Auswirkungen von größeren Ansitzdrückjagden auf Tierschutzaspekte und Wildbretqualität im Bereich der Liegenschaften der Bundesforstbetriebe
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Auswirkungen von größeren Ansitzdrückjagden auf Tierschutzaspekte und Wildbretqualität im Bereich der Liegenschaften der Bundesforstbetriebe
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2744
21. Wahlperiode 12.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Julian Schmidt, Danny
Meiners, Bernd Schattner, Bernd Schuhmann, Christian Reck, Stefan Schröder,
Lars Schieske, Enrico Komning, Steffen Janich, Dario Seifert, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer und der Fraktion der AfD
Auswirkungen von größeren Ansitzdrückjagden auf Tierschutzaspekte und
Wildbretqualität im Bereich der Liegenschaften der Bundesforstbetriebe
Im Rahmen der Verwaltungsjagden der Länder und des Bundes haben
Ansitzdrückjagden bzw. Bewegungsjagden hinsichtlich des Jagderfolges in den letzten
Jahren eine erhebliche Bedeutung erlangt. Bereits mit zwei bis drei gut
organisierten Bewegungsjagden im Winter können beträchtliche Teile der
Jagdstreckenziele erreicht werden. Auf diese Weise können zahlreiche Einzelansitze
und damit verbundene kontinuierliche Störungen des Wildes vermieden
werden. Gemeinschaftliche Ansitzdrückjagden werden insbesondere im Januar als
besonders effizient eingeschätzt, weil sie den Jagderfolg im Vergleich zu
anderen Monaten und Jagdmethoden deutlich steigern können (www.jagdkonzep
t.de/post/bewegungsjagd-im-januar).
Trotz dieser Vorteile können insbesondere größere Ansitzdrückjagden – oftmals
mit duzenden teilnehmenden Jägern – auch mit negativen Effekten hinsichtlich
der Tierschutzaspekte und hinsichtlich der Wildbretqualität verbunden sein.
Bezogen auf den Tierschutz ist insbesondere problematisch, wenn auf Wild in
Bewegung schlecht geschossen wird. Dabei können auch geringe Abweichungen
von der optimalen Trefferlage bereits zulasten des Tierwohles führen.
Darüber hinaus ist wissenschaftlich bewiesen, dass stressbedingt hohe
Adrenalinpegel einen negativen Einfluss auf die Wildbretqualität haben können. Daher
ist es bereits im Vorfeld einer Jagd wichtig, diese so zu organisieren, dass das
Wild möglichst keinem unnötigen Stress ausgesetzt wird (Golter, S., 2019:
Drückjagden – Gute Organisation verbessert die Wildbretqualität. Der Jäger in
Baden-Württemberg 11, S. 14 bis 16). Ein weiterer Aspekt, der sich negativ auf
die Wildbretqualität auswirkt, ist, wenn durch schlechtes Aufbrechen teils
weich geschossener Stücke in Kombination mit verzögerter Anlieferung und
Weiterverarbeitung erhöhte Keimgehalte im Wildbret entstehen. Dem Bericht
eines Praktikers aus Bayern zufolge können mit dieser Problematik erhebliche
Wildbretverluste mangels Verwertbarkeit verbunden sein (Klimke, V., 2020: Im
Namen des Waldes. Wild und Hund 4, S. 20 bis 25).
Die Fragesteller halten es in diesem Zusammenhang für wichtig, die genannten
kritischen Aspekte, die insbesondere mit größeren Ansitzdrückjagden
verbunden sein können, näher zu hinterfragen und zu analysieren, um die Jagd als
Kulturgut mit hohen ethischen Ansprüchen auf wildbiologischer Grundlage
aufrechterhalten und weiterentwickeln zu können.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie haben sich die Teilnehmerzahlen bei gemeinschaftlichen
Ansitzdrückjagden in den letzten 20 Jahren im Bereich der Liegenschaften der
Bundesforstbetriebe entwickelt (wenn möglich, bitte nach Bundesforstbetrieben
aufschlüsseln)?
2. Inwiefern spielten und spielen bei dieser Organisationsform der Jagd (im
Vergleich zu Einzelansitzen) neben wildbiologischen und ökologischen
Faktoren auch betriebswirtschaftliche bzw. organisatorische Gründe eine
Rolle (beispielsweise im Zusammenhang mit der Entwicklung des
Personalbestandes der Bundesforstbetriebe)?
3. Wie hat sich in den letzten 20 Jahren der Anteil der auswärtigen Jagdgäste
an den gemeinschaftlichen Ansitzdrückjagden entwickelt (neben dem
eigenen Personal und neben Jagderlaubnisscheininhabern werden im Rahmen
der gemeinschaftlichen Ansitzdrückjagden oftmals auch auswärtige
Jagdgäste einbezogen, jeder Inhaber eines gültigen Jagdscheines, ausgenommen
des Jugendjagdscheines, kann sich nach Angabe der Bundesanstalt für
Immobilienaufgaben für die Teilnahme an Gesellschaftsjagden in
bestimmten Bundesforstbetrieben bewerben)?
4. Werden die von den Fragestellern in der Vorbemerkung thematisierten
kritischen Aspekte (beispielsweise die Beeinträchtigung der Wildbretqualität
durch schlechte Treffpunktlagen) systematisch erfasst, und wenn ja,
a) wie haben sich in diesem Zusammenhang die Wildbretverluste mangels
Verwertbarkeit in den letzten 20 Jahren entwickelt (wenn möglich, bitte
nach den einzelnen Bundesforstbetrieben aufschlüsseln),
b) gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen den prozentualen
Wildbretverlusten und der Anzahl der an den jeweiligen Jagden
teilnehmenden Jäger (wenn möglich, bitte nach den einzelnen
Bundesforstbetrieben für die letzten 20 Jahre aufschlüsseln)?
5. Kam es bei der Vermarktung von Wildbret, das im Rahmen von
Ansitzdrückjagden im Bereich der Liegenschaften der Bundesforstbetriebe zur
Strecke kam, im Vergleich zu dem im Rahmen von Einzelansitzen erlegten
Wild in den letzten 10 Jahren zu einer geringeren Nachfrage bzw. zu
Preisabschlägen, und wenn ja, warum?
6. Welche organisatorischen Maßnahmen (Jagdpausen zum
zwischenzeitlichen Bergen und Aufbrechen des erlegten Wildes, Legen einer
symbolischen Strecke etc.) werden bei den Ansitzdrückjagden im Bereich der
Liegenschaften der Bundesforstbetriebe ergriffen, um eine möglichst hohe
Qualität des Wildbrets gewährleisten zu können?
7. Welche Standards gelten im Bereich der Bundesforstbetriebe für den
erforderlichen Schießnachweis (waidgerechtes Schießen erfordert regelmäßiges
Training unter möglichst realistischen Bedingungen und die Fähigkeit,
gerade auch bei Ansitzdrückjagden verantwortungsvoll mit seinem Können
und seiner Ausrüstung sicher zu handeln)?
8. Muss ein Schießnachweis von ausländischen Teilnehmern (beispielsweise
Jäger aus den Niederlanden oder aus Dänemark) an Ansitzdrückjagden im
Bereich der Liegenschaften der Bundesforstbetriebe erbracht werden, wenn
ja, wie werden diese Standards gewährleistet, und wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 7. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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