Rede von Christine Scheel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Dr. Barbara Höll, Wolfgang Nešković, Ulla
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 7 a bis 7 c: Dr. Barbara Höll, Wolfgang Nešković, Ulla.
Text
Rede von Christine Scheel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Dr. Barbara Höll, Wolfgang Nešković, Ulla
Herr Kollege Wissing, Sie lenken ab. Der
entscheidende Punkt ist, dass wir die Situation, die Anlass zum
Bedauern gibt, verändern wollen. Es gibt solche Fälle,
wie ich sie beschrieben habe; das wissen Sie. Die
Juristinnen und Juristen in meiner Fraktion haben in der
Praxis der Lebenswelt festgestellt, dass es Probleme gibt.
Wir möchten die Probleme lösen, indem wir dem
Personal mehr Hilfestellung geben, zum Beispiel durch das
Aufstocken der Stellenzahl. Dann kann mehr passieren.Das wäre im Hinblick auf unser Ziel gut,
Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Das ist der entscheidende Punkt,
nicht mehr und nicht weniger.
Sie wollen ein einfaches und faires Steuersystem und
das Problem durch Senkung der Steuersätze lösen.
Damit liegen Sie falsch. Nehmen wir den Fall des Postchefs
Klaus Zumwinkel. Er hat viele Jahre bei der
Liechtensteiner LGT Bank etwa 10 Millionen Euro angelegt und
hat auf die Zinserträge keine Steuern gezahlt. Ich frage
Sie: Verhindern Sie solche Fälle, in denen jemand
irgendwo Geld anlegt und null Zinserträge angibt, obwohl
er sie angeben müsste, wenn Sie das
Einkommensteuerrecht durch entsprechende Änderungen vereinfachen
und die Sätze senken? Sie können noch so sehr
vereinfachen, aber solche Fälle, in denen jemand bewusst keine
Steuern zahlen will, verhindern Sie so nicht. Sie müssten
den Satz schon auf null senken, um vielleicht Ihr Ziel zu
erreichen. Das kann aber nicht im Interesse des
Allgemeinwesens liegen und wird der Situation in der
Bundesrepublik Deutschland nicht gerecht. Das wäre
völliger Quatsch; das wissen Sie auch. Sie lenken mit Ihrer
Zwischenfrage nur ab.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Die Spitze des Eisbergs ist nun ein Stück weit
abgetragen. Aber der Eisberg ist ziemlich breit und groß.
Nach Angaben der Deutschen Steuer-Gewerkschaft sind
etwa 400 Milliarden Euro im Ausland versteckt. Um den
Bürgerinnen und Bürgern die Relation deutlich zu
machen: Das ist das Eineinhalbfache dessen, was der Bund
ausgeben kann. Allein der Steuerschaden liegt im
zweistelligen Milliardenbereich. Aus diesem Grund haben
wir strategische Überlegungen angestellt. Unser
wirksames Maßnahmenpaket auf nationaler, europäischer und
internationaler Ebene finden Sie in unserem Antrag.
(Dr. Volker Wissing [FDP]: Fragt sich nur,
warum Sie das damals nicht gemacht haben, als
Sie regiert haben!)
Wir wollen alle Chancen nutzen. Ich verweise nur auf
die Löcher bei der europäischen Zinssteuerrichtlinie und
bei Doppelbesteuerungsabkommen. Wir wollen zum
Anrechnungsverfahren übergehen. Das alles und vieles
mehr lässt sich in unserem Antrag finden. Wir werden in
Zukunft darüber weiter diskutieren können, wenn die
Koalition denn einen Antrag vorlegt. Ich hoffe sehr, dass
sie es bald tun wird. Unser Antrag liegt bereits vor. Die
Ideen sind richtig. Die Maßnahmen sind gut. Deswegen
bitten wir, unseren Antrag zu unterstützen.
Danke schön.