Ungeklärter Verbleib vietnamesischer Auszubildender in Berlin
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Ungeklärter Verbleib vietnamesischer Auszubildender in Berlin
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4392
21. Wahlperiode 27.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Peter Bohnhof, René Springer, Jan Feser, Lukas Rehm,
Achim Köhler, Tobias Matthias Peterka, Stephan Brandner, Gereon Bollmann,
Knuth Meyer-Soltau, Ulrich von Zons, Thomas Fetsch, Sascha Lensing und
der Fraktion der AfD
Ungeklärter Verbleib vietnamesischer Auszubildender in Berlin
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der deutsch-vietnamesischen
diplomatischen Beziehungen fand am 9. Dezember 2025 auf Einladung des
Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) das Deutsch-vietnamesische
Labour Forum in Leipzig statt. Im Fokus der Veranstaltung sollte unter anderem
die „faire Rekrutierung und Anwerbung von Arbeitskräften aus Vietnam“
stehen (www.leipzig.de/kultur-und-freizeit/veranstaltungen/eventsingle/event/d
eutsch-vietnamesisches-labour-forum-2025).
Vor diesem Hintergrund treibt die Fragesteller das Verschwinden von jungen
Vietnamesen um, die zur Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe nach
Berlin gekommen sind. Über eine Recherche des „Rundfunks Berlin-
Brandenburg“ (RBB) wurde im Oktober 2025 bundesweit berichtet (www.rbb2
4.de/politik/beitrag/2025/10/vietnam-azubis-berlin-sprachzertifikate.html; vgl.
www.tagesschau.de/inland/azubis-vietnam-berlin-100.html).
Rund 200 von 700 Vietnamesen erscheinen demnach nicht mehr zum
Unterricht an der gastgewerblichen Brillat-Savarin-Schule in Berlin-Weißensee. Es
besteht der Verdacht auf Menschenhandel und Ausbeutung (in
Restaurantküchen über Nagelstudios bis hin zur Prostitution), in denen die Vietnamesen
Schulden von bis zu 20 000 Euro bei privaten Vermittlungsagenturen
abarbeiten müssten (ebd.). Zudem wurde berichtet, dass immer mehr vietnamesische
Auszubildende massive Sprachprobleme haben. Sie könnten dem Unterricht
kaum folgen, obwohl sie mit einem Sprachzertifikat (mindestens B1) eingereist
seien (vgl. Bericht Tagesschau oben).
Ein aktueller Warnhinweis der Bundespolizei zur Einreise von vietnamesischen
Staatsangehörigen legt aus Sicht der Fragesteller nahe, dass hier von einem
systematischen Vorgehen auszugehen ist (vgl. www.tagesschau.de/investigativ/rb
b/visa-vietnamesen-menschenhandel-bundespolizei-100.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Erkenntnisse hat die Bundesregierung ggf. zum
Verschwinden von vietnamesischen Auszubildenden in Berlin und etwaig
weiteren Orten in Deutschland?
a) Welche Hinweise liegen der Bundesregierung ggf. zum mutmaßlichen
Abtauchen von vietnamesischen Auszubildenden in die
Schwarzarbeit, insbesondere in Nagelstudios, Restaurants oder der Prostitution,
vor (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
b) Sind bzw. waren nach Kenntnis der Bundesregierung das Anwerben
von vietnamesischen Staatsangehörigen unter der Vorspiegelung
falscher Tatsachen, die Vorlage offensichtlich gefälschter
Sprachzertifikate und die Verrichtung von Schwarzarbeit zum Abarbeiten von
Vermittlungskosten Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen, wenn ja,
inwieweit, mit welchem Ausgang, und wenn nein, warum nicht?
c) Wurden ausgebeutete und bzw. oder verschwundene Auszubildende
nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen des
Deutschvietnamesischen Labour Forums am 9. Dezember 2025 thematisiert,
und wenn ja, inwieweit?
d) Haben nach Kenntnis der Bundesregierung öffentlich geförderte
Einrichtungen (zum Beispiel das Kompetenznetzwerk Vietnam in Berlin,
derzeit gefördert aus dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds
[AMIF] der Europäischen Union, 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2028) ggf.
proaktiv oder auf Nachfrage zum Erkenntnisgewinn beigetragen, und
wenn ja, inwieweit (vgl. www.via-in-berlin.de/netzwerke/neues-projek
t-kompetenznetzwerk-vietnam-amif-2025-2028/)?
2. Wie stellt die Bundesregierung die Einhaltung der sich aus § 45b Absatz 1
Satz 1 und 2 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG) bzw. § 299 des Dritten
Buches Sozialgesetzbuch (SGB III) ergebenden Informationspflicht
sicher, wie viele Kontrollen auf Einhaltung der Informationspflicht haben
seit 1. Januar 2026 bzw. 1. Januar 2025 stattgefunden, und wie viele
Verstöße gegen die Informationspflicht wurden im Zusammenhang mit
Arbeitnehmern mit vietnamesischer Staatsangehörigkeit seit 1. Januar 2026
bzw. 1. Januar 2025 ggf. festgestellt (bitte je Kalendermonat und
Bundesland aufschlüsseln)?
