Berichte über Zahlungsprobleme bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH durch SAP-Umstellung (Antwort zu Drs. 21/4617)
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Berichte über Zahlungsprobleme bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH durch SAP-Umstellung (Antwort zu Drs. 21/4617)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4936
21. Wahlperiode 24.03.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Rocco Kever, Matthias Rentzsch,
Denis Pauli, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/4617 –
Berichte über Zahlungsprobleme bei der Deutschen Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH durch SAP-Umstellung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
soll in über 90 Ländern moderne, verlässliche und digitale Strukturen
aufbauen und die digitale Transformation in Entwicklungsländern vorantreiben.
Gleichzeitig ist nach Medienberichten die GIZ GmbH seit Wochen selbst nicht
in der Lage, Rechnungen an externe Dienstleister, Berater und Partner zu
bezahlen. Grund sei die weltweite Umstellung auf die SAP-Software S/4HANA
(vgl. www.spiegel.de/politik/sap-software-bei-giz-deutsche-entwicklungshilf
e-kann-seit-wochen-rechnungen-nicht-bezahlen-a-b0a4739e-a0cb-4141-9036-
9bcb10c33a4b vom 2. März 2026). Interne Chatnachrichten zeigen demnach
massiven Frust bei den Mitarbeitern. Externe Partner würden seit Wochen
vertröstet, erste Hotels verweigerten bereits die Buchung von Meetingräumen,
und in mehreren Ländern entstünden „massive Probleme“ bei laufenden
Projekten (vgl.www.welt.de/politik/deutschland/plus69a094be128bc9f66feec15f/
sap-panne-bei-giz-deutsche-entwicklungshelfer-koennen-seit-wochen-rechnun
gen-nicht-zahlen.html vom 27. Februar 2026; a. a. O.). Gleichzeitig beteuert
die GIZ-Sprecherin, die Zahlungsfähigkeit sei „weltweit gewährleistet“ und
die Probleme würden „schnellstmöglich gelöst“ (a. a. O.). Die GIZ betreut
Projekte im Wert von 22 Mrd. Euro (a. a. O.).
1. Sind die in der Vorbemerkung der Fragesteller erwähnten Probleme
zutreffend, wenn ja, seit wann genau bestehen die Zahlungsverzögerungen
bei der GIZ GmbH aufgrund der SAP-Umstellung, und wie viele
Rechnungen sind aktuell (Stand: 3. März 2026) noch nicht bezahlt?
In der GIZ GmbH ging im Januar 2026 die neue IT-Systemlandschaft SAP S/
4HANA in Betrieb. Über den Jahreswechsel wurden Daten aus den Alt-
Systemen in das neue System migriert, weshalb keine Zahlungen erfolgen konnten.
Die Geschäftspartner wurden darüber zuvor weltweit informiert. Eine
Bezifferung der Anzahl der betroffenen Rechnungsvorgänge ist zum aktuellen
Zeitpunkt nicht möglich.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung vom 24. März 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
2. Wenn Frage 1 bejaht wird, auf welche Höhe belaufen sich die bisher
unbezahlten Rechnungen an externe Dienstleister, Berater und Partner (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Eine Bezifferung der Höhe der betroffenen Rechnungsvorgänge ist zum
aktuellen Zeitpunkt nicht möglich.
3. Welche Projekte und Länder sind, wenn Frage 1 bejaht wird, durch die
Zahlungsverzögerungen besonders betroffen, und welche konkreten
Auswirkungen (z. B. Projektverzögerungen, Kündigungen von Partnern,
Vertrauensverlust) sind bereits eingetreten (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Alle Länder, in denen die GIZ Projekte umsetzt, sind von den in der Antwort zu
Frage 1 beschriebenen Einschränkungen betroffen. Vereinzelt kam es zu
Verzögerungen in der Umsetzung von Projektaktivitäten und zu Kündigungen durch
Dienstleister. Die GIZ GmbH steht deswegen mit ihren Auftraggebern,
Partnern und Geschäftspartnern fortlaufend in engem Austausch.
4. Wie hoch waren, wenn Frage 1 bejaht wird, die Gesamtkosten der SAP-
S/4HANA-Umstellung bei der GIZ GmbH, und wie hoch waren die
Kosten für externe Berater und Dienstleister bei diesem Projekt (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Für die SAP-Transformation sind Kosten in Höhe von 101,6 Mio. Euro
entstanden. Davon entfielen 60,2 Mio. Euro auf externe Berater bzw. externe
Dienstleister Die Vergabe dieser Leistungen erfolgte gemäß den preisrechtlichen und
vergaberechtlichen Vorgaben.
