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Protokoll der 43. Sitzung des 19. Deutschen Bundestages

dip / plenarprotokoll 29.06.2018 · WP 19 · 19/43 · Original ↗
121 Reden und Erklärungen – die Suche findet sie einzeln
  1. Rede von Olaf Scholz (Bundesminister der Finanzen) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  2. Rede von Thomas Ehrhorn (AfD) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  3. Rede von Olaf Scholz (Bundesminister der Finanzen) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  4. Rede von Peter Boehringer (AfD) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  5. Rede von Eckhardt Rehberg (CDU/CSU) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  6. Rede von Christian Dürr (FDP) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  7. Rede von Bettina Hagedorn (SPD) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  8. Rede von Christian Dürr (FDP) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  9. Rede von Fabio De Masi (DIE LINKE) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  10. Rede von Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  11. Rede von Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  12. Rede von Peter Boehringer (AfD) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  13. Rede von Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  14. Rede von Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  15. Rede von Dr. Harald Weyel (AfD) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  16. Rede von Christian Haase (CDU/CSU) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  17. Rede von Christian Haase (CDU/CSU) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  18. Rede von Christian Dürr (FDP) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  19. Rede von Christian Haase (CDU/CSU) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  20. Rede von Dr. Frauke Petry (fraktionslos) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  21. Rede von Alois Rainer (CDU/CSU) – Antrags des Bundesministeriums der Finanzen
  22. Rede von Katja Suding (FDP) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  23. Rede von Dr. Wolfgang Stefinger (CDU/CSU) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  24. Rede von Dr. Götz Frömming (AfD) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  25. Rede von Oliver Kaczmarek (SPD) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  26. Rede von Dr. Petra Sitte (DIE LINKE) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  27. Rede von Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  28. Rede von Sybille Benning (CDU/CSU) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  29. Rede von Dr. Marc Jongen (AfD) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  30. Rede von Dr. Karamba Diaby (SPD) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  31. Rede von Birke Bull-Bischoff (DIE LINKE) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  32. Rede von Ronja Kemmer (CDU/CSU) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  33. Rede von Dr. Anna Christmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  34. Rede von Ronja Kemmer (CDU/CSU) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  35. Rede von Dr. Wiebke Esdar (SPD) – Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen
  36. Rede von Heiko Maas (Bundesminister des Auswärtigen) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  37. Rede von Heiko Maas (Bundesminister des Auswärtigen) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  38. Rede von Armin-Paulus Hampel (AfD) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  39. Rede von Dr. Andreas Nick (CDU/CSU) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  40. Rede von Bijan Djir-Sarai (FDP) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  41. Rede von Heike Hänsel (DIE LINKE) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  42. Rede von Dr. Frithjof Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  43. Rede von Christoph Matschie (SPD) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  44. Rede von Christoph Matschie (SPD) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  45. Rede von Ulrich Lechte (FDP) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  46. Rede von Volkmar Klein (CDU/CSU) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  47. Rede von Peter Beyer (CDU/CSU) – Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der …
  48. Rede von Canan Bayram (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  49. Rede von Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  50. Rede von Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  51. Rede von Canan Bayram (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  52. Rede von Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  53. Rede von Jens Maier (AfD) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  54. Rede von Jens Maier (AfD) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  55. Rede von Jens Maier (AfD) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  56. Rede von Jens Maier (AfD) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  57. Rede von Michael Groß (SPD) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  58. Rede von Katharina Willkomm (FDP) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  59. Rede von Caren Lay (DIE LINKE) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  60. Rede von Caren Lay (DIE LINKE) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  61. Rede von Dr. Heribert Hirte (CDU/CSU) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  62. Rede von Dr. Heribert Hirte (CDU/CSU) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  63. Rede von Stefan Liebich (DIE LINKE) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  64. Rede von Sven Lehmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  65. Rede von Dr. Heribert Hirte (CDU/CSU) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  66. Rede von Hagen Reinhold (FDP) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  67. Rede von Ulli Nissen (SPD) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  68. Rede von Ulli Nissen (SPD) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  69. Rede von Michael Kießling (CDU/CSU) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  70. Rede von Klaus Mindrup (SPD) – Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern
  71. Rede von Hans-Joachim Fuchtel (Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  72. Rede von Verena Hartmann (AfD) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  73. Rede von Katrin Budde (SPD) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  74. Rede von Karlheinz Busen (FDP) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  75. Rede von Dr. Gero Clemens Hocker (FDP) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  76. Rede von Karlheinz Busen (FDP) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  77. Rede von Amira Mohamed Ali (DIE LINKE) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  78. Rede von Amira Mohamed Ali (DIE LINKE) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  79. Rede von Friedrich Ostendorff (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  80. Rede von Hermann Färber (CDU/CSU) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  81. Rede von Verena Hartmann (AfD) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  82. Rede von Hermann Färber (CDU/CSU) – Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes
  83. Rede von Sebastian Münzenmaier (AfD) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  84. Rede von Sebastian Brehm (CDU/CSU) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  85. Rede von Dr. Marcel Klinge (FDP) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  86. Rede von Bernhard Daldrup (SPD) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  87. Rede von Kerstin Kassner (DIE LINKE) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  88. Rede von Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  89. Rede von Fritz Güntzler (CDU/CSU) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  90. Rede von Michael Schrodi (SPD) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  91. Rede von Paul Lehrieder (CDU/CSU) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  92. Rede von Paul Lehrieder (CDU/CSU) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  93. Rede von Bernhard Daldrup (SPD) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  94. Rede von Paul Lehrieder (CDU/CSU) – Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner …
  95. Rede von Carsten Träger (SPD) – Meeresschutzgebiet im Weddellmeer der Antarktis
  96. Rede von Karsten Hilse (AfD) – Meeresschutzgebiet im Weddellmeer der Antarktis
  97. Rede von Dr. Michael von Abercron (CDU/CSU) – Meeresschutzgebiet im Weddellmeer der Antarktis
  98. Rede von Hagen Reinhold (FDP) – Meeresschutzgebiet im Weddellmeer der Antarktis
  99. Rede von Ralph Lenkert (DIE LINKE) – Meeresschutzgebiet im Weddellmeer der Antarktis
  100. Rede von Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Meeresschutzgebiet im Weddellmeer der Antarktis
  101. Rede von Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU/CSU) – Meeresschutzgebiet im Weddellmeer der Antarktis
  102. Rede von Johann Saathoff (SPD) – Meeresschutzgebiet im Weddellmeer der Antarktis
  103. Rede von Fabio De Masi (DIE LINKE) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  104. Rede von Sepp Müller (CDU/CSU) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  105. Rede von Klaus Ernst (DIE LINKE) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  106. Rede von Sepp Müller (CDU/CSU) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  107. Rede von Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  108. Rede von Sepp Müller (CDU/CSU) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  109. Rede von Sepp Müller (CDU/CSU) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  110. Rede von Stefan Keuter (AfD) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  111. Rede von Stefan Keuter (AfD) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  112. Rede von Stefan Keuter (AfD) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  113. Rede von Fabio De Masi (DIE LINKE) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  114. Rede von Stefan Keuter (AfD) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  115. Rede von Dr. Jens Zimmermann (SPD) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  116. Rede von Markus Herbrand (FDP) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  117. Rede von Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  118. Rede von Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  119. Rede von Sebastian Brehm (CDU/CSU) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  120. Rede von Ingrid Arndt-Brauer (SPD) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen
  121. Rede von Helin Evrim Sommer (DIE LINKE) – Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen

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Protokoll der 43. Sitzung des 19. Deutschen Bundestages Plenarprotokoll 19/43 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 43. Sitzung Berlin, Freitag, den 29. Juni 2018 Inhalt: Zusatztagesordnungspunkt 11: Antrag des Bundesministeriums der Finanzen: Finanzhilfen zugunsten Griechenlands: Vierte und letzte Überprüfung des ESM-Anpassungsprogramms, mittelfristige schuldenbezogene Maßnahmen Drucksache 19/2961 Olaf Scholz, Bundesminister BMF Thomas Ehrhorn (AfD) Peter Boehringer (AfD) Eckhardt Rehberg (CDU/CSU) Christian Dürr (FDP) Bettina Hagedorn (SPD) Fabio De Masi (DIE LINKE) Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Peter Boehringer (AfD) Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Achim Post (Minden) (SPD) Dr. Harald Weyel (AfD) Christian Haase (CDU/CSU) Christian Dürr (FDP) Christian Haase (CDU/CSU) Dr. Frauke Petry (fraktionslos) Alois Rainer (CDU/CSU) Namentliche Abstimmung Ergebnis Tagesordnungspunkt 20: Antrag der Abgeordneten Katja Suding, Nicola Beer, Mario Brandenburg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP: Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen Drucksache 19/2988 Katja Suding (FDP) Dr. Wolfgang Stefinger (CDU/CSU) Dr. Götz Frömming (AfD) Oliver Kaczmarek (SPD) Dr. Petra Sitte (DIE LINKE) Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sybille Benning (CDU/CSU) Dr. Marc Jongen (AfD) Dr. Karamba Diaby (SPD) Birke Bull-Bischoff (DIE LINKE) Ronja Kemmer (CDU/CSU) Dr. Anna Christmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Wiebke Esdar (SPD) Tagesordnungspunkt 19: a) Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: Deutschlands Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – Für eine dauerhaft friedliche, stabile und gerechte Ordnung in der Welt Drucksache 19/2982 b) Antrag der Abgeordneten Heike Hänsel, Dr. Alexander S. Neu, Kathrin Vogler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Völkerrecht durchsetzen, zivile UN-Initiativen stärken, Abrüstung für Sicherheit und Armutsbekämpfung vorantreiben Drucksache 19/2980 c) Antrag der Abgeordneten Dr. Frithjof Schmidt, Margarete Bause, Uwe Kekeritz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat nutzen, Vereinte Nationen stärken Drucksache 19/2975 Heiko Maas, Bundesminister AA Armin-Paulus Hampel (AfD) Dr. Andreas Nick (CDU/CSU) Bijan Djir-Sarai (FDP) Heike Hänsel (DIE LINKE) Dr. Frithjof Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Christoph Matschie (SPD) Christian Schmidt (Fürth) (CDU/CSU) Ulrich Lechte (FDP) Volkmar Klein (CDU/CSU) Peter Beyer (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 22: Antrag der Abgeordneten Christian Kühn (Tübingen), Canan Bayram, Daniela Wagner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Mietrecht jetzt wirksam reformieren – Bezahlbares Wohnen sichern Drucksache 19/2976 Canan Bayram (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) Canan Bayram (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) Jens Maier (AfD) Michael Groß (SPD) Katharina Willkomm (FDP) Caren Lay (DIE LINKE) Dr. Heribert Hirte (CDU/CSU) Stefan Liebich (DIE LINKE) Sven Lehmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Heribert Hirte (CDU/CSU) Hagen Reinhold (FDP) Ulli Nissen (SPD) Christian Kühn (Tübingen) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Michael Kießling (CDU/CSU) Klaus Mindrup (SPD) Tagesordnungspunkt 21: Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und SPD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes Drucksache 19/2977 Hans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMEL Verena Hartmann (AfD) Katrin Budde (SPD) Karlheinz Busen (FDP) Dr. Gero Clemens Hocker (FDP) Amira Mohamed Ali (DIE LINKE) Friedrich Ostendorff (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Hermann Färber (CDU/CSU) Verena Hartmann (AfD) Tagesordnungspunkt 24: Antrag der Abgeordneten Sebastian Münzenmaier, Christoph Neumann, Verena Hartmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Abschaffung der sogenannten Urlaubssteuer gemäß § 8 Nummer 1 Buchstabe e des Gewerbesteuergesetzes – Vermeidung von Insolvenzen kleiner Reiseveranstalter Drucksache 19/2989 in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 12: Antrag der Abgeordneten Christian Dürr, Dr. Florian Toncar, Frank Schäffler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP: Gewerbesteuerliche Hinzurechnung überprüfen und bei Missständen Abhilfe schaffen Drucksache 19/2990 Sebastian Münzenmaier (AfD) Sebastian Brehm (CDU/CSU) Dr. Marcel Klinge (FDP) Bernhard Daldrup (SPD) Kerstin Kassner (DIE LINKE) Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Fritz Güntzler (CDU/CSU) Michael Schrodi (SPD) Paul Lehrieder (CDU/CSU) Bernhard Daldrup (SPD) Tagesordnungspunkt 23: Antrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Meeresschutzgebiet im Weddellmeer der Antarktis Drucksache 19/2985 Carsten Träger (SPD) Karsten Hilse (AfD) Dr. Michael von Abercron (CDU/CSU) Hagen Reinhold (FDP) Ralph Lenkert (DIE LINKE) Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU/CSU) Johann Saathoff (SPD) Tagesordnungspunkt 25: Antrag der Abgeordneten Fabio De Masi, Jörg Cezanne, Klaus Ernst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Deutschland wirksam bekämpfen – Financial Intelligence Unit befähigen Drucksache 19/2592 Fabio De Masi (DIE LINKE) Sepp Müller (CDU/CSU) Klaus Ernst (DIE LINKE) Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Stefan Keuter (AfD) Fabio De Masi (DIE LINKE) Stefan Keuter (AfD) Dr. Jens Zimmermann (SPD) Markus Herbrand (FDP) Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sebastian Brehm (CDU/CSU) Ingrid Arndt-Brauer (SPD) Helin Evrim Sommer (DIE LINKE) (zur Geschäftsordnung) Nächste Sitzung Anlage 1 Entschuldigte Abgeordnete Anlage 2 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Lisa Paus, Lisa Badum, Canan Bayram, Katharina Dröge, Erhard Grundl, Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Uwe Kekeritz, Katja Keul, Christian Kühn (Tübingen), Sven Lehmann, Beate Müller-Gemmeke, Ingrid Nestle, Filiz Polat, Tabea Rößner, Corinna Rüffer, Ulle Schauws, Dr. Gerhard Schick, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn und Margit Stumpp (alle BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zu der namentlichen Abstimmung über den Antrag des Bundesministeriums der Finanzen: Finanzhilfen zugunsten Griechenlands: Vierte und letzte Überprüfung des ESM-Anpassungsprogramms, mittelfristige schuldenbezogene Maßnahmen (Zusatztagesordnungspunkt 11) Anlage 3 Erklärungen nach § 31 GO zu der namentlichen Abstimmung über den Antrag des Bundesministeriums der Finanzen: Finanzhilfen zugunsten Griechenlands: Vierte und letzte Überprüfung des ESM-Anpassungsprogramms, mittelfristige schuldenbezogene Maßnahmen (Zusatztagesordnungspunkt 11) Veronika Bellmann (CDU/CSU) Ursula Groden-Kranich (CDU/CSU) Mark Hauptmann (CDU/CSU) Arnold Vaatz (CDU/CSU) Anlage 4 Amtliche Mitteilungen Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Guten Morgen, liebe Kolleginnen und Kollegen! Bitte nehmen Sie Platz. Die Sitzung ist eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung habe ich Ihnen mitzuteilen, dass der Ältestenrat sich in seiner gestrigen Sitzung darauf verständigt hat, während der Haushaltsberatungen ab dem 3. Juli, in der kommenden Woche, wie üblich keine Befragung der Bundesregierung, keine Fragestunde und auch keine Aktuellen Stunden durchzuführen. Sind Sie damit einverstanden? – Das ist offenkundig der Fall. Dann verfahren wir so. Damit rufe ich den Zusatzpunkt 11 auf: Beratung des Antrags des Bundesministeriums der Finanzen Finanzhilfen zugunsten Griechenlands: Vierte und letzte Überprüfung des ESM-Anpassungsprogramms, mittelfristige schuldenbezogene Maßnahmen Drucksache 19/2961 Wir werden über den Antrag später namentlich abstimmen. Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für die Aussprache 60 Minuten vorgesehen. – Auch dazu sehe und höre ich keinen Widerspruch. Dann ist auch das so beschlossen. Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Olaf Scholz, Bundesminister der Finanzen: Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Griechenland wird das dritte Hilfsprogramm planmäßig am 20. August 2018 beenden. Damit kann Griechenland die Rettungsschirme nach acht Jahren verlassen und hat die Chance, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Das ist eine gute Nachricht, und es ist eine gute Nachricht, die sich an andere anschließt: So ist es zum Beispiel der Europäischen Union und der Euro-Gruppe gemeinsam gelungen, mit ihren Hilfsmaßnahmen auch Portugal und Irland, als sie in einer großen finanziellen Schwierigkeit waren, zu helfen. Nun ist die dritte europäische Nation gewissermaßen als Ergebnis europäischer Solidarität aus den Hilfsnotwendigkeiten herausgekommen und kann wieder auf eigenen Beinen stehen. Ich glaube, das zeigt, dass Europa eine große Stärke hat und dass wir in der Kooperation gemeinsam auch die Herausforderungen der Zukunft bewältigen können. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Dass es in Europa um Kooperation geht, das diskutieren wir in diesen Tagen auch aus anderen Gründen. Deshalb will ich ausdrücklich sagen: Dass die Staatschefs der Europäischen Union gestern Nacht gemeinsame Positionen zur Frage der Asyl- und Migrationspolitik gefunden haben, ist ein großer Fortschritt. Ich glaube, das ist eine gute Grundlage für die Herausforderung, die Europa im Umgang mit der Fluchtmigration hat – ein guter Erfolg für uns alle. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Das von der Euro-Gruppe vereinbarte Paket, das ich Ihnen heute vorstelle, umfasst eine sehr breite Unterstützung. Ich will ausdrücklich darum bitten, dass der Deutsche Bundestag die Maßnahmen, die wir hier beantragen, unterstützt, und freue mich, wenn Sie das dann am Ende der Debatte auch tun werden. Was ist geschehen? Wir haben uns darüber unterhalten, wie sich die Entwicklung in Griechenland in den letzten Jahren zugetragen hat. Wenn man dort genau hinschaut, dann stellt man fest: Es sind sehr, sehr viele Reformen unternommen worden. Das ist jetzt auch noch einmal miteinander festgestellt worden. Griechenland ist auf einem guten Weg. Das war eine große Anstrengung der Regierung, des Parlamentes, aber vor allem der Bürgerinnen und Bürger Griechenlands, die viel auf sich genommen haben. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Der größte Teil der Hilfe, die wir geleistet haben als Europäer, ist die Zurverfügungstellung unserer Fähigkeiten, Kredite aufzunehmen und sie weiterzugeben. Manchmal verwechselt das der eine oder andere in der politischen Debatte: als ob es um Direktzahlungen geht, wenn man Kredite verleiht. Aber das ist ein großer Irrtum, und es bleibt auch einer, wenn man ihn wiederholt. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Denn tatsächlich geschieht hier nur etwas, was im Falle von Irland und Portugal ja schon gut geklappt hat. In dem Augenblick, in dem ein Land seinen Zugang zu den Finanzmärkten verliert, sorgen wir dafür, dass dieser Zugang mit unserer Hilfe erhalten bleibt. Aber die Kredite, die dann gemeinschaftlich aufgenommen werden – in diesem Fall über die EFSF oder den ESM –, werden auch wieder zurückgezahlt. (Jürgen Braun [AfD]: Wann? Wann denn, bitte? In 300 Jahren? Das ist doch ein Witz, Herr Scholz!) Selbstverständlich umfasst dies einen ganz langen Zeitraum. Aber auch Deutschland hat manche Kredite, die es in einer schwierigen Situation aufgenommen hat, erst vor wenigen Jahren zurückgezahlt. Dass solche Dinge langfristig sind, gehört zur Natur der Sache dazu. (Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Deshalb glaube ich, dass es richtig ist, was wir jetzt machen, und dass wir die notwendigen Schritte jetzt gehen. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Ja, alles wird zurückgezahlt!) Wir haben eine letzte Tranche von 15 Milliarden Euro bewilligt. Die eigentliche Botschaft sind nicht die 15 Milliarden Euro, sondern ist, dass mit dieser letzten Tranche keineswegs die gesamten Kapazitäten, die der ESM Griechenland in Aussicht gestellt hat, ausgeschöpft worden sind. Das heißt, dass alles das, was wir ermöglicht haben, von dem wir gesagt haben: „Das könnte möglicherweise in Anspruch genommen werden“, gar nicht in Anspruch genommen wird. Diese letzte Tranche dient dazu, den Übergang für die Rückkehr zu der Refinanzierung über die Kapitalmärkte zu begleiten. Genauso haben wir es bei Portugal und Irland gemacht, und genauso wird das bei Griechenland funktionieren. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Klar, das ist ein langes Programm gewesen. Deshalb ist die Hilfe hier auch etwas größer. Aber wir haben das auch ergänzt durch weitere Entscheidungen, die für die Zukunft wichtig sind – zum Beispiel, indem wir mit einer Laufzeitverlängerung und einer Zinsstundung Krediterleichterungen schaffen. Das ist etwas, was wir allerdings schon in Aussicht gestellt haben – 2016. Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Herr Bundesminister Scholz, der Kollege Ehrhorn, AfD, möchte gerne eine Zwischenfrage stellen. Gestatten Sie das? Olaf Scholz, Bundesminister der Finanzen: Ja. Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Bitte, Herr Kollege. Thomas Ehrhorn (AfD): Herr Minister, ich hatte Sie vorgestern mit einer Frage konfrontiert und ausgeführt, dass der Bundestag im August 2015 dem dritten Rettungspaket zugestimmt hat, aber unter einer einzigen wichtigen Voraussetzung, nämlich der, dass der IWF an diesem Rettungspaket beteiligt sein würde. Diese Beteiligung hat es nicht gegeben. Ich rede hier explizit, so wie vorgestern auch, vom dritten Rettungspaket. (Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: Weil sie das Geld nicht brauchen! Haben Sie nicht zugehört?) Sie haben daraufhin behauptet, das sei nicht so; der IWF sei beteiligt. Dies ist leider nicht der Wahrheit entsprechend. Deswegen habe ich Sie schon vorgestern gefragt und wiederhole diese Frage heute: Wie können Sie, nachdem die Geschäftsgrundlage für die Zustimmung des Bundestages nun erloschen ist, jetzt eine weitere Auszahlung dieses Rettungspaketes befürworten? (Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: Weil wir es beschließen! Das ist doch ganz einfach!) Danke schön. (Beifall bei der AfD) Olaf Scholz, Bundesminister der Finanzen: Schönen Dank für Ihre Frage. Denn dadurch, dass Sie wiederholt die gleiche Frage stellen, kann ich Ihnen wiederholt die gleiche Antwort geben. (Heiterkeit und Beifall bei der SPD – Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Vielleicht versteht er es erst beim dritten Mal!) Das ist manchmal ganz wichtig, weil es zu einem politischen Stil gehört, gewissermaßen falsche Wahrnehmungen in der Öffentlichkeit zu produzieren, indem man Fragen stellt und dabei immer den Eindruck erweckt, als ob damit schon eine Information verbunden ist. Die Information, die in Ihrer Frage steckt, ist falsch. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Wir haben gesagt: Wir wollen den IWF dabeihaben. – Und der IWF ist dabei. Er hat Kredite in Höhe von 10 Milliarden Euro laufen, die bis etwa 2024 zurückzuzahlen sind und deshalb in diesem Programm eine Rolle spielen. Weil der IWF sich natürlich um sein Geld kümmert, wie man sich leicht vorstellen kann, (Gustav Herzog [SPD]: Das kapiert er nicht!) ist er auch bei der Nachprogrammüberwachung dabei. Was wir uns überlegt haben, ist, ob es eigentlich Sinn macht, dass wir uns jetzt, obwohl wir nicht einmal den ESM-Kreditrahmen ausschöpfen, vom IWF noch weitere 1,6 Milliarden obendrauf geben lassen, um dann gewissermaßen in einer Situation zu sein, die wir so auch schon haben. (Zuruf von der AfD: Das ist nicht der Punkt unserer Beteiligung!) Das ist etwas, was wir nicht machen. Deshalb wiederhole ich ausdrücklich: Der IWF ist dabei. Er wird in der Nachprogrammüberwachung dabei sein. Das, was der politische Zweck der Beschlüsse dieses Hauses war, wird auch erreicht. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Im Übrigen wäre ich zu diesem Punkt noch gekommen. Dann kann ich ihn weiter hinten in meiner Rede weglassen. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Sie haben aber die Frage gar nicht beantwortet, Herr Scholz!) Um es noch einmal zu sagen: Wir verlängern die Zahlungszeiträume. Das hilft bei der Kredittragfähigkeit und sorgt dafür, dass über die lange Zeit die Rückkehr zu einer Refinanzierung über die Kapitalmärkte besser gelingen kann, indem das dann schon viele Jahre eingeübte Praxis sein wird. Das ist ja das, was wir erreichen wollen. Außerdem verzichten wir auf einen Zinsaufschlag – auch das war in den Beschlüssen 2016 und 2017 schon angekündigt worden –, und wir gehen wieder dazu über, dass wir die Gewinne der Zentralbanken, die sie aus den anfangs gegebenen bilateralen Darlehen erhalten haben, für die griechische Politik erreichbar machen, (Lachen bei der AfD) insbesondere damit sie mit ihren Schulden dann besser zurechtkommen können. (Fabian Jacobi [AfD]: Genau!) Das sind all die Dinge, die jetzt auf dem Weg sind und für die wir um Ihre Zustimmung bitten. Dazu gehört allerdings auch, dass wir vereinbart haben – ich bin eben schon darauf zu sprechen gekommen –, dass es eine Nachprogrammüberwachung geben wird. Denn das wollen wir natürlich auch: dass die Anstrengungen, die die Bürgerinnen und Bürger Griechenlands und die Regierung unternommen haben, jetzt nicht aufhören und vergeblich sind, sondern wir wollen gerne, dass die Politik, die Griechenland in Zukunft entwickelt, sich weiter entsprechend den Reformmaßnahmen der letzten Jahre orientiert. Klar werden die Spielräume etwas größer, und sie werden umso größer, je größer der wirtschaftliche Erfolg des Landes ist. Aber es ist auf alle Fälle so, dass wir mit dieser Nachprogrammüberwachung sicherstellen, dass Griechenland auch in Zukunft weiter die Reformpolitik verfolgt, die in den letzten Jahren eingeschlagen worden ist. Meine Damen und Herren, ich will zum Schluss kommen und sagen: Es ist ein Zeichen europäischer Solidarität, das wir hier geben, (Martin Hebner [AfD]: Ja! Deutschland zahlt!) indem wir deutlich machen, dass wir gemeinsam sehr stark sind. Das ist im Übrigen auch ein Zeichen, das notwendig ist. Denn wir haben eine gemeinsame Währung, den Euro. Wir wollen eine wirtschaftliche Macht sein, die auf Augenhöhe handeln kann: mit China, den Vereinigten Staaten von Amerika und großen anderen Wirtschaftsnationen der Zukunft, die jetzt dabei sind, eine Größenordnung zu erreichen, die uns sehr beeindrucken wird. Wenn wir das erreichen wollen, dann werden wir das als Europäische Union nur gemeinsam können und indem wir zeigen, dass wir, weil wir zusammenhalten, in der Lage sind, die großen Probleme unserer Zeit zu lösen – die Probleme, wie wir unsere Wirtschaft organisieren und wie die Staatsfinanzen sich entwickeln –, indem wir zeigen, dass wir eine starke gemeinsame Währung und wirtschaftliches Wachstum haben, aber dass wir auch mit solchen Herausforderungen umgehen können wie zum Beispiel der Fluchtmigration. Schönen Dank. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Nächster Redner ist der Kollege Peter Boehringer, AfD-Fraktion. (Beifall bei der AfD) Peter Boehringer (AfD): Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! In der heutigen Vorlage steht auf 480 Seiten eigentlich nur eines: Griechenland bekommt eine weitere Finanzspritze in Milliardenhöhe. Konkret: Der Tilgungsbeginn für sonst bald fällige EFSF-Kredite soll nun erst weit nach 2030 liegen. Und: Deutschland verzichtet auf hohe Zinserträge. Das alleine wäre schon das Schnüren eines Rundum-Sorglos-Pakets für Griechenland. Bei Kreditlaufzeiten von nun 43 Jahren im Schnitt bei faktischer Zins- und Tilgungsfreiheit denkt kein Schuldner auch nur ansatzweise noch über Rückzahlung oder Bewirtschaftung dieses Kredites nach. Das ist schon per se unnatürlich. (Beifall bei der AfD) Und insbesondere Politiker interessieren Rückzahlungen Jahrzehnte nach ihrer Amtszeit schon gar nicht mehr. Da hilft auch keine Nachprogrammüberwachung, wie Sie es gerade genannt haben, Herr Minister. Das können Sie in diesem Punkt vergessen. Jeder Anleiheprofi wüsste: Hier wäre eine sofortige Vollabschreibung fällig. (Beifall bei der AfD) Doch was dem Bundestag stattdessen heute auch noch vorgeschlagen wird: Wir sollen sogenannte Zinsgewinne an Griechenland zurückzahlen, die angeblich durch Kreditvergabe der EZB entstanden sind. Zunächst einmal: Nur Ideologen können überhaupt von „Zinsgewinnen“ sprechen, wenn Zinserlöse gemeint sind. Bereits die erhobenen winzigen Zinssätze waren 2010 ein riesiges Geldgeschenk. Es wurden gewaltige Ausfallrisiken praktisch zu Nullkosten von uns, vom deutschen Steuerzahler, mit übernommen. Die Risikokomponente des Zinses entspricht in einem freien Markt der Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredits. Und in der Praxis gab es ja diese Ausfälle bereits: Bei den griechischen Schuldenschnitten 2012 wurden dem Land 47 Milliarden Euro erlassen – 14 Milliarden Euro davon von Deutschland. Die damals noch private Hypo Real Estate hat damals 9 Milliarden Euro verloren und musste in der Folge verstaatlicht werden. Das hat der Bund bis heute auf den Büchern. So viel zu „Wir verdienen an der Griechenland-Rettung“ oder „Kredite sind keine Zahlungen“, Herr Minister. (Beifall bei der AfD) Und doch wird dem Bundestag heute ernsthaft eine Abführung dieser fiktiven Zentralbankgewinne an Griechenland vorgeschlagen. Hier findet eine vorgezogene Ausschüttung von temporären, nicht realisierten Buchgewinnen von angeblich ach so unabhängigen Zentralbanken statt. So etwas muss man sich erst einmal ausdenken. Das ist nicht nur eine faktische Einmischung in die Ausschüttungspolitik dieser ach so unabhängigen Zentralbanken, sondern im Prinzip eine Pervertierung des Geschäftsmodells des Kreditwesens. (Beifall bei der AfD) Genauso wie bei einer Versicherung ist natürlich auch hier das Risiko eines Schadenfalls zu vergüten. Rückerstattungen von Versicherungsbeiträgen, nur weil gerade mitten in der Laufzeit halt mal kein Schaden entstanden ist, würden die gesamte Versicherungsmathematik und das Kreditwesen auf den Kopf stellen. Wenn die Kreditabteilungen von privaten Banken so arbeiten würden, dann wären sie alle innerhalb eines Jahres pleite. (Beifall bei der AfD) Vereinbart ist nun in diesem Konvolut – viertens – sogar noch ein explizites Geschenk an Griechenland in Form eines Cashpuffers über 15 Milliarden Euro, wohlgemerkt an ein doch angeblich gerettetes Land; das ist die offizielle Erzählung. Nun, kein Finanzprofi glaubt bei 175-Prozent-BIP-Verschuldung Griechenlands heute noch die Lüge von der Schuldentragfähigkeit Griechenlands (Beifall bei der AfD) oder, wie es hier eben genannt wurde, Herr Minister: Griechenland kann nun wieder auf eigenen Beinen stehen. – Das ist wirklich Realsatire. Aber klar, wenn ein Land keinen Zins und keine Tilgung über Jahrzehnte leisten muss, kann es jeden Schuldenberg tragen. Doch das wäre, als ob man einen Gelähmten für gesund erklärte, nur weil er sich gerade nicht bewegen muss. (Beifall bei der AfD) Eine prophylaktische Auszahlung von 15 Milliarden Euro an ein offiziell bereits stabiles Land ist den Bürgern nicht vermittelbar. Die AfD-Fraktion im Haushaltsausschuss hat darum vorgestern per Dringlichkeitsantrag nach § 5 ESM-Finanzierungsgesetz versucht, für den Deutschen Bundestag die Reißleine zu ziehen. Alle anderen Fraktionen haben dieses Ansinnen abgelehnt. Sie sind direkt verantwortlich für die Vollabschreibung mit Ansage von zunächst 15 Milliarden Euro beim ESM; das ist absolut sicher in der Zukunft. (Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: Eine Schande!) Wenn der Bundestag heute die weiteren eben genannten absurden Planungen nicht stoppt, dann werden alle Fraktionen – von links bis FDP – auch für den weiteren Kreditschaden verantwortlich sein. Je nach Rechnung – das steht hier auch drin – wird sich das bei Ausfall der Kredite und Zinsen auf bis zu 50 Milliarden Euro aufsummieren. Also: Was von Deutschland hier verlangt und dem Bundestag heute zugemutet wird, ist ein durch keine ökonomische oder vertragliche Logik zu rechtfertigendes Milliardengeschenk Deutschlands, dem Steuerzahler verkauft über die weiterhin anhaltende absurde Propaganda- und Moralkeule: Ihr dürft doch nicht von Griechenlands Not profitieren, und dem Euro geht es übrigens wieder bestens. – Die hier vorgeschlagenen Maßnahmen sind eine weitere Konkursverschleppung des Euro auf Steuerzahlerkosten, (Beifall bei der AfD) nur um keine Kreditabschreibung und keinen Offenbarungseid der verfehlten Euro-Rettungspolitik leisten zu müssen, nur damit Sie, Herr Minister Scholz, weiterhin sagen können, Kredite seien keine Zahlungen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der AfD) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Nächster Redner ist der Kollege Eckhardt Rehberg, CDU/CSU-Fraktion. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Eckhardt Rehberg (CDU/CSU): Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn ich manche Rede zu Griechenland in den letzten acht Jahren Revue passieren lasse, dann fallen mir auch viele Aussagen zu Irland, Portugal, Spanien und Zypern ein. Wir haben nun das fünfte Land guten Gewissens dahin gebracht, dass es sich zukünftig wieder auf dem Kapitalmarkt wird refinanzieren können. Wenn hier so getan wird, als ob wir zu viel Solidarität geleistet haben, dann frage ich immer wieder: Wer ist der Hauptprofiteur einer stabilen, regelbasierten Euro-Zone? Das ist die Bundesrepublik Deutschland. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Lachen bei der AfD) Ich finde, das muss man herausstreichen, gerade in einer schwierigen Zeit, auch – Herr Scholz, Sie sind darauf eingegangen – nach der Nacht von gestern. Wenn wir die Euro-Zone nicht hätten, würden wir auch auf anderen Gebieten nicht zu Lösungen kommen. Wer wirklich meint, dass jeder in Europa mit seiner eigenen Währung den Herausforderungen der Globalisierung standhalten kann, dem sei ins Stammbuch geschrieben: Wenn wir diesen europäischen Weg in den letzten Jahren und Jahrzehnten trotz vieler Schwierigkeiten nicht gegangen wären, dann wären wir in Europa und wir in Deutschland nicht bei dem Wohlstand, den wir heute haben. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Natürlich kann man immer wieder die Frage stellen: Warum sind die Griechen da reingerutscht? (Martin Hebner [AfD]: Die sind doch noch drin!) Anfang der 2000er-Jahre war der Beitritt in die Euro-Zone. 2010 war der Beginn der Krise. Ja, die Griechen haben über ihre Verhältnisse gelebt: (Zustimmung der AfD) 13 Prozent Defizit im Haushalt. Aber ich glaube, es gab keinen anderen Weg, als Griechenland mit Konditionierungen, mit Reformen dahin zu bringen, wo es heute ist. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Sie sind noch nicht überall über den Berg; nein, das ist nicht so. Aber ohne die Hartnäckigkeit, ohne die Konsequenz, die in den letzten Tagen Bundesfinanzminister Scholz bewiesen hat und die auch sein Vorgänger gezeigt hat, wäre man nicht da. Lieber Wolfgang Schäuble, ich weiß, Sie hören das nicht gerne. Aber ich möchte Ihnen ausdrücklich danken für Ihre Konsequenz, für Ihre Hartnäckigkeit. Die Euro-Zone, Griechenland, die Reformländer wären heute nicht dort, wenn Sie nicht so aktiv und engagiert gearbeitet hätten. Ein herzliches Dankeschön! (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Gerade heute wurde wieder eine mediale Sau durchs Dorf getrieben. Da gibt es einen Professor Meyer, der meint, dass Griechenland einen Schuldenschnitt, einen Schuldenerlass von bis zu 336 Milliarden Euro bekommt, wobei Deutschland mit 52 Milliarden Euro dabei ist. Ich kann diesem Professor nur eins sagen: Wenn die Zahl 336 Milliarden Euro stimmt, dann sind wir mit 94 Milliarden Euro dabei, weil wir 28 Prozent zu tragen haben. Also, eins von beiden kann nicht stimmen. (Fabian Jacobi [AfD]: Und das soll uns jetzt beruhigen?) Lieber Johannes Kahrs, dieser Professor soll an der Universität der Bundeswehr in Hamburg tätig sein. Ich glaube, das sollte man kritisch hinterfragen. Genau an einem solchen Morgen so einen Unsinn in die Welt zu setzen: Von Chefvolkswirten oder von volkswirtschaftlich Gebildeten habe ich gelegentlich die Nase voll. Ich kann Professor Meyer nur sagen: Holen Sie einen Zettel und einen Bleistift raus, rechnen Sie noch mal nach! Es ist dummes Zeug. Ich glaube eher den Zahlen des Bundesfinanzministeriums. (Lachen bei der AfD) – Wissen Sie, ich höre dieses Gelächter, meine Damen und Herren der AfD, seit zehn Jahren hier in diesem Hause, wenn es um unsere Hilfsprogramme für Länder der Euro-Zone geht. Ich kann Ihnen nur eins sagen: So wie Irland, so wie Spanien, so wie Portugal, so wie Zypern Kredite mittlerweile umgeschuldet und zurückgezahlt haben, bin ich optimistisch, dass auch bei den Griechen der Groschen gefallen ist und dass sie eine gute Zukunft haben werden. Da bin ich optimistisch, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Widerspruch bei der AfD) Herr Minister Scholz, Sie legen uns heute vier Punkte vor – eine Stellungnahme, drei Beschlüsse. Ich kann zu den Dingen, die wir heute beschließen sollen, nur sagen: Das ist alles in der Euro-Gruppe in den letzten Jahren vereinbart worden. Es spiegelt sich in den Beschlüssen des Deutschen Bundestages wider. Liebe Kolleginnen und Kollegen der FDP, Christian Lindner fängt jetzt an, das Märchen von einem vierten Programm zu erzählen. Nein, wir schließen das dritte Programm ab, schöpfen es nicht mal voll aus. Deswegen ist das vierte Programm ein Märchen. (Beifall der Abg. Dr. Astrid Mannes [CDU/CSU]) Wenn Sie meinen, wir sind im vierten Programm, kann ich nur eins sagen: Wenn wir Ihrer Auffassung nach gegen geltendes deutsches Verfassungsrecht verstoßen, laufen Sie nach Karlsruhe, verklagen Sie uns. Ich sage Ihnen: Sie werden kein Recht bekommen. Wir sind im dritten Programm und nicht im vierten Programm. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Lassen Sie mich zum Schluss noch ein Wort zum IWF sagen. Übrigens, nach meiner Erinnerung hat nicht der Deutsche Bundestag beschlossen, dass der IWF sich beteiligen soll. Wohl haben wir als Unionsfraktion immer gesagt: Er soll dabei sein. – Und der IWF war dabei. Der IWF war beim dritten Programm dabei, gemeinsam mit der EZB, mit dem ESM und mit der EU-Kommission. Jetzt muss man sich schon die Frage stellen – ich habe das auch öffentlich sehr frühzeitig getan –: Für welchen Preis hält man den IWF auch fiskalisch dabei? Der IWF wollte, dass 10 Milliarden Euro umgeschuldet werden. Herr Minister Scholz, ökonomisch wäre das sogar vernünftig gewesen; denn IWF-Kredite sind nicht ganz billig. Aber – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – dafür wollte er mit 1,6 Milliarden Euro einsteigen. Ein gutes Geschäft? Ein schlechtes Geschäft, meine ich. Das Zweite – ich will da nicht zu doll aus dem Nähkästchen plaudern –: Der IWF hatte viel weiter gehende Vorstellungen, was das Thema Schuldenerleichterung/Schuldenstreckung betrifft. Der IWF hatte ganz andere Vorstellungen, was auch Puffervergrößerungen betrifft usw. usf. Wenn Sie sich die Schuldentragfähigkeitsanalyse des IWF aus dem Jahr 2016 anschauen, werden Sie feststellen: Es hätte nach seiner Maßgabe all dieses, was wir heute auf den Weg bringen, nicht geholfen. Deswegen ist es eine gute Entscheidung gewesen, zu sagen: Die Bedingungen sind so. Herr Minister Scholz, ich weiß, Sie haben hartnäckig verhandelt. Ich kann uns nur raten, zuzustimmen. Ich bin der festen Überzeugung, dass in Griechenland wirklich vieles auf den Weg gebracht worden ist; das ist bei weitem nicht am Ende. Herr Kollege Boehringer, wenn Sie von einer sofortigen Vollabschreibung reden – ich kann nur eines mit auf den Weg geben –: Es geht hier, nebenbei, auch noch um Menschen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Alexander Gauland [AfD]: Das kommt ja immer als Letztes, wenn keine Argumente mehr ziehen! – Dr. Alice Weidel [AfD]: Oh Gott! Um Gottes willen! Ist das peinlich!) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Jetzt erteile ich das Wort dem Kollegen Christian Dürr, FDP. (Beifall bei der FDP) Christian Dürr (FDP): Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Lieber Kollege Rehberg, Sie sagen: Wir sind im dritten Programm, nicht im vierten. – Das ist ja keine Fernsehsendung hier. In der Nacht vom 21. Juni auf den 22. Juni haben die Finanzminister der Euro-Gruppe ein umfangreiches Paket vereinbart, ein Paket aus Schuldenerleichterungen, zusätzlichen Bedingungen, einer erweiterten Überwachung und einem weiteren Cashpuffer in Höhe von 15 Milliarden Euro. Meine Damen und Herren, wir müssen uns an dieser Stelle ehrlich machen: Was ist das anderes (Dr. Alexander Gauland [AfD]: Als ein viertes Programm?) als ein viertes Griechenland-Paket, meine Damen und Herren? Alles andere wäre Augenwischerei. (Beifall bei der FDP und der AfD – Dr. Alexander Gauland [AfD]: Aber die CDU will sich nicht ehrlich machen! – Zuruf der Abg. Ulli Nissen [SPD]) Herr Kollege Rehberg, das ist ein Paket vor allen Dingen auch aus Schuldenerleichterungen. Es gibt eine zusätzliche Zinsersparnis, nämlich eine Senkung der ursprünglich vereinbarten Verzinsung. Die Buchgewinne aus dem Erwerb griechischer Staatsanleihen sollen an Griechenland ausgezahlt werden. Das sind keine echten Gewinne, nebenbei gesagt, sondern: Die EZB hat in einer Phase angekauft, als niemand griechische Staatsanleihen eingekauft hat, (Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: War doch ein gutes Geschäft!) zu einem besonders niedrigen Zins, meine Damen und Herren. Und: Der Beginn der Tilgung und die Zinszahlung werden um weitere zehn Jahre von 2022 auf 2032 verschoben – plus eine Laufzeitverlängerung dieser Kredite um weitere zehn Jahre. Meine sehr verehrten Damen und Herren, auch an dieser Stelle müssen wir uns ehrlich machen. Sie haben gesagt: Der IWF wollte einen Schuldenschnitt, den wir nicht wollten. – Das, meine Damen und Herren, ist ein faktischer Schuldenschnitt für Griechenland, um das auch in aller Klarheit zu sagen. (Beifall bei der FDP und der AfD) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Herr Kollege Dürr, gestatten Sie eine Zwischenfrage der Kollegin Hagedorn, SPD? Christian Dürr (FDP): Ja, bitte schön, Frau Staatssekretärin. Bettina Hagedorn (SPD): Sehr verehrter Herr Kollege Dürr, wir hatten in den letzten Wochen schon häufig Gelegenheit, über dieses Thema im Haushaltsausschuss zu diskutieren, und darum muss ich Ihnen schon sagen, dass ich es ein bisschen befremdlich finde, dass Sie uns im Haus hier jetzt schon zum zweiten Mal ermahnt haben, dass wir uns ehrlich machen sollen. (Dr. Roland Hartwig [AfD]: Ja!) Denn das, was Sie hier gerade gesagt haben, entbehrt jeder Form der Ehrlichkeit. (Beifall bei der SPD – Dr. Marco Buschmann [FDP]: Jetzt bitte eine Frage! – Jürgen Braun [AfD]: Das ist eine plumpe Behauptung, aber keine Frage!) Sie bedienen hier wirklich Ressentiments, möglicherweise auch die „Bild“-Zeitung, (Dr. Marco Buschmann [FDP]: Fragen!) indem Sie behaupten, es sei ein viertes Paket, (Zurufe von der FDP: Frage!) obwohl Sie ganz genau wissen, dass es das dritte Paket ist und dass in diesem dritten Paket vor vielen Jahren knapp 86 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt worden sind, von denen jetzt ungefähr 25 Milliarden Euro gar nicht gebraucht werden, (Beifall bei der SPD) und das ist eine gute Botschaft. (Zurufe von der FDP: Frage!) Das ist eine Botschaft des Erfolgs für Europa und für Deutschland. Ich finde es nicht in Ordnung, dass Sie hier in diesem Hohen Hause (Dr. Marco Buschmann [FDP]: Frage!) solche, entschuldigen Sie bitte, Dinge verbreiten, die schlicht nicht wahr sind. Das ist Diffamierung. (Beifall bei der SPD – Dr. Marco Buschmann [FDP]: Wo war denn die Frage? – Weitere Zurufe: Frage!) Christian Dürr (FDP): Frau Kollegin Hagedorn, ich will das nur in aller Klarheit sagen – ich werde auch gleich noch mal aus den Debatten genau zu diesem Thema zitieren, die hier 2015 geführt wurden, als die FDP nicht im Deutschen Bundestag war; dann können wir über Ehrlichkeit reden an der Stelle –: Wenn man nachträglich Bedingungen eines festgelegten Pakets ändert, wenn man nachträglich der Auffassung ist, dass mehr Liquidität rein muss, als ursprünglich vereinbart war, wenn man nachträglich Zinsen senkt, dann sind das faktische Schuldenerleichterungen, und dann ist das ein neues Paket. Alles andere, Frau Kollegin, ist irrational. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD) Jetzt will ich Ihnen sagen, wie das Hohe Haus 2015 hier diskutiert hat, und den damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zitieren. Im Rahmen der Debatten über das dritte Hilfspaket für Griechenland hat Schäuble klar gesagt: Wiederum ist auch klar, dass ein Schuldenschnitt nicht möglich ist. Und weiter – Stichwort „IWF“ –: Für die Bundesregierung ist unabdingbar, dass der Internationale Währungsfonds mit seiner besonderen Expertise bezüglich Staatsschuldenkrisen weiter an Bord bleibt. Und zum Schluss: Die Euro-Gruppe ihrerseits hat entsprechend der Position der Bundesregierung klar gesagt, dass eine weitere Beteiligung des Internationalen Währungsfonds an diesem Programm auch finanziell unverzichtbar ist. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Herr Rehberg, Sie haben gerade von „regelbasiert“ gesprochen. Das sind die Regeln, die der Deutsche Bundestag selbst aufgestellt hat. An die wird sich jetzt nicht gehalten, und das ist es, was die Menschen in Deutschland stört, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der FDP und der AfD – Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: Das ist lächerlich!) Frau Hagedorn, Sie haben auch auf die Entwicklung in Griechenland Bezug genommen und gesagt, nicht alles, was im Rahmen des ESM möglich gewesen wäre, sei ausgeschöpft worden; das war ja gerade Ihre These. Ich will in aller Klarheit sagen: Die Entscheidung, die hier die Finanzminister der Euro-Gruppe getroffen haben, ist auch aus einem anderen Grunde nicht gerechtfertigt. Gemessen an den Erwartungen im Zusammenhang mit den bisherigen drei Rettungspaketen steht Griechenland tatsächlich besser da, als ursprünglich erwartet, meine Damen und Herren. Es gibt bessere Wachstumsprognosen. Der Haushaltsüberschuss ist höher als erwartet. Wenn man jetzt aber, nach drei Paketen, feststellt, dass Griechenland heute besser dasteht, als ursprünglich erwartet, vor welchem Hintergrund kann man dann noch weitere Schuldenerleichterungen zulassen? Das ist eine Logik, die die Menschen in Deutschland nicht verstehen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der FDP und der AfD – Andrea Nahles [SPD]: Unterirdisch! – Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: Die AfD klatscht mehr Beifall als die FDP! Das sollte Ihnen zu denken geben!) Wenn man die Bedingungen hinsichtlich der nach dem ESM-Vertrag zwingend erforderlichen Schuldentragfähigkeit beim dritten Paket jetzt nachträglich ändert, meine Damen und Herren, dann war die Schuldentragfähigkeit offensichtlich schon damals, 2015, nicht gegeben. Das ist übrigens die Kontinuität bei den Freien Demokraten an dieser Stelle: Wir haben schon 2015, nachdem wir die ersten beiden Rettungspakete hier im Deutschen Bundestag mit verabschiedet haben, gesagt, dass der Verzicht auf eine entsprechende Regelung ein Fehler ist. Es war damals ein Fehler, und es ist heute ein Fehler. Dabei bleibt es, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der FDP und der AfD – Zuruf der Abg. Ulli Nissen [SPD]) Entscheidend ist doch – das ist mir wichtig –, welchen Kurs Griechenland langfristig einschlägt; denn es ist, wie hier alle Kollegen zu Recht gesagt haben, ein sehr langfristiges Paket, über das wir hier reden. Wird Griechenland langfristig einen Weg wie Irland einschlagen, mit marktwirtschaftlichen Reformen, oder wird man in Athen angesichts der Erleichterungen eher bei den Reformbemühungen nachlassen? Meine Damen und Herren, ich will in diesem Zusammenhang an die Situation der Bundesrepublik Deutschland Anfang des vergangenen Jahrzehnts erinnern: Deutschland war damals der kranke Mann Europas. Es waren mutige Reformen einer rot-grünen Bundesregierung mit weitgehender Unterstützung der damaligen schwarz-gelben Opposition, die Deutschland in Europa aus eigener Kraft wieder haben wirtschaftlich erstarken lassen, meine Damen und Herren. (Beifall bei der FDP sowie des Abg. Wilhelm von Gottberg [AfD]) Ich glaube, dass mutige Reformen, die – unabhängig von Konjunkturzyklen – ein Land langfristig erfolgreich machen, aus eigenem Willen geschehen müssen. Die Agenda 2010 wäre so in Deutschland nie gekommen, wenn sie aus Brüssel, London oder Berlin aufoktroyiert worden wäre. (Beifall bei der FDP) Deswegen muss es Griechenland aus eigener Stärke schaffen – das ist die Botschaft –, und da bin ich durchaus zuversichtlich, liebe Kolleginnen und Kollegen. Durch dieses finanziell großzügige und gleichzeitig politisch sehr enge – Stichwort „Bedingungen“ – und langwierige Schlusspaket nehmen wir Griechenland aus meiner Sicht die Chance, eine eigene Reformpolitik zu entwickeln. Es ist ein Paket der dauerhaften Fremdbestimmung. Diese Fremdbestimmung ist genau das, was falsch läuft. Wir haben immer gesagt: Wir stehen bereit, wenn die gesamte Währungszone in Gefahr ist; ich glaube, dann kommt auch die Solidarität der deutschen Steuerzahler zum Tragen. (Zuruf des Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Aber wenn es nur darum geht, einem einzelnen Land von europäischer Seite seine Reformbemühungen zu diktieren, dann wird das langfristig keine erfolgreiche Euro-Rettungspolitik sein, meine Damen und Herren. Das muss sich ändern, auch in der Bundesregierung, um das in aller Klarheit zu sagen. (Beifall bei der FDP sowie des Abg. Hansjörg Müller [AfD]) Wir stellen fest: Finanziell ist der Internationale Währungsfonds bei diesem Schlusspaket nicht mehr an Bord. Faktisch ist es ein Schuldenschnitt, tatsächlich ist es ein viertes Griechenland-Programm. (Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: Sie haben es nicht verstanden! Was wollen Sie jetzt eigentlich noch mal? – Ulli Nissen [SPD]: Ist es nicht das fünfte? – Andrea Nahles [SPD]: Was ist die Alternative?) Ich will in Richtung der Kolleginnen und Kollegen der Union sagen: Das ist das Gegenteil dessen, was die Union ihren Wählerinnen und Wählern – und übrigens auch ihren eigenen Mitgliedern – versprochen hat. Ich glaube, es gibt die Bereitschaft der Menschen, in der Währungszone zu helfen, aber nur dann, wenn man sich am Anfang und am Ende an die Regeln hält. Ich komme zum Ende. Ich frage mich, ob dieses Ergebnis statt unter einem Bundesfinanzminister Scholz auch unter einem Bundesfinanzminister Schäuble so zustande gekommen wäre? Ich weiß es nicht. (Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: Jetzt etwas Konstruktives zum Ende!) Aber war es klug, sich in einer entscheidenden Phase der Zukunft der europäischen Finanz- und Währungspolitik durch innerkoalitionäre Streitereien auch auf europäischer Ebene erpressbar zu machen? Nein, meine Damen und Herren, liebe Kollegen der Union, dieses Verhalten der letzten Wochen war im Hinblick auf die Finanzstabilität und die Währungsstabilität in Europa selten dämlich, um das in aller Klarheit zu sagen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Jetzt erteile ich das Wort dem Kollegen Fabio De Masi, Fraktion Die Linke. (Beifall bei der LINKEN) Fabio De Masi (DIE LINKE): Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Griechenland soll nach Jahren der Entbehrungen an den Finanzmarkt zurückkehren. Zeit, sich ehrlich zu machen! 95 Prozent der Griechenland-Kredite in Höhe von 274 Milliarden Euro flossen in den Schuldendienst, auch an deutsche und französische Banken, nicht an griechische Krankenschwestern oder Rentner. (Beifall bei der LINKEN) Wahr ist auch: Deutsche Finanzminister erzielten mit diesen Krediten Zinserlöse in Höhe von 3 Milliarden Euro. Griechenland wurde das härteste Kürzungspaket einer Industrienation seit dem Zweiten Weltkrieg auferlegt. Die öffentliche Schuldenquote stieg jedoch von etwa 120 Prozent der Wirtschaftskraft auf 180 Prozent, weil Kürzungspakete die Depression vertieften. Auch Ökonomen des Internationalen Währungsfonds haben diese extreme Kürzungspolitik als falsch bezeichnet. Die Griechenlandrettung funktionierte so, als würde ich zu einem Freund gehen, der eine Taverne betreibt und bei mir Schulden hat, und diesem Freund meine Kreditkarte leihen, um damit seine Schulden bei mir zu bezahlen, (Peter Boehringer [AfD]: Nur mit 160 Milliarden!) würde ihn aber zwingen, mir seine Tische und Stühle zu schenken und den Koch zu entlassen, sodass er kein Einkommen mehr erwirtschaftet, und dennoch darauf bestehen, dass er Monat für Monat die Rate für die neuen Kredite überweist. Eine solche Politik ist völlig verrückt, meine Damen und Herren. (Beifall bei der LINKEN) Der „Spiegel“ ließ nach der Sitzung der Euro-Gruppe einen 76-jährigen griechischen Rentner zu Wort kommen. Ich zitiere: „Meine einzige Sorge ist …, wie ich genug Geld für meine Beerdigung sparen kann.“ Griechische Renten wurden bereits um 60 Prozent gekürzt; sie werden 2019 erneut gekürzt. Die Einkommen der Griechen sind auf den Stand von 2003 gefallen; über 300 000 junge Griechen sind ausgewandert. Im Krankenhaus von Nikea gab es fast eine Stunde Stromausfall. Das Notstromaggregat sprang nicht an. Krankenschwestern liefen mit Verlängerungskabeln über die Flure, um den operierenden Chirurgen Strom zu bringen. Intensivpatienten war minutenlang der Strom abgedreht; denn die Infrastruktur in Griechenland verlottert. Doch Athen soll weiter kürzen und privatisieren, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Die hessische Landesregierung intervenierte bei der Troika, damit die profitablen Regionalflughäfen zu Schleuderpreisen an die Fraport AG verkauft wurden – in einem Verfahren mit nur einem Bieter. Sie nennen das Marktwirtschaft, ich nenne das nackte Erpressung. (Beifall bei der LINKEN) Deutschland verkauft immer mehr und billiger ins Ausland, als es von dort einkauft, weil unsere Löhne wegen Hartz IV, Leiharbeit und Befristungen zu niedrig sind. Auch die griechischen Löhne sind seit der Krise um 25 Prozent gefallen. Aber Griechenland exportiert kaum etwas; denn Griechenland wurde durch den Cocktail aus deutschen Exportüberschüssen und Kürzungspolitik deindustrialisiert. Es ist Zeit für eine unbequeme Wahrheit: Griechenland wird die Kredite niemals komplett zurückzahlen können. (Beifall des Abg. Karsten Hilse [AfD]) Sie haben Deutsche Bank und Co Zeit gekauft, damit die Rettungsschirme das Risiko einer griechischen Pleite übernehmen. Die Bundesregierung sollte jedoch die deutsche Geschichte, die Geschichte von Versailles, kennen. Wir sollten nicht vergessen, dass Deutschland 1953 zig Milliarden Euro Schulden durch das Londoner Abkommen erlassen wurden. Aber Sie verweigern weiter eine zukunftsfeste Lösung für die griechischen Schulden, obwohl der IWF klipp und klar sagt, dass Griechenland überschuldet ist. Daran ändern auch die geringfügigen Schuldenerleichterungen nichts. Sie verschieben den Offenbarungseid nur hinter die nächste Bundestagswahl. Griechenland soll noch bis 2060 Haushaltsüberschüsse vor Zinsen erwirtschaften. Dies ist noch keinem Land der Welt gelungen. Ein heute geborenes griechisches Baby wäre bis dahin 42 Jahre alt. Und die Nachprogrammüberwachung soll noch 30 Jahre andauern, bis 75 Prozent der Schulden getilgt sind. Das ist mehr als das Doppelte einer Kanzlerschaft von Frau Merkel. Das Geld, das in den Schuldendienst fließt, fehlt für Investitionen. Nur mit Investitionen kann jedoch ein Strukturwandel in Griechenland gelingen und einer verlorenen Generation wieder Hoffnung gegeben werden. Wir haben den 5. Juli 2015 nicht vergessen. Damals sagte die Mehrheit der Griechen „Oxi“ – Nein – zur Kürzungspolitik. Aber die EZB drehte Griechenland den Euro ab und zwang die Regierung, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, über die Wolfgang Schäuble einmal gesagt haben soll, er hätte so etwas für Deutschland niemals unterschrieben. An diesem Tag starb in Griechenland, der Wiege der Demokratie, auch ein Stück Europa. Mein Freund, der 96-jährige griechische Widerstandskämpfer und Poet Manolis Glezios, der als junger Mann die Naziflagge von der Akropolis holte, dessen Bruder Nikos von deutschen Besatzern hingerichtet wurde, antwortete einmal in meiner Heimatstadt Hamburg auf die Frage, ob er angesichts der Kriegsschulden Deutschlands nicht die Konfiszierung der Goethe-Institute befürworte: Ich liebe Goethe und die deutsche Literatur. Die Deutschen sind unsere Brüder und Schwestern und tragen keine Schuld für ihre Regierung. Niemals würde ich ihre Bücher beschlagnahmen. Ich möchte mich im Namen meiner Fraktion bei den Griechinnen und Griechen für die Politik der Bundesregierung entschuldigen, die so viel unnötiges Leid verursacht hat. (Beifall bei der LINKEN) Den Griechen wünsche ich, dass sie ihr Land nach der Finanzkrise und den Verwüstungen der Troika wieder aufbauen können. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der LINKEN) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Jetzt erteile ich das Wort dem Kollegen Sven-Christian Kindler, Bündnis 90/Die Grünen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Um es am Anfang klar zu sagen: Es war gut und richtig, dass die deutsche Bundesregierung endlich ihre Blockadehaltung bei der Schuldenerleichterung für Griechenland aufgeben musste. Wir Grüne haben das lange gefordert. Das war überfällig. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Griechenland hat seine Verpflichtungen eingehalten, und deswegen ist es auch nur logisch, dass jetzt die Euro-Gruppe ihre Verpflichtungen, ihre Versprechen einhält und ihr Wort hält in Bezug auf Schuldenerleichterungen für Griechenland. (Beifall der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Verträge sind einzuhalten, pacta sunt servanda. Deswegen werden wir Grüne heute der Schuldenerleichterung für Griechenland zustimmen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Dr. Barbara Hendricks [SPD]) Herr Dürr, es reicht nicht, wenn die FDP auf Parteitagen schöne Sonntagsreden zu Europa hält. Aber wenn es konkret wird bei der Frage der Reform der Währungsunion, wenn es konkret wird bei der Frage: „Wie gehen wir mit Griechenland um?“, (Dr. Marco Buschmann [FDP]: Sie riskieren Europa, weil Sie die Akzeptanz Europas aufs Spiel setzen! Für Sie heißt Europa nur Geldverteilen! Sie sparen Europa kaputt!) wollen Sie de facto immer noch, dass Griechenland aus dem Euro austritt, also die Euro-Zone spalten. Wenn es konkret wird, sind Sie gegen Europa. Diese Doppelzüngigkeit, Herr Dürr, finde ich wirklich beschämend. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Herr Boehringer, Sie haben hier im Plenum behauptet, dass wegen des privaten Schuldenschnittes, den es gab, die Hypo Real Estate in Deutschland verstaatlicht worden wäre. Das Gegenteil ist der Fall: 2009 musste die Hypo Real Estate verstaatlicht werden wegen massiver schlechter Finanzgeschäfte, die sie gemacht hat. 2012 gab es den privaten Schuldenschnitt in Griechenland, und daran wurde auch die Hypo Real Estate entscheidend beteiligt. Wenn Sie hier im Plenum reden, dann kriegen Sie die Fakten klar und machen Sie nicht solche Attacken auf Europa. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Abg. Peter Boehringer [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Herr Kollege Kindler, gestatten Sie eine Zwischenfrage? Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ich würde gerne meine Rede zu Ende führen. Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Er gestattet nicht. Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herr Boehringer hatte schon Zeit, dazu zu reden. – Herr Boehringer, wenn Sie auf Ihrer Homepage am 22. Juni 2018 im Zusammenhang mit diesem Griechenland-Paket und Europa von – ich zitiere – „Endsiegpropaganda“ reden, dann wird klar, wes Geistes Kind Sie sind. Das ist Nazisprache. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Sie wollen Europa zerstören und in die dunkelste Phase deutscher Geschichte zurück. Natürlich verdient Deutschland momentan an den griechischen Anleihen, die die EZB gekauft hat, den sogenannten SMP-Gewinnen, und an den Kreditprogrammen, die die KFW aufgelegt hat. Insgesamt sind es fast 2,9 Milliarden Euro. Die Euro-Gruppe hat 2012 – ich sage das noch einmal – beschlossen, dass diese sogenannten SMP-Gewinne an Griechenland ausgezahlt werden. Ich finde, das ist eine Selbstverständlichkeit. Deutschland darf nicht auch noch an der Krise in Griechenland verdienen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN und der Abg. Dr. Barbara Hendricks [SPD]) Deutschland hat an der Finanzkrise in Europa insgesamt mächtig verdient. Den weitaus größten Profit hat Deutschland, der deutsche Bundeshaushalt, aus der historisch niedrigen Zinsphase geschlagen. Rund 162 Milliarden Euro – das muss man im Deutschen Bundestag mal sagen dürfen – hat Deutschland, der deutsche Bundeshaushalt, seit 2008 im Rahmen der Niedrigzinsphase an Zinskosten gespart, (Martin Hebner [AfD]: Was ist mit dem deutschen Sparer?) weil viel Kapital aus Südeuropa nach Deutschland geflohen ist und weil Mario Draghi eine Niedrigzinspolitik gemacht hat. Seien wir doch einmal ehrlich: Ohne Mario Draghi hätte Wolfgang Schäuble diesen Bundeshaushalt nie sanieren können. Das ist doch die Wahrheit. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD) Aber ich will auch klar sagen: Beim Thema „Europa“ geht es nicht nur um Finanzen und Wirtschaft. Deutschland profitiert extrem vom Euro und von der Europäischen Gemeinschaft; aber es geht bei Europa um etwas anderes. Europa ist ein zentrales Friedensprojekt; denn Europa wurde aus der Erfahrung heraus gegründet, dass Nationalismus überwunden werden muss, weil Nationalismus früher oder später immer zu Krieg führt. Europa war die zentrale Lehre aus den schrecklichen Verbrechen des deutschen Nationalsozialismus. Ich finde es angesichts der Debatte, die wir in den letzten Wochen in Deutschland führen, ziemlich geschichtsvergessen, mit welcher Brutalität die CSU und Teile der CDU dieses Europa jetzt infrage stellen und offen mit extrem rechten Politikern wie Orban, Salvini und Strache sympathisieren. Ich sage Ihnen: Dieser Nationalismus ist brandgefährlich. Sie legen die Axt an unser Europa. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Birke Bull-Bischoff [DIE LINKE]) Diese Entwicklung kam ja nicht über Nacht. Wir haben gerade während der Krise in Griechenland extrem nationalistisches Denken in Deutschland erlebt; das hat stark zugenommen. Es gab ein übles Bashing und Beleidigungen durch die „Bild“-Zeitung. CDU-Politiker haben gefordert, dass Griechenland seine Inseln verkauft. Alexander Dobrindt und Markus Söder haben immer wieder gefordert, dass Griechenland aus der Euro-Zone austritt. Auch der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble hat 2015 versucht, Griechenland aus dem Euro zu schmeißen. Ich sage Ihnen: Das hat tiefe Wunden in Europa gerissen. Es war ein Versuch, Europa zu spalten. Zum Glück ist dieser Versuch gescheitert. Ich sage Ihnen auch mit Blick auf die CSU, auf Teile der CDU und gerade heute auch mit Blick auf die FDP: Das dritte Programm für Griechenland wird beendet. Es war gut und richtig, dass Griechenland im Euro geblieben ist. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Es ist jetzt notwendig, dass Griechenland eine klare Perspektive, eine Partnerschaft auf Augenhöhe, geboten bekommt und dass in Griechenland Strukturreformen weiter umgesetzt werden – das haben wir immer unterstützt –, zum Beispiel in der Steuerverwaltung, im Justizsystem oder in der öffentlichen Verwaltung. Es ist aber auch notwendig, dass die Fehler der alten Troika-Politik korrigiert werden. Eine falsche, harte Sparpolitik hat die Krise in Griechenland verschärft. Die Armut ist extrem groß; ein Drittel der Menschen in Griechenland ist von Armut gefährdet. 50 Prozent der Jugendlichen sind arbeitslos. Wir sagen Ihnen klar: Griechenland braucht jetzt eine Perspektive für die Zukunft. Griechenland braucht Luft zum Atmen und den Spielraum für Investitionen, für soziale Maßnahmen, für die Bekämpfung der Armut. Das Herumschubsen Griechenlands muss endlich aufhören. Vielen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Jetzt erteile ich das Wort zu einer kurzen Zwischenintervention dem Kollegen Peter Boehringer, AfD. (Beifall bei der AfD) Peter Boehringer (AfD): Lieber Kollege Kindler, wir müssen zwei Dinge faktisch klarstellen, nachdem Sie ja auch Faktenfehler unterstellt haben. Obwohl Sie zunächst geleugnet haben, dass die Hypo Real Estate verstaatlicht wurde, haben Sie es eigentlich im nächsten Satz selbst ausgesprochen: Sie wurde verstaatlicht. (Zuruf des Abg. Dr. Gerhard Schick [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) – Sie können ja gleich antworten. Im Portfolio der Hypo Real Estate waren eine Menge griechischer Anleihen (Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: 9 Milliarden von 400!) – 9 Milliarden, genau –, (Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: Von 400!) die bis heute Teil des Portfolios des Bundes sind. Sie sollten das wissen. Sie und ich sind ja Berichterstatter zum Einzelplan 32 des Bundeshaushaltes, und da wird dieses Portfolio, das heute in München bei der FMS Wertmanagement verwaltet wird, konsolidiert, indem Zahlungen rein- und rausgeschoben werden. Das sind die Fakten. Insofern ist es nicht falsch, hier zu sagen, dass die Abschiebung, (Lachen bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) die Abschreibung dieser Kredite auf die lange Bank geschoben wird. Das ist genau das Gleiche wie bei allen Krediten, über die wir hier reden. Das war also kein Faktenfehler. Das sind die Fakten. Sie meinten auch, beim Thema „falsche Terminologie“ wieder einmal Mimimi machen zu müssen und Stilfragen aufmachen zu müssen. Das ist ja das Einzige, was Ihnen hier noch einfällt gegen unsere Argumente. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Welche Argumente?) „Endsieg“, meine Damen und Herren, ist ein Nazibegriff. „Endsiegpropaganda“ ist das genaue Gegenteil. Es ist ein abwertender Begriff gegen die Endsiegideologie des Naziregimes. (Beifall bei der AfD) Genau so habe ich ihn auf meiner Homepage auch gebraucht. Ich habe „Endsiegpropaganda“ gebraucht im Sinne von: Das Ende ist klar. 1944/45 wusste das Naziregime, dass es zu Ende gehen würde. (Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Ihr habt immer eine Ausrede!) Die Propaganda wurde aufrechterhalten. Da gibt es durchaus Analogien zu einigem, was wir hier heute gehört haben: Das Ende ist sicher, aber es wird noch geleugnet. Deshalb ist das in keiner Weise eine Verharmlosung der Zeit von 1933 bis 1945. Ich bitte, diesen Blödsinn endlich einzustellen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der AfD – Ulli Nissen [SPD]: Sie sollten den Blödsinn einstellen! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wieso schreibt der immer was auf, was er dann nachher nicht mehr weiß? Das war doch bei der Merkel-Beleidigung auch so!) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Herr Kollege Kindler, Sie mögen offensichtlich, also dürfen Sie antworten. Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Herr Präsident, ich werde gerne antworten. – Herr Boehringer, Sie haben hier im Plenum behauptet, dass die Hypo Real Estate wegen der Abschreibungen im Zuge des Schuldenschnitts in Griechenland verstaatlicht worden sei. (Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: Das ist Blödsinn! – Peter Boehringer [AfD]: Lesen Sie doch das Protokoll!) Das ist ein Faktenfehler, das war einfach Blödsinn. Gut, dass Sie das hier korrigiert haben. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Jürgen Braun [AfD]: Darum geht’s doch gar nicht!) Es ist ja auch immer sehr erstaunlich, dass Sie sich nachher nicht erinnern können, was Sie alles mal im Internet geschrieben haben. (Peter Boehringer [AfD]: Ich habe das geschrieben wie eben gesagt! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: „Merkelnutte“ hat er gesagt!) – Die vulgäre Beleidigung der Kanzlerin will ich hier gar nicht wiederholen, weil sie so schlimm ist. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Jürgen Braun [AfD]: Oh! Die linksgrüne Kanzlerin!) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Kollege Kindler hat der Zwischenbemerkung des Kollegen Boehringer in aller Ruhe zugehört. Tun Sie jetzt bitte dasselbe. (Beifall bei der SPD, der FDP, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Herr Präsident. – Sie müssen sich das schon zuschreiben lassen und auch dazu stehen, wenn Sie Begriffe, die in der Nazizeit gebraucht wurden, selber benutzen. (Armin-Paulus Hampel [AfD]: Oh!) Dazu müssen Sie stehen. (Jürgen Braun [AfD]: „Autobahn“, oder was? Sie fahren nicht auf der Autobahn!) Und wenn Sie hart austeilen, dann müssen Sie auch Kritik einstecken können. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP) Wenn Sie Begriffe wie „Endsiegpropaganda“ benutzen, wird völlig klar, wes Geistes Kind Sie sind; (Jürgen Braun [AfD]: Unglaublich!) das ist doch klar. (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Dr. Alexander Gauland [AfD]: Hören Sie mit dem Quatsch auf!) Sie wollen dieses Europa diffamieren, Sie wollen dieses Europa zerstören, Sie wollen zurück in den Nationalismus, Sie wollen zurück in die dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte. (Jürgen Braun [AfD]: Primitiver geht es nicht mehr!) Das ist doch klar bei der AfD. Das wird jede Woche hier im Plenum des Deutschen Bundestages klar, und das werden wir Ihnen nicht durchgehen lassen. (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Jetzt erteile ich das Wort dem Kollegen Achim Post, SPD-Fraktion. (Beifall bei der SPD) Achim Post (Minden) (SPD): Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Einigung der Finanzminister zu Griechenland ist eine gute Nachricht – für Europa, für Griechenland und für Deutschland. Erstens: Es ist eine gute Nachricht für Europa, weil die Einigung zeigt, dass Europa handlungsfähig ist und Probleme in den Griff bekommen kann. Ich weiß, das dauert manchmal etwas länger in Europa, das ist nun einmal so – in diesem Fall acht Jahre –; aber die jetzt gelungene Einigung auf den Abschluss des dritten Hilfsprogramms für Griechenland zeigt: Mit Geduld, mit Verhandlungen, mit Vernunft bekommt man gemeinsame Lösungen hin, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Das ist ein gutes Signal, das gerade in diesen Tagen wichtig ist; denn eines ist wohl klar: Wenn in der Griechenland-Frage nationale Egoisten oder politische Hasardeure die Oberhand gewonnen hätten, dann stünden wir heute nicht vor einem Abschluss des Hilfsprogrammes, sondern vor einem politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Scherbenhaufen in Europa. (Beifall bei der SPD) Das Paket, auf das sich die Finanzminister geeinigt haben, ist ausgewogen und vernünftig. Es wird ein ordentlicher Liquiditätspuffer eingebaut. Es ist klar vereinbart, dass Griechenland den eingeschlagenen Reformkurs fortführt, überwacht durch die europäischen Institutionen und auch mit der Expertise des IWF. Und mit der technischen Hilfe bei der Umsetzung von Reformen geht es um ganz konkrete, praktische und nachhaltige Dinge: bei der Zoll- und Steuerverwaltung, bei der Einrichtung eines Grundbuchs, im Bereich der erneuerbaren Energien, bei der Exportförderung. Mein Dank gilt dem Bundesminister der Finanzen, der dieses Paket in den letzten Wochen ohne großes Wellenschlagen seriös und solide verhandelt hat. (Beifall bei Abgeordneten der SPD) – Ja, da können Sie ruhig klatschen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Und auch das sei an dieser Stelle gesagt: Die Art und Weise, wie diese Einigung zustande gekommen ist, ruhig, mit einem vernünftigen Ergebnis, hebt sich erfrischend von den Dramen und Last-minute-Showdowns der Vergangenheit ab. Es geht also auch anders, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD) Die Einigung ist zweitens auch für Griechenland eine gute Nachricht. Nach acht Jahren kann Griechenland nun die Rettungsschirme wieder verlassen. Das ist ein Schritt, dessen Bedeutung für Griechenland politisch, ökonomisch, aber auch symbolisch nicht zu unterschätzen ist; denn – das müssen wir uns auch vergegenwärtigen – die Anstrengungen Griechenlands, der griechischen Regierung und der griechischen Bevölkerung waren und sind enorm. Griechenland hat seit 2009 seine Staatsausgaben um 30 Prozent reduziert. Griechenland musste Renten und Löhne kürzen, Steuern erhöhen und die Troika akzeptieren. Ich verstehe sehr gut, dass den Menschen in Griechenland oftmals heftig zugesetzt wurde und dort vieles als verletzend empfunden wurde. Deshalb gilt meine Solidarität auch den griechischen Bürgerinnen und Bürgern. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Eckhardt Rehberg [CDU/CSU]) Eines sollten wir beherzigen: Solide Finanzen, Strukturreformen, Wachstumsinvestitionen und sozialer Ausgleich müssen von vornherein zusammengedacht und besser als in der Vergangenheit zusammengebracht werden. (Beifall bei Abgeordneten der SPD) Drittens: Die Einigung ist auch eine gute Nachricht für Deutschland. Zusammen mit unseren europäischen Partnern waren wir zu erheblicher Solidarität gegenüber Griechenland bereit. Das Volumen der Kredite aus den drei Hilfsprogrammen beläuft sich derzeit auf fast 230 Milliarden Euro. Das ist sehr viel Geld. Dass Europa und dass unser Land zu einer solchen Kraftanstrengung der Solidarität bereit waren, ist etwas, worauf wir durchaus stolz sein können. (Beifall bei der SPD) Schließlich ist es auch in unserem Interesse, dass nun das letzte Hilfsprogramm im August ausläuft. Damit machen wir einen großen Schritt nach vorne, der die realistische Chance bietet, dass Griechenland künftig wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Zusammengefasst: Wir sollten uns in diesen Tagen vergegenwärtigen, worum es eigentlich geht. Wir erleben gerade, wie Europa in beispielloser Art und Weise herausgefordert wird: von den USA, von Russland und von China. Zugleich sind gefährliche Nationalisten dabei, Europas Einheit von innen aufzusprengen. In dieser Lage kann es sich Europa schlicht nicht leisten, lösbare Probleme wie die Griechenland-Frage nicht zu lösen. In dieser Lage müssen wir uns auf das Wesentliche besinnen, und das ist vor allem eines, nämlich den Zusammenhalt Europas zu sichern, liebe Kolleginnen und Kollegen; (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) denn ohne den Zusammenhalt Europas müssten wir uns wirklich Sorgen machen. Hören wir also nicht auf Populisten oder Kleinkrämer! Setzen wir gemeinsam auf die Kraft Deutschlands und Europas! Setzen wir gemeinsam auf die Kraft der Vernunft, und setzen wir gemeinsam auf kluge Kompromisse! In diesem Sinne: Schönen Dank und eine gute Debatte! (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Nächster Redner ist der Kollege Dr. Harald Weyel, AfD. (Beifall bei der AfD) Dr. Harald Weyel (AfD): Geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Bürger, die die Zeche zahlen! Liebe Kollegen der Altparteien, (Ulli Nissen [SPD]: Fällt Ihnen nichts Neues ein?) im Jahr 2010 haben Sie per Fingerschnipsen die kalte Enteignung der deutschen Sparer eingeleitet. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Sie haben dem sogenannten ersten Griechenland-Rettungspaket zugestimmt und dadurch eine Niedrigzinsphase erzwungen, die Millionen Deutsche bis heute um die Früchte ihrer Sparsamkeit bringt. (Beifall bei der AfD – Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist Quatsch!) Sie haben uns ein milliardenschweres Haftungsvolumen aufgebürdet. Sie haben mit Ihrer sogenannten Griechenland-Rettung in erster Linie französische Banken gerettet, die in Griechenland engagiert waren. (Zuruf von der LINKEN: Und deutsche!) Hier ein Beispiel für die jetzige Bonitätsvortäuschung nach Euro-Muster – Zitat aus dem „Handelsblatt“ vom 22. März dieses Jahres –: Mehr als 400.000 Griechen bekommen dieser Tage Post von ihrer Bank. Die Briefe enthalten ein verlockendes Angebot: Mit einer einmaligen Abschlagszahlung können sich Schuldner, die ihre Kredite nicht mehr bedienen, freikaufen. Je nach Einzelfall bieten die Banken an, auf ihre Forderungen zu verzichten, wenn der Kunde binnen weniger Wochen zwischen zehn und 30 Prozent der ausstehenden Kreditsumme zurückzahlt. Tatsächlich beruht dieser Abbau ausfallgefährdeter Kredite also nicht auf wirtschaftlichem Erfolg, wie die 489 Seiten suggerieren, sondern auf einem massiven Forderungsverzicht. Dieses Durchlügen bis zur Bankenunion wird sozusagen international unterstützt. Ihre Politik richtet sich gegen die Interessen unseres Landes. Sie sind Vertreter der Finanzindustrie. Ihre Politik setzt auf untaugliche Konzepte und untergräbt das Vertrauenskapital in unserer Gesellschaft. (Beifall bei der AfD) Ein ehrlicher Handwerker bekommt von Ihnen keinen Cent, wenn er von einem kriminellen Bauträger um sein Geld geprellt wird und in die Insolvenz gehen muss. Griechenland hingegen wurde mit der Hilfe einer interessierten Investmentbank in die Euro-Zone geschleppt und mit frisierten Zahlen durchgeschmuggelt. Dieses Täuschungsmanöver wird von Ihnen bis heute mit deutschem Steuerzahlergeld belohnt, und das, obwohl Sie ganz genau wissen, dass dieses Geld nie zurückgezahlt wird. (Beifall bei der AfD) Der Zahltag wurde nun mal eben von 2023 auf 2033 gestreckt. Warum nicht gleich auf 3033? (Beifall bei der AfD) Wir als AfD nennen die Dinge beim Namen: Was Sie betreiben, ist staatlich organisierte Konkursverschleppung. Das ist mit uns nicht zu machen. Wir investieren lieber Milliardenbeträge in die Zukunft unseres Landes, in eine funktionierende Infrastruktur zum Beispiel. Damit meine ich nicht etwa nur zeitgeistpolitisch verhunzte Bildung oder allerlei Digitales. Die DZ Bank hat letztes Jahr ausgerechnet, dass die EZB-Nullzinspolitik uns über die Jahre bisher 340 Milliarden Euro an Zinseinnahmen gekostet hat und andererseits – ja, gespart wurde auch – bei Krediten 145 Milliarden Euro weniger gezahlt wurden. Das heißt, in Summe sind 200 Milliarden Euro futsch. 