Zukunft sichern, Klima schützen - Naturverträgliche Lösungen vor Verfahren zur CO2-Abscheidung und -Speicherung
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Zukunft sichern, Klima schützen - Naturverträgliche Lösungen vor Verfahren zur CO2-Abscheidung und -Speicherung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1546
21. Wahlperiode 09.09.2025
Antrag
der Abgeordneten Dr. Fabian Fahl, Luigi Pantisano, Doris Achelwilm, Marcel
Bauer, Lorenz Gösta Beutin, Violetta Bock, Jorrit Bosch, Jörg Cezanne,
Agnes Conrad, Mirze Edis, Katalin Gennburg, Christian Görke, Mareike
Hermeier, Cem Ince, Cansin Köktürk, Ina Latendorf, Caren Lay, Tamara Mazzi,
Pascal Meiser, Sahra Mirow, David Schliesing, Lisa Schubert, Isabelle Vandre,
Sascha Wagner, Janine Wissler, Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
Zukunft sichern, Klima schützen – Naturverträgliche Lösungen vor Verfahren
zur CO2-Abscheidung und -Speicherung
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Carbon Capture and Storage (CCS) schafft Anreize, an klimaschädlichen
Geschäftsmodellen festzuhalten. Anstatt Investitionen in den sozialverträglichen Umbau der
Energieerzeugung, Energiespeicher und emissionsfreien Produktionsverfahren zu
lenken, würden mit der technologischen Abscheidung von CO₂ und dessen unterirdischer
Speicherung Milliarden in eine riskante und teure Technologie und in Infrastruktur
fließen, die fossilen Industrien als Deckmantel dient. CCS für Gaskraftwerke und die
Produktion von sogenanntem blauem Wasserstoff würde die Abhängigkeit von Erdgas
zementieren und den Ausstieg aus fossilen Energien verzögern. Das konterkariert die
im Grundgesetz festgeschriebenen Klimaziele und verschwendet Ressourcen, die für
Energiewende und Transformation dringend benötigt werden.
Die dauerhafte unterirdische Speicherung von CO₂ ist mit erheblichen und teils
unerforschten Risiken verbunden. Die Offshore-Speicherung ist bislang nicht ausreichend
erforscht. Es gibt zu wenige Daten über Böden, die Dichtigkeit alter Bohrlöcher und
das Risiko von Leckagen, deren Folgen für marine Ökosysteme verheerend wären.
Zudem wird die Speicherkapazität überschätzt. Eine Speicherung in der Nähe von und
Infrastruktur durch Meeresschutzgebiete birgt potenziell katastrophale Folgen für die
besonders zu schützende maritime Umwelt und den Status des Weltkulturerben
Wattenmeer. Die Speicherung an Land wäre unverantwortlich. In einem dicht besiedelten
Land wie Deutschland ist das Risiko der Trinkwassergefährdung, untragbar. Ein CO₂-
Pipelinenetz ist teuer, aufwendig und mit Risiken behaftet, es schafft neue
Flächenkonkurrenzen. Kosten und Risiken durch CO2-Speicher und deren Überwachung
gingen von Konzernen auf die Allgemeinheit über.
Die Einstufung jeglicher CCS-Infrastruktur als Vorhaben von „überragendem
öffentlichen Interesse“ ist ein direkter Angriff auf bewährte Schutzmechanismen. Umwelt-
und Naturschutzbelange würden in Genehmigungsverfahren abgewertet und die
Beteiligungsrechte der Bevölkerung eingeschränkt werden. Eine Hochrisiko-
Technologie darf jedoch nicht gegen den Willen der Menschen und auf Kosten der Natur
durchgesetzt werden – insbesondere dann, wenn sie dem Gewinninteresse von Konzernen
dienen. Das Umweltbundesamt schätzt ein, dass bei einer ambitionierten Klimapolitik
die Stärkung natürlicher CO2-Senken ausreicht, um Residualemissionen zu
kompensieren.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
eine Strategie vorzulegen, die konsequent auf die Vermeidung von
Treibhausgasemissionen setzt und zur Kompensation von nachweislich unvermeidbaren Restemissionen
auf naturverträgliche, risikoarme und gesellschaftlich akzeptierte Methoden
fokussiert. Die Strategie soll sich an folgendem Rahmen orientieren und insbesondere
beinhalten:
– ein umfassendes Bundesprogramm zur Wiedervernässung von Mooren, zum
klimagerechten Waldumbau und zur Wiederaufforstung, um natürliche CO₂-Senken
zu stärken und die Biodiversität zu fördern;
– eine ambitioniertere Circular-Economy-Strategie, die durch intelligentes
Produktdesign, deutlich erhöhte Recyclingquoten und die Vermeidung von Abfällen,
insbesondere bei der Müllverbrennung, Emissionen an der Quelle reduziert;
– die Förderung einer sozial-ökologischen Agrar- und Ernährungswende, um
Emissionen aus der Landwirtschaft signifikant zu senken und Flächenkonflikte zu
lösen;
– einen Ausschluss von CCS in Deutschland, das sich auf die Speicherung von CO2
in unterirdischen Lagerstätten richtet;
– CO2-Exporte nur dann innerhalb der EU zu erlauben, wenn ökologische, soziale
und geologische Voraussetzungen zur Speicherung in den Importländern erfüllt
sind, und außerhalb Europas aus Gründen der globalen Gerechtigkeit
auszuschließen;
– globale Freigabe von Patenten auf Schlüsseltechnologien zur CO2-Entfernung
inklusive CCS, damit auch andere Staaten diese Technologien nutzen können;
– CO2-Pipelines nur für lokale Strecken für unvermeidbare Restemissionen und
CCU, zum Beispiel aus der Stahlproduktion zuzulassen und ein Pipeline-Netz,
auch für Emissionen aus Nachbarstaaten, zu vermeiden;
– CO₂-Entnahme von der Ausstellung von Kompensationszertifikaten
auszuschließen, die fossile Emissionen legitimieren würden;
– die Forschung über weitere Möglichkeiten für negative Emissionen und die
Dekarbonisierung unvermeidbarer Restemissionen zu intensivieren und zu fördern.
Berlin, den 9. September 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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