3. Wie viele vietnamesische Staatsangehörige haben nach Kenntnis der
Bundesregierung seit 1. Januar 2025 das Informations- und Beratungsangebot
„Faire Integration“ persönlich wahrgenommen?
4. Wie ist der Umsetzungsstand von Maßnahme 14 im Handlungsfeld I
(Arbeitskräftegewinnung) des „Nationalen Aktionsplans gegen
Arbeitsausbeutung und Zwangsarbeit“ (Bundestagsdrucksacke 20/14970, S. 11):
„Prüfung möglicher Maßnahmen im Bereich privater
Arbeitsvermittlungsagenturen zur Sicherstellung einer fairen Anwerbung aus Drittstaaten“?
5. Wie viele „Runde Tische“ (vgl. Bundestagsdrucksacke 20/14970, S. 7,
Nummer 4) haben nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Auftakt
im Juli 2024 zwischen dem BMAS und dem Arbeitsministerium Vietnams
stattgefunden, und wurde dabei oder bei anderer Gelegenheit das
vorliegende Problemfeld gegenüber vietnamesischen Stellen angesprochen?
a) Wurde thematisiert, dass private Vermittlungsagenturen in Vietnam
„den Leuten vor Ort das Blaue vom Himmel versprechen“, wie der
Hauptgeschäftsführer des Berliner Hotel- und Gastronomieverbands es
gegenüber dem „RBB“ ausgedrückt hat (vgl. www.rbb24.de/politik/be
itrag/2025/10/vietnam-azubis-berlin-sprachzertifikate.html )?
b) Inwieweit wurden ggf. die in Rede stehenden Missstände –
Anwerbung unter falschen Versprechungen, gefälschte Sprachzertifikate,
Verschwinden von Auszubildenden – thematisiert?
c) Was ist das Ergebnis der Prüfung von Ansätzen „zur Erhöhung der
Transparenz im Bereich der privaten Arbeitsvermittlung mit
Auslandsbezug“, die das BMAS angekündigt hat (vgl. www.tagesschau.de/inla
nd/azubis-vietnam-berlin-100.html)?
d) Wurde nach dem Verbleib der verschwundenen vietnamesischen
Auszubildenen und deren etwaiger Rückreise nach Vietnam gefragt?
e) Hat die Bundesregierung Hinweise auf eine Involvierung
vietnamesischer Behörden bzw. Regierungsstellen in die vorliegend behandelten
Vorkommnisse?
6. Ist der Bundesregierung ein derartiges Gebaren von privaten
Vermittlungsagenturen im Bereich der Anwerbung von Auszubildenden oder
Arbeitnehmern auch im Zusammenhang mit weiteren Drittstaaten bekannt?
a) Wenn ja, wurde dies gegenüber Regierungsvertretern dieser
Herkunftsländer bereits thematisiert, und welche Erkenntnisse traten dabei
zu Tage?
b) Wenn nein, warum nicht?
7. Inwieweit steht die Bundesregierung im Austausch mit einer
„verwaltungsübergreifenden Task Force“ in Berlin, mit dem Ziel einer fairen und
transparenten Anwerbung von Auszubildenden (vgl. www.tagesschau.de/i
nland/azubis-vietnam-berlin-100.html)?
8. Hat sich die Bundesregierung zu dem Vorschlag der Gewerkschaft
Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die Anwerbung von Auszubildenden
aus dem Ausland ausschließlich von der Bundesagentur für Arbeit
durchführen zu lassen, eine eigene Positionierung erarbeitet, und wenn ja, wie
lautet diese (vgl. www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/10/vietnam-azubis-b
erlin-sprachzertifikate.html)?
9. Sieht die Bundesregierung angesichts der Feststellung des BMAS, dass
die deutschen Gesetze zur privaten Arbeitsvermittlung „auf private
Vermittlungsagenturen mit ausschließlichem Sitz in Vietnam keine
Anwendung“ finden, gesetzgeberischen Handlungsbedarf, und wenn ja, welchen
(vgl. www.tagesschau.de/inland/azubis-vietnam-berlin-100.html)?
10. Inwiefern steht ein aktueller Warnhinweis der Bundespolizei zur Einreise
von vietnamesischen Staatsangehörigen ggf. im Zusammenhang mit den
vorliegend behandelten Vorgängen (vgl. www.rbb24.de/panorama/beitrag/
2025/12/bundespolizei-kontrollen-vietnamesen-visa-warnhinweis-verdach
t-ausbeutung.html)?
a) Über welche Erkenntnisse und Fallzahlen verfügt die Bundesregierung
zu einer „anhaltend hohen Zahl erschlichener Visa an
Auslandsvertretungen in Vietnam“ (bitte für die Jahre 2024 und 2025 jeweils nach
Kalendermonat aufschlüsseln)?
b) Über welche Erkenntnisse und Fallzahlen verfügt die Bundesregierung
zu fortlaufenden Fällen, „bei denen (Klein-)Unternehmen unplausibel
viele Personen zur Arbeitsaufnahme einladen“ (bitte für die Jahre
2024 und 2025 jeweils nach Kalendermonat aufschlüsseln)?
c) Wie vielen vietnamesischen Staatsangehörigen wurde seit dem
30. September 2025 die Einreise aufgrund der in dem Warnhinweis
(Frage 10) genannten Anzeichen verweigert?
Berlin, den 2. Februar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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