200 Milliarden Euro Miese für deutsche Haushalte. Wir stellen die Interessen der deutschen Bürger in den Mittelpunkt und nicht die der Finanzindustrie. (Beifall bei der AfD) Wir möchten, dass der deutsche Sparer künftig wieder die Früchte seines Konsumverzichtes in Form von Zinsen erntet. Wir stehen für eine Antikonkursverschleppungsfinanzmarktpolitik und weisen den hier vorgelegten Antrag zurück. Danke fürs Aufpassen im Fall des Falles. (Beifall bei der AfD) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Nächster Redner ist der Kollege Christian Haase, CDU/CSU. (Beifall bei der CDU/CSU) Christian Haase (CDU/CSU): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen über Griechenland, wieder einmal. Bei der Vorbereitung auf die heutige Rede ist mir ein Ohrwurm in den Kopf gekommen: Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da? Habt ihr auch so gut geschlafen, na dann ist ja alles klar. (Dr. Marco Buschmann [FDP]: Wie sehr wollen Sie die Debatte noch banalisieren? Das ist vollkommen unangemessen!) Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, mein ostwestfälischer Kollege Ralph Brinkhaus sollte recht behalten, als er 2015 an diesem Rednerpult sagte: Wir werden noch häufig in diesem Hohen Hause über Griechenland sprechen. (Peter Boehringer [AfD]: Ja! Beenden Sie den Wahnsinn einfach!) Doch heute sprechen wir zum Glück aus einem ganz anderen Anlass als 2015 über Griechenland. (Dr. Marco Buschmann [FDP]: Nein, das ist leider der gleiche!) Lassen Sie uns einmal zurückblicken: 2015 hatten wir in Europa die globale Finanzkrise noch nicht überwunden. Zwischenzeitlich hatten wir fünf Länder unter dem Euro-Rettungsschirm. Vier davon konnten wir wieder fit machen und somit zeigen, dass die EU-Politik der Reformen wirkt. Nur beim größten Sorgenkind wollten keine rechten Fortschritte gelingen. Daher mussten wir 2015 das Programm für Griechenland erneuern. Ich erinnere mich noch ganz genau an die hitzigen und intensiven Debatten zu diesem Thema im Sommer 2015. Wir hatten eine Sondersitzung in den Parlamentsferien. Alle Abgeordneten mussten aus dem Urlaub zurück nach Berlin kommen. Im Gepäck war nicht nur der Frust über den abgebrochenen Sommerurlaub mit der Familie, sondern auch jede Menge Zweifel. Wir haben daran gezweifelt, ob wir der griechischen Regierung vertrauen können, die bitteren Reformen auch wirklich umzusetzen. Wir haben daran gezweifelt, ob die Bürgerinnen und Bürger Griechenlands, die sich auf den Straßen versammelt hatten, die Reformpolitik tatsächlich mittragen würden. Wir hatten Bedenken, wie wir die richtige EU-Politik zu Hause in den Wahlkreisen erklären sollten. Viele Fragezeichen standen im Raum, und wir haben uns die Entscheidung 2015 wirklich nicht einfach gemacht. Dabei schaue ich mir die Situation auch immer durch die kommunale Brille an. Man darf die Auswirkungen solcher Reformen auf die kommunale Ebene nicht unterschätzen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Ich war zuletzt 2016 in Griechenland, um Gespräche mit den verschiedenen politischen Ebenen zu führen und auch die Stimmung vor Ort mitzunehmen. Ich kann Ihnen sagen: Die Probleme, die unsere deutschen Kommunen haben, würden sich die griechischen Kommunen wünschen. Nur durch Improvisieren, Nichtfragen und mutiges Handeln konnte ein Zusammenbruch der kommunalen Ebene verhindert werden; aber so sind Kommunale nun einmal. Geholfen hat die Deutsch-Griechische Versammlung. Sie hat innerhalb weniger Jahre ein dynamisches Netzwerk aus Kommunen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft entwickelt, bei dem wir jetzt anknüpfen können. (Beifall der Abg. Sonja Amalie Steffen [SPD]) Hier danke ich besonders unserem Parlamentarischen Staatssekretär, Herrn Fuchtel, für sein Engagement. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Meine Damen und Herren, 2015 haben Deutschland und die europäischen Partner zusammen mit den Institutionen ein Paket geschnürt, welches man im Lehrbuch „Wie saniert man ein Land?“ finden kann. Die Auflagen und Maßnahmen wurden nicht nur an einen strengen Zeitplan geknüpft, sondern auch engmaschig kontrolliert. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Wolfang Schäuble, der Deutschland als Finanzminister mit der richtigen Mischung aus Solidität und Solidarität durch diese schwierige Zeit geführt hat. Wir haben aus dieser Zeit gelernt, dass Europa und insbesondere die Euro-Zone – wie jede Familie – nicht immer eine Schönwetterveranstaltung sind. Manchmal rappelt es auch ordentlich, (Abg. Christian Dürr [FDP] meldet sich zu einer Zwischenfrage) und wir haben gelernt, dass wir alle eng miteinander verflochten sind. Am Ende haben wir die richtigen Lehren gezogen und die Euro-Zone als Ganzes stabiler gemacht. Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Herr Kollege Haase, gestatten Sie eine Zwischenfrage? Christian Haase (CDU/CSU): Nein, die Kollegen warten auf die namentliche Abstimmung. (Beifall des Abg. Karsten Hilse [AfD]) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Er gestattet sie nicht. Christian Haase (CDU/CSU): Heute stehen wir hier, meine Damen und Herren, und können auf die Anstrengungen der letzten Jahre zurückblicken. Viele waren sich sicher, dass dieser Moment nie kommt. Aber im August ist es so weit: Griechenland verlässt geordnet den Euro-Rettungsschirm. Nach acht Jahren kann sich Griechenland wieder am Kapitalmarkt refinanzieren. Das Prinzip „Finanzhilfen gegen Reformen“ wirkt. Dabei sind die Mittel des dritten Hilfsprogramms noch nicht einmal ausgeschöpft. Sorgen macht jetzt noch die Tragfähigkeit der griechischen Staatsschulden. Ein Schuldenstand in Höhe von 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist eine gewaltige Belastung. Diesen Schuldenberg abzuarbeiten, wird Jahrzehnte dauern. Eine langfristige Tragfähigkeit erfordert daher verbesserte Bedingungen im Hinblick auf den Schuldenstand. Die Euro-Gruppe hat dazu ein angemessenes Maßnahmenpaket entwickelt. Es umfasst – wiederum gegen Auflagen – unter anderem längere Laufzeiten für die Kredite und die Auszahlung von Gewinnen aus den Hilfsprogrammen an Griechenland. Meine Damen und Herren, zwei Punkte sind für mich hier wichtig: Erstens. Es gibt keinen Schuldenerlass oder Schuldenschnitt. Zweitens. Der Internationale Währungsfonds wird mit seiner Expertise an der Nachprogrammüberwachung mitwirken. Der IWF bleibt mit seinen Darlehen aus dem ersten Hilfsprogramm engagiert. Die Forderungen nach einem Rückkauf der alten IWF-Darlehen sind vom Tisch. Vierteljährlich wird sich Griechenland einer verstärkten Überwachung durch die Institutionen stellen müssen. (Zuruf von der LINKEN: Unglaublich!) Damit stellen wir sicher, dass die griechische Regierung auf Reformkurs bleibt. Nur so können unsere Hilfen langfristig auf einen fruchtbaren Boden fallen. Meine Damen und Herren, die Sorgen sind noch nicht ganz verschwunden. Aber es sieht doch besser aus, als wir vor drei Jahren gedacht haben. Jetzt muss der Deutsche Bundestag hier am Ball bleiben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Dann erteile ich jetzt dem Kollegen Christian Dürr das Wort zu einer Zwischenintervention. Christian Dürr (FDP): Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Kollege Haase, ich habe eigentlich nur eine ganz kurze Zwischenfrage, die Sie ruhig hätten zulassen können. Sie haben ja sehr wortreich beschrieben, dass Sie im Jahr 2015 in der Sommerpause Ihren Urlaub abbrechen mussten, hier zusammengekommen sind und dann gemeinsam einen Beschluss gefasst haben. Ich will auf das Thema IWF zurückkommen, Herr Haase. Damals hat die Große Koalition einmütig beschlossen, dass der IWF an Bord bleiben soll, insbesondere auch finanziell im Rahmen des dritten Hilfspakets. Ist das aus Ihrer Sicht ex post betrachtet, also aus der Sicht von heute, dem Jahr 2018, der Fall gewesen, oder lag die Große Koalition damals schlicht falsch und hat nicht Wort gehalten? (Beifall bei der FDP – Ulli Nissen [SPD]: Das war doch keine kurze Frage!) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Herr Kollege Haase, mögen Sie antworten – auch wenn die Kollegen auf die Abstimmung warten? (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Christian Haase (CDU/CSU): Ja. Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Bitte sehr. Christian Haase (CDU/CSU): Ich mache es ganz kurz: Ja, der IWF ist an Bord. Das haben wir damals versprochen und halten es heute ein. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Lachen bei Abgeordneten der FDP) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Danke sehr. – Jetzt erteile ich das Wort der Kollegin Dr. Frauke Petry. Dr. Frauke Petry (fraktionslos): Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die wichtigsten Fakten zu den über 15 Milliarden Euro, die wir heute ausgeben, in zwei Minuten. Wir brauchen eine Abstimmung. Wäre alles nach Plan gelaufen, müsste dieser Bundestag nicht erneut debattieren und abstimmen. Das sollten Sie den Bürgern der Ehrlichkeit halber sagen. Zusätzlich zu 15 Milliarden Euro bekommt Griechenland bis zum Jahr 2032 weitere 34 Milliarden Euro Zinsen gestundet – ebenfalls Geld, das bei einem normalen Verlauf des Kreditvertrages zu zahlen wäre. Zusätzlich – das wurde hier bereits gesagt – hat Griechenland eine faktische Schuldenquote von deutlich über 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Trotzdem – es ist immer wieder erstaunlich – ist die Koalition optimistisch, dass Griechenland es schafft. Nur zum Vergleich: Jeder private Häuslebauer, der Kredite bei einer Bank aufnimmt – egal ob bei einer Sparkasse oder einer Privatbank –, hat sich an die Kreditverträge zu halten. Wenn er die Kreditmittel nicht ausschöpfen möchte, dann bezahlt er dafür. Er bekommt kein Geld, er bekommt nichts erlassen, sondern er bezahlt der Bank den Zinsverlust, eine Vorfälligkeitsentschädigung. Was passiert hier? Hier werden Bedingungen geändert, aber sie werden nicht verschärft. Sie werden erleichtert. Liquidität, Zinsen, Tilgungserleichterungen: Darüber stimmen wir heute ab. Meine Damen und Herren, ich frage mich: Warum das alles, wenn es Griechenland angeblich besser geht? Entweder sind die Prognosen zu optimistisch und stimmen nicht, oder wir erkaufen uns möglicherweise Griechenlands politische Zustimmung zu anderen europäischen Vorhaben. Ein letztes Wort zu all jenen, die immer gebetsmühlenartig wiederholen, wir, die Deutschen, hätten am meisten vom Euro und der Europäischen Union profitiert: Wenn es denn so ist, dann sollten Sie Zahlen vorlegen. Rechnen Sie das den Bürgern vor, und vergessen Sie bitte nicht, vorher 1 Billion Euro an Target2-Salden, Rettungspakete, Kredite, Negativzinsverluste für deutsche Steuerzahler und nicht zuletzt politische Verwerfungen in diesem Europa des Jahres 2018 hineinzurechnen. Herzlichen Dank. (Beifall des Abg. Mario Mieruch [fraktionslos]) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Letzter Redner in dieser Debatte, für den ich angesichts der bevorstehenden Abstimmung auch dieselbe ungeteilte Aufmerksamkeit erbitte, ist der Kollege Alois Rainer, CDU/CSU. (Beifall bei der CDU/CSU) Alois Rainer (CDU/CSU): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Dass das Griechenland-Programm nun ausläuft, ist eine gute Nachricht. Europa hatte es wahrlich mit einer großen Herausforderung zu tun, und Stand jetzt kann man sagen: Europa hat diese Herausforderung bis jetzt respektabel gemeistert. (Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie des Abg. Eckhardt Rehberg [CDU/CSU]) Mit dem Auslaufen des Programms ist Griechenland wieder ausschließlich auf den Kapitalmarkt angewiesen, wenn es sich finanzieren will. Griechenland bekommt dann dort auch Geld. Bereits letztes Jahr haben sie erfolgreich damit begonnen, Anleihen zu emittieren. In den letzten Tagen hat die Ratingagentur Standard & Poor’s zudem die Kreditwürdigkeit Griechenlands von B auf B+ hochgestuft. Wenn man sich mit den Ratings auseinandersetzt, dann weiß man: Das ist noch immer kein besonders gutes Rating. Man kann aber doch sagen: Griechenland kann sich wirtschaftlich stabilisieren, wenn es sich an folgenden zwei Leitplanken orientiert: Die eine ist die Haushaltsdisziplin, und die andere, daraus folgende ist ein Wirtschaftswachstum. Die griechische Regierung hat sich zu einem Primärüberschuss von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verpflichtet. Das ist gut. Nach 2022 muss das Land die europäischen Fiskalregeln einhalten. Nach Berechnung der EU-Kommission impliziert dies einen Primärüberschuss von 2,2 Prozent zwischen 2023 und 2060. Das ist ebenfalls gut. Griechenland hat sich zudem eine Wachstumsstrategie gegeben, und der IWF und die EU-Kommission begleiten diesen Prozess sehr intensiv. Das ist noch besser. Ich bin froh, dass wir als Europäer die Möglichkeit haben, Vergünstigungen, die wir Griechenland zugesagt haben, am Ende der Tage wieder einzukassieren, falls die zugesagten Strukturreformen ausbleiben sollten. Das ist notwendig, auch wenn ich hoffe, dass diese Maßnahmen nie nötig werden und von diesem Sanktionsmechanismus nie Gebrauch gemacht werden muss. Ich vertraue ein Stück weit darauf, dass auch Griechenland aus der Krise gelernt hat und die griechische Regierung von sich aus entsprechend umsichtig handeln wird. Haushaltsdisziplin ist mehr als alles andere auch im Interesse der eigenen Bevölkerung, genauso wie eine wachstumsorientierte Politik. Meine Damen und Herren, ich habe mir den BMF-Antrag, so gut es angesichts der vielen Seiten in der vorhandenen Zeit ging, angeschaut, insbesondere die Tabelle, in der die Schuldentragfähigkeitsanalyse der EU-Kommission dargestellt wird. Den dort prognostizierten Bruttofinanzierungsbedarf müsste Griechenland meines Erachtens bei vernünftiger Politik stemmen können. Er liegt bei ungefähr 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Insofern liegt nun der Ball ganz klar bei Griechenland. Man kann kein Land zu seinem Glück zwingen, aber man kann versuchen, ihm Chancen zu eröffnen. Wenn Griechenland, meine Damen und Herren, diese Chancen nutzt und wir am Ende alle auf eine positive Entwicklung blicken, auch diejenigen, die in der Glaskugel oder im Kaffeesatz etwas anderes lesen, dann denke ich: Waren das ganze Programm und auch die ganzen Diskussionen, die wir in diesem Hohen Hause und in den einzelnen Fraktionen geführt haben, die Mühe wert? Ich hoffe, wir bekommen heute eine überzeugende Mehrheit für dieses Programm und dass wir in Europa weiter gut miteinander arbeiten können. Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Damit schließe ich die Aussprache. Wir kommen jetzt zur Abstimmung über den Antrag des Bundesministeriums der Finanzen auf der Drucksache 19/2961 mit dem Titel „Finanzhilfen zugunsten Griechenlands: Vierte und letzte Überprüfung des ESM-Anpassungsprogramms, mittelfristige schuldenbezogene Maßnahmen“. Wir stimmen über den Antrag auf Verlangen der Fraktion der FDP namentlich ab. Mir liegen zur Abstimmung mehrere schriftliche Erklärungen nach § 31 unserer Geschäftsordnung vor, die zu Protokoll genommen werden.1  Anlagen 2 und 3 Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, die vorgesehenen Plätze einzunehmen. Sind alle Plätze an den Urnen besetzt? – Das ist offenbar der Fall. Dann eröffne ich die Abstimmung über den Antrag. Ist noch ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine Stimme nicht abgeben konnte? – Das ist offenbar nicht der Fall. Dann schließe ich die Abstimmung. (Kerstin Vieregge [CDU/CSU]: Ich habe meine Stimme noch nicht abgegeben!) – Ja, Entschuldigung. Jetzt habe ich die Abstimmung geschlossen. Da müssen Sie schon ein bisschen früher zuhören und reagieren. Jetzt bitte ich die Schriftführerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung zu beginnen. Das Ergebnis der Abstimmung wird später bekannt gegeben.2  Ergebnis Seite 4439 C Ich bitte, wieder Platz zu nehmen, damit wir fortfahren können. (Glocke des Präsidenten) Ich rufe den Tagesordnungspunkt 20 auf: Beratung des Antrags der Abgeordneten Katja Suding, Nicola Beer, Mario Brandenburg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern – Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen Drucksache 19/2988 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (f)  Ausschuss für Wirtschaft und Energie  Ausschuss Digitale Agenda Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für die Aussprache 60 Minuten vorgesehen. – Ich sehe keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen. Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort der Kollegin Katja Suding, FDP. (Beifall bei der FDP) Katja Suding (FDP): Vielen Dank. – Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Dauerstreit zwischen den Unionsschwesterparteien hat die politische Arbeit der Bundesregierung merklich gelähmt. Eine erste Bilanz nach 100 Tagen zeigt deutlich, dass die Neuauflage einer schwarz-roten Koalition keinen Gestaltungswillen hat, unser Land in drängenden Zukunftsfragen voranzubringen. (Beifall bei der FDP) Eigentlich hätte sie der nationale Bildungsbericht, der letzte Woche vorgestellt wurde, doch endlich wachrütteln müssen. Er stellt dem deutschen Bildungssystem ein blamables Zeugnis aus. Wer aus einem Nichtakademikerhaushalt stammt, hat inzwischen noch deutlich schlechtere Chancen als noch vor wenigen Jahren. Auch die Ungleichheit zwischen den Regionen nimmt deutlich zu. Die Herkunft – sei es aus dem Elternhaus oder Bundesland – bestimmt stärker die Zukunftschancen unserer Kinder, und das immer mehr. Das dürfen wir nicht länger akzeptieren. Hier muss dringend gehandelt werden. (Beifall bei der FDP) Die Bundesregierung hat sich nun auf den Weg gemacht, das Grundgesetz ein weiteres Mal zu ändern und das sogenannte Kooperationsverbot im Bildungsbereich weiter abzuschwächen. Das finden wir grundsätzlich richtig. Vergessen Sie aber eines nicht: Sie haben gar keine eigene Mehrheit für die Grundgesetzänderung. Ich gehe davon aus, dass Sie bei der Suche nach Unterstützung auf die Stimmen der FDP nicht verzichten wollen. Deshalb sollten Sie genau zuhören, welche Vorstellungen wir haben. Mit der vom Kabinett beschlossenen Vorlage verpassen Sie die Chance auf eine umfassende Reform des Bildungsföderalismus. Wir brauchen auf jeden Fall bundesweit einheitliche und sehr ambitionierte Bildungsstandards für mehr Qualität, (Beifall bei der FDP) damit alle Kinder unabhängig von ihrem Wohnort die gleichen Bildungschancen haben, damit ein Umzug in ein anderes Bundesland keine Katastrophe mehr für Familien mit schulpflichtigen Kindern ist. Dafür hat heute keiner mehr Verständnis. (Beifall bei der FDP) Ebenfalls hat niemand mehr Verständnis dafür, dass der seit 2018 vollmundig angekündigte DigitalPakt immer noch nicht da ist. Das digitale Lernen bietet riesige Chancen für unsere Kinder, gerade auch für Kinder aus bildungsfernen Familien. Schüler können in ihrem eigenen Tempo lernen. Eine Schülerin kann schon Zusatzaufgaben rechnen, während ihr Mitschüler mit individueller Unterstützung die Pflichtaufgaben löst. Bei Hausaufgaben bekommt jeder Schüler Hilfe von einem digitalen Tutor, der Wissenslücken schließen kann. Lehrer werden durch kluge Programme von Routine- und Verwaltungsaufgaben entlastet, um sich stärker auf Bildung und Erziehung konzentrieren zu können. In anderen Ländern ist das längst Realität. Aber in Deutschland fehlt die Technik. Das wäre Ihr Job, Frau Ministerin. – Wo ist sie? Sie scheint gar nicht da zu sein. (Beifall bei der FDP – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gerade ist ein Staatssekretär gekommen!) Frau Ministerin – vielleicht richtet man es ihr ja aus –, Sie haben die Schulen noch nicht einmal ans Breitband angeschlossen. 90 Prozent der Schulen in Deutschland verfügen nicht über schnelles Internet. Gerade einmal 3 Prozent haben einen entsprechenden Förderbescheid aus dem Bundesverkehrsministerium erhalten. Das Bundesförderprogramm für den Breitbandausbau, auf das die Bildungsministerin im Ausschuss verwiesen hat, sieht eine Förderung einzelner Schulen gar nicht vor. Schlimmer noch: Für das Programm können derzeit überhaupt keine Anträge gestellt werden. (Albert Rupprecht [CDU/CSU]: Dafür können sehr wohl Anträge gestellt werden! Was Sie sagen, ist völlig falsch!) Frau Karliczek sollte sich hier dringend einmal mit ihrem Kollegen Scheuer auseinandersetzen und sich informieren lassen. (Albert Rupprecht [CDU/CSU]: Sie sind nicht informiert! Vollkommen falsch die Aussage!) Auch an dieser Stelle herrscht wirkliches Chaos. (Beifall bei der FDP) Die berufsbildenden Schulen sind häufig technisch noch weit schlechter ausgestattet als die allgemeinbildenden Schulen. Sie sind daher besonders auf baldige Investitionen aus dem DigitalPakt angewiesen. Die duale Berufsausbildung in Deutschland ist zwar ein Erfolgsrezept. Man muss sich aber fragen, wie lange das noch der Fall sein wird. In den Unternehmen arbeiten die Auszubildenden mit der neuesten Technik. In den Berufsschulen ist die Technik hingegen hoffnungslos veraltet. Wie wollen Sie die Jugendlichen damit auf den Arbeitsmarkt von morgen vorbereiten? Das funktioniert so nicht. Hören Sie auf, die berufliche Bildung in höchsten Tönen zu loben und gleichzeitig die berufsbildenden Schulen kaputtzusparen, meine Damen und Herren. (Beifall bei der FDP – Ronja Kemmer [CDU/CSU]: Lesen Sie einmal den Koalitionsvertrag!) Die Digitalisierung verändert unsere Berufswelt immer schneller. Kein Beruf bleibt so, wie er ist. Etliche verschwinden; andere entstehen neu. Kaum jemand wird künftig ein Leben lang nur einen einzigen Beruf ausüben. Es ist gut, dass wir uns in einer Enquete-Kommission zu diesem Thema Gedanken machen. Eine Kommission ersetzt aber kein politisches Handeln. Und die Zeit drängt, meine Damen und Herren. (Beifall bei der FDP) Der Wandel auf dem Arbeitsmarkt hat längst eingesetzt. Viele Arbeitnehmer sind verunsichert; sie haben Angst. Das, was sie gelernt haben, reicht morgen womöglich nicht mehr aus. Die Menschen wollen aber keinen sozialen Arbeitsmarkt à la Hubertus Heil. Sie wollen nicht die Aussicht auf einen subventionierten Arbeitsplatz, wenn sie nur lange genug arbeitslos sind. Die Menschen wollen auf eigenen Beinen stehen. Sie wollen sich weiterbilden und fit für einen funktionierenden ersten Arbeitsmarkt bleiben. (Beifall bei der FDP) Wir können die Digitalisierung nicht aufhalten. Aber wir können die Chancen nutzen, die sie uns bietet. Das ist die Wahl, vor der wir stehen. Ohne Kenntnisse in IT geht fast gar nichts mehr. Lebenslanges Lernen ist deshalb wichtiger als jemals zuvor. Aber die Arbeitnehmer stehen vor zahlreichen Fragen: Welche Zusatzqualifikationen brauche ich? Welche Abschlüsse erkennen die Arbeitgeber an? Wovon soll ich die Weiterbildung finanzieren? – Das ist ein Buch mit sieben Siegeln, das keiner mehr versteht. Wir brauchen daher ein Zertifizierungssystem, das Klarheit über die Angebote schafft. Wir brauchen Bildungssparen und Bildungsgutscheine, um Weiterbildung finanzierbar zu machen. (Beifall bei der FDP) Deutschland braucht aber noch mehr für seine Zukunftsfähigkeit. Wer glaubt, unser Wohlstand sei mit kleinen Schritten von Innovation aufgebaut worden, der irrt. Immer schon haben nur große Sprünge zu großem Wohlstand geführt. Die Eisenbahn, chemische Farben und das Automobil haben die deutsche Wirtschaft an die Weltspitze katapultiert. Die Politik muss deshalb Innovationen fördern. Die Ministerin für Bildung und Forschung aber hat beim Forschungsgipfel zugegeben, künstliche Intelligenz bereite ihr Angst. Meine Damen und Herren, künstliche Intelligenz bereitet unserer Forschungsministerin Angst. Da, wo Visionen und Mut gefragt werden, da verfällt die Regierung in Angststarre. (Beifall bei der FDP) Wenn Sie aber schon Angst haben, dann sollten Sie vor etwas ganz anderem Angst haben: Deutschland verliert bei der künstlichen Intelligenz den Anschluss. 50 KI-Unternehmer haben kürzlich einen Brandbrief an die Bundesregierung geschrieben. Ihre Botschaft: Wenn wir nicht endlich Tempo machen, ist Deutschland innerhalb weniger Jahre nicht mehr wettbewerbsfähig. – Das ist der Albtraum, der Sie nachts wachhalten muss. Meine Damen und Herren, die Welt wartet nicht auf Deutschland. Deutschland muss zukunftsfähig sein. Weltbeste Bildung und beste Bedingungen für Forscher und Gründer dürfen nicht länger Zukunftsmusik sein. Lassen Sie uns die Zukunft heute beginnen. Vielen Dank. (Beifall bei der FDP) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Liebe Kolleginnen und Kollegen, jetzt gebe ich das von den Schriftführerinnen und Schriftführern ermittelte Ergebnis der namentlichen Abstimmung über den Antrag des Bundesministeriums der Finanzen „Finanzhilfen zugunsten Griechenlands: Vierte und letzte Überprüfung des ESM-Anpassungsprogramms, mittelfristige schuldenbezogene Maßnahmen“ bekannt: abgegebene Stimmen  643. Mit Ja haben gestimmt 410, mit Nein haben gestimmt 226, Enthaltungen 7. Der Antrag ist damit angenommen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP) Endgültiges Ergebnis Abgegebene Stimmen: 642; davon ja: 409 nein: 226 enthalten: 7 Ja CDU/CSU Dr. Michael von Abercron Stephan Albani Norbert Maria Altenkamp Philipp Amthor Artur Auernhammer Peter Aumer Dorothee Bär Norbert Barthle Maik Beermann Manfred Behrens (Börde) Sybille Benning Dr. André Berghegger Melanie Bernstein Christoph Bernstiel Peter Beyer Marc Biadacz Steffen Bilger Peter Bleser Norbert Brackmann Dr. Reinhard Brandl Michael Brand (Fulda) Dr. Ralf Brauksiepe Silvia Breher Sebastian Brehm Heike Brehmer Ralph Brinkhaus Dr. Carsten Brodesser Gitta Connemann Astrid Damerow Alexander Dobrindt Michael Donth Marie-Luise Dött Hansjörg Durz Thomas Erndl Hermann Färber Uwe Feiler Enak Ferlemann Dr. Maria Flachsbarth Thorsten Frei Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof) Michael Frieser Hans-Joachim Fuchtel Ingo Gädechens Dr. Thomas Gebhart Alois Gerig Eberhard Gienger Eckhard Gnodtke Hermann Gröhe Klaus-Dieter Gröhler Michael Grosse-Brömer Astrid Grotelüschen Markus Grübel Manfred Grund Oliver Grundmann Monika Grütters Fritz Güntzler Christian Haase Florian Hahn Dr. Stephan Harbarth Jürgen Hardt Matthias Hauer Dr. Matthias Heider Mechthild Heil Thomas Heilmann Frank Heinrich (Chemnitz) Mark Helfrich Rudolf Henke Michael Hennrich Marc Henrichmann Ansgar Heveling Dr. Heribert Hirte Christian Hirte Karl Holmeier Dr. Hendrik Hoppenstedt Erich Irlstorfer Hans-Jürgen Irmer Thomas Jarzombek Andreas Jung Ingmar Jung Alois Karl Anja Karliczek Torbjörn Kartes Volker Kauder Dr. Stefan Kaufmann Ronja Kemmer Michael Kießling Dr. Georg Kippels Volkmar Klein Axel Knoerig Markus Koob Carsten Körber Alexander Krauß Gunther Krichbaum Dr. Günter Krings Rüdiger Kruse Michael Kuffer Dr. Roy Kühne Dr. Dr. h. c. Karl A. Lamers Andreas G. Lämmel Katharina Landgraf Ulrich Lange Jens Lehmann Paul Lehrieder Dr. Katja Leikert Dr. Andreas Lenz Dr. Ursula von der Leyen Antje Lezius Andrea Lindholz Patricia Lips Nikolas Löbel Bernhard Loos Dr. Jan-Marco Luczak Daniela Ludwig Karin Maag Yvonne Magwas Dr. Thomas de Maizière Dr. Astrid Mannes Hans-Georg von der Marwitz Andreas Mattfeldt Stephan Mayer (Altötting) Dr. Michael Meister Dr. h. c. Hans Michelbach Dr. Mathias Middelberg Dietrich Monstadt Karsten Möring Elisabeth Motschmann Dr. Gerd Müller Axel Müller Sepp Müller Carsten Müller (Braunschweig) Stefan Müller (Erlangen) Dr. Andreas Nick Petra Nicolaisen Michaela Noll Dr. Georg Nüßlein Wilfried Oellers Florian Oßner Josef Oster Henning Otte Martin Patzelt Dr. Joachim Pfeiffer Stephan Pilsinger Dr. Christoph Ploß Eckhard Pols Thomas Rachel Kerstin Radomski Alexander Radwan Alois Rainer Eckhardt Rehberg Lothar Riebsamen Josef Rief Johannes Röring Dr. Norbert Röttgen Stefan Rouenhoff Erwin Rüddel Stefan Sauer Anita Schäfer (Saalstadt) Dr. Wolfgang Schäuble Andreas Scheuer Tankred Schipanski Dr. Claudia Schmidtke Christian Schmidt (Fürth) Patrick Schnieder Nadine Schön Felix Schreiner Dr. Klaus-Peter Schulze Uwe Schummer Armin Schuster (Weil am Rhein) Torsten Schweiger Johannes Selle Reinhold Sendker Dr. Patrick Sensburg Thomas Silberhorn Björn Simon Jens Spahn Dr. Frank Steffel Albert Stegemann Andreas Steier Sebastian Steineke Johannes Steiniger Peter Stein (Rostock) Gero Storjohann Max Straubinger Karin Strenz Michael Stübgen Dr. Hermann-Josef Tebroke Hans-Jürgen Thies Alexander Throm Dr. Dietlind Tiemann Antje Tillmann Markus Uhl Dr. Volker Ullrich Oswin Veith Volkmar Vogel (Kleinsaara) Christoph de Vries Kees de Vries Dr. Johann David Wadephul Marco Wanderwitz Kai Wegner Dr. h. c. Albert Weiler Marcus Weinberg (Hamburg) Dr. Anja Weisgerber Peter Weiß (Emmendingen) Sabine Weiss (Wesel I) Marian Wendt Annette Widmann-Mauz Bettina Margarethe Wiesmann Elisabeth Winkelmeier-Becker Oliver Wittke Paul Ziemiak Dr. Matthias Zimmer SPD Niels Annen Ingrid Arndt-Brauer Heike Baehrens Ulrike Bahr Doris Barnett Dr. Matthias Bartke Sören Bartol Bärbel Bas Lothar Binding (Heidelberg) Leni Breymaier Dr. Karl-Heinz Brunner Katrin Budde Martin Burkert Dr. Lars Castellucci Bernhard Daldrup Dr. Daniela De Ridder Dr. Karamba Diaby Esther Dilcher Sabine Dittmar Dr. Wiebke Esdar Saskia Esken Yasmin Fahimi Dr. Johannes Fechner Dr. Fritz Felgentreu Dr. Edgar Franke Ulrich Freese Dagmar Freitag Michael Gerdes Martin Gerster Angelika Glöckner Timon Gremmels Kerstin Griese Michael Groß Uli Grötsch Bettina Hagedorn Rita Hagl-Kehl Metin Hakverdi Sebastian Hartmann Dirk Heidenblut Hubertus Heil (Peine) Wolfgang Hellmich Dr. Barbara Hendricks Gustav Herzog Gabriele Hiller-Ohm Thomas Hitschler Dr. Eva Högl Frank Junge Josip Juratovic Thomas Jurk Oliver Kaczmarek Johannes Kahrs Elisabeth Kaiser Ralf Kapschack Gabriele Katzmarek Ulrich Kelber Cansel Kiziltepe Arno Klare Lars Klingbeil Dr. Bärbel Kofler Daniela Kolbe Elvan Korkmaz Anette Kramme Christine Lambrecht Christian Lange (Backnang) Dr. Karl Lauterbach Helge Lindh Burkhard Lischka Kirsten Lühmann Heiko Maas Caren Marks Katja Mast Christoph Matschie Hilde Mattheis Dr. Matthias Miersch Klaus Mindrup Susanne Mittag Falko Mohrs Claudia Moll Bettina Müller Detlef Müller (Chemnitz) Dr. Rolf Mützenich Andrea Nahles Dietmar Nietan Ulli Nissen Mahmut Özdemir (Duisburg) Aydan Özoğuz Christian Petry Detlev Pilger Sabine Poschmann Florian Post Achim Post (Minden) Florian Pronold Dr. Sascha Raabe Martin Rabanus Andreas Rimkus Sönke Rix Dennis Rohde Dr. Martin Rosemann Dr. Ernst Dieter Rossmann Susann Rüthrich Bernd Rützel Sarah Ryglewski Johann Saathoff Dr. Nina Scheer Marianne Schieder Udo Schiefner Dr. Nils Schmid Uwe Schmidt Ulla Schmidt (Aachen) Dagmar Schmidt (Wetzlar) Carsten Schneider (Erfurt) Johannes Schraps Michael Schrodi Dr. Manja Schüle Ursula Schulte Martin Schulz Swen Schulz (Spandau) Stefan Schwartze Andreas Schwarz Rita Schwarzelühr-Sutter Rainer Spiering Svenja Stadler Martina Stamm-Fibich Sonja Amalie Steffen Mathias Stein Kerstin Tack Claudia Tausend Michael Thews Markus Töns Carsten Träger Marja-Liisa Völlers Dirk Vöpel Gabi Weber Bernd Westphal Gülistan Yüksel Dagmar Ziegler Stefan Zierke Dr. Jens Zimmermann BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Luise Amtsberg Kerstin Andreae Lisa Badum Annalena Baerbock Margarete Bause Canan Bayram Dr. Anna Christmann Katharina Dröge Harald Ebner Matthias Gastel Kai Gehring Stefan Gelbhaar Katrin Göring-Eckardt Erhard Grundl Anja Hajduk Britta Haßelmann Dr. Bettina Hoffmann Dr. Anton Hofreiter Ottmar von Holtz Dieter Janecek Dr. Kirsten Kappert-Gonther Uwe Kekeritz Katja Keul Sven-Christian Kindler Maria Klein-Schmeink Sylvia Kotting-Uhl Oliver Krischer Stephan Kühn (Dresden) Christian Kühn (Tübingen) Renate Künast Monika Lazar Sven Lehmann Steffi Lemke Dr. Tobias Lindner Dr. Irene Mihalic Claudia Müller Beate Müller-Gemmeke Ingrid Nestle Dr. Konstantin von Notz Omid Nouripour Friedrich Ostendorff Cem Özdemir Lisa Paus Filiz Polat Tabea Rößner Claudia Roth (Augsburg) Dr. Manuela Rottmann Corinna Rüffer Manuel Sarrazin Ulle Schauws Dr. Gerhard Schick Dr. Frithjof Schmidt Stefan Schmidt Kordula Schulz-Asche Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn Margit Stumpp Markus Tressel Jürgen Trittin Dr. Julia Verlinden Daniela Wagner Nein CDU/CSU Veronika Bellmann Mark Hauptmann Jens Koeppen Dr. Carsten Linnemann Sylvia Pantel Albert Rupprecht Dr. Wolfgang Stefinger Christian Frhr. von Stetten Stephan Stracke Arnold Vaatz Klaus-Peter Willsch Emmi Zeulner AfD Dr. Bernd Baumann Marc Bernhard Andreas Bleck Peter Boehringer Stephan Brandner Jürgen Braun Marcus Bühl Matthias Büttner Tino Chrupalla Joana Cotar Dr. Gottfried Curio Siegbert Droese Thomas Ehrhorn Berengar Elsner von Gronow Dr. Michael Espendiller Dietmar Friedhoff Dr. Anton Friesen Markus Frohnmaier Dr. Götz Frömming Dr. Alexander Gauland Dr. Axel Gehrke Franziska Gminder Wilhelm von Gottberg Armin-Paulus Hampel Mariana Iris Harder-Kühnel Verena Hartmann Dr. Roland Hartwig Jochen Haug Martin Hebner Udo Theodor Hemmelgarn Waldemar Herdt Lars Herrmann Martin Hess Karsten Hilse Nicole Höchst Martin Hohmann Leif-Erik Holm Johannes Huber Fabian Jacobi Dr. Marc Jongen Jens Kestner Stefan Keuter Enrico Komning Jörn König Steffen Kotré Dr. Rainer Kraft Frank Magnitz Dr. Lothar Maier Jens Maier Dr. Birgit Malsack-Winkemann Corinna Miazga Hansjörg Müller Volker Münz Sebastian Münzenmaier Christoph Neumann Jan Ralf Nolte Gerold Otten Frank Pasemann Tobias Matthias Peterka Paul Viktor Podolay Jürgen Pohl Stephan Protschka Martin Reichardt Martin Erwin Renner Roman Johannes Reusch Ulrike Schielke-Ziesing Dr. Robby Schlund Jörg Schneider Uwe Schulz Thomas Seitz Martin Sichert Detlev Spangenberg Dr. Dirk Spaniel René Springer Dr. Alice Weidel Dr. Harald Weyel Wolfgang Wiehle Dr. Heiko Wildberg Dr. Christian Wirth Uwe Witt FDP Grigorios Aggelidis Renata Alt Christine Aschenberg-Dugnus Nicole Bauer Jens Beeck Nicola Beer Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar) Mario Brandenburg Dr. Marco Buschmann Karlheinz Busen Britta Katharina Dassler Bijan Djir-Sarai Christian Dürr Hartmut Ebbing Dr. Marcus Faber Daniel Föst Otto Fricke Thomas Hacker Katrin Helling-Plahr Markus Herbrand Torsten Herbst Katja Hessel Dr. Gero Clemens Hocker Manuel Höferlin Dr. Christoph Hoffmann Reinhard Houben Ulla Ihnen Olaf In der Beek Gyde Jensen Dr. Christian Jung Thomas L. Kemmerich Karsten Klein Dr. Marcel Klinge Daniela Kluckert Pascal Kober Dr. Lukas Köhler Carina Konrad Wolfgang Kubicki Konstantin Kuhle Alexander Kulitz Alexander Graf Lambsdorff Ulrich Lechte Christian Lindner Michael Georg Link (Heilbronn) Oliver Luksic Till Mansmann Dr. Jürgen Martens Christoph Meyer Alexander Müller Roman Müller-Böhm Frank Müller-Rosentritt Dr. Martin Neumann (Lausitz) Hagen Reinhold Dr. Stefan Ruppert Dr. h. c. Thomas Sattelberger Christian Sauter Frank Schäffler Dr. Wieland Schinnenburg Matthias Seestern-Pauly Frank Sitta Judith Skudelny Bettina Stark-Watzinger Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann Benjamin Strasser Katja Suding Linda Teuteberg Michael Theurer Stephan Thomae Manfred Todtenhausen Dr. Florian Toncar Gerald Ullrich Johannes Vogel (Olpe) Sandra Weeser Nicole Westig Katharina Willkomm DIE LINKE Doris Achelwilm Gökay Akbulut Simone Barrientos Dr. Dietmar Bartsch Matthias W. Birkwald Heidrun Bluhm Michel Brandt Birke Bull-Bischoff Jörg Cezanne Fabio De Masi Dr. Diether Dehm Anke Domscheit-Berg Klaus Ernst Brigitte Freihold Sylvia Gabelmann Nicole Gohlke Dr. André Hahn Heike Hänsel Matthias Höhn Andrej Hunko Ulla Jelpke Kerstin Kassner Dr. Achim Kessler Katja Kipping Jutta Krellmann Sabine Leidig Ralph Lenkert Michael Leutert Stefan Liebich Dr. Gesine Lötzsch Thomas Lutze Pascal Meiser Amira Mohamed Ali Cornelia Möhring Niema Movassat Norbert Müller (Potsdam) Zaklin Nastic Dr. Alexander S. Neu Petra Pau Victor Perli Tobias Pflüger Ingrid Remmers Martina Renner Bernd Riexinger Eva-Maria Elisabeth Schreiber Dr. Petra Sitte Kersten Steinke Friedrich Straetmanns Dr. Kirsten Tackmann Jessica Tatti Alexander Ulrich Kathrin Vogler Andreas Wagner Harald Weinberg Hubertus Zdebel Pia Zimmermann Sabine Zimmermann (Zwickau) Fraktionslos Mario Mieruch Dr. Frauke Petry Enthalten CDU/CSU Ursula Groden-Kranich Dr. Silke Launert Jan Metzler Detlef Seif Tino Sorge Dieter Stier Ingo Wellenreuther Abgeordnete, die sich wegen gesetzlichen Mutterschutzes für ihre Abwesenheit entschuldigt haben, sind in der Liste der entschuldigten Abgeordneten (Anlage 1) aufgeführt. Jetzt ist der nächste Redner in der Debatte der Kollege Dr. Wolfgang Stefinger, CDU/CSU-Fraktion. (Beifall bei der CDU/CSU) Dr. Wolfgang Stefinger (CDU/CSU): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Damit eines im Vorfeld gleich klar ist: Unser Ziel, das Ziel der Bundesregierung, ist, die Zukunftsfähigkeit Deutschlands zu sichern. Daher empfehle ich die Lektüre des Koalitionsvertrages. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Im Übrigen darf ich festhalten, dass seit 2005 die Investitionen im Bereich Forschung und Bildung mehr als verdoppelt wurden: 132 Prozent Steigerung. Der Haushalt 2018, den wir nächste Woche verabschieden werden, sieht in dem Bereich Ausgaben in Höhe von 17,6 Milliarden Euro vor. Nur zur Erinnerung: 2005 lag der Haushalt bei rund 7,5 Milliarden Euro. Liebe Kolleginnen und Kollegen, unser erklärtes Ziel ist, den erfolgreichen Kurs der letzten Jahre fortzusetzen. Ich möchte hier gar nicht alles Punkt für Punkt aufzählen, was in den letzten Jahren geschehen ist. Aber vielleicht ist es sinnvoll – gerade für die Kollegen der FDP, die vier Jahre nicht diesem Hause angehörten –, ein paar Stichworte zu geben: Hightech-Strategie zum Beispiel, Pakt für Forschung und Innovation oder auch das Thema Kompetenzzentren für die Sicherheitsforschung, um nur ein paar Themen zu nennen. Auch für die nächsten Jahre ist einiges geplant. Wir werden noch einiges auf den Weg bringen. Liebe FDP, Sie hätten ja dabei sein können. (Dr. Jens Brandenburg [Rhein-Neckar] [FDP]: Ach, die alte Leier!) Liebe Kollegen, unser Ziel – das Ziel dieser Bundesregierung – ist, Deutschland auf Erfolgskurs zu halten. Wir wollen ganz vorne dabei sein. (Katja Suding [FDP]: Wollen reicht nicht!) Die Spitzenstellung unter den federführenden Innovationsnationen wollen wir halten. (Christian Dürr [FDP]: Das wollen Sie seit 2005!) Deshalb fördern wir Schlüsseltechnologien wie beispielsweise die künstliche Intelligenz. Wir werden auch dafür sorgen, dass Innovationen zügig umgesetzt werden bzw. zügig auf die Straße kommen. Wir wollen die Mikroelektronik weiter fördern. Denn wir wissen auch, dass kein Smartphone, kein Notebook, keine vernetzte Produktionsanlage und erst recht kein autonomes Fahrzeug ohne leistungsfähige Mikrochips funktioniert. Daher ist hier ein Mittelaufwuchs um 240 Prozent vorgesehen, nämlich auf 170 Millionen Euro. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Unser Ziel, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist außerdem, dass bis 2025 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung ausgegeben werden, und wir werden die Hightech-Strategie und den Pakt für Forschung und Innovation weiterentwickeln. Weil uns die berufliche Bildung genauso wichtig ist, haben wir auch die Initiative Berufsbildung 4.0 auf den Weg gebracht, und die werden wir auch weiter ausbauen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Weil auch die Schulen angesprochen wurden: Der DigitalPakt Schule wird auf den Weg gebracht. Im Übrigen gibt es die Initiative „Digitales Klassenzimmer“, die dafür sorgen soll, Schulen an das Breitbandnetz anzuschließen. (Christian Dürr [FDP]: Wie viele Schüler profitieren denn davon?) – Ich kann ja nichts dafür, wenn die Schulen das nicht umsetzen oder keine Anträge stellen. (Lachen bei der FDP – Christian Dürr [FDP]: Die Schulen sind also selbst schuld!) Auch die Bundesländer sind in der Pflicht. Das darf ich einmal in aller Deutlichkeit sagen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind uns unserer Verantwortung voll bewusst. Wir wissen, dass künstliche Intelligenz zu gewaltigen Veränderungen führen wird. Deswegen finde ich es nicht in Ordnung, dass Sie sagen, hier gebe es ein paar Vorbehalte. Sie wissen – zumindest weiß ich als Abgeordneter das, der regelmäßig mit Bürgern in Kontakt ist –, dass es auch Ängste in der Bevölkerung gibt, gerade wenn es um das Thema künstliche Intelligenz geht. Deswegen ist es wichtig, dass wir in der Enquete-Kommission nicht nur den Bereich der Bildung beleuchten, sondern auch den Fragen nachgehen, wie sich beispielsweise die Arbeitswelt verändert, wie sich das Zusammenleben verändert und wie sich unsere Gesellschaft verändert. Das alles sind Themen, die die Menschen draußen bewegen. Diese Themen werden wir auch in der Enquete-Kommission behandeln. (Beifall bei der CDU/CSU) Ich darf noch einmal die Bundesländer ermuntern, sich noch stärker im Bereich der Digitalisierung zu engagieren. Mein Heimatbundesland Bayern macht das vor. Die bayerische Digitalisierungsoffensive, die in dieser Woche verabschiedet wurde und Investitionsmittel von 280 Millionen Euro vorsieht, wird gerade in den Bereich der Digitalisierung und in den Bereich der künstlichen Intelligenz investieren. Alle sind eingeladen, mitzumachen. (Zuruf von der FDP: Zehn Jahre zu spät!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, es braucht aber in unserem Land auch mehr Mut: mehr Mut bei Innovationen, mehr Mut zum Risiko und Mut, neue Wege zu gehen. Wir brauchen mehr Wagniskultur. Hier können wir in der Tat von anderen Ländern lernen. Wie Sie wissen, erarbeitet das Ministerium ein Konzept für eine Agentur für Sprunginnovationen. (Zuruf der Abg. Nicola Beer [FDP]) Deutschland und Frankreich arbeiten auf europäischer Ebene in diesem Bereich sehr eng zusammen. Mit einem Pilotprojekt wollen wir bahnbrechende Innovationen fördern. (Christian Dürr [FDP]: Schaumschlägerei!) Sie sehen also: Diese Bundesregierung ist nicht nur hellwach, sondern auch ausgeschlafen trotz Nachtsitzung. Wir werden als CDU und CSU gemeinsam mit unserem Koalitionspartner das Land weiter voranbringen. Wir wollen und wir werden die Stellung Deutschlands als Innovationstreiber ausbauen. (Beifall bei der CDU/CSU) Ich lade Sie, liebe Kollegen von der FDP, dazu herzlich ein und kann Sie nur ermuntern, sich nicht wieder wegzuducken, wenn es ernst wird. Schönes Wochenende. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Christian Dürr [FDP]: Wir haben doch heute einen Antrag vorgelegt! Ihr müsst ihm nur zustimmen!) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Nächster Redner ist der Kollege Dr. Götz Frömming, AfD. (Beifall bei der AfD) Dr. Götz Frömming (AfD): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir debattieren über einen Antrag der FDP-Fraktion, mit dem nichts weniger als die „Zukunftsfähigkeit Deutschlands“ gesichert werden soll. Dafür sollen Bildung und Forschung in den Mittelpunkt gestellt werden. Das klingt nicht nur aufgesetzt und großspurig, das ist es auch, passt aber vielleicht ganz gut zum neuen Image der FDP. (Beifall bei der AfD) Und so geht es dann weiter: Nicht gute oder bessere Bildung, nein, „weltbeste Bildung“ soll es sein. (Katja Suding [FDP]: Genau!) Wer sollte da etwas dagegen haben? Deutschland hat insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert (Christian Dürr [FDP]: In die Zeit wollen Sie zurück!) auf dem Gebiet der Bildung großartige Pionierleistungen vollbracht. Man nannte das 18. Jahrhundert nicht umsonst das pädagogische. Bildung wurde in dieser Zeit verstanden als ein Prozess der Entfaltung und Entwicklung aller in einem Individuum angelegten positiven Eigenschaften. (Katja Suding [FDP]: Jetzt haben wir eine Geschichtsstunde!) Es war zugleich das Zeitalter der Aufklärung, die Zeit von Kant, Goethe, Schiller, Herder und Lessing, um nur einige der Bekannteren zu nennen. Aber es ist natürlich völlig altmodisch, bei einem Thema wie Bildung an Namen wie diese zu erinnern. Bildung hat seit dem Siegeszug der sogenannten Kompetenzen, die Sie auch in Ihrem Antrag erwähnen, nur noch am Rande mit Wissen zu tun. Die Methodik ersetzt die Didaktik, technische Geräte ersetzen das eigene Denken, (Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So ein Quatsch!) und Bildung droht zur mess- und verwertbaren Ware zu verkommen. (Beifall bei der AfD – Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo waren Sie denn in der Schule?) Um sie messen zu können, braucht es die Standards, die auch die FDP fordert, am besten bundesweite oder, noch besser, weltweite Standards. Lobbyorganisationen wie die OECD und das PISA-Konsortium arbeiten bereits daran. Meine Damen und Herren, wir müssen den Einfluss von profitorientierten Firmen auf unser Bildungssystem unterbinden. Wir müssen dem weltweit zunehmenden Bildungskolonialismus einen Riegel vorschieben und wieder unseren Lehrern statt den Algorithmen der Testindustrie vertrauen. PISA und die globale Bildungsindustrie bedrohen unser nationales Bildungssystem, das unter dem Strich immer noch besser ist als das vieler anderer Länder. (Beifall bei der AfD) Schmeißen wir diese Konzerne raus! Beenden wir die unsinnigen Tests, die nur Zeit und Geld kosten! Zum mechanistischen, enthumanisierten Bildungskonzept dieser Konzerne passt die Digitalisierung übrigens hervorragend. Digitalisierung scheint auch für die FDP und einige andere in diesem Hause inzwischen geradezu ein Synonym für Bildung geworden zu sein – eine fatale Verwechslung. (Beifall bei Abgeordneten der AfD – Jürgen Braun [AfD]: Ersatzreligion!) Selbst wenn morgen wie durch Zauberhand jeder Schüler in Deutschland ein iPad vor sich auf dem Tisch liegen hätte, würde sich am Bildungsstand dieser Nation nichts, aber auch gar nichts verändern. (Beifall bei der AfD – Ronja Kemmer [CDU/CSU]: Darum geht es doch nicht! – Nicola Beer [FDP]: Bildung bildet!) Wichtig, liebe Frau Kollegin, wäre insbesondere die Stärkung des Informatikunterrichts; aber das haben Sie in Ihrem Antrag vergessen. Da müsste man etwas tun. Das taucht bei Ihnen leider überhaupt nicht auf. Geht es nach Ihrem Antrag, sollen die Länder sich verpflichten, ihre Lehrkräfte auch mit Eigenmitteln in Digitalkompetenz – was auch immer das sein soll – fortzubilden. Sie wollen in die Landeshaushalte eingreifen. Lehrer und Schüler, wir alle sollen lebenslang lernen (Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das wäre gut!) und zum Beispiel einen Digitalführerschein erwerben – was auch immer das sein soll. (Dr. Jens Brandenburg [Rhein-Neckar] [FDP]: Erklären wir Ihnen dann!) Darf man – frage ich Sie – ohne diesen Führerschein dann eigentlich nicht mehr ins Internet? Die FDP stand doch mal für Freiheit. Beim Thema Bildungsföderalismus haben Sie auch den Anschluss an die Linken gefunden und übernehmen wie selbstverständlich den politischen Kampfbegriff des sogenannten Kooperationsverbotes, (Albert Rupprecht [CDU/CSU]: In dem Punkt hat er recht!) das man dringend abschaffen müsse. Meine Damen und Herren, die FDP regiert in NRW mit, stellt sogar die Bildungsministerin. Zeigen Sie doch mal, dass Ihre Vorschläge funktionieren! Führen Sie uns das in NRW vor! Wenn es dann klappt, werden die anderen Länder Ihnen sicherlich gerne folgen, und wir müssen dann nicht einmal das Grundgesetz antasten. Ich danke Ihnen. (Beifall bei der AfD – Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So ein Quatsch!) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Nächster Redner ist der Kollege Oliver Kaczmarek, SPD. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Oliver Kaczmarek (SPD): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich finde es eigentlich gut, dass die FDP-Fraktion diesen Antrag vorgelegt hat, (Beifall des Abg. Dr. Wieland Schinnenburg [FDP]) weil er noch mal die Gelegenheit gibt, deutlich zu machen, dass wir unterschiedliche Auffassungen haben, insbesondere unterschiedliche Auffassungen davon, wie Fortschritt und Innovation gestaltet werden sollen. Denn unsere Auffassung als Sozialdemokratie ist, dass wir technischen Fortschritt erst einmal menschenfreundlich gestalten müssen – ich freue mich, dass das gestern auch in den Beiträgen zum Antrag auf Einsetzung der Enquete-Kommission zum Ausdruck gekommen ist – (Beifall bei Abgeordneten der SPD) und dass wir aus technischem und wirtschaftlichem Fortschritt sozialen Fortschritt machen wollen. Wir wollen mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung, aber – das unterscheidet uns – nur auf der Grundlage von mehr gleichen Chancen. Deswegen ist es überraschend: Vor einer Woche ist hier in Berlin der nationale Bildungsbericht vorgestellt worden. Wieder gab es den Befund: Von 100 Kindern, deren Eltern kein Abitur haben, nehmen 24 ein Studium auf, und von 100 Kindern, bei denen mindestens ein Elternteil Akademiker ist, nehmen 74 ein Studium auf. (Christian Dürr [FDP]: Das hat Frau Suding doch gerade angesprochen!) Dieser Bericht belegt einmal mehr die Ungleichheit der Chancen. Aber Sie legen uns eine Woche später einen Antrag vor, in dem das nicht mit einem Wort erwähnt worden ist. (Christian Dürr [FDP]: Da, wo Sie regieren, ist es am schlimmsten!) Das ist bemerkenswert: soziale Ungleichheit ausblenden. (Katja Suding [FDP]: Das habe ich doch gesagt! Haben Sie nicht zugehört?) Das ist das Markenzeichen der FDP. Da sind Sie ganz die Alten geblieben. (Beifall bei der SPD – Christian Dürr [FDP]: Warum ist das denn in den SPD-regierten Ländern am schlimmsten?) Innovation und Fortschritt müssen auf gesunder Basis gedeihen. Deshalb: Chancengleichheit bleibt eine zentrale Herausforderung, weil wir es uns nicht leisten können, weiterhin so viele Talente nicht zu fördern. Unserer Meinung nach – lassen Sie uns über Innovationskraft des Wissenschaftssystems sprechen – beruht diese Innovationskraft gerade auf der Differenziertheit und Lernfähigkeit unseres Wissenschaftssystems. Ja, eine Agentur für Sprunginnovationen – das haben Sie ja mehrfach vorgetragen – ist wichtig, weil sie eine Leerstelle in unserem Innovationssystem füllen soll. Aber selbst Sprunginnovationen können nur auf der Grundlage einer breitaufgestellten Wissenschaftspolitik entstehen. (Beifall des Abg. Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]) Wenn Sie mit Experten sprechen – Sie werden das genauso tun wie wir –, dann werden Sie hören: Im Zentrum des deutschen Wissenschaftssystems steht die Hochschule. Die Hochschule findet in Ihrem Antrag überhaupt keine Erwähnung. Das ist nicht überraschend, aber es ist schon erwähnenswert, dass das so ist. Deswegen sage ich auch: Was wir uns als Koalition vorgenommen haben, ist eine andere Richtung. Wir wollen die Basis stärken und erweitern. Die Verstetigung des Hochschulpakts ist ein wichtiges Signal an die Wissenschaftscommunity; denn sie verschafft verlässliche Finanzierungsperspektiven. Der Hochschulpakt ist eine unerlässliche Basis für die Innovationskraft unseres Wissenschaftssystems. (Beifall bei der SPD) Gehen wir weiter: Deutschland hat kein Harvard. Aber Deutschland hat ein herausragendes Netz von Hochschulen, teilweise exzellenten Hochschulen, und Forschungsclustern sowie außeruniversitären Forschungseinrichtungen, und das ist keine Schwäche, sondern das ist eine Stärke des Wissenschaftssystems in Deutschland: diese Differenziertheit und diese flächendeckende Kraft, die das Wissenschaftssystem ausübt. Deshalb ist es richtig, dass wir uns in dieser Wahlperiode darauf verständigt haben: Wir werden den Pakt für Forschung und Innovation mit verlässlichen Aufwüchsen fortführen. Wir haben die Exzellenzstrategie schon verlängert und damit die internationale Sichtbarkeit und Differenzierung gestärkt. Wir wollen im Gegensatz zu dem, was im Antrag steht, wo nur die Spitze betrachtet wird, eine breitangelegte Wissenschaftspolitik, die die deutschen Spezifika erkennt und annimmt und die eine solide Basis für Forschung und Lehre schafft; denn nur auf der soliden Basis können eben auch Exzellenz und Innovation entstehen. Diese grundlegende Erkenntnis fehlt in Ihrem Antrag leider völlig. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Zur beruflichen Bildung. Ja, es ist richtig: Die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands ist das Zusammenspiel von Innovationen, die aus exzellenter, aber auch anwendungsorientierter Forschung entstehen, und der Umsetzung durch akademisch gebildetes Personal und beruflich gebildetes Personal. Genau diese Zusammensetzung macht die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg aus. Deswegen ist die Stärkung der beruflichen Bildung eben nicht nur eine Frage des Images und der Wertschätzung – das auch –, sondern auch eine Frage dessen, wie wir wirtschaftlich stark bleiben können. Dass wir das angehen wollen, dokumentiert der Koalitionsvertrag. Ich glaube, es gibt keinen Koalitionsvertrag, in dem die berufliche Bildung einen so großen Stellenwert eingenommen hat wie in diesem, der uns vorliegt. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Das ist auch richtig, weil die berufliche Bildung nicht nur Bekenntnisse braucht, sondern auch nachvollziehbare Taten. Wir werden den Anforderungen der Digitalisierung entsprechen, indem wir im Berufsbildungsgesetz das auch berücksichtigen, beispielsweise wenn es um die Novellierung der Ausbildungs- und Aufstiegsverordnungen geht. Das ist ein ganz wichtiger Punkt: über berufliche Bildung nicht nur sprechen, sondern auch nachvollziehbare Taten durchführen. Ich will zum Schluss eine Gemeinsamkeit benennen, weil das wichtig ist. (Zuruf des Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Ja, wir wollen in der Bildung gemeinsam mehr Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen, und wir müssen darüber verhandeln, wie wir das gemeinsam hinbekommen. Ich glaube, dass die vorgelegte Änderung des Artikels 104c Grundgesetz eine gute Gelegenheit ist, weil sie flächendeckende Investitionen des Bundes in die Bildungsinfrastruktur von Ländern und Kommunen erst möglich macht. Deswegen wäre die Zustimmung ein großer Schritt, der auch dokumentiert: Wir nehmen große Herausforderungen gemeinsam an und sind da auch in der Lage, die verfassungsrechtlichen Grundlagen zu schaffen. Meine Bitte ist, mitzumachen. Das macht Spaß, und das bringt am Ende auch was fürs deutsche Bildungssystem. Herzlichen Dank. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Nächste Rednerin ist die Kollegin Dr. Petra Sitte, Fraktion Die Linke. (Beifall bei der LINKEN) Dr. Petra Sitte (DIE LINKE): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Na ja, ein bisschen liest sich der Antrag schon wie ein Textbaustein aus den gescheiterten Koalitionsverhandlungen. (Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD) Er wird jetzt als Antrag recycelt; okay, kann man machen. (Bettina Stark-Watzinger [FDP]: Gute Ideen sind es immer noch!) „Bildung ist die soziale Frage unserer Zeit.“ Ein Satz, wie in Stein gemeißelt, ist da in diesem Antrag zu lesen. Weiter sagen Sie, dass Sie der Zweiklassengesellschaft innerhalb des technologischen Wandels vorbeugen wollen. Okay. Diesem sozioökonomischen Blick werden Sie mit dem Antrag und mit Ihren Vorschlägen aber nicht gerecht. Warum? Weil Sie sich vor allem den technologischen und ökonomischen Anwendungsansprüchen zuwenden. Zukunftsfähigkeit von Forschung – ich rede hier vor allem von Forschung –, wie Sie es im Titel formuliert haben, verlangt ein komplexeres Herangehen. Wissenschafts- und Technologieentwicklung haben sich erheblich beschleunigt. Anwendungen, bei denen es Probleme gegeben hat, sind oftmals nur schwer umzukehren, dominieren aber unsere Epoche – erst recht, wenn sie dann auch noch von marktbeherrschenden Unternehmen angeboten werden. (Dr. h. c. Thomas Sattelberger [FDP]: Hört! Hört!) Gesellschaften ändern sich zivilisatorisch. Soziale Zusammenhänge, kulturelle Voraussetzungen, natürliche Ressourcen sollen eben nicht nur erhalten werden, sondern sie sollen sich auch ändern, und sie sollen das Potenzial zur Erneuerung bekommen können. Daher müssten eigentlich gerade jetzt Technikfolgenabschätzung, Transformationsforschung, Nachhaltigkeitsforschung ganz besonders gestärkt werden. (Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Mithin, meine Damen und Herren, gehen natürlich auch manche Probleme dieser Gesellschaft auf die Umsetzung wissenschaftlich gewonnener Erkenntnisse zurück. Diese neue Dimension der Verantwortung haben Politik und Wissenschaft gemeinsam zu tragen. Das heißt zum einen: Sensibilität für soziale, ökonomische und ökologische Konsequenzen muss Bestandteil von Forschung und Förderungsprogrammen sein. (Beifall bei der LINKEN) Die Politik wiederum bedarf ihrerseits der Kompetenzbildung hinsichtlich der Forschungsinhalte und der Technologieentwicklung. Beides zusammen gehört in demokratische Diskurse – nicht nur in der Wissenschaft selbst, sondern vor allem in die Gesellschaft hinein. (Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Klaus Töpfer hat mit Blick auf technologische Entwicklungen von einer Demokratiefähigkeitsüberprüfung gesprochen. Wir sagen: Analog dazu bedarf es jetzt auch einer Gemeinwohlüberprüfung; wir müssen das diskutieren. Insofern müssen beispielsweise soziale Innovationen einen viel höheren Stellenwert bekommen. (Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Richtig!) Der Wohlstand der Nationen – um es mal mit Adam Smith zu sagen – kann nicht gemehrt werden, wenn die Perspektive der Betroffenen und der Anwenderinnen fehlt, wenn sozusagen nur in ökonomischer Anwendungslogik gedacht wird. Den Vorwurf einer solchen Einseitigkeit muss sich der FDP-Antrag gefallen lassen. (Beifall bei der LINKEN) Gesellschaftliche und wissenschaftliche Ansprüche gehören zusammen – in Forschungskonzeptionen, aber eben auch in Anwendungsszenarien. Genau das macht Zukunftsfähigkeit von Wissenschaft, Forschung und Bildung aus. (Beifall bei der LINKEN) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Nächster Redner ist der Kollege Kai Gehring, Bündnis 90/Die Grünen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Regierungsparteien sind mitten im Wettlauf um die Frage, wie man Deutschland von der Welt abschotten kann. Das ist das falsche Rezept für ein zukunftsfähiges Deutschland. Sich abzuschotten, erstickt den freien Geist, doch genau der macht unsere Gesellschaft erst offen und innovativ. Darum streiten wir für Offenheit und Neugier. Aufklärung lassen wir von der AfD nicht zurückdrehen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Lachen bei Abgeordneten der AfD – Jürgen Braun [AfD]: Das ist aber Ihre Phobie!) Brennende Probleme gibt es genug: Kinderarmut, Bewältigung der Klimakrise, Umsetzung der Energiewende, Mangel an bezahlbarem Wohnraum und eben der Kampf für eine gerechtere Bildungspolitik. Es wird Zeit, sich endlich um die wahren Herausforderungen zu kümmern und die Fortschrittlichkeit Deutschlands und Europas in den Mittelpunkt zu rücken. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN) Die konstruktive Opposition im Bundestag macht ihre Arbeit. Nach uns Grünen und den Linken hat nun auch die FDP Ideen für eine bessere Bildungs- und Forschungspolitik zu Papier gebracht. „Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen“ – bei dem knalligen Titel erwarten wir ein wahres Feuerwerk an Vorschlägen, werden aber doch enttäuscht. Zu Recht stellt die FDP fest: „Bildung ist die soziale Frage unserer Zeit.“ (Beifall der Abg. Dr. Franziska Brantner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Allerdings fehlen der FDP Konzepte, um dafür zu sorgen, dass Bildungschancen nicht länger vom Wohnort oder vom Bildungsabschluss oder vom Migrationshintergrund der Eltern abhängen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN) Mit FDP-Ladenhütern wie dem dreigliedrigen Schulsystem, dem Deutschlandstipendium, den Studienkrediten und Co lässt sich das jedenfalls nicht erreichen. Ob Paul, ob Ali, ob Lisa oder Cindy – sie alle haben das Zeug zu besten Leistungen. Chancengerechtigkeit für alle, von klein auf und lebenslang, und jedes Talent optimal fördern – das sind unsere Ziele. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Gut ist, dass auch die FDP für eine grundlegende Reform des Bildungsföderalismus eintritt. Wir tun das schon lange: 2005 haben sich Grüne im Bundestag der Einführung des Kooperationsverbotes in der Bildung widersetzt. Seitdem wollen wir Kooperationshürden in Gänze abschaffen und die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern durch eine Reform des Grundgesetzartikels 91b neu entfachen, für mehr Qualität, Gerechtigkeit und Leistungsfähigkeit. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN) Am Ende kommt es aber auf Union und SPD an, wenn es darum geht, ob wir gemeinsam die Verfassung für beste Bildung fit machen; denn nur mit uns in der Opposition gibt es die erforderliche Zweidrittelmehrheit. An der Verfassung nur für den dauerangekündigten DigitalPakt Schule so ein bisschen rumzuschrauben, reicht uns jedenfalls nicht. Es braucht gemeinsame Antworten auf bundesweite Herausforderungen wie Bildungsgerechtigkeit, Integration, Inklusion und Digitalisierung, und das geht nur mit einer vernünftigen Verfassung. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 100 Tage ist Bildungsministerin Karliczek im Amt. Heute fehlt sie einmal mehr auf der Regierungsbank. (Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Erstmalig!) Sie war eine große Überraschung am Kabinettstisch. Visionäre Ziele fehlen ihr allerdings, und konzeptionell ist sie bisher völlig blank geblieben. Das muss sich dringend ändern. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP) Denn es gibt Baustellen zuhauf. Integration durch Bildung ist Megathema im Alltag, aber Randthema bei dieser Bundesregierung. Bildungsgerechtigkeit: bei Ministerin Karliczek gar kein Thema. Wir als Grüne wollen eine Offensive für Schulen in sozialen Brennpunkten. Berufliche Bildung: Die versprochene Stärkung bleibt bislang bloße Ankündigung. Wir wollen eine Ausstattungsoffensive für Berufsschulen. Tatenlos ist die Ministerin bei Ausbildungslosigkeit viel zu vieler Jugendlicher. Statt Warteschleifen weiter zu verwalten oder, wie die FDP es will, einigen Betrieben ein Exzellenzschild an die Tür zu nageln, brauchen wir für alle eine Ausbildungsgarantie und einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Gute Ausbildungsbedingungen, gute Ausbildungsvergütungen, gute Löhne und mehr Weiterbildungsangebote sind das A und O, damit berufliche Bildung dauerhaft attraktiv ist. Legen Sie damit endlich los! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Bei Forschung und Innovation belässt es die Ministerin bei Interviews, während ich mich bei der FDP über ein allzu enges Forschungsverständnis schon wundere. Forschung verfolgt erst mal keinen direkten Zweck; es geht nicht nur um Patentzahlen. Wissenschaft braucht Freiheit – hierzulande wie weltweit. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Christian Dürr [FDP]: Das ist doch nicht wahr!) Forschung für den Wandel, das ist unser Ideal, um die großen gesellschaftlichen und globalen Herausforderungen wissensbasiert zu bewältigen. Wir setzen auf wissenschaftlichen Fortschritt, der Deutschland zum Pionier für soziale und ökologische Innovationen macht; denn wir brauchen dringend bahnbrechende Innovationen und Gründergeist, um bei der sozial-ökologischen Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft entscheidend voranzukommen und auch die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen; sonst sieht es bei der Zukunftsfähigkeit nämlich verdammt düster aus. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Hochschulen, Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind übrigens die Herzkammern des deutschen Wissenschaftssystems. Daher habe ich im FDP-Antrag die Hochschulpolitik vermisst – eine hochproblematische Leerstelle nicht nur bei der FDP, sondern auch bei der Bundesbildungsministerin: nichts zum Sanierungsstau an den Hochschulen, nichts zu der schwierigen Lage auf dem Wohnungsmarkt für Studierende, nichts zur Verbesserung des BAföG. Wir sagen: Wenn die außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu Recht auch künftig Jahr für Jahr Aufwüchse bekommen, dann darf man den Hochschulen das nicht verwehren. Wir wollen eine Dynamisierung des Hochschulpaktes, damit sich die Schere zwischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen nicht weiter öffnet. Das ist gut für ein besseres Studium in Deutschland. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, in ihrer Antrittsrede hat Ministerin Karliczek die Bedeutung von Bildung und Forschung beschworen. Wenn sie das ernst nimmt, darf sie sich nicht länger damit abfinden, dass ihr Politikfeld unterfinanziert ist. Sie braucht endlich zukunftsweisende Ideen. Wer Innovationen will, muss selbst innovativ regieren. Als Grüne im Bundestag kämpfen wir weiter für Chancen für alle, für gute Bildung, kreative Forschung, sozial-ökologische Innovationen; denn Deutschland braucht mehr Ideen, mehr Meister und mehr Master. Vielen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsident Dr. Wolfgang Schäuble: Jetzt hat das Wort die Kollegin Sybille Benning, CDU/CSU. (Beifall bei der CDU/CSU) Sybille Benning (CDU/CSU): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Damen und Herren! Liebe geschätzte Kollegen von der FDP! Es gehört schon ein gehöriges Maß an Griesgrämigkeit dazu – so sagen wir bei uns zu Hause –, wenn man wie Sie zu dem Schluss kommt, dass hierzulande in der Bildungspolitik auf der Stelle getreten wird. Mit Verlaub: Das macht mir schon Sorgen. Das ist doch eher gekünstelte Intelligenz und leider keine menschliche Klugheit, sondern nur schnöde, partielle Wahrnehmung. Antragslyrik ist ja gut und schön, aber so kann ich das nicht stehen lassen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Ihr Antrag will ausschließlich Ihr eigenes Programm ins Schaufenster stellen. Die bereits laufenden Aktivitäten zu vielen auch von der FDP befürworteten Vorhaben – wie der DigitalPakt, der Nationale Bildungsrat, die Neuauflage der Hightech-Strategie, die Gründung einer Agentur für Sprunginnovationen, ein Berufsbildungspakt – werden hier geflissentlich ignoriert. Dass die Liberalen den Koalitionsvertrag nicht zur Kenntnis nehmen: Na ja, mit Koalitionsverträgen haben Sie es ja auch nicht so. Geschenkt. (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Christian Dürr [FDP]: Sie auch nicht!) Befremdlich finde ich, dass Sie den jüngst herausgekommenen Bildungsbericht 2018 mit keiner Silbe erwähnen. Wahrscheinlich fallen dort die Ergebnisse für Ihre gelbe Schwarzmalerei zu positiv aus. Aber die Lektüre lohnt sich. Jedenfalls ist der Bildungsbericht noch immer ein Gradmesser für eine gelungene oder misslungene Bildungspolitik und nicht Ihre „Digital first, Bedenken second“-Leier. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Katja Suding [FDP]: Haben Sie es mal gelesen?) Wir stehen für harte, überprüfbare Fakten und nicht für Agenturgeschwätz. Zu den harten Fakten gehören: Erstens. Die Anzahl der Beschäftigten im Bildungswesen hat seit 2006 kontinuierlich zugenommen. Der größte Zuwachs ist dabei im Bereich der frühen Bildung zu verzeichnen. Die frühkindliche Bildung schafft für alle Kinder gute Voraussetzungen für erfolgreiche Bildungsbiografien. Zweitens. Das duale Ausbildungssystem, für das wir weltweit bewundert werden, verzeichnet weiterhin Neuzugänge: rund 700 000 junge Menschen im vergangenen Jahr. Das ist nicht genug; aber wir arbeiten mit verschiedenen Maßnahmen an einem weiteren Zuwachs. Drittens. In dieser Woche tagte erstmals das Digitalkabinett mit unserer Bundeskanzlerin, und wir haben in dieser Woche gleich zwei Enquete-Kommissionen „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ und „Künstliche Intelligenz“ auf den Weg gebracht. (Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Neuland!) Bei uns ist nämlich Digital- und Bildungspolitik Chefinnensache. Anja Karliczek stellte dort die Eckpunkte der KI-Strategie vor. (Katja Suding [FDP]: Wo ist sie denn heute?) Viertens. Mit der Plattform „Lernende Systeme“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der angekündigten Daten-Ethikkommission hat Deutschland bereits wichtige Schritte in die Wege geleitet. Jetzt gilt es, darauf aufbauend, eine eigene Strategie für die weitere Entwicklung des KI-Standortes Deutschland zu erarbeiten. Meine Damen und Herren, wir wissen, unsere Schulen brauchen schnelles Internet und moderne Ausstattung. Und Sie haben absolut recht: Die Zeit drängt. Die Große Koalition will die Digitalisierung aller Schulen in Deutschland so schnell wie möglich voranbringen: deshalb der gemeinsame Digitalpakt von Bund und Ländern. Das Volumen beträgt 5 Milliarden Euro des Bundes in fünf Jahren. Das ist doch was. (Beifall bei der CDU/CSU) Das Geld soll sinnvoll und nachhaltig investiert werden. Mit einer Art Subvention für Endgerätehersteller, wie es in Ihrem Antrag gefordert wird, erreichen wir das sicherlich nicht. Was die Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit modernen Endgeräten betrifft, so kann der Ansatz „Bring your own device“ eine sinnvolle Einstiegsstrategie sein, um digitale Medien fächerübergreifend in den Unterricht einzubringen; denn 92 Prozent der Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren besitzen ein eigenes Handy oder Smartphone. Wichtig ist, dass wir jetzt zügig die Grundlage dafür schaffen und gemeinsam hier im Deutschen Bundestag und mit den Ländern das Grundgesetz ändern, im Interesse unseres Landes. (Katja Suding [FDP]: Haben Sie dafür eine eigene Mehrheit? – Gegenruf der Abg. Dr. Franziska Brantner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie redet so, als hätte sie eine Zweidrittelmehrheit!) Die zweite und dritte Lesung ist dafür im Herbst 2018 vorgesehen. Parallel dazu wird die Bund-Länder-Vereinbarung zum Digitalpakt verhandelt, sodass dieser wirklich Anfang 2019 starten kann. Ich stehe zum Bildungsföderalismus; das gebe ich gerne zu. Die Länder tragen auch Verantwortung, und das wird sich in Zukunft auch nicht ändern. Das vielleicht Komplizierteste am Digitalpakt ist, dass wir die Weiterbildung der Lehrer schnell voranbringen müssen, um überhaupt digitalgestützten Unterricht anbieten zu können. Das ist übrigens eine Aufgabe der Länder. Gewiss: Der Bund kann eine Cloud für Lerninhalte anbieten. Das Bundesministerium unterstützt ein Pilotprojekt des Hasso-Plattner-Instituts zur Entwicklung eines universellen IT-Konzepts für Schulen. 27 Schulen bundesweit wirken durch praktische Erprobung an der Entwicklung mit. Eines davon ist das Hittorf-Gymnasium bei mir zu Hause in Münster. Meine Damen und Herren, die Bereiche Lernen, Wissensaneignung und Mediennutzung werden sich durch die Digitalisierung weiter fundamental ändern, in allen Bereichen. Deswegen gibt es den Bildungsrat. Bundesministerin Anja Karliczek hat ein entsprechendes Konzept vorgestellt, (Christian Dürr [FDP]: Ein weiterer Arbeitskreis! Weil sich die Dinge nicht ändern, machen wir einen weiteren Arbeitskreis!) und dieses Konzept wurde vor zwei Wochen in der Kultusministerkonferenz mit den Ländern besprochen. Mit dem Berufsbildungspakt, der Nationalen Weiterbildungsstrategie und der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes werden wir die Attraktivität der beruflichen Bildung weiter erhöhen. Ferner fördert das BMBF bereits digitale Medien im Ausbildungsalltag. Dabei dürfen wir nicht die akademische und die berufliche Bildung gegeneinander ausspielen. (Christian Dürr [FDP]: Dafür muss es noch einen Arbeitskreis geben!) Wichtig ist, dass jeder junge Mensch seinen Weg gehen kann und dass wir für jeden etwas anbieten können. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) – Danke. Ich komme zum Schluss. – Grundlage für jegliches politisches Handeln ist für uns Christdemokraten unser christliches Menschenbild. Auch und gerade in Zeiten politischer und technologischer Umbrüche steht der Mensch mit seiner Würde, seiner Einzigartigkeit und seiner Persönlichkeit im Mittelpunkt. Aus diesem Menschenbild heraus wollen wir auch mit der Digitalisierung gestalten. Für uns ist Digitalisierung kein Selbstzweck, sondern Instrument und Werkzeug. Das gilt gerade auch für die Bildungspolitik. Wir haben Gestaltungswillen. (Christian Dürr [FDP]: Da muss es doch einen Arbeitskreis geben!) Wir haben Ideen und eine zukunftsfeste Agenda. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsident Wolfgang Kubicki: Herzlichen Dank, Frau Kollegin Benning. – Als Nächstes für die Fraktion der AfD der Kollege Dr. Marc Jongen. (Beifall bei der AfD) Dr. Marc Jongen (AfD): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Die FDP hat einen typischen Schaufensterantrag vorgelegt, mit dem Titel „Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichern“. Das ist so etwas wie das Bildungs- und Forschungsprogramm einer imaginären FDP-Alleinregierung. Bei aller Sympathie für einzelne Aspekte des Antrags, muss man doch froh sein, dass solch eine Alleinregierung nicht besteht. (Beifall bei der AfD – Christian Dürr [FDP]: Weil wir nicht wie Sie zurück ins 18. Jahrhundert wollen!) Sie würde nach der allzu simplen Maxime handeln: Je radikaler und schneller der Wandel, desto besser. – Das in dem Antrag massiv propagierte lebenslange Lernen entfaltet so ein unterschwelliges Drohpotenzial, für das die FDP in ihrer grenzenlosen Digitaleuphorie offenbar blind ist. (Katja Suding [FDP]: Man kann auch einfach die Augen verschließen vor der Welt! – Christian Dürr [FDP]: Wir mauern uns einfach ein!) Wer nämlich irgendwann nicht mehr fähig ist, sich nach der „schöpferischen Zerstörung“ seiner Firma oder seiner Branche immer wieder und wieder neu zu erfinden und völlig umzulernen, (Christian Dürr [FDP]: Wir schotten uns ab!) für den ist nicht wirklich Platz in dieser schönen neuen digitalen Welt. Bildung, werte Kollegen von der FDP, heißt, sich neue Technologien auf der Grundlage bewährter Kulturtechniken anzueignen und sich ihnen nicht bedingungslos unterzuordnen. (Beifall bei der AfD) Denken Sie vielleicht einmal über das Bonmot von Harald Schmidt nach: „Je proll, desto digi.“ Der Stimmung nach vermittelt Ihr Antrag eine Art von Torschlusspanik. Mir kam beim Lesen folgendes Bild in den Sinn: Da rast ein Zug in die Zukunft, und der deutsche Michel steht mit der Schlafmütze daneben (Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer ist hier eine Schlafmütze?) und wird sich, wenn er nicht schleunigst aufspringt, bald in einem biedermeierlichen Freilichtmuseum wiederfinden. Dort kommen ihn dann Chinesen und Amerikaner besuchen, um zu sehen, wie man früher so lebte. (Christian Dürr [FDP]: Das ist Ihr Modell!) Das ist natürlich grell überzeichnet; aber da ist auch etwas dran. Das muss man eingestehen. Richtig ist: In der deutschen Wissenschafts- und Forschungspolitik sind seit Jahrzehnten die Weichen falsch gestellt worden. Mit dem Bologna-Prozess hat eine wissenschaftsfeindliche Verschulung des Studiums stattgefunden. Man hat ohne Not die bewährten Diplom- und Magisterstudiengänge aufgegeben; man hat den international hoch angesehenen deutschen Diplomingenieur durch Bachelor und Master ersetzt, wofür wir in den USA, wo wir damit ja Anschluss finden wollen, im Übrigen nur Kopfschütteln geerntet haben. (Beifall bei der AfD) Die Dominanz der Projektförderung in der Forschung, hauptsächlich nach EU-Vorgaben, und die damit verbundenen Antrags- und Berichtspflichten haben zu einer exorbitanten Mehrbelastung der Forscher mit wissenschaftsfremden Aufgaben geführt. All die EU-Programme und Initiativen, die der Wissenschaft übergestülpt werden, sind im Wesentlichen für eines gut, nämlich eine neue Kaste von Bürokraten und Wissenschaftsmanagern zu nähren, die selbstreferenziell dafür sorgt, dass die bürokratischen Mühlen mahlen und ihre eigene Reproduktion gesichert ist. Zum Wohle der Wissenschaft ist das nicht. (Beifall bei der AfD) Gute Wissenschaft gibt es weiterhin in Deutschland, aber nicht wegen, sondern trotz dieser bürokratischen EU-Programme, meine Damen und Herren. Hinzu kommt noch der schädliche Einfluss der Ideologie. Das Gender-Mainstreaming, (Zurufe von der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) das den Aberwitz der Genderideologie auch in seriöse Forschungsfelder hineinträgt, hat inzwischen einen ähnlichen Status erreicht wie weiland der Marxismus-Leninismus in der DDR. (Beifall bei der AfD – Dr. Franziska Brantner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oh Gott!) Alle müssen diesen Gessler-Hut grüßen, wenn sie weiterhin in Ruhe forschen wollen und nicht einer neuen Inquisition zum Opfer fallen wollen. Das bedeutet eine schleichende Korruption des freien Forschergeistes, meine Damen und Herren. (Dr. Franziska Brantner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Uiuiui! – Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie bedrohen die Genderforscherinnen und -forscher! – Niema Movassat [DIE LINKE]: Billig!) Kein Wunder, dass seit vielen Jahren ein Braindrain stattfindet, auch deswegen übrigens, weil die Arbeits- und Karrierebedingungen der Wissenschaftler hierzulande nicht gut genug sind. Ebenso wie die Millionäre verlassen auch die klügsten Köpfe scharenweise unser Land. (Dr. Franziska Brantner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Vielleicht in Ihrer Fraktion! Aber bei uns nicht!) Und bei aller Notwendigkeit der künstlichen Intelligenz: Diese klugen Köpfe werden wir durch KI nicht ersetzen können. (Beifall bei der AfD – Zurufe der Abg. Niema Movassat [DIE LINKE] und Dr. Franziska Brantner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Man müsste endlich ernst machen mit der vielbeschworenen Autonomie der Universitäten und Forschungsinstitute. Lassen wir die Wissenschaft sich aus ihrer Eigenlogik heraus entwickeln. Statten wir sie mit ausreichenden Mitteln aus, aber überlagern wir sie nicht mit bürokratischen Programmen, mit Ideologie und mit staatlichen Strukturvorgaben. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Vizepräsident Wolfgang Kubicki: Vielen Dank, Herr Kollege. – Als Nächstes erteile ich das Wort für die SPD-Fraktion dem Kollegen Dr. Karamba Diaby. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Dr. Karamba Diaby (SPD): Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Als ich 24 Jahre alt war, habe ich mich um ein internationales Stipendium beworben und konnte dann an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Chemie studieren und wurde dort später auch promoviert. Meine Eltern haben dafür keinen Cent bezahlt. Ich bin zum Studieren gekommen und bin zum Leben geblieben. (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP) So geht es vielen Tausenden Studierenden an deutschen Hochschulen. 89 Prozent davon wollen hier einen Abschluss machen, und rund die Hälfte der über 250 000 internationalen Studierenden ist erfreulicherweise in einem MINT-Fach eingeschrieben. Meine lieben Kolleginnen und Kollegen, damit steht fest: Deutschland hat seine Stellung als attraktiver Studienstandort weiter ausgebaut und steht positiv da. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Drei wesentliche Rahmenbedingungen sind in diesem Zusammenhang zu nennen: der Hochschulpakt, der Qualitätspakt Lehre, die Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung. Doch eine Sache will ich hier noch anmerken. Die schwarz-gelbe Regierung in NRW verlangt Gebühren von internationalen Studierenden. Wer nicht aus Europa kommt und in NRW studieren will, soll zukünftig Studiengebühren zahlen. (Niema Movassat [DIE LINKE]: Pfui!) Das ist weder fair noch liberal. (Beifall bei der SPD und der LINKEN) Und noch weniger sichert es die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen Gebührenfreiheit von der Kita bis zur Uni, damit es keinen Unterschied mehr macht, ob ein Kind im Burgenlandkreis oder im Schwarzwald aufwächst. (Beifall bei der SPD und der LINKEN – Katja Suding [FDP]: Dann müssen Sie aber auch für die entsprechende Qualität sorgen!) Meine sehr verehrten

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