5. Warum wurde, wenn Frage 1 bejaht wird, trotz interner Warnungen und
bekannter Risiken eine weltweite Umstellung durchgeführt, die zu diesen
massiven Zahlungsproblemen führt (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Die Entscheidung, die Systemumstellung durchzuführen, erfolgte nach einer
sorgfältigen Abwägung möglicher Risiken. Diese wurden und werden
kontinuierlich gemonitort und bewertet.
6. Wenn Frage 1 bejaht wird, wie erklärt die Bundesregierung den
Widerspruch, dass die GIZ GmbH einerseits Zahlungsfähigkeit beteuert,
andererseits aber seit Wochen Rechnungen nicht bezahlen kann und Partner
vertröstet werden müssen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen. Die Zahlungsfähigkeit (Solvenz)
der GIZ GmbH ist gegeben.
7. Wenn Frage 1 bejaht wird, welche Maßnahmen hat die GIZ GmbH bzw.
das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) seit Bekanntwerden der Probleme ergriffen, um die
Zahlungsrückstände schnellstmöglich zu begleichen und weiteren
Schaden zu verhindern (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die GIZ GmbH ist mit Auftraggebern, Partnern und Geschäftspartnern im
ständigen, lösungsorientierten Austausch, um die Situation zu erklären. Die GIZ
GmbH arbeitet mit Hochdruck daran, die Leistungsfähigkeit der technischen
Prozesse zu verbessern und die Bearbeitung der vorliegenden Rechnungen zu
beschleunigen. Zudem hatte die GIZ GmbH bereits vor der Umstellung des
Systems Übergangslösungen für dringende Zahlungen vorbereitet.
8. Wie viele externe Partner (z. B. Hotels, Berater, lokale Dienstleister)
haben, wenn Frage 1 bejaht wird, bereits Zahlungen angemahnt oder
Konsequenzen (z. B. Kündigung von Verträgen) angekündigt (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die genaue Anzahl der Zahlungsaufforderungen wird nicht statistisch erfasst.
9. Wenn Frage 1 bejaht wird, welche Auswirkungen haben die
Zahlungsprobleme auf das internationale Ansehen der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Nach Einschätzung der Bundesregierung wird das hohe internationale Ansehen
der deutschen Entwicklungszusammenarbeit durch die aktuellen
Herausforderungen der IT-Umstellung nicht beeinträchtigt.
10. Wenn Frage 1 bejaht wird, wer trägt die politische und organisatorische
Verantwortung für die fehlerhafte SAP-Umstellung bei der GIZ GmbH
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die Implementierung von S4/HANA liegt in der unternehmerischen
Verantwortung der GIZ GmbH.
11. Plant die Bundesregierung, wenn Frage 1 bejaht wird, eine unabhängige
Untersuchung der SAP-Umstellung und der daraus resultierenden
Zahlungsprobleme (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die Option einer unabhängigen Untersuchung ist derzeit Gegenstand laufender
Austauschprozesse.
12. Wenn Frage 1 bejaht wird, welche Konsequenzen zieht die
Bundesregierung aus diesem Vorfall für künftige große IT-Projekte bei
Durchführungsorganisationen wie der GIZ GmbH (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Die IT-Transformationen werden auch künftig von Bundesunternehmen wie der
GIZ GmbH in ihrer eigenen unternehmerischen Verantwortung durchgeführt.
13. Wie hoch sind, wenn Frage 1 bejaht wird, die bisher entstandenen
Zusatzkosten (z. B. Mahngebühren, Zinsen, Notfallmaßnahmen) durch die
SAP-Panne (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Kosten für Mahngebühren sind bislang nur in sehr vereinzelten Fällen
angefallen und belaufen sich bisher auf einen Betrag unterhalb von 1.000 Euro.
14. Wie soll, wenn Frage 1 bejaht wird, zukünftig sichergestellt werden, dass
die GIZ GmbH trotz interner Umstellungen ihre Verpflichtungen
gegenüber Partnern in Entwicklungsländern erfüllen kann (vgl. Vorbemerkung
der Fragesteller)?
Die GIZ GmbH geht davon aus, dass die nach der Umstellung entstandenen
Verzögerungen im Jahresverlauf aufgeholt werden können. Ansonsten wird auf
die Antwort zu den Fragen 3, 5 und 7 verwiesen.
15. Wenn Frage 1 bejaht wird, wie bewertet die Bundesregierung den
Umstand, dass die GIZ GmbH, die weltweit die sog. digitale Transformation
unterstützen soll, selbst erhebliche Probleme bei der Einführung eines
Standard-IT-Systems (SAP S/4HANA) hat und dadurch seit Wochen
Rechnungen nicht begleichen kann (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Die Bundesregierung hat keinen Anlass, an der Leistungsfähigkeit der GIZ
GmbH bei der weltweiten Unterstützung von Digitalvorhaben in den
Partnerländern zu zweifeln.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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