/CSU. Auch wir sind der Meinung, die großen
Ausreißer waren nie diejenigen, die bedacht werden
sollten, sondern es ging um die mittelständischen
Unternehmen, um deren Situation und darum, die in
dieser Situation ausscheidenden Betriebsinhaber zu
unterstützen. Denen zu helfen war und ist unser Ziel. Das
werden wir in der Zukunft auch verwirklichen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Zweitens zur Investitionsrücklage. Auch da hat
Herr Solms den entscheidenden Gesichtspunkt
dankenswerterweise schon genannt. Ihre Überlegung mit
der Investitionsrücklage führt zu einem Steuerausfall,
führt zu einer Begünstigung bestimmter Investitionen,
führt aber nicht zu dem, was wir mit der Steuerreform,
speziell mit der Tarifreform, erreichen wollen:
Eigenkapitalbildung in der Hand des Unternehmens ohne
Investitionszwang in einem ganz bestimmten
Zeitraum, ohne Zwang, der möglicherweise sogar reine
Mitnahmeeffekte auslöst. Es geht nicht darum, die
Investition in dem Zeitpunkt, in dem sie
vorgenommen wird, zu begünstigen, sondern darum,
Investitionen zu veranlassen, die auf Dauer rentabel sind, die
auf Dauer Gewinne bringen, die auf Dauer dem
Unternehmer Aktivitäten eröffnen und ermöglichen.
Damit helfen wir im übrigen auch dem Arbeitsmarkt am
allerbesten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Dann möchte ich mich gerne mit fünf Argumenten
kurz auseinandersetzen, Herr Poß, die Sie
vorgetragen haben, weil das in dieser Diskussion wohl am
deutlichsten macht, wo der Gegensatz zwischen
Ihrem eigenen früheren Handeln und Ihrer heutigen
Argumentation liegt.
Das eine: Sie sprechen von einem mickrigen
Wachstum von 1,7 %, das wir gerade noch hätten. Ich
darf Sie daran erinnern, daß Sie mit der
Wortschöpfung „Minuswachstum" seinerzeit davon abgelenkt
haben, daß wir zu Ihrer Regierungszeit nicht nur eine
Wachstumssenkung, sondern sogar
Wachstumsverluste hatten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP —
Zuruf des Abg. Dr. Apel [SPD])
Sie haben ein zweites Argument benutzt. Sie haben
nämlich gesagt, die Gewerbesteuerregelung, die wir
haben, die Senkungen und Erleichterungen, die wir
durchgeführt hätten, nutzten vor allem nur den
Großen. Können Sie mir den Widerspruch erklären, der
sich daraus ergibt, daß wir heute in allen beteiligten
Kreisen nur noch davon sprechen, daß die
Gewerbesteuer zu einer Großbetriebsteuer entartet ist, weil
gerade die kleinen und mittleren Betriebe durch die
Freibeträge, durch die Sonderregelungen
herausgenommen worden sind?
(Poß [SPD]: Ich habe von den Hinzurechnun
- gen in 1983 gesprochen! Sie müssen das
ganz konkret sagen!)
— Sie dürfen nur nicht punktuell argumentieren,
wenn es um eine gesamtwirtschaftliche Linie geht. Sie
dürfen sich da nicht auf einen Punkt beschränken,
sondern müssen auch die Gesamtentwicklung
einbeziehen.
Das dritte Argument, das Sie verwandt haben, war,
die Senkung des Spitzensteuersatzes nutze den
kleinen und mittleren Bet rieben nichts. Sie haben
natürlich fleißig daran vorbeiargumentiert, daß gerade die
Tarifreform, gerade die Absenkung im mittleren
Bereich für die mittleren und kleineren Bet riebe den
entscheidenden Vorteil, die entscheidende Entlastung in
die Zukunft hinein bringt. Mit Ihrer Argumentation
über den Spitzensteuersatz lenken Sie nur von dem
ab, was wir mit der Steuerreform gerade für die
kleineren und mittleren Unternehmen erreichen wollen
und übrigens auch erreichen werden.
Das vierte Argument war, Sie befürchteten eine
Flucht in Finanzanlagen, Herr Poß. Es hat aber doch
nie eine größere Flucht in Finanzanlagen gegeben als
während Ihrer Regierungszeit. Damals war die
Rendite in Finanzanlagen allemal höher als jede
Investitionsrendite, die im Unternehmensbereich erzielt
werden konnte.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich das
deshalb dahin zusammenfassen: Wir wollen mit unserer
Steuerreform Steuersenkungen und langfristig für die
mittleren und kleineren Unternehmen verfügbares
Kapital schaffen, Eigenkapital, das nicht nur eine
vorübergehende Steuerstundung zu Folge hat, sondern
das langfristig Eigenkapitalbildung ermöglicht und
damit größere Bewegungsfreiheit im Interesse der
Arbeitnehmer, im Interesse der Wirtschaft und damit
auch im Interesse des Fiskus bringt.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat Herr
Abgeordneter Kastning.
Kastning (SPD): Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Wir sind uns ja wohl darin einig, daß die
Leistungen der kleinen und mittleren Unternehmen für
unsere Versorgung mit Waren und Dienstleistungen,
für die Erschließung von Zukunftsmärkten, für
Wettbewerb und vor allem für die berufliche Ausbildung
und für den Arbeitsmarkt unverzichtbar sind. Sie
stellen zwei Drittel aller Arbeitsplätze, und über 80 % der
Menschen werden in diesem Bereich ausgebildet.
(Sehr richtig! bei der SPD)
Herr Uldall, wenn Sie vorhin sagten, die SPD rede
am Thema vorbei, so habe ich den Eindruck: Wer das
Thema nicht erkannt hat, sollte sich eine solche
Bemerkung nicht erlauben.
(Beifall bei der SPD)
Sie haben z. B. nicht erkannt, daß meine Partei mit der
Ausbildungsabgabe gerade den Mittelstand, der
mehr ausbildet, als er eigentlich könnte, entlasten und
die Kosten zu den Großbetrieben verlagern will, die
nicht entsprechend ausbilden. Thema nicht erkannt,
kann ich hier nur sagen.
(Beifall bei der SPD — Widerspruch bei der
CDU/CSU)
Meine Damen und Herren, in diesem Bereich haben
in den letzten Jahren auch mehr als 600 000
Menschen einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Wir
wissen, daß dieser Bereich — darüber brauchen wir uns
doch gar nicht zu streiten —
(Zuruf von der CDU/CSU: Gelber Punkt!)
mit seiner innovativen Kraft und Anpassungsfähigkeit
zum Strukturwandel und auch, wie wir meinen, zur
ökologischen Erneuerung unserer Volkswirtschaft
beiträgt. Daß die kleinen und mittleren Unternehmen
diese ihre Aufgaben nur erfüllen können, wenn sie in
der Lage sind, Investitionen zu tätigen, ist doch wohl
auch kein Geheimnis. Viele dieser Unternehmen
stehen dem Problem gegenüber, daß ihr
Investitionsbedarf und ihre Gewinne stark schwanken und auch
zeitlich auseinanderfallen. Hier liegen ihre Sorgen,
hier liegt auch ihre Benachteiligung gegenüber den
Großunternehmen, denen in der Regel eine bessere
Planung möglich ist.
Zur Verstärkung dieser Investitionsfähigkeit haben
wir hier unseren Antrag vorgelegt. Meine Damen und
Herren, dieser Vorschlag trägt der Tatsache
Rechnung, daß viele kleine und mittlere Unternehmen
nicht jedes Jahr Investitionen tätigen, sondern oft
gezwungen sind, die dafür notwendigen Mittel über
Jahre hinweg im Betrieb anzusparen. Das ist eben
nach geltendem Recht nur aus dem versteuerten
Gewinn möglich. Der Ansparvorgang wird aber doch
wohl entscheidend verkürzt, wenn man die für
Investitionen zu verwendenden Gewinnanteile durch
Einstellung in diese Rücklage zumindest teilweise
steuerfrei stellt.
Ich denke, damit wird gleichzeitig die
Eigenkapitalbildung verbessert. Damit wächst auch der
Spielraum für die Aufnahme von Fremdkapital, was ja
auch eine Investitionsförderung, eine Verbesserung
der Möglichkeiten darstellt. Die Unternehmen
erhalten die Möglichkeit, Gewinnschwankungen
auszugleichen und somit auch zu einer Verstetigung ihrer
Steuerbelastung zu kommen.
Insgesamt — davon sind wir fest überzeugt —
würde unser Vorschlag die kleinen und mittleren
Unternehmen gegenüber den Großunternehmen
besserstellen und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.
(Beifall bei der SPD)
Ich denke auch, daß der investitionsfördernde
Effekt einer steuerstundenden Investitionsrücklage,
Herr Solms, unbestritten sein dürfte. Darauf hat der
Sachverständigenrat bereits 1982/83 hingewiesen.
Auch das Ifo-Institut kommt in einer Untersuchung zu
solchen Schlußfolgerungen.
Ich möchte Sie auch darauf hinweisen — schade,
daß Herr Hauser nicht hier ist —,
(Zuruf von der SPD: Der weiß, warum er hier
fehlt!)
daß der Zentralverband des Deutschen Handwerks
immer wieder betont hat, daß dies aus seiner Sicht
eine sehr gute Maßnahme ist. Wir befinden uns in
voller Übereinstimmung mit diesem
Spitzenverband.
(Beifall bei der SPD)
Zu einigen Details: Damit die Investitionsrücklage
tatsächlich angenommen wird, muß sie so einfach wie
möglich ausgestaltet werden. Das ist
selbstverständlich. Die Erfahrungen mit der 1983 eingeführten
Sonderabschreibung nach § 7 g des
Einkommensteuergesetzes zeigen nämlich, daß komplizierte Regelungen
für kleinere und mittlere Betriebe mit Schwierigkeiten
verbunden sind und der erwünschte Effekt daher
häufig ausbleibt. Wir gehen davon aus, daß unser
Vorschlag bezüglich der Rücklage von 50 000 DM von
seiner Ausstattung her schon auf kleine und mittlere
Betriebe ausgerichtet und für Großunternehmen
praktisch uninteressant ist. Somit kann auch eine
verwaltungsaufwendige Begrenzung auf bestimmte
Betriebe unterbleiben.
Unser Modell sieht lediglich vor, daß nach Ablauf
der Ansparfrist von fünf Jahren Investitionen im
Anlagevermögen erfolgen, mit deren Anschaffungskosten
dann die Investitionsrücklage verrechnet wird.
Erfolgen keine Investitionen, dann ist die Rücklage
erfolgswirksam aufzulösen, und die bislang unterbliebene
Besteuerung wird nachgeholt. Dadurch entsteht ein
zusätzlicher Anreiz, auch tatsächlich Investitionen zu
tätigen.
(Zuruf von der FDP: Ob nötig oder nicht!)
Meine Damen und Herren, die Entscheidung über
unseren Vorschlag duldet unseres Erachtens keinen
Aufschub bis zu einer umfassenden Reform der
Unternehmensbesteuerung irgendwann in den 90er
Jahren, wie Sie sie angekündigt haben, wenn wir in
absehbarer Zeit mehr Investitionen im mittelständischen
Bereich haben wollen.
(Beifall bei der SPD)
Daß es sich um eine längst überfällige
strukturverbessernde Maßnahme handelt, wird ja wohl auch
deutlich in Äußerungen der Kollegen von der CSU aus
den vergangenen Jahren und auch von einzelnen
Mittelstandspolitikern der CDU. Sie haben zwar in der
letzten Periode einen entsprechenden Antrag der SPD
abgelehnt, Sie können aber heute und in der letzten
Beratung erneut versuchen, sich zu Ihren Worten zu
bekennen.
(Zuruf des Abg. Gattermann [FDP])
Ich fürchte allerdings, Herr Gattermann, die Kollegen
der CDU/CSU werden sich dem Diktat der FDP in
bezug auf die Senkung des
Einkommensteuerspitzensatzes wiederum unterordnen.
Wenn Sie sagen, der Tarif, den Sie vorschlagen, sei
nun das A und O, so möchte ich fragen: Wissen Sie
eigentlich, wie denn die durchschnittlichen
Einkommen im Mittelstandsbereich sind, die zu versteuern
sind? Es haben nicht alle die Größenordnung Ihres
Unternehmens, Herr Dr. Solms. Ich habe in meinem
Wahlkreis weit kleinere, die sich von Ihrem
Tarifvorschlag gar nicht so bevorzugt fühlen.
Dann möchte ich auch fragen: Warum vergessen Sie
die Gegenrechnung? Was ist denn z. B. mit der
möglichen Mehrwertsteuererhöhung, mit der
angekündigten Mineralölsteuererhöhung?
(Zuruf von der SPD: Genau! — Zurufe von
der CDU/CSU und der FDP)
Treffen die nicht den Mittelstand?
Meine Damen und Herren, ich halte es auch für
müßig und für wenig hilfreich für den Mittelstand,
(Zuruf von der SPD: Im Mai sprechen wir uns
wieder!)
nun die Abschaffung der Gewerbesteuer zu fordern,
wie Herr Bangemann es tut.
Präsident Dr. Jenninger: Herr Abgeordneter,
gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn
Abgeordneten Dr. Solms?
Kastning (SPD): Ja, bitte, wenn das nicht allzulange
dauert.
Präsident Dr. Jenninger: Das hängt auch von Ihrer
Antwort ab. — Bitte sehr, Herr Abgeordneter.
Dr. Solms (FDP) : Herr Kollege Kastning, würden Sie
mir zustimmen, daß nach dem Tarifreformentwurf der
Bundesregierung gerade die kleineren Unternehmen
den höchsten Steuervorteil, nämlich die höchste
Steuerentlastung, zu erwarten haben und nicht die großen
Unternehmen?
Kastning (SPD): Herr Dr. Solms, erstens machen Sie
immer eine Prozentrechnung, wie auch der Herr
Finanzminister; die sagt nichts über die realen
Beträge aus. Zweitens gehe ich davon aus, daß die
Einkommen der kleinen Bet riebe im Bereich der des
Facharbeiters liegen, und Sie vergessen immer — ich
sagte es vorhin schon einmal — die Gegenrechnung
dessen, was wieder in die Staatskassen hereingeholt
werden muß. Das schlägt ja auch irgendwo zu Buche.
Machen Sie bitte eine Nettorechnung unter dem
Strich; dann kommen Sie zu etwas anderen
Schlüssen, als sie draußen immer propagiert werden.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Jenninger: Gestatten Sie eine weitere
Zwischenfrage des Herrn Abgeordneten
Faltlhauser?
Kastning (SPD): Ich spreche hier das erste Mal zu
einem Fachbereich, in dem ich erst seit kurzem tätig
bin. Geben Sie mir die Chance, daß ich in einem
Zusammenhang reden darf. Ich bitte um Verständnis. Ich
bin bisher in einem anderen Fachbereich zu Hause
gewesen.
Meine Damen und Herren, ich möchte daran
erinnern, daß die sozialdemokratisch geführte
Bundesregierung eine Reihe von Änderungen bei der
Gewerbesteuer durchgeführt hat — nämlich im
Freibetragsbereich — , so daß heute weit mehr als die Hälfte aller
Betriebe keine Gewerbesteuer und fast 80 % — ich
glaube, es sind so viele — keine
Gewerbekapitalsteuer zahlen. Ich finde, solch eine wichtige
mittelstandspolitische Entscheidung sollte man in der
heutigen Zeit nicht ganz vergessen.
Ich denke, daß vor diesem Hintergrund auch die
Forderung von Herrn Bangemann, die Gewerbesteuer
abzuschaffen und durch andere Steuern zu ersetzen,
nicht gerade mittelstandsfreundlich ist.
(Zuruf von der SPD: Sehr wahr!)
Wenn die Gewerbesteuer nämlich durch eine
Mehrwertsteuererhöhung ersetzt werden soll, würden
dadurch die exportorientierten Großunternehmen
bevorzugt, denn bekanntlich — das wissen Sie alle —
wird die Mehrwertsteuer beim Export zurückgezahlt,
während die kleinen und mittleren Unternehmen in
Handel und Handwerk belastet werden, weil sie die
Mehrwertsteuererhöhung vielfach nicht im Preis
überwälzen können. Ich bitte Sie, sprechen Sie da
auch einmal mit den Vertretern des Handwerks. Sie
werden dort die gleichen Auffassungen vorfinden.
Meine Damen und Herren, aber auch der Ersatz der
Gewerbesteuer durch eine Erhöhung der Lohn- und
Einkommensteuer würde neben Arbeitnehmern vor
allem die Einzelunternehmen als
Einkommensteuerzahler wieder kräftig zur Kasse bitten. Das müssen Sie
ja wohl auch durchgerechnet haben — ich kann es mir
nicht anders vorstellen — , und dennoch wird so etwas
vorgeschlagen.
(Zuruf von der SPD: Bangemann rechnet
doch nicht!)
Ich denke, solche mittelstandsfeindlichen
Maßnahmen können nicht akzeptiert werden. Meine Damen
und Herren, es gibt andere Vorschläge als die der
FDP, die Gewerbesteuer umzugestalten, sie — wie wir
sagen — zu revitalisieren. Sie liegen auf dem Tisch.
Nach unserer Auffassung sind sie auch konsensfähig
bei den Betroffenen — sowohl bei Teilen der
Wirtschaft als auch bei den Kommunen.
(Beifall bei der SPD)
Wir sind bereit, an einer vernünftigen Reform der
Gemeindefinanzen unter Einbeziehung der
Gewerbesteuer mitzuwirken, aber wir sind nicht bereit, zu dem
ja zu sagen, was hier vor allem aus dem Bereich der
FDP immer wieder vorgetragen wird.
(Beifall bei der SPD — Kuhlwein [SPD]: Von
der Zahnärztepartei!)
Präsident Dr. Jenninger: Ich erteile das Wort dem
Herrn Bundesminister der Finanzen.
Dr. Stoltenberg, Bundesminister der Finanzen: Herr
Präsident! Meine Damen und Herren! Der uns
vorliegende Antrag der SPD-Fraktion versucht den ganz
unzutreffenden Eindruck zu erwecken, die
Bundesregierung, die Koalitionsparteien benachteiligten durch
ihre Vorschläge zur Steuersenkung und zugleich zu
einer Bereinigung des Steuerrechts von
Sondertatbeständen und Subventionen den Mittelstand. Das
Gegenteil ist der Fall. Die Kollegen der beiden
Koalitionsfraktionen haben dafür schon, wie ich glaube,
überzeugende Argumente vorgetragen.
Tatsächlich erreichen wir ja mit unserem umfassen
-
den Konzept der Steuerreform, das wir in drei
Schritten in dem Zeitraum von 1986 bis 1990 in Kraft setzen,
eine nachhaltige Verbesserung der Investitions - und
Wachstumsvoraussetzungen gerade für
mittelständische Unternehmen. Wir setzen damit unsere im
Herbst 1982 begonnene Politik zur Stärkung des
Wettbewerbs und zur Förderung einer gesunderen
Unternehmensstruktur fort. Im Gegensatz zu einer
von der Sozialdemokratie sonst rein vordergründig
geführten Verteilungsdiskussion geht die
wirtschaftspolitische Diskussion in den letzten Monaten in
Wahrheit in eine andere Richtung. Wir sehen uns
zunehmend nicht nur von Wirtschaftsverbänden des
Mittelstands, der Industrie, des Handels, sondern auch von
Wirtschaftswissenschaftlern mit der kritischen Frage
konfrontiert, ob wir für die Stärkung der
Investitionsfähigkeit nicht noch mehr hätten tun müssen, ob hier
im Grunde nicht noch weitere Spielräume hätten
ausgefüllt werden müssen.
Das sind Perspektiven auch für die kommende
Wahlperiode. Aber wir müssen Schritt für Schritt
vorangehen. Jetzt geht es darum, das vereinbarte
Konzept mit seinen großen unbestreitbaren Fortschritten
für Arbeitnehmer und Mittelstand in ein
Bundesgesetz umzusetzen.
Wir haben auf diesem Wege auch gerade zur
Förderung der Investitionsfähigkeit des Mittelstands seit
1983 erste Schritte getan. Ich erinnere nur an die
Verringerung der Gewerbe- und
Vermögensteuerbelastung, die Einführung von Sonderabschreibungen für
kleinere und mittlere Betriebe nach § 7 g des
Einkommensteuergesetzes. Diese Möglichkeit haben wir
durch eine Neuregelung, die bereits am 1. Januar in
Kraft getreten ist nachhaltig verstärkt. Nachdem die
erste Lösung nicht die erhoffte durchschlagende
Wirkung hatte, erwarten wir uns von dieser Verstärkung
wirklich eine verbesserte Investitionsvoraussetzung
gerade für die kleinen Betriebe. Der Begriff
„Mittelstand" ist ja etwas unscharf. Die einen denken an die
Handwerksbetriebe mit 5 oder 30 Beschäftigten. Dann
haben wir den industriellen Mittelstand. Wir reden
also über ein sehr breites Spektrum verschiedener
wirtschaftlicher Gruppierungen, die aber alle ihre
große Bedeutung für unsere Wirtschaftsstruktur und
auch für die Beschäftigungspolitik und vor allem für
die Ausbildungsleistung in der Bundesrepublik
Deutschland haben.
Ich erinnere an die Verdoppelung des
Höchstbetrages für den Verlustvor - oder -rücktrag nach § 10 d des
Einkommensteuergesetzes und schließlich an die
erheblich verbesserte Regelung für Abschreibungen bei
Wirtschaftsgebäuden, die, wenn man die vorherige
Verwaltungspraxis kannte, insbesondere
mittelständischen Betrieben überdurchschnittlich zugute
kommt.
Aber der Kernpunkt ist ja ein ganz anderer. Es ist
bezeichnend, daß die Sozialdemokraten ihn in ihrem
Antrag ausgeklammert haben. Vor allem die
grundlegende Reform des Einkommensteuertarifs, der
Abbau der weit überhöhten Grenzbelastungen im
Bereich mittlerer Einkommen, wird dafür sorgen, daß wir
zu einer wirklich positiven Neuregelung gelangen.
Unternehmerische Investitionen, die Bereitschaft, sich
den Risiken des Marktes auszusetzen — die in
manchen Gruppen unserer Bevölkerung und öffentlichen
Meinung schwächer ist als in anderen sehr
dynamischen Industrienationen — das alles wird in Zukunft
eine wesentlich stärkere finanzielle Anerkennung
finden. Vor dem Hintergrund dieser dauerhaften und
nachhaltigen Tarifreform sind die Auswirkungen der
Bereinigung unseres Steuerrechts von
Sondertatbeständen zu gewichten, ist ihre Ausgestaltung zu
bewerten.
Man muß also, Herr Kollege Poß, Einzelfragen wie
gezielte Regelungen für den Mittelstand vom
Gesamtkonzept her bewerten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Wer die Tarifreform wie Sie ablehnt, kann nicht
beanspruchen, mittelstandsfreundliche Steuerpolitik zu
gestalten.
Präsident Dr. Jenninger: Herr Bundesminister,
gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Dr.
Apel?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister der Finanzen: Bitte
sehr, Herr Kollege Apel.
Dr. Apel (SPD): Herr Kollege Stoltenberg, sind Sie
mit mir einer Meinung, daß zu dem Gesamtkonzept
der Steuerpolitik, über das Sie eben geredet haben,
erstens Ihre Ankündigung massiver
Verbrauchsteuererhöhungen im nächsten Jahre — das kann den
Mittelstand nur treffen — und zweitens die
Notwendigkeit gehören, nach 1990 massiv
Mehrwertsteuererhöhungen durchzusetzen, um die riesigen
Haushaltslöcher, die Sie mit Ihrer Steuerpolitik schlagen, zu
schließen?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister der Finanzen: Herr
Kollege Apel, Sie bringen in Frageform
Unterstellungen und Spekulationen, die Sie auch in der
Öffentlichkeit erheben, die aber nicht mit der Beschlußlage der
Bundesregierung übereinstimmen.
(Widerspruch bei der SPD)
Ich will Sie einmal daran erinnern, daß in Ihrer
Regierungszeit die Verbrauchsteuern einschließlich der
Mehrwertsteuer um 25 Millarden DM auf Jahresbasis
erhöht wurden,
(Jahn [Marburg] [SPD]: Antworten!)
ohne daß Sie eine grundlegende Steuerreform
zustande gebracht hätten.
Demgegenüber steht nach den Vereinbarungen der
Koalition in Verbindung mit den zusätzlichen
Einnahmeverzichten, die wir für die EG leisten, eine
Verbrauchsteuererhöhung in der Größenordnung von,
wenn wir uns einmal an der Belastung des nächsten
Jahres orientieren, etwa 6 Milliarden DM an.
Wenn wir die direkten Steuern auf Arbeit und
unternehmerische Tätigkeit um 50 Milliarden DM
senken, ist dies eine Größenordnung, die überhaupt nicht
als eine Gefährdung des vorrangigen Ziels kritisiert
werden kann, Arbeit und unternehmerische Tätigkeit
im Steuerrecht stärker anzuerkennen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Präsident Dr. Jenninger: Herr Bundesminister,
gestatten Sie eine weitere Zwischenfrage des Herrn
Abgeordneten Apel?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister der Finanzen:
Nein, ich möchte jetzt fortfahren, Herr Kollege Apel,
und werde mich mit Ihnen noch ruhig
auseinandersetzen.
Wer die große Tarifreform ablehnt, schadet dem
Mittelstand,
(Beifall bei der CDU/CSU)
trägt zu einer nicht vertretbaren Verschärfung der
Progessionswirkung für den Mittelstand und die
Facharbeiter bei. Das ist das Kennzeichen der
sozialdemokratischen Steuerpolitik, der sogenannten
Alternativen, die Sie ständig in der Öffentlichkeit
vortragen.
In der Tat, meine Damen und Herren, wir gehen mit
der Steuerreform an eine Generalüberholung des
Steuerrechts heran. Das begründet ja auch die Kritik
in der öffentlichen Diskussion durch viele Gruppen
von Spitzenverbänden der Industrie bis zu
Gewerkschaften. Sie alle verteidigen die Privilegien von
Minderheiten, die bei einem gerechteren Steuersystem
mit einer nachhaltigen Absenkung der
Durchschnittsbelastung nicht mehr zu rechtfertigen sind.
Sonderregelungen, Steuersubventionen und Schlupflöcher
müssen beseitigt werden. Das ist ein Erfordernis der
Gerechtigkeit.
Im Ergebnis wird natürlich der Abbau von
Steuersubventionen und Gestaltungsmöglichkeiten auf
Grund der Progressionswirkungen die Bezieher sehr
hoher Einkommen unvergleichlich stärker treffen als
diejenigen, die ein Durchschnittseinkommen haben.
— Das sind alles einfache Wahrheiten, Herr Kollege
Apel, die, wenn Sie glaubwürdig argumentieren
wollen, endlich auch einmal von Ihnen anerkannt werden
sollten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Ich lese, was ich sonst nicht getan habe, im
Augenblick gelegentlich auch einmal in der umfangreichen
Literatur
(Pfuhl [SPD]: Den „Vorwärts"?)
—ich habe jetzt nicht an den „Vorwärts" gedacht; das
wäre vielleicht eine neue Aufgabe für den
„Vorwärts", das in einer Spalte aufzunehmen — , der vielen
Informationsdienste und Beratungsdienste für die
Vermeidung von Steuern, also für das Ausnutzen von
Schlupflöchern. Das ist sehr interessant. — Sie
empfehlen in Kenntnis unserer Steuerreformkonzeption
ihren Beziehern, die ja hohe Preise bezahlen,
folgendes Motto: Verändern Sie Ihre Anlagestrategien.
(Dr. Apel [SPD]: Gehen Sie nach Luxem
-
burg! Dank der Quellensteuer!)
—Nein, nein, sie schreiben etwas ganz anderes, Herr
Kollege Apel. Sie haben erkannt, daß wir
Ungerechtigkeiten zugunsten privilegierter Minderheiten
beseitigen, die Sie in Ihrer ganzen Regierungszeit nicht
beseitigt haben. Das ist das Ergebnis dieser
Literatur.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP —
Dr. Apel [SPD]: Auf nach Luxemburg!)
Ich nenne nur einmal einen Punkt, den die
fachkundigen Kollegen in Ihrem Kreis ja sehr wohl kennen.
(Poß [SPD]: Was am Schluß rauskommt, Herr
Stoltenberg! — Dr. Apel [SPD]: Das Schlupf
loch Weihnachtsfreibetrag! Wunderbar!)
— Bleiben Sie doch einmal bei der Sache, Herr Apel;
das würde Ihnen wirklich dienen in einer ernsthaften
Debatte.
(Dr. Apel [SPD]: Das tue ich ja!)
Wenn wir z. B. die Versagung des Verlustabzugs
beim Mantelkauf vorsehen, wissen Sie ganz genau,
daß wir damit etwas tun, was der Steuergerechtigkeit
dient und nicht den vielzitierten Reichen und
Cleveren.
(Dr. Apel [SPD]: Und die Massen? — Poß
[SPD]: Das haben Sie im Kabinett auch noch
nicht beschlossen! — Stahl [Kempen] [SPD]:
Eine Schwalbe macht noch keinen Som
mer!)
Ich will jetzt auch etwas zum Thema § 34
Einkommensteuergesetz sagen. Er soll in der Neufassung den
Belangen der kleinen und mittleren Unternehmen
Rechnung tragen. Wir sind der Meinung, daß hier eine
Veränderung notwendig ist. In dem Punkt stimmen
wir analytisch überein. Was ich dem Kabinett
vorschlagen will, ist in der Grundstruktur folgendes: Wir
wollen in Zukunft für außerordentliche Einkünfte bis
zu einem Höchstbetrag, den die typischen
Veräußerungsgewinne im Mittelstand nicht erreichen, den
jetzigen halben durchschnittlichen Steuersatz
empfehlen. Wir wollen darüber hinausgehende
außerordentliche Einkünfte bis zu einem zweiten Höchstbetrag
mit zwei Dritteln des durchschnittlichen Steuersatzes
erfassen. Und für die hohen Einkünfte, die typischen
Fälle, die uns, die deutsche Öffentlichkeit beschäftigt
haben, sehen wir in Zukunft die volle Besteuerung
vor. Es ist ein gerechteres System, das wir
verwirklichen. — Sie haben dazu, Herr Apel, 13 Jahre Zeit
gehabt. Sie haben es nicht geschafft. Also mäßigen Sie
Ihre Kritik in dem Punkt, in dem wir uns in der Sache
ja einig sind, etwas.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Das ist nur ein Beispiel dafür, daß wir uns um
Steuergerechtigkeit bemühen und daß wir exzessive
Nutzung von vorhandenen Schlupflöchern durch
Milliardäre oder Besitzer großer Vermögen beseitigen
wollen. Das ist ein Kernstück unserer Steuerreform, im
Gegensatz zu dem, was Sie den Leuten erzählen
wollen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP — Poß
[SPD]: Tun Sie doch nicht so, als seien Sie in
den 70er Jahren dafür gewesen!)
Demgegenüber ist die steuerstundende
Investitionsrücklage nach einer intensiven Diskussion der
letzten Jahre nicht in unser Konzept aufgenommen
worden. Sie kennen die Argumente und
Gegenargumente. Es geht vor allem darum, die am Markt
erfolgreiche Investition zu honorieren. Es ist besser für die
Steuerpflichtigen, wenn ihr verfügbares Einkommen
größer wird, über das sie in eigener Verantwortung
entscheiden können, als daß wir durch
Spezialregelungen eine subtile Form der Investitionslenkung
herbeiführen. Das ist meine Überzeugung. Wir wollen
nicht so stark in die Dispositionsfähigkeit der
Unternehmen eingreifen.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich hier
noch einen Punkt kurz einbringen: Es ist wirklich
hilfreich, wenn wir uns einmal in der deutschen
Öffentlichkeit und im Parlament den Entscheidungen
wichtiger Partner zuwenden. In den letzten Tagen hat nach
langen Auseinandersetzungen die Große Koalition in
Österreich zwischen Sozialistischer Partei und
Volkspartei ihr Konzept für die Steuerreform vereinbart. Es
gibt ein großes Maß an Übereinstimmung mit dem,
was wir uns vorgenommen haben.
(Dr. Faltlhauser [CDU/CSU]: Genosse
Vranitzky!)
Unter einem sozialistischen Bundeskanzler Franz
Vranitzky, den ich aus seiner früheren Tätigkeit als
Finanzminister sehr gut kenne, und unter einem
sozialistischen Finanzminister Lacina wird folgendes
Konzept verwirklicht: Erstens: Tarifreform, Senkung
des Tarifsatzes von 10 % im Eingangssteuersatz und
auf 50 % im Spitzensteuersatz. Der Spitzensteuersatz
in Österreich geht von 62 % auf 50 % zurück. Warum?
Weil zur selben Zeit die Erweiterung der
Bemessungsgrundlage mit größter Konsequenz vollzogen wird,
weil Österreich in der Beseitigung von
Ausnahmetatbeständen und Steuersubventionen und
Sonderregelungen für Minderheiten mindestens so weit geht
wie wir, und das ist sehr zu begrüßen. Zweitens: die
Zurückführung von Sonderregelungen für
Investitionsanreize. Das, was Sie uns empfehlen, wird in
Österreich drastisch zurückgeführt. Drittens: die
Einführung einer kleinen Kapitalertragsteuer. Ich habe
das alles mit großem Interesse verfolgt nach manchen
Debatten hier bei uns. Das ist dem sehr nahe, was wir
in den letzten Monaten beschlossen haben. Die
Ausnahme in Österreich entspricht etwa dem, was wir mit
der Ausnahme für Sparbücher mit gesetzlicher
Kündigungsfrist vorgesehen haben. Es ist zu 80 % das
Modell, das wir in der Bundesrepublik Deutschland
verwirklichen.
Schließlich erhöhen die Österreicher, weil sie in
einer schlechteren Haushaltssituation als wir sind, in
Verbindung mit dieser Steuerreform spürbar einige
Verbrauchsteuern. Wir tun das nicht in Verbindung
mit der Steuerreform, wir müssen es in Verbindung
mit der EG tun.
(Zurufe von der SPD)
Herr Apel hat uns ja nun mittlerweile verlassen.
(Zurufe von der SPD)
— Es ist wirklich nur eine freundlich gemeinte Geste.
—Herr Poß, es sollte Sie doch wirk lich einmal
nachdenklich stimmen, daß in diesem benachbarten, mit
uns so eng verbundenen Land unter entscheidender
sozialistischer Beteiligung in der Regierung eine
Steuerreform verwirklicht wird — beginnend mit der
Senkung des Spitzensteuersatzes, der Erweiterung
der Bemessungsgrundlage, mit dem Abbau von
Sonderregelungen, der Einführung einer kleinen
Kapitalertragsteuer — , die in allen entscheidenden Punkten
mit dem übereinstimmt, was wir in der
Bundesrepublik Deutschland jetzt verwirklichen wollen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Sie müssen doch einmal Ihre Argumente
überprüfen,
(Poß [SPD]: Das tun wir ständig!)
wenn Sie die internationale Steuerentwicklung — von
den Vereinigten Staaten bis Österreich — sehen.
Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg. Wir
werden nach den Kabinettsbeschlüssen am 22. März
in Kürze Gelegenheit zu einer großen
steuerpolitischen Diskussion haben. Ich lade Sie alle ein,
konstruktiv daran mitzuarbeiten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Präsident Dr. Jenninger: Meine Damen und Herren,
ich schließe die Aussprache über diesen
Tagesordnungspunkt.
Der Ältestenrat schlägt vor, den Antrag der Fraktion
der SPD an die in der Tagesordnung aufgeführten
Ausschüsse zu überweisen. Sind Sie damit
einverstanden? — Dann ist die Überweisung so beschlossen.
Ich rufe Punkt 3 der Tagesordnung auf:
Beratung des Antrags der Abgeordneten Frau
Flinner, Kreuzeder und der Fraktion DIE
GRÜNEN
Keine Flächen- und Betriebsstillegungen,
sondern Überschußbeseitigung und ökologische
Intensivierung der Landbewirtschaftung
— Drucksache 11/913 —
Überweisungsvorschlag des Ältestenrates:
Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
(federführend)
Finanzausschuß
Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Im Ältestenrat ist für die Beratung ein Beitrag bis zu
zehn Minuten für jede Fraktion vereinbart worden.
— Sie stimmen dem zu. Ich sehe keinen
Widerspruch.
Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat Herr
Abgeordneter Kreuzeder.
Kreuzeder (GRÜNE): Herr Präsident! Meine Damen
und Herren! Es ist natürlich ein Glück für mich als
Bauer, daß ich im Jahre 1988 noch die Chance habe,
im Parlament über Landwirtschaft zu sprechen. Denn
wenn in der EG noch öfter solche Beschlüsse gefaßt
werden, dann wird es in diesem Parlament in
absehbarer Zeit über Landwirtschaft nichts mehr zu
verhandeln geben. Die neuen EG-Beschlüsse verdanken wir
vor allem der Bundesregierung.
(Dr. Knabe [GRÜNE]: Ja!)
Die Stillegung von Teilflächen oder ganzer Bet riebe
und der Vorruhestand wurden in Brüssel
ausschließlich von Kohl und Kiechle durchgedrückt und sollen
nun als Programm zur Erhaltung der bäuerlichen
Landwirtschaft verkauft werden. Mit
unwahrscheinlichem Einsatz wurde anderen Mitgliedstaaten der EG
klargemacht, daß die beste Maßnahme zur Erhaltung
der bäuerlichen Landwirtschaft die Stillegung
derselben ist.
(Dr. Knabe [GRÜNE]: Allerdings!)
Für die Vernichtung von bäuerlichen Existenzen
hatte die Regierung in diesem Jahr schon 4 Milliarden
DM übrig — also nicht etwa zur Erhaltung, sondern zu
deren Vernichtung.
Die zwei grundlegenden Probleme, die man in der
Agrarpolitik hat, nämlich Überschußbeseitigung und
die Einwirkungen der agrarindustriellen
Landwirtschaft auf die Ökologie und auf die Natur, werden mit
dem Programm Flächenstillegung ganz bestimmt
nicht beseitigt.
(Eigen [CDU/CSU]: Aber verbessert! —
Widerspruch bei den GRÜNEN)
— Auch nicht verbessert.
(Eigen [CDU/CSU]: Doch!)
— Nein. Herr Eigen, in Wirklichkeit wird etwas ganz
anderes passieren: Die Überschüsse werden durch
Flächen- und Betriebsstillegungen nicht verringert,
sondern ganz im Gegenteil — die niedersächsische
Grünbrache hat uns das bewiesen — : 98 % der
stillgelegten Flächen waren ertragsschwache Gebiete. Auf
den intensiven Standorten jedoch, so sagt es uns der
Agrarbericht, war die Produktionssteigerung wieder
1,9 %. Das heißt — und da zitiere ich einmal den
Professor Dambroth, der dazu etwas gesagt hat —:
Durch die Intensitätssteigerung auf den übrigen
Flächen werden die anfänglichen
marktentlastenden Effekte wieder ausgeglichen, wie es das
Beispiel in den USA schon gezeigt hat. Die Folge
wird sein, daß in 5 Jahren bereits 30 % der Fläche
stillgelegt werden müßte, um überhaupt noch
eine Marktentlastung zu erzielen.
(Eigen [CDU/CSU]: Da kommen doch die
nachwachsenden Rohstoffe wieder! — La
-
chen und Widerspruch bei den GRÜNEN)
Das bedeutet, daß die Marktordnungskosten und die
Überschußkosten durch dieses Programm nicht
gesenkt werden. Und wenn unser Herr Minister Kiechle
gar erwartet, daß die anderen Mitgliedstaaten
dasselbe durchziehen werden, dann möchte ich nur
einmal an die Milchkontingentierung erinnern, an das,
was uns da passiert ist. Holland wird — das haben wir
ja im Ausschuß das letzte Mal von der holländischen
Delegation gehört — keinen Quadratmeter Fläche
stillegen. Holland ist zur Zeit dabei, in Spanien
Agrarflächen aufzukaufen. Und was passiert dann?
(Zurufe von der CDU/CSU und der FDP)
— Ja, was passiert dann? Die Preise werden weiter
fallen, in der Bundesrepublik werden noch mehr
Betriebe zum Aufhören gezwungen. Wir werden noch
mehr Arbeitslose haben, von denen der Herr
Staatssekretär Eisenkrämer in Wiesbaden auf einer DLG-
Versammlung sagt: Es ist eigentlich gar nicht tragisch,
wenn wir pro Landkreis ein Dutzend neuer
Arbeitsloser aus der Landwirtschaft haben.
Daß es auch anders möglich wäre, das Schlagwort
vom Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft mit Leben
zu erfüllen, zeigt uns Dänemark. Dänemark wird in
den nächsten 5 Jahren 10 % seiner Fläche mit
staatlicher Unterstützung auf biologischen Landbau
umstellen. Wie wichtig und wie sinnvoll das auch bei uns
wäre, zeigt unsere Natur. Da ist der Artenschwund zu
beklagen. Für zwei Drittel der vom Aussterben
bedrohten Pflanzen- und Tierarten sind inzwischen
Bauer und Bäuerin zuständig, weil sie mit Ihrer Politik
in die Misere hineingetrieben werden, immer mehr
Umwelt, Natur zu vernichten. Die Bodenerosion hat
— das ist sogar in dem Gutachten der
Bundesregierung gesagt — ungeahnte Ausmaße angenommen,
speziell beim Hopfen und beim Zuckerrübenbau. Was
uns die meisten Probleme bereitet — vor allem
Ihnen — , sind die Agrargifte im Grundwasser, das eine
unserer Lebensgrundlagen ist. Herr Späth wird am
20. März 1988 seine Rechnung für seinen
Wasserpfennig kriegen. Da können Sie sicher sein.
(Zuruf von der CDU/CSU: Eine solide abso
lute Mehrheit wird er kriegen!)
— Wer's glaubt, wird selig.
(Zuruf von der FDP: Dann macht er eine
Koalition mit euch!)
Es ist natürlich ganz klar, daß das in Ihren
Überlegungen keine Rolle spielt; denn Sie wollen ja ganz
etwas anderes.
(Eigen [CDU/CSU]: Was wollen wir denn?)
Das beste Beispiel sitzt auf der Regierungsbank: Herr
von Geldern. Herr von Geldern sagt, er wolle ein
neues Bild vom Bauern: nicht mehr den traditionellen
Nahrungsmittelproduzenten, sondern den Bauern,
der allen technischen und ökonomischen Neuerungen
gegenüber aufgeschlossen sei. Das heißt ganz klar
— deswegen ist ja im Landwirtschaftsministerium die
neue Abteilung für Bio- und Gentechnologie
eingerichtet worden — , Sie wollen den Bauern, der mit
genmanipulierten Pflanzen und hormonbehandelten
Tieren agrarindustrielle Rohstoffe produziert. Sie wollen
die neue Leibeigenschaft, nichts anderes wollen Sie.
(Eigen [CDU/CSU]: Das wollen wir nicht! Sie
sagen die glatte Unwahrheit!)
— Herr Eigen, Sie sprechen von der Unwahrheit.
Immer mehr Bauern glauben uns, den GRÜNEN, und
immer weniger Ihnen.
(Beifall bei den GRÜNEN — Eigen [CDU/
CSU]: Das glaube ich nicht!)
Von den GRÜNEN werden dieses
Flächenstillegungsprogramm und der Vorruhestand, die Frührente
als ein Herauskaufprogramm — nichts andereres ist
es — , abgelehnt. Was wir wollen, ist die
flächendekkende Verringerung der Intensität von Agrargiften.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Wir wollen durch gezielte Förderung den
biologischen Landbau erreichen, wie ihn Dänemark
vorschlägt und durchführen wird. Ich weiß ja, daß Sie
vom biologischen Landbau nichts halten. Sie sind
eben nicht anders ausgebildet worden. Die
Ausbildung hat sich inzwischen verbessert.
(Heiterkeit und Beifall bei den GRÜNEN und
bei Abgeordneten der SPD)
Statt Flächenstillegung z. B. eine
Leguminosengrünbrache; Beimischungszwang, und zwar 50 % von
einheimischen Getreidemitteln in die Futtermittel;
(Eigen [CDU/CSU]: Einverstanden!)
Einbeziehung der Substitute in die
Getreidemarktordnung.
(Eigen [CDU/CSU]: Einverstanden!)
— Einverstanden? Warum haben Sie das denn letztes
Mal im Ausschuß abgelehnt?
(Eigen [CDU/CSU]: Haben wir nicht!)
— Sicher haben Sie das abgelehnt. Sie haben gesagt,
die EG müsse das machen. Herr Andriessen sagt, er
könne sich gegen deutsche Agrarpolitiker nicht
durchsetzen. Erzählen Sie den Bauern doch nicht
immer etwas von dem katastrophalen Kreislauf, sondern
geben Sie endlich zu, daß Sie ein Vertreter der
Großgrundbesitzer sind so wir der Mann hinter Ihnen.
(Heiterkeit und Beifall hei den GRÜNEN und
bei Abgeordneten der SPD)
Wir sind für die Einführung der gestaffelten Preise
und fordern für eine sinnvolle Grundmenge der
Produktion ein Einkommen, damit die bäuerlichen
Existenzen, die jetzt noch vorhanden sind, alle erhalten
werden; denn ihre Arbeit ist für uns sinnvolle
Arbeit.
Was die Bundesregierung zur Zeit fördert, wissen
wir ja — vorgestern stand es in der Zeitung — : 20
Milliarden DM für den neuen Jäger 90. Dafür ist Geld
in Massen vorhanden, aber für die Erhaltung von
15-ha-Betrieben ist, Herr von Geldern, anscheinend
nichts übrig.
Nicht zuletzt brauchen wir Bestandsobergrenzen
mit Flächenbindung der Produktion. Alle Parteien in
diesem Haus fordern das seit Jahren. Nur, wenn DIE
GRÜNEN den Antrag stellen — wir haben ihn diese
Woche wieder eingebracht —, wird er von allen
anderen Parteien leider abgelehnt. Sie sollten den
bäuerlichen Familien einmal mitteilen, daß in ihrem Haus oft
nur eine Täuschung der Bevölkerung versucht wird.
(Beifall bei den GRÜNEN)
An sich habe ich nichts gegen die Begriffe
Stillegung und Vorruhestand, wenn Sie sie auf die
Regierungsbank beziehen. Wenn die Regierungsbank
stillgelegt und Herr Kiechle in den Vorruhestand
geschickt wird, bin ich einverstanden.
Danke schön.
(Heiterkeit und Beifall bei den GRÜNEN und
bei Abgeordneten der SPD)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der
Abgeordnete Michels.
Michels (CDU/CSU): Herr Präsident! Liebe
Kolleginnen und Kollegen! Herr Kreuzeder, Agrarpolitik
und Verteidigungspolitik aus ideologischer Sicht
anzugehen wird nie zum Erfolg führen. Man sollte an die
Probleme sachlich herangehen, und so will ich es auch
tun.
(Kreuzeder [GRÜNE]: Das eine bedeutet Le
-
ben, das zweite bedeutet Tod! Das ist der
Zusammenhang!)
Vom Treffen der Umweltminister auf EG-Ebene
zurückgekommen, schreibt Bundesumweltminister
Dr. Töpfer:
Erfolgreiche Umweltpolitik kann nur in
Zusammenarbeit mit den Landwirten betrieben werden.
Die Beschlüsse des europäischen Gipfels vom
12. Februar dieses Jahres geben eine besondere
Chance, die Ziele der Umweltpolitik in der
Agrarpolitik zu verwirklichen.
(Frau Flinner [GRÜNE]: Papier ist gedul
dig!)
Er schreibt weiter:
Besondere Leistungen wie auch
Produktivitätseinschränkungen der Land- und Forstwirtschaft
zugunsten des Umwelt- und Naturschutzes sind
angemessen zu honorieren, wie bereits auf dem
EG-Gipfel beschlossen wurde.
In der Tat, dies ist unsere Linie: europaweites
Herangehen an diese wichtige Aufgabe, noch stärkere
Berücksichtigung der natürlichen Belange von
Mensch, Tier und Pflanze, eben unseres
Lebensraums.
Mit Sicherheit wird es — ich sage das in aller
Deutlichkeit — in Zukunft mehr Flächen geben, die nicht
mehr für die Produktion von Lebensmitteln genutzt
werden. Hier bietet sich uns die große Chance, auch
gezielt solche Flächen aus der Produktion zu nehmen,
um somit in ökologisch besonders wertvollen
Gebieten eventuell sogar zu einer Vernetzung von
Teilflächen zu gelangen.
(Sehr gut! bei der CDU/CSU)
Eine Raumordnung ist gefragt, die auf Veränderung
in der Landwirtschaft Bezug nimmt. Freiwerdende
Flächen bieten sich an, in das Freizeit- und
Erholungsangebot des ländlichen Raumes einbezogen zu
werden.
(Frau Rust [GRÜNE]: Golfplätze? Oder
was?)
Ich bin der Meinung, daß die Förderung des
ländlichen Raums identisch sein muß mit der Entwicklung
und Förderung solcher Verarbeitungsverfahren, die
auf der Basis agrarischer Rohstoffe zu entwickeln sind.
Zum Beispiel könnte ein Großteil unseres
Verpakkungsmaterials aus Stärke hergestellt werden.
(Beifall des Abg. Eigen [CDU/CSU])
Damit würden wir gleichzeitig eine Umwidmung der
Flächennutzung und eine Entlastung bei der
Müllbeseitigung erreichen.
(Dr. Knabe [GRÜNE]: Weniger Verpackung
brauchen wir!)
— Ja, so ist's recht.
(Frau Adler [SPD]: Dann stimmen Sie doch
unserem Antrag zu!)
Wer heute darüber klagt, daß in der Vergangenheit
auch ökologisch besonders wichtige Flächen unter
den Pflug genommen worden sind, der soll sich doch
bitte einmal daran erinnern, daß dies zum größten Teil
nach dem Zweiten Weltkrieg geschehen ist, und zwar
keinem anderen Ziel dienend, als den Hunger der
Menschen zu stillen. Heute muß zum Glück bei uns
niemand mehr hungern. Also können wir wieder auf
die Nutzung eines Teiles der landwirtschaftlichen
Flächen verzichten.
Es ist falsch, der Landwirtschaft global vorzuwerfen,
sie verseuche durch den Einsatz von Dünge- und
Pflanzenschutzmitteln Boden und Pflanzen.
(Dr. Knabe [GRÜNE]: Teilweise doch!)
Ich will nicht bestreiten, daß in Einzelfällen bei der
Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln
des Guten hier und da auch einmal zu viel getan
ist.
(Dr. Knabe [GRÜNE]: Atrazin im Grundwas
-
ser!)
Es ist aber unverantwortlich, deshalb mit dem großen
Knüppel auf die Bauern einzudreschen.
(Frau Flinner [GRÜNE] : Das macht doch nie
mand! Es geht um die Rahmenbedingungen,
die Sie stellen!)
Beratung und besondere Hilfe sind angezeigt. Jeder
muß mir doch recht geben, wenn ich feststelle, daß die
deutschen Bauern mit den weitestgehenden Pflanzen-
und Tierschutzgesetzen bzw. deren Auflagen in der
Welt leben müssen. Im Europa der Zwölf gibt es kein
Land, das diesbezüglich seinen Bauern auch nur
annähernd gleiche Auflagen macht.
Nun zu der Forderung der GRÜNEN, den Stickstoff
zu verteuern.
(Kreuzeder [GRÜNE]: Jawohl!)
Wir halten diese Forderung für unrealistisch.
(Dr. Knabe [GRÜNE]: Möglich!)
Erstens wäre das nur möglich, wenn innerhalb der EG
in allen Ländern gleichermaßen vorgegangen
würde.
(Kreuzeder [GRÜNE]: Es ist unser Wasser,
nicht das der anderen!)
Zweitens müßten die Grenzen zu Drittländern absolut
geschlossen werden. Drittens könnte die
Landwirtschaft die Ertragseinbußen ohne Ausgleich nicht
tragen. Und dies alles müßte dann europaweit
geschehen.
Wer sich auch nur ein wenig den Realitätssinn
bewahrt hat, der weiß: Die Forderung ist unrealistisch, so
nicht durchführbar und nur dazu geeignet, der
Landwirtschaft Schwierigkeiten zu machen.
(Frau Flinner [GRÜNE]: Das ist nicht rich
tig!)
Die vor wenigen Wochen in Berlin durchgeführte
Anhörung unter Teilnahme namhafter
Wissenschaftler unseres Landes hat erneut deutlich gemacht, daß
mit den feinsten Meßmethoden keine
Rückstandsunterschiede zwischen den Produkten herkömmlicher
und den Produkten sogenannter ökologischer
Herkunft festzustellen sind.
(Eigen [CDU/CSU]: Sehr richtig! — Frau
Flinner [GRÜNE]: Das stimmt nicht!)
Andererseits würden die deutschen und
europäischen Bauern eine große Chance vertun, wenn sie
nicht den Bedarf an sogenannten ökologischen
Nahrungsmitteln decken würden. Daß die Käufer solcher
Nahrungsmittel dann auch den kostendeckenden
Preis zahlen müssen, versteht sich doch für jeden von
uns von selbst.
(Frau Flinner [GRÜNE] : Wir zahlen heute für
die Lagerhalden!)
Unsere Bauern warten auf die Umsetzung der
Brüsseler Beschlüsse. Der Brüsseler Gipfel, der dank des
großen Einsatzes unseres Bundeskanzlers und aller
Beteiligten als Erfolg gewertet werden kann, hat nicht
nur weltweite Anerkennung gefunden, sondern auch
der Landwirtschaft Berechenbarkeit vermittelt und
perspektivisch neue Möglichkeiten eröffnet.
Ich gehe auf die Fragen ein, die mir draußen gestellt
werden.
(Frau Flinner [GRÜNE]: Warum sagen Sie
nicht, daß die Milch ab dem 1. Januar schon
wieder 3 % teurer geworden ist?)
— Ja, ist recht. — Wer nicht nur im Glashaus sitzt,
sondern unter den Betroffenen ist, der kennt die
Fragen, die aus dem Alltag der Bauern stammen: Kommt
die vorzeitige Rente bei Produktionsaufgabe, und
wann kommt sie? Ist eine rotierende
Teilflächenstillegung möglich? Welche Entschädigung soll gezahlt
werden? Wer kann daran teilnehmen? Wie wirken
sich die Maßnahmen zur Produktionsrückführung auf
den Pachtpreis aus? Kann die freiwerdende Fläche bei
vorzeitiger Rente auch ganz oder teilweise dem
Pachtmarkt angedient werden? Können die stillgelegten
Flächen nach Ablauf der Vertragszeit wieder ohne
jede Einschränkung für den Anbau von
Marktordnungsprodukten genutzt werden? Kann derjenige,
der sich an der Teilflächenstillegung beteiligt, solche
Flächen zupachten, die aufgrund der
Produktionsaufgaberente frei werden?
Dies sind im wesentlichen die Fragen, die uns nach
dem Brüsseler Gipfel draußen in der Landwirtschaft
gestellt werden.
Es sind heute noch keine vier Wochen seit den
Brüsseler Verhandlungen vergangen. Die Zeit ist zu kurz,
um heute schon bis ins letzte Detail auf alle möglichen
Einzelheiten eingehen zu können.
Im wesentlichen will ich das, bezogen auf unsere
Forderungen an die Bundesregierung, tun. Wir gehen
davon aus, daß die rechtlichen Voraussetzungen
zeitlich so geschaffen werden können, daß ab 1. Juli 1988
Flächenstillegung und vorzeitige Rente für
Produktionsaufgabe möglich sind. Nach den Brüsseler
Beschlüssen sollte sowohl die Teilflächenstillegung als
auch die Ganzstillegung für mindestens fünf Jahre
angeboten werden. Bei der Teilflächenstillegung soll
Rotation möglich sein. Die Entschädigung kann sich
nach unserer Meinung zwischen ca. 700 DM und
1 450 DM je ha bewegen.
Wenn bei der Inanspruchnahme der vorzeitigen
Rente ein Teil der Eigentumsfläche gegen
Entschädigung in Höhe der gegendüblichen Pacht stillgelegt
werden muß und der andere Teil verpachtet werden
kann, dann wird für viele Junglandwirte die Zupacht
ohne Pachtpreissteigerung möglich.
Wir sind aber auch der Meinung, daß das Ziel der
Teilflächenstillegung, nämlich die
Mengenrückführung, nicht durch Zupacht der durch dieses Programm
freiwerdenden Flächen unterlaufen werden darf.
Selbstverständlich muß nach meiner Meinung ein
Sanierungsverkauf vor Inanspruchnahme der
vorzeitigen Rente möglich sein, damit in zumindest einem
Teil der Fälle nicht der Kapitaldienst Rente und
Eigentum verzehrt.
Wenn jemand seine Flächen für eine begrenzte Zeit
gegen Bezahlung stillegt, muß er nach Ablauf dieser
Zeit selbige Flächen wieder so nutzen können, wie es
vorher der Fall war.
Der Pachtanteil unserer Bauern beläuft sich etwa
auf 30 %.
Wir sind der Auffassung, daß die Teilnahme an
diesem Programm nur möglich sein darf: erstens für
selbstwirtschaftende Landwirte, zweitens, wenn
mindestens fünf Jahre Eigenbewirtschaftung
nachgewiesen wurde.
Unser Anliegen muß sein, daß alle Länder innerhalb
der EG ihren Bauern so weit wie nur möglich auf
diesem Weg entgegenkommen,
(Beifall bei Abg. Eigen [CDU/CSU])
damit das erste Ziel, die Rückführung der Produktion,
in notwendigem Umfang erreicht wird. Denn beim
Überschreiten der Getreideerntemenge von 160
Millionen t würde für die Bauern der Preis fallen und für
uns alle der Absatz dieser Übermengen immer teurer
werden.
Wir haben in Europa jetzt die große Chance, ohne
rücksichtslosen Marktkampf die Produktion näher an
den Bedarf heranzuführen, dadurch den ruinierenden
Preisverfall zu stoppen, durch die
Produktionsaufgabe-Rente vielen Familien zu helfen, ihr Vermögen
zu erhalten und eine Rente zu beziehen, sowie den
jüngeren Landwirten zur Stärkung ihrer beruflichen
Grundlage das freiwerdende Land zum Teil zur
Verfügung zu stellen.
Meine Damen und Herren, ich muß nun zum Schluß
kommen. Ich gehe davon aus, daß wir auch auf dem
Milchmarkt in Kürze zu einer Änderung kommen, und
zwar so, daß wir die Molkereiregelung anwenden
können, um Über- und Unterlieferungen ausgleichen
zu können.
Präsident Dr. Jenninger: Herr Abgeordneter, bitte
kommen Sie zum Schluß. Die für Sie vorgesehene
Redezeit ist abgelaufen.
Michels (CDU/CSU): Schönen Dank. — Wer vor
zwei Jahren gesagt hätte, daß wir heute hier stehen,
der hätte dieses nicht abgenommen bekommen.
Ich möchte allen Beteiligten — dem Bundeskanzler,
dem Bundeslandwirtschaftsminister und allen, die
daran mitgewirkt haben — im Namen der Bauern
recht herzlich danken.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP —
Frau Flinner [GRÜNE]: Nein, nicht der
Bauern!)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat die
Abgeordnete Frau Adler.
Frau Adler (SPD): Herr Präsident! Meine Damen
und Herren! Flächenstillegungen als Lösung der
Strukturkrise in der Landwirtschaft EG-weit? Ganz
sicher nicht! Das Ziel, das damit erreicht werden
sollte, kann nämlich nicht erlangt werden, weil man
den Weg nur halbherzig geht, aus unserer Sicht sogar
einen falschen Weg einschlägt.
Die zweitkleinste Partei im Hause nutzt die
Gelegenheit, um auf neun Seiten ihre landwirtschaftlichen
Grundpositionen hier erneut darzustellen.
Worum geht es? Die Agrarminister haben unter dem
Vorsitz von Herrn Bundesminister Kiechle
beschlossen, das Flächenstillegungen mit bis zu 1 400 DM
prämiert werden können, wenn sie
Marktordnungsprodukte aus der Produktion nehmen. 20 % der
jeweiligen Anbaufläche müssen stillgelegt werden. Alle EG-
Länder haben diesem Kann-Vorschlag zugestimmt.
Auch wenn es heißt, die Länder seien verpflichtet,
diese Regelung bei sich einzuführen, darf dies nicht
darüber hinwegtäuschen, daß dies dennoch keine
zwingende Umsetzung des Beschlusses beinhaltet.
Der Antrag der GRÜNEN begehrt nun die
Überschußbeteiligung und die ökologische Intensivierung
der Landwirtschaft. Lobenswerte Ziele! Nur, daß die
von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen die
alleinseligmachenden sind, ist zu bezweifeln.
(Eigen [CDU/CSU]: Das ist immer so!)
Die Körnerleguminosen sind ein Beispiel für die
Fixierung auf Allheilmittel ohne Durchschlagskraft.
Ebensowenig glauben wir, daß ein neuer Steuertatbestand
geschaffen werden sollte, wie bei Ihrer Forderung
nach der Abgabe auf Stickstoffdünger. Klare und
scharfe Umweltauflagen erreichten mehr. Ihre
gestaffelten Erzeugerpreise geben außerdem ein falsches
Signal.
(Eigen [CDU/CSU]: Sehr richtig!)
Das Ziel, Flächen aus der Produktion zu nehmen, ist
vordergründig erst einmal verblüffend naheliegend.
Dafür auch noch entlohnt zu werden ist herrlich.
Milliardenbeträge für Nichtarbeit auszugeben erhält
somit eine weitere Dimension in unserer
Arbeitsgesellschaft.
Was spricht nun dafür, was dagegen? Dafür spricht,
daß Flächen nicht mehr bebaut werden und somit
erwartet wird, daß weniger Produkte, die der
Marktordnung unterliegen, von der EG aufgekauft werden
müssen, die Stabilisatoren einmal außer acht
gelassen. Dabei hört es aber auch schon auf. Es steht mehr
dagegen als dafür.
Der Agrarministerrat und die Regierungschefs
haben vergessen, Rahmenbedingungen festzusetzen,
unter denen der Rückgang der Produktion erfolgreich
sein kann; denn die Zahlungen sollen ja Anreiz und
Ausgleich zugleich sein. Was passiert, wenn die
Restflächen mit Marktordnungsprodukten bebaut, ja
intensiver bebaut werden? Der Nachweis, daß weniger
abgeliefert werden muß, bleibt aus. Die Gefahr der
höheren Belastung der Böden und dadurch der
Folgeschäden ist gegeben. Welche Böden werden als erste
zur Stillegung angeboten? Natürlich die
Grenzertragsböden oder/und Böden in benachteiligten
Gebieten, die schwer zu bestellen sind,
(Eigen [CDU/CSU]: Das hängt von der Diffe
-
renzierung des Angebots ab!)
eine Passivbereinigung in den strukturellen
Problemregionen der Bundesrepublik also.
(Eigen [CDU/CSU]: Nein!)
Gerade die kleinen Hofstellen auf kargen Böden
rechnen und legen Flächen still, die dann der Natur-
und Landschaftspflege anheim fallen. Da wir aber ein
Interesse daran haben müssen, daß es zu keiner
regionalen Verschiebung der Versorgung kommt, kann das
nicht in unserem Interesse liegen. Dies wäre ein
Strukturwandel gegen die bäuerlichen
Familienbetriebe, die in Sonntagsreden so hoch gelobt werden.
Außerdem kann diese Flächenstillegung die
Zielsetzung der Ausgleichszulage in benachteiligten
Gebieten konterkarieren, da mit Hilfe der
Ausgleichszahlungen die Landwirtschaft gerade in diesen
Regionen gehalten werden soll.
Außerdem besagen Hinweise, daß von den 46
Millionen Hektar Fläche mit Marktordnungsprodukten
nur 1,4 Millionen Hektar von den eigentlich
notwendigen 14 Millionen Hektar freiwillig tatsächlich in die
Stillegungen einbezogen werden.
Die Verlagerung innerhalb der Bundesrepublik auf
große bewirtschaftete Flächen kann nicht ausbleiben.
Ökologische Auflagen für diese Flächen fehlen
vollständig.
Und noch jemand reibt sich die Hände: die EG-
Partner. Sie mußten sich verpflichten, diese
Maßnahmen anzubieten; sie mußten aber keine Zusage über
ihre Umsetzung machen. Mit Leichtigkeit wird ein
Land oder werden mehrere Länder in die Bresche
springen, sprich: die freiwerdenden Mengen auf den
Markt bringen. Die Obergrenze ist z. B. bei Getreide
so gewählt, daß in normalen guten Erntejahren alle
Produkte zum Garantiepreis aufgekauft werden
müssen.
Was müßte geschehen? Wir Sozialdemokraten
geben der Extensivierung der Bodenbewirtschaftung
Vorrang vor der Flächenstillegung. Wo die regionalen
Gegebenheiten nur dies zulassen, können jedoch in
Einzelfällen unter bestimmten Bedingungen auch
Flächenstillegungen möglich sein — ich betone: unter
bestimmten Bedingungen.
Die Ausbringung von weniger Stickstoff in Form
von Gülle und Agrarchemikalien muß gewährleistet
sein. Chemische Hilfsstoffe in jedweder Form müssen
kritisch gesehen und zurückgenommen werden. Die
Belastung der Umwelt muß gesenkt werden. Der
Naturkreislauf in der Lebensmittelkette weist uns da den
Weg. Weniger ist dabei mehr.
Dafür sollte der Landwirt einen Ausgleich erhalten.
Landwirtschaftliche Produkte in der EG und aus
Drittländern müssen dabei den gleichen hohen
Anforderungen genügen.
(Eigen [CDU/CSU]: Dann gibt es keinen Im
port!)
Einfuhren von veredelten Produkten und Substituten
müssen sich in geduldigen Verhandlungen an den
Interessen der Menschen in der EG orientieren.
(Eigen [CDU/CSU]: Sehr richtig!)
Handelsdiktate sind zurückzuweisen. Die
Weiterführung der GATT-Verhandlungen muß
gesamtwirtschaftlich gesehen und eingebunden werden. Die
Industrieinteressen und die damit verbundenen
Arbeitsplatzinteressen dürfen nicht als Druckmittel
gegen die Landwirtschaft eingesetzt werden.
(Eigen [CDU/CSU]: Richtig!)
Wir sind für mehr Markt und weniger Dirigismus.
Auf dem Weg dahin sind neutrale
Einkommensausgleiche notwendig. Sie müssen sich aber an
vergleichbaren Einkommen messen lassen und den
ökologischen Gesichtspunkt voll mit einbeziehen.
Noch ein Wort zur Vorruhestandsregelung. Eine
verkappte Flächenstillegung steckt dahinter. Hier
werden gegen die Landwirte Rahmenbedingungen
geschaffen, die bei der großzügigen
Flächenstilllegung fehlen. Es wird wieder auf dem Rücken der
kleinen Leute gehandelt. 7 140 DM im Jahr plus
595 DM pro Hektar Stillegungsprämie kann für die
strukturschwachen landwirtschaftlichen Räume ein
attraktives Angebot sein. Daß aber gerade da die
Fläche dringend benötigt wird, wird dabei übersehen. Es
gibt wieder Passivsanierung in den Dörfern,
überwiegend im Süden der Bundesrepublik.
(Eigen [CDU/CSU]: Sie machen einen Kom
promiß!)
Machen die anderen denn mit, oder sind Sie hier
wieder freiwillig eine Verpflichtung eingegangen? In
den EG-Ländern ist der Strukturwandel schon sehr
weit fortgeschritten.
Die Frage, die die Bundesregierung offen und
ehrlich beantworten muß, lautet, ob sie diesen
Strukturwandel so will, wie er sich in Frankreich, in den
Niederlanden oder in Großbritannien politisch schon
vollzogen hat, oder ob es der Bundesregierung mit ihrer
Beteuerung ernst ist, daß der bäuerliche
Familienbetrieb eine Chance hat. Wenn sie letzteres will, dürfen
keine Flächenstillegungsprogramme gemacht
werden, die diesem Anspruch nicht genügen. Dann
müssen Sie eine Vorruhestandsregelung schaffen, die sich
an den sozialpolitischen Erfordernissen orientiert.
Daß den gewerblichen Arbeitnehmern der
Vorruhestand dann nicht genommen werden darf, folgt
schon aus dem Gleichheitsgrundsatz. Auch das sollten
Sie bedenken.
Leben auf dem Lande und die Versorgung der
Menschen können nicht in einer Situation des Konflikts mit
anderen wirtschaftlichen Interessen entschieden
werden. Was auf dem Tisch .liegt, ist konzeptionslos, ein
Stochern im Nebel ohne Aussicht auf Erfolg.
Sie werden Ihren Vorschlag mit der Mehrheit der
Koalitionsfraktionen durchsetzen. Schade, daß dann
eine weitere Chance vertan ist.
Vordergründig kann im Einzelfall eine positive
Bewertung erfolgen. Insgesamt aber bedeutet es, daß
sich der Strukturwandel schneller und rasanter
fortsetzt ohne Hoffnung auf die vorerst
Zurückbleibenden.
Unsere Vorschläge habe ich genannt: Neutraler
Einkommensausgleich und ökologische Vorgaben
könnten mehrere Ziele erreichen: weniger
produzieren und dies umweltverträglich mit der Chance, mehr
Landwirten eine Existenz zu erhalten.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der
Abgeordnete Heinrich.
Heinrich (FDP): Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Der Antrag der GRÜNEN
spiegelt die Auseinandersetzungen zwischen den
Vorteilen und Nachteilen der allgemeinen
Flächenintensivierung einerseits sowie der
Flächenextensivierung und der Flächenstillegung andererseits wider.
Es ist meines Erachtens ein Thema, das nur im
Dialog zu lösen ist. Denn schließlich geht es hier nicht
um ein starres Entweder-Oder. Die Brüsseler
Vorgaben zur Flächenstillegung zeigen, daß sehr viele
Extensivierungselemente mit aufgenommen sind, die
eigentlich von den GRÜNEN begrüßt werden müßten.
In diesem Sinne bitte ich auch um eine konstruktive
Mitarbeit bei der nationalen Ausgestaltung der
Brüsseler Beschlüsse.
Aber wir haben heute morgen vom Kollegen
Kreuzeder gehört: Die GRÜNEN haben keine Lust, hier
mitzumachen, weil die GRÜNEN
(Eigen [CDU/CSU]: Immer nein sagen!)
gegen Europa sind. Ihre Einstellung in der
Verteidigungspolitik, ihre Einstellung in der
Wirtschaftspolitik, ihre Einstellung in der Agrarpolitik ist
europafeindlich. Genau aus diesem Grunde sehe ich keine
Ebene, hier mit Ihnen konstruktiv weiterzukommen.
(Zuruf der Abg. Frau Flinner [GRÜNE])
— Frau Kollegin, wir reden darüber im Ausschuß noch
weiter. Jetzt hören Sie einmal zu, was ich dazu zu
sagen habe.
Die Vorschläge der GRÜNEN zur Umsetzung der
Extensivierung sind für Liberale kein gangbarer Weg.
Ich will einige Punkte aus Ihrem Forderungskatalog
herausgreifen: Stickstoffabgabe bzw. Verbot anderer
ertragssteigernder Produktionsmittel: Die
Anhängerschaft dieser Forderung einschließlich mancher
Professoren muß sich den Vorwurf gefallen lassen, daß
Sie durch kostensteigernde Zwangsbesteuerungen
und Verbote die Landwirtschaft auf unerträgliche
Weise drangsalieren wollen.
(Beifall bei der FDP und bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Damit kämen gewaltige Bewirtschaftungserschwer
-
nisse und zusätzliche Kostenbelastungen auf die
Landwirte zu. Produktionszuwächse lassen sich nun
einmal nicht durch Verbote aufhalten. Über eine
wirksame Kontrolle ihrer Vorschläge verlieren die GRÜ-
NEN in ihrem Antrag natürlich kein Wort; denn sie
sehen die Unmöglichkeit der Kontrollierbarkeit ihrer
eigenen Vorschläge.
(Eigen [CDU/CSU]: Sehr gut! — Frau Flinner
[GRÜNE]: Das ist nicht wahr!)
Wir müßten dann nämlich vor jeden und neben jeden
Landwirt europaweit einen Polizisten stellen.
Der Einbeziehung von Getreidesubstituten in die
EG-Getreidemarktordnung kann ich — auch wenn
der Kollege Eigen vorhin zugestimmt hat — nicht
zustimmen. Es ist unrealistisch, diese Forderung zu
einem Zeitpunkt aufrecht zu erhalten, wo die Uruguay
Runde des GATT versucht, die Handelsbeziehungen
zu Drittländern auch im Agrarbereich auf dem
Verhandlungswege zu entspannen. Etwas anderes als
eine gütliche Einigung zwischen den
Handelspartnern würde doch nur einen Handelskrieg
heraufbeschwören. Das kann nicht unser Ziel sein.
(Eigen [CDU/CSU]: Aber Ihr Außenminister
hat dem in Brüssel zugestimmt!)
— Nein.
Die FDP ist gegen eine Renationalisierung der
Agrarproduktion. Unsere Haltung zu Quoten hat sich
verständlicherweise — auch nach dem
Durchführungsdesaster auf dem Milchmarkt — nicht
geändert.
(Zuruf von der CDU/CSU: Ihr lernt auch
nicht dazu! — Weitere Zurufe von der CDU/
CSU)
— Herr Kollege Eigen, das müssen wir hier so
stehenlassen. — Ich will die 160 Millionen t Getreide einmal
als Quasi-Quote bezeichnen. Ich meine, daß wir bei
diesem EG-Rahmen bleiben sollten. Es gibt doch
keinen Sinn, kurz vor dem symbolischen Jahr 1992, statt
gemeinschaftliche Binnenmarktsolidarität zu zeigen,
wieder auf nationale Aufteilungen zurückzuverfallen.
Diese Zeiten müssen vorbei sein. In dieser Form
können wir Europa nicht fortentwickeln, und in dieser
Form wäre auch keine Mehrheit in Europa zu
bekommen.
Natürlich geht es bei den GRÜNEN auch nicht ohne
Umverteilung. So wollen sie uns wieder einmal ihr
System der gestaffelten Preise unterjubeln.
Ich sehe, daß die Zeit schnell vorangeht. Lassen Sie
mich deshalb nur noch ein paar Sätze sagen.
Ökologische Konsequenzen aus der
Flächenstillegung: Brüssel hat die Vorgabe der Flächenstillegung
beschlossen. Dabei kommt die ökologische
Extensivierung, wie sie die GRÜNEN wollen, nicht zu kurz.
Die Befürchtungen, daß Restflächen intensiviert
werden, wenn Teilflächen aus der Bewirtschaftung fallen,
treffen nicht zu. Ein guter Landwirt bewirtschaftet
schon heute seine Flächen nach bestem betriebs- und
produktionstechnischen Wissen. Der Rückgang des
Einsatzes von Pflanzenschutz- und Düngemitteln der
deutschen Landwirtschaft entspricht dem
stillgelegten Flächenanteil. Die Möglichkeit der extensiven
Nutzung der stillgelegten Flächen, z. B. Weidebrache,
ist bei geringerer Entschädigung vorgesehen. Die
Rotationsbrache sollte bei der nationalen Umsetzung des
Set-aside im Vordergrund stehen. Der Vorteil:
Wegfall von Pflege- und Düngearbeiten, Auflockerung,
Erweiterung der ohnehin zu engen Fruchtfolgen,
Erweiterung der Pflanzenarten, Erosionsverminderung
durch schließenden Pflanzenwuchs. Hier haben wir
all die Maßnahmen vorgesehen, die Sie fordern. Sie
wollen das vorliegende Konzept ja nur nicht zur
Kenntnis nehmen.
(Widerspruch bei den GRÜNEN)
Wir haben bei der Rotationsbrache keine Verödung
unserer Landschaft zu befürchten. Eine solche
Vorgehensweise kommt der Bodengesundheit mittel- und
langfristig entgegen und geht in die von den GRÜ-
NEN eigentlich gewünschte Richtung.
Die ökonomischen Konsequenzen der
Flächenstillegung: Unsere Bemühung muß es sein, durch
Flächenstillegung zu erreichen, daß die
Produktionsschwelle von 160 Millionen Tonnen mit den dadurch
ausgelösten drastischen Preissenkungsmaßnahmen
nicht überschritten wird. Der Grünbracheversuch in
Niedersachsen, der für das europäische
Flächenstillegungsprogramm Pilotfunktion für sich in Anspruch
nehmen darf, zeigt, daß die Landwirte
betriebswirtschaftlich kalkulieren. Je höher die Prämie ist, desto
reizvoller wird es, die Brache in den Fruchtwechsel
mit aufzunehmen. Das muß man sagen. Frau Adler,
Sie müssen einfach erkennen, daß die von Ihnen auch
angesprochene Verödung so nicht zum Tragen
kommt.
Lassen Sie mich noch eine Bemerkung machen zur
Produktionsaufgaberente. Wenn wir die
Wettbewerbsstruktur unserer Landwirtschaft verbessern
wollen, wird uns die Produktionsaufgaberente eine
große Hilfe — z. B. auch bei der Verringerung der
zuviel ausgegebenen Milchquoten — sein. Auch hier
haben wir einen positiven Effekt.
Der finanzielle Rahmen der EG, den wir natürlich
zuerst national auffüllen müssen, ist meines Erachtens
großzügig genug und für viele Landwirte attraktiv, um
einzusteigen.
Ich will die Probleme nicht unerwähnt lassen, die
wir jetzt intensiv diskutieren müssen, bevor wir unser
Flächenstillegungsprogramm umsetzen. Dazu gehört
natürlich in allererster Linie der Pachtmarkt. Hier
meine ich, daß wir befriedigende Lösungen finden
können, vor allem wenn man berücksichtigt, daß sich
die Flächenverknappung durch die Stillegung und die
Flächenmobilität durch die Produktionsaufgaberente
gegenseitig ausbalancieren können. Deshalb wollen
wir auch den gleichzeitigen Einsatz dieser beiden
Möglichkeiten. Auch wird hier Mißbrauch durch die
geplante vorhergehende Bewirtschaftungsdauer bei
den stillzulegenden Flächen verhindert.
Der Brüsseler Gipfel hat grünes Licht für die
Flächenstillegung gegeben. Neben der erwünschten
Marktentlastung ist das auch ein ökologisch
sinnvoller Weg. Es gelang den Regierungschefs erst im
zweiten Anlauf nach Kopenhagen, Entscheidungen auf
EG-Ebene zu treffen. Jetzt beginnt, Herr Kollege
Eigen, der dornenreiche nationale Weg, die
Flächenstillegung und die Produktionsaufgaberente
praxisnah umzusetzen.
Dabei ist mir besonders wichtig, daß die nationalen
Finanzierungsprobleme so schnell wie möglich in
Abstimmung mit den Ländern aus dem Weg geräumt
werden. Denn wenn wir da nicht vorankommen, wird
unser Programm nicht so ausgestaltet werden können,
wie wir es uns alle wünschen.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat die
Abgeordnete Frau Flinner.
Frau Flinner (GRÜNE): Ich möchte ganz kurz darauf
eingehen, daß Sie heute die 3 %ige Kürzung der
Milchquote, die mit der Flächenstillegung
zusammenhängt, verschwiegen haben. Warum sagen Sie
den Bauern nicht, daß Sie schon wieder um 3
kürzen? Denken Sie einmal an die Bauern im
Schwarzwald, denken Sie an die Bauern im Allgäu! Es
ist schlimm, was Sie mit uns Bauern vorhaben. Warum
sagen Sie nicht, daß noch einmal um 3 % gekürzt
wird? Wir haben doch schon 8,5 % weniger. Jetzt
kommen noch einmal 3 % hinzu.
(Susset [CDU/CSU]: Mit Flächenstillegung
hat das nichts zu tun!)
— Herr Susset, belügen Sie doch nicht die Bauern
weiterhin so.
Dasselbe ist es mit den nachwachsenden
Industriepflanzen. In Baden-Württemberg haben einige
Bauern Flachs angebaut. Der liegt bei ihnen in der
Scheune, und sie haben noch keinen Pfennig dafür
bekommen. Was soll das also mit den
nachwachsenden Industriepflanzen?
Präsident Dr. Jenninger: Frau Abgeordnete,
gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten
Eigen?
Frau Flinner (GRÜNE): Nein. Herr Eigen, wir
streiten uns wieder im Ausschuß. Das muß ich heute hier
einmal loswerden, daß Sie uns Bauern einfach
belügen.
Präsident Dr. Jenninger: Herr Abgeordneter Eigen,
die Frau Abgeordnete ist nicht bereit, eine
Zwischenfrage zuzulassen. Sie können wieder Platz nehmen.
Frau Flinner (GRÜNE): Herr Eigen, wir streiten uns
nach der Osterpause wieder im Ausschuß.
Ich möchte Ihnen nur das eine sagen: Belügen Sie
die Bauern draußen doch nicht immer! Ich bin
Bäuerin, ich weiß doch, was ihr mit uns treibt. Es geht
einfach nicht an, daß Sie hier die
Rahmenbedingungen nicht nennen und daß Sie Geld dafür ausgeben,
daß die deutschen Bauern aufhören. Die deutschen
Bauern werden für die Industrie, für die EG
geschlachtet.
(Beifall bei den GRÜNEN und bei Abgeord
-
neten der SPD)
Wir GRÜNEN sind nicht gegen die EG, aber wir sind
dagegen, daß man uns deutsche Bauern schlachtet.
Herr Eigen, Sie wissen, daß der Überschuß dadurch
nicht abgebaut wird. Es wurde hier schon
angesprochen, daß es uns die Holländer letzte Woche gesagt
haben: Es wird jede Chance genutzt, die Lücken, die
wir Deutschen schaffen, aufzufüllen. Seien Sie doch
nicht so blauäugig.
(Eigen [CDU/CSU]: Wenn Sie mich anspre
-
chen wollen, dann ist es ein Dialog, und dann
müssen Sie mir auch eine Frage gestatten!)
Ich möchte Ihnen nur noch einmal sagen: Denken
Sie an uns deutsche Bauern.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Präsident Dr. Jenninger: Das Wort hat der Herr
Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für
Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Herr Dr. von
Geldern.
Dr. von Geldern, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten:
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Frau
Kollegin Flinner, niemand möchte Sie schlachten. Der
Antrag der GRÜNEN zeigt, daß die Verfasser die
Einbindung der Landwirtschaft und der Volkswirtschaft
der Bundesrepublik Deutschland in die Europäische
Gemeinschaft und in die Weltwirtschaft immer noch
nicht als Realität ansehen. Wir sind keine Insel, auf der
wir Sandkastenspiele veranstalten könnten.
(Frau Flinner [GRÜNE]: Den Katalysator
konnten wir für uns Deutsche auch einfüh
ren!)
— Verehrte Frau Flinner, ich habe Sie doch in Ruhe
angehört. Wenn Sie so laut rufen, versteht man Sie
erstens nicht, und zweitens gilt: Wer schreit, hat
unrecht. Sie kennen doch dieses alte Wort.
(Frau Dr. Götte [SPD]: Manchmal ist man
auch betroffen! — Frau Flinner [GRÜNE]: Sie
können sich nicht immer hinter der EG ver
stecken!)
— Wer schreit, hat unrecht.
In der Begründung des Antrags der GRÜNEN
— das ist meine zweite Anmerkung — wird ständig
von wachsenden Umweltproblemen der
Landwirtschaft gesprochen, während selbst der gegenüber der
Landwirtschaft sehr kritische Rat von
Sachverständigen für Umweltfragen in seinem jüngsten Gutachten
zu Umweltproblemen der Landwirtschaft hervorhebt,
daß z. B. seit 1980 der Einsatz von
Pflanzenschutzmitteln stagniert, wenn nicht rückläufig ist.
Erfreulicherweise ist darüber hinaus festzustellen,
daß die zahlreichen Maßnahmen der
Bundesregierung und der Länderregierungen zur Aufklärung der
Landwirte über umweltorientierte
Produktionsweisen auf starkes Interesse der Landwirtschaft stoßen.
Diskussionen über integrierten Pflanzenbau,
umweltverträgliche Landbewirtschaftung und ähnliche
Themen im landwirtschaftlichen Berufsstand belegen dies
deutlich. Das ist doch erfreulich. Es gibt mittlerweile
zahlreiche Programme des Bundes und der Länder,
die in diese Richtung weisen.
Übrigens hat auch der Rat von Sachverständigen für
Umweltfragen niemals — wie die GRÜNEN — von
einer flächendeckend umweltbelastenden
Landwirtschaft gesprochen. Sie polemisieren mit diesem
Antrag gegen unsere Bauern, Sie verteufeln unsere
Bauern, und das sollten Sie schleunigst einstellen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP —
Frau Flinner [GRÜNE]: Das stimmt nicht!)
—Sie kreischen schon wieder so, daß man es gar nicht
verstehen kann.
Die Bundesregierung wird sich jedenfalls auch
weiterhin für einen gezielten Abbau von
Umweltunverträglichkeiten einsetzen. Die von den GRÜNEN
geforderten pauschalen Maßnahmen wie Verbot der
Halmverkürzer, Stickstoffsteuer und dergleichen
(Frau Flinner [GRÜNE]: Das wäre nötig!)
werden jedenfalls der Praxis unserer Landwirtschaft
und ihren Problemen in keiner Weise gerecht.
Die Kritik der GRÜNEN an den geplanten Betriebs-
und Teilflächenstillegungen — das ist meine dritte
Anmerkung — entbehrt jedes sachlichen Fundaments
und trägt der Realität nicht Rechnung. Man hat den
Eindruck: Es tut Ihnen leid, daß wir in Richtung
Extensivierung gehen; Sie bedauern, daß hier konkrete
Schritte in diese Richtung gemacht werden. Seien Sie
doch über dieses ökologische Angebot froh, statt
daran herumzumäkeln! Die Alternative zum Angebot
des freiwilligen Produktionsverzichts und freiwilliger
Flächenstillegungen gegen Ausgleichszahlungen
sind doch ausschließlich weitere drastische
Preissenkungen. Wir haben doch keine andere Alternative.
Die Folge wären weiter stark sinkende Einkommen
der Landwirte, die durch direkte staatliche
Einkommensübertragungen niemals in voller Höhe
ausgeglichen werden können.
Im Gegensatz zur Fraktion DIE GRÜNEN ist die
Bundesregierung überzeugt, daß die geplanten Teil
flächenstillegungen und die
Produktionsaufgaberente auch in Gebieten mit guten
Produktionsbedingugen, und zwar EG-weit, angenommen werden.
Dies ist doch eine Frage der Ausgestaltung, der
Differenzierung der Maßnahmen. Wenn wir
entsprechende Ausgleichszahlungen leisten, wird das auf
allen Standorten ein attraktives Angebot sein.
(Frau Flinner [GRÜNE]: Wer bezahlt denn
die Ausgleichszahlung? Wer soll denn das
Geld aufbringen?)
— Das ist schlimm. Man versteht das, was Sie sagen,
nicht. Sie kreischen so.
(Zuruf von den GRÜNEN: Nun reißen Sie
sich einmal zusammen!)
Übrigens: Ein Viertel der landwirtschaftlichen
Betriebsleiter sind zwischen 55 und 65 Jahre alt, und ein
großer Teil — das zeigen Untersuchungen der
Bundesforschungsanstalt — ist ohne Hofnachfolger. Viele
dieser Betriebe — auch in Gebieten intensiver
Produktion — können auf diese Weise von einer
Produktionsaufgaberente Gebrauch machen, um die
landwirtschaftliche Produktion ohne Vermögensverluste
aufgeben zu können. Dies ist ein echtes soziales
Marktentlastungs- und
Strukturverbesserungsprogramm, ein Programm, das vier Zielen dient: dem
sozialen Ziel des vorzeitigen Ruhestandes, dem
Marktentlastungsziel, dem Ziel der Strukturverbesse
-
rung und auch — das betone ich gerade vor dem
Hintergrund des Antrages der GRÜNEN noch einmal —
dem ökologischen Ziel einer Verbesserung des
Lebensraums für wildlebende Pflanzen und Tiere und
einer Erholung der Böden durch die Herausnahme
aus der engen Fruchtfolge.
Die Bundesregierung hält übrigens auch die
Vermutung der GRÜNEN, die freiwilligen
Teilflächenstillegungen und die Produktionsaufgaben würden zu
einem Brachliegen der benachteiligten Gebiete und
zu einer Intensivierung der Produktion auf den
besseren Standorten führen, für unbegründet. Ein großer
Teil der benachteiligten Gebiete unterliegt als
Grünlandstandort besonderen Produktionsbedingungen
und gehört gerade nicht zur Zielgruppe dieser
Maßnahmen, die ja bekanntlich auf Ackerflächen
begrenzt sind. Die Ausgleichszulage sorgt auch in
Zukunft für die notwendige Bewirtschaftung der
benachteiligten Gebiete.
(Vorsitz : Vizepräsident Stücklen)
Sie haben das Stichwort Schwarzwald gebracht. Ich
war gestern und vorgestern dort zu fünf
Veranstaltungen. Ich kann Ihnen nur sagen, Sie sollten das einmal
würdigen, was wir bei der Ausgleichszulage getan
haben: von 1,4 Millionen Hektar auf 6 Millionen
Hektar, von 100 Millionen DM von Bund und Ländern
— dies noch vor vier Jahren — auf 700 Millionen
DM.
(Zuruf der Abg. Frau Flinner [GRÜNE])
Das kommt doch bei den Bet rieben an. Mir haben es
doch die Bauern im Schwarzwald selbst gesagt, daß
sie das verspüren, was hier bei der Ausgleichszulage
direkt für sie getan worden ist.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Die Intensität der Produktion ist im übrigen unter
den Gegebenheiten der Bundesrepublik auch auf den
besseren Standorten dem betriebswirtschaftlichen
Optimum schon sehr nahe. Das kann man nicht über
Nacht weiter steigern, wie das bei den
Teilflächenstillegungsmaßnahmen in den Vereinigten Staaten
beobachtet worden ist.
(Eigen [CDU/CSU]: Sehr richtig!)
Ich komme zum Schluß, meine Damen und Herren.
Nach Ansicht der Bundesregierung müssen die vom
Europäischen Rat beschlossenen Maßnahmen zur
Senkung der Überschüsse jetzt unverzüglich
umgesetzt werden. Das gilt übrigens auch für die drei in
dieser Debatte noch nicht erwähnten wichtigen
Aufträge des Europäischen Rats, nämlich erstens im
Rahmen der GATT-Verhandlungen — das Thema ist
gestreift worden —
(Abg. Frau Flinner [GRÜNE] meldet sich zu
einer Zwischenfrage — Frau Unruh
[GRÜNE]: Da steht jemand!)
dafür zu sorgen, daß wir künftig Möglichkeiten gegen
eine weitere ungehemmte Substitutenzufuhr bekom
men;
(Frau Unruh [GRÜNE]: Hallo! Da steht je
mand!)
zweitens die Verbesserung des Getreideanteils im
Mischfutter vorzunehmen und drittens die
Ausweitung des Einsatzes nachwachsender agrarischer
Rohstoffe im industriellen Bereich. Dies sind drei ganz
wichtige Entscheidungen der 12 Regierungschefs
dieser Gemeinschaft.
Vizepräsident Stücklen: Herr Staatssekretär,
gestatten Sie eine Zwischenfrage?
Dr. von Geldern, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten:
Ja, bitte sehr.
Frau Flinner (GRÜNE): Herr von Geldern, ich
komme aus einem benachteiligten Gebiet, aber die
Gelder, die wir dort bekommen haben, gleichen
niemals das aus, was Sie uns bei der Milchquote
abgezogen haben. Sie können doch nicht auf der einen Seite
sagen, hier hätten Sie viele Gelder ausgegeben.
Meine Frage geht dahin: Können Sie einmal einen
ganz konkreten Fall nennen, in dem ein Landwirt
dadurch, daß er dieses Geld für benachteiligte
Gebiete bekommt, mehr eingenommen hat, als ihm bei
der Milchquote abgezogen worden ist? Wie sehen Sie
das?
Dr. von Geldern, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten:
Wir haben vielfach Gelegenheit gehabt — wir werden
sie auch in Zukunft, z. B. beim Agrarbericht, noch
haben — , über die letztlich erfolgreiche Milchpolitik
der Europäischen Gemeinschaft und der
Bundesregierung zu diskutieren. Aber Sie machen jetzt wieder
das beliebte Spielchen — vorhin haben wir schon
etwas vom Jäger 90 gehört — , daß Sie jetzt ganz
unterschiedliche Sachverhalte, z. B. die Ausgleichszulage
für die benachteiligten Gebiete und die Frage des
Systems der Milchquotenregelung, miteinander
vermengen und durcheinander bringen.
(Frau Flinner [GRÜNE]: Nein! Nein, Herr
von Geldern!)
Das führt uns nicht weiter und auch die
Landwirtschaft nicht weiter.
(Beifall bei der CDU/CSU — Weiterer Zuruf
der Abg. Frau Flinner [GRÜNE])
Ich komme jetzt zu einer weiteren Bemerkung im
Rahmen des vorliegenden Antrags der GRÜNEN. Ich
meine, es kommt darauf an, das, was der Gipfel
vorgegeben hat, jetzt schnell umzusetzen, damit die
Bauern wissen, woran sie sind. Es ist wirklich kein
Spielraum für Experimente mit grünen
Wunschvorstellungen auf Kosten der Landwirtschaft, meine Damen und
Herren. Für Sandkastenspiele illusionärer Art haben
wir überhaupt keine Zeit. Die Landwirte müssen jetzt
schnell wissen, welche reellen Chancen in der
freiwilligen Senkung der Produktion durch Stillegung von
Flächen gegen Ausgleichszahlungen liegen. Sie
müssen darüber auch aufgeklärt werden und ein
konkretes gesetzliches Angebot bekommen. Nur auf diesem
Wege sind die Überschüsse in den Griff zu kriegen.
Nur so sind auf die Dauer wieder befriedigende Preise
und Einkommen zu erzielen.
Ich möchte deshalb eine Schlußbemerkung
machen. Das ganze Programm, das der Europäische Rat
vorgegeben hat und das wesentlich ein Verdienst
unseres Bundeskanzlers ist, ist nicht nur ein Programm
für die Landwirte, die davon konkret Gebrauch
machen, sondern ein Programm auch für alle die
Landwirte, die keinen Gebrauch davon machen. Es ist ein
Programm für die Gesamtentwicklung unserer
Landwirtschaft, weil nur auf diese Weise Chancen für eine
bessere Erzeugerpreisentwicklung eingeräumt
werden, die wir in den letzten Jahren deshalb versäumt
haben, weil einfach viel zu viel produziert worden ist
und die Überschüsse die Preise erschlagen haben.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Vizepräsident Stücklen: Meine Damen und Herren,
ich schließe die Aussprache. Der Ältestenrat schlägt
vor, den Antrag der Fraktion der GRÜNEN an die in
der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse zu
überweisen. Ist das Haus damit einverstanden? — Es ist so
beschlossen.
Ich rufe Punkt 4 der Tagesordnung auf:
a) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes über die Anpassung der Renten der
gesetzlichen Rentenversicherung und der
Geldleistungen der gesetzlichen
Unfallversicherung im Jahre 1988
— Drucksache 11/1833 —
aa) Beschlußempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Arbeit und Sozialordnung
(11. Ausschuß)
— Drucksache 11/1967 —
Berichterstatterin:
Abgeordnete Frau Steinhauer
bb) Bericht des Haushaltsausschusses (8.
Ausschuß) gemäß § 96 der Geschäftsordnung
— Drucksache 11/1974 —
Berichterstatter:
Abgeordnete Sieler (Amberg)
Strube
Zywietz
Frau Rust
(Erste Beratung 61. Sitzung)
b) Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Arbeit und
Sozialordnung (11. Ausschuß) zu der Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Bericht der Bundesregierung über die
gesetzliche Rentenversicherungen, insbesondere
über deren Finanzlage in den künftigen 15
Kalenderjahren, gemäß §§ 1273 und 579 der
Reichsversicherungsordnung, § 50 des
Angestelltenversicherungsgesetzes und § 71 des
Reichsknappschaftsgesetzes
(Rentenanpassungsbericht 1987)
Gutachten des Sozialbeirats zur Anpassung der
Renten der gesetzlichen Rentenversicherung
zum 1. Juli 1988 und zu den
Vorausberechnungen der Bundesregierung über die
Entwicklung der Finanzlage der Rentenversicherung
bis zum Jahre 2001
— Drucksachen 11/1540, 11/1967 —
Berichterstatterin:
Abgeordnete Frau Steinhauer
c) Beratung der Beschlußempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Arbeit und Sozialordnung
(11. Ausschuß) zu dem Antrag der
Abgeordneten Frau Unruh, Frau Trenz, Hoss, Frau Beck-
Oberdorf, Frau Rust und der Fraktion DIE GRÜ-
NEN
Aufhebung der Stufenregelung
— Drucksachen 11/1402, 11/1967 —
Berichterstatterin:
Abgeordnete Frau Steinhauer
Meine Damen und Herren, nach einer
Vereinbarung im Ältestenrat ist für die gemeinsame Beratung
dieser Tagesordnungspunkte eine Stunde
vorgesehen. — Ich stelle die Zustimmung des Hauses fest. Es
ist so beschlossen.
Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Günther.
Günther (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Die frohe Botschaft
lautet: Die Renten steigen zum 1. Juli dieses Jahres um
genau 3 %. Das ist eine Erhöhung der real
verfügbaren Einkommen der Rentner um rund 2 %, weil der
Preisanstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit
etwa 1 % angesetzt werden kann. Damit verbessert
sich die Einkommenssituation der Rentner wie auch
schon im vorigen Jahr in einem Maße, wie das seit
1978 nicht der Fall gewesen ist. Zu Zeiten der SPD gab
es zwar prozentual höhere Rentenanpassungen, aber
es gab noch höhere Preissteigerungsraten und
infolgedessen Verminderungen der real verfügbaren
Renteneinkommen. Bei uns ist das umgekehrt. Das sind
die nüchternen Tatsachen.
Daß der Opposition ihre eigene schlechte Bilanz
unangenehm ist, läßt sich verstehen, daß sie darüber
selbst nicht reden möchte, auch. Aber wer nichts
vorzuweisen hat, sollte ein wenig mehr Zurückhaltung
und Sachlichkeit üben. Jedenfalls sollte er hier im
Parlament nicht, wie das in der ersten Lesung der Fall
gewesen ist, den Mund voll nehmen und die eigene
magere Bilanz zu überdecken versuchen,
(Frau Steinhauer [SPD]: Sie haben das
nötig!)
indem er ein großes Lamento anstimmt über das, was
demnächst angeblich alles an schlimmen Dingen
passieren kann — ich sage noch einmal: wie das in der
ersten Lesung der Fall gewesen ist. Sie können sich ja
bessern, meine Damen und Herren von der SPD.
(Heyenn [SPD]: Es hat Ihnen nicht gepaßt,
daß wir die Wahrheit auf den Tisch gelegt
haben! Das ist klar!)
Die neuesten Berechnungen der
Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, bekanntgegeben bei
ihrem letzten Presseseminar am 29. Februar und
1. März, bestätigen, daß mindestens bis 1990 keine
akuten Schwierigkeiten in der gesetzlichen
Rentenversicherung zu erwarten sind.
(Heyenn [SPD]: Haben wir etwas anderes
gesagt? Was sollen denn diese Halbwahrhei
-
ten!)
Die Modellrechnungen zeigen — so Walter Quartier,
der stellvertretende Vorsitzende der DAG und
Vorsitzende des BfA-Vorstands; ich zitiere —, „daß die
Finanzen der Rentenversicherung bis 1990 nicht für
Schlagzeilen sorgen werden." Es wird aber auch
gesagt — und auch das sage ich hier —, daß selbst bei
günstiger wirtschaftlicher Entwicklung für die Jahre
danach Maßnahmen unumgänglich sind.
(Frau Unruh [GRÜNE]: „Frohe Botschaft"?)
Die entsprechenden Vorarbeiten — beruhigen Sie
sich, Frau Unruh — sind längst im Gange. Das wissen
auch Sie. Die Koalitionsarbeitsgruppe zur
Vorbereitung der Strukturreform in der Rentenversicherung
steht seit dem vergangenen Frühsommer in laufenden
Beratungen. Der Gesetzentwurf wird in diesem Jahr
vorgelegt werden.
Von akuten Schwierigkeiten bis 1990 kann, wie
gesagt, ernsthaft keine Rede sein, so auch die BfA.
(Frau Steinhauer [SPD]: Na, na!)
Bei einer mittleren Va riante der zugrunde zu
legenden Daten wird sich die Schwankungsreserve in den
Jahren 1988 und 1989 nur geringfügig verändern.
(Peter [Kassel] [SPD]: Selektive Wahrneh
mung, wenn Sie wissen, was das ist!)
1990 beginnt sie abzusinken. 1991 würde der
Schwellenwert von einer Monatsausgabe unterschritten,
nämlich 0,9 Monatsausgaben,
(Frau Steinhauer [SPD]: Dann gibt es Liqui
ditätsschwierigkeiten!)
wenn nicht gehandelt wird.
(Frau Steinhauer [SPD]: Eben!)
Dabei wird mit einem Beitragssatz von 18,7 % und ab
1990 mit einem auf 18,5 % zurückgenommenen
Beitragssatz gerechnet. Mit dem Beitragssatz von 18,7 %
fahren wir seit 1987. Bis dahin lag der Beitragssatz
zwischenzeitlich auch bei 19,2 %.
Daran wird sichtbar, meine Damen und Herren: Wir
arbeiten ganz bewußt mit möglichst knappen
Beitragssätzen, und zwar aus zweierlei Gründen. Wir
wollen die Belastung der Versicherten in möglichst
engen Grenzen halten, und wir wollen dies auch bei
den Unternehmen tun; denn je stärker wir sie mit
Ausgaben und Abgaben belasten, desto mehr besteht die
Gefahr, daß Wachstum, das hier bei uns in der
Bundesrepublik Jahr für Jahr zur Zeit wieder erreicht
wird, ins Ausland exportiert wird. Das ist ohnehin
schon die Situation, mit der wir es zu einem
beträchtlichen Teil zu tun haben.
(Frau Unruh [GRÜNE]: „Frohe Botschaft"?)
Daran ändern auch Mißfallenskundgebungen
nichts.
Bei manchem in der SPD — und das paßt zu diesen
Bemerkungen der Kolleginnen und Kollegen der
I SPD — scheint es Ansätze zu geben, daß sie diese
wirtschaftlichen Grundtatsachen auch zu begreifen
beginnen und vielleicht auch Ansätze der Bereitschaft
entwickeln, ihnen Rechnung zu tragen. Das ist noch
nicht viel, aber es ist- wenigstens etwas. Aber viele
stemmen sich nach wie vor gegen diese Einsichten,
weil sie nicht in ihr Weltbild passen.
Meine Damen und Herren, auch der anwesende
Kollege Dreßler will das ja zum Teil nicht wahrhaben.
In seiner Rede vom 25. Februar zu dieser Thematik
hier im Parlament ist dies erneut deutlich geworden.
Er rechnet uns hier eine negative Wirtschafts- und
Beschäftigungsentwicklung vor,
(Dreßler [SPD]: Das kann man wohl sagen!)
die es so nicht gibt, um die Unsicherheit der Renten
voraussagen zu können.
(Dreßler [SPD]: Das kann man alles bele
gen!)
Aber er stellt nicht die konsequenten Folgerungen aus
seinen Forderungen in diese Rechnung ein. Dann
würden ja die harten Folgen seiner irrigen Annahmen
direkt sichtbar.
(Heyenn [SPD]: Die kommen jetzt, die Fol
gen!)
Er geht anders vor. Er fummelt an Modellrechnungen
des Rentenanpassungsberichts herum; denn er weiß,
daß geringfügige Änderungen der Annahmen große
zahlenmäßige Auswirkungen haben,
(Heyenn [SPD]: Was heißt das, „er fummelt"?
— Dreßler [SPD]: Bei euch stehen nur Hurra
Zahlen!)
weil es hier um hohe Milliardenbeträge geht. Die
Ausgaben in der gesetzlichen Rentenversicherung
betrugen 1987 insgesamt rund 186 Milliarden DM. Diese
Summe muß man sich vor Augen führen, wenn man
an diesen Zahlen herummanipuliert.
(Dreßler [SPD]: Apropos „herummanipu
liert" : Da kenne ich eine Abteilung in der
Regierung, die ist sehr großzügig auf diesem
Feld!)
Nach dem Motto „Wer sich ans Rechnen begibt, muß
vorher wissen, was herauskommt" werden die
verschiedenen Größen variiert, und flugs fehlen einige
Milliarden DM. Es ist also ungefähr so, als wenn
jemand an einem Uhrwerk herumhantiert, der das
Handwerk nicht beherrscht; danach geht die Uhr
prompt falsch.
(Dreßler [SPD]: Da klatscht noch nicht einmal
die CDU Beifall!)
Wenn aber das Szenario, das die Opposition
ausbreitet, nun wirklich stimmen würde, wenn es
wirklich fünf vor zwölf wäre, wie sie behauptet hat, welche
Konsequenzen zieht sie dann aus dieser angeblichen
Situation? Stellt sie Anträge auf Erhöhung der
Einnahmen? Stellt sie Anträge auf Erhöhung des
Beitragssatzes? Nein.
(Frau Steinhauer [SPD]: Volle Beiträge für
die Bundesanstalt!)
Damit will die Opposition nichts zu tun haben. Eher
versucht sie, den Eindruck zu erwecken, der
Beitragszahler müsse und könne geschont, möglichst weniger
statt mehr herangezogen werden. Also kräftige
Staatszuschüsse. Das wäre nach Ihrem Geschmack.
Die Finanzierung ist schnell gesichert, nämlich mit
den einzigen Ausruf: keine Steuerreform.
(Abg. Frau Weiler [SPD] meldet sich zu einer
Zwischenfrage)
Vizepräsident Stücklen: Herr Abgeordneter,
gestatten Sie eine Zwischenfrage?
Günther (CDU/CSU): Nein, ich möchte jetzt im
Zusammenhang vortragen.
(Dreßler [SPD]: Das habe ich mir gedacht!)
— Ja, und ich habe mir gedacht, warum Sie jetzt
Zwischenfragen stellen wollen. — Also keine steuerliche
Entlastung, auch nicht der unteren und auch nicht der
mittleren Einkommen, keine Senkung der Abgaben
bei den Unternehmen, also der Körperschaftsteuer.
Meine Damen und Herren, im übrigen: Ob Sie die
Einnahmen der Rentenversicherung durch
Beitragssatzerhöhungen oder durch Erhöhung anderer
Abgaben oder das Vorenthalten der dringend
erforderlichen Begrenzung dieser Abgaben vornehmen, es
bleibt sich gleich, was die nachteilige Auswirkung auf
die Abgabenquote anbelangt.
Ich weiß, daß die Verteilungseffekte von
Beitragssatzerhöhungen und anderen Abgabenerhöhungen,
insbesondere einer erhöhten Steuerfinanzierung der
Rentenversicherung, unterschiedlich sind. Unter
anderem deshalb, weil die zunehmenden Lasten der
Rentenversicherung aus der Veränderung des
Altersaufbaues nicht nur eine Angelegenheit der
Versicherten, sondern des ganzen Volkes, also der
Allgemeinheit, sind
(Frau Steinhauer [SPD]: So ist das! Ziehen
Sie mal die Konsequenz daraus!)
— ja, das ist so; Kollegin Steinhauer, ich freue mich,
daß wir da übereinstimmen —, deshalb sehen wir ja
die Erhöhung des Bundeszuschusses zur
Rentenversicherung vor.
(Dreßler [SPD]: Wieviel, Herr Kollege? Wer
-
den Sie mal konkret!)
Aber in diesem Zusammenhang ist auch eine
gewisse Vorsicht am Platze, denn wir wollen und müssen
den Grundsatz der Beitragsfinanzierung und
Beitragsbezogenheit der Renten aufrechterhalten,
(Dreßler [SPD]: Zwischenfragen lassen Sie ja
nicht zu, weil Ihnen die Antworten fehlen!)
sonst nähern wir uns zusehends dem Punkt, an dem
sich die Qualität des Systems grundlegend ändert.
Denn je höher der Anteil der Allgemeinheit an der
Finanzierung der Rentenversicherung ist, desto
näherliegend ist die Forderung, nicht nur die
Beitragszahler, sondern die Allgemeinheit an den Leistungen
des Systems zu beteiligen.
(Zustimmung bei der FDP)
Im Klartext: je mehr Steuerfinanzierung, desto aus
sichtsreicher die Forderung nach Grundsicherung.
Genau das wollen SPD, aber erst recht die GRÜ-
NEN.
(Frau Unruh [GRÜNE]: Nat
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Abrüstung nuklearer Mittelstreckenraketen in Europa (G-SIG: 11000325)
- part_of_vorgang → Antrag auf Feststellung der Beschlußfähigkeit im Zusammenhang mit der Abstimmung über den Antrag betr. die Wohnungsgemeinnützigkeit erhalten (Antrag zur Geschäftsordnung)
- part_of_vorgang → Die Wohnungsgemeinnützigkeit erhalten und stärken (G-SIG: 11001281) (Beratung)
- part_of_vorgang → Geschäftsordnungsantrag der Fraktion der SPD auf Herbeirufung des Bundesministers der Finanzen, Dr. Gerhard Stoltenberg (G-SIG: 11001712) (Antrag zur Geschäftsordnung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Ausführung zwischenstaatlicher Anerkennungs- und Vollstreckungsverträge in Zivil- und Handelssachen (Anerkennungs- und Vollstreck
- part_of_vorgang → Rangierbahnhof München (G-SIG: 11000596)
- spoke_in ← Friedrich Bohl (Zur Geschäftsordnung BT)
- spoke_in ← Gerhard Jahn (Zur Geschäftsordnung